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der
NatuFwissensehaftliehen Gesellschaft
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in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redactlons-Comit§.
Jahrgang 1885.
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Dresden.
In Commission von WamatZ &. Lehmann, Kgl Sachs. Hofbiichhän.ller.
M.
Üedactions-Comite fxir 1885.
Yorsitzender: Gel». Hofrath Prof. Dr. H. B. Geiiiitz.
Mitgriieder: FreiheiT I). von Biedermann, Prof. Dr. 0. Drude, Oberlehrer
Dr. R» Ebert, Bauratli Prof. Dr. W. Friinkel, Bergingenieur A. PurgoUl.
Prof. Dr. K. Ulbricln; und Dr. J. V. Deichmüllor als yerantwortUcher
Redacteui*.
Sitzungskaiender für 1886.
Januar. T.Zoologie. 14. Botanik. 21. Mineralogie und Geologie. 2^-. Haupt-
versammlung.
Februar. 4. Matbematik. 11. Physik und Clieniie. 18. Prjehiüt. Forschungen.
25. H» II n t VPf C miim 1 11 tt #v
25. Hauptversammlung.
März. 4. Zoologie. 11. Botanik. 18, Mineralo^^ie und Geologie. 25. Haupt-
versammlung,
April. 1. Matbematik. 8. Physik und Chemie. 15. Praebist. Forschungen.
29. Hauptversammlung.
Mai. 6. Zoologie. 13. Botanik. 2(). Mineralogie und Geologie. 27. Haupt-
versammliuig.
Juni. 10. Physik und Cbeniie. 1". Vucat. 24. Hauptversammlung.
Juli. 1. Botanik (ausserordentl. Sitzung). 29. Hkuptversammlung.
August. 20. Hauptversanimlnng.
September. 30. Hauptversammlung.
October. 7, Pi-aehist. Forschungen. 14. Zoologe. 21. Botanik. — Mathematik.
28. Hauptversammlung.
XoYember. 4. Mineralogie und Cfeologie. 11- I^bysik und Chemie. 18. Pr»^l**«^-
Forschungen. 25. Hauptversammlung.
December. 2. Matbematik, -— ^oolofric. ^- Botanik. 16 Hauptversamm-
lung.
Sitzigstienclite id Aliliani
der
Naturwissensehaftliehen Gei
in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redactions-Coml
Jahrgang 1885.
Dresden.
In Commission von Warnatz li Lehmanil, Königl. Sachs. Hofbi
1886.
Inhalt des Jahrganges 1885.
I. Sitzungsberichte.
60Jlbrige Jobelfeier der Gesellschaft Isis S. 3.
I. Section für Zoologri« S. 9. — Ebert, R.: Ueber die Entstehung der Geschlechter
bei Menschen, TWeren und Pflanzen S. 9. -— Geinitz, H. B.: Literatur- Vorlage
S. 11. — Haase, E.: „Zur Biologie der Kafergattung Phengodes Dl." S. 10. —
Krone, H.: Zoologische Sammelberichte aus BrasUien S. 9. — Reibisch, Th.:
Ueber das Skelett des Maulwurfs und abnorme Knochenanh&ufungen und Ver-
wachsungen am Brustkasten eines Huhns S. 9; über Abnormitäten am Gehäuse ver-
schiedener /feto -Arten S. 9. — Vetter, B.: Ueber das Eierlegen und die Ent-
wickelung der Monotrematen S. 9; über Ärch<uopteryx und den Stammbaum der Vögel
S. 9; über die Gliederung des Wirbelthiersdiädels S. 11. — Brief von F. Nott-
haf t, Verbreitung der Kreuzotter betr., S. 9. — Vorlagen S. 9 u. 10.
II« Section fflr Botanik S. 12. — Drude, 0.: Ueber die einheitliche Entstehung neuer
Pflanzenarten S. 13; über eine botanische Excursion zum Kalten Berge bei Ditters-
bach S. 16; über populäre Literatur der deutschen Flora S. 23; Vorlage Ton Pflanzen
aus Angra Pequeim S. 22; Literatur -Vorlagen S. 12 und 18. — Kosmahl, A.
Ueber parasitische Pilze als Urheber von Baumkrankheiten S. 19. ~ Schiller, C.
Hymenophyllum thunbridgense aus der sächsischen Schweiz S. 23. — Stötzer, E..
Melittis MelissophyUum von Dohna S, 15. — Thüme, 0.: Ueber die Flora von
Neu- Vorpommern, Rügen und Usedom S. 18. — Ulbricht, R.: Chemische Analyse
einer Orchidee S. 13. — Vetters, K.: Ueber die Wechselbeziehungen zwischen der
Flora und Fauna von Neuseeland S. 12. — Vorlagen S. 18.
III. Section für Mineralogie und Geologie S. 28. — Danzig. E.: Neue Beobach-
tungen im Lausitzer Granit-Gebiet S. 36. -— Deichmüller, J.: Ueber Ammoniak-
Alaun (Tschermigit) von Dux, Böhmen, S. 34. — Engelhardt, H.: Ueber die
Geologische Karte des sächsischen Granulitgebirges von H. Credner S. 30; über
^reikantner aus der Lössuitz S. 33. — Geinitz, H. B.: Ueber Gesteine von der
Insel Juan Femandez S. '28; über künstliche Krvstallbildungen am Gaylussit S. 28,
Neubildung von Ultramarin und Eisenglanz und künstliche Alaunkrystalle S. 29;
über Whewellit in der Steinkohlenfomiation des Plauenschen Grundes S. 29; über
den angeblichen Meteorit von Hirschfelde bei Zittau S. 30; Qher Podmacites? Beichi
und Iguanodon ManteUi S. 30; Ernennung F. von Hauer*s zum Intendanten der
kaiserlichen naturhistorischen Hofmuseen in Wien S. 30; Über G. Bruder, die Fauna
der Juraablagerungen von Hohnstein in Sachsen S. 34; Vorlage neuerer Literatur
S. 29u. 33. — Oettel, F.: Ueber künstliche Darstellung von Krystallen von Struvit
und Kryolith- ähnlichen Verbindungen S. 29. — Purgold: Ueber Kalkspath von
Hüttenberg und Schwefelkrystalle von der Perticara S. 31; Herderit von Stoneham,
Kastor und Pollnx von Elba und Euklas vom Glockner S. 32, Beryll und Phenakit
aus den Alnen S. 33, Prehuit aus dem Radauthal und Orthoklas von Königshain
S. 34; Bericnt über den Internationalen Gedlogen-Congress zu Berlin S. 34; Vorlage
neuerer Literatur S. 30. T heile. F.: Ueber die typischen Formen und die Ent-
stehung der Dreikantner S. 36, mit Bemerkungen hierzu von H. B. Geinitz S. 36.
— Zschau, F.: Ueber das Vorkommen des iTalkspaths im Syenite des Plauenschen
Grundes S. 33.
IV. Section für prähistorlsqjie Forschnngen S. 38. — Elw. von Burchardi f S. 42.
— von Biedermann, D.: Ueber die Geschichte der Halloren S. 40; über Funde
von Silex craquel^ im Tertiär Frankreichs S. 44. — von Boxberg. J.: Ueber
das Urnenfeld von Dobra S. 42; und H. B. Geinitz: lieber Funde
am Opferstein des alten Mahles von Tauscha bei Radeburg S. 38. — Deich-
müller, J.: Literatur-Vorlage S. 44. — Geinitz, H. B.: Ueber Umenfunde am
Sonnenstein bei Pirna S. 40; über einen angeblichen Fund von Steinbeilen bei Wald-
heim S. 43; neue Pfahlbaufunde S. 44; Literatur -Vorkge S. 38, 39 und 40. <~
OsbornCjW.: üeber die Pfahlbauten des Neuchäteler Sees und die schweizerischen
prähistorischen Sammlungen S. 38. — Wiechel, H.: Ueber die prähistorischen
Funde der Eisenzeit in Sachsen S. 39.
y. Section fUr Physik und Chemie S. 45.— Freyberg, J.: Erläuterungen zu physi-
kalischen Mess- nnd Demonstrationsapparaten S. 50. — Hempel, W.: Ueber die
IV
Sauerstoff bestimmung in der athmosphärischen Laft S. 45; über den Einfluss der
chemischen Natur und des Druckes der Gase auf die Eiektricitätsentwickelung der
Influenzmaschine S. 47. — Raspe, F.: Ueber chemische Untersuchungen von
Frauenmilch S. 45. -- Toepler, A.: üeber optische Hilfsmittel für akustische
Untersuchungen S. 47.
Tl. Section für Mathematik S. 51. — Burmester, L.: Ueber ein neues Diagramm
für die Konstruktion der Stufenscheiben S. 51. — Freyberg, J.: Ueber die Ein-
richtung optischer Modelle von Toepler und von 0. E.Meyer S. 64. — Grübler,
M.: Ueber die Geschichte der Turbinentheorie S. 54. — Proeil, R.: Beiträge zur
Regulirung und Steuerung schnelllaufender Dampfmaschinen S. 52. — Rohn. G.:
Ueber eine lineare Konstruktion der ebenen rationalen Kurven 5. Ordnung S. 51. —
Ulbricht, R.: Ueber das von ilim construirte Proportional-Galvanometer S. 53.
YII. HauptTergammlnngen S. 56. — Fünfzigjähriges Jubiläum der „Isis'' S. 56, 59
und 61. — Verstorbene Mitglieder S. 56, 57, 59, 60, 64, 67 und 70. — Neu auf-
genommene Mitglieder S. 78. — Rechnungsabschluss für 1884 S. 57, 58 und 82. —
Rechnungsrevisoren S. 57. — Voranschlag für 1885 S. 57 und 83.— üble- Stiftung
S. 64. — Freiwillige Beiträge S. 79. — Actie des zoologischen Gartens S. 67. —
Vermehrung der Bibliothek S. 34, 56, 57, 61, 69 und 84. — Besuchsstunden der
Bibliothek S. 67. — Schriftentausch S. 59, 60, 67 und 70. — Beamten-CoUegium
für 1886 S.80. — B. Silliman f, von Sonklar f S.56; G. von Helmersen t
S. 57; W. Dunker t, Röper f S.58; J.Worsaae f S.64; W.B. Carp enter t,
Th. Davidson f, A. verw. Na^el f S. 67. — von Biedermann, I).: Ueber
Dioscoreen-Wiu*zeln imd ÄnastcUica hierochuntica S. 57. — Drude, 0.: Ueber das
botanische Institut zu Buitenzor^ S. 57; über eine Fortsetzung zu Brehm's Thier-
leben 8. 66. — Ebert, R.: Ueber die Schwankungen des Kolilonsäuregehaltes der
Luft S. 57. — Engelhardt, H.: Ueber Bradysismus S. 58. — Geinitz, H. B.:
Ueber den angeblichen Meteoritenfall zu Hirscnfelde bei Zittau S. 58; Uebersijcht
über die im August und September 1885 tagenden naturwissenschaftlichen Wander-
versammlungen S. 61; über glaciale Bildungen in Norddeutschlaud und Sachsen
S. 65; Rückblick auf das Jalir 1885 S. 71. — Harnack, A.: Ueber Maturphilosophie
und Naturforschung S. 59. — Helm, G. : Ueber ein Verfahren zur Veranschau-
lichung der Grössenverhältuisse des Planetensystems S. 66. — Klencke, H.: Ueber
die Grenzen der Erkenntniss und Naturwissenschaft und Philosophie S. 70. —
Krebs, W.: Ueber Knospenbildung und Knospenschutz S. 58. — Neubert, G.:
Ueber den Urspning der Gewitter-Electricität S. 66. — Purgold, A.: Bericht über
eine Reise nacli Italien S. 61; über Mineraleinschlüsse im Granit von Waldheim
S. 68. - Streit, W.: Ueber Leonardo da Vmci als Naturforscher S. 64. —
Thüme, 0.; Referat über B. Frank, neue Mittheilunffen über die Mycorhiza der
Bäume und der Monotrapa hypopitys S. 69. — Wohlfahrt, 0.: Geologische Be-
obachtungen in der Gegend von Dippoldiswalda S. 60.
ExGunlonen S. 73. — Geognostische Excursion nach Dippoldiswalde S. 73; der
internationale Geologencongress in Dresden S. 76; Excursion in die
Dresdner Haide S. 77.
Nekrolog: Zur Erinnerung an Frau Elw. von Burchardi S. 95.
II. Abhandlungen.
I. von Engelhardt, B.: Ueber die Sternwarte des Herrn von Engelhardt in Dres-
den S. 3.
II. Geinitz, H. B.: Ueber Pcdmacites? Beichi Gein. S. 7.
III. Reibisch, Th.: Ueber das Aufstellen von Conchyliensammlungen S. 10.
IHeAnfat'en sindiiUeinvm^antworttichf^rdeii luhaU ihrer AbhdntUufigeti.
Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungs-
berichten auf besonderen Wunsch 25 Separatabzüge gratis, eine grössere
Zahl gegen Erstattung der Herstellungskosten.
Sitzungsberichte
der
naturwissenschaftliehen Gesellschaft
in Dresden.
1885.
50jährige Jubelfeier der Gesellschaft Isis.
Zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der „Isis" fand am 14. Mai
1885, Mittags 12Vs Uhr eine Festsitsimg statt, welche Se. Majestät
der König mit seiner Gegenwart zu beehren geruhte und welche eine
glänzende Versammlung in der Aula des Kgl. Polytechnikums vereinigte.
Ausser einer grossen Zahl hiesiger und auswärtiger Mitglieder der
Gesellschaft waren erschienen die Herren Staatsminister Excellenzen
Dr. von Gerber,^ von Nostiz-Wallwitz und Dr. von Abeken,
Stadtcommandant Generallieutenant Exe. von Funke, Exe. wirkL Geh.
Rath Dr. Schmaltz, Kreishauptmann von Koppen fels, General
Schubarth aus Görlitz, Geh. Räthe von Thümmel, Meusel, Götz,
von Craushaar und Häpe, Polizeipräsident Schwauss, Oberbof-
prediger und Vicepräsident Dr. Kohlschütter, Hofprediger Ober-
consistorialrath Dr. Rühling, Consistorialrath Superintendent Dr. Meier,
Geh. Oberforstrath Dr. Judeich aus Tharandt, Geh. Finanzrath Kopeke,
Oberbürgermeister Dr. Stübel, Bürgermeister Bönisch, Stadträthe
Kunze und Toucher, zahlreiche Professoren der Kgl. technischen Hoch-
schule und Vertreter der Kgl. Forstakademie in Tharandt, der Kgl. Thier-
arzneischule , der hiesigen Vereine für Natur- und Heilkunde, für Erd-
kunde, des Gewerbevereins, des Kgl. meteorologischen Instituts in Chemnitz,
der naturforschenden Gesellschaft in Görlitz u. a.
Bei dem Erscheinen Sr. Majestät des Königs um V^l Uhr wurde
Höchstderselbe durch den Vorstand der Gesellschaft, Geh. Hofrath
Dr. Geinitz, Oberlehrer Dr. Helm und Hofbuchhändler Warnatz, im
Vereine mit Geh. Rath Director Dr. Zeuner ehrfurchtsvoll empfangen
und nach dem Sitzungssaal geleitet.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz eröffnete die Sitzung mit der folgenden
Ansprache:
„Allergnädigster König! Hohe und hochansehnliche
Versammlung!
Es ist mir die hohe Ehre geworden, Ew. Majestät und Sie Alle im
Namen unserer Gesellschaft Isis bei ihrer fünfzigjährigen Jubelfeier
herzlich zu begrüssen und Ihnen Allen für Ihre Theilnahme an diesem
Feste unseren tiefgefühlten, verbindlichsten Dank auszusprechen. Gerade
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der
NatuFwissensehaftliehen Gesellschaft
in Dresden.
Her{iusgege])eu
von dem Redaetlons-Comlt^.
Jahrgang 1885.
Dresden.
In Comniis.Mon von WarnatZ & Lehmann, Kgl. Sachs. Ilofbuchhnn.ller.
□ 188«. puC
rL
Hedactions-CoxxLite Tiir 1885.
Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. H. B. Geinitz.
x> f T^v O Drude, Oberlehrer
Mitglieder: Freiherr I). von Bieder mann. Piot. ^»; '^- ^ purgoltl.
Dr. R. Ebert. Baurath Prof. Dr. W. Frankel ^l^^f^Jant^yortUcUer
Prof. Dr. R. Ulbricho und Dr. J. V. Deichmrtllcr als >eran
Redacteui".
Sitzungskalender für 1886.
Januar. 7. Zoologie. 14. Botanik. 21. Mineralogie «nd Geologie. 2.-. Uaupt-
Versammlung. . ..^ ,» i«* Vm-<rhiui''eii-
Februar. 4. Mathematik. 11. Physik und Chenne. 18. Priehist. Foi^chim«
März. 4. Zoologie. 11. Botanik. 18. Mineralogie und Geologie, io. «avi
Versammlung. . ,^ , • . i.^/^,.ttM»nii£reiK
April. 1. Mathematik. 8. Physik und Chemie. 15. Pnehist. Imschunge,
29. Hauptversammliiiig- , ^, , . 07 Hani>t-
Mai. 6. Zoologie. 13. Botanik. 2(). Mineralogie und Geologie. -^. ^^' 1
versaramluntf. ,, „i«ii^
Juni. 10. Physik «nd Chemie. iL Vaaat. 24 Haupt versamml"g-
JuH. 1. Botanik (ausserordentl. SitzmigK 2i). HHuptversammUmg.
Augrust. 26. Hauiitversamniluug.
September. 30. Hauptversanimliiug , ., v,„,i.pmatik.
October. 7. Pnehist. Forschungen. 14. Zoologie. 21. Botanik.- Mathemat.K
28. Hauptversammluu^- . ,^, . io Prjpliist.
Norember. 4. Mi„e,alogic "»*l^,^:l"S^uli/^>-^*'' undChennc. 16. Pr^l^»«
Forschungen. 2ö. Hauptversammlung ,,ersan.m-
December. 2. Mathematik. — ^^''o»»»'*"- «• «otan,k. 16. Hauptversai
hing.
Sitzigslienclite lülilMdliiiigen
der
NatuFwissensehaftliehen Gesellschaft
in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redactlons-Comltö.
Jahrgang 1885.
Dresden.
In Commission von Wamatz & Lehman II, Königl. Sachs. Hofbuchhändler.
8
Nach dieser Begrüssungsrede bestieg Prof. Dr. 0. Drude die Redner*
bühne, um in eingehendem Vortrage ein klares Bild von Sachsens
pflanzen -geographischem Charakter zu entwickeln *),
Nach Beendigung der officiellen Feier unterhielt sich Se. Majestät
noch längere Zeit in huldvollster Weise mit den beiden Festrednern und
den Vorsitzenden der Gesellschaft, sowie mit verschiedenen anderen an-
wesenden Herren. Bei dem Scheiden Sr. Majestät bekundete ein von dem
ersten Vorsitzenden ausgebrachtes dreimaliges Hoch die Treue und Ver-
ehrung der Mitglieder der „Isis" und ihrer Gäste für den allgeliebten
Monarchen. —
Am Abend des Jubeltages fanden sich zahlreiche Mitglieder und
einzelne aus der Ferne herbeigeeilte Gäste zu einer zwanglosen Zu-
sammenkunft, FeBt-Osiris, im kleinen Saale des Gewerbehauses ein,
welcher zu diesem Zwecke geschmackvoll und der Thätigkeit der Gesell-
schaft entsprechend ausgeschmückt war. Während die eine Seite des
Saales eine prachtvolle Gruppe tropischer Gewächse einnahm, aus welcher
die Büsten Sr. Majestät des deutschen Kaisers und Sr. Majestät des Königs
von Sachsen neben der Alexander von Humboldts hervorragten, veran-
schaulichten an den Wänden Apparate und Darstellungen die Thätigkeit der
einzefnen Sectionen, unter denen namentlich eine reizende, von Herrn Römer ,
Conservator am Kgl. zoologischen Museum, aufgestellte Gruppe allseitigen
Beifall fand. Der zweite Vorsitzende der Isis, Oberlehrer Dr. Helm,
eröffnete die Festfeier mit einem Toast auf Ihre Majestäten den deutschen
Kaiser und den König von Sachsen. Oberlehrer Engelhardt feierte den
Vater der Isis, Geh. Hofrath Dr. Geinitz, welcher seinerseits die aus-
wärtigen Mitglieder leben liess und die zahlreichen Gesellschaften namhaft
machte, welche Glückwunschschreiben und Telegramme eingesandt hatten.
Ihm folgten zahlreiche Toaste ernsten und heiteren Inhalts, welche der
Gesellschaft, den Festrednern, dem Festcomite, den Professoren des Kgl.
Polytechnikums u. a. galten oder in launiger Weise das Wirken der „Isis"
verherrlichten. —
Am Nachmittag des 16. Mai 1885 unternahm eine grössere Zahl
Mitglieder mit ihren Familien einen Ausflug nach Tharandt, wo sie
unter der freundlichen Führung des Herrn Geh. Oberforstrath Dr. Judeich
und mehrerer der Herren Professoren der Kgl. Forstakademie die Ein-
richtungen des Forstgartens besichtigten und einen längeren Spaziergang
durch die heiligen Hallen ausführten.
Mit diesem Ausflug schloss die Jubelfeier der Isis, welche wohl bei
allen Theilnehmern einen freundlichen und bleibenden Eindruck hinter-
lassen hat.
^) Von einer ausführlichen Wiedergabe dieses Vortrags soll für jetzt hier
abgesehen werden, da Vortragender dasselbe Thema in reicherer Weise ver-
arbeitet zum Gegenstände einer späteren, durch Karten zu erläuternden Ab-
handlung zu machen gedenkt.
I. Section für Zoologie.
Ente SltzuBf am 19. Februar 1885. Vorsitzender: Oberlehrer
Dr. R. Ebert.
Schuldirector Th. Reibisch legt vor und bespricht das Skelett des
Maulwurfs und abnorme Knochenhäufungen und Verwachsungen am Brust-
kasten eines Huhns.
Prof. Dr. B.Vetter spricht über das Eierlegen und die Ent-
wickelung der Monotrematen.
Docent H. Krone giebt unter Vorlage zahlreicher Objecto zoo-
logische Sammelberichte aus Brasilien, die sein Sohn ton dort
eingesendet.
Zweite Sltzuns am U. April 1885. Vorsitzender: Überlehrer Dr.
R. Ebert.
Prof. Dr. B. Vetter spricht über Archaeopteryx und den
Stammbaum der Vögel. (Vergl. Festschrift der Isis, 1885, S. 109.)
Dritt« Sitzans am 18. Juni 1885. Vorsitzender: Oberlehrer Dr.
R. Ebert.
Zur Vorlesung gelangt ein Brief von Dr. F. Notthaft aus Frank-
furt a. M., der mit einer Abhandlung über die Verbreitung der Kreuz-
otter beschäftigt, uni darauf bezügliche Notizen bittet.
Schuldirector Th. Reibisch spricht über Abnormitäten am Ge-
häuse verschiedener Helix- kr ten und anderer Schnecken und erläutert
dieselben an zahlreichen Exemplaren seiner Sammlung.
Der Vorsitzende behandelt die Entstehung der Geschlechter
bei Menschen, Thieren und Pflanzen nach Dr. Heincke in Oldenburg
und Dr. Karl Düsing's Werke: Die Regulirung des Geschlcchtsverhält-
nisses bei der Vermehrung der Menschen, Thiere und Pflan^^en.
JO
Vierte Sitznnfp am 15. October 1885. Vorsitzender: Oberlehrer
Dr. R. Ebert.
Dr. Erich Haase führt den Duftapparat von Acherotitia Atropos h,
vor und hält einen eingehenden Vortrag; „Zur Biologie der Käfer-
gattung Pkengodes III."
In seinen „Reisen in Südamerika" berichtet Azara von einer Insekten-
larve, deren Kopf und Nacken wie eine glühende Kohle in rothem Licht
erglänzte und deren Seiten eine Reibe gelblichgrün strahlender Leucht-
flecken zeigte.
Eine ebenso auffallend leuchtende Larve fand Reinhardt in einem
südamerikanischen Landstädtchen. Er gab eine sehr genaue Beschreibung
des äusseren Baues derselben und beobachtete, dass das gelbgrüne Licht
der Seitenleuchtflecken von der Willkür des Thieres beeinflusst wurde,
während das rothe am Kopf constant blieb.
Ohne von seinen Vorgängern Kenntniss zu haben, beschrieb A. Murray
1869 eine von Fry bei Rio de Janeiro auf einem Landweg gefundene Larve,
welche in der von Azara beschriebenen Weise geleuchtet hatte, und bildete
sie recht treffend ab; nach einer Notiz von Trimen im selben Bande des
„linnean Journal" war eine solche Larve auch schon einmal in Monte-
video von einem Canonicus Ogilvie beobachtet worden. Die fragliche
Larve muss sehr selten sein, da sie alle Beobachter höchstens in zwei
Exemplaren gefunden hatten. Nach Murray steht dieselbe den Elateriden-
larven am nächsten, obwohl sie nicht der Familie dieser Käfer unbedingt
zuzutheilen ist; er nennt sie so provisorisch Astraptor illuminans.
Im Anschluss an Murray's Arbeit veröffentlichte Burmeister zwei
Jahre später Beobachtungen über eine leuchtende Käferlarve, welche die-
selben Lichterscheinungen zeigte, jedoch sich im äusseren Bau von Murray's
Larve deutlich unterschied und von Burmeister zur Gattung Pyrophorus^
den echten Leuchtschnellkäfern, gestellt wurde.
Ohne von diesen Vorarbeiten Kenntniss zu nehmen, beschrieb endlich
noch Weyenbergh 1872 die besprochene leuchtende Larve, welche er in
den Strassen Cordova's bei strömendem Regen gefunden hatte; auch er
hält die Larve für zu Pyrophorus gehörig. Die Larve Weyenbergh's nun
stimmt am meisten mit der von Murray und Reinhardt, die Burmeister's
(ihrer bedeutenderen Grosse nach) mit der Azara^s überein. Auch unter
den von Herrn Dr. A. St übel aus Südamerika mitgebrachten Thieren
befinden sich zwei solcher als „leuchtend^* bezeichneter und dem i^Astraptor^^
sehr ähnlicher Larven.
Die Entscheidung der Frage, zu welcher Gattung jene leuchtende
Larve gehörte, wuräe nach dem Vortragenden besonders dadurch hin-
gehalten, dass die Beschreiber der Larve keine anderen leuchtenden Käfer
herbeiziehen zu können glaubten, als Lampyriden und Pyrophorus. Nun
leuchten aber noch die zahlreichen Arten der amerikanischen Phengödes^
was schon Goudot 1843 geschildert hatte, und in der That finden sich
11
besonders in den Dr. StübeFschen CoUectionen diese ^,Ästraptar*^ neben
relativ reichlichen PhengodeSf die alle, wie Vortragender durch Präparation
feststellte, Männchen sind.
Auch die Phengodes des Berliner Museums sind alle männlichen Ge-
schlechts. Volle Klarheit gab endlich die Beobachtung des Herrn Dr.
HieronynoLUs, einstigen Professors der Botanik in Cordova, der Phengodes-
Männchen, einer noch unbeschriebenen Art angehörig, mit dem Ästraptar
genannten Thier in C!opula fand. Das Weibchen legte später Eier, aus
denen nach kurzer Zeit ihm sehr ähnliche Larven hervorgingen, die so
leuchteten, wie ihre Mutter.
Auch die anatomische Untersuchung dieser ganz flügellosen, mit
Larvenfuhlem und einkralligcn Beinen versehenen, durchaus larvenähn-
lichen Weibchen liess reife Eier im Uterus, sowie ein mit Spermatozoen
gefülltes Receptaeulum seminis erkennen. Die darauf bezüglichen Präpa-
rate und Zeichnungen werden vom Vortiragenden vorgezeigt.
So ist denn durch die Entwickelung des Weibchens von Phengodes
wieder ein Uebergangsbeispiel mehr von sogenannter vollkommener zu
sogenannter unvollkommener Verwandlung der Insecten, sowie ein Beweis
dafür gebracht, dass die Gattung Phengodes^ welche zu den besonders ab-
getrennten Telephoriden gestellt wurde, besser mit letzteren und den Lam-
pyriden s. str. eine einzige Gruppe bildet.
Prof. Dr. B. Vetter spricht über die Gliederung des Wirbel-
thierschädels.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz bringt einen Aufsatz von Dr. E. Th. Liebe,
die Uebelthäter in der Vogelwelt, zur Vorlesung.
12
IL Section für Botanik.
Erste Hitiung am 8. Januar 1885. Vorsitzender: Prof. Dr.
0. Drude.
Der Vorsitzende legt Kirchner^s Süss Wasserflora (abgekürzter Leit-
faden für die Algenflora Mitteleuropas) und Leitgeb's Vortrag über
Reizbarkeit und Empfindung im Pflanzenreich vor.
Dr. K. Vetters hält einen Vortrag über die Wechselbeziehungen
zwischen Flora und Fauna von Neuseeland.
Das organische Leben dieser Inselgruppe ist in vieler Beziehung sehr
interessant , • besonders zeigt die Fauna mancherlei Sonderheiten im Ver-
gleiche zu anderen Theilen der Erde. So ist das gänzliche Fehlen der
Landsäugethiere und das Auftreten merkwürdiger Formen im Reiche der
Vögel und Amphibien für Neuseeland charakteristisch. Frühere Forschungen
betonten auch eine aufiTällige Armuth an Insecten, die bei uns eine so
bedeutende Rolle im Befruchtungsgeschäfte der Pflanzen spielen, und schloss
man aus dieser Beobachtung, dass die Vegetation auf Neuseeland bei
weitem nicht so abhängig von der Thierwelt sei wie bei uns. Die gleich-
zeitigen Untersuchungen über die Flora des Eilandes konnten diese An-
nahme nur bestätigen. Nach den Angaben von Wallace sind die Blüthen
der neuseeländischen Pflanzen meist klein, unansehnlich und auch durch
ihre Färbung wenig in die Augen fallend. Wohlriechende Blumen sind
nach ihm äusserst selten. — In Bezug auf die Insectenwelt sei erwähnt,
dass Wallace nur 1 1 Tribus Schmetterhnge und 300 Species Käfer kennt.
Dipteren und Heteropteren hat er nicht vorgefunden; die auftretenden
Neuropteren, Orthopteren und Homopteren kommen nicht in Betracht,
da sie keine Blumen besuchen.
Nach neueren Forschungen stellen sich jedoch die Verhältnisse
wesentlich anders. Man fand auf Neuseeland viele hundert Schwärmer-
arten, 1300 Species Käfer, 10 Bienenarten und über 90 Species Dipteren.
Auch die Flora ist keineswegs so arm wie sie uns nach den Schilder-
ungen von Wallace erscheint. Georges Thompson sammelte in einem
Zeiträume von 3 Jahren 132 Genera mit 262 Species blühender Pflanzen,
von denen nach seinen Beobachtungen nur 82 Species einige Wahrschein-
13
lichkdt der Selbstbefirochtang fBr sich haben. Hindchtlich der Färbung
der Blfithen constatirte Thompson, dass 72 Species weiss, 27 gelb,
18 grünlich, 2 violett, 2 blau und 11 roth oder rosa gefärbt waren.
Nor 8 Species sind vollständig gemchlos, tragen aber dafiir schöne Blüthen
Ton bedeutender Grösse, die durch kleine Vögel besucht werden. Mit
Einscbhiss der anemophilen Pflanzen bleiben nach Thompson nur 39 Species
übrig, die in keinerlei Beziehung zur Insectenwelt stehen.
Prof. Dr. R. Ulbricht berichtet über chemische Analysen von
einer Orchidee; Vortragender Üieilt mit, dass er, um einen Beitrag
zur Ernährung der epiphyten chlorophyllführenden Pflanzen zu liefern,
ein Stück Oneidium sphacdatfim Lindl. aus dem Dresdener botanischen
Garten untersucht habe. Der untersuchte Trieb betrug allerhöchstens ein
Zehntel der ganzen grossen, ohne jede weitere Unterlage auf berindetem
Holze wachsenden Pflanze und bestand aus
Luftwurzeln 6,5 Proc.
Scheinknollen (3) 65,9 „
Sonstigen Organen (ohne Blüthen) 27,6 „
Alle Organe enthielten, im Gemenge untersucht,
Wasser 89,91 Proc
Trockensubstanz 40,09 „
Reinasche 0,60 Proc.
darin
Kalkerde 0,387 „
Talkerde 0,053 „
Eisenoxyd 0,021 „
Phosphorsäure 0,023 „
Kieselsäure ... ^ ... . 0,045 „
Alkalien, Schwefelsäure und Chlor 0,071 „
Redner berichtet hierzu noch über zahlreiche, von De Luca in den
Compt. rend., 1866, pag. 244 ausgeführte Bestimmungen des Aschegehaltes
verschiedener Orchideenarten und knüpft hieran kurze Betrachtungen über
die Aufnahme von Mineralstoffen seitens der Epiphyten durch die Luft-
wurzeln" und andere Organe aus dem atmosphärischen Staube.
Zweite Sitzang am 5, Hlrz 1885. Vorsitzender: Prof. Dr.
0. Drude.
Der Vorsitzende hält einen Vortrag über „Die einheitliche Ent-
stehung neuer Pflanzenarten''. Seit der Zeit, wo man über die
Bedingungen, unter welchen neue Arten sich bilden können, wissen-
schaftliche Forschungen und Betrachtungen angestellt hat, ist die Frage,
ob jede neue Art wirklich nur eine einzige Heimat haben müsse oder ob
dieselbe Art (überhaupt jede Sippe) auch an völlig geschiedenen Orten
14
gleichzeitig oder ungleichzeitig ganz nnabhängig mehr&ch habe entstehen
können, von besonderer Wichtigkeit gewesen. Die Mehrzahl der Heimats-
areale von Pflanzen ist derartig beschaffen, dass ein ernster Zweifel an
der einheitlichen Entstehung nicht gehegt werden kann ; in Frage kommen
nur solche Fälle, wo an weit entlegenen Orten dieselbe Form thatsächliob
beobachtet wurde, ohne dass man eine Wanderung von einem zum anderen
Orte für leicht erklärlich halten darf; diese Fälle betreffen also die
sogenannten „discontinuirlichen^^ oder „disjuncten'^ Areale, welche den
„continuirlichep'^ Arealen als Minderzahl gegenüberstehen. — Vor einem
Decennium beschäftigte die Pflanzengeographie in dieser Hinsicht das Areal
der zu den Rhamneen gehörigen Fhylica arborea, dem krummholzartig
wachsenden starken Strauche der Insel Tristan d'Acunha, welche viel
später auch auf Neu -Amsterdam, einer über 1300 Meilen von ersterer
entfernten Insel, gefunden wurde, sonst nirgends auf der Erde. Die aus-
führliche Discussion des Falles ergab doch auch hier mit der grössten
Wahrscheinlichkeit Verschleppung dieser Phylica durch oceanische Ström-
ungen von Tristan d'Acunha nach Neu - Amsterdam. — Ein anderer Fall
betrifft die Koa-Acacie, welche gleichzeitig auf den Sandwich -Inseln und
auf Madagaskar, sonst nirgends, beobachtet sein sollte. Hier hat sich
nun allerdings herausgestellt, dass die Acacia Koa der Sandwich-Inseln
specifisch von der malagassischen Form A, heterophyUa verschieden ist,
dass somit überhaupt nicht dieselbe Art an zwei getrennten Orten ent-
standen ist. Befremdend ist aber der Fall trotz alledem, da beide Acada-
Arten zu der sonst ÜEist allein auf Australien beschränkten Section der
Phyüodinae gehören; es wäre also wohl als das Wahrscheinlichste anzu-
nehmen, dass vor langer Zeit von Australien aus eine phyllodine Acacie
sowohl nach den Sandwich-Inseln als nach Madagaskar verschlagen wurde,
welche sich dort zu den einheimischen Arten umgebildet hat; in solchen
Fällen, sobald wir der bestehenden Artverschiedenheit wegen auf ver-
gangene Zeitabschnitte der Erdentwickelung zurückgreifen müssen, hat die
Hypothese ein um so freieres Spiel, ist eine sichere Entscheidung um so
schwerer zu treffen. — Ein dritter, sehr interessanter Fall betrifft das
Auftreten von Cctstanea vesca im Mediterrangebiet und ganz unabhängig
davon in den atlantischen Staaten Nordamerikas; in beiden Gebieten
weichen die Formenkreise der Kastanie nur wenig von einander ab. Hier
vermag die Entwickelungsgeschichte der Erde erklärend einzugreifen, welche
aus paläontologischen Resten die frühere viel weitere Verbreitung der
Kastanie im Tertiär nachweist, wo sie auch z. B. in Japan gefunden ist,
ohne jetzt dort noch wild zu sein ; nimmt man die Verbreitung der ver-
wandten Gattung Castanopsis in Ost- Asien und Kalifornien dazu, so erhellt
daraus, dass von dem grossen Areal der Kastanien {Oastanea und
Castanopsis) in der arkto-tertiären Flora, welches vielleicht seinen Mittel-
punkt an beiden Küsten des Stillen Oceans gehabt hat, für Casianea vesca
in der jetzigen Periode nur noch die beiden fragmentarischen, südwärts
15
stark Torgeschobenen Gebietsreste in der Alten and Neuen Welt übrig
geblieben sind.
Es ist also wiedemm aus der Betrachtung aller dieser Fälle hervor-
gegangen, dass kein zwingender Orund iiir die getrennte Doppelentstehung
derselben Art geltend gemacht werden kann. Es ist jedoch dabei nöthig,
den Begriff der „einheitlichen" Entstehung nicht su eng beschränkt auf-
zufassen ; man darf sich schwerlich Torstellen, dfcss nur an einer sehr eng
begrenzten Stelle irgend eine neue Art entstehen und sich von da weiter
yerbreiten müsse. Vortragender ist der Meinung, dass, wenn z. B. unter
den vielen iZtiAu^- Formen Mitteldeutschbinds eine besonders zur Heraus-
bildung einer neuen Art neigte, diese gleichzeitig im Riesen-, Iser-, Erz-,
Fichtelgebirge u. s. w. entstehen könnte und also sogleich aus vielen
Stammpflanzen erzeugt, ein grösseres Areal (selbstverständlich ein continu-
irliches) von Haus aus besässe.
Sobald wir den Boden der Betrachtung von den Arten und ihren
Arealen ausdehnen auf die Gattungen und ihre Areale, wird die Discussion
schwieriger und häufen sich die Annahmen wegen unserer Unkenntniss
der letztvergangenen Erdperioden. Vortragender beleuchtet beispielsweise
die disjuncten Areale von Chstanopsis (kaum disjunct zu nennen), Fagfis
mit 3 borealen und 12 aastralen Arten ohne eine einzige Repräsentativ-
form in den Tropen und in Afrika, Pelargonium mit 163 Arten am Gap,
2 im südlichen trop. Afrika, i ^uf Tristan d'Acunha und Neuseeland,
2 in Südost- Australien , 3 in Abessinien, 1 auf dem Taurus, Kurdistan
und Cilicien, und die Goniferen-Gattung Liboeedrus, deren jetziges Areal
mit verschiedenen Arten Kalifornien, China, Neu-Kaledonien, Neuseeland
und Chile umfasst.
Hinsichtlich näherer Einzelheiten sowohl über diese Fälle als über
die Theorien, welche sich daran anschliessen , ist auf des Vortragenden
Abhandlung „lieber die systematische und geographische Anordnung der
Phanerogamen" zu verweisen, welche in dem zuTrewendt's Encyklopädie
der Naturwissenschaften gehörigen Handbuch der Botanik von Schenk
in nächster Zeit erscheinen wird.
Dritte Sitzung (Im Kaltbaase des Kgl. bolaiiiselien Gartens) am
4. Juni 1885. Vorsitzender: Prof Dr. 0. Drude.
Herr E. Stötzer legt ein noch frisches, in der Nähe von Dobna
gesammeltes Exemplar von Mdittis MdissophyUtm vor, durch welches
der erfreuliche Beweis geliefert ist, dass der in Prof. Drude' s Abhand-
lung über die östlichen Pflanzengenossenschaften in der Umgebung Dresdens
(Festschrift dieses Jahres, S. 101) erwähnte Stendort für diese seltene
Labiate noch jetzt besteht.
16 _
Der Vorsitzende berichtet über eine von ihm in den Pfingsttagen ausge-
führte botanische Excursion zum Kalten Berge nahe Dittersbacli
und Böhmisch-Kamnitz, einer steil bis 736 m Höhe ansteigenden Basaltkuppe,
welche sich als runder Dom wie ihre Schwester, der Rosenberg bei Tetschen,
über das Eibsandsteingebirge erhebt. Es ist bekannt, dass der grosse
Winterberg im sächsischen Qebietstheil einige seltenere Pflanzen in seiner
Flora besitzt, welche dazu anspornen, die Flora der südwärts stärker und
dominirender henror tretenden Basaltberge genauer zu untersuchen. Es
hat sich auch thatsächUch bei diesem Frühjahrsbesuche herausgestellt,
dass die Mehrzahl der selteneren Pflanzen des sächsischen Eibsandstein-
gebirges hier in viel reicherer Fülle neben neu hinzukommenden auftreten.
Wenn Vortragender diesen Vorkommnissen eine grössere Aufinerksamkeit
widmet und sie hier erwähnt, so geschieht es nicht, als wenn die ge-
nannten Pflanzen an anderen, vielleicht Dresden näher gelegenen Orten nicht
auch zu finden wären, sondern um die Flora des Eibsandsteingebietes mit
seinen romantischen, doch floristisch immerhin ziemlich einförmig zu
nennenden tiefdurchfurchten Thälern durch die reichhaltigen Sammelplätze
der nordböhmischen Basaltberge zu beleben, zu zeigen, dass sich hier
eine Montanflora befindet, von der viele Vertreter auch auf die sächsischen
Spitzen oder Thalschluchten vorgedrungen sind, und um für die topo-
graphische Botanik dieser uns hoch interessirenden Landschafben zu
sorgen.
Vortragender stieg zu dem Berge* vom Dorfe Kaltenbach aus hinan,
da wo der Bach gleichen Namens in 360 m Höhe vom Berge herab-
kommend in das Dorf eintritt. Hier sind schöne Bergwiesen, jetzt
(25. Mai) alle im Schmuck von Orchis Mario, Saxifraga granulata^ Plantago
lancedata, Luztda campest-ns, ÄlchemiUa vulgaris, Banuncidus acer,
Veronica Chanuxeärys, Rumex Acefosa, Bellis perennis zwischen Anthoxan-
thum und Alopecurus prangend, auf Sandstein als Untergrund. Dem*
Bachthal aufwärts folgend (dasselbe bildet eine tiefe Thalfurche an der
Nordostseite des Berges) und über eine steilere Bergwiese mit Thlaspi
aipestre (sehr häufig!), Pölygala vulgaris mit dunkelblauen Blumen, Ajuga
reptans und Cardamine pratensis hinschreitend, trifft man alsbald auf den
Wald, der aus den drei Nadelhölzern (Fichte, Tanne, Kiefer), der Erle
und Buche zunächst besteht, dann aber in den höheren Lagen auf Basalt-
untergrund in den herrlichsten Buchenwald übergeht, wie er in gleicher,
sonst diesen Gegenden fehlenden Schönheit auch auf dem Rosenberge
erblickt wird; die höchsten Lagen nimmt dann wieder der Nadelwald
(Tanne!) grösstentheils für sich.
Am Bach, im tiefen oder lichteren Schatten des gemischten Waldes,
stösst man alsbald auf Cardamiiie amara und Euphorbia dtilcis, dichte
Massen von ChaeropfiyUum hirsutum, Equisetum siJvaticum, stellenweise
auch Möhringia trinervis» Bei 400 m Höhe angelangt, zeigen sich plötzlich
zwei bessere Vertreter der Montanflora r zuerst {Seneciö) Tephroseris sudetica
17
in erster Blüthe, die Doldentrauben strahlig ausgebreitet, die orangegelben
Blumen weithin leuchtend; und dann einige Meter höher hinan Petasites
nUms, jetzt schon völlig verblüht und mit weissschiramernden Pappus-
kränzen an* den Früchten. Die beiden Girysospknien wachsen auf dem
quelligen 'Boden gesellig, an einzelnen Waldplätzen Smilacina bifolia in
ungeheuren Mengen, dazu Paris quadrifdia und Carex bri^saides. Die
ersten Pfte^iYcs-Exemplare stehen da, wo sich grobes Basaltgeröll zwischen
die Sandsteinblöcke mischt; bald schwinden die letzteren und der Berg-
charakter wird vorwaltend. Poa sudetica neben Milium effusum zeigen
sich alsbald als bemerkenswerthe Gräser, beide kräftig in Halme schiessend
und noch weit von der Blüthe entfernt, Ordbus vemus hier jetzt erst in
Blüthe eintretend, Oo'aUs Acetoselln, Cysiopteris, neben Pclypodium
Ih^yopteris auch PJiegqpteris , und mit 450 m Höhe die ersten Exemplare
von Dentaria mneaphyllos! Ueber 500 m hoch wächst Petasites albus
als häufigste Pflanze im Bachgeröll, und alsbald muss das Bachthal mit
seinem bequemen Aufstieg verlassen und mit Bergpfaden, welche von der
Nordseite her zum Gipfel fuhren, vertauscht werden. Hier, an den
trockneren Abhängen, im herrlichsten, oft geschlossenen und oft wieder
lichteren Buchenwalde bedecken jetzt zumeist Met'curialis perennis und
Asperula odarafa den Boden, ist Lamium maculatum häufig, und blüht
noch jetzt Sambucus racemosa. Grosse Massen von Dentaria enneaphyllos
sind neben einer grossblüthigen, dunkelvioletten und wohlriechenden Form
von Glechoma hederacea häufig, und dazu gesellt sich als Gattungsgenoss
Dentaria bulbifera an den Lichtungen; die grösste Häufigkeit beider
Dentarien liess sich um 630 m beobachten , wo auch Ranunculus lanugi-
nosus, Actaea spicata neben GaleobddUm luteum sich zu ihnen gesellten.
Von hier an beginnt der reine Buchenwald wieder in Mischwald über-
zugehen, stellenweise Fichten vorzuherrschen mit Pyrola uniflora und
sectmda (in Knospen) in ihrem Schatten, und die Tanne in einzelnen
schönen Stämmen sich einzumischen; die Kuppe wird steiler, das Geröll
nimmt zu, dazwischen stehen die üppigsten Exemplare von Paris quadri-
folin und grosse Rasen von einer durch ihre rosa Blüthenfarbe sehr aus-
gezeichneten Spielform der Myosotis silvatica.
Die Kuppe selbst war damals noch dicht mit Buchen, Fichten,
Bergahorn (gerade in erster Blüthe bei 736 m Höhel) und Tannen
bewachsen; inzwischen soll den Anstrengungen des böhmischen Gebirgs-
vereins ein bequemer Aufstieg mit Rundsicht von der Kuppe zu verdanken
sein. Ribes alpinum mit Daphne Mezereum bildete das Untergesträuch,
Paris, Urtica, Asperula und Mercurialis die gesellige Stauden Vegetation.
Beim Abstiege gen Südosten auf die obersten Häuser des Dorfes Hasel zu
erschienen auf den flachgewölbten Bergwiesen mit eben abgeblühten
Vrimula eiatior und Anemone nemarosa, Polygala vulgaris, CmivaUaria
niajalis (auf der Wiesel) und der niedergedrückten Wiesenform von
Aldiemilla vulgaris grosse Rudel von Orclns samhtieina, bald rothbraun,
üe». Isi» in Dresden 1885. — Hiürangtbcr. 2. 2
_^ 18
bald wachsgelb in den Blüthen, die einen erfreulichen Abschluss des
Ausfluges bilden. —
Die selteneren Pflanzen dieser Gegend wurden vorgelegt und alsdann
die Photographie in natürlicher Grösse nebst Originalfrüchten eines grossen
Phytelephas maVromrpa -Kolbens gezeigt, welche beide Herr Amtsrichter
Munkel so freundlich war der Gesellschaft zur Ansicht zu senden.
Ein gemeinsamer Spaziergang durch den botanischen Garten beschloss
diese Sitzung.
Vierte Sitzuntp am 1. October 1885. Vorsitzender: Prof. Dr.
0. Drude.
Der Vorsitzende legt den neu erschienenen „Botaniker-Kalender** vor.
Handelsschullehrer 0. Thüme hält einen Vortrag über die Flora
von Neu-Vorpommern, Rügen und Usedom, da er im letzten
Sommer Gelegenheit gefunden hatte, die Flora der letzteren Insel aus
eigener Anschauung theilweise kennen zu lernen. Nachdem Vortragender
über diese Insel im Allgemeinen und eingehend über die Lage und sonstigen
Verhältnisse des auf ihr liegenden Badeortes und Fischerdorfes Ahlbeck,
das eine halbe Stunde von dem bekannten Bade Häringsdorf entfernt ist,
berichtet hatte, theilte er mit, dass nach Prof. Marsson dieses Floren-
gebiet 1126 Arten umfasst, unter denen sich 835 Dikotyledonen,
291 Monokotyledonen und 24 Bastarde befinden, und stellt sich das Ver-
hältniss der Mono - zu den Dikotyledonen wie 1 : 29. Vortragender führte
zunächst 20 ausschliessliche Strandpflanzen an, von denen er besonders
im Monat August blühend und in Menge am Meeresufer vorfand: den
gewöhnlichen Meersenf (Cakile maritima Scop.), die dickblättrige Salzmiere
{Honkenia peploides Ehrb.), die baltische Binse (Juncus balticus Willd.) etc.
Sodann gedachte er der 42 Pflanzenarten, die am Meeresstrande vor-
kommen, aber auch im deutschen Binnenlande auf salzhaltigem Boden
gefunden werden, und führte von ihnen besonders die bei Ahlbeck und
Häringsdorf wachsenden Arten auf, so z. B. das reizende schmalblättrige
Tausendgüldenkraut {Erythraea Unariifolia Pers.), den grossblumigen
Zahntrost (OdontUes litoralis Fr.), den steif blättrigen Sandhafer {Elymus
arenarius L.) etc. Hierauf führte er im Geiste die Zuhörer vom Strande
aus durch den dichten Laub- und Nadelwald, über Wiesen und Felder
nach mehreren der reizenden Landseen Usedoms, dabei hauptsächlich die
Pflanzen nennend, welche im Hochsommer daselbst blühen oder Früchte
tragen und den Charakter der Landschaft mehr oder weniger bestimmen.
Während den physiognomischen Charakter des Waldes hauptsächlich
Coniferen und Amentaceen, also Kiefern, Buchen, Eichen und Birken
bestimmen, herrschen auf. Wiesen und Feldern besonders Gramineen,
Cyperaceen und Papilionaceen vor. Eigenthümlich ist in diesem Terrain
19
das ziemlich zahlreiche Vorkommen von Orchideen und zählt man auf
40 Pflanzenarten schon eine Art dieser schönen Pflanzenfamilie; so fand
Vortragender Epipogon aphyüus Sw., den blattlosen Widerbart, am Langen-
berge bei Häringsdorf, am Strande und in den Wäldern Ahlbecks sehr
häufig Epipactis rubiginosa Gaud. (braunrothe Sumpfwurz), sowie die
zierliche Goodyera repens Br. (kriechende Goodyere), bei Häringsdorf
Epipactis latifolia All. (breitblättrige Sumpfwurz) etc. Weiter wurden
drei Pflanzen erwähnt, die nur in diesem kleinen Gebiete und sonst
nirgends in Deutschland yorkommen , nämlich Atriplex Babingtanii Woods
(Babingtons Melde), auf Bügen und der Nordspitze von Usedom wachsend,
Rubus Münteri und R. macranthelos Marss., die beide bei Wolgast gefunden
wurden. Noch gedachte der Vortragende einer Reihe yon Pflanzen, die
in diesem Gebiete die Grenzen ihrer Verbreitung nach irgend einer
Richtung hin für Deutschland oder für Europa finden und besprach noch
einige Gewächse, die in diesen Gegenden von Jahr zu Jahr mehr und
mehr verschwinden, so ist dies z. B. der Fall mit der gemeinen Eibe
{Taxus baccata L.), dem gebräuchlichen Glaskraute {Parietaria officinalis L.),
während unter den eingewanderten Pflanzen, die alljährlich sich mehr
Terrain erobern, besonders die aus Nordamerika stammende Composite
(Erigeron canadensis L.), ferner das durch Kleesamen eingeführte kelch-
irüchtige Schildkraut (Algsum calgcinum L.) und das ursprünglich im
mittleren Russland heimische FrüUings-Kreuzkraut (Senecio vemalis W. K.)
genannt wurden.
Oberförster A. Kosmahl hält darauf einen Vortrag über: Para-
sitische Pilze als Urheber von Baumkrankheiten.
Gewisse Krankheiten der Waldbäume, wie die Rothfaule der Fichte,
der Kienzopf der Kiefer etc., waren schon, wie aus einem in Leipzig 1795
erschienenen Buche Schreger's: die Erkenntniss der Krankheiten der Wald-
und Gartenbäume, hervorgeht, Ende vorigen Jahrhunderts bekannt, nur
erklärte man sie sich anders als in der Jetztzeit. Vor reichlich 50 Jahren
wandte sich die Aufmerksamkeit der Forstwirthe, angeregt durch die
Forschungen der Oberforsträthe Hai'tig und König, sowie des Professor
Ratzeburg und Anderer, den durch Thiere und Witterungseinflüsse hervor-
gerufenen Pflanzenkrankheiten zu und ist darin bis auf die neueste Zeit
Viel und Grosses geleistet worden.
Der genannte Oberforstrath Hartig, der hannoversche Oberförster
Freiherr v. Berg (später Director der Forstakademie in Tharandt), die
Professoren Unger, Wiegmann, de Bary, Tulassne, Kühn und Stein waren
die Ersten, welche nachwiesen, dass pflanzliche Parasiten in sehr vielen
Fällen Erzeuger von Pflanzenkrankheiten sind. 1866 schrieb der Pro-
fessor Dr. Willkomm sein Buch: „Die mikroskopischen Feinde des Waldes".
Obwohl in demselben, namentlich in Betreff der Fichtenrothfäule nicht
unbedeutende Irrthümer nachgewiesen wurden, so hat das Buch doch auch
jetzt noch mehr als einen blos geschichtlichen Werth ; schon der Umstand,
2*
20
dass der genannte Autor der Erste war, welcher entdeckte, dass die Ursache
einer weit verbreiteten und theilweise verheerend auftretenden Krankheit
der Lärche, des sogenannten Lärchenkrebses, ein mikroskopischer Pilz
ist, reicht dazu hin, ebenso lässt sich die anregende Einwirkung, die es
auf einen grossen Theil der Forstwirthe, denen parasitische Pilze als
Pflanzenkrankheitserzeuger noch fremd waren, ausübte, nicht wegläugnen.
Durch seine mühsamen und eingehenden Untersuchungen hat der Professor
Robert Hartig in München der Pflanzenpathologie einen grossen unschätz-
baren Dienst geleistet, indem er den Nachweis lieferte, dass sich durch
Infectionen mit Pilzsporen etc. gewisse Baumkrankheiten^ wie z. B. die
Rothfäule der Fichte, hervorrufen lassen, was bis jetzt auf keinem anderen
Wege möglich geworden ist.
Seine Schriften: „Die wichtigsten Krankheiten der Waldbäume'',
,,Die Zersetzungserscheinungen der Nadelhölzer und der Eiche", „Lehr-
buch der Baumkrankheiten", „ Die Untersuchungen aus dem forstbotanischen
Institut zu München", sind werthvolle Erscheinungen im Gebiete der myko-
logischen und pflanzenpathologischen Literatur, und haben eine grosse
Anzahl Forstwirthe, welche der Meinung waren, dass die Pilze nicht Hervor-
bringer, sondern Folgen von* Pflanzenkrankheiten seien, eines Anderen
belehrt (so auch mich) und ihnen gezeigt und gleichzeitig dargethan, dass
es sowohl Vorbeugungs- wie Bekämpfungsmittel gegen Pilzkrankheiten
giebt. Freilich bleibt bei auch sorgfältiger Anwendung derselben in bald
mehr bald weniger Fällen der Erfolg aus. Dies ist aber auch bei den
durch Insekten hervorgebrachten Pflanzenkrankheiten der Fall und es
kann mithin dieser Umstand jenen mühevollen Untersuchungen den ihnen
gebührenden Werth nicht schmälern, wie dies in der neueren Zeit der
Professor Nördlinger bei Hartig und früher der Professor Bauer bei
Willkomm versucht haben. Der Vortragende hat auf dem ihm 1867 zur
Verwaltung übertragenen Forstrevier Markersbach (Forstbezirk Schandau)
mehrfach Gelegenheit gehabt, durch parasitische Pilze hervorgerufene
Pflanzenkrankheiten kennen zu lernen und zwar zuerst im Jahre 1868 den
von Pesnza Willkomii erzeugten Lärchenkrebs. Durch Heraushieb der
pilzkranken Bäume und Verbrennen der mit Fruchtträgern und Krebs-
stellen behafteten Baiimtheile gelang es, in dem betreffenden Bestände die
Krankheit zu beseitigen , so dass sie bis jetzt dort nicht mehr aufgetreten
ist. (Das vorliegende Baumstück stammt aus einem weit von obigem Orte
entfernten Kiefernbestande, in dem einzelne Lärchen vorkamen.)
Die Rothfaule anlangend, so werden hier zwar alljährlich rothfaule
Fichten und Kiefern vorgefunden, jedoch sind nur bei einem kleinen Theile
derselben die von Hartig eingehend beschriebenen Parasiten Trametes
radidpcrdaj Trametes pini^ Polyporus vaporarius und Agaricus meUet^s
als Urheber dieser Krankheit zu bezeichnen gewesen, die Mehrzahl war
durch Anfaulen der Wurzeln krank geworden, welches seine Ursache allem
Anschein nach darin hat, dass durch die starken Stürme 1868 und 1869
21
eine grosse Anzahl Bäume WurzelzeiTeissungen erlitten hatten, die wund
gewordenen Stellen sind dann angefault und es hat sich nach und nach
die Krankheit weiter verbreitet und den Stamm ergriffen. lu anderen
Fällen haben auch äussere Verletzungen des Stammes die Krankheit
hervorgebracht. In solchen auf diese Art rothfaul gewordenen Bäumen,
die, wie Hartig sehr richtig bemerkt, oft vom Winde geworfen werden,
ohne dass ihr Absterben erfolgt ist, findet sich auch häufig der von
Willkomm beschriebene Xenodüchus Ugniperda, nach Hartig eine Form von
Sphaeria dryina, Rhizomorphen von Agaricus mellms als Saprophyten. Doch
wächst ihr Mycelium nicht in das gesunde Holz hinein, wie das bei den oben-
erwähnten Parasiten der Fall ist. Der Agaricus tnelleus tödtet auf Markers-
bacher sowohl wie in den angrenzenden Forstrevieren alle Jahre eine bald
mehr bald minder grosse Anzahl von Nadelholzpflanzen (vornehmlich Ficht«
und Tanne) in dem Alter von 5 — 10 Jahren ; als Parasit alter Nadelholzbäume,
in denen er nach Hartig eine der durch Polyporus fulvus bei den Tannen
hervorgebrachten Weissfäule ähnliche Bothfäule hervorbringen soll, habe ich
ihn noch nicht gefunden, während durch Polyporus vaporarius, borealis und
fulvus krank gewordene Bäume alljährlich vereinzelt vorkommen. (An dem
hier vorliegenden, vom Markersbacher Revier stammenden liolzstücke sind die
Angriffstellen, sowie das Fortschreiten der Krankheit zu ersehen.) Mit den
Fruchtträgern der genannten Trameten und Polyporen besetzte Stämme wer-
den, wo sie gefunden werden, abgeschnitten und die Stelle, wo der Frucht-
träger angeheftet ist, verbrannt, um so die Weiterverbreitung des Pilzes durch
die Sporen möglichst zu verhüten. Dasselbe geschieht auch mit den von
sogenannten Hexenbesen besetzten Theilen der Tannen, welche Erstere durch
das Aecidium elatinum hervorgebracht werden. Die an den hier vorliegen-
den Hexenbesen ersichtlich auf den Nadeln zahlreich vorhandenen Aecidien
öffnen sich Anfangs September, um ihre Sporen auszustreuen, welche dann
die Krankheit weiter verbreiten. Die durch die Wirkungen dieses Pilzes
nach und nach entstehenden Krebsstellen bilden das Keimbett für die Sporen
des Polyporus fulvus, der dann die W^eissfäule erzeugt, welche den Stamm
nach und nach zum Absterben bringt. Hervorragend war das Auf-
treten des Pertdermiutn pini corticula 1882 in einer Kiefernanbauversuchs-
fläche des Forstreviers, der circa 1500 20 Jahre alte Kiefern so stark
befallen hatte, dass sie, um der Weiterverbreitung der Krankheit ein Ziel
zu setzen, herausgehauen werden mussten, zumal der Kienzopf bedenklich
überhand genommen.
Auch hier wurden , wie beim Lärchenkrebs beschrieben , die mit Filz-
und Krebsstellen besetzten Baumthcile verbrannt, was zur Folge gehabt
bat, dass bis jetzt der Pilz nicht mehr aufgetreten ist. Die Ursache des
Auftretens dieser Krankheit in der genannten Kiefernanbauversuchsfläche
liegt jedenfalls darin, dass dieselbe 1868 von Hagelschlag betroffen wurde.
Die damals 7 Jahre alten Pflanzen wiesen bei einer nach dem Hagelschlag
vorgenommenen Revision der Fläche mehrfache leichte Rindenverletzungen
TS.
nach, welche jedenfalls den Sporen des Pilzes als Keimbett gedient haben.
Nach Wolflf erzeugt das auf Senecio- Arten wachsende Coleosparium sene-
conis das Teleuto- und Uredo - Sporenlager des Pilzes, dessen Aecidien-
form das Peridermium pini ist. Senecio silvaticus und viscosus ^uden
sich mehrfach in der Nähe der Versuchsfläche.
Eine auf Markersbacher Revier alljährlich auftretende Krankheit der
jungen Kiefernpflanzen (vorzugsweise in den Saatbeeten), die Schütte,
wurde von Professor Göppert einem auf den schüttekranken Nadeln sich
vorfindenden Pilze, dem Hysterium pinastri^ zugeschrieben, welcher Ansicht
die Professoren Tursky und Brantel in Moskau beigetreten sind und zwar
auf Grund geglückter Infectionsversuche. Es wurde folgedessen von den
Letztgenannten vorgeschlagen, Kiefersaatbeete wo thunlich nur da anzu-
legen, wo keine Kiefern- oder mit denselben vermischte Bestände in der
Nähe sich befinden, da der fragliche Pilz sich auf den abgestorbenen
Nadeln alter Kiefern häufig vorfindet (so auch auf grünen). Der Vor-
tragende schliesst sich auf Grund der von ihm gemachten Erfahrungen
der Ansicht des Professors Ebermayer in München an. Nach den von
Demselben gemachten Beobachtungen entsteht die Krankheit dann, wenn
im Herbst und Frühjahr auf warme Tage kalte Frostnächte folgen.
Während am Tage die Wasserverdunstung durch die Nadeln fort-
dauert, ist die Aufnahme derselben aus dem gefrorenen Boden unmöglich
geworden.
Die dadurch erkrankten Nadeln werden iür den Pilz empfänglich und
dann von demselben getödtet.
Dem Forstmeister a. D. Meschwitz (früherer Verwalter des Dresdener
Forstreviers) ist es gelungen, seine Kiefernsaatbeete dadurch schüttefrei
zu erhalten, dass er sie zeitig im Herbst so hoch mit klarer Erde über-
sieben Hess, dass die Pflänzchen bis zur Hälfte ihrer Höhe mit Erde
bedeckt wurden, wodurch ein Auffrieren des Bodens verhindert wurde.
Der gute Erfolg spricht für die Richtigkeit der Ebermayer'schen
Behauptung in Folge anderer missglückten Versuche. (Anlage von Kiefer-
saatbeeten an kieferfreien Orten, Bedecken der Saatbeete mit Reissig etc.)
Zur Vermeidung unnöthigen Geldaufwandes habe ich dies Verfahren
zwei Jahre nur im Kleinen versucht. Die Resultate dieser Versuche waren
durchgängig gut und wird nun das beschriebene Verfahren in diesem
Herbst auf alle Kiefernsaatbeete ausgedehnt werden.
Fflnfte Sitzung am 12, November 1885. Vorsitzender: Prof. Dr.
0. Drude.
Nach den Vorstandswahlen legt der Vorsitzende eine Zwiebel von
ausserordentlicher Grösse, wahrscheinlich zu einer ÄmaryUidee gehörig,
vor, welche Betriebsdirector Pöble in Erde sorgfältig verpackt mit
23^
mehreren kleineren Zwiebeln und Sämereien von seiner nach Angra Pe-
quena gerichteten Expedition mitgebracht und dem hiesigen botanischen
Garten zu schenken die Güte hatte. Es giebt dies Gelegenheit zur Er-
örterung der Vegetationsverhältnisse in jenem Florengebiet. —
Lehrer C. Schiller theilt mit, dass er Hymenophyllum thunbridgense
in der sächsischen Schweiz wiederum aufgefunden habe und legt Exemplare
der seltenen Pflanze vor. —
Prof. Dr. Drude referirt alsdann über „populäre Literatur der
deutschen Flora.^* Es ist ein unabweisliches Bedürfniss für die deutsche
Floristik, neben der eigentlichen Fachliteratur von schwererem oder
leichterem Gewichte auch im Interesse der grossen Zahl von Naturfreunden
beiderlei Geschlechtes eine populäre Literatur gross zu ziehen, welche sich
zwar durchaus auf den Boden des wissenschaftlich Erprobten stellt, aber
nicht die ermüdende Masse von Einzelheiten bringt, welche nur den tiefer
eindringenden Kenner anregt und befriedigt. Wir haben doch gewiss als
Naturforscher von Fach auch noch andere Interessen, z. B. für Geschichte
des Menschengeschlechts, und sind dann wohl in diesem Gebiete auch Laien
und Liebhaber mit Bedürfnissen, die befriedigt sein wollen; aber wer von
den historischen Fachleuten muthet den Liebhabern in seinem Gebiete zu,
sich durch die mühsam aufgestapelten Einzelheiten, welche von Jahr zu
Jahr Belege mit Namen und Ereignissen bringen, durchzuarbeiten, wie man
es von ihm selbst verlangt? So ist es auch in der Floristik, welche jähr-
lich Tausenden unserer Landsleute Freude und Unterhaltung gewährt;
soll immer das Urtheil in der grossen Menge bestehen bleiben, dass die
Botanik hauptsächlich aus dem Bestimmen und Auswendiglernen von
Pfianzennamen bestehe? Man setze an Stelle des Bestimmens das Kennen-
lernen an der Hand einsichtiger Führer, die eine Demonstration durch die
viva vox einigermassen zu ersetzen vermögen; man beschränke die Masse
der Namen, ohne die wir uns nun einmal nicht helfen und verstehen
können, auf eine geringe, vom erdrückenden Uebermass weit entfernte Zahl
und lehre vor AUem, dass diese Namen nichts mit der Natur zu thun
haben, sondern dass wir Menschen sie zu unserer Verständigung erfunden
haben; man vermeide jede doppelte Bezeichnung da, wo eine einfache ge-
nügt; man unterrichte auch über die durch zahlreiche ähnliche und
schwieriger unterscheidbare Arten ausgezeichneten Gattungen — wie Carex^
CerUaurea, Salix, — so, dass ein Verständniss für die Untergruppen solcher
formenreicher und auch dem Liebhaber bei Schritt und Tritt aufstossender
Gattungen erweckt werden kann, ohne sogleich in das volle Detail aller
Arten und ihrer Charaktere einzugehen: so wird sich unstreitig Vieles
bessern und viele Freunde der Pflanzenwelt werden mit Vergnügen zu
einem Buche greifen, um sich belehren zu lassen, auch um selbst in die
Vorhallen der eigentlichen botanischen Wissenschaft eingeführt zu werden.
Es sind ja unausgesetzt Versuche gemacht, die deutsche Flora für
weite Kreise zugänglich zu machen , aber die entstandenen Werke waren
24
doch meistens fachmännische niedern Grades, oder sie waren populär im
schlechten Sinne, d. h. unwissenschaftlich. Die Verlagsbuchhandlung von
F. Tempsky & G. Freytag in Prag und Leipzig hat mit der Herausgabe
eines in drei Abtheilungen erschienenen Werkes: Frühlingsblumen
von Aglaia v. Enderes und Einleitung etc. von Prof. Dr. Willkomm,
Sommerblumen, eine Schilderung der heimischen Blumen weit von Carus
Sterne, Herbst- und Winterblumen von demselben Verfasser, einen
durch reiche und sehr gelungene Illustrationen geschmückten neuen Ver-
such gemacht, die Liebe an der heimischen Flora zu nähren. Wenn auch
nicht behauptet werden soll oder kann, dass mit diesem Versuche alles
Ereichbare wirklich erreicht sei, so darf man doch behaupten, dass hier —
besonders in der letzten der drei Abtheilungen — eine wissenschaftlich
populäre und zugleich schöne Einführung in die deutsche Blumenwelt (unsere
Gartenculturgewächse von hoher Bedeutung eingeschlossen) erreicht sei,
und unsere Gesellschaft mag daher eine Besprechung dieses Unternehmens
nicht für unter ihrer Würde halten.
Das ganze Werk ist nicht ganz billig; die erste Abtheilung kostet
12 Mark, die zweite und dritte je 15; bedenkt man aber, dass in ihm
219 Pflanzenarten auf den in 8^ hergestellten 120 Farbendrucktafeln
illustrirt und 339 Holzschnitte ausserdem im Text vertheilt sind, um theils
andere Pflanzen darzustellen, theils Analysen und Blüthendiagramme zu
den Farbentafeln hinzuzufügen, so erscheint der Preis schon in Hinsicht
darauf nicht hoch, da der Besitzer für jede Mark etwa 3 Farbendruck-
tafeln und 8 Holzschnitte an Abbildungen erhält, wenn man zunächst
den Text ganz ausser Augen lässt. Die Tafeln sind von Jenny Schermaul
und zum kleinen Theil von Jos. Seboth gemalt und sind unstreitig sehr
viel vorzüglicher, als die Mehrzahl der deutschen illustrirten Florenwerke
(wie z. B. Schlechtendahl - Hallier's Flora) sie liefert. Der Farbendruck,
der in neuerer Zeit so bedeutende Fortschritte gemacht hat, ist auch hier
in der Regel vorzüglich gelungen, so dass die Mehrzahl der auf den Tafeln
dargestellten Arten auf den ersten Blick sicher zu erkennen ist; nur in
dem Colorit der Blüthen hat die Herstellung, wahrscheinlich gegen die
Absicht der Malerin, nicht immer das Richtige getroffen, z. B. in den
„Sommerblumen" auf Taf. 20 bei Astragalus und Pyrola. In dieser Hin-
sicht ist es von Interesse, die Schwierigkeiten für die Herausgabe solcher
Werke, die doch auch mit einer gewissen Geschwindigkeit abgewickelt sein
wollen, aus einem Briefe zu erfahren, den der Verleger in einer freund-
lichen Mittheilung an den Vortragenden über eben dieses Unternehmen
schrieb. „Die Herstellung guter naturgeschichtlicher Abbildungen", heisst
es darin, „gehört zu den schwierigsten Aufgaben. Beim Holzschnitt hat
man zuerst mit dem Zeichner zu kämpfen, der das Charakteristische von
dem Unbedeutenden nicht zu trennen weiss, dann mit dem Holzschneider,
der die schönsten Zeichnungen nur zu oft schauerlich zurichtet. Und nun
erst der Farbendruck! — Der Künstler bekommt die Blumen, fängt die
25
Arbeit aber erst an, wenn sie verwelkt sind, und bringt das Bild, wenn
blühende Exemplare nicht mehr existiren. Viele Bilder sind zweimal
gemalt worden. Nun kommen die Lithographen, die das Bild, da sie
von Botanik keine Idee haben , nicht verstehen ; da muss nun auf allen
Seiten nachgebessert werden und dann müssen die richtigen Farben
herauskommen. Endlich hat man nun gute Abdrücke, die einem Freude
machen, bei der Ablieferung der Auflage zeigen sich aber grosse Unter-
schiede. Die Farben lassen nach, die feine Behaarung fehlt oder
ist plump und roh geworden* Die feinen Töne und Uebergänge
fehlen'^ u. s. w. — Trotzdem kann man, wie gesagt, mit dem hier Ge-
leisteten sehr zufrieden sein.
Die Beurtheilung des Textes muss verschiedene Gesichtspunkte unter-
scheiden. Vom eigentlichen System, der gewöhnlichen Anordnung für
alle Zwecke methodischer Belehrung, ist liier nur ein 80 Seiten langer
Abriss (verfasst von Prof. Willkomm) am Schlüsse der Friihlingsblumen
vorhanden, der die in anderer Anordnung aufgezählten Pflanzen recapi-
tulirt, und unter Namhaftmachung der natürlichen Ordnung ihre botanische
Charakteristik liefert. Dies ist nicht übel, aber da die beiden folgenden
Abtheiluugen dieser methodischen Zusammenfassung entbehren, so möchte
man wünschen, dass diese systematische Gharakterisirung überall in
gleicher Weise den Schluss bilde, wenn es sich nicht thun Hess, dass für
alle drei Bände eine gemeinsame Kecapitulation am Ende des dritten
Bandes erschien. Dadurch würde nämlich eine Art Vermittelung zwischen
der hier gewählten Behandlung der deutschen Flora und den gewöhnlichen
Excursionsbüchern geschaffen. Ferner vermisst Vortragender unter den
vielen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen, die tief in das Innere
anregender morphologischer und biologischer Kapitel hinein führen und
oft als gemeinsame Gesichtspunkte vorangestellt sind, eine einleitende
Behandlung des natürlichen Systems überhaupt, die eigentlich nie entbehrt
werden kann, weil der Leser immerfort mit seinen Einzelheiten zu thun
hat. Der Verfasser, der durch ein im Jahre 1866 erschienenes Buch über
die botanische Systematik in ihrem Verhältniss zur Morphologie zeigte,
wie tief er sich in den Gedankengang des natürlichen Systems hineingelebt
hat, würde unter Benutzung der Illustrationen gewiss leicht dasselbe haben
beleuchten können. Uebrigens hat ein Referent es leicht, Wünsche solcher
Art auszusprechen; vielleicht war es gerade bestimmte Absicht des Ver-
fassers, es nicht zu thun, und er wird wohl seine Gründe dafür gehabt
haben, die er aber natüi'lich nicht in einer Vorrede lang und breit aus-
einander zu setzen braucht. Die Art und Weise der Anordnung des
gesammten Stoffes geht am Besten aus Mittheilung des Inhaltsverzeichnisses
der drei Bände hervor:
I. Die Ersten unter den Frühlingsboten. — Die Frühlingsblumen der
trockenen Hügel, Felsen und Haiden. — Die Fr. der Saatfelder und
Raine. — Die Fr. der Wiesen. — Die Blüthen der Büsche und Hecken. —
26
Die Frühlingsblumen des Waldes. — Die Blüthen der Bäume. — Ent-
wicklung der Vegetation im Frühling; Keimung und Lebensdauer der Pflanzen.
IL Die Schönheit der Blumen, eine Einleitung über Blumen und Blühen.
— Blumen am Wege. — Feldblumen. — Die Blumen der Hecken und
Gebüsche. — Auf der Wiese und im Wasser. — Im Walde. — Auf Bergen
und Triften.
III. Der Herbst und die Pflanzenwelt. — Feldblumen. — Wegblumen.
— Wiesenblumen. — Strandpflanzen. — Auf Bergen und Triften. —
Schuttpflanzen. — Im Hausgarten. — Im Herbstwalde. — Winterblumen.
Wie man sieht, ist also hauptsächlich eine Spaziergangsmethode zur
Anreihung des Stoffes gewählt, die nach Jahreszeiten und Standorten die
Pflanzen sondert; dabei lässt sich natürlich manches Durcheinander und
vielerlei Wiederholung nicht vermeiden, was sich nur dadurch rechtfertigt,
dass die drei Abtheilungen sich gegenseitig ergänzen sollen. Doch würde
man Pflanzen wie Hieracium Pilosella, Chelidonium majus, Futnaria^
Prunella grandiflora^ Sempervivum teclorum^ Medicago falcatay Viola
tricolor, Campanula persicifolia, welche in die Herbstblumen aufgenommen
sind, doch unbedingt mit Text und Abbildungen in die Sommerblumen
versetzen müssen. Die „Winterblumen" haben selbstverständlich nur ein
kleines Kapitel erhalten können , doch sind auch so noch Pflanzen in ihm
enthalten, welche zu den frühesten Frühlingsblumen gehören, besonders
JEranthis hiemcdis; biologisch abgegrenzt würde Vortragender unter
„ Winterbluraen " solche verstehen, welche zum Schluss ihrer jährlichen
Vegetationsperiode Blüthen entwickeln und dieselben den Winter hindurch
stehen lassen bis zur im folgenden Jahre erst beendeten Fruchtreife: das
sind also Pflanzen wie der Epheu (der wohl auch eine colorirte Tafel
verdient hätte!), Hamamelis virginica in unseren Parkanlagen, Colchicum
autumnale (bei dem bekanntlich die Blätter unter dem Fruchtknoten im
Frühjahr emporwachsen und dann erst die Kapsel auf einem Stiel in die
Höhe tragen, deren Blüthe hart über der Erde im Herbst erschien),
wahrscheinlich auch das Alpenveilchen, welches in den Alpen selbst, wo
es bis 1500 m hoch wild wächst, vom August bis October blüht, und
hinsichtlich unser Gärten die „Weihnachtsrose" HeUeborus niger. Bio-
logisch scharf von diesen geschieden sind die Frühjahrspflanzen, die die
erste warme Witterung des Februars oder März benutzen, um aus auf-
gethautem Boden rasch sich zu entwickeln und aus ihren Frühlingsblüthen
in rascher, oft durch spätere Fröste gestörten Folge Früchte zu reifen:
dahin gehören auch unsere Erstbnge Leticqfum, Cralanthus, EratUhis
(wenn die europäische Art auch hiemalis heisstl), ebenso wie Daphne als
erster Strauch. Ueber Bellis perennis müsste man erst einmal eine kleine
Studie machen, um ihre Zugehörigkeit zum Frühling oder Winter in dieser
Hinsicht zu prüfen.
Der Text ist viel mit poetischen Fragmenten, mit Erzählungen aus
der Blumeumythe und dergleichen geschmückt, und wenn das auch viel-
27
leicht manchen nach nücliterner Realität strebenden Naturforscher nicht
anzieht, so hat es doch unstreitig noch öfter gute Wirkung bei Denen,
für die dieses Buch auch in erster Linie geschrieben sein soll, die
ästhetischen Liebhaber der Pflanzenwelt und die deutsche Frauenwelt.
Vieles ist wirklich recht hübsch, und in den Herleitungen aus dem
klassischen Alterthum bei vielen Pflanzen wird auch der Fachmann
Vieles finden, was ihm angenehm zu wissen sein muss, wenn er Sinn für
die Liebe hat, die den Menschen zur Blumenpflege zieht. Rühmend ist
anzuerkennen, dass oft — und zwar besonders im dritten Theile r- nnt
grossem Geschick wichtige biologische Kapitel in die Schilderungen der siebe-
treffenden Pflanzen eingeflochten sind, die durch ihre Verallgemeinerung
belehren, so besonders über die Wechselbeziehungen zwischen Blüthen-
einrichtungen und Insektenwelt zur Erzielung sicherer Kreuzung. Auch
über die Herkunft der Culturpflanzen und ihre allmählige Ausbreitung bei
uns sind zahlreiche gute Besprechungen z. B. an den Hanf, Lein, Mohn,
Tabak, Safran und Kohl angeknüpft, und mit grossem Rechte ist solchen
gewöhnlichen Pflanzen, wie Artemisia, der Minze, dem gewöhnlichen
Haidekraut, der Brennessel, eine ganz ausführliche Besprechung zu Theil
geworden, die so oft bei „gemeinen ^^ Pflanzen für unnöthig gilt. Ebenso
ist glücklicher Weise in allen drei Theilen des Werkes die Sorgfalt für
die Schilderung der Bäume und des Waldlebens eine grosse gewesen.
Dagegen ist bei den vielen Arten langweiliger Gattungen, an denen die
Liebhaber keinen Gefallen finden können, wenn sie nicht viele Arten für
ihr Herbarium sammeln und sich mit mancherlei Namen belasten wollen,
mit demselben Recht^as Einerlei vermieden worden ; ist doch eine zweck-
mässige Auswahl des Stoffes und Betonung des Wichtigen ein Haupt-
erfordemiss schon für jedes Schulbuch der Botanik!
Alles in Allem kann man also sagen, dass dieses Unternehmen seinem
Zwecke: durch gute Leetüre und schöne, naturgetreue Abbildungen den
Liebhabern und Freundinnen der deutschen Pflanzenwelt Anregung und
Belehrung zu geben, botanische Kenntnisse in weite gebildete Kreise
Erwachsener zu verbreiten und den mit „schöner Literatur'^ gefüllten
Bücherschränken neben illustrirten Geschichts werken, Erdkunden und Thier-
bildern auch ein Buch der heimischen Pflanzenwelt einzufügen — , gerecht
geworden sei. Möge es daher für die Scientia amabilis wirken, die trotz
ihres sie rühmenden Namens durch Kleinigkeitskrämerei und von der
Natur entfremdende Namengeberei bei vielen Gebildeten doch oft in recht
schlechtem Rufe steht.
28
111. Section für Mineralogie und Geologie.
Erste Sitziiug: am 15. Jaiiiiar 1885. Vorsitzender: Bergingenieur
A. Purgold.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz legt eine Anzahl Gesteine von der Insel
Juan Fernandez, der sogenannten Robinson-Insel vor, welche das K. Minera-
logische Museum der Güte des Herrn Otto Erler verdankt. Darunter
befindet sich neben verschiedenen augitischen Laven und Lavatuffen ein
ausgezeichnetes knolliges Exemplar von Magnesit. Eine jener Laven ist
nach mikroskopischer Untersuchung von Eugen Geinitz ein doleritischer
Feldspathbasalt mit zahlreichen grossen und kleinen leistenförmigen
Kry stallen von Labrador oder Anorthit, zahlreichen grossen und kleinen
Augitkrystallen , weniger Olivin, spiessförmigen Magnetitaggregaten und
fast ohne Glasgrund.
In einem Vortrage über künstliche Krystallbildungen bespricht
Derselbe ferner die Bildung von Gaylussit oder Natroncalcit in den Roh-
sodalaugen der chemischen Fabrik Herraania in Schönebeck. (Vgl.
Dr. C. Reidemeister, über Natronverluste in der Sodafabrikation, in
Zeitschrift für Chemische Industrie, März 1881.)
Diese künstlichen, von Professor Dr. Rammeisberg untei'suchten
Krystalle, welche durch ihre chemische Zusammensetzung genau der
Formel für den natürlichen Gaylussit, Na^O. CO« +GaO. CO« + 5 H2O,
entsprechen, sind nach Dr. Reidemeister in der Rohsodalauge von 20 ^ bis
21® Baume bei 34 ®C entstanden, während bei etwas stärkerer Con-
centration der letzteren, bei 22® Baume, und etwas höherer Temperatttr
von 43 ®C ein wasserärmeres Natron- Kalk -Carbonat auskrystallisirt,
worin nach Untersuchung von Rammeisberg nur halb so viel Wasser
enthalten ist, als in den ersteren. Die Krystallform des künstlichen
Gaylussits stimmt mit jener der von Sangerhausen in Thüringen und
anderen Orten bekannten Calcit-Pseudomorphose nach Gaylussit oder
dem sogenannten Pseudo- Gaylussit genau überein.
Eine zweite Neubildung von Mineralien, welche Dr. Reidemeister
neuerdings beobachtet hat, ist die von ausgezeichnetem Ultramarin auf
29
der Charmottemasse in den Feuerziigen der Sulfatöfen. Qieses Vor-
kommen entspricht dem natürlichen Vorkommen von Ultramarin als
lasurblau färbende Substanz mancher Pflanzenreste in den gebrannten
Schieferthonen der Steinkohlenformation von Planitz bei Zwickau, und
man darf wohl annehmen , dass auch die lavendelblaue Färbung des
Porcellanjaspis in ähnlichen Brandzonen des Steinkohlen- und Braun-
kohlengebirges von Ultramarin herrühre.
Hierauf wird die Neubildung von Eisenglanz in den Feuerzügen
und Muffeln eines Sulfatofens in der Hermania beleuchtet und natur-
gemäss auf eine Zersetzung von Eisenchlorid durch Wasserdampf zurück-
geführt, analog solchen Neubildungen in den Kohrener Töpferöfen, in
welchen mit Kochsalz * glasirt wird, in den alten Amalgamirwerken der
Freiberger Hütten, auf den Kluftflächen zwischen säulenförmig abgeson-
derten Sandsteinen von Johnsdorf bei Zittau und auf den Kluftflächen
oder in den Hohlräumen vulkanischer Tuffe.
Redner hält es für wahrscheinlich, dass wenigstens viele, namentlich
isolirt vorkommende Krystalle von natürlichem Eisenglanz, wenn nicht
selbst die berühmten Krystalle von Elba, auf ähnliche Weise aus Eisen-
chlorid entstanden sind, wie die ziemlich grossen Krystalle von Eisenglanz,
welche durch die Güte des Herrn Dr. Reidemeister von der Hermania
vorliegen.
Der Vortragende nimmt noch Gelegenheit, zwei neuere Abhandlungen
von G. Rammeisberg zu besprechen: Ueber die Phosphate des Thalliums
und Lithiums ,' Berlin 18S2, und: Ueber die essigsauren Doppelsalze des
Urans, Berlin 1884, mit 1 Tafel Abbildungen; er berichtet ferner über
drei Abhandlungen von Dr. G. Brügelmann: Ueber die Krystallisation,
Beobachtungen und Folgerungen (Chemisches Centralblatt, 1882. Nr. 33,
1883, Nr. 30—32. Leipzig, 8®); über eine Arbeit von Dr. C. Hintze:
Beiträge zur krystallographischen Kenntniss organischer Verbindungen
(Zeitschr. f. Krystallographie, 1884, IX. Nr. 5 und 6); legt eine Reihe
der verschiedenen höchst gelungenen künstlichen Alaunkrystalle aus dem
Laboratorium von C. Goldbach in Kork bei Kehl vor, und erwähnt
schliesslich der interessanten Entdeckung des Whewellit in der Stein-
kohlenformation des Plauenschen Grundes, worüber Bergrath Weisbach in
Froiberg im N. Jahrbuch f. Min., 1884, p..48 eine Notiz veröffentlicht
hat. Während des Vortrages circuliren die krystallographischen Figuren-
tafeln zum Gebrauche bei mineralogischen Vorlesungen, zusammengestellt
von Fr. Ulrich, Professor an der K. Technischen Hochschule zu
Hannover, welche allgemeine Anerkennung finden.
In der hier anknüpfenden Discussion erwähnt u. A. Assist. F. Oettel,
dass es ihm gelungen sei, Struvit und durch Einfiihrung stellvertretender
Bestandtheile dem Kryolith entsprechende Vorbindungen krystallisirt
herzustellen.
30
Zum Schluss berichtet Oberlehrer H. Engelhardt über die von
Oberbergrath H. Credner herausgegebene geologische Karte des
Sächsischen Granulitgebirges.
Zweite Sitzung: am 12. HSrz 1885. Vorsitzender: Bergingenieur
A. Purgold.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz theilt mit, dass Hofrath Ritter Franz
von Hauer in Wien seine bishei'ige Stellung als Director der K. K. geo-
logischen Beichsanstalt niedergelegt habe, um der Ernennung zum
Intendanten der Kaiserl. naturhistorischen Hofmuseen als Nachfolger
Ferdinand von Hochstetter's Folge zu leisten, und erkennt mit Dank die
freundlichen Beziehungen an, in welchen Herr von Hauer zu den hiesigen
wissenschaftlichen Instituten gestanden habe.
Allgemeines Interesse erregt die Erklärung, dass der angeblich am
7. Februar d. J. Abends 8 Uhr in Hirschfelde bei Zittau in Sachsen
gefallene Meteorit sich nach Untersuchung im hiesigen K. Minera-
logischen Museum als ein Markasit, z. Th. mit noch anhängenden Besten
von Braunkohle, wie sie in der dortigen Gegend häufig vorkommt,
erwiesen hat.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz giebt noch die Mittheilung, dass der im
Sandstein bei Dittersbach in Sachsen aufgefundene Palmadtes? Reicht
Gein. als Scolithus linearis Hall erkannt worden sei, ein Fossil, das den
cambrischen Schichten des . mittleren Schwedens entstammt und als Ge-
schiebe in das Gebiet des sächsisch -böhmischen Quadersandsteins gelangt
sein muss, und berichtet schliesslich über das in Brüssel aufgestellte, in
der Gegend von Lüttich aufgefundene riesige Skelett von Igucmodon
Mantellif 3,58 m hoch und lang, eine Zwischenstufe zwischen Reptil und
Vogel darstellend.
Der Vorsitzende legt zwei Werke vor, deren Anfange er seiner Zeit
hier ebenfalls besprochen hat: Handwörterbuch der Mineralogie,
Geologie und Paläontologie, von Kenngott, v. Lasaulx und
Rolle, IL Theil, Breslau 1885, und Lehrbuch der Mineralogie von
G. Tschermak, Wien 1885. — Das Handwörterbuch umfasst auf
495 Seiten von „Geologie*' bis „Permisches System" 17 Artikel von
Kenngott specifisch mineralogischen, 7 Artikel von v. Lasaulx geologischen
und 9 Artikel von Rolle paläontologischen Inhalts, welche im Wesent-
lichen die nämlichen Vorzüge und Mängel besitzen, welche bereits bei
Besprechung des ersten Theiles bemerkt "wurden. Auch Tschermak's
Mineralogie beschränkt sich auf die Elemente dieser Wissenschaft,
behandelt sie aber von hohem Standpunkt herab mit solchem Glück und
Geschick, dass der Zusammenhang unter den Erscheinungen überall er-
3t^
•
kennbar bleibt, und namentlich auch im zweiten, speciellen Theile durch
Hervorhebung der wichtigsten Species deren Verwandtschaften ersichtlich
hervortreten.
Von Mineralien legt Ingenieur A. Purgold vor: Kalkspath von
Hüttenberg in Kärnthen, aus Gruppen von V ierl ings kr y stallen ge-
bildet, deren - Individuen aus dem Rhomboeder — 2R bestehen und in
solcher Weise zu je dreien mit einem mittleren vierten verwachsen sind,
dass die horizontalen Diagonalen aneinanderstossender Rhomboederflächen
— 2R zusammenfallen, diese Flächen einen einspringenden Winkel von
106® 16'' mit einander bilden, die Hauptaxen der seitlichen Rhomboeder
mit der des mittleren Winkel von 52o30' bilden und die beiden Rhom-
boedern gemeinschaftliche Verwachsungsebene auf einer Fläche des nächst-
stumpferen Rhomboedera — */,R. senkrecht steht. Die Neigung einer
Hauptaxe zur Verwachsungsebene =26^15' ist also um nur 38' geringer
als zur zugehörigen Fläche des Rhomboeders — 2 R = 26 ® 53 '. Aus-
springender Winkel zwischen den Nachbarflächen zweier seitlichen Indi-
viduen = 1 30 * 58 '. — Diese Vierlinge sind bereits bekannt gemacht und
mit einer Handskizze erläutert durch G. vom Rath in Jahrg. 1883 der
naturwiss. Zeitschr. für Rheinland -Westfalen, dabei auch auf ein ähn-
liches Vorkommen von New -York verwiesen. Nach Brunnlechner,
Minerale Kämthens, wurden dergleichen Vierlinge auch noch zu Zeltschach
in Kärnthen gefunden und haben sie ihre Analogien in den bekannten
Vierlingen des Tetradymit und der Rothgüldenerze, sowie in den Fünf-
lingen des Hausmannit vom Oehrenstock. — Schwefelkrystalle aus
Schwefelkohlenstoflf mit P. »/.P. ooP und zur Vergleichung solche von der
Perticara in der Romägna mit oP.V.^/^V.ocl?,Voo, Das Schwefelwerk
der Perticara befindet sich auf dem Bergrücken, welcher den Oberlauf
des Savio, an dem weiter unten Gesena liegt, vom Thal der Märecchia
trennt, welche bei Rimini ins adriatiscfae Meer mündet, und der äusserlich
charakterisirt wird durch ganz enorme unaufhaltsame Erdschlüpfe, welche
die kahlen steilen Abhänge nach allen Seiten zerreissen und tiefe Schlamm-
ströme bilden , aus denen die abgestürzten und mitgeschleppten Felsblöcke
kalkigen oder mergeligen Gesteins wild hervorragen. Das eigentliche
Schwefelerz besteht aus einem bis 8 Meter mächtigen Schichten verband
mit Schwefel mehr oder minder durchtränkten und durchwachsenen Kalk-
mergels, wird an Ort und Stelle Pietrone genannt und zeichnet sich durch
einen bedeutenden Gehalt an Bitumen aus, der meist als fadenziehende
klebrige Masse ausgeschieden, hie und da aber auch zu Asphalt erhärtet
ist, den ganzen Bergbau mit starkem Geruch erfüllt und auch die sonst
klaren Schwefelkrystalle (ambro) bräunlich zu färben pflegt. Das un-
mittelbare Dach des Pietrone besteht aus Gyps, der aber einen bedeutenden
(bis 12 Proc.) Gehalt an kohlensaurem Kalk besitzt. Dieser Kalkgehalt,
der Bitumengehalt des Schwefellagers und im nahen Savio -Thale gegen-
wärtig noch quellende kohlensaure Schwefelwasser stehen sicherlich unter-
* 32
•
einander in genetischem Zusammenhange und geben einen Fingerzeig, wie
das Schwefellager durch die Einwirkung starker kohlensaurer Schwefel-
wasserstoflFquellen auf bituminösen thonigen Gyps, der im italienischen
Tertiärgebirge ja so häufig ist, sich gebildet haben mag.
Endlich bespricht Ingenieur A. Purgold noch einige durch Professor
Brezina in Verhandl. der k. k. geolog. Reichsanstalt, 1884, Hft. 18 be-
kannt gemachte neuere Erwerbungen des k. k. Hofmineraliencabinets zu
Wien. Als wichtigste zuerst ein Handstück von Herderit in fast hasel-
nussgrossen Krystallen auf zollgrossen Margarotidkrystallen aufsitzend,
von Stoneham, Maine. Bis auf dieses erst 1884 von Hidden entdeckte
amerikanische Vorkommen gehörte der Herderit zu einem der seltensten
Minerale. Er wurde zuerst im Jahre 1813 von Breithaupt im Fluss-
spath der Zinnwerke von Ehrenfriedersdorf erkannt, und lange war dieses
das einzige Stück, das von Breithaupt an Werner geschenkt, von diesem
für Apatit gehalten wurde. Haidinger bestimmte die Krystallform in-
dessen als rhombisch und Plattner fand als chemische Bestandtheile
Kalkerde, Thonerde, Fluor und Phosphorsäure. Durch den amerikanischen
Fund wurde eine genauere chemische Untersuchung ermöglicht und für
das Vorkommen von Stoneham Kalk - Beryllium - Phosphat mit Kalk-
Beryllium- Fluorid gefunden, sodass auf Grund der krystallographischen
Uebereinstimmung und der grossen chemischen Aehnlichkeit zwischen
Beryllium und Aluminium eine Prüfung des sächsischen Herderit ebenfalls
auf Beryllium sehr wünschenswerth und interessant erscheint.
In ähnlicher Weise wie 1813 am Herderit bewährte Breithaupt's
mineralogischer Scharfblick gleichfalls lange vor der Kenntniss der
chemischen Natur sich unter Anderm 1847 an zwei Elbaner Mineralien,
die bis dahin för Quarz gehalten waren und die Breithaupt unter den
Namen Kastor und Pol lux als neue Species bestimmte. Der Kastor,
ein Lithion - Silicat, wurde inzwischen mit demPetalit als dessen edelste
Form vereinigt, Pollux blieb wegen seiner Seltenheit fast unbeachtet.
1861 entdeckte Bunsen in Heidelberg mittelst der von ihm erfundenen
Spectralanalyse das neue chemische Element Cäsium; und als im Jahre
1873 Pisani zu Paris endlich eine Analyse des Pollux durchzufuhren
vermochte, fand er, dass dieses Mineral, welches isometrisch als
ooOoo. 202 krystallisirt, 34 Proc. jenes Elementes Cäsium enthält, mithin
der an dieser Seltenheit reichste natürliche Körper und für dessen Dar-
stellung nun sehr gesucht ist.
Ausser dem berylliumhaltigen Herderit wird unter den neuen Be-
reicherungen des Wiener Cabiuets von Brezina noch ein Beryllium-
Mineral aufgeführt, nämlich Euklas von der Gamsgrube in der Um-
gebung des Glockners, in halbzoUgrossen , beiderseits ausgebildeten
schilfigen Krystallen, mit Periklin und Quarz auf Gneis aufgewachsen,
bisweilen Rutilnadeln einschliessend und mit Calcit und Schüppchen von
Perlglimmer als jüngeren Bildungen. Auch der Euklas zählt unter die
33
mineralogischen Seltenheiten. Bis vor wenigen Jahren war er nur von
Boa Yista und von Capao do Lane bei Villa Bica in Brasilien, sowie
aus den Goldseifen der Sanarka im Ural bekannt. Im Jahre 1881 wurde
durch Becke ein Vorkommen aus den Tauern von Rauris beschrieben,
welchem nun der ausgezeichnete Fund Km Glockner sich zugesellt.
Euklas, Beryll, Phenakit gelten als die hauptsäx^hlichsten
natürlichen Träger des chemisclien Elementes Beryllium. Beryll ist aus
dem Habachthaie und von anderen Punkten der Salzburger Alpen schon
lange bekannt, auch vom Pfitscher Joch in Tyrol. — Durch Professor
Websky wurde 1881 als angeblich vom Rhonegletscher Phenakit be-
schrieben, welcher aber nach Seeligmann wahrscheinlich von Rek-
1 in gen bei Münster im Oberwallis herstammt, das hiernach als erster
alpiner Fundort dieses ausserdem nur noch zu Framont im Elsass, an
dem Ufer der Takowaja und bei Miask am Ural vorgekommenen
Minerales zu nennen ist. Das Element Beryllium muss demnach fortan
als ein, wenn auch exotischer, doch ziemlich verbreiteter Bestandtheil in
den Gesteinen der Centralalpen gelten.
Dritte Sitzunj: am 7. Hai 1885. Vorsitzender: Handelsschullehrer
F. Zschau.
Durch Geh. Hofrath Dr. Oeinitz gelangen zur Vorlage und
Besprechung
D. Stur, Beiträge zur Kenntniss der Flora der Vorwelt. Bd. IL
Die Carbon -Flora der Schatzlarer Schichten. Wien 1885.
0. C. Marsh, Dinocerata; a Monograph of ati extinct Order of
gigantic Mammalia. Washington 1885.
R. D. M. Verbeek, Topographische und geologische Beschreibunff
von Sumatras Westküste. Batavia 1883. Mit Atlas in Fol.
Amsterdam 1883.
Handelsschullehrer F. Zschau erläutert an einer grossen Zahl
instructiver Belegstücke das Vorkommen des Kalkspaths im Syenite
des Plauenschen Grundes.
Vierte Sitzung^ am 8« October 1885« Vorsitzender: Bergingenieur
A. Purgold.
Oberlehrer H. Engelhardt legt eine Anzahl meist aus Quarz be-
stehender Dreikantner oder Pyramidalgeschiebe vor, welche er in der
Lössnitz zwischen Buchholz und der Friedensburg gesammelt hat, wo sie
in auffallend grosser Menge vorkommen. Nach einer Mittheilung des
Herrn W. Putscher finden sich derartige Geschiebe auch ziemlich häufig
in der Gegend von Weinböhla.
Dr. Deichmüller bespricht ein neues Vorkommen von Ammoniak-
Alaun (Tschermigit) von Grube „Vertrau auf Gott" beiDux in Böhmen.
Öei. hin in Dig*deti, 188'». — SUzungitber. 3. 3
34
Das weisse, durchscheinende, stark glänzende Mineral durchsetzt in dünnen
Platten von parallelfaseriger Structur eine ca. 4 m mächtige, mit erdiger
Kohle vermischte Lettenschicht im Hangenden der Braunkohle, und besteht
nach einer Analyse von Dr. Geissler in Dresden aus
SOs AljOs (NH4)2 0 HjO nicht flüchtigen, schwefelsauren
34,99 11,40 3,83 49,72 Alkalien 0,06 %,
weicht hiernach nur um Bruchtheile von Procenten von der theoretischen
Formel des Ammoniak - Alauns ab. Das Vorkommen soll massenhaft
genug sein, um eine technische Gewinnung in Aussicht zu stellen.
Bergingenieur Purgold setzt schliesslich in Umlauf ein Stück von
hell -apfelgrünem Prehnit in grossen fächerförmig verwachsenen Tafeln
der allgemeinen Form oP.ocP.ocPcx) aus dem Radauthal bei Harzburg
am Harz und ferner dreierlei Zwillingsverwachsungen von Orthoklas
aus dem Granit von Königshain bei Görlitz, welche in ihren Formen
vollständig übereinstimmen mit den zur Vergleichung danebengestellten
Zwillingen von Baveno, wie bereits in Isis-Abh. 1881, Seite 32 u. flg.
abgebildet und beschrieben sind.
Zum Schluss berichtet Ingenieur Purgold über den in der Zeit
vom 28. September bis 4. October zu Berlin stattgefundenen inter-
nationalen Geologen-Congress, die damit verbundene Ausstel-
lung geologischer Karten, Sammlungen und Apparate und die gehaltenen
wissenschaftlichen Vorträge, unter Vorlage zahlreicher, dort zur Ver-
theilung gelangter Druck- und Kartenwerke.
Fflnfte Sitzunj: am 19. November 1885. Vorsitzender: Bergingenieur
A. Purgold.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz überreicht der Gesellschaft im Namen des
Herrn Georg Bruder dessen neueste Abhandlung : Die Fauna der Jura-
Ablagerung von Hohnstein in Sachsen. Wien 1885. 4^. 51 S. 5 Taf.
Das lange Verzeichniss der vom Verfasser benutzten Literatur weist
auf das hohe Interesse hin, was man dem abnormen Auftreten jurassischer
Gebilde an der Grenze des Granits und Quadersandsteins bei Hohnstein,
Saupsdorf und Hinterhermsdorf in Sachsen, sowie in deren Fortsetzung
bei Sternberg, Khaa und Daubitz in Böhmen bereits seit 1827 geschenkt hat.
Waren die Lagerungsverhältnisse insbesondere schon durch Bernhard
Cottai), A. V. Gutbier«), Oskar Lenz»), v. Dechen*) genauer festgestellt
worden so sind nun auch die organischen Reste aus den bezeichneten
Ablagerungen, welche sich in den Museen von Dresden, Freiberg, Tharandt,
Berlin, München und Prag vorfinden, durch Georg Bruder, Assistent am
1) B. Cotta, Geognostische Wanderungen, IL Dresden u. Leipzig 1838.
*) A. V. Gutbier, Geognostische Skizzen aus der Sächsischen Schweiz.
jeipzig^ Lenz, Ueber das Auftreten jurassischer Gebilde in Böhmen. Halle 1870.
♦) V. Dechen, Ueber grosse Dislocationeu. (Sitzb. d. niederrh. Ges. f. Nat.
u. Heilkunde, 3. Jan. 1881.)
35
geologischen Institute der k. k. deutschen Universität in Prag, von Neuem
untersucht und dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft entsprechend
beschrieben worden.
Der vorliegenden Abhandlung gingen zwei andere Schriften des Ver-
fassers voraus;
Georg Bruder, Zur Kenntniss der Juraablagerung von Sternberg
bei Zeidler in Böhmen. Wien 1881. 8^ und: Neue Beiträge zur
Kenntniss der Juraablagerungen im nördlichen Böhmen. Wien 1882. 8®.
Die erste Notiz über die Fortsetzung der Juraformation von Hohn-
stein nach Böhmen wurde von H. B. Geinitz in Sitzb. d. Isis 1862,
S. 239 und 240 niedergelegt und über die ersten darin entdeckten Ver-
steinerungen ist dann im Jahrb. f. Min. 1865, S. 214 berichtet worden.
Nach Wahl der Sectionsbeamten für das Jahr 1886 hält Dr. med.
F. Theile den Hauptvortrag über „Die typischen Formen und die
Entstehung der Dreikantner". Diese merkwürdigen, früher oft für
prähistorische Kunstprodukte gehaltenen Steinformen gelten jetzt als
untrügliche Kennzeichen der Einwirkung von Gletschern und finden
sich in hiesiger Gegend in der verschiedensten Grösse von den Ab-
messungen einer Haselnuss bis zu der von 1 — lVs Meter Länge (z. B. am
letzten Heller bei Dresden) vornehmlich auf dem rechten Eibufer, meist
in grosser Menge bei einander liegend, aus der sächsischen Schweiz
heraustretend auf einer Linie von Copitz bei Pirna über die Pillnitzer
Umgegend bis in die Gegend von Stolpen; femer in der Dresdener
Haide bei Klotzsche und Langebrück, im Friedewalde bei Moritz-
burg. Nach den Beobachtungen und Folgerungen des Vortragenden
wird zur Bildung von Dreikantnern die Gegenwart von sphäroidischen
Gerollen harter Gesteine, wie Quarz, Quarzit, Hornstein, Basalt,
Porphyr, Granit und dergleichen, vorausgesetzt und werden an einer
langen Reihe von Modellen und Belegstücken die Stellungen und Lagen
erläutert, in welchen diese kugel- und eiförmigen Geschiebe sich zu einander
befunden haben müssen, um unter der Last und dem Fortschreiten eines
Gletschers eine wechselseitige Reibung auszuüben, durch welche schliesslich
sich Ebenen mit scharfen Kanten anschleifen. I/ctzterer Anzahl beträgt
meistens drei, wechselt jedoch von eins bis fünf und darüber. Der
Neigungswinkel der Schliffebetien zu einander pflegt sich der Grösse von
\20^ mehr oder weniger anzunähern, wodurch die Winkel zwischen den
Kanten sich ungefähr = 109*/«® herstellen und somit eine Aehnlichkeit
mit der dreikantigen Ecke eines regelmässigen Rhombendodekaeders
sich ausbildet. Wird ein GeröUe auf diese Weise gleichzeitig von oben
wie von unten bearbeitet, so entstehen Rhomboedern ähnliche Körper.
Durch die Art ihrer Entstehung widerlegen diese unter dem allge-
meinen Namen Dreikantner begriffenen angeschliffenen Geschiebe
gründlich die sogenannte Drifttheorie für die Herkunft und Bildung
der nordischen Geschiebe, stützen und bestätigen dagegen die Gletscher-
3*
36
theorie. (Die Veröffentlichung dieses Vortrags ist in der Zeitschrift
„üeher Berg und Thal", Organ des Gebirgsvereins für die sächsisch-
böhmische Schweiz, 8. Jahrg. 1885, Nr. 11 und 12 erfolgt.)
In der daran schliessenden Discussion wird von Dr. Gejnitz zunächst
hervorgehoben, dass der von Dr. Theile oft beobachtete Winkel von 120 •
keinesfalls eine Regel sein könne , sondern nur eine Folge des Zusammen-
treffens fast gleichgrosser Geschiebe sei*); dass femer die Dreikantner
nicht in der Grundmoräne der Gletscher oder dem untern Geschiebe-
mergel, wie dies nach der Ansicht des Vortragenden der Fall sein müsste,
aufzutreten pflegen, sondern vielmehr ganz vorzugsweise an den oberen
Geschiebemergel und die darauf zurückzuführenden Steinbestreuungen
gebunden sind, und verweist zugleich auf die neuerdings von Prof.
Dr. Berendt gegebenen hierauf bezüglichen Erklärungen im Jahrbuche
der K. preuss. geolog. Liandesanstalt, 1884, S. 201—210.
Auch bestätigen Oberlehrer Engelhardt und Vortragender selbst
das häufige Vorkommen der Dreikantner in den obersten Schichten ver-
schiedener Kiesgruben, während dieselben in den tieferen Schichten fehlen
oder nur ganz vereinzelt vorkommen.
Oberlehrer E. Dan zig in Rochlitz sendet als Nachtrag zu seiner,
in den Abhandlungen der Isis 1884, S. 141 veröffentlichten Arbeit über
„Das archäische Gebiet nördlich vom Zittauer und Jeschken- Gebirge'*
folgende briefliche Miltheilung ein:
Rochlitz, den 13. November 1885.
„Zunächst muss ich darauf aufmerksam machen, dassHerm. Credner
auf Grund schon vor 12 Jahren angestellter Beobachtungen zu einer der
von mir über die Zugehörigkeit vieler Lausitzer Granite zur Gneiss-
formation ausgesprochenen Ansicht ähnlichen Auffassung gelangt ist und
dieselbe in seinem CoUeg „Geologie von Sachsen" vertritt. Auch
Woitschach sieht in seiner, mir erst vor einigen Wochen zu Gesicht
gekommenen Abhandlung: „Das Granitgebirge von Eönigshain in der
preuss. Oberlausitz mit besonderer Berücksichtigung der darin vor-
kommenden Mineralien" (Abb. naturforsch. Ges. Görlitz, 1881) den
Lausitz -Granit auf Grund einiger in der Nähe von Görlitz angestellten
Beobachtungen für ein Glied der geschichteten Formation an und bemerkt
darüber: „An mehreren Aufschlusspunkten wurde deutlich erkannt, dass
ihm (dem Lausitzer Granit) Bänke von Thonschiefer untergeordnet sind,
sowie auch unweit des Neisse-Viaducts ein thoniges Gestein ansteht,
welches, von flaseriger Structur, grosse Quarze enthält, so den Uebergang
zu den Schiefern zu vermitteln scheint und als Phyllitgneiss bezeichnet
werden kann. Es unterliegt daher keinem Zweifel, dass dieser Granit
*) Dasselbe bestätigte auch nachträglich Herr Prof. Harnack durch eine
mathematische Untersuchung der bei kugelförmigen Gebilden auftretenden Rei-
bungsflächen. Nur bei gleichgrossen Körpern, die in Bezug auf Form und Material
gleichartig nind, köunen sämratliche Kantenwinkel gleich 120® wei-den. D. R.
37
ein Gneissgranit ist und ein Glied der Urschieferformation
darstellt". Dagegen wird der Königshainer Granit für eruptiv erklärt.
Auch Woitschach hat somit auf die Verknüpfung des Lausitz - Granites
mit dem Phyllit ähnlichen Schiefern hingewiesen, die ich, ohne von seiner
Arbeit Kenntniss zu haben, wenige Jahre später auf einem anderen und
grösseren Gebiete vielfach vorgefunden und zum Theil in meinem Aufsatze
„Ueber das archäische Gebiet nördlich von Zittau und dem Jeschken-
Gebirge" besprochen habe. — Laube dagegen hält in seinen Mittheilungen
über „Die Protogingesteine des nördlichen Böhmens" (Verh. K. K. geol.
Reichsanstalt, Wien, December 1884), sowie in einer neulich an mich
gerichteten Zuschrift den Lausitz-Granit und die Gneisse mit grünem^
talkartigem Glimmer von Weisskirchen, Kratzau etc. im nördlichen
Bö'hmen für eruptiv und die in ihnen vorkommenden Schiefer für Ein-
schlüsse. Ueber meine Stellung zu Laube sowohl, wie zu den älteren
Arbeiten von Jokely mich auszusprechen, werde ich nächstes Jahr
Gelegenheit nehmen.
Ein Seitenstück zu der innigen Verknüpfung, von Granit, Gneiss und
phyllitartigem Schiefer, die ich a. a. 0. von Hirschfelde beschrieben
habe, traf ich in Ober-Berzdorf nördlich von Friedland i. B. Aus
sehr grobkörnigem Rumburg -Granit entwickelt sich hier ein ebenfalls
grobkörniger und grobflaseriger Gneiss, der mehrere Zwischenlager der
mehrfach erwähnten Schiefer führt. Eine derselben enthält eine flach-
lenticulärcy gegen 1 — 2 dm dicke, allseitig umschlossene Ausscheidung
von grobkörnigem Granit.
Bei Nie da bei Ostritz glaube ich endlich das Muttergestein dieser
allermeist verwitterten Schiefer in einem dichten, dickschieferigen aber
deutlich geschichteten, flache Quarzlinsen parallel seiner Grenze und seinem
Streichen fuhrenden, schwärzlichen Gestein gefunden zu haben. Der
Granitgneiss, in welchem es ein 2 m mächtiges Lager bildet, geht an der
Grenze in dasselbe über, indem eine duhkle Schieferflaser den Glimmer
vertritt und schliesslich das Gestein allein zu constituiren scheint.
Was die deutlich körnigen, flaserigen bis schieferigen Gneisse im
Lausitz- und Rumburg-Granit anlangt, so glaube ich auf Grund
namentlich um Löbau, Ostritz und Seidenberg angestellter Beobachtungen
behaupten zu dürfen, dass, wie auch die Frage nach der Entstehung
jener Granite beantwortet werden mag, diese Gneisse, die früher für Ein-
schlüsse gehalten wurden, von ihnen nicht zu trennen sind.
Der wenig untersuchte, dichte Gneiss von Weissenberg (Cotta,
Erläut. zu Sect. 6 der geognost. Karte von Sachsen) zeigt die bemerkens-
werthe Erscheinung, dass er in der Nähe der Gränitgrenze Linsen des
gewöhnlichen Lausitz-Granites parallel seinem Streichen fuhrt. Auch weist
er Uebergänge vß letzteren auf."
38
IV. Section für praehistorisclie Forschimgen.
Erste Sitzung: am IS. Februar 1885. Vorsitzender: Freit^prr
D. von Biedermann.
Herr W. Osborne schildert in anregender Weise seine im December
vorigen Jahres unternommene Reise in die Schweiz und die Besichtigung der
praehistorischen Sammlungen zu Zürich, Luzern, Bern, Lausanne, Genf
und Neuchatel und charakterisirt dieselben kurz, wie er sie befunden,
wobei er auch beiläufig der hohen Preise gedenkt, welche die Antiquare
in den besuchten Städten für schweizerische Funde fordern.
Eingehender behandelt der Vortragende die Pfahlbauten des
Neuchäteler Sees, wo er, begünstigt durch den niedrigen Wasserstand,
in der Lage war, selbst Ausgrabungen vorzunehmen. Zahlreiche vor-
gelegte Funde von Steingeräthen , darunter eine ^nzahl kleiner Beile aus
Nephrit, Jadeit und Chloromelanit, Bronze- und Eisengegenständen,
Gefassen, Geweihen und Holzüberresten erhöhten das Interesse an
dem Vortrage.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz erwähnt eine Schrift von Dr. Theile in
Lockwitz, einem der Mitbegründer der Isis, über eine Ausgrabung in
Stetzsch bei Cossebaude. Vergl. Fr. Theile, Altgermanische Gräberstätte
bei Stetzsch, in Zeitschrift „üeber Berg und Thal" 1884, Nr. 12 und
1885, Nr. 1.
Zweite Sitzung am 9. April 1885. Vorsitzender: Freiherr D. von
Biedermann.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz bespricht einige von Frl. J. von Boxberg
eingesandte Gypsabgüsse eiserner Pfeil- und Lanzenspitzen, sowie eines
eisernen Opfermessers, welche bei dem Opfersteine des alten Mahles von
Tauscha bei Radeburg aufgefunden wurden. Frl. J. von Boxberg
schreibt über diese Funde:
„Ich habe während meines Aufenthaltes in Sachsen vor etwa drei
Jahren einen alten OpferJ)latz gesehen. Es war ein grosser Bau in der
Mitte eines neuerdings abgeschlagenen Holzes. Obgleich zerstört ^ trat
39
der Ueberrest doch noch sehr deutlich auf dem Boden hervor. Zwei
grosse viereckige, von einander getrennte, aber durch einen Weg ver-
bandene Höfe standen noch fest aufgerichtet. Der zweite Hof war weit
höher als der erste und enthielt Spuren eines Altars, fast ganz überzogen
mit Moos; eine Doppelreihe von Gräben und Erdwällen bis zu
3 m Höhe, welche das Terrain umgaben, vervollständigten den Opferplatz,
der noch heute das alte Mahl genannt wird.
Die Wenden opferten Thiere unter Darreichung von Blumen und
Früchten. Auch legte die öfifentliche Verehrung Waffen, Schmuck und
Geräthschaften nieder. Unter den ausgegrabenen Knochen erkennt man
den Hirsch, den Eber, das Pferd, Rind, Vögel und selbst Fische. In
grosser Menge hat man Getreide, Hirse, Erbsen und Eicheln gefunden.
Da alle diese Gegenstände von dem Feuer kaum berührt worden sind,
darf man schliessen, dass die Priester während der Ceremonie das Feuer
mit frischer Erde bedeckt und die dargebrachten Gegenstände darin ein-
gebettet haben.
Zahlreiche Bruchstücke von Thongeräthen, womit der Boden ge-
wöhnlich bestreut ist, lassen vermuthen, dass man die Gaben in Gefasseu
dargeboten hat, oder dass, ähnlich wie bei den gallischen Volksstämmen,
die von Verstorbenen gebrauchten Gefasse bruchstückweise auf den Herd
geworfen worden sind. Durchbohrte Steinhämmer, gebogene Messer,
kleine Sicheln werden oft als Opfergeräthe bezeichnet, während kleine
Tassen und Schalen vielleicht als Libationsgefässe die Aschenurnen häufig
begleiten". (Vergl. Ann. de la Soc. d'agrictdture^ sciences, arts et
commerce de Pup. T. XXVH. 1864—65. p. 148)
Ein an derselben Stelle ausgegrabenes Thongefäss, die Gestalt eines
Reiters wiedergebend, hält Frl. von Boxberg für das Bild des Götzen
Swantewit. Vortragender zeigt das Bruchstück eines ähnlichen, in der
Nähe der Rudelsburg gefundenen Gefasses vor, welches er bisher für
den Pfeifenkopf einss Studenten gehalten habe.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz bringt zur Vorlage noch eine grössere
Zahl von Schriften von Dr. H. Jentsch in Guben über praehistorische
Funde aus dem Stadt- und Landkreise Guben, von F. von Hauer, die
Kraus -Grotte bei Gams in Steiermark (Oestcrr. Touristen-Zeitung 1885,
Nr. 2 und 3) und von A. Hofmann, Säugethierreste aus der Stuhleck-
Höhle (Mittheil. d. naturwiss. Ver. f. Steiermark, Jahrg. 1884), in der
neben Ursus speheus Blum, auch Ur. arctos L. entdeckt wurde.
Hierauf spricht Ingenieur H. Wiechel über die praehistorischen
Funde der Eisenzeit in Sachsen, verglichen mit denen der Bronzezeit,
veranlasst durch das Werk von Dr. Ingv. Und s et: „Das erste Auftreten
des Eisens in Nord -Europa", worin der Verfasser die Ansicht ausspricht,
dass die in Sachsen gemachten Funde aus der Eisenzeit in ihrer Form
mehr an die der Bronzezeit erinnerten. Vortragender widerspricht dieser
Ansicht aus mehreren Gründen und stützt sich dabei auf das reiche
40
Material, das er bei den Ausgrabungen in Pirna und Uebigau gewonnen
hat. Er gedenkt hierbei auch der sogenannten Napfurnen (Lausitzer
Typus), welche an beiden Fundstellen vorkommen und entschieden der
Bronzezeit angehören, sowie der seltenen Uebergangsformen, die sich
einerseits der Flaschenform, andererseits der Form der römischen Misch-
krüge nähern und auf der Drehscheibe angefertigt sein müssen. Redner
macht aufmerksam auf kleine Napfurnen (Beigefasse), die mit Henkeln
zum Anbringen von Schnuren versehen sind und auf Umenfeldern der
Latene-Zeit gefunden wurden. Zahlreiche Zeichnungen unterstützten den
Vortrag. Schliesslich wird noch auf ein neueres, für Urnensammler
interessantes Werk hingewiesen, auf Fritz Berndt, die Gefasse unseres
Hauses, drei Vorträge über Keramik. Aachen 1880.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz theilt mit, dass nach einem Briefe des
Realschuldirectors Muth in Pirna am Fusse des Sonnensteins ein Urnenfeld
aufgedeckt worden sei und dass man im dortigen Rathhause einen Saal
zu einem praehistorischen Museum einzurichten gedenke.
Derselbe liest aus der „Neuen Züricher Zeitung" 1885, Nr. 70 u. 71
noch einige Mittheilungen aus dem Gebiet der Pfahlbauten von Jakob
Messikommer vor.
Zum Schluss erklärt Handelsschullehrer 0. Thüme ein ihm von
Herrn W. Osborne übergebenes Holz aus den Pfahlbauten des Neuen-
burger Sees für Nadelholz, da er bei der Untersuchung desselben Tüpfel-
zellen vorgefunden habe.
Dritte Sitzung am 11. Juni 1885. Vorsitzender: Freiherr D. von
Biedermann.
Der Vorsitzende spricht über die Geschichte der Halloren.
Dem interessanten Vortrage entnehmen wir Folgendes:
Unter den innerhalb der eingeborenen Bevölkerung inselartig ein-
gestreuten Genossenschaften, die sich durch ihre Eigenart scharf von ihrer
Umgebung abscheiden, nehmen die Halloren das Interesse in erster
Linie in Anspruch, da diese in Halle als Salzwürker thätige Körper-
schaft als das Ueberbleibsel derjenigen Völkerschaft anzusehen ist, von
der die. erste Cultivirung Deutschlands ausging, als die letzten Beste der
Kelten in Deutschland, deren Urgeschichte weit, bis ins Sagenhafte
zurückreicht. Von jeher haben sie die Aufmerksamkeit durch die Eigen-
artigkeit ihrer Kleidung, Sprache und Sitten auf sich gelenkt, doch macht
sich in neuester Zeit auch bei ihnen die moderne Nivellirungssucht
bemerklich, und rückt der Zeitpunkt immer näher, von welchem an sie
nur der Geschichte angehören werden.
Ch, Keferstein, dessen Untersuchungen Vortragender folgt, führt die
Erhaltung ihrer Eigenthümlichkeiten darauf zurück, dass eine Verschmelzung
41
mit den Hallensern, den deutschen Bewohnern Halles fast nie statt-
gefunden hat; betrachten sie selbst sich ja nicht als Hallenser.
Von diesen unterscheiden sie sich durch Körperbau, Tracht,
Sitten und Gebräuche, wie sie in manchen Fällen auch rechtlich
noch eine Ausnahmestellung einnehmen. Sie zeichnen sich durch hohen,
schlanken Wuchs, ganz verschieden von dem der Slaven, aus und haben
schwarzes Haar, das sie mit Ausnahme einer lang herunterhängenden
Locke am Ohr kurz tragen. Ihre freilich jetzt nur an Sonn- und Fest-
tagen getragene Hallorentracht ähnelt der thüringischen Volkstracht, nur
ist die Farbe der langen Röcke meist grell bunt, die, oft silbernen, Knöpfe
sind sehr hoch und conisch, auch verwenden Männer wie Frauen an der
Kleidung viel Pelzwerk.
Ihre grosse Freimüthigkeit im Verkehr mit Anderen ist bekannt ; nach
altem Brauche sprechen sie Andere mit „Du'' an, mit Ausnahme der
Vorgesetzten — eine noch heute im Verkehr mit den Studenten ge-
haltene Sitte.
Ihr Hauptfest ist das Pfingstbier, vielleicht ein Ueberrest des
alten keltischen Druidendienstes, bei dessen Feier die alten Gebräuche
streng innegehalten wurden. Ihre früher alljährlich, jetzt nur sehr selten
ausgeführten Fischerstechen lockten zahlreiche Fremde nach Halle.
Ihre ezimirte Stellung bekundete sich durch namhafte Privilegien,
die sie als Eigen thümer und Verarbeiter der Soolquellen genossen, von
denen sie aber manche in den heftigen Fehden mit Patriziern und geist-
lichen Vorgesetzten schon im 15. Jahrhundert einbüssten, doch gelten für
sie noch heute mancherlei Privilegien. So wird das Salzsieden nur von
ihnen allein ausgeübt; bei jeder Huldigung eines preussischen Königs
erhalten sie eine Fahne und ein Pferd, mit welchem sie den Salzbrunnen
umreiten , auch steht ihnen das Recht zu, bei einer Huldigung durch eine
Deputation vertreten zu sein und die Bestätigung ihrer Rechte zu erbitten.
Die hierbei gehaltenen Reden haben noch die alte Fassung. Auch zur
Neujahrsgratulation haben sie Zutritt. Ein nicht ausgesprochenes, aber
als Usus festgehaltenes Recht ruhte auf dem Gebiet der Halloren, das
einer Freistätte. Wer zu ihnen flüchtete, genoss Straflosigkeit; dahin
flüchteten auch die Studenten, wenn ihnen Philister und Manichäer zu
hart auf den Fersen waren.
Ihre keltische Abstammung gründet sich vorwiegend auf ihr Sprach-
idiom. Schon der Name Halle ist keltischen Ursprungs und leitet sich
her von häl = Salz, wie Halloren von hallwr (spr. Hollur) = Salz-
bereiter. Unzweifelhaft keltischen Ursprungs sind technische Ausdrücke
wie Kothe (Häuser) von cwt (spr. kut), Thal oder Dal (Gemeinschaft) von
dail, Greve (Administrativ-Beamter) von grav, grabu, Graeder (Heitzer)
von gradaire, Oigler oder Ogglere (Beamtete) von oggl, Pfanne von pen etc.
Auch im gewöhnlichen Leben haben sich Spuren keltischer Ausspracht
42
erhalten, namentlich durch Verwandlung des a in o; so sagen sie nicht
Halloren, sondern Holloren.
Nicht die gesammte Genossenschaft der Säl/er sind Halloren, nur die
sogenannten Salzwürker, deren Zahl jetzt etwa 100 — 120 beträgt,
während sie im 16. Jahrhundert zu Eriegszeiten 600-700 waffenfähige
Leute zu stellen vermochten.
Die älteste Urkunde, welche ihrer gedenkt, ist ein kaiserliches Patent
Y. J. 739. Schon 1554 sclirieb ein Ernst Brotuff von Merseburg eine
Geschichte derselben, worin sie allerdings zu den Slaven gerechnet werden.
Keferstein sucht nachzuweisen, indem er den Zug der einfallenden Kelten
genau verfolgt, dass sie hier als Salzarbeiter zurückgeblieben seien, während
der Hauptstrom sich weiter nach Süden und Westen verzog, lieber das
Wann? ist freilich mit Bestimmtheit nichts zu sagen. Einen thatsächlichen
Beweis für das hohe Alter der Halloren in Halle liefert eine 6 Fuss
mächtige, unter einer 5 Fuss hohen Dammschicht auf der Insel am
Strohhofe liegende Ablagerung von Strohasche, die ihre Entstehung der
anfangs üblichen Methode der Heizung mit Stroh verdankt. Aus der
Dicke dieses Lagers berechnet man die Anfange der Saline um circa
2000 Jahre zurück.
Vortragender glaubt, dass sich in einer so eng geschlossenen, von
aller Vermischung mit fremden Elementen rein erhaltenen Genossenschaft
Manches auffinden lassen müsse, was für praehistorische Forschungen
Förderliches bieten könne, dass sich in dieser z. B. mancherlei altes
Geräth auffinden Hesse, das im Vergleich mit den Funden aus Kelten-
Gräbern recht instructive Aufschlüsse zu geben im Stande sein würde.
Vierte Sitzung^ am 10. December 1885. Vorsitzender: Freiherr
D. von Biedermann.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz zeigt den am 8. December erfolgten Tod
der Frau Elwine von Burchardi, geb. Härtel zu Gross-Cotta an, welche
seit 1868 Ehrenmitglied der Isis gewesen ist, und nimmt den Auftrag
entgegen, bei ihrem am 11. December stattfindenden Begräbniss im Namen
der Gesellschaft Isis einen Palmenzweig auf ihr Grab zu legen.
Derselbe trägt ferner einen Bericht von Fräulein Ida von Boxberg
über ihre diesjährigen Ausgrabungen auf dem Umenfelde von Dobra bei
Radeburg vor, aus welchem wir Folgendes entnehmen*):
Es wurden dort 15 Grabstätten aufgedeckt, die von Neuem die alt-
germanischen Elemente bestätigten. In einem Steinkranze, welcher aus
*) Vgl. laisber. 1884, p. 74. Weitere Mittheilungen darüber sollen erfolffen,
sobald die dortigen Ausgrabungen im nächsten Jahre abgeschlossen sein werden,
D^ Red.
43
tüchtigen, theilweise nordischen Felsbrocken bestand, fanden sich 2 grosse
Knochenumen vor und über 20 Beigefässe, welche leider meist zertrümmert
waren. In einer der grösseren Urnen wurde eine Bronzenadel, das Frag-
ment eines durchbohrten Knochenscheibchens, das Bruchstück eines Feuer-
steinwerkzeuges und die Hälfte eines ebenfalls durchbohrten Wolfzahns
gefunden. Die andere dieser Urnen enthielt als Beigabe ein 1 cm breites
Armband aus Bronze und einen hellen Kieselstein.
Im Ganzen belief sich die Zahl der bis jetzt dort gewonnenen und
noch gut erhaltenen Urnen, Beigefasse und Amulette auf: 4 Urnen,
5 Tassen, 4 Beigefässe, 5 Schalen, einen 15 cm langen Bronzestift,
1 klares Quarzgeröll, 5 Bernsteinperlen, 3 flach geschnittene und durch-
bohrte Amulette aus Grauwacke, 1 Gefässboden mit eingeritztem Kreuz,
1 Halsband aus 59 Thonperlen bestehend, 1 Näpfchen mit kleinen Kinder-
knöchelchen gefüllt, dessen Aussenseite mit 19 rund um den Boden
laufenden Tupfen verziert ist und das 1 kleines Bronzeringelchen enthielt,
4 Spirale Bronzeornamente und 1 kleinen Gefässdeckel mit einer anscheinend
absichtlich durchstossenen Bodenöffnung.
Unter den zahlreichen Scherben der zerfallenen Urnen sind Ver-
zierungen als Stichmuster, Nageleindrücke, Tupfen und Leistenornamente
vielfach vertreten; gleichzeitig wurden aber auch 53 verschiedene Henkel
von Thongefassen gesammelt.
Es verdient Beachtung, dass in 3 Grabstätten unweit der Knochen-
urnen eine Hand voll Asche und Holzkohlen angetroffen wurden, welche
die kleinen Gefässtrümmer umgaben, welche zum Brennen und Härten
der Gefässe gedient haben mögen, da auch der von Natur gelbe Sand,
auf dem sie gestellt waren, rothgebrannt war.
Zur näheren Erläuterung hatte Fräulein von Boxberg Fragmente der
grösseren Knochenurnen mit Knochenresten, die dort gefundenen Holz-
kohlen und Zeichnungen verschiedener Beigaben eingesandt und abermals
dem K. Mineralogischen Museum übergeben.
Besonderes Interesse erregte ferner der von dieser Dame uns gleich-
zeitig eingesandte Situationsplan der berühmten Brunnengräber von
Troussepoil in der Vend6e, deren Kenntniss wir ebenfalls Fräulein
von Boxberg verdanken (vgl. die praehistorische Abtheilung des K. Mine-
ralogischen Museums).
Schliesslich wurde durch sie noch die Aufmerksamkeit auf Göthe^s
Urtheil über die Feuerbestattung in dem Trauerspiele des Dichters „Die
natürliche Tochter*' gelenkt. —
Ueber einen angeblichen Fund von Steinbeilen, die sich nach Angabe
einiger Tagesblätter bei dem Bau einer Chausseebrücke bei Waldheim
jüngst gefunden haben sollen, theilt der Vorsitzende mit, dass nach den
aus sichersten Quellen erhaltenen Mittheilungen dort nur ein alter Maurer^
hammer zu diesem Gerüchte Veranlassung gegeben habe.
44
Wichtiger erschien eine neue hier vorgelegte Sendung des rühmlichst
bekannten Antiquar Herrn Jacob Messikommer in Wetzikon, Zürich, für
das K. Mineralogische Museum, welche aus folgenden Gegenständen bestand:
Feldhacken mit Stiel, Haarnetz, Geflechte aus dickem Stoff und Gewebe aus
dem Pfahlbau von Robenhausen, sogenannte Schieferkohle mit Zähnen und
Schädelresten vom Edelhirsch von Dürnten, 1 Menschenschädel aus dem
Pfahlbau von St. Blaise am Neuenburger See und ein noch unentziffertes
Stück bronzirtes Eisen vom Neuenburger See.
Dr. Deichmüller legt das erste Heft der „Mittheilungen der Nieder-
lausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte", Lübben 1 885,
vor und bespricht die darin enthaltenen Abhandlungen. Referent empfiehlt
einen Schriftentausch mit genannter Gesellschaft.
Der Vorsitzende spricht noch über einen Aufsatz von G. de Mor-
tillet in der Zeitschrift „Thomme", in welcher der Verfasser von Neuem
auseinandersetzt, dass die Feuersteine, welche bei Gelegenheit von Aus-
grabungen zu Thenay bei Blois, südwestlich von Orleans, 5 m tief im
Tertiär gefunden wurden und die Spuren von Feuer (Silex craquele)
zeigten, von einem Wesen herrühren möchten, welches Feuer zu machen
verstanden habe , und da Menschen zur Zeit noch nicht vorhanden waren,
dies zweifelsohne ein höher begabter Affe gewesen sei, eine Zwischenstufe
zwischen diesen und dem Menschen, welchen er Anthropopithecus
nennt. Sprecher widerlegt diesen gewagten Schluss, während Dr. Geinitz
auf frühere Mittheilungen hierüber verweist (vergl. Isis - Abhandl. 1882,
S. 127, 132 und 1883, S. 93).
45
V. Section fdr Physik und Chemie.
Erste SitZQBf am 22. Januar 1885. Vorsitzender: Prof. Dr.
R. Ulbricht.
Prof. Dr. W. Hempel hält einen Vortrag über die Sauerstoff-
bestimmung in der atmosphärischen Luft. Vortragender hat
seine Untersuchungen über diesen Gegenstand in den Berichten d. deut-
schen chemischen Ges. 1885, S. 267, veröffentlicht.
Zweite Sitzung am 19. März 1885. Vorsitzender: Prof. Dr.
R. Ulbricht.
Dr. Fr. Raspe berichtet über die zahlreichen Untersuchungen
von Frauenmilch, welche er im Winter des Jahres 1868—69 zu Mos-
kau ausgeführt hat.
Besonders günstige Verhältnisse machten es ihm möglich , in fort-
laufender Reihenfolge die Milch zweier vollkommen gesunder, selbststillender
Frauen vom 5. Tage bis zur 22. Woche nach der Entbindung einer ein-
gehenden Prüfung unterwerfen zu können.
Bis zur 7. Woche konnten fast täglich vollständige Analysen oder
wenigstens Bestimmungen der Trockensubstanz und Asche gemacht werden,
weil genügendes Material vorhanden war, später weniger regelmässig,
da die Bedürfnisse der Säuglinge schon zu gross geworden waren. Bis-
weilen mussten sogar die Pröbchen mehrerer Absaugungen gesammelt
werden.
Die Resultate ergaben ein recht gutes Bild der Veränderungen, welche
die Frauenmilch während des angegebenen Zeitraumes erleidet, wichen in-
dessen in mehrfacher Beziehung nicht unwesentlich von dem bisher An-
genommenen ab.
Im Ganzen zeigte sich eine überraschende Regelmässigkeit in derZu-
und Abnahme gewisser Bestandtheile, welche wohl zu der Annahme be-
rechtigt, dass die untersuchte Milch als wirklich normale anzusehen ist.
46
Es stellte sich nämlich heraus, dass die Menge des Milchzuckers,
welche am 5. Tage zu 7,6 Proc. gefunden wurde, schon von der zweiten
Woche ab fast vollständig constant bleibt, indem sie zwischen 8,15 und
8,87 Proc. (2. Woche) schwankend sich auf der Durchschnittshöhe von
8,3 Proc. hält.
Dagegen nimmt die Menge des Gas eins (Eiweiss u. s. w.) vom
5. Tage ab fast ganz regelmässig von 1,48 bis auf 0,62 Proc. ab, von
einzelnen Fällen abgesehen, welchen eine besondere Bedeutung nicht bei-
zulegen ist. Wissen wir doch aus den Beobachtungen an Kühen, dass
nicht nur die zuerst abgemolckene Milch (fettarm) sich sehr wesentlich von
der zuletzt gewonnenen (fettreich) desselben Melkalktes unterscheidet,
sondern auch, dass die längere oder kürzere Zeit des Verweilens der Milch
im Euter von sehr erheblichem Einfluss auf die relativen Mengen der
Einzelbestandtheile ist.
Da die einzelnen Proben zu sehr verschiedenen Zeiten des Säugungs-
actes genommen wurden, kann es nicht auffallen, dass die Menge des
Fettes zwischen 0,50 (am 5. Tage) und 2,79 Proc. gefunden wurde.
Die Aschenmenge, zwischen 0,36 uud 0,115 Proc. schwankend, ergab im
Durchschnitte in Uebereinstimmung mit anderen Chemikern 0,2 Proc. Auf-
fallend war nur, dass wenn der Aschengehalt erheblich unter diese Mittel-
zahl sank, regelmässig Durchfall bei den Kindern sich einstellte. Ob
darauf aber ein besonderer Werth zu legen, kann natürlich aus diesen
wenigen Fällen nicht entschieden werden.
Sieht man von den älteren, völlig werthlosen Analysen von Vernois
und Becquerel, Klemm, Simon und Anderen ab, welche die Frauen-
milch nahezu mit der Kuhmilch übereinstimmend ergaben, so fand der
Vortragende im Allgemeinen die Menge des Milchzuckers noch höher als
die meisten neueren Analytiker (Krauch, Decaisne, Marchand etc.),
die Menge des Caseins dagegen etwas kleiner.
Indessen ist ein Vergleich nicht ohne Weiteres zulässig, da bei den
meisten Analysen weder angegeben ist, in welcher Säugungsperiode die
Milch entnommen ist, noch wie lange sie in der Brust verweilte. Ob indi-
viduelle oder klimatische Ursachen die ungewöhnliche Höhe des Milchzucker-
gehaltes (durchschnittlich 8,3 Proc.) beeinflusst haben, muss unentschieden
bleiben.
Die grossen Abweichungen in der Zusammensetzung der trauenmilch
und derjenigen aller Pflanzenfresser, sowie das fortwährende Zurückgehen
des Caseingehaltes vom Tage der Geburt an, versuchte der Vortragende
aus der Entwickelung des Säuglings zu erklären.
Gestützt auf die Resultate seiner Untersuchungen uud derjenigen
anderer Analytiker entwickelte er seine Ansichten über die Ali; und Weise,
wie Säuglinge künstlich ernährt werden müssen und gab für die einzelnen
Monate die entsprechenden Vorschriften, wie durch Verdünnung von Kuh-
17„_.
milch mit Wasser und entsprechenden Zusatz von Milchzucker eine
Mischung hergestellt werden kann, welche der Frauenmilch möglichst ähn-
lich zusammengesetzt ist.
Dass diese Vorschriften wirklich den Forderungen der Natur ent-
sprechen, hat Vortragender an einer grossen Zahl von Kindern beobachten
können, welche, nach ihnen ernährt, sich ausnahmslos kräftig und normal
entwickelten.
Da die besprochene Methode gleichzeitig die weitaus einfachste und
bequemste ist, erscheinen alle anderen Surrogate nicht nur entbehrlich,
sondern sogar zum Theil verwerflich.
Näher auf den Vortrag einzugehen, gestattet der Raum nicht.
Drifte Sitznnfc am 21. Mai 1885. Vorsitzender: Prof. Dr. R.
Ulbricht.
Prof. Dr. W. Hempel spricht in längerem, durch Experimente er-
läutertem Vortrage über den Einiluss, welchen die chemische
Natur und der Druck der Gase auf die Electricitätsentwicke-
lung der Influenzmaschine hat. Mittheilungen des Vortragenden
über denselben Gegenstand finden sich im Jahrgang 1884 der Berichte d.
deutschen chemischen Ges. und im Bd. XXV (1885) der Annalen d. Physik
u. Chemie (mit Abbild, d. Apparate).
Vierte Sitzung am 5. Koveniber 1885, Vorsitzender: Prof. Dr.
R. Ulbricht.
Geh. Hoirath Dr. A. Toepler spricht über einige optische
Hilfsmittel für akustische Untersuchungen.
Der Vortragende bemerkt in der Einleitung, dass die mathematische
Theorie der Schwingungen, auf denen die akustischen Erscheinungen be-
ruhen, um die Mitte unseres Jahrhunderts bereits einen hohen Grad von
Vollkommenheit erreicht hatte, dass es jedoch damals noch in mancher
Hinsicht an physikalischen Hilfsmitteln fehlte, um die Ergebnisse der
Theorie zu bestätigen und zu vervollständigen. Man war nicht im Stande,
die ungemein raschen Vibrationsbewegungen tönender Körper bis in ihre
Einzelheiten genau zu beobachten. Erst in den letzten drei Jahrzehnten
sind derartige Hilfsmittel und Beobachtungsmethoden mit Erfolg angewendet
worden. Dieselben sind hauptsächlich optischer Natur; sie besitzen zum
Theil einen hohen Grad von Feinheit. Der Vortragende hatte sich die
Aufgabe gestellt, einige dieser Hilfsmittel, namentlich solche, welche sich
zugleich zu Vorlesungszwecken eignen, zu besprechen und durch Experi-
mente zu erläutern.
48
Zunächst wird die sogenannte phonautographische Methode, welche aus
einem von W. Weber ausgesprochenen Gedanken hervorgegangen ist, er-
örtert. Nach dieser Methode werden die Schwingungen tönender Körper
mittelst feiner, an denselben befestigter Schreibstifte auf glatte, bewegte
Schreibflächen aufgezeichnet und so dem Auge sichtbar gemacht. Aus der
so entstehenden Tonschrift kann sowohl über die Schwingungszahl, als
auch über die Natur der schwingenden Bewegung ein Urtheil gewonnen
werden. Wenngleich das Verfahren nur eine beschränkte Anwendung ge-
stattet, so sind ihm doch sehr werthvoUe Aufschlüsse zu verdanken.
Alsdann wird vom Vortragenden die Anwendung der manometrischen
Flammen (Koni gesehen Brenner) zu akustischen Beobachtungen hervor-
gehoben. Dieses Hilfsmittel in Verbindung mit dem rotirenden Spiegel ist
bekanntlich vielfach benutzt worden, z. B. zur Sichtbarmachung der Ton-
schwebungen, zum Nachweis der Knoten in LÄbialpfeifen , zur Erkennung
der Obertöne in Vocalklängen, zur Beobachtung der Schallinterferenz, zur
Wellenlängenbestimmung u. s. w. Der Vortragende führte hierauf eine
Reihe von Versuchen vor, bei welchen er die Empfindlichkeit kleiner
Flammen gegen Lufterschütterungen benutzte, um die wellenartige Fort-
pflanzung und Reflexion einfacher Luftstösse dem Auditorium sichtbar zu
machen. Zu dem Zwecke war eine enge Metallrohrleitung von etwa 90
Meter Länge aus dem Auditorium hinaus und wiederum in dasselbe zurück-
geführt. Die Enden, welche den Zuhörern sichtbar waren, befanden sich
in Verbindung mit Flammenzeigern. Diese waren für das Experiment so
eingerichtet worden, dass sie durch ihre Zuckungen auf Luftverdichtung,
nicht aber auf Luftverdünnuug in dem Rohre reagirten. Wurde in das
beiderseits geschlossene Rohr vom einen Ende aus ein plötzlicher Ver-
dünnungsstoss entsandt, so zeigten die Flammen durch ihr abwechselndes
Zucken, dass die Stosswelle etwa achtmal in dem Rohre hin und her eilte,
bis sie zuletzt unmerklich wurde. Es war auf diese Weise möglich, die
Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Welle zu bestimmen, sowie auch zu
zeigen, dass eine Verdichtungswelle am geschlossenen Rohrende wiederum
als Verdichtungswelle, am offenen aber als Verdünnungswelle reflectirt wird
und umgekehrt.
Von besonderem Interesse sind diejenigen Methoden, welche den Zweck
haben, an schwingenden Körpern den Verlauf des Bewegungsprocesses
während einer einzelnen Schwingung zu studiren. An der Hand von
Zeichnungen und Experimenten erläutert der Vortragende zunächst die
Anwendung der sogenannten stroboskopischen Methode, welche schon vor
mehr als 40 Jahren von Plateau und Doppler vorgeschlagen, erst
später durch Untersuchungen theils vom Vortragenden, theils von Mach,
Boltzmann, v. Ettingshausen u. A. in der Akustik Eingang gefunden
hat. Der Vortragende Hess vermittelst einer elektromagnetisch betriebenen,
rasch oscillirenden Spaltvorrichtung intermittirendes Licht aus einer elek-
trischen Lampe in das verfinsterte Auditorium eintreten, so zwar, dass
_ 49
gegen 70 Lichtblitze in der Secunde in regelmässiger Folge aafleuehteten.
Wegen der raschen Folge der Lichtblitze wurden ruhende Gegenstände
ganz wie bei ununterbrochener Beleuchtung gesehen. Rasch fortbewegte
Gegenstände erschienen in diesem eigenthümlichen Lichte gleichsam ver-
vielfältigt. Regelmässig schwingende Körper, deren Schwingungszahl mit
der Zahl der Lichtintermittenzen nahezu übereinstimmte, vollführten ihre
in Wirklichkeit sehr raschen Vibrationen anscheinend ganz langsam, und
zwar um so langsamer, je vollkommener jene Uebereinstimmung erreicht
war. Auf diese Weise wurden die Schwingungen einer grossen Stimm-
gabel auf dem Projectionsschirme vor Augen geführt und mit der Schwing-
ung eines Pendels verglichen, desgleichen wurden die eigenthümlichen Be-
wegungen einer schwingenden Basssaite projicirt.
Nach einer kurzen Uebersicht über die mit der genannten Methode
an tönenden Pfeifen, Stimmgabeln u. s. w. bis jetzt erzielten Resultate
beschrieb der Vortragende ein anderes, von Helmholt z angewandtes
Verfahren, welches sich im Princip an die sog. anorthoskopischen Er-
scheinungen der Optik anlehnt. Stellt man einen Tbeil eines schwingen-
den Körpers von bedeutender Längserstreckung, wie z. B. einer Saite, einer
Stimmgabel oder dergl., in geeigneter liage vor eine Scheibe mit radialen
Spalten, und lässt dann die Scheibe mit solcher Geschwindigkeit rotiren,
dass je ein Spalt an die Stelle des nächstfolgenden je in der Zeit einer
ganzen Schwingung rückt, so sieht man, falls die rotirenden Spalten von
rückwärts beleuchtet werden, eine Art Phonautogramm im Schattenbilde
des schwingenden Körpers. Durch Anwendung dieses Hilfsmittels zeigte
der Vortragende, dass die Vibrationen der schwach erregten Stimmgabel
einfache Schwingungen sind, dass jedoch die Bewegungen einer mit dem
Bogen gestrichenen oder mit dem Finger gezupften Violinsaite eine ganz
andere Beschaffenheit haben.
Ferner wird die älteste hierher zählende Beobachtungsmethode er-
läutert, nämlich die von Lissajous, welche in dem Vibrationsmikroskop
von Helmholtz eine wichtige und häufig benutzte Anwendung gefunden
hat. Die geometrischen Eigenschaften der sog. Lissajous' sehen Figuren
wurden an auf Glas aufgetragenen Curvensystemen erklärt; Experimente,
bei denen eine vor einem schwingenden Spalt vibrirende Saite projicirt
wurde, verdeutlichten die Anwendung der Methode auf die Analyse der
periodischen Bewegungen.
Endlich deutete der Vortragende in kurzen Worten an, dass die
optische Analyse bei durchsichtigen Körpern , welche während des
Schwingens in Folge der periodischen Druckänderungen doppeltbrechend
werden, noch wesentliche Vervollkommnung erfahren hat, indem zu den
vorgenannten Hilfsmitteln die Anwendung des Polarisationsapparates und
des Spectroskopes hinzugekommen ist.
Den Schluss bildete ein Experiment, bei welchem die Gestalts-
veränderungen einer tönenden Flamme in ihren einzelnen Phasen strobo-
Gts. Mm in />rr.<»J#*i, fSHö. — Sitxungsber. 4
50
skopisch sichtbar gemacht werden. Man sah deutlich, wie sich bei den
Schwingungen leuchtende Theile in Tropfenform von der Flamme loslösten,
um beim Aufsteigen zu verschwinden.
Fflnfte Sitzung: am 3. Deeember 1885. Vorsitzender: Prof. Dr.
R. Ulbricht.
Assistent J. Freyberg giebt Erläuterungen zu mehreren, für das
physikalische Institut des Kgl. Polytechnikums neu angeschafften physi-
kalischen Mess- und Demonstrationsapparaten.
5t
VI. Section für Mathematik.
Erste Sitzang: am 5. Febniar 1885. Vorsitzender: Raurath Prof.
Dr. W. Fränkel.
Prof. Dr. L. Burmester spricht über ein neues einfaches
Diagramm für die Construction der Stufenscheiben.
Um bei zwei Stufenscheiben mit nicht gekreuztem Riementrieb bei
constanter Riemenlänge die Grösse der entsprechenden Scheibenradien
graphisch zu bestimmen, wurde bis jetzt meist das Cul mann 'sehe
Diagramm angewendet, welches aber erst durch eine umständliche Con-
struction erhalten wird. Wegen dieser umständlichen Construction
versuchte man auch durch Annäherungs - Formeln die Scheibenradien
rechnerisch zu ermitteln; aber diese Annäherungen sind nur innerhalb
sehr enger Grenzen zulässig und geben in weiteren Grenzen ungenaue
Resultate. Prof. Burmester zeigt, wenn man die entsprechenden Scheiben-
radien als rechtwinklige Coordinaten betrachtet, dass dadurch ein Dia-
gramm gebildet wird, welches eine transcendente Curve ist, und dass
dasjenige Stück dieser Curve, das innerhalb der weitesten in der Praxis
vorkommenden Grenzen zur Geltung kommt, mit ausserordentlicher Ge-
nauigkeit durch einen Kreisbogen ersetzt werden kann. Der Mittelpunkt
und der Radius dieses Kreisbogens wird in höchst einfacher Weise durch
den Abstand der beiden Scheibenaxen bestimmt. Aus diesem kreisförmigen
Diagramm kann, wenn der eine Scheibenradius gegeben ist, der ent-
sprechende leicht entnommen werden; und ferner giebt dieses Diagramm
eine klare Uebersicht über die Abhängigkeit der entsprechenden Scheiben -
radien. Wie bei Stufenscheiben kann dieses Diagramm auch bei Konen
mit nicht gekreuztem Riementrieb angewendet werden.
Prof. Dr. C. Rohn spricht noch über eine einfache lineare Con-
struction der ebenen rationalen Curven V. Ordnung, welche
neuerdings vom Vortragenden in den Mathemat. Aiinalon, Rd. XXV,
4. Heft veröfifentlicht worden ist.
52 _
Zweite Sitzung am 9. April 1885. Vorsitzender: Baurath Prof.
Dr. W. Fränkel.
Civilingenieur Dr. R. Proeil spricht über Beiträge zur Regulirung
und Steuerung schnelllaufender Dampfmaschinen.
Die Construction schnell laufender Dampfmaschinen hat durch die in
so schnellem Maasse emporgeblühte Elektrotechnik eine bedeutende An-
regung erhalten. Während man sich vor tO Jahren noch kaum getraute,
die Dampfmaschinen schneller als mit 100 Touren per Minute laufen zu
lassen (Locomotivmaschinen ausgeschlossen) macht man sich zur Zeit schon
mit Tourenzahlen von 300 — 400 per Minute vertraut und ist eifrig bemüht,
für so bedeutende Geschwindigkeiten die besten Verhältnisse zu ermitteln.
Die Forderung grösster Dampfökonomie lässt auch bei den schnelllaufenden
Dampfmaschinen eine directe Einwirkung des Regulators auf die Expansion
des Dampfes im Cylinder als das Rationellste erscheinen. Eine weitere
Forderung ist diejenige grösster Betriebssicherheit namentlich beim Betriebe
von Dynamomaschinen für elektrische Beleuchtung und grösster Ein-
fachheit der Construction. Die vom Vortragenden construirte schnell-
laufende Dampfinaschine zeichnet sich durch mehrere eigenartige Details
aus, zu denen er die Idee und Anregung theilweise Herrn Prof. Dörfel in
Prag verdankt. Besonders ist es der im Schwungrade der Maschine be-
findliche und direct um die Hauptwelle rotirende Regulator, welcher nicht
allein vom constructiven , sondern auch vom theoretischen Standpunkte
aus höchst bemerkenswerthe Eigenthümlichkeiten aufweist. Um zwei in
den Speichen des Rades gelagerte kurze Wellen schlagen zwei Pendel
parallel der Schwungradebene aus, denen eine einzige zwischengesetzte
und mit ihrer Axe das Wellenmittel kreuzende Spiralfeder entgegenwirkt.
Die Dimensionen sind derartig gewählt, dass in dem Maasse als sich die
Schwungkugeln des Pendels vom Wellencentrum entfernen und deren
Centrifugalkraft zunimmt, nahezu in gleichem Maasse die auf Druck
beanspruchte Feder eine Gegenwirkung ausübt, so dass für den Regulator
eine nahezu astatische Functionirung resultirt. Die Annäherung an die
Astasie kann durch kleine, mit den Pendeln verbundene Hilfsgewichte
experimentell verändert werden. Die ausschlagenden Pendel verdrehen
während ihrer Rotation eine auf einer festen Excenterscheibe sitzende lose
Excenterscheibe, von der aus ein eigenthümlich construirter und an tiefster
Stellung des Cylinders befindlicher Steuerungshahn sowohl in Bezug auf
Voreilung als Excentricität verstellt wird. Eine vom Vortragenden auf-
gestellte ausfuhrliche Theorie des Regulators gestattet, sich über die
difficilsten Fragen entsprechende Antwort zu holen. Der Vortragende
leitet dieselbe her und zeigt zur Evidenz, dass eine geschickte Deutung
rechnerischer Grössen durch geometrische Strecken die Brücke zur Er-
kenntniss von Erscheinungen wird, welche andernfalls nur sehr schwer
begrifien werden können und dann nur mit einem umständlichen und
schwulstigen Rochnungsapparat. Die graphische Behandlung und Lösung
5H
des vorliegenden Problems fuhrt auf wichtige und interessante Sätze, die
z. B. die Wirkung der Fliehkräfte in den einzelnen Neben- und Verbindungs-
theilen klar übersehen lässt. Redner giebt am Schlüsse seines Vortrags
einige Rechnungsresultate, die erkennen lassen, dass verhältnissmässig
kleine Regulatoren mit Schwungkugelgewichten von nur 1,4 kg, einer
mittleren Federspannung von 168 kg im Stande sind, in der Federaxe
eine Energie von 16,8 kg bezogen auf V40 Tourenänderung zu erzeugen,
gross genug, um den an der angewendeten Hahnsteuemng auftretenden
Reibungswiderstand zu überwinden.
Zum Schluss bemerkt der Vortragende, dass die Halle'sche Maschinen-
fabrik und Eisengiesserei vorm. Riedel & Kemnitz in Halle a. S. das Recht
der Ausführung der ihm patentirten Constructionen erworben habe
und einen Versuchsmotor baue, der mit 350 Touren in der Minute
arbeiten soll.
Dritte Sltzuuf am iZ. Oetober 1885. Vorsitzender: Baurath Prof.
Dr. W. Fränkel.
Betriebstelegraphen-Oberinspector Dr. R. Ulbricht bespricht jdas
von ihm construirte Proportional-Galvanometer.
Das vorgeführte Proportionalgalvanometer dient zu Widerstands-
messungen und ist aus dem von Fl. Jenkin angegebenen entwickelt
worden. Seiner Construction liegt die Absicht zu Grunde, eine Scala zu
erhalten , welche für gleiche Widerstandsänderungen äquidistante Theilung
zeigt; ein Vortheil, welchen die bisher bekannt gewordenen Proportional-
galvanometer nicht bieten.
Das Galvanometer besitzt zwei wie die Ringe von Tangentenbussolen
gestaltete, gleichgrosse Drahtringe I und II, welche, im rechten Winkel
zu einander gestellt, sich an der Peripherie berühren. Da, wo sich die
Achsen beider schneiden, liegt der Drehpunkt der Magnetnadel. Die
Schaltung ist dieselbe wie bei einem Differentialgalvanometer, doch sind
beide hierbei entstehende Stromzweige Ji und J» über beide Ringe I und II
derart geführt, dass sich die magnetischen Momente der Ringe verhalten
wie Ji — Ja : Ji — Ji.
Ist X der zu messende Widerstand, G der Widerstand jedes Galvano-
meterzweiges und a der Nadelablenkungswinkel bei aufgehobener Wirkung
des Erdmagnetismus, so bestehen die Gleichungen:
J; = «±?und^^^_ = tana, oder tana= ij.
Bei dieser Grösse von tanor ergiebt sich Folgendes:
Zieht man im Quadranten des Nadelweges eine grösste (unter. 45 ^
geneigte) Sehne von der Länge G, so ist die auf dieser Sehne gemessene
Nadelablenkung gleich z; d. h. die Ablesung der Widerstandsgrösse hat
54
auf der mit äquidistanter Theilung versehenen 45^-Sehue, oder
auf der zugehörigen Viertelkreislinie sattzufinden, auf welche jene Sehneu-
theilung radial projicirt worden ist.
Bei dem vorgeführten Instrument hat G die Grösse von 100 Ohm.
Durch Anwendung von Zweigwiderständen liesse sich der Werth der
Scalentheile beliebig verkleinern. —
Hierauf bespricht Assistent J. Freyberg die Einrichtung einiger
optischer Modelle von Töpler und 0. E. Meyer, welche zur Er-
läuterung der Brechung von ebenen Lichtwellen, wie der Brechung von
Lichtstrahlen an ebenen Trennungsflächen und in Linsen mit Vortheil
benutzt werden können.
Vierte Sitzuug: aiu 10. Deeember 1885. Vorsitzender; Prof. Dr.
L. Burmester.
Privatdocent M. Grübler spricht über die Geschichte der
Turbinen -Theorie.
Nachdem der Vortragende in Kürze die Bedeutung spedalgeschicht-
licher Forschungen für die einzelnen Wissenschaftszweige hervorgehoben,
behandelt er zuerst die grundlegenden Arbeiten Euler's auf dem turbinen-
theoretischen Gebiete aus den Jahren 1750 und 1754, in denen der noch
heute benutzte Ausdruck für die an das Turbinenrad abgegebene Arbeit,
sowie die Gleichung zur Ermittlung der Ausfiussgesch windigkeit bei gegebener
Umdrehungsgeschwindigkeit in mustergültiger Weise entwickelt werden,
allerdings ohne Berücksichtigung der Flüssigkeitsreibung. Daran schloss
sich die Erläuterung des Reactionsrades , welches Euler in Vorschlag
gebracht und für das er aus seiner l'heorie die Bedingungen des grösst-
möglichen Nutzeffektes abgeleitet hatte. Die Erfindung der innen beauf-
schlagten Radialturbine durch Fourneyron im dritten Jahrzehnt unseres
Jahrhunderts brachte das Euler'sche Reactionsrad rasch in Vergessenheit
und letzteres geschah auch noch mit Euler's theoretischen Arbeiten,
nachdem Poncelet, welcher 1838 eine vorzügliche, noch jetzt gültige
Theorie der Fourneyron - Turbine veröffentlichte, behauptet hatte, dass
die Fourneyron -Turbine mit dem Euler'schen Reactionsrade nichts gemein
habe und für sie die Euler'schen Theorien keine Gültigkeit besässen.
Der Vortragende bewies die Unrichtigkeit der Poncelet'schen Behauptung,
indem er mittelst der Poncelet'schen Gleichungen, deren Entwickelung er
kurz andeutete, den Euler'schen Ausdruck für die auf das Turbinenrad
übertragene Arbeit herleitete. Poncelet's umfassende Untersuchungen sind
das Fundament für alle folgenden turbinentheoretischen Arbeiten geworden.
Einen weiteren Fortschritt erfuhr die Turbinentheorie durch eine Ab-
handlung von Comb es aus dem Jahre 1843, in welcher bei der Ableitung
des mehrfach erwähnten Euler'schen Ausdruckes für die Arbeit die
55
Verluste infolge der FlÜBsigkeitsreibung berücksichtigt werden und zwar
in einer Weise, wie sie heute allgemein benutzt wird. Das 1844
erschienene Buch von Redtenbacher, welches jetzt zumeist als das
fundamentale Werk fiir die Turbinentheorie angesehen wird, ist hin-
sichtlich seines theoretischen Theiles nichts als eine theilweise sogar
unzulängliche Combination und Umarbeitung der Untersuchungen von
Poncelet und Combes, während die 1847 erschienene Bearbeitung der
Turbinen theorie von Weisbach viel sorgfaltiger und consequenter ist und
einen Fortschritt in dem inneren Ausbau der Turbinentheorie repräsentirt.
Nach Weisbach ist aber bis in die neueste Zeit hinein kaum etwas ver-
ö£Eentlicht worden, was als ein wesentlicher Fortschritt der Turbinentheorie
zu betrachten wäre, im Gegen theil repräsentirt so manches der in den
letzten Jahrzehnten erschienenen Lehrbücher auf diesem Gebiete den
älteren Originalarbeiten gegenüber einen beträchtlichen Rückschritt.
Einige Belege für letztere Behauptung und der Hinweis auf den Umstand,
dass hauptsächlich der Mangel an geschichtlichen Forschungen innerhalb
der Turbinentheorie jenen Rückschritt bedingten, bildeten den Schluss
des Vortrages.
56
VII. Hauptversammlungen.
Erste Sitzunfp am 29. Januar 1885. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Dr. Geinitz,
Der Vorsitzende zeigt der Gesellschaft das Hinscheiden ihrer Ehren-
mitglieder: Dr. Wilh. Rüppell, Privatgelehrter der Zoologie in Frank-
furt a. M., daselbst f am 10. December 1884, Regierungsrath Prof. Dr.
Friedr. Ritter von Stein, f am 9. Januar 1885 in Prag, und Peter
Christen Asbjörusen, norwegischer Forstmeister, f am 6. Januar 1885
zu Christiania, an, und weist auf die Verluste hin, welche die Wissenschaft
erlitten hat durch den Tod des durch seine Arbeiten über die Urographie
der deutschen Alpen berühmten Generalmajor von Sonklar, f am 10.
Januar 1885 zu Innsbruck, und des Prof. der Chemie Benj. Silliman.
f am 15. Januar 1885 zu Newhaven, Conn. , mit J. D. Dana Heraus-
geber des American Journal of Sciences and Arts.
Der Vorsitzende legt die von den Verfassern der Gesellschaftsbibliothek
überreichten Schriften:
A. von Veyder-Malberg, Ueber die Einheit der Kraft, Wien 1884, 8»,
Stan. Meunier, Trait6 de Paleontologie, Paris 1884, 8®,
Ed. Jannetaz, Les Boches, Paris 1884, 8®
vor. Der Vorsitzende wird beauftragt, den Gebern den Dank der Gesell-
schaft zu übermitteln.
Der von der botanischen Section beantragte Ankauf von H. Leitgeb,
Reizmittel und Empfindung im Pflanzenreich, Graz 1884, S^ wird ge-
nehmigt.
Zur Berathung gelangt sodann die Feier des am 14. Mai 1885 statt-
findenden 50. Stiftungsfestes der Gesellschaft. Der Vorschlag des Direk-
toriums und Verwaltungsrathes, das Jubelfest durch Herausgabe einer
Festschrift zu feiern, welche ausser einer Geschichte der Isis Abhand-
lungen aus den von der Gesellschaft gepflegten Wissenschaften enthalten
soll, ferner durch eine am Vormittage des Jubiläumstages zu veranstal-
tende Festsitzung in der Aula des Kgl. Polytechnikums und durch eine
zwanglose Zusammenkunft der Mitglieder am Abend dieses Tages, wird
57
von der Versammlung zum BeschlusB erhoben und das Directorium in Ge-
meinschaft mit dem Verwaltungsrath beauftragt, die zu einer würdigen
Feier nöthig werdenden Vorbereitungen zu treffen.
Hierauf ergreift Oberlehrer Dr. R. Ebert das Wort zu einem Vortrag
über die Schwankungen des Kohlensäuregehaltes der Luft.
Zweite SitzuBg am 2%. Februar 1885. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Dr. Geinitz.
Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit Worten der Erinnerung an
die jüngst verstorbenen Mitglieder, den durch seine zahlreichen Vorträge
über Australien um die Isis verdienten Samenhändler J. F. C. Wilhelmi,
t gegen Ende 1884 zu Dresden, die Ehrenmitglieder Geh. Oberberghaupt-
nutnn a. D. Otto Krug von Nidda, f am 8. Februar 1885 zu Berlin,
und Geh. Hofrath Prof. Dr. £. E. Schmid, f am 16. Februar 1885 zu
Jena, gedenkt auch des vor Kurzem in Petersburg verstorbenen bekannten
Geologen und Akademikers General G. von Uelmersen.
Herr Otto Erler überreicht der Bibliothek als Geschenk eine Schrift
von Molina, Versuch einer Naturgeschichte von Chile, eines der ältesten
naturwissenschaftlichen Werke über dieses Land.
Der Vorsitzende des Verwaltungsrathes, Oberlehrer Dr. G. Helm, er-
stattet Berk^ht über den Kassenabschluss der Isis vom Jahre 1884 (s. An-
lage A. S. 82) und legt den Voranschlag für 1885 vor. Zu Rechnungs-
revisoren werden die Herren 0. Erler und W. Putscher ernannt. Der
Voranschlag für 1885 (s. Anlage B. S. 83) findet einstimmig Geneh-
migung.
Prof. Dr. 0. Drude berichtet über ein im botanischen Garten zu
Buitenzorg auf Java nach Art der zoologischen Station zu Neapel er-
richtetes botanisches Institut, durch welches den europäischen
Botanikern Gelegenheit gegeben werden soll, die Flora der Tropen an Ort
und Stelle zu studiren. Die Kosten eines halbjährigen Aufenthalts da-
selbst würden sich auf etwa 5000 frs. belaufen.
Zum Schluss giebt Herr D. von Biedermann noch einige kurze
Mittheilungen über Dioscoreen- Vfurzeln und über Anastatica hiero-
chuntica.
Dritte Sitzung am 26. Hirz 1885. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Dr. Geinitz.
Der Vorsitzende theilt mit, dass am 3. März 1885 zu Dresden das
Ehrenmitglied Alb. Kinder deCamarecq, K. Niederländ. Resident
a. D., verschieden sei, am 13. März 1885 zu Hildesheim der durch seine
geologischen Forschungen verdiente Geh. Bergrath Dr. Wilh. Dunker
und am 19. März d. J. der bekannte Botaniker Prof. Dr. Röper in
Rostock.
_58 _
Dem Kassirer wird, da die Rechnungsrevisoren den Kassenabschluss
für 1884 für richtig befunden haben, Decharge ertheilt.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz spricht sodann über den angeblichen Fall
eines Meteoriten zu Hirschfelde bei Zittau in Sachsen am 7. Februar
1885, über welchen mehrfach falsche Notizen in die Tagesblätter über-
gegangen waren. Nachdem bereits mehrere Stücke dieses Pseudo-
Meteoriten zu erheblichen Preisen in den Besitz des Dr. Schuchardt in
Görlitz gelangt waren, erhielt auch unser Kgl. Mineralogisches Museum
durch die freundliche Vermittelung des Herrn C. A. Lange in Hirschfelde
ein Fragment des Steines zur Ansicht, welcher hier sofort als verkiestes
Braunkohlenholz, an welchem Krystalle von Markasit, dem rhombischen
Eisenkies, noch deutlich erkennbar waren, bestimmt wurde. Noch lag in-
dessen die Möglichkeit vor, dass neben derartigen aufgelesenen Stücken
am 7. Februar auch wirkliche Meteoriten gefallen seien, welche in die
Hände des Görlitzer Mineralogen übergegangen sein konnten, was jedoch
nicht der Fall ist, wie sich Vortragender bei seiner Anwesenheit in Hirsch-
felde am 17. März an Exemplaren, die von den Schuchardt^schen ab-
geschlagen waren, zu überzeugen Gelegenheit hatte. Hiermit stimmen
auch die von Dr. Schuchardt's eigenen Chemikern, Dr. G. Klemm und
Dr. K. Riemann in Görlitz, vorgenommenen chemischen Untersuchungen
überein, welche in den für Meteoriten gehaltenen Steinen vorherrschend
Doppeltschwefeleisen (Pyrit oder Markasit) richtig erkannt haben. Derselbe
entstanmit der holzigen Braunkohle der nächsten Umgebung, welche in
Hirschfelde das gewöhnliche Feuerungsmaterial ist. Sollte am 7. Februar
in Hirschfelde wirklich ein Meteorit auf den Dachrand des Ofiermann-
schen Hauses gefallen sein, wie ein aufgeweckter 12 jähriger Knabe,
Reinhold Kroschwald, beobachtet zu haben versichert, so ist der Meteor-
stein selbst wenigstens bis jetzt noch nicht aufgefunden worden. Uebrigens
ist von dem Knaben nur ein hefldger Knall, aber keine Feuererschei-
nung beobachtet worden, von welcher schon mehrere Tagesblätter be-
richtet haben. — Ein eingehenderer Fundbericht ist von dem Vortragenden
in den Verhandl. d. K. K. geolog. Reichsanstalt, Wien 1885, Nr. 7, S. 188
niedergelegt worden. —
Gandidat des höheren Schulamts W. Krebs theilt seine Beobachtungen
über Knospenbildung und Knospenschutz mit.
Oberlehrer H. Engelhardt spricht noch über Bradysismus, über
die säcularen Hebungen und Senkungen der Erdoberfläche.
Vierte SitEung am 8*. April 1885. Vorsitzender: Geh. Hofrath Dr.
Geinitz.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz gedenkt der Verdienste des am 10. März
1885 zu Karlsruhe verstorbenen Geh. Hofrath Prof. Dr. Chr. Doli,
59
Ehrenmitglied der Isis seit L861, und des am 7. April d. J. zu München
verschiedenen Prof. Dr. K. von Siebold, Ehrenmitglied seit 1871.
Aus Anlass des bevorstehenden 50jährigen Jubiläums der Gesellschaft
wird der einzige noch lebende Stifter derselben, Dr. med. Friedr. T heile
in Lockwitz, zum Ehrenmitgliede ernannt.
Der vom Norwegischen Alterthumsverein zu Christiauia gewünschte
Schriftentausch wird genehmigt.
In längerem Vortrage behandelt hierauf Prof. Dr. A. Harnack das
Thema: Naturphilosophie und Naturforschung.
Fünfte SUzung am 11. Juni 1885. Vorsitzender: Ueh. Uofrath
Dr. Geinitz.
Durch den Secretär erfolgt die Ueberreichung und Verlesung der Be-
glückwünschungsschreibem und telegraphisdien P'estgrüsse, welche der Isis
aus Anlass ihres fünfzigjährigen Jubiläums von auswärtigen Mitgliedern
und wissenschaftlichen Gesellschaften und Anstalten zugegangen waren, von
Agram: Herr L. F. von Vukotinovich;
Bamberg: Die naturforschende Gesellschaft;
Berlin: Herr Oberberghauptmann Serlo;
Bonn: Se. Excellenz vdrklicher Geheimer Bath und Oberberghaupt-
mann Dr. H. von Dechen;
Der naturhistorische Verein der preussischen Rheinlande und
Westphalens ;
Breslau: Herr Geh. Bergrath Prof. Dr. F. Roemer;
Budapest: Herr Rud. Temple;
Chemnitz: Herr Oberlehrer Dr. T. Sterzel;
Dan zig: Die naturforschende Gesdlsohaft;
Freiberg i. S.: Herr Prof. Dr. A. Stelzner;
Herr Dr. med. 0. Wohlfahrt;
Görlitz: Die naturforschende Gesellschaft;
Güstrow: Der Verein der Freunde der Naturgeschichte in Meckleu*
bürg;
Herrnhut: Herr Apotheker B. Kinne;
Jena: Herr Dr. Rob. Schmidt;
Königsberg: Herr Dr. Alfr. Jentzsch;
Leipzig: Herr Oberbergrath Prof. Dr. H. Grodner;
Herr Dr. Fei. Flügel;
Herr Schulrath Dr. E. Kühn;
Herr Geh. Hofrath Prof. Dr. R. Leuckart;
Die Kgl. geologische Landesuntersuchung von Sachsen;
Lobenstein: Herr Bergmeister H. Härtung;
Manchester: Herr Gh. Kesselmeyer;
60
MeisBen: Der naturwissenschaftliche Verein „Isis";
Mühlhausen i. Th.: Herr Candidat W. Krebs;
Padua: Herr Prof. Dr. G. Canestrini;
Das geologische Institut der Universität;
Die Societa Veneto-Trentina di sdenze naturali;
Paris: Herr Prof. Dr. A. Gaudry;
Pösneck: Herr Kaufmann A. Fischer;
Prag: Herr Prof. Dr. G. Laube;
Herr Prof. Dr. 0. Noväk;
Herr Prof. Dr. M. Willkomm;
Herr Oberbergrath Prof. Dr. V. von Zepharovich;
Der naturwissenschaftliche Verein „Lotos";
Reichenberg i. B.: Der Verein der Naturfreunde;
Schönebeck a. d. Elbe: Herr Dr. C. Reidemeister;
Schneeberg: Herr Oberlehrer Dr. E. Köhler;
Stuttgart: Herr Studienrath Prof. Dr. 0. Fr aas;
Herr Oberstudienrath Prof. Dr. F. von Krauss;
Der Verein für vaterländische Naturkunde in Württem-
berg;
Wien: Herr Regierungsrath Prof. Dr. C. Aberle;
Herr Hofrath Dr. F. von Hauer, Intendant der K. K. Hof-
museen ;
Herr Prof. Dr. W. Reich ardt;
Herr Dr. A. Senoner;
Herr Oberbergrath D. Stur, Director der K. K. geologischen
Reichsanstalt;
Die K. K. geologische Reichsanstalt;
Würzburg: Herr Geh. Hofrath Prof. Dr. F. Sandberger;
Zürich: Herr Prof. Dr. A. Kenngott.
Aus dem gleichen Anlass hat der Verein der Freunde der Natur-
geschichte in Mecklenburg den ersten Vorsitzenden der Isis, Geh. Hofrath
Dr. Geinitz, zu ihrem Ehrenmitgliede, und deren Secretär, Dr. Deich-
müller, zu ihrem correspondirenden Mitgliede ernannt. —
Am 8. Mai 1885 verlor die Gesellschaft durch den Tod ihr lang-
jähriges correspondirendes Mitglied Prof. Dr. J. C. Andrae in Bonn.
Dr. med. F. T heile in Lockwitz sendet ein Dankschreiben für seine
Ernennung zum Ehrenmitgliede ein.
Die Gesellschaft beschliesst, mit der John Hopkins Universüy in
Baltimore, Maryland, in Schriftentausch zu treten.
Herr 0. Wohlfahrt, praktischer Arzt in Freiberg, sendet eine Mit-
theilung über geologische Beobachtungen ein, die er während seines lang-
jährigen Aufenthaltes in Dippoldiswalde in der dortigen Gegend gemacht
hat. (Vergl. Bericht über die geogn. Excursion S. 72).
6t
Zum Schluss giebt Geh. Hofrath Dr, Oeinitz. eine Uebersicbt über
die im August und September t885 stattfindenden naturwiBsenschaftlichen
Wanderversammlungen :
1) Die 58. Versammlung deutscher Naturforscher und
Aerzte wird vom 17. — 22. September in Strassburg tagen.
2) Die 3. Versammlung des internationalen Oeologen-
Congresses wird am 28. September in Berlin unter dem Ehren-
präsidium von Dr. H. von Dechen eröffnet. Für den Organi-
sations - Gomite fungiren Geh. Bergrath Prof. Beyrich als Prä-
sident und Geh. Bergrath Hauchecorne als Generalsecretär.
3) Die British Association for the Advancement of Science
hält ihre 55. Versammlung unter dem Präsidium von Sir Lyon
Playfair vom 9. September an in Aberdeen.ab.
4) Die Societe geologique de France beginnt ihre diesjährige
ausserordentliche Versammlung den 23. August in der Mairie von
Champagnole, Jura, und beendet ihre Excursionen am 1. Sep-
tember in Belley, Ain.
Seehste Sitzunir am 86. Jloni 1886« Vorsitzender: Geh. Hofrath
Dr. Geinitz.
Ein vom Director der K. K. geologischen Reichsanstalt, Oberbergrath
D. Stur, in Wien eingegangenes Dankschreiben für seine Ernennung zum
Ehrenmitgliede der Isis wird durch den Secretär mitgetheilt.
Oberlehrer H. Engelhardt spricht im Namen vieler Mitglieder dem
bei der Feier des fünfzigjährigen Jubiläums der Gesellschaft thätig ge-
wesenen Festcomite den Dank derselben für die Bemühungen am Gelingen
des Festes aus.
Der Vorsitzende überreicht im Namen des Directors des mineralogischen
Museums des Königl. Polytechnikums in Lissabon, Dr. F. A. Pereira da
Costa, der Bibliothek die Schrift: Terremotos de Andnhwiaj Madrid
1885, 8<^ als Geschenk.
In einem Vortrage über die Ergebnisse seiner im April und Mai d. J.
ausgeführten Reise nach Italien schildert Bergingenieur A. Purgold
zunächst die vulkanische Umgebung von Melfi mit dem Monte Vulture.
Dieser, ein sogenannter Erhebungskrater, besteht wie die in seinem
Ringe liegenden Hügel aus einem leudtreichen Hauynophyr, in welchem
der Hauyn nur auf frischem Bruche die ihn an anderen Fundorten aus-
zeichnende schöne grünlich - blau leuchtende Farbe zeigt, für gewöhnlich
aber an licht und Luft in düsteres Schwarz und Dunkelblau nachdunkelt.
Zwischen den Hügeln liegende kleine Seen sind nicht als Kraterseen,
sondern nur als mit Wasser und Sumpf ausgefüllte Bodenvertieiungen zu
betrachten, welche ihren Ursprung dem bemerkenswerthen Reichthum an
Quellen, unter denen sich einige kräftige Säuerlinge befinden, verdanken.
62
Von Melfi begab sich Vortragender nach Neapel, wo er längere
Zeit dem Besuche der Museen widmete, unter denen sich das mineralogische
Museum der Universität durch die reiche Sammlung der Mineral-
Vorkommnisse des VesuT und die Belegstücke zu Scaochi's klassischen
Arbeiten auszeichnet, während eine chronologische Zusammenstellung der
verschiedenen Eruptionen hier wie auch in Palmieri's Observatorium am
Vesuv leider mangelt. Auch das Museo nazionale, wie die B.onghi-
sehe Sammlung und die Kirche in San Martino enthalten manches
mineralogisch Interessante.
Nachdem der bisher hinter dichten Regenwolken verborgene Vesuv
sichtbar geworden, wurde mit Hülfe der Seilbahn eine Besteigung des
Berges ausgeführt. Der jetzt thätige Krater ist von elliptischer Form,
aus der Vereinigung zweier kreisförmiger Krater gebildet, seine Wände sind
mit einer dicken Kruste von Salmiak bekleidet, die von Eisenoxychlorid
gefärbt in lebhafter chromgelber bis morgenrother Farbe leuchtet; auf
seinem Grunde wälzen und ziehen sich dunkelgraue Dampf ballen, die, in
ziemlich regelmässigen Zwischenräumen einiger Minuten als dichte Wolken
in die Höhe geblasen , für Augenblicke Alles in Finsterniss hüllen, durch
stechende Ghlordämpfe das Athmen erschweren, glühende Steine mit sich
emporreissen , welche meist wieder in den Schlund zurückfallen, und zu
eiligem Rückzuge mahnen. Flüssige Lava quillt an der Südostseite des
Aschenkegels im Niveau der oberen Bahnstation in der Breite von etwa
2 m ohne kraterähnliche Oeifnung aus der Oberfläche desselben hervor,
fliesst dunkelroth glühend langsam herab, um bald auf den Schollen eines
alten Stromes zu erstarren; die Tiefe des Stromes soll nach Aussage der
Führer über 5 m betragen.
Von Neapel aus unternahm Redner einen Ausflug nach den den Busen
von Puzzuoli einfassenden phlegräischenjurefilden, welche den Schau-
platz grossartigster, zum Theil noch in historische Zeit fallender vulka-
nischer Thätigkeit darstellen, die noch heute in der Solfatara von Puz-
zuoli fortdauert. Diese bildet den mit weissem Thon bedeckten Boden
eines grossen elliptischen Kraters, der namentlich in seinem nördlichen
Theile durch aufsteigende Wasser- und Schwefeldämpfe erwärmt und zer-
klüftet wird. Ebenfalls in Puzzuoli befinden sich die bekannten Ruinen
des Serapistempels, dessen durch Bohrmuscheln angebohrte Säulen ein
unwiderlegbares Zeugniss für wiederholte Bodenschwankungen seit Er-
bauung des Tempels abgeben. Von Puzzuoli östlich liegt der nach einem
starken Erdbeben am 29. September 1538 durch einen vulkanischen Aus-
bruch aufgeschüttete Monte Nuovo, an seinem nördlichen Fusse der
Kratersee von Averno, dem noch zuLucretius' Zeiten soviel unathem-
bare Gase entstiegen, dass kein Vogel über ihn hinwegzufliegen vermochte,
die sich jedoch seit geraumer Zeit erschöpft zu haben scheinen.
Von Neapel begab sich der Vortragende nach Palermo, und nach
kurzem, der Besichtigung dieser prachtvoll gelegenen Stadt und ihrer
63
Sammlungen gewidmeten Aufenthalte, nach Girgenti, von wo aus der
Schlammvulkan von Maccaluha besucht wurde. An der Maccalubi
genannten Oertlichkeit, einer breiten, mit blendend weissem Thon bedeckten,
pflanzenleeren Ebene auf dem Gipfel eines Hügels, finden sich mehrere grössere
Lachen von ungefähr 2 m Durchmesser, die wie eine Anzahl kleinerer bis an
den etwa 20 cm über die Umgebung flach kegelförmig sich erhebenden Rand
mit bitterlichem, trüben Salzwasser erfüllt sind, aus dem einzelne Gas-
blasen aufsteigen. Bei Regenwetter sollen diese häufiger werden und auch
Schlamm mit heraufbringen. Von Naphta, Erdöl war nichts zu sehen.
Die Eisenbahn nach Gatania durchschneidet bei Grotte und Ra-
calmuto den jetzigen Hauptsitz der sicilianischen Schwefeiindustrie,
vollständig baumlose Hügel mit vielen zu Tage ausgebenden Gypsbänken,
zahlreichen brennenden Haufen von Schwefelerz, aus denen der Schwefel
ausgesaigert und die Luft weithin mit Schwefeldämpfen erfüllt wird. —
Gatania liegt auf und in einem Lavastrom auf dem Fnsse des Aetna.
Den schönsten Anblick des Berges geniesst man von der an der Aetnastrasse
liegenden Villa Bellini. Sehr bemerkenswerth ist der kleine Winkel von
10 — 11 Grad, welchen durchschnittlich der Abhang des Aetna mit der
Horizontalebene bildet und durch welchen sich bei der Erhebung desselben
um 3303 m über den Meeresspiegel die ausgebreitete Basis von rund
40 Kilometer Durchmesser erklärt.
Von Gatania aus wurde eine Fahrt nach Nicolosi ausgeführt zur
Besteigung der Monti Rossi, eines wohlerhaltento Seitenkraters des
Aetna, der unten aus schlackiger Lava, am oberen Rande aus deutlich ge-
schichteten Lapilli besteht und ganz mit rothen Aschenmassen bedeckt ist.
Der Krater wurde bei der grossen Eruption von 1669 gebildet, an seinem
Fusse tritt der grosse Lavastrom zu Tage, welcher bis nach Gatania breit
hinunter floss und erst an der Gartenmauer des dortigen Benedictiner-
klosters zum Stillstand gelangte. Vom Kraterrande bietet sich eine weite
Uebersicht über den Aetna und einen Theil seiner Seitenki-ater , deren
Zahl jetzt 367 betragen soll. — Einen zweiten Ausflug unternahm Redner
von Gatania aus nach den Cyclo pi sehen Inseln, einem halben Dutzend
steiler Klippen gegenüber dem Fischerdörfclien Aci Trezza, deren basal-
tisches Gestein jedenfalls älter als alle Aetnalaven und durch seinen
Reichthum an Anaicim und anderen Mineralien bekannt ist.
Von Gatania begab sich Vortragender nach Messina, dann mit dem
Dampfer nach Neapel, von wo ihn eine ununterbrochene Eiseubahnfahrt
über Rom, Verona, den Brenner und München nach Friedrichsroda
im Thüringer Walde zurückbrachte.
Zahlreiche Photographieen der von dem Redner besuchten Localitäten
dienten zur Illustration des interessanten Vortrags.
64
Siebente Sttzunf am 24. September 1885. Vorsitzender: Geh.
Hofrath Dr. Geinitz.
Der Vorsitzende macht der Gesellschaft die erfreuliche Mittheilung,
dass ihr Mitglied Herr Louis Uhle, Rittergutsbesitzer auf Maxen, das
Kapital der Isis durch Schenkung von 500 Mark vergrössert habe. Der
wärmste Dank der Gesellschaft für dieses Geschenk soll auch an dieser
Stelle ausgesprochen werden.
Derselbe gedenkt ferner der Verluste, welche die Wissenschaft, ins-
besondere auch die Isis, durch den Tod des Prof. Dr. H. W. Reichardt
in Wien, f am 2. August 1885, und des Directors des ethnographischen
Museums in Kopenhagen, J. J. Worsaae, f am 15. August 1885,
erlitten hat.
Auf Antrag von Geh. Hofrath Dr. Geinitz wird Herr R. D. M. Ver-
beek, Director der K. Niederländischen geologischen Untersuchung von
Sumatra und Java, zum Ehrenmitgliede der „Isis^* ernannt.
Verlagsbuchhändler Wilh. Streit spricht über Leonardo da Vinci
als Naturforscher,
Der Vortragende stützt sich auf die neuesten Veröffentlichungen der
Manuskripte Leonardo's, auf die noch nicht abgeschlossene Facsimile-
Ausgabe des Institut publique in Paris uncl die Londoner Ausgabe von
1883: The Lit^ary Works of L. ä, F. compiled and edited frmn the
Original Manuscripts by Dr. J. P. Richter.
An der Hand dieses neuen Materials entrollt Derselbe ein fesselndes
Charakterbild von den wissenschaftlichen Einsichten, Erfahrungen und
Speculationen , sowie von der Beobachtungsmethode jenes als Universal-
genie genugsam bekannten Cinquecentisten und gelangt zu dem Schlüsse,
dass derselbe allerdings als einer der frühesten Begründer der exacten
Naturforschung hingestellt werden kann und als ein echter Vorläufer des
Newton, des Lyell und Darwin. Aussprüche wie: „Bewegung ist Ursache
einer jeden Lebenserscheinung", oder „Wo Leben ist, da ist Wärme und
wo Wärme ist, da ist Bewegung" wirken höchst überraschend.
Ferner: „Die Noth wendigkeit ist Lehrmeisterin und Führerin der
Natur, die Nothwendigkeit giebt Thema und Lösung in der Natur, sie ist
Zügel und ewige Regel" erinnert lebhaft an „den Kampf ums Dasein",
und: „Die Schwere, die Kraft und der Anstoss in Verbindung mit dem
Widerstand sind die vier treibenden Mächte, durch welche alle sichtbaren
Thaten vergänglicher Dinge ihr Dasein und ihren Untergang finden",
zeigt uns den Leonardo auf einer Höhe der Weltanschauung, welche
ihn über die Jahrhunderte herüber zu einem völlig modernen Menschen
stempeln. Dann fährt L. an anderen Orten fort: „AU' unsere Kenntniss
beginnt mit empfangenen Eindrücken" und „Die Wahrheit ist einzig und
allein die Tochter der Zeit". Mit diesen Worten macht er sich frei von
(>5
Tradition und Offenbarung und yerräth in den folgenden seinen neuen
und einzigen Leitstern: „Es giebt durchaus keine Gewissheit in denjenigen
Wissensbereichen, auf welche nicht wenigstens eine der mathematischen
Wissenschaften angewandt werden kann, welche sich mit der Mathematik
schlechterdings nidit yereinigeu lassen ^\ „ Und wer die höchste Gewissheit
der Mathematik zu tadeln versucht, der weidet sich nur an der Ver-
wirrung und wird niemals den Widersprüchen der sophistischen Wissen-
schaften Schweigen gebieten können, welche nur zu unaufhörlichem
Gezeter führen."
120 Jahre vor Galilei sprach er den Satz aus: „Die Sonne bewegt
sich nicht"; und 300 Jahre vor Newton: „Die Erde ist nicht im Oentrum
der Sonnenbahn, noch im Centrum des Universums, sondern in der
Mitte der ihr gleichartigen und ihr zugesellten Elemente"; ferner: „Die
Schwere ist eine Kraft, welche von einem Element erzeugt wird, welches
von einem anderen gezogen oder in demselben aufgehängt ist, daraus
folgt, dass ein Element im eigenen Elemente ohne jedwedes Gewicht ist,
und im höher liegenden Elemente, welches leichter ist als dasselbe, ein
Gewicht aufweist."
An diese Aussprüche über mechanische Himmelstheorie reiht sich
eine längere Abhandlung über das Vorkommen der Muscheln auf hohen
Bergen an, in welcher Leonardo dieses damals dunkle Räthsel in geist-
vollster Weise von allen Seiten beleuchtet und durch exacte Beobachtungen
und Vernunftschlüsse, die sich auf die Gesetze der Hydrostatik stützen,
zu einem Resultat gelangt, welches dem modernen völlig parallel erscheint
und womit er die biblische Sündfluth ad absurdum führt.
Schliesslich sei bemerkt, dass der hier kurz skizzirte Vortrag in
seinem vollen Umfange in der Monatsschrift: Universum, Verlag von
Eugen Friese in Dresden, abgedruckt wurde und eine zweite Abhandlung
Leonardo's über Möglichkeit von Geistererscheinungen und deren Gegen-
beweise durch den Vortragenden in der Monatsschrift: Deutsche Revue,
Verlag von Trewendt in Breslau, Veröffentlichung fand. —
Geh. Hofrath Dr. Geinitz legt eine grosse Zahl sogenannter Drei-
kantner oder Pyramidalgeschiebe vor, welche den Gescbiebedecksand, die
Rückzugsmoräne der diluvialen Gletscher cliarakterisiren, erläutert deren
EntstehuDgsweise und berichtet sodann über seine Beobachtungen im
Gebiet des norddeutschen spec. mecklenburgischen Diluviums unter V^orlage
zahlreicher Belegstücke von Geschiebemergeln , geschrammten Glacial-
geschieben, 5co2i^Att5> Sandsteinen u. a. Er hatte diese Gegenden, welche
in neuester Zeit durch Prof. Dr. Eugen Geinitz in Rostock mit grossem
Erfolge sehr genau durchforscht worden sind, mit Letzterem gemein-
schaftlich noch im August d. J. besucht und diese Wanderungen auch auf
die Lüneburger Haide ausgedehnt, wo ihnen Herr Dr. med. Spreng eil
in Lüneburg ein ausgezeichneter Führer war.
des, liti» in Die»dm, J885. — Sitinngsber. 5
66
Vortragender weist noch darauf hin, dasB auch ein grosser Theil der
sächsischen Schweiz von Geschiebesand bedeckt ist, die diluvialen Gletscher
also bis in diese Gegend gereicht haben müssen und dass sicher die Ent-
stehung der tiefen Schluchten und Thäler in diesem Gebiete zum Theil
auf Gewässer zurückgeführt werden kann, die mit jenen Gletschern im
Zusammenhang standen, ihnen ihren Ursprung verdankten. (Vergl.
Excursionsbericht S. 76.)
Achte Sitzung am 29. October 1885. Vorsitzender: Oberlehrer
Dr. G. Helm.
Dem Verein für Salzburger Landeskunde, welcher am Rupertusti^e
das Fest seines 25jährigen Bestehens feiert, wird von der Isis ein Glück-
wunschschreiben gesandt.
Prof. Dr. 0. Drude macht auf ein vom Bibliographischen Institute
in Leipzig lieferungsweise herausgegebenes Werk aufmerksam, welches,
gleichsam eine Fortsetzung zu Brehm's Thierleben, eine allgemeine
Naturkunde mit Ausnahme der Zoologie umfassen soll. Ueber den Ankauf
dieses Werkes für die Bibliothek wird nach Vollendung der einzelnen
Abtheilungen Beschluss gefasst werden.
Prof. G. Neubert spricht über den Ursprung der Gewitter-
Elektricität im Anschluss an die gleichnamige Schrift von
Dr. L. Sohnke, Jena 1885, in welcher die Entstehung derselben auf
Reibung zwischen den Eisnadeln und Wasserdamplwolken der Luft
zurückgeführt wird.
Oberlehrer Dr. G. Helm bespricht ein Verfahren zur Veran-
schaulichung der Grössenverhältnisse des Planetensystems.
In Ausführung eines Gedankens, den zuletzt Mar tu s. Astronomische
Geographie 1880, verwerthet hat, empfiehlt der Vortragende besonders
für Unterrichtszwecke, kosmische Grössenverhältnisse durch Abbildung in
der heimischen Stadt zur Veranschaulichung zu bringen. In der Ver-
jüngung 1 zu tausend Millionen wird die Sonne durch eine Kugel von
Schulterhöhe (1,4 m Durchmesser) abgebildet, die man sich inmitten des
Dresdener Altmarkts aufgepflanzt denke. Die Bahn des Merkur (60 m
Radius) ist dann etwa dem Altmarkt einbeschrieben, die der Erde (150 m
Radius) berührt die Weissegasse, Rosmaringasse und die Verbindungswege
zwischen der Wilsdruflfer Strasse und ihren Parallelen. Die Jupitersbahn
trifft das Blockhaus, die Annenschule, das Panorama, den Eibberg, und
Neptuns Bahn findet auf dem officiellen Stadtplane Dresdens (l : 10000)
nur noch stückweise Platz: sie trifft Kaitz, Briesnitz, die äussersten
Militärbauden, das Fischhaus. Die Erde wird hierbei dargestellt durch
einen Körper von nur 12 mm Durchmesser und ist von einem nur 3 mm
grossen Kömchen , dem Bilde des Mondes , in 38 cm Abstand umkreist.
67
Auch die Neigung jeder Planetenbahn kann man leicht zur VeranBchau-
lichung bringen, wenn man sich die Ekliptik durch die Horizontalebene
yeranschaulicht. Merkur erhebt sich bis zu 8, Jupiter bis zu 16 m über
den Horizont. Bei dem angewendeten Maasstab pflanzt sich das licht nur
0,3 m weit fort in einer Secunde und die Karte von Mitteleuropa bedeckt
nur etwa 1 qmm. Trotzdem müsste der nächste Fixstern a Centauri
35 Millionen Meter weit vom Altmarkt gedacht werden, wohin die An-
schauung nicht zu folgen vermag (Erdumfang 40 Mill. Meter). — Wendet
man jedoch als Verjüngungsmaasstab 1 zu 1 Billion an, so findet das
ganze Planetensystem, das vorhin den Stadtplan Dresdens überdeckte, in
einem grossen Zimmer (9 m Seite) Platz und der nächste Fixstern muss
in 35 km Entfernung, etwa auf den Geising, Pabststein oder in die Frei-
berger Gegend versetzt werden. Die Sonne ist dann nur noch ein
Fünkchen von 1,4 mm Durchmesser, das Licht schleicht 0,3 mm in der
Secunde und die Erde wird für das menschliche Auge unsichtbar klein.
Neunte Sitziuis am )M. Kovember 1885. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Dr. Geinitz.
Der Vorsitzende widmet dem am 25. September 1885 zu Dresden
verschiedenen Stadtrath Prof. Dr. F. J. Wigard, welcher der Isis seit
1860 als wirkliches MitgUed angehörte, einen warmen Nachruf.
Derselbe theilt ferner mit, dass die Wittwe des im Jahre 1883 ver-
storbenen Stifters der Isis, des Kanzleisecretär K. Ch. Nagel, vor
wenigen Tagen ihrem verewigten Gatten gefolgt ist, und gedenkt noch des
Hinscheidens zweier ausgezeichneter englischer Forscher, des grossen
Brachiopodenkenners Thomas Davidson, f am 14. October 1885, und
des verdienstvollen F(Nraminiferenforschers Wil. Benj. Carpenter, f am
10. November 1885.
Die Resultate der hierauf statutengemäss vorgenommenen Wahl der
Beamten für das Jahr 1886 sind am Schlüsse der Sitzungsberichte
zusammengestellt
Der Bibliothekar theilt mit, dass wegen Erkrankung des Gustos der
Isis -Bibliothek diese in den nächsten Monaten Mittwochs von llVs bis
12>/i Uhr und Freitags von 11—12 Uhr geöffnet sein wird.
Die bisher von Oberlehrer GL König benutzte, der Gesellschaft
gehörige Actie des Dresdener zoologischen Gartens wird für das nächste
Jahr Assistent J. Freyberg übergeben.
Der Secretär verliest ein Dankschreiben des Vereins für Salzburger
Landeskunde für die ihm Seitens der Isis zu seinem 25 jährigen Jubiläum
gesandten Glückwünsche.
Der von dem naturwissenschaftlichen Vereine zu Trencsen in Ungarn
gewünschte Schriftentausch wird genehmigt.
68
BergiDgenieur A. Purgold berichtet über einige Mineralein-
schlüsse im Granulit von Waldheim, welche bei einem Bau am
dortigen Bahnhofe gefunden und von Herrn Baurath Engelhardt an das
hiesige Königl. Mineralogische Museum eingeliefert wurden. Das Mutter-
gestein ist der gewöhnliche verworren blätterige weisse Granulit, in
welchem unzählige dunkelbraune Granatkörnchen von Mohnkornkaliber
zerstreut sind. Neben diesen kleinen Granaten finden sich aber auch
noch zahlreiche grössere vom Durchmesser einer Erbse und darüber,
an welchen öfter noch der sechsseitige Umriss des Rhombendodekaeders
erkennbar ist und welche alle mehr oder weniger zersetzt sind, indem
jedes einzelne Korn von einem dichten Kranz aus dunkelgrünen Chlori t-
schüppchen eingefasst ist, in dessen Umgebung die Gesteinsmasse rost-
gelb gefärbt erscheint. In mehreren Fällen liegt dieser Kranz aus Ghlorit
nicht unmittelbar auf dem Granatkern, sondern beide trennt eine etwas
lockere isabelgelbe Zwischenlage, welche Vortragender für Anthophyllit
hält, von dem einzelne Blättchen auch zwischen die Sprünge der inneren
Granatmasse eindringen. Mit Ausnahme des von aussen hinzugetretenen
Wassergehalts sind die chemischen Bestandtheile des Chlorits wie des
Anthophyllites vollständig in der Mischung des Granates enthalten und
der nach ihrer Ausscheidung verbliebene üeberschuss von Eisenoxyd und
-oxydul bewirkt die rostgelbe Färbung des Gesteins. Die Zersetzung des
Granatkernes ist zuweilen so weit vorgeschritten, dass dieser gänzlich in
apfelgrünen weichen Steatit umgewandelt erscheint.
Nächst den Granaten sind es zahlreiche stängelige, grünlichgraue,
seidenglänzende Krystalle, die meisten zwei bis drei Centimeter lang, welche
im Gestein auf zweierlei Weise vorkommen, nämlich in radial -stängelige
Gruppen vereinigt, oder einzeln porphyrisch ausgeschieden. Trotz des
verschiedenen Aussehens erinnern die strahlig gruppirten sofort an das
bekannte Vorkommen des Andalusit im Granit von Penig, und in der
That bestätigt eine genauere Untersuchung, dass auch die hier vorliegen-
den Krystalle Andalusit sind. Sie sind aber wohl alle in mehr oder
weniger vorgeschrittener Zersetzung begriffen, denn ihre Härte, in frischem
Zustand ==: 7—8, nach Breithaupt sogar =9, erweist sich meist viel ge-
ringer und sinkt in einzelnen Fällen so weit, dass mit einem gewöhnlichen
Messer leicht Pulver abgeschabt werden kann. Nur an einzelnen Streifen
welche durch unvollkommene Spaltflächen parallel der Hauptaxe freigelegt
sind, hat sich fettiger Glasglanz und grössere Härte erhalten. Die Mehr-
zahl dieser langsäulenförmigen Krystalle pflegt nach der Längsaxe stark
cannelirt zu sein, wodurch sie eine unbestimmbare, fast cylindrisohe Form
erlangen; nur unter den porphyrisch eingewachsenen finden sich einzelne
mit je zwei breiten Seitenflächen, und an ihnen gelang es, den Prismen-
winkel ooP des Andalusit = 91 ^ zu messen und den Winkel dieses
Prisma zur Seitenfläche s= 133<>45', durch welchen diese letztere sich als
das Brachypinakoid ocPoc erweist, eine bisher am Andalusit noch nicht
69
weiter beobachtete Form. Endflächen konnten nicht wahrgenommen werden,
sondern die prismatischen Flächen verlaufen • allmählich in die Gesteins*
masse. Auf dem Querbruch zeigen sich oft Granatkörnchen und Flimmer
von Glimmer und Eisenglanz und vielleicht auch von Uutil.
Auf ebenen Kluftflächen des Granulit endlich, auf welchen auch kör-
nige Quarzpartieen ausgeschieden sind, sind stellenweise kleine Turmalin-
säulchen in grosser Menge unregelmässig angehäuft, die im reflectirten
Lichte schwarz erscheinen, rechtwinkelig gegen die Hauptaxen indessen
mit lebhaftem Glanz gelbbraun durchscheinen und in einzelnen Fällen
parallel zur Hauptaxe rothbraune oder auch grünliche Farbe, also Dichro-
Ismus zeigen. Zwischen den Turmalinen verstreut finden sich als Selten-
heiten ganz kleine blassblaue durchsichtige Säulchen, welche für Beryll
zu halten sein dürften.
Handelsschullehrer ü. Thüme referirt noch über die von Professor
B. Frank in den Berichten der deutschen botanischen Gesellschaft
(3. Jahrg., 7. Heft) gegebenen „neuen Mittheilungen über die
Mycorhiea der Bäume und der Manotrapa hypopiiys'^ in welchen
letzterer von Neuem diesen Pilz als das Organ der Nahrungsaufnahme für
den Baum darstellt und sich dahin ausspricht, dass das biologische Ver«
hältniss desselben sich nicht bloss auf die Familie der Cupuliieren be-
schränke, sondern unter den Bäumen noch weiter verbreitet sei. Ent-
schieden tritt der Verfasser Prof. Woronin entgegen, der, hinweisend auf
die Untersuchungen des F. Kamienski über Manotropa hypopUys^ die er
im 24. Bd. der Mimoires de la soeieU fi€Uionale des sdences naturelles de
Cherbourg veröffentlichte, alle Prioritätsrechte in der Frage über die auf
Wurzelsymbiose beruhende Ernährung gewisser Bäume durch unterirdische
Pilze Letzterem zugeschrieben wissen möchte, indem Frank nachweist,
dass Kamienski durchaus eine andere Ansiclit über die Bedeutung der
Verpilzung von Baumwarzeln seiner Auffassung gegenüber ausspricht, da
Kamienski mit seiner Auffassung genau auf dem Standpunkte seiner Vor-
gänger stehe, den Frank schon früher eingehend charakterisirt und als
irrig bezeichnet hat. Schliesslich weist Verfasser noch auf seine neuesten
Untersuchungen über die Bedingungen des Auftretens der Mycorhiga und
über ihre physiologische Bedeutung hin. Die Ergebnisse derselben, welche
später ausführlich veröffentlicht werden sollen, veranlassen ihn, bereits
jetzt sechs Thesen aufzustellen, welche mit erläuternden Bemerkungen vom
Referenten zum Vortrage gebracht wurden.
Zehnte Sitzung^ am 17« December 1885. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Dr. Geinitz.
Im Namen des Herrn Verfassers überreicht der Vorsitzende der Ge-
sellschaft das Werk:
A. Stelzn er. Beitrage zur Geologie und Paläontologie der Argen-
tinischen JEtepublik. L Geologischer Theil. Kassel und Berlin 1885.
70
Der von der Section für prähistorische Forschungen beantragte Tausch-
verkehr mit der Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Ur-
geschichte wird von der Hauptversammlung genehmigt.
Herr von Garlowitz auf Schloss Ringenkuhl in Hessen dankt
Namens der Hinterlassenen der Frau Elw. von Burchardi in Gross-
Cotta in einem Schreiben an den Vorsitzenden für die von der Isis beim
Hinscheiden ihres Ehrenmitgliedes gezeigte Theilnahme, worauf Geh. Hof-
rath Dr. Geinitz in ehrender Weise der Verdienste der Verewigten lun die
Wissenschaft gedenkt. (Nekrolog s. S. 95).
Er erinnert in gleicher Weise an unsern unermüdlichen Foraminiferen-
forscher, den schon am 28. März 1884 verstorbenen Oekonom Carl
Gottlieb Kirsten, geb. am 19. November 1821, Ehrenmitglied der Ge-
sellschaft seit 1858.
Dr. med. H. Klencke spricht über die Grenzen der Erkenntniss
und Naturwissenschaft und Philosophie.
Vorausgeschickt wird: Es handelt sich um Wurzeln und Tragweite
unserer Erkenntniss, um die Begriffe Causalität, Mechanismus, Zweck,
Idee und das Verhältniss der Naturwissenschaften zur Gesammtcultur und
Lebensgestaltung.
Philosophie ist die Darstellung der verschiedenen Welt- und Lebens-
anschauungen in begriffsmässigen Erkenntnissen. Die Verachtung der
Philosophie ist wesentlich verursacht durch die Naturphilosophie HegePs
und SchelUng's. Eine Skizze der letzteren wird vom Vortragenden ent-
worfen. Ihr gegenüber hat die ezacte Methode durch Erfahrung (Be-
obachtung, Experiment, Rechnung) grosse Erweiterung unserer Kenntnisse
geliefert. Aber auch bei den Exacten stellte sich Verlangen nach einer
Weltanschauung im neueren Sinne ein: Büchner, Moleschott, Du Bois.
Forschungsmethoden (Mechanismus und Atomenlehre) werden für das innerste
Wesen der Welt erklärt und schwere Verstösse gegen jede vernünftige Er-
kenntnisstheorie begangen. Darwinismus jüngste Naturphilosophie. Vor-
tragender zieht eine Parallele zwischen Hegel und Darwin. Die Grund-
fragen: Was ist Materie? was Bewusstsein? Wie kommt dieses zu jener?
tauchen immer wieder auf, bald unter idealistischer, bald materialistischer
Form als Subject-Object oder Atome und Empfindung. Grenzbegriffe
unserer Erkenntniss: Kant's Kriticismus grundlegend: Keine Er-
weiterung unserer Erkenntnisse ohne Erfahrung, die Elr&hrung aber in
ihrer Form und Grenze bedingt durch Bau der Sinnesorgane und des Hirns.
Gegenüber Schelling's transcendentalen Deductionen suchen wir jetzt durch
Erforschung des Baues der Sinnesorgane und des Hirns in jene Fragen
einzudringen, was aber ebenso einseitig ist, als Schelling. Alle unsere
Erkenntniss beruht auf der Voraussetzung (nicht durch Erfahrung zu erweisen),
dass in der Natur Constanz und Gleichförmigkeit herrsche. Handeln ist
die Probe auf Erkenntniss und in der Erkenntniss, wie sie uns zum
Handehi und zur Herrschaft über die Natur befähigt, impavide progredi-
n
amur in infinitum ohne Grenssen. Was Welt an und für sich sei oder für
andere Wesen, sind müssige Fragen, ebenso der faustische Drang ins
Innerste der Natur zu dringen.
Idee und Zweck wiederherzustellen in ihrer Bedeutung geläutert.
Wir stehen an den Ausläufern der materialistischen Bichtung, unsere Auf-
gabe: die organische Verbindung beider Richtungen. Willensfreiheit nicht
im Widerspruch mit Mechanismus (s. Dicke n's Geist der Zeit, Leipzig
1883; Schrift von Dr. Klencke).
Uebersicht über Cultur und philosophischer Sinn bewahrt vor 1) Moden
in der Naturwissenschaft, die alle Gemüther unkritisch gefangen nehmen;
2) Verrennen in eine Methode, eine Richtung ; 3) vorzeitigem Dogmatismus.
Statt raffinirter Verstandeserziehung Erziehung zur Vernunft. Weder
phrasenmachender Philosoph, noch roher Empiriker, sondern das Ideal
ist: naturwissenschaftlicher Denker. Ideale Gipfelung der Naturwissen-
schaft. —
Zum Schluss wirft der Vorsitzende einen kurzen Rückblick auf
das Jahr 1885:
Wir können, wie ich glaube, mit Befriedigung auf das bald verflossene
Jahr zurückblicken, in welchem unsere Isis die erhebende Feier ihres
50jährigen Bestehens in Gegenwart Sr. Majestät, unseres hochverehrten
Königs, begangen hat, die allen Theilnehmern noch in frischer Erinnerung
geblieben sein wird.
Die Zahl unserer wirklichen Mitglieder hat sich gegen das Vorjahr
nicht wesentlich geändert, trotzdem uns der Tod einige geschätzte Mit-
glieder, wie Herrn Professor Dr. Wigard, geraubt hat, dessen Andenken
noch frisch ist, während Andere, wie der um unsere Gesellschaft verdiente
Professor Dr. Voss, seinen Wohnsitz nach München verlegt hat, Einige
ebenso wegen Wegzugs von Dresden in die Reihe *der correspondirenden
Mitglieder getreten oder überhaupt ausgetreten sind.
Gegenwärtig beträgt die Zahl der wirklichen Mitglieder 214.
Eine reichere Ernte hat der unerbittliche Tod unter den Ehreumit-
gliedern der Isis gehalten. Wir haben in unseren Sitzungen den Verlust
beklagen müssen von:
1) Peter Christen Asbjörnsen in Christiania, Ehrenmitglied
seit 1873, f 6. Januar 1885,
2) Regierungsrath Prof. Dr. v. Stein in Prag, aufgenommen 1846,
t am 9. Januar 1885,
3) Oberberghauptmann Krug von Nidda in Berhn, Ehrenmitglied
seit 1868, f 8* Februar 1858,
4) des edlen Kinder de Camarecq, Niederländ. Resident a. D,,
aufgenommen 1863, f 3. März 1885,
5) des verdienten Geh. Hofrath Chr. Doli in Karlsruhe, auf-
genommen 1861, t 10. März 1885,
72
6) des ausgezeichueten Zoologen Professor Dr. Carl v. Sieboldt in
München, Ehrenmitglied Seit 1871, f am 7. April 1885,
7) Frau Elwine von Burchardi, geb. Härtel, in Gross-Cotta bei
Pirna, f am 8. December 1885.
Dagegen sind in diesem Jahre drei neue Ehrenmitglieder aufgenommen
worden: die Herren Dr. med. T heile, Oberbergrath D. Stur, Director
der K. K. geolog. Reichsanstalt in Wien, und der Director der geolog.
Landesuntersuchung von Sumatra und Java, Herr R. D. M. Verbeek.
Unter den correspondirenden Mitgliedern müssen wir leider die
schweren Verluste des Geh. Hofrath Professor Dr. Ernst Schmid in
Jena, Mitglied seit 1862, f am 16. Februar 1885, des Professor Dr. C.
J. Andrae in Bonn, Mitglied seit 1872, f am 8. Mai 1885, und des
Botanikers Prof. Dr. H. W. Reichard t in Wien, Mitglied seit 1868,
f am 2. August 1885, tief beklagen.
Unsere Bibliothek ist trotz der seit längerer Zeit schon und leider
noch immer auhaltenden Krankheit des bisherigen Gustos Herrn Koch
durch unser unermüdliches Mitglied Herrn 0. Thüme wohl geordnet
geblieben und den Mitgliedern zur Benutzung, so viel unter bewandten
Umständen nur immer möglich gewesen ist, zugänglich geblieben. Wir
sind Herrn Thüme dafür zu besonderem Danke verbunden, und ich glaube,
dass Sie Alle den Ansichten ihres Verwaltungsrathes gern beitreten werden
der bei Ihnen seiner Zeit eine entsprechende Entschädigung für die auf-
gewendete Mühe und Sorgfalt unseres unentbehrlichen Bibliothekars be-
antragen wird.
Die Verhältnisse unserer Isis haben sich auch in pecuniärer Beziehung
seit einer Reihe von Jahren durch hochherzige Beiträge zu ihrem eisernen
Fonds schon wesentlich gebessert und ist zu hoffen, dass man diesem
Fonds in ähnlicher Weise noch weitere Förderung gönnen wird, bis wir
unser Ziel erreicht haben werden, von allen äusseren, unsere Thätigkeit
hemmenden Verhältnissen erlöst zu werden.
Die beiden Actien des zoologischen Gartens sind nach Ihrem Beschlüsse
für das Jahr 1886 zur Benutzung auf die Herren Prof. Dr. Vetter und
Assistent Freyberg bestimmt worden.
Ueber die wissenschaftUche Thätigkeit der Gesellschaft im Jahre 1885
in den Sitzungen und auf Excursionen wird der bald fertig gedruckte
Bericht Ihnen nähere Auskunft ertheilen. Eine Uebersicht über die Er-
gebnisse der Beamtenwahlen des Vereins für 1 886 finden Sie am Schlüsse
der Sitzungsberichte aufgestellt.
Für das Jahr 1886 sind vorgesehen 12 Hauptversammlungen, je
5 Sitzungen für die Sectionen für Zoologie und für Botanik, je 4 Sitzungen
für die anderen Sectionen.
Möge das Jahr 1886 für unsere Isis ein recht glückliches und segens-
reiches werden!
73_
Exc'ursioueii. Geognostische Excursion nach Dippoldis-
walde am 30. Juli 1885. Eine freundliche Einladung des Herrn J. U.
Wohlfarth in Freibergsdorf, welcher lange Jahre hindurch als viel-
.beschäftigter praktischer Arzt in Dippoldiswalde die weitere Umgegend
dieser Stadt genauer kennen gelernt und aufmerksam untersucht hat,
führte am 30. Juli acht Mitglieder der Isis, unter ihnen den Berichterstatter,
die Herren Dr. Deichmüller, 0. Erler. J. W. Putscher und Fr. A. Weber,
nach Dippoldiswalde, um einige eigenthfimliche Verhältnisse des dortigen
Quadersandsteingebirges näher kennen zu lernen. Herr Dr. Wohlfarth
hatte sich darüber in einem unter dem 21. Juni 1885 an die Isis ein«
gesandten Aufsatze in folgender Weise geäussert: „Versuch einer Er-
klärung dammartig langgestreckter Bildungen im Quader-
sandßtein etc. Nördlich von Dippoldiswalde streift der sächsische
Quadersandstein in einer Entfernung von zwei Kilometern dieses Städt-
chen, sich in östlicher Richtung an den Dörfern Oberhäselich , Reinberg,
Hirschbach, Hausdorf etc. hinziehend, während seine Erstreckung nach
Westen kein zusammenhängendes Ganze mehr bildet, sondern in einzelnen
Inseln bei Paulsdorf und Höckendorf auftretend, erst am GriiUenburger
Walde wieder in mehr zusammenhängender Weise angetroffen wird, wo er
dann bei Niederschöna (etwa 7 Kilometer von Freiberg) den äussersten
westlichen Punkt des Quadersandsteins bildet.
In diesem Gebiete nun, und zwar in der Hauptsache an zwei Stellen
in der Nähe von Dippoldiswalde, weicht die Form des sonst breit auf dem
Gneisse aufliegenden Sandsteins insofern ab, als sie eine langgestreckte
tafel- oder mehr dammartige Leiste darstellt.
Die erste derselben beginnt dicht links an der Strasse von Dippol-
diswalde nach Rabenau, mitten in der meist oben auf dem Hochplateau
gelegenen Dippoldiswaldaer Haide, am sogenannten äabenauer Knochen
(durch welche Bezeichnung der plötzlich aus der Hochebene scheinbar her-
aufgehobene südliche Anfang dieses Dammes jedenfalls charakterisirt
werden sollte). Der Damm, bald breiter, bald schmäler werdend, im
Durchschnitt etwa fünf- bis achthundert Schritte breit, erstreckt sich in
ziemlich gerader Richtung nördlich bis Neuölsa, über zwei Kilometer rechts
neben sich die genannte Strasse nach Rabenau und tiefer unten den Oelsa-
bach lassend. Die Abdachung des Dammes nach dieser seiner östlichen
Seite ist nicht so jäh, als seine westliche Böschung, die an einigen Orten
zusammengestürzte Trümmer von wild durcheinander liegenden grossen
Sandsteinblöcken aufweist und tief unten neben sich die rothe Weis-
ser itz hat, etwa in derselben Entfernung, wie bei der östlichen Damm-
seite den Oelsabach. — Ein Fussweg nach Neuölsa geht auf dem Rücken
des Danunes hin. Der Rücken selbst ist festes Sandsteingebirge, nicht
etwa von angehäuftem Geröll aufgebaut, vielmehr erscheint seine Oberfläche
da, wo sie nicht bewachsen ist und der Fels bloss daliegt, so glatt, als
ob sie gescheuert wäre. Beträchtliche Hebungen und Senkungen seiner
74
Oberfläche bietet er nicht dar. An seinem nördlichen Ende, rechts
von Neuöisa, hört er beinahe ebenso jäh auf, wie er am Südende
begann.
Von obgenannten zwei Wasserrinnen tief zu beiden Seiten des Dammes
hat die westliche, in der Entfernung von etwa zwei bis drei Kilometer
dahinfliessende rothe Weisseritz den Sandstein bis nahe herauf an den
Fuss des Dammes vollständig hinweggewaschen, so dass der Gneiss nicht
mehr bedeckt ist, während die östliche, der Oelsabach, zwar audi ein
tiefes Thal in den Sandstein eingeschnitten hat, jedoch in dem Baume
zwischen Damm und Bach viel mehr Sandstein stehen gelassen hat, als
die Weisseritz.
Ausser diesem ersten Damm findet sich eine zweite, ganz ähnlich
hingestreckte Sandsteinleiste auf dem Kamm der Wasserscheide zwischen
derselben Weisseritz und dem Paulshainer Bach, so dass letzterer den
Damm an seiner westlichen Seite begleitet, während seine östliche Bösch-
ung der Weisseritz zugekehrt ist.
Dieser Damm erhebt sich ebenso plötzlich, wie der erstere, einige
hundert Schritte südlich von Paulshain, und stellt das südlichste Ende
des Dippoldiswaldaer Sandsteins dar, indem einige hundert Schritte süd*
lieh vom Damme der Sandstein ganz aufhört und nur rundliche Kiesel-
gerölle. die früher dem Sandstein einverleibt waren, die Zerstörung ihres
ehemaligen Muttergesteins verrathen. Der Damm selbst , in gerader
Bichtung nach Norden fortschreitend, endet erst kurz vor Seifersdorf und
dürfte an drei Kilometer lang sein. Er erreicht eine bedeutende Höhe,
so dass sein Kamm etwa 30—40 Ellen über die beiden Sandsteinbrüche
heraufragt, deren einer auf seiner Ostseite, in Paulsdorfer Flur, der andere
auf seiner Westseite, unmittelbar am Dorfe Paulshain, im Gange ist. Im
weiteren Verlaufe nach Norden wird er abwechselnd mehr oder weniger
breit, anfangs nach links grosse Trümmerblöcke zeigend, die vom Damme
sich losreissend, der Tiefe zugestürzt sind. Der ganze Bücken, in der
Hauptsache eben aber durchgängig mit Wald bestanden, zeigt abwechselnd
massige Senkungen. Im zweiten Drittel seiner Länge ist ihm linkerseits
durch fiskalische Steinbrüche (jetzt der Liebersche Bruch) derb in die Ein-
geweide geschnitten worden. Die Wände dieses Bruches, senkrecht stehend,
dürften nahe an 100 Fuss hoch sein. Weiter nach Seifersdorf hin hebt
sich der Rücken auffallig und findet, jetzt den höchsten Theil des ganzen
Kammes bildend, plötzlich sein nördliches Ende, das, einen steilen Absturz
bildend, weiter vor nur noch ein kurzes Stück, von losen Sandsteinblöcken
geringeren Umfanges umlagert wird.
Dies meine beiden Dämme, auf die ich die Aufmerksamkeit Sach-
verständiger lenken wollte. Ich könnte noch von einer dritten Reihe
leistenähnlicher Linien im Dippoldiswaldaer Sandstein sprechen, die sich
in der dortigen Haide, nordwestlich von Oberhäsdich finden und in der
Hauptsache andere Himmelsrichtung haben, als die genannten. Doch will
^75
ich deren nähere Bestimmung Solchen überhissen, die sich hoffentlich dazu
berufen fühlen werden.
Nun noch in aller Kürze zu meiner unmassgeblichen Meinung über
die Entstehungsweise dieser gestreckten Dämme in der Sand-
steinformation. Hierbei kommt zuerst der Umstand in Betracht, dass
beide beschriebenen Dämme jeder zu beiden Seiten von Wasserläufen be-
gleitet werden, zwischen denen ihre Rücken also die Wasserscheiden bilden,
so dass die atmosphärischen Niederschläge je nach ihrer Seite herablaufen
müssen, dem Thalgerinne zu. Auf diese Weise ward das früher zusammen-
hängende Sandsteinlager gespalten; indem zu beiden Seiten der Fluss-
ufer der Sandstein fortgeführt wurde und somit breite Lücken entstehen
mussten, auf denen der darunter liegende Gneiss blossgelegt wurde. Da-
durch wurden aus dem zusammenhängenden Sandsteincontinente blosse
Sandstein -Inseln.
Wie riel auch Zeit nöthig gewesen sein mag, um diese Massen weg-
zufuhren, so ist doch so viel gewiss, dass diese Zerstörung ungleich
schneller vor sich gegangen wäre, ja dass vom ganzen Sandsteingebiete
keine Spur mehr da wäre, hätte die Pflanzenwelt solches nicht verhindert,
die in immer neuen Generationswechseln auf dem Sandstein sich nieder-
gelassen hatte. Der Wald war des Sandsteins Schutz/'
Herr Wohlfahrt nimmt an, dass dieser Schutz vorher dem Boden
durch eine Eisdecke gewährt worden sei und dass die ersten Anfange der
jetzigen Thalsohlen eine Folge von Rinsalen unter jener Eisdecke seien, in
welchen die Schmelzwasser abgeflossen wären.
Die Theilnehmer an der Excursion konnten sich von dieser Ansicht
nicht überzeugen, zumal in der ganzen Umgegend keine Spur von Ge-
schiebemergel oder Geschiebesand vorhanden war, der auf alte Ver-
gletscherung hätte hinweisen können; sie gewannen vielmehr die Ueber-
zeugung, dass die dort zu beobachtenden Abschwemmungen und Erosionen
auf Gewässer zurückzufuhren seien, welche vom Erzgebirge herab in der
noch jetzt vorherrschenden Richtung der Flussläufe nach N und NW ab-
geflossen sind. Wohl aber mögen entferntere Gletschermassen, die ja einen
grossen Theil von Sachsen während der Diluvialzeit bedeckt hielten, durch
ihre Schmelzwasser und die sich aus ihnen entwickelnden Wasserdämpfe zu
den erheblichen Niederschlägen Veranlassung gegeben haben, welche ge-
waltige Wassermengen erzeugten und von den nördlichen Abhängen des
Erzgebirges in diese Niederungen herabgefiihrt haben.
Andere Reize gewährte diese Excursion durch den Besuch der ansehn*
liehen Porphyrbrüche im Süden von Dippoldiswalde, den schon früher
beschriebenen Näpfchensteinen an dem Hauptportale der dortigen Stadt-
oder Marienkirche und einiger Sandsteinbrüche bei Malter vor Dippoldis-
walde, unter denen der Bruch in der Nähe der originellen Funke'schen
Restauration und der Schmidt'sche Bruch an Versteinerungen am ergiebig-
sten waren. Man fand dort insbesondere zahlreiche Spuren von CaUia-
76
fiassa antiqua Otto, Pinna decussata Goldf. , Inoceremius siriatus Mant.,
Vola aequicostata Lam. sp., Volaphaseola Lam., Exogyra Columba Lam.,
Ostrea carinata Lam., Ostrea diluviana L. und Spangia Saxamca Gein.
Die Excursioi) endete in dem alten Gneisse des Babenauer Grundes,
nachdem noch der aus Trümmern von Quadersandstein bestehende Ein-
siedlerfels mit seinen Schluchten und Höhlen und die unfern davon
inmitten des Waldes gelegene Barbara-Kapelle oder -Klause ihre alte
Anziehungskraft noch auf die Theilnehmer dieser Excursion ausgeübt
hatten. —
Der vom 28. September bis 3. October in Berlin tagende inter-
nationale Geologencongress, au welchem sich auch eine Beihe von
Mitgliedern derlsis betheiligt haben, hat in den letzten Tagen seinen
würdigen Abschluss in Dresden erfahren.
Waren schon unmittelbar vor dem Congresse einige hervorragende
Mitglieder desselben hierher geeilt, um eingehende Studien in unserm
KönigL mineralogisch- geologischen und prähistorischen Museum zu machen,
so trafen zu demselben Zwecke unmittelbar nach dem Congresse Andere
ein, während die Theilnehmer an den grösseren Excursionen in dem
sächsischen Erzgebirge zumeist erst am 8. und 9. October Dresden er«
reichen und Einzelne ihnen sogar erst bis zum 15. October nachfolgen
konnten.
Von 248 Mitgliedern des Congresses, welche das oificielle Mitglieder-
Yerzeichniss aufführt, haben in diesen Tagen über 50 Dresden besucht
und zwar: 15 aus Deutschland, 5 aus Oesterreich-Uugarn, t aus Belgien,
1 aus Spanien, 5 aus den Vereinigten Staaten Nordamerikas, 2 aus Frank-
reich, 4 aus Grossbritannien, 10 aus Italien, t aus Japan, 1 aus Portugal,
1 aus Bumänien, 3 aus Bussiand, 2 aus Schweden und 3 aus der Schweiz.
Auf alle Besucher haben insbesondere die ausgezeichneten Samm-
lungen aus dem Bereiche der Dyas (des Zechsteins und Bothliegenden)
in dem Königlichen Mineralogischen Museum grosse Anziehungskraft aus-
geübt, da diese auch mit dem Namen „permische Formation'^ belegte
Gruppe, trotz ihrer grossen Bedeutung für Deutschland, Bussiand und
England, im Auslande nur wenig gekannt ist, so dass es sich bei diesen
internationalen Congressen sogar noch darum handeln konnte, ob man sie
als selbstständige Gruppe festhalten oder nur an die Steinkohlengruppe
anschliessen solle, worüber auch jetzt noch die Entscheidung ausgesetzt
worden ist.
Nachdem in den Vormittagsstunden die reichen Schätze dieses und
anderer Königl. Museen besichtigt und gewürdigt worden sind, fanden in
den Nachmittagsstunden, soweit es die Witterung erlaubte, einige Excur-
sionen statt und zwar am 9. und 10. October in den Plauenschen Grund
unter Leitung des Herrn Prof. Dr. Stelzner -Freiberg und Herrn Ober-
lehrer Engelhardt-Dresden , in die Lössgegend Dresdens unter Führung
des Herrn Dr. Jentzsch-Königsberg und am 11. October nach der Sachs.
77
Schweiz. Geh. Hofrath Dn Geinitz geleitete an diesem Tage 27 Theil-
nehmer des Congresses nach der Bastei und dem Uttewalder Grunde, von
wo sich schliesslich noch eine kleine Partie nach dem Hockstein und
Hohnstein unter Führung des Herrn Dr.'Hettner abzweigte, zur Besich-
tigung der dortigen abnormen Verbältnisse in dem Auftreten der Jura-
formation.
Die Theilnehmer fanden Gelegenheit, ein volles unvergessliches Bild
von dem Charakter unserer grotesken sächsischen Schweiz in sich auf-
zunehmen und Parallelen zu ziehen zwischen hier und den sehr ähnlichen
Felsen- und Thalbildungen jenseits des Oceans in dem Grand- Caflon-
districte von Colorado.
Dr. Geinitz führte hierbei die Structur der sächsischen Schweiz auf
die Wirkung gewaltiger Schmelzwasser nordischer diluvialer Glet-
scher zurück, welche sich nach allen neueren Erfahrungen bis in unsere
Gegenden ausgedehnt und noch jetzt zahlreiche nordische Feuersteine und
andere Geschiebe, selbst in der unmittelbaren Nähe der Bastei hinterlassen
haben. Jene massenhaften Schmelzwasser und auf deren Verdampfung
zurückzuführenden Niederschläge haben das grossartige Zerstörungswerk
der früher in innigem Zusammenhange stehenden Quadersandsteinplateaus
durchgeführt und uns den Zauber der jetzt isolirten Felsenpartien und
Gesteinsgruppen mit all ihren Schluchten und Abstürzen hinterlassen.
Die fliessenden Gewässer haben sich durch die, infolge von Austrock-
nung der sedimentären Gesteinsschichten und von Ei*schütterungen durch
die während der Tertiärzeit den Quadersandstein vielorts durchbrechenden
Basalte, entstandenen Risse und Klüfte hindurchgedrängt, dieselben vertieft
und erweitert; sie haben genügende Veranlassung zu gewaltigen Fels-
abstürzen geboten; die durch Verdampfung des Wassers entstandenen
Niederschläge haben abschlämmend und erodirend gleichzeitig von oben
herab gewirkt, eine Wirkung, die im Vereine mit dem nachhaltigen Ein-
flüsse der auf dem lockeren Sandsteine wuchernden Vegetation noch heute
zersetzend und verändernd fortdauert.
Dr. H. B. Geinitz.
Am29. Augustl885 unternahm eine grosse Anzahl von Mitgliedern
einen Gang in die Dresdner Haide. Man wanderte durch den Priess-
nitzgrund bis zur Küchenbrücke, von da den Jungfernweg entlang bis zum
Jungfernplatz, von hier nach dem Kellerflüsschenthale, Meschwitzruhe und
dem Bahnhofe von Klotzsche. Am Jungfemplatz (auf dem linken Priessnitz-
ufer) wurde bei dieser Wanderung u. A. ein Dreikantner aus Lydit ge-
funden.
H. Engelhardt
am 26. März 1886.
> am 11. Juni 1885.
78
Neu anf|i:enoinniene wirkliche mtf Heder:
1. HeiT Ingenieur Bernb. Kirsch in Dresden,
2. „ Cand. des höh. Schijamts Wilh. Krebs ^^ ^ ^^^^
' T\ j } am29. Januar 1885.
m Dresden, [
3. „ Maler Paul Schmidt in Blasewitz,
4. „ Cand. des höh. Schulamts Dr. Herm. Hof mann in Dresden,
am 26. Februar 1885.
5. Herr Taubstummenlehrer Otto Ebert in
Dresden,
6. „ Kammermusikus Ad. Laue in Dresden,
7. „ Geh. Begierungsrath Jul. Sperber in Dresden, am 30. April
1885.
8. „ Privatus Benj. Beyer in Dresden,
9. „ Majoratsherr von Carlowitz auf Schloss
Kukuksstein bei Liebstadt,
10. „ Oeconomierath Generalsecretär C. von
Langsdorff in Dresden,
11. „ Pharmaceut Walth. Stauss in Dresden, am 25. Juni 1885.
1 2. „ Gesandtschafts - Secretär F. D e i 1 1 in
Dresden,
13. „ Bezirksschullehrer Herm. Döring in
Dresden,
1 4. „ Institutsmechaniker Ose. Leuner in
Dresden,
15. „ Prof. Dr. C. Rohn in Dresden,
16. „ Telegraphen -Oberinspector Dr. Richard
Ulbricht in Dresden,
17. „ Bürgerschullehrer Arth. Hammer in
Dresden,
18. „ Bezirksschullehrer Job. A. Jentsch in
Dresden,
19. „ Hans Freiherr von Ledebur in
Dresden,
am29.0ctoberl885.
am 26. November
1885.
am 17. December
1885.
Nea emannte Ehrenmitglieder:
1. Herr Dr. med. Friedr. Theile in Lockwitz, am 30. April 1885.
2. „ Oberbergrath D. Stur, Director d. K. E. geol. ReichBanstalt in
Wien, am 11. Juni 1885.
3. ,, R. D. M. Verbeek, Director d. E. Niederländ. geol. Landes-
untersuchung von Sumatra und Java, am 24. September 1885.
79
Neu aaffenommene eorrespondirende HltfUeder:
1. Herr Prof. Emanuel Hibsch in Liebwerd bei Tetschen, am 29. Oc-
tober 1885.
Aus der Reihe der wirklichen mtgUeder in die der eorrespondlrenden
sind übergetreten:
1. Herr Cand. d. höh. Schulamts Wilh. Krebs in Hamburg. •
2. „ Dr. K. Vetters in Chemnitz.
Freiwillige Bein%e zur Gesellsebaftskasse
zahlten die Herren: Oberlehrer Dr. Bach mann in Plauen i. V. 3 Mk.;
Bergdirector Baldauf in Ladowitz 3 Mk. 2 Pf.; Königl. Bibliothek in
Berlin 3 Mk.; Ingenieur Carstens in Berlin 3 Mk.; Oberlehrer Dan zig
in Rochlitz 3 Mk.; K. K. Rath Ehrlich in Linz 3 Mk.; Privatus Eisel
in Gera 3 Mk.; Oberlehrer Frenkel in Pirna 3 Mk.; Sanitätsrath Dr.
Friederich in Wernigerode 3 Mk.; Apotheker Gonnermann in Neu-
stadt b. Koburg 5 Mk.; Bergmeister Härtung in Lobenstein 5 Mk.; Ge-
werberath Herbrig in Zwickau 10 Mk.; Apotheker Kinne in Hermhut
30 Mk. ; Oberlehrer Dr. Köhler in Schneeberg 6 Mk.; Pharmaceut
Lüttke in Neuenahr 3 Mk. ; Fabrikbesitzer Dr. Na sc hold in Aussig
6 Mk.; Oberlehrer Naumann in Bautzen 3 Mk.; Prof. Dr. Nitsche in
Tharandt 3 Mk.; Oberlehrer Mehnert in Pirna 3 Mk.; Dr. Reide-
meist er in. Schönebeck 3 Mk.; Oberlehrer Seidel I. in Zschopau 3Mk.;
Rittergutspachter Sieb er in Grossgrabe 2Mk.; Civilingenieur und Fabrik-
besitzer Siemens in Dresden 100 Mk.; Apotheker Sonntag in Wüste-
waltersdorf 3 Mk.; Oberlehrer Dr. Sterzel in Chemnitz 3 Mk.; Ritter-
gutsbesiter Uhle in Maxen 600 Mk.; Dr. Heinr. Vater, z. Z. in Dresden,
3 Mk.; Conservator Weise in Ebersbach 3 Mk. ; Dr. med. Wohlfahrt
in Freiberg 3 Mk.; Oberlehrer Wolff in Pirna 3 Mk. 20 Pf.; Oberlehrer
Dr. Wünsche in Zwickau 3 Mk. In Summa 730 Mk. 22 Pf.
H. Warnatz.
80
•Beamten -Collegium der ISIS im Jahre 1886:
Vorstand.
Erster Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. H. B. Geinitz.
Zweiter Vorsitzender: Oberlehrer Dr. G. Helm.
Kassirer: Hofbuchhändler H. Warnatz.
Dlreetoriam.
Erster Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. Dr. H. B. Geinitz.
Zweiter Vorsitzender: Oberlehrer Dr. G. Helm.
Als Sectionsvorstände: Freiherr D. von Biedermann.
Prof. Dr. 0. Drude.
Prof. Dr. A. Harnack.
Ingenieur A. Purgold.
Prof. Dr. R. Ulbricht.
Prof. Dr. B. Vetter.
Erster Secretär: Dr. J. V. Deichmüller.
Zweiter Secretär: Oberlehrer K. Vetters.
Verwaltnnfsrath.
Vorsitzender: Oberlehrer Dr. G. Helm.
1. Civilingenieur und Fabrikbesitzer F. Siemens.
2. Geheimrath und Director Prof. Dr. G. Zeuner
3. Apotheker H. Baumeyer.
4. Commissionsrath E. Jäger.
5. Maler A. Flamant.
6. Fabrikant E. Kühnscherf.
Kassirer: Hofbuchhändler H. Warn atz.
Erster Bibliothekar: Handelsschullehrer 0. Thüme.
Zweiter Bibliothekar: Professor Dr. B. Vetter.
Secretär: Oberlehrer K. Vetters.
Sectlons- Beamte.
I. Section f&r Zoologie.
Vorstand: Prof. Dr. B. Vetter.
Stellvertreter: Institutsdirector Th. Reibisch.
Protokollant: Oberlehrer Dr. R. Ebert.
Stellvertreter: Taubstummenlehrer O. Ebert.
n. Saetion Ar Botuik.
Vorstand: Prof. Dr. 0. Drude.
Stellvertreter: Institutslehrer A. Weber.
Protokollant: Obergärtner 0. Kohl.
Stellvertreter: Institutslehrer F. A. Peuckert.
HL Seotion Ar Mineralogie nnd Oaologie.
Vorstand: Ingenieur A. Purgold.
Stellvertreter: Oberlehrer H. Engelhardt.
Protokollant: Bürgerschullehrer A. Zipfel.
Stellvertreter: Bürgerschullehrer L. Meissner.
IV. Seotion fttr Physik nnd Chemie.
Vorstand: Prof. Dr. R. Ulbricht.
Stellvertreter: Prof. G. Neu her t.
Protokollant: Assistent F. Oettel.
Stellvertreter: Assistent J. Freyberg.
V. Seetion ftr praehittoritche Fonchnngen.
Vorstand: Freiherr D. von Biedermann.
Stellvertreter: Bentier W. Osborne.
Protokollant: Oberlehrer Dr. H. A. Funcke.
Stellvertreter: Bezirksschullehrer H. Döring.
VI. Saetion ftr Xathematik.
Vorstand: Prof. Dr. A. Harnack.
Stellvertreter: Prof. Dr. L. Burmester.
Protokollant: Assistent J. Freyberg.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. G. Helm.
Redaetlons - Comlti,
Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des II. Vor-
sitzenden und des II. Seoretäi's.
ü#«. Intt in UrtHiIfu IHH'k — Sittungshfr.
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Voranschlag
für das Jahr 1885 nach Besehlnss des Verwaltmigsrathes vom 9^5. Februar
and der Hanpliersaniinliing vom M. Februar 1885,
Gehalte
Inserate
Lokalspesen
Buchbinderarbeiten ....
Bücher und Zeitschriften . .
Sitzungsberichte und Festschrift
Insgemein
Mk.
691
90
130
150
500
1600
100
Summa Mk. 3261
Heinrich Warnatz/
d. Z. Kassirer.
6*
84
An die Bibliothek der Gesellsohaft Isis sind im Jahre 1885
an Geschenken eingegangen:
Aa 2. Abhandlungen; herausgeg. v. naturw. Ver. in Bremen. IX. Bd. 2. Hft.
Bremen 85. 8.
Aa 5. Jahresbericht d. naturhist. Ges. zu Nürnberg. 1884. Nürnberg 85. 8.
Aa 9*- Bericht über die Senckenbergische naturf, Ges. 1884. Frank-
furt a. M. 84. 8.
Aa 11. Anzeiger d. K. K. Akademie d. W. in Wien. Jhrg. 1885. Nr. 1—24.
Wien 85. 8.
Aa 14. Archiv d. Ver. d. Freunde d. Naturgesch. in Mecklenburg. 38. -Jhrg.
Güstrow 84. 8.
Aa 19. Bericht, XÜL, zur Halbsäcular- Feier d. naturf. Ges. in Bamberg.
Bamberg 84. 8.
Aa 23. Bericht über die Thätigkeit d. St. Gallischen naturw. Ges. 1882/a3.
St. Gallen 84. 8.
Aa 24. Bericht über die Sitzungen d. naturf. Ges. zu Halle. 1874/84.
Halle a. d. S. 74/85. 4.
Aa 27. Bericht, 24. u. 25., über die Thätigkeit d. Offenbacher Ver. f. Naturk.
Offenbach a. M. 85. 8.
Aa 34. Korrespondenzblatt d. Naturfoi scher Ver. zu Riga. XXVII. Jhrg.
Riga 84. 8.
Aa 41. Gaea, Zeitschr. f. Natur u. Leben. Jhrg. 21. Hft. 1—12. Köln 85. 8.
Aa 42. Jahrbuch d. naturhist. Landesmuseums v. Kärnthen. 17. Hft. Klagen-
furt 85. 8.
Aa 43. Jahrbücher d. Nassauischen Ver. f. Naturkunde. Jhrg. 37. Wies-
baden 84. 8.
Jahresbericht, 62., d. Schlesischen Ges. f. vaterl. Kultur. Breslau 85. 8.
Jahresbericht d, Ges. f. Natur- u. Heilkunde zu Dresden. 1884/85.
Dresden 85. 8.
Jahresbericht, 69., d. naturforsch. Ges. in Emden. 1883/84. Emden 85. 8.
Jahresbericht d. naturf. Ges. Graubündens. N. F. 27, u. 28. Jhrg.
Chur 84/85. 8.
Jahresbericht, 33., d. naturhist. Ges. in Hannover. Hannover 84. 8.
Jahreshefte d. Ver. f. vaterländ. Naturkunde in Württemberg.
41. Jhrg. Stuttgart 85. 8.
Leopoldina. XX. Bd. Nr. 23. 24. XXL Bd. Nr. 1—20. Halle 85. 4.
Lotos, Jahrbuch f. Naturwissenschaft. N. F. VI. Bd. Prag 85. 8.
Aa
46.
Aa
47.
Aa
48.
Aa
51.
Aa
52.
Aa
60.
Aa
62.
Aa
63.
85
Aa 64. Magazin, neues lausitzisches. 60. Bd. 2. Hft. 61. Bd. 1. HfU
Görlitz 84/85. 8.
Aa 68. Mittheilungen a. d. natuiw. Ver. v. Neu-Vorpommeni u. Rügen.
XVL Jhrg. Berlin 85. 8.
Aa 70. Mittheilungen a. d. Ver. d. Naturfreunde in Reichenberg. XVI. Jhrg.
Reichenberg 85. 8.
Aa 71. Mittheilungen d. Ges. f. Salzbui-ger Landeskunde. 24. Vereiusjahr.
Geschichte d. Stadt Salzburg. 1. Buch. Peatschr. d. Ges. f. Salz-
burger Landeskunde zur Feier ihres 25jähr. Bestehens. Salz-
burg 84/85. 8.
Aa 80. Schriften d. naturw. Ges. in Danzig. N. F. VI. Bd. II. Hft.
Danzig 85* 4.
Aa 81. Schriften d. phy8.-ökonom. Ges. zu Königsberg in Preussen. 25. Jhrg.
1. 2. Abth. Königsberg 85. 4.
Aa 83. Sitzungsberichte u. Abhandl. d. naturw. Ges. Isis in Dresden. 1884.
2. Hft. Festschrift dieser Ges. zur Feier ihres 50 jähr. Bestehens.
Dresden 85. 8.
Aa 85. Sitzungsberichte d. phys. - niediz. Ges. zu Würzburg. Jhrg. 1884.
Wurzburg 84. 8.
Aa 86. Verhandlungen d. naturforsch. Ges. in Basel. 7. Theil. 3. Hft.
Basel 85. 8.
Aa 87. Verhandlungen d. naturforsch. Ver. in Brunn. XXII. Bd. 1. 2. Hft.
Brunn 84. 8.
Aa 90. Verhandlungen d. naturhist.-mediz. Ver. zu Heidelberg. N. F. II. Bd.
2. Hft. IIL Bd. 4. Hft. Heidelberg 76/85. 8.
Aa 93. Verhandlungen d. naturhist. Ver. d. preuss. Rheinlande u. Westfalens.
41. Jhrg. 2. Hlft». 42. Jhrg. 1. Hlfte. nebst Register zu Bd. 1—40.
Bonn 84/85. 8.
Aa 94. Verhandlungen der Siebenbürgischen Ver. f. Naturw. in Hermannstadt
25. Jhrg. Hermannstadt 85. 8.
Aa 96. Vierteljahrsschrift d. naturf. Ges. in Zürich. 23. 26. 27. 28. 29. Jhrg.
Zürich 78. 81/84. 8.
Aa 101, Annais of the New -York Academy of Sciences. Vol. III. Nr. 3 — 6.
New- York 83/84. 8.
Aa 106. Memoirs of the Boston Society of Nat. History. Vol. III. Nr. 8—10.
Boston 84. 4.
Aa 109. The Canadian-Record of Science. Vol. L Nr. 3. 4. Montreal 85. 8.
Aa 111. Proceedings of the Boston Society of Nat. History. Vol. XXII.
P. 2. 3. N. S. Vol. XIL Boston 83/85. 8.
Aa 112. Bulletin of the California Academy of Sciences. 1885. Nr. 2. 3.
San Francisco 85. 8.
Aa 117. Proceedings of the Academy ofNat-Sciencof Philadelphia. 1858—1860.
Part II. IIL 1884. Part I. H. 1885. Phüadelphia 59/61. 84/85. 8.
Aa 120. Annual Report of the Board of Regents of the Smithsonian Institution
for the year 1883. Washington 85. 8.
Aa 124. Transactions of the Connecticut-Academy of Arts and Sciences. Vol. lU.
P. IL Vol. VL P. L n. New-Haven 78. 84. 85. 8.
86
Aa 125. Transactions of the Academy of Science of St. Louis. Vol. IV.
Nr. 3. St. Louia 84. 8.
Aa 132. Annales d. 1. Soci^tö Linnöeuue de Lyon. Annöe 1883. Lyon 84. 8.
Aa 133. Annales d. 1. Soci^tö d'Agriculture etc. de Lyon. V. Ser. T. 6.
Lyon 84. 8.
Aa 134. Bulletin d. 1. Soc. imperiale d. Natui'aüstes d. Moscou. Annöe 1855.
Nr. 1. 1862. Nr. 2-4. 1882. Nr. 1. 1883. Nr. 4. 1884. Nr. 1—3.
1885. Nr. 1. Moscou 56/85. 8.
Aa 137. Mtoioires d. 1. Soeiöt^ nationale des Sc. natur. d. Cherbourg. T. 24.
Pai-iö 84. 8.
Aa 139. Mömoires d. l'Acad. des Sc, Belles-Lettrei/et Ai-ts de Lyon. Vol. 26. 27.
Lyon 84. 85. 8.
Aa 148. Atti d. Societä dei Naturalisti di Modena. Ser. III. Vol. I. II.
Rendiconti et Memorie. Ser. III. Vol. II. IIL Modena 83/84. 8.
Aa 150. Atti d. Societä Italiana d. sc. naturali. Vol. XXVII. Fase. 1—4.
Milano 84/85. 8.
Aa 154. Civico Museo Ferdiuando Massimiliano in Trieste. Continuas. Anno
1869. Trieste 74. 4.
Aa 154 b. Atti del Museo Civico di Storia Naturale di Trieste. Vol. VII.
Trieste 84. 8.
Aa 161. üendiconti d. R. Istituto Lombardo d. sc. e lettere. Ser. U.
Vol. XVI. XVn. Milano 83/84. 8.
Aa 163. Bulletin of the Essex Institute. Vol. 15 and 16. Salem 83/84. 8.
Aa 167. Memorie d. R. Istituto Lombardo di sc. e lettere. Vol. XV — XVI.
d. Ser. in. Fase. U. HI. Müano 84. 4.
Aa 171. Berichte d. naturw.-mediz. Ver. in Innsbruck. XIV. Jhrg. 1883/84.
Innsbruck 84. 8.
Aa 173. Jahresbericht, 13 — 15. , d. naturw. Ver. zu Magdeburg. 1882/84.
Magdeburg 84. 8.
Aa 174. Schriften d. Ver. f. Qeschichte u. Naturgeschichte d. Baar u. angrenz.
Landestheile u. Donaueschingen. V. Hfl. Tübingen 85. 8.
Aa 177. Jahresbericht, VI., d. naturw. Ver. zu Osnabrück f. 1883,84.
Osnabrück 85. 8.
Aa 179. Jahresbericht d. Ver. f. Naturkunde in Zwickau 1884. Zwickau 85. 8.
Aa 184. Reports annual of the Trustees of the Peabody Academy of Science
1874/84. Salem 85. 8.
Aa 187. Mittheilungen d. deutschen Ges. f. Natur- u. Völkerkunde Ostasiens.
32. 33. Hft. Yokohama 85. 4.
Aa 189. Schriften d. naturw. Ver. f. Schleswig- Holstein. Bd. VI. I. Hft.
Kiel 85. 8.
Aa 193. Atti d. Soc. Veneto-Trentina d. Sc. naturali res. in Padova. Vol. IX.
Fase. 1. Padova 84. 8.
Aa 193^* Bullettino della Societä Veneto-Treniino d. Sc. natuialL T. IIL
Nr. 3. Padova 85. 8.
Aa 198. Jahrbuch d. ungar« Karpathen-Ver. XI. Jhi*g. Hft. 3. 4. XII. Jhrg.
Iglö 84/85. 8.
Aa 199. Commentari delVAteneo di Brescia p. l'anno 1884/85. Brescia 84/85. 8.
87
Aa 202. Berichte über d. Verh. d. K. S. Ges. d. WisBenBchaften zu Leipzig.
Math.-phy6. Kl. I. IL 84. I. IL 85. Sitzungsberichte 11. Jhrg.
1884. Leipzig 85. 8.
Aa 204. Abhandlungen a. d. Gebiete d. Naturwissenschaften, lierausgeg. v.
naturw. Ver. m Hamburg. VII L Bd. Hft. 1—3. Hamburg 84. 4.
„ „ Verhandlungen d. Ver. f. naturw. Unterhaltungen zu Hamburg. 1878/82.
Hamburg 83. 8.
Aa 205. Berichte über die Verhandlungen d. uaturf. Ges. zu Freiburg i. Br.
Vm. Bd. 3. Hft. Freiburg 85. 8.
Aa 208. Boletin d. 1. Aeademia Nacional de Giencias en Cördoba. T. VI.
Entr. 40. T. VIL Entr. 1—4. T. VJIL Entr. 1. Buenos-
Aires 84/85. 8.
Aa 208^- Actos d. 1. Aeademia Nacional de Ciencias en Cördoba. T. V. Entr. 2.
Buenos-Aires 84. 4.
Aa 209. Atti d. Soc. Toscana d. Scienze uatur. Memorie. Vol. IV. Fase. 3.
Proc. verbali. Dec. 84. Febr., März, Juni, Juli 85. Pisa 85. 8.
„ „ X™<> Annivers. d. Soc. d. Scienze natur. 14. Dec. 1884. Pisa 85. 8.
Aa 210. Jahreshefbe d. naturw. Ver. f. d. Fürstenthum Lüneburg. IX. 1883/84.
Lüneburg 84. 8.
Aa 211. Netto, L. Dr., Oonfäi*ence faite au Museum national le 4. Nov. 1884.
Rio de Janeiro 85. 8.
Aa 213. Jahresbericht, XIV., d. Ver. f. Naturkunde in Oesterr. ob d. E. zu
Linz. Linz 84. 8.
Aa 216. Jahrbuch d. süduugar.-uaturw. Ges. in Temeswar. VIU. Bd. Hft. 2 — 4.
IX. Bd. Hft. 1. 2. Temeswar 84/85. 8.
Aa 217. Archives du Musöe Teyler. Ser. U. Vol. 11. P. 2. Harlem 85. 8.
Aa 221. Bulletin d. 1. Soc. dAgriculture, Sc. et Arts d. 1. Sarthe. I. Ser.
29. T. n. Ser. 21. T. fasc. 5. 22. T. fasc. 1. Le Maus 84/85. 8.
Aa 222. Proceedings of the Canadian Institute. III. Ser. Vol. 11. Nr. 3.
Vol. in. Nr. 1. 2. Toronto 84/85. 8.
Aa 224. Travaux d. 1. Soc. d. Naturalistes k rUniversit« d. Charkow. T. 18.
Charkow 84. 8.
Aa 225. Die Vergangenheit u. Gegenwart d. K. ungar. naturw. Ges. in
Budapest. Budapest 85. 8.
Aa 226. Atti d. R. Accad. dei Lincei. Rendiconti. Ser. IV. Vol. I. Fasc. 1—25.
Memorie di Classe di Scienze Fisiche, Matematiche etc. Ser. III.
VoL14— 17. Transunti. Vol. VIU. fasc. 16 ed ultimo. Roma 84/85. 4.
Aa 230. Anales d. 1. Soc. Cientifica Argentina. T, 18. Entr. 5. 6. T. 19.
Entr. 1—6. Buenos-Aires 84/85. 8.
Aa 231. Jahresbericht, XU«^ d. Westfal. Prov.-Ver. f. Wissenschaft u. Kunst
pro 1873/76 und 1883/84. Münster 83/85. 8.
Aa 232. Jahresbericht, XI., d. Gewerbeschule zu Bistritz in Siebenbürgen.
Bistritz 85. 8.
Aa 236. Mittheilungen d. wissensch. Ver. f. Schneeberg u. Umgegend. 2. Hft.
Schneeberg 85. 8.
Aa 239. Proceedings of the Royal Society. Vol. 37. Nr. 233—238. London 85. 8.
Aa 243. Tromse Museums Aarshefter VU. Tromse 84. 8.
88
Troms© Museums Aarsberetniug for 1883. Tromse 84. 8.
Proceedings of tlie Nat. Hist. Soc. of Glasgow. Vol. V. P. 3.
N. S. Vol. 1. P. 1. Glasgow 84. 8.
Bulletin d. 1. Soc. des »ciences naturelles de Neuchätel. Tome XIV.
Neuchfttel 84. 8.
Bulletin d. 1. Soc. Vaudoise d. sc. natur. 2. Ser. Vol. XXL Nr. 91. 92.
Lausanne 85. 8.
Tijdschrift, Natuurkundig voor Nederlandsch -Indie. D. 54. 8, Ser.
D. V. Batavia 85. 8.
Den Norske Nordhavs - Expedition 1876/78. XII. XUI. Zoologi.
Permatulida, Spongiadae. Crustacea !*• 1^- Christiania 84/85. 4.
M^moires d. 1. Hoc. des Sciences phys. et natur. d. Bordeaux. Tome I.
Paris 84. 8.
Mittheilungen d. naturf. Ges. in Bern a. d. J. 1884. 2. 3. Hft.
1885. 1. Hft. Bern 84/85. 8.
Verhandlungen d. Schweiz, naturf. Ges. in Luzem. • Jhrsber. 83/84.
Luzem 84. 8.
Schriften d. neurussischen Ges. d. Naturfreunde. T. IX. X. Odessa 85.
(In russischer Sprache.)
Archives Näerlandaises d. Sc. exact. et natur. T. 19. Livr. 4. 5.
T. 20. Livr. 1—3. Haarlem 84/85. 8.
Jahrbücher d. K. Akademie gemeinnütziger Wiaseuschatleu zu Erfurt.
N. F. Hft. XVL Erfurt 85. 8.
Science. Publish. weekly at Cambridge. Mass. Vol. V. Nr. 96 — 100. VI.
Nr. 101—149. Cambridge 85. 8.
Ges. d. Museimis d. Kgr. Böhmen. Bericht über die Generalvers. u.
Mitgliederverzeichniss. Prag 85. 8.
Natura. Maandschrift v. Naturw. utgegw. Genootschap Gent. 2. Jhrg.
Lief. 9—12. 3. Jhrg. Lief. 8. 9. Gent 85. 8.
Jahrbuch d. Hamburgischen wissensch. Anstalten. I. Jhrg. Ham-
burg 85. 8.
Naturhistor. Museum zu Hamburg. Bericht f. 1884. Hamburg 85. 8.
Jahresheft d. naturw. Ver. d. Trencsiner Komitates. 3. — 7. Jhrg.
Trencsin 80/85. 8. (In ungar. Sprache.) •
Senoner; A. Cenni Bibliografici. (Natur. Siciliano 85. 8.)
Molina, J. Versuch einer Naturgeschichte v. Chili. Leipzig 1786. 8.
Correspondenzblatt d. naturw. Ver. in Begensburg. 38. Jlirg.
Begensburg 84. 8.
Ba 14. Bulletin of the Museum of Comparat. Zoology at Harvard College.
Vol. VII. Nr. 2—11. Vol. XL Nr. 11. Voh XH. Nr. 1. 2.
Cambridge 84/85. 8.
Ba 14. Beport; Annual of the Curator of the Mus. of Comparat. Zoology
f. 1883—1885. Cambridge 84/85. 8.
Ba 20. Meddelanden af Soc. pr. Fauna et Flora Fennica. 11. Hft.
Helsingfors 85. 8.
Ba 22. Beport, 13. , of the Board of Dir. of the Zoological Society of Phila-
delphia. Philadelphia 85. 8.
Ab 243.
Aa 244.
Aa 247.
Aa 248.
Aa 25U.
Aa 251.
Aa 253.
Aa 254.
Aa 255.
Aa 256.
Aa 257.
Aa263.
Aa 268.
Aa 272.
Ab 275,
Aa 276.
Aa 277.
Ab 78.
Ab 80.
Ba 2.
89
Ba 24. Bulletin de 1. Boc. zoologique d. France p. lann^e 1884. P. 1. 2. 5. 6.
p. rannöe 1885. P. 1—3. Paris 84/85. 8.
Bb 58. Bettoni, E. Dr.. Prodromi die Faunistica Breeciana. Brescia 84. 8.
Bd 1. Mittheilun^en d. anthropolog. Ge». in Wien. XII. Bd. Hft. 2.
XIV. Bd. Hft. 4. XV. Bd. Hft. 1. Wien 82/85. 8.
Bf 41. Temple, B., Die Familie d. rabenartigeii Vögel. Sep. Abdr.
Brunn 84. 8.
Bf 57. Zeitschrift d. oniithologischeu Ver. IV.Jhrg. Hft. 3— 12. Stettin 85. 8.
Bi 1. Annales d. 1. Soc. royale Malacolog. d. Belgique. T. XVIII. XIX.
Pasc. 1. Bi-uxelles 84/85. 8.
Bi 4. Proc. Verb. d. 1. 8oc. royale Malacolog. d. Belgique. 5 aoAt
1884 — 5. Juli 1885. BruxeUes 85. 8.
Bi 83. Beecher, E., Fresh -Water Shells, some abnormal a. patholog. forms.
Albany 84. 8.
Bk 9. . Deutsche eutomologische Zeitschrift. 29. Jhrg. 1. Hft. Berlin 85. 8.
Bk 12. Entomologisk Tidskrift. Arg. 5. Hft. 3. 4. Stockholm 84. 8.
Bk 13. Annales d. 1. Soc. Entomologique de Belgique. 28. Bd. 29. Bd. 1. Theil.
Bruxelles 84/85. 8.
Bk 193. Bullettino d. Soc. Entomologica Italiana. Anno 16. Tr. 3. 4. Anno 17.
Tr. 1—4. Pirenze 84/85. 8.
Bk 222. Mittheilungen d. Schweizer, entomol. (Tes. Vol. VU. Nr. 2—4.
Schaff hausen 85. 8.
BI 38. Czemiavskio^ V. C-rustacea Decapoda Pontica Littoralia. Char-
kow 84. 8.
Bm 51. Lovön^ J. v., Ou Pourtalesia a Genus of Echinoidea. Stock-
hobn 83. 4.
Ca 6. Verhandlungen d. Bot. Ver. d. Prov. Brandenburg. 25. 26. Jhrg.
Berlin 84/85. 8.
Ca 10. Acta Horti Petropolitani. T. VUI. Fase. 3. T. IX. Fase, 1.
Petersburg 84. 8.
Ca 11. Recueil d. M^moires et d. Travaux publ. p. 1. Soc. Bot. de Luxem-
bourg. Nr. 9. 10. Luxembourg 85. 8.
Ca 16. Bulletin d. 1. Soc. royale d. Botanique d. Belgique. T. 23. T. 24.
Pasc. 1. Bruxelles 84/85. 8.
Ca 17»' Abhandlungen d. Thür. Bot. Ver. „Irmischia". lU. Hft. pag. 17—44.
Sondershausen 84. 8.
Ca 17 »* Irmischia. Thür. Bot. Zeitschrift. IV. Jhrg. Hft. 10—12. V. Jhrg.
Hft. 1—9. Sondershausen 84/85. 8.
Ca 18. Reyue d. Botanique. Bull. mens. d. 1. Soc. fran^;. de Botanique.
T. 3. Nr. 33—40. Auch 85. 8.
Cb 35. Temple, R., Aus der Pflanzenwelt. Aphorismen. Keichenberg 84. 8.
Cb 38. Mylius, C, Das Anlegen v. Herbarien d. deutsch. Gefässpfl.
Stuttgart 84. 8.
Cc 51. Wiesner y Jul., lieber das Gummiferment. (Sep. Abdr. a. d. B. d.
K. K. Ak. d. Wissenschaften.) Wien 85. 8.
Cd 90. Sporleder, F W., Verzeichniss d. i. d. Grafschaft Wernigerode u.
90
Umgebung wildwachsenden Phanerogamen u. Gefässki-yptogamen
Wernigerode 82. 8.
Lanzi; La Forma dell' Eudocrouia uelle Diatomee. Borna 85. 4.
Abhandlungen d.K.K.geol.ßeichsanstalt. XL Bd. LAbth. Wien 86. 4.
Bollettino d. B. Oonütato Geologie© dltalia. 18Ö4. Nr. IL 12. 1885.
Nr. 1—6. Boma 84/85. 8.
Jahrbuch d. K. K. geol. Beichsaustalt. Bd. 34. Uli. 4. Bd. 35.
Hft. 1—3. Wien 85. 8.
Memoire of the Geological Survey of India. Vol. XXL Part. 1. 2.
Calcutta 84. 8.
Meraoirg of the Geological Survey of Lidia. Palaeontologia Indica.
Ser. IV. Vol. I. Ser. X. Vol. 111. P. 2—4. Ser. XIIL Fase. 3. 4.
Ser. XIV. Vol. I. P. 3. Calcutta 84/85. 4.
Palaeontographical Society. Vol. XXXVILl. London 78/84. 4.
Becord of the Geolog. Survey of India. Vol. XVU. P. 4. Vol. XVIH.
P. 1—3. Calcutta 84/85. 8.
Transactions of the Geological Society of Glasgow. Vol. VII. P. 2.
Glasgow 85. 8.
Verhandlungen d. K. K. geolog. Beichsanstalt Vol. IV. Nr. 13—18.
Vol. V. Nr. 1—7. Wien 84/85. 8.
Zeitschrift d. deutsch, geol. Gesellschaft. Bd. 36. Hft. 3. 4. Bd. 37.
Hft. 1. 2. Berlin 85. 8.
Beport of the Mining Begistrars. The Gold Fields of Victoria.
Sept. u. Dec. 1884. März 1885. Melbourne 84/85. 4.
Annual Beport of the Activy Secret. f. Mines etc. Melbourne 85. 4.
Mineral Statistics of Victoria f. the year 1884. Melbourne 85. 4.
Annales d. 1. Soc. g^ologique de Belgique. T. X. XL Li^ge 82/84. 8.
Nachrichten d. geol. Komites in Petersburg. T. HL Nr. 8 — 10.
T. IV. Nr. 1—7. Petersbuig 84/85. 8. (In russischer Sprache.)
Da 24. M^moires d. Comit^ göologique de Petersbourg. Vol. I. Nr. 4.
Vol. IL Nr. 1. 2. Vol. in. Nr. 1. Petersbourg 85. 4.
„ „ Carte g^ologique gön^rale d. 1. Bussie d'Europe, publ. p. le Comit^.
Petersbourg 85.
„ „ Geologische Karte d. Ostabhangs d. Urals v. Karpinsky; do. des
Bezirks von Kamensk. Petersburg 84.
Grothy P.; Die Minerallagerstätten des Dauphinä. (Sep. Abdr. a. d.
Sitzungsberichten d. K. bayer. Akademie d. Wissensch. v. 7. Nov. 1883.
Dathe, £., lieber die Stellung d. zweiglimmerigen Gneise im Eulen-,
Erlitz - Mensegebirge in Schlesien etc. Berlin 84. 8.
Traube, H., Ueber den Nephrit v. Jordansmühl in Schlesien. Sep.Abdr. 84. 8.
Williams, A., Mineral Besources of the TJn. St. Washington 83. 8.
Jannetaz, Ed., Les Boches. Descript. et Analyse au microscope de
leurs ölöments min^ralog. et de leur structure etc. Paris 84. 8.
Brezina, Dr. A., Die Meteoritensammlung d. K. K. mineral. Hof-
kabinets in Wien. Wien 85. 8.
Credner, H., Die obere Zechsteinformation im Kgr. Sachsen. Sep.
Abdr. Leipzig 85. 8.
Cf
24.
Da
Da
1.
3.
Da
4.
Da
8.
Da
9.
Da
10.
Da
11.
Da
15.
Da
16.
Da
17.
Da
21.
»
J1
Da
Da
22.
23.
Db
72.
Db
76.
Db
80.
Db
81.
Db
82.
Db
83.
De
22.
91
De 120. United States Geological Survey. Monographs. Vol. lU— VIII.
Washington 82/84. 4.
De 120^- Bulletin of tlie United Htates Geological Sai-vey and ete. Nr. 2—6.
Washington 83/84. 8.
De 146. Credner, H.^ Die geolog. Landesuntersuchung d« Königi*. Saehsen.
Leipzig 85. 8.
De 152. Qeinitz - Rostock , VII. Beitrag zur Geologie Mecklenburgs, (j^üst-
ix>w 85. 8.
De 152. „ „ Uebersicht über die Geologie JVIecklenburgs.
Güstrow 85. 4.
De 166. Bx>manow8ki, ih, Materialien zur Geologie y. Turkestan. Lief. I. II.
Petersb. 80/84. 4.
De 167. Foith, K., Das geol. Ungeheuer od. d. Ableitung d. Miuerabuassen
auf organ. Grundlage. Klausenburg 85. H.
Dd 19. Fritsehy Dr. A., Fauna d. Gaskohle u. d. Kalksteine d. Pennformation
Böhmens. Bd. IL Hft. 1. Prag 85. 4.
Dd 84. Stni-, Dr., Die obertriadische Flora d. Lunzer Schichten u. d. bitumi-
nösen Schiefers v. Baibl.. Sep.-Abdr. Wien 85. 8.
Dd 84. „ „ Vorlage d. Farne d. Carbon. Flora d. Sehatzlarer Schichten.
Sep.-Abdr. Wien 85. 8.
Dd 84. „ „ Die Carbon-Flora d. Sehatzlarer Schichten. Abth. L Die
Farne. Wien 85. 4.
Dd 93. 'Sterzel, T., Zur Culmflora v. Chemnitz-Hainichen. Entgegnung. Sep.-
Abdr. Cassel 85. 8.
Dd 94. Engelhardt, H., Die Tertiärflora des Jesuitengrabens b. Kundraditz in
Nordböhmen. Halle 85. 4.
Dd 110. Noväk, O., Remarques sur le genre Aristozoe Bar. Prag 85. 4.
Dd 111. Omboni, Giov., Penne Fossili d. Monte Bolca. c. 2 Tavol. Ve-
nezia 85. 8.
Dd 119. Meunier, St, Trait^ de Paläontologie pratique. Gisement et descrip-
tion des anim. et des v^^t. fossiles d. L France etc. Paris 85. 8.
Dd 120. Gaudry, M. A., Nouvelle note sur les reptiles permiens.
Aureau 85. 8.
Dd 121. Bruder, G., Die Fauna der Jura - AbUtgening von Hohnstein i. S.
Wien 85. 4.
£a 28. Schnbring, G., Der christL Kalender alten n. neuen Stib in tabellar.
Form dargestellt Erfurt 84. 8.
£a ^8. „ „ Kalendarisches. (Sep.-Abdr. a. d. Zeitsehr. f. Naturw.
Bd. 58.) Halle 85. 8.
£a 36. Publications of the Cineinnati Observatory. Observat of Comets.
Cincinnati 85. 8.
£b 35. Jahresbericht des physik. Vereins zu Frankfurt a. M. f. 1883/84.
Frkfb. a. M. 85. 8.
Ec 2. Bolletino meteorologico etc. Vol. IV. Nr. 4—12. VoL V. Nr. 1—7.
Moncalieri 85. 4.
Ec 3. Journal of the Scottish Meteorological Society. III. 8er. Nr. 2.
London 85. 8.
92
Ec 7. Aonalen d. physik. Central - Observatoriums. Jahrg. 1883. Th. 1—2.
Peterab. 84. 4.
Ec 55. Bericht d. meteorol. Gommission d. naturf. Vereins in Brunn 1882.
Brunn 84. 8.
Ec 57. Jahrb. d. K. 8. meteorol. Instituts. 11. Jhrg. 1884. Leipzig 85. 4.
Ec 59. König, Gl., Moor u. Torf. Ein Beitrag z. Untersuchung üb, d. wech-
• selnden kontinentalen u. insularen Klimate. Sep.-Abdr. 84. 8.
Ec 62. Schmidt, Dr. R., lieber ostthüringische Öewitterkurven. Sep.-Abdr.
Jena 85. 8.
Ec 63. Osservazioni meteorolog., fatte al Observ. d. Lampidoglio.
Roma 85. 4.
Ec 64. Seeland, F., Diagranune d. magnetischen u. meteorol. Beobaqhtungen.
Klagenfurt 84/85. 4.
Ec 65. Volger, N. O., Ueber die Dämmerungserscheinungeu seit d. J. 1883.
(Sep.-Abdr.) 85. 4.
Ea 2. Bollettino d. Soc. Geografica Italiana. Ser. I. Vol. VIII. fasc. 9.
VoL IX. fasc. 3. 4. Vol. X. fasc. 3. Ser. II. Vol. VII. fasc. 1—12.
Vol. Vm. fasc. 1—12. Vol. IX. fasc. 1. 11. 12. Vol. X. fasc.
1—10. Roma 72/85. 8.
Fa 7. Mittheilungen d. K. K. geograph. öesellsch. in Wien. XXVII. Bd.
Wien 84 8.
Fa 8. Notizblatt d. Ver. f. Erdkunde zu Darmstadt. IV. F. 5. Hft. Darm-
Stadt 84. 8.
Fa 9. Bericht, 43., über d. Museum Franc. Carolinum nebst Lief. 37. Linz 85. 8.
Fa 18. Jahresbericht, V., VI., d. geograph. Oesellsch. zu Hannover 1883/85.
Hannover 85. 8.
Fa 20. Jahresber. IL d. geogr. Ges. zu Greifswald. I. Theil. Mönfahrt.
Greifswald 83/84. 8.
Fa 22. Revista d. 1. Sociedad Geografica Argentina, T. III. Cuad. 25—32.
Buenos-Aires 85. 8.
Fa 24. Revista Trimensal d. Instituto Historico, Geogr. etc. do. Brazil. T. 47.
P. 1. 2. T. 20. livr. 1. 2. Rio de Janeiro 84. 8.
G 2. Foreningen til Norske Fortidsmindesmerkers Bevaring f. 1883. Kris-
tiania 84. 4.
G 5. Mittheillungen vom Freib. Altei-thumsverein. 21. Heft. Freib. 85. 8.
G 54. Bullettino di Paletnologia ItaUana. Ser. IL T. L AnnoX. Nr. 7— 12.
Anno XL Nr. 1—10. Roma 85. 8.
G 55, Verhandlungen d. Berl. Ges. f. Anthropologie, Ethnol. etc. Mai bis
Juü, Okt., Nov., Dec. 1884. Januar bis Mai 1885. Berlin 84/85. 8.
G 70. Viert^ljahrshefte, Württemb., für Laudesgeschichte. Jhrg. VII. Hft.
1—4. Stuttg. 84. 4.
G 71. Pamatky, Archaeologicke a Mistopisnö. Dilu XII. Ses. 9 — 12.
V. Praze 84. 4.
G 75. Archiv, neues, f. Sachs. Gesch. u. Alterthumskunde. 5. Bd. 4. Hft.
6. Bd. 1.— 4. Hft. Dresden 85. 8.
G 81. Nicolaysen, N,, Kunst og Haandverk fra Norges Fortid. IV. Hft.
Elristiania 84. 4.
93
G 89. Meyer, A. B., Ein weiterer Beitrag zur ,, Nephritfrage ". Sep.- Abdr.
Wien 85. 4.
G 90. L'homme, Journal illustrd d. Sc. Anthropol. 1884. Nr. 17. 18.
21—24. 1885. Nr. 1—16. Paris 84/85. 8.
G 98. Boucher d. Perthes, M., Antiquit^s Celtiques etc. Paris 64. 8.
G 99. Theile, Dr., Die Gräberstätte b. Stetzsch b. Dresden. i.Geb.-Vereiu.-
Zeitung Nr. 82. 83. Dresden 85. 4.)
G 99. „ „ Die Eiszeit, mit bes. Bez. auf d. Gegend v. Dresden.
Dresden 85. 4.
G 99. „ „ Die Oltersteine u. a. erratische Blöcke d. Dresdner Haide.
(Geb.-Ver.-Zeit. Nr. 90. 91. Dresden 85. 4.)
G 100. Gaudry, M. A., Sur les Hytoes d« 1. Grotte d. Qargas etc. Paris 84. 4.
G 101. Putnam, Ch., Elephant Pipes in the Mus. of the Davenport-Academy.
Davenport 85. 8.
Ha 9. Mittheilungen d. ökon. Ges. im Königr. Sachsen. 1884/85. Dresden 85. 8.
Ha 20. Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. 31. Hft. 4—6. Bd. 32.
Hft 1—4. Berlin 85. 8.
Ha 26. Bericht (28.) über das Veterinarwesen im Kgr. Sachsen f. 1884.
Dresden 85. 8. l
Ha 27. Gehe & Comp., Handelsbericht April u. Sept. 1885. Dresden 85. 8.
Ha 35. Petermann, Dr. A., Exp^r. p. combattre La Maladie d. 1. Pomme de
Terre d'aprfes la Methode Jensen. Gembloux 85. 8.
Ha 36. Archivio d.. Scuola d'Anatomia Patalogica. Dir. Prof. Pellizzei*i.
Vol. I. Firenze 81. 8.
Hb 75. Bulletin d. 1. Stat. Agricole Exper. de l'titat de Gembloux. Xr. 32. 34.
Gembloux 85. 8.
Hb 106. Bovighi, A. e Santini. G., Sülle Convulsioni Epileptiche p. Velani.
Firenze 82. 8.
Jb 60. König, Cl., lieber Grisebach's Denken u. Schaffen. Sepr.-Abdr.
Dresden 84. 8.
Je 63. Ergänzung zum Progr. d. K. S. Polytechnikums. Dresden. Sommer«
Semester 85. 4. •
Je 69. Verzeichniss d. neuen Werke d. K. ö£fentl. Bibl zu Dresden.
Dresden 84. 8.
Je 80. Verslag, 84., van het Natuurkundig Genotschap te Groningen.
Groningen 85. 8.
Je 94. Catalogo d. Manuscriptos d. Inst. Geogr., Historico Brasileiro.
Rio d. Jan. 84. 8.
Je 95. Catalogus d. Bibliotheek v. d. K. Natuurk. Ver. in Nieder!. -Indie.
Batavia 84. 8.
Jd 28. Blaschka, Katalog d. Modelle wirbelloser Thiere. Stolpen 85. 8.
94
Für die Bibliothek der Gesellsohaft Isis wurden im Jahre
1885 folgende Bücher und Zeitschriften angekauft:
Aa 98. Zeitschrift für. die gesammten Naturwissensckaften. B<L 57. (4. F.
3. Bd.) Hft. 5. 6. Bd. 58. (4. F. 4. Bd.) Hft. 1-4. Berlin 85. 8.
Aa 102/ The Annais and Magazine of Nat. Hist. Vol. XV. Nr. 85—96.
London 85. 8.
Aa 107. Nature. Vol. 29. Nr. 791. Vol. 30. Nr. 792—841. London 85. 8.
Ba 10. Zeitschrift f. wissensch. Zoologie. Bd. 41. Nr. 2—4. Bd. 42.
Nr. 1—4. Leipzig S^. 8.
Ba 21. Zoologischer Anzeiger. 1884. Nr. 184. 1885. Nr. 185— 211. Leipzig 85. 8.
Ba 23. Zoologischer Jahresbericht f. 1883 u. 1884. Herausgeg. v. d. Zool.
Station zu Neapel. I. IL III. IV. Abth. (Arthropoda, Mollusca.
Brachiopoda.) Berlin 85. 8.
Bb 54. Bronn , ' Dr. , Die Klassen u. Ordnungen d. Thierreichs. I. Bd-
Lief. 28-31. VI. Bd. I. Abth. Lief. 4. IH. Abth. Lief. 43—45.
IV. Abth. Lief. 10—12. V. Abth. Lief. 28. Leipzig u. Heidel-
berg 85. 8.
Ca 2. Hedwigia, Notizenblatt f. kryptogamische Studien. Bd. 23. Nr. 12,
Bd. 24. Nr. 1—5. Leipzig 85. 8.
Ca 3. Jahrbücher f. Wissenschaft!. Botanik. Bd. 15. Hft. 4. Bd. 16. Hft. 1—3.
Berün 85. 8.
Ca 8. Zeitschrift, österr.-botanische. Jahrg. 25. Nr. 1—12. Wien 85. 8.
Ca 9. Zeitung, botanische. Jahrg. 43. Nr. 1—52. Berlin 85. 8.
Cc 62. Leitgeb, Dr. H., Reizbarkeit u. Empfindung im Pflanzenreiche.
Graz 84. 8.
De 8. Buch, L. V., Gesammelte Schriften. IV. Bd. I. IL Hlfte. Berlin 85. 8.
Ee 2. Quarterly Journal of Microscop. Science. Vol. 24. Nr. 96 — 101 and
Supplem. London 85. 8.
Fa 5, Jahrbuch d. Schweizer Alpen -Club. XX. Jahrg. nebst Beilagen.
Bern 85. 8.
G 1. Anzeiger f. schweizerische Alterthumskunde. 1885. Nr. 1 — 4. Bern 85. 8.
G 91. Antiqua, Zeitschrift f. Alterthumskunde. Nr. 1—12. Leipzig 85. 8.
Ha 1. Archiv f. Pharmacie. Jhrg. 1885. Hft. 1—22. Halle 85. 8.
Osmar ThOme,
z. Z. I. Bibliothekar d« Ges. Isis.
95
Zur Erinnerung an
Frau Elwine Yon Burchardi, geb. Hartel,
von
Dr. H. B. Geiniti*).
Elwine Härtel ist am 30. August 1805 als älteste Tochter des
Verlagsbuchhändlers Gottfried Christoph Härtel in Leipzig geboren. Ihre
Mutter Amalie, geb. Klötzer, ward ihr schon im sechsten Jahre entrissen,
doch wurde ihr im väterlichen Hause, zeitweilig auch in dem des Professor
Nasse in Halle eine anregende, für ihre Lebensauffassung entscheidende
Erziehung zu Theil. Im Jahre 1821 erwarb der Vater das fiittergut Cotta
bei Pirna, wo er am 27. Juli 1827 verschieden ist. Im Jahre vorher w^ar
Elwine Härtel ihrem älteren Vetter Christoph Wilhelm Härtel aus
Annaberg in der Kirche von Cotta angetrauet worden, welches Ehebtindniss
im Herbste 1831 wieder gelöst worden ist.
Eine im Jahre 1830 mit ihren Geschwistern unternommene längere
Reise nach Italien brachte die vom Vater gelegten Keime edler Kunstpflege
und gemüth voller Lebensbetrachtung zu schöner Entfaltung. 1832 über-
nahm sie das bis dahin mit ihren vier Geschwistern Härtel gemeinsam be-
sessene Rittergut Cotta, wohin sie am 22. Februar 1833 unmittelbar nach
der zu Jena erfolgten Trauung mit Friedrich Freiherrn von Leyser,
Preuss. Oberlieutenant a. D., zurückkehrte.
Dieser Ehe entsprangen zwei liebliche Töchter, Clara Veronica, geboren
1835, welche ihr am I.Februar 1869 durch den Tod entrissen worden ist,
und Rosa Isidora, geb. 1836, welche sich mit dem damaligen Ober-Lieutenant
der Artillerie Bruno von Carlowitz, jetzt auf Schloss Ringenkuhl,
Prov. Hessen, verheirathet hat.
Nachdem Herr Freiherr von Leyser das Gut Helmsdorf in der Lausitz
erkauft und sich von der Gattin getrennt hatte, verblieb dieser allein die
'^) Wir verdanken die historischen Unterlagen zu diesem Lebensbilde dem
hochgeschätzten Neffen der Verewigten, Herrn Dr. O. von Hase in Leipzig.
96
Pflege ihrer beiden Kinder, Grund genug, dass die geistvolle liebenswürdige
Frau 1840, an ihrem 35. Geburtstage, eine dritte Ehe mit dem 1807 ge-
borenen Eduard von Burchardi einging, welchen nach 25jähriger Ehe
im November 1865 ein plötzlicher Tod hingerafft hat.
Nunmehr ganz allein stehend verkaufte Frau Elwine von Burchardi
noch im Juli desselben Jahres das Rittergut an den jetzigen Besitzer,
Herrn Victor Bradsky, sich selbst nur ein kleines Bauerngütchen vor-
behaltend, das sie bis zum Tode bewohnt hat. Hatte sie vordem in dem
von ihr in italienischem Styl umgebauten Schlosse stattlich und edel ge-
waltet, so lebte sie nun rührend und liebevoll unter dem Strohdache des
von ihrem Zauberstabe verwandelten Bauernhauses, dessen Bibliothek und
durch zwei Stockwerke ragender Salon, dessen Kammern und Kämmer-
chen eine. Fülle sinnvoller Erinnerungen bargen, inmitten deren die hoch-
begabte Greisin mit dem hellen Kindergemüthe sass, trotz Schicksals-
schlägen und Altersbeschwerden, Jedermann aus ihrem unverwüstlichen
Schatze von Liebe, Treue und Begeisterung freigebig spendend.
So blieb sie durch ihr ganzes Leben mit dem Dorfe Cotta eng ver-
bunden, wenn sie auch durch Reisen zu ihren geliebten Geschwistern nach
Leipzig, Halle und Jena, oder ihrer Tochter, welche längere Zeit das
Schloss Elgersburg und das Rittergut Weida in Holstein bewohnte, sowie
auch in anderen befreundeten, namentlich wissenschaftlichen Kreisen einen
regen Zusammenhang mit der Welt wahrte. Von ihren Mädchenjahren an
bis zum Greisenalter ist sie die hülfreichste Trösterin und Fürsorgerin
aller Kummer- und Nothleidenden geblieben.
Bis in die letzten Jahre hatte sie 3 alte treue Dienstboten, welche
mit ihr zusammen über 300 Jahre zählten; mehrfach hat sie in ihrer
Güte junge Mädchen gastlich aufgenommen und gepflegt, von denen ins-
besondere die jetzige Frau Katharina Schmuhl in Rothvorwerk bei Frei-
berg ihr durch treueste Pflege im Alter liebevoll gelohnt hat.
Mit lebhaftem, sinnvollem Interesse hat die Verblichene allezeit alle
Lebensbeziehungen auszugestalten gewusst. Die von ihr verfasste Chronik
von Cotta, ein von ihr kunstvoll ausgeschmückter Band, zeigt, wie emsig
und ernst sie die alten Zeiten durchforscht, wie thatkräftig sie das Wohl
ihres Ortes durch Anlagen von Strassen, Forstcultur, Steinbruchsbetrieb
u. s. w. gefördert, wie liebevollen Antheil sie an Freud und Leid der Ein-
wohner genonmien hat. Dabei geht ein warmer Hauch von Treue zum
sächsischen und deutschen Vaterlande durch diese bis an ihr Ende treur
lieh fortgeführten Blätter.
Von ihrer sinnigen und ungesucht künstlerischen Lebensauffassung
giebt vor Allem ihr Liederbuch Zeugniss, ein an originellen Ornamenten
überreiches Werk mit feinen Bildern, zumeist aus dem eigenen Familien-
leben; in demselben künstlerischen Sinne ist auch das Jagd buch für den
Gatten von ihr geführt worden. Sowohl die Skizzenbücher aus früher
97
Zeit, wie die für die Kinder niedergeschriebenen Märchen vom Birken-
hänschen und dergl., sowie die von ihr volksthümlich erzählten Sagen der
Gegend, Alles dies verräth eine feine und lebhaft empfindende Seele.
Frau von Burchardi war aber auch eine grosse Freundin der Natur
und in dieser Beziehung gerade ist sie unserem Kreise nahe getreten und
hat unsere Bestrebungen wesentlich fördern helfen.
Sie verwandte nicht nur die Blumen mit Vorliebe zu künstlerischem
Schmucke, sondern gab sich auch dem Studium der Botanik im engeren
Sinne hin. Mit ihrem praktischen Sinn nahm sie zugleich die genaueste
Kenntniss von den Bodenverhältnissen ihrer Umgegend, so dass man bei
ihr wohl niemals vergebliche Erkundigungen einzog nach den von einem
StoUn am Fusse des Ladenberges bei Berggiesshübel, oder in einem Schachte
an der Ziegelei von Gross-Cotta, oder den verschiedenen Dorfbrunnen etc.
durchschnittenen Gebirgsschichten und ihren Einschlüssen.
Ich erkenne es dankbarst an, dass die Lösung der Lagerungs- und
Altersfragen der Quader -Sandstein- und Pläner - Schichten in den Um-
gebungen des basaltischen Cottaer Berges ganz wesentlich mit durch das
wissenschaftliche Interesse, welches Frau von Burchardi dem Vorkommen
der Versteinerungen in jenen berühmten Bildhauersandsteinbrüchen und
anderen Gesteinsschichten lange Jahre hindurch geschenkt hat, erfolgt ist;
wie jeder andere ungewöhnliche Fund, z. B. das von W. Haidinger in den
Sitzungsberichten der Wiener Akademie, Bd. XLIX. 10. Mai 1864, be-
schriebene merkwürdige Fundeisen von Gross-Cotta, oder auch die prae-
historischen Funde in ihrem Bereiche, wie alte Spinnwirtel auf dem Laden-
berge oder die Steintische (Dolmen) auf der Gersdorfer Haide von ihr ge-
nauer verfolgt und zur weiteren Erörterung an Fachleute darüber be-
richtet wurde.
Nach Wahrheit zu forschen und die Wissenschaft zu fördern war ihr
Bedürfniss, und so gross auch die Freude an ihren paläontologischen
Sammlungen war, so wurde von ihr doch Alles, was für unser Königl.
Mineralogisches Museum in Dresden von Werthe war, demselben in be-
reitwilligster Weise liebenswürdig überlassen.
In dem langen Zeitraum seit Ende 1 849, wo ich zum ersten Male das
gastfreie Haus betrat, bin ich oft Zeuge gewesen, welche Freude der herr-
lichen Frau durch den Besuch von Männern der Wissenschaft bereitet
wurde,. und Männer wie die Professoren Forchhammer aus Kopenhagen
und aus Kiel, oder Prof. Hebert aus Paris und viele Andere, welche z. B.
die Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Dresden im
September 1868 nach Cotta führte, wurden nicht müde, den Worten der
gründlichen Kennerin und begeisterten Naturforscherin zu lauschen.
Achtzig Jahre alt ist sie am 8. December 1885 sanft entschlafen. Bei
dem am 11. December stattfindenden Begräbniss hatte sich ausser den
nächsten Verwandten die Gemeinde von Cotta dicht um die alte Herrin
Om. /«iif m DresdtHt 1880. — Sitsungiber. 7
ÖS _
gesammelt. Der Pfarrer des Orts hielt eine Rede, welche dem Wesen der
Heimgegangenen yoU und schön gerecht ward; im Namen unserer Gesell-
schaft Isis aber, welcher die Verewigte seit 1868 als Ehrenmitglied an-
gehört hat, legte der Vorsitzende, Geh. Hofrath Dr. Geinitz, einen Palmen-
zweig an ihrem Sarge nieder unter herzlichen Worten zum Andenken an
die verstorbene Freundin und unermüdliche Forscherin.
Ihr Andenken in Cotta wird noch Menschenalter hindurch un-
vergessen bleiben , ebenso aber auch bei Allen , welche das Glück gehabt
haben, in das reiche liebevolle Gemüth dieser edlen und hochbegabten Frau
einen Blick zu werfen.
Abhandlungen
• der
naturwissenschaftlichen Gesellseha ft
in Dresden.
1885.
I. lieber die Sternwarte des Herrn B. von Engelhardt
In Dresden«
Im Herbste des Jahres 1877 hatte ich in Dresden in einem gepach-
teten Theile eines Gartens (Leubnitzer Strasse Nr. 2) eine Sternwarte
errichtet, welche aus einem massiven Thurme nebst Meridian und Bibliothek-
zimmer bestand. Die Position dieser Sternwarte war: Länge im 18 8,37
östlich von Berlin, Breite + 51 ^ 2' 30 ",95. Das Hauptinstrument be-
stand aus einem SzöUigen Aequatoreal von Howard Grubb in Dublin
(England), von einer vollkommenen Construction , mit welchem ich
eine Beihe von Mikrometerbeobachtungen des Brorsen'schen Kometen
angestellt habe. Der Besuch dieser Sternwarte war für mich sehr unbequem,
weil sie ziemlich weit von der Wohnung entfernt lag, deshalb bescnloss
ich, eine Villa nebst einer neuen Sternwarte (Liebi^strasse 1) zu bauen.
Dieser Neubau wurde im Herbst 1879 fertig und die alte Sternwarte im
Sommer 1879 abgetragen. Im massiven Thurme der neuen Sternwarte,
in einer Höhe von 12 Meter über dem Erdboden, auf einem massiven
Steinpfeiler von 2,5 Meter Durchmesser, welcher gänzlich von den anderen
Fundamenten isolirt ist, um die Erschütterungen des Bodens abzuschwächen,
steht das Hauptinstrumeut: ein Aequatoreal, von H. Grubb in
Dublin gefertigt. Das Objectivglas hat eine freie Oeffnung von 306 Milli-
meter und ist dieses Instrument das zweitgrösste in Deutsch-
land, indem es nur vom grossen Strassburger Aequatoreal an optischer
Stärke übertroffen wird. Der Stundenkreis des Instrumentes bei einem
Durchmesser von 0,8 Meter wird bis auf 4 s und der Declinationskreis bei
einem Durchmesser von 0,5 Meter wird bis auf 30" mittelst Vemiers
abgelesen. Die Ablesung des Declinationskreises geschieht durch ein
Fernrohr in der Nähe des Oculars. Das Positionsmikrometer nebst dem
Beleuchtungsapparate ist ein wahres Meisterwerk der Gebrüder Repsold
in Hamburg. Um die Spinnefäden des Mikrometers und die verschiedenen
Theilungen bei Nacht zu sehen, werden dieselben beleuchtet. Die Moderirung
der Beleuchtung vom hellsten bis zum schwächsten Lichte geschieht durch
Drehung eines Körpers. Ein einziges kleines Lämpchen beleuchtet: die
hellen Fäden auf dunklem Felde, das helle Feld mit dunklen Fäden, die
beiden Mikroskope des Positionskreises, die Trommel der Mikrometer-
schraube, die Auszugstheilung am Fernrohr und den Declinationskreis.
Zu dem Aequatoreal gehören ferner: 6 negative und 6 positive Oculare,
ein Polarisations - Helioskop und ein Ringmikrometer. Der Sucher des
Aequatoreals ist von Reinfelder und Hertel in München und hat ein
Objectivglas von 136 Millimeter Oeffnung bei 2,5 Grad Gesichtsfeld. An
0«. Mi m Df9tdtn, 1885. - Abb. 1.
diesem Sucher ist ein kleiner Sucher mit einem Objectiye von 15 Linien
Oeffnung und 6 Grad Gesichtsfeld angebracht. Am anderen Ende der
Declinationsaxe ist ein Fernrohr von 100 Millimeter OeflFnung von Grubb,
mit einem Sucher von Reinfelder von 54 Millimeter OeiFnung angebracht.
Das grössere Fernrohr ist mit einem Universalspectroskop von Merz,
bestehend aus 4 Prismensystemen ä visiou directe verbunden und dient zu
astrophysikalischen Beobachtungen. Die Axen des Aequatoreals ruhen auf
Frictionsrollen eigenthümlicher Construction, welche zu mehreren Systemen
verbunden sind. Die Fernröhre des Aequatoreals werden durch ein
kräftiges Uhrwerk getrieben, welches der Axendrehung der Erde mit
grosser Präcision folgt. Die Klemmungen und feinen Bewegungen ge-
schehen durch Stangen und Schnüre. Neben dem Aequatoreal steht eine
nach Sternzeit gehende Pendeluhr von Thiede in Berlin, welche mit einem
Chronograph von Fuess in Berlin elektrisch ^verbunden ist. Letzterer
dient zur Registrirung der Aequatorealbeobachtungen auf einem fort-
rollenden Papierstreifen.
Der obere Theil des Thurmes, die Kupi)el, ist von Holz, ruht auf
6 Kugeln und lässt sich mittelst eines Mechanismus leicht mit einer Hand-
bewegung drehen. Der innere Durchmesser der Kuppel beträgt 5 Meter.
Die Klappen, durch welche man während der Beobachtung den Himmel
sieht, haben eine Breite von 1,10 Meter. Der Chronograph und die
galvanische Batterie stehen in der mittleren Thurmetage. in der unteren
Etage befinden sich: meteorologische, verschiedene transportable astro-
nomische Instrumente und kleinere Fernröhre , sowie das Meridianzimmer.
In diesem stehen in einer Höhe von 4 Meter über dem Erdboden auf
gänzlich isolirten Pfeilern ein Passageninstrument von Bamberg in Berlin
mit gebrochenem Fernrohre von 68 Millimeter Oeffnung, Ocularmikro-
meter und Umlegemechanismus (eine einzige kleine Lampe beleuchtet: das
Niveau, den Kreis, die Mikrometertrommel und das Feld), drei Chrono-
meter und eine astronomische Pendeluhr von Knoblich in Hamburg mit
Compensation für Temperatur und Luftdruck. Auf dem Dache der Villa
auf einer geräumigen Plattform steht ein drehbarer Thurm von 2,5 Meter
Durchmesser. Diese Constructionen sind sämmtlich mit Zinkblech be-
kleidet. In dem Thurme ist ein grosser Kometensucher aufgestellt. Das
Objectivglas von 6 Zoll Oeffnung ist von Merz und die äquatoreale Mon-
tirung von G. Heyde in Dresden. Letztere hat verstellbare Polhöhe,
getheilte Kreise und Beleuchtungseinrichtung. Zu dem Sucher gehören:
ein kleiner Sucher von Steinheil mit sehr grossem Gesichtsfelde, ein
Moderationsglaskeil für Sonnenbeobachtungen von demselben Künstler,
mehrere Oculare (von welchen eins mit 3 Grad Gesichtsfeld) und zwei
Ringmikrometer. Die Aufstellung sämmtlicher Instrumente, verschiedene
Verbesserungen derselben, Anfertigung von neuen Theilen u. s. w. hat der
hiesige ausgezeichnete Mechaniker G. Heyde mit grossem Geschick und
Präcision ausgeführt. In seiner Werkstatt sind mehrere grössere astro-
nomische Instrumente gebaut worden, welche den strengsten Anforderungen
entsprechen. Die Sternwarte ist mit der Villa durch Telephon und Tele-
graph verbunden. Sie liegt 1^19 8,93 östlich von BerUn und 18,17
westlich von dem Königl. mathematischen Salon zu Dresden. Die Breite
ist -|-5l ^ 2' 16", 80. Der Fussboden des Meridianzimmers liegt 118,5 Meter
über dem Meere.
Mit den vorstehend beschriebenen Instrumenten habe ich von Anfang
October 1880 bis Ende 1884 folgende Beobachtungen ausgeführt:
I. Beobachtungen mit dem grossen Aequatoreal.
A. Ortsbestimmungen, angestellt mit dem Fadenmikrometer.
186 Beobachtungen von 13 verschiedenen Kometen. Es wurden
beobachtet die Kometen: Hartwig, Swift 1880, Swift 1881, Pecbule,
Grosser Komet 1881, Grosser Septemberkomet 1882, Schäberle, Wells,
Barnard 1882, Barnard 1884, Brooks -Swift, Pons Brooks und Wolf.
306 Beobachtungen von 65 verschiedenen Planeten. Es wurden be-
obachtet die Planeten: Ceres, Pallas, Juno, Astraea, Hebe, Flora, Metis,
Parthenope, Egeria, Psyche, Fortuna, Massalia, Themis, Amphitrite,
Pomona, Fides, Aglaija, Galypso, Pandora, Mnemosyne, Concordia, Elpis,
Danae, Leto, Diana, Sylvia, Antiope, Aegina, Aretusa, Klymene, Amal-
thea, Peitho, Kassandra, Thyra, Juewa, Lucina, Bertha, Aemilia, Eva,
Loreley, Sybilla, Baucis, Ino, Idunna, Elsa, Kolga, Nausikaa, Byblis,
Penelope, Chryseis, Callisto, Dido, Medea, Kleopatra, Thusnelda, Eos,
Oceana, Wcringia, Athamantis, Russia, Asterope, Barbara, Hypathia,
Vanadis und Germania.
293 Beobachtungen von 73 verschiedenen Nebeln.
10 Anschlüsse von Vergleichsternen.
Also im Ganzen 795 Ortsbestimmungen.
B. 27 Beobachtungen von verschiedenen Phänomenen der Jupiters-
trabanten.
G. 3 Beobachtungen von Stembedeckungen durch den Mond.
D. Eine sehr grosse Anzahl Beobachtungen von Pol- und A«quator-
stemen, um den Werth einer Schraubenrevolution des Fadenmikrometers
zu bestimmen.
E. 17 Beobachtungsreihen von Declinationsdifferenzen von neun
Sternpaaren im Sternbilde des Perseus, um den vorstehend benannten
Schraubenwerth durch eine andere Methode zu bestimmen.
II. Beobachtungen am Bamberg'schen Passageninstrument.
A. 10 Beobachtungen von Mondculminationen und den dazugehörigen
Mondsternen.
B. Beobachtungen zur Bestimmung der Zeit werden alle 8 bis
10 Tage angestellt, indem jedes Mal ein Polstern in beiden Lagen des
Instrumentes und 3 bis 5 Zeitsterne beobachtet werden.
G. Eine sehr grosse Anzahl Beobachtungen von Polsternen, um die
Fadendistanzen und den Werth einer Schraubenumdrehung des Ocular-
mikrometers zu ermitteln.
III. Beobachtungen mit dem Mikroskop und dem doppelt
brechenden Prisma.
Zur Ermittelung der fortschreitenden und periodischen Ungleichheiten
der Schraube am Repsold'schen Fadenmikrometer des grossen Aequatoreal
habe ich mehrere Tausend Einstellungen ausgeführt. Die Schraube ist
ganz vorzüglich.
Die Kometen- und Planetenbeobachtungen sind in den Astronomischen
Nachrichten bez. in den Gircularen des Berliner Astronomischen Jahr-
buches veröfifentlicht. Einige Eometenbeobachtungen sind in der Eng-
lischen Zeitschrift Copernicus publicirt. Die Phänomene der Jupiters-
trabanten sind in dem Bulletin de l'Observatoire de Paris erschienen.
In den Nummern 2514 und 2568 der Astronomischen Nachrichten habe
ich einige Berichtigungen zu der Bonner Sterndurchmusterung und dem
Atlas ecliptique Ton Chacornac angegeben. Die Nebelbeobachtungen sind
zum grössten Theil reducirt und werden (hoffentlich gegen Ende 1885) in
einem besonderen Buche erscheinen. Sämmtliche Beobachtungen sincl von
mir selbst ausgeführt. In meiner Privatsternwarte war und ist kein
Assistent angestellt.
B. von Eugelhardt.
11. Ueber Palmacites? Meichi Oelii.
Von Dr. H. B. QeinitB.
Als Palmacües Reicht wurde im „Quadersandsteiugebirge oder Kreide-
gebirge in Deutschland von H. B. Geinitz^S 1849, p. 270 ein Fossil
bezeichnet, das in einem weissen, höchst feinkörnigen Sandsteine von
Dittersbach in der Sächsischen Schweiz eingeschlossen war, welcher von
den Quadersandsteinen der dortigen Gegend in keiner Weise verschieden
erschien , wenn auch die eine abgeriebene Seite des Blockes auf ein Ge-
schiebe hinwies. Das Exemplar war mir seiner Zeit durch Herrn
von Quand auf Dittersbach selbst eingehändigt worden und über 3eine
Zugehörigkeit zu dem Quadersandsteine schien damals kein Zweifel ob-
zuwalten. Die grosse Aehnlichkeit mit dem Stamm der Dattelpalme
veranlasste mich, dem Fossile eine Stellung unter den Palmen anzuweisen,
die aber gemäss dem alten Spruche „Keiner kann ungestraft unter Palmen
wandeln^', auch diesmal nicht ungestraft bleiben sollte.
Schon in unseren „Sitzungsberichten der Isis^' 1870, p/'150, wo
eine Abbildung cles Fossils Tat II, Fig. 1a. b. gegeben wird, hob ich
hervor: „Da dasselbe nichts weiter erkennen lässt, als jene in Sandstein
umgewandelten Holzbündel, worin keine besondere Structur sich erhalteu
hat, so ist es überhaupt noch sehr fraglich, ob Palmacites? Reichi
wirklich zu den Palmen gehört'^
In meinem „ Elbthalgebirge in Sachsen^* I, 1871 — 1875, p. 305 heisst
es ferner: „Das ganz unsicher bestimmbare Stammstück zeigt gegen
2 mm dicke Holzbündel, welche eng beisaftimen stehen und ihre Gefäss-
bündel unter spitzem Winkel nach der Seite hin senden/^
Eine Lösung des Räthsels scheint nun durch Herrn Professor Stenzel
in Breslau erfolgt zu sein, welcher die Güte gehabt hat, den fraglichen
Falmaeites Reichi von Neuem mikroskopisch zu untersuchen. Das von
ihm hierbei gewonnene Resultat ist in seinem Briefe vom 22. Februar 1885
mit folgenden Worten niedergelegt:
„Von dem zweifelhaften Palmacites'/ Reichi habe ich durch Voigt u.
Hochgesang in Göttingen eine 1 — 2 mm dicke Scheibe abschneiden und
poliren lassen, ebenso wie die Fläche des Stückes, an welcher der Ab-
schnitt genommen ist; ohne meinen Wunsch hat er noch ein paar Dünu-
schlifiPe gemacht, die nur Sandsteinstructur zeigen. Da ich audi auf allen
Flächen des Längsbruchs keine die anderen kreuzenden Fasern fand, war
ich schon ziemlich gewiss, dass keine Palme und dann wohl überhaupt
keine Pflanze vorliege. Ich zeigte das Stück Herrn Geheimrath Römer,
der eben eine Arbeit über ähnliche Bildungen veröffentlicht und der es
Ga. hu IN Ihetdm, 188S. ~ Abh. 8.
8__
für diesen gleichwerthig erklärte. Nach mehreren Stücken, welche er
mir von sogenanntem Scolithus- Sandstein (Scolithus linearis Hall,
Arenicolites Salter) zeigte, glaube ich auch, dass das Stück dieseu
Gebilden der cambrischen Formation zuzuzählen ist, die Römer für ganz
unorganischen Ursprungs, für eine Art Absonderungsproduct hält, welches
in der Sandsteinmasse erst nachträglich durch freilich noch unbekannte
Einflüsse zu Stande gekommen sei. Sehr interessant war es ihm, ein
solches Vorkommen aus dem Quadersandsteine kennen zu lernen; das
Gestein schien mir entschieden dafür zu sprechen, dass das Stück wirklich
aus dem dortigen Sandsteine stamme, nicht etwa dahin aus älterer
Formation angeschwemmt sei, obwohl die eine flach abgerundete Fläche
für ein Rollstück spricht. Ich für meinen Theil kann mir die Entstehung
solcher paralleler Stäbe so wenig erklären, dass ich doch au irgend einen
organischen Ursprung glauben möchte und es wohl der Mühe werth halten
würde, an den Fundstätten der Sache weiter nachzuspüren. Die Palmcn-
hoknatur aber habe ich freilich aufgegeben."
War es auch nicht mehr möglich, den Fundort des Dittersbacher
Stückes genauer festzustellen, da Herr von Quand schon seit Jahrzehnten
aus dem Leben geschieden ist, so musste doch die unverkennbare Aehn-
lichkeit des Fossils mit den gewöhnlichsten Formen des in neuester Zeit
auch im Diluvium Sachsens so häufig aufgefundenen Scolithus linearis
Hall nun auch unser Auge darauf richten, um so mehr, als die Aussen-
fläche des Dittersbacher Stückes auf ein Geschiebe hinwies. Geschiebe
der Art sind in den letzten Jahren in grosser Anzahl bei Zschorna
N. von Radeburg in Sachsen durch Fräulein Ida von Boxberg entdeckt
worden ^).
Ich muss es dankbarst anerkennen, dass diese Dame, welcher unser
K. mineralogisch -geologisches und prähistorisches Museum höchst werth-
volle geologische, paläontologische und prähistorische Sammlungen ver-
dankt, aucn in dieser Beziehung wieder meine Untersuchungen auf das
kräftigste unterstützt hat. Durch ihre rastlosen Bemühungen liegt mir
eine ganze Reihe ausgezeichneter Exemplare des Scolithus linearis Hall^)
vor, die mit den Abbildungen dieser Art von Torell^) nach Exemplaren
aus dem cambrischen Sandsteine Schwedens, von Eug. Geinitz*) nach
Geschieben in Mecklenburg übereinstimmen. Nur besitzen sämmtliche
Scolithus -Sandsteine, diö mir als Geschiebe vorliegen, ein etwas gröberes
Korn, als das in dem Stücke von Dittersbach ist, indess kommen auch
bei Zschorna Sandsteingeschiebe vor, welche durch die Feinheit ihres Kornes
dem Dittersbacher Exemplare mit Pabnacites? Reichi sehr nahe treten.
Bezüglich der Natur des Scolithus linearis^ womit den PcUmacites?
Reichi zu vereinen einen hohen Grad von Berechtigung erfahren hat, muss
man anerkennen, dass die das Gestein durchziehenden parallelen und nur
hier und da spitzwinkelig gabelnden Cylinder durch die gleiche Gesteins-
*) In der Nähe von Dresden, auf den Feldern zwischen Dippelsdorf und
Buch holz bei Moritzbm'g, wurde neuerdings ein derartiges Geschiebe durch
Dr. Deichmüller aufgefunden.
2) J. Hall, Palaeontology of New York. 1. 1847. p. 2. PI. 1. Fig. l.a.b.c.
•) O. Tor eil, Bidrag tili Spai'agmitetagens geognosi och paleontologi
(Lunds Univ. Ärsskrift, Tom. IV. p. 35. Tab. II. Fig. 1. a. b.)
*) V. Beitrag zur Geologie Mecklenburgs. Nenbrandenburg, 1882. Fig. 1. 2.
masse versteinert sind, wie ihre Umhüllung, wenn sie auch sowohl im
Längsbruche als im Querbruche davon getrennt erscheinen; auch das
Mikroskop lässt in dieser Beziehung keinen Unterschied wahrnehmen,
wesshalb auch F. Körner, wie man aus dem Briefe Herrn StenzeFs ent-
nimmt, sie als unorganische Absonderungen betrachten will. Meiner
Ansicht nach sind die Scolithen mit grösserer Wahrscheinlichkeit zu den
Spongien als zu den Algen zu verweisen ^ und es verhalten sich diese
Körper ganz analog der Spongia Saxonica Gein. im Quadersandsteine
Sachsens, deren lockeres Geiüge das Eindringen der versteinernden
Schlammmasse mit Leichtigkeit gestattet hat, ohne in späteren Zeiten
noch Rückstände ihrer ursprünglichen organischen Substanz zu hinterlassen.
1) Abb. d. Isis, 1883. p. 98.
10
IIL lieber das Aufstellen von Concliylieusammlaogen.
Von Insütutsdirector Th« Beibisoh.
Wenn es auch nicht' zu den streng wissenschaftlichen Aufgaben ge-
hören mag, über die Aufstellung von Conchyliensammlungen zu sprechen,
so halte ich es dennoch für nöthig, sich darüber ausführlich zu verbreiten,
weil durch eine naturgemässe Aufstellung nicht nur ein guter Eindruck
auf jeden Beobachter gemacht wird, sondern auch eine bequeme und klare
Uebersicht erreicht werden kann, in jedem Falle also das Lernen er-
leichtert , die Wissenschaft gefördert wird , und das ist ja der Endzweck
fast aller Sammlungen.
Wie oft bort man die Cnstoden öffentlicher Sammlungen diirüber
klagen, dass sie für ihre Abtheilung auf einen zu kleinen Kaum beschränkt
sind, und wie mancher Privatmann würde sich gern eine Sammlung an-
legen, wenn er nicht fürchtete, damit einen sehr grossen Raum in Anspruch
zu nehmen und dadurch wieder seinen Geldbeutel zu sehr anstrengen zu
müssen. Bedenkt man aber, dass die Uebersichtlichkeit, die doch ein
Haupterforderniss jeder Sammlung sein soll, nur durch möglichste Raum-
ersparniss erzielt werden kann, so hat man eigentlich den Schlüssel zur
Aufstellung der Sammlung gefunden.
Geht man irgend welche Conchyliensammlungen, wie sie jetzt sehr
häufig aufgestellt werden, durch, so findet man oft, dass die Arten im
Kasten öder Pulte von links nach rechts angereiht sind, wie unsere Worte
in der Schrift, und das scheint ganz natürlich zu sein, ist aber schon
aus dem Grunde unpraktisch, weil der Beobachter, will er die Arten der
Reihe nach durchgehen , von links nach rechts laufen muss , und ist er
am Ende der ersten Reihe angekommen, so muss er zurückspringen, um
die zweite Reihe zu studiren, und so fort, bis er genug hat. Denkt man
dabei an Glaspulte von ungefähr 2 m Länge mit vielleicht tO bis 15 Reihen
Kästchen, so kann man sicli leicht vorstellen, welche Anstrengung die
Betrachtung einer ganzen Sammlung machen muss. Ein zweiter Grund
gegen diese Art der Aufstellung ist der, dass die Klassen-, Ordnungs-,
Familien- und Gattungsnamen nebeneinander, statt untereinander gesetzt
werden. Auch dieses erschwert die Uebersicht, denn es ist ganz und gar
nicht schriftmässig. Die Namen der einzelnen Abtheilungen müssen als
Ueberschriften wirken, wie diejenigen der Kapitel eines Buches, Daraus
folgt nun von selbst, dass die Anordnung der Arten von oben nach unten .
zu geschehen hat und das entspricht der Aufzählung von Arten in einem
Kataloge. Wir haben es bei der Aufstellung der Arten nicht mit Sprach-
Gc8. Ins in Dietden, 188Ö. - Abh. 3.
II
Sätzen, sondern nur mit Dingen und deren Namen zu thun. Auch sind
uns in dieser Beziehung die Entomologen längst voraus.
Nun muss aber auch die Form und Grösse der einzelnen Kästchen
nach einem bestimmten Gesetze hergestellt werden, ohne deshalb die
Grösse oder Menge der Stücke, welche darin liegen sollen, unberücksichtigt
zu lassen. Alle Kästchen müssen von links nach rechts gleich gross sein
— als Einheit kann man eine Ausdehnung von 4,5 oder 6 cm annehmen — ,
während sie quer dieser Richtung verschiedene Ausdehnung haben können.
Dadurch entstehen auch verschiedene Grössen und alle Kästchen passen
doch aneinander , ohne Raum zwischen «ich zu lassen. Solche Concnylien
aber, welche noch zu gross für dergleichen Kästchen sind, legt man in
solche von doppelter oder dreifacher Breite und diese lassen sich dann
ebenfalls bequem einreihen. Inwendig müssen alle Kästchen weiss sein,
weil Weiss zu jeder Farbe stimmt. Da eine solche Sammlung ungeschüttelt
stehen bleibt, so brauchen die Gehäuse auch keine Watte zur Unterlage.
Ganz kleine Conchylienformen werden am besten in Glasröhrchen
von der Länge der Namenträger (siehe weiter unten) gesteckt und der
Name des Fundortes auf ein schmales Streifchen Papier geschrieben,
ebenfalls der Länge nach hinein gethan. Der Verschluss Icann durch Kork
oder, was noch bequemer ist, durch Watte bewerkstelligt werden. So
eingepackt kann man Thiere von einerlei Art, aber von verschiedenen
Fundorten nun in ein und dasselbe Kästchen bringen. Bei dieser Gelegen*
heit möchte ich noch bemerken, dass man für die Concbjrlien nicht zu
grosse Kästchen nehmen darf, wenn die Sammlung wenig Raum ein-
nehmen, schnell übersehen werden und einen guten und befriedigenden
Eindruck machen soll Wenn mancher Sammler meint, seine Sammlung
nehme sich feiner aus, wenn sie recht viel Raum einnimmt, so behaupte
ich, dass sie deswegen viel ärmer an Conchylien ist. Hat man die
Sammlung so zusammengeschoben, so bedarf man auch keiner heben
Wandschränke, an denen mittelst Treppenleitern aufgestiegen werden
muss, um ihren Inhalt kennen zu lernen.
Von besonderer Wichtigkeit ist es nun, wie man die Artnamen an-
zubringen hat. Häufig liegen die Namen in den Kästchen und die
Schnecken oder Muscheln darauf, so dass der Name verdeckt ist und man
erst die Conchylien herausnehmen muss, um den Namen zu erfahren, was
für öffentlich aufzustellende Sammlungen der unpassendste Weg ist. Dort
aber hat man sehr häufig recht niedliche Drahtklemmen auf den Hinter-
rand der Pappkästchen gesteckt und daran, ein Stück über und hinter
dem Kästchen , in schräger Lage den Namen des Thieres befestigt. . Dazu
ist aber nöthig, dass jedes Kästchen ein Stück von dem hinter ihm be-
findlichen abgerückt wird , denn sonst würde die in der Höhe schwebende
Etikette die dahinter liegende Conchylie verdecken, und das kostet wieder
sehr vielen Raum, ist also iür die öffentliche wie für die Privatsammlung
ganz unpraktisch. Ausserdem machen die hochangebrachten Zettel den
Schnecken Schatten, und wenn ein Fenster hinter dem Pulte ist, so steht
auch der Name selbst im Schatten. Nach meinem Dafürhalten müssen
die Etiketten so angebracht werden, dass sie in der Höhe der Kästchen
wie Ueberschriften erscheinen. Zu dem Ende verschafft man sich kleine
Hölzer von der Länge der als Einheit aller Kästchen angenommenen
Breite, dazu müssen sie die Höhe der Kästchen h^ben und im Querschnitte
quadratisch sein. Diese überzieht man mit weissem Papiere und schreibt
die Namen darauf. Die Etikette für jede Art besonders kann man ent-
12
weder so schreiben, dass der Gattungsname ganz wegbleibt und dafür
der Name der Untergattung mit dem Artnamen hingesetzt wird, was
aber zur Folge hat, dass man das Geschlecht des Artnamens oft ändern
muss, weil das Geschlecht der Untergattung manchmal ein anderes ist
als dasjenige der Gattung. Am besten thut man, wenn man zur Art
einen oder einige Anfangsbuchstaben der Gattung und dahinter in
Klammern den Namen der Untergattung setzt, damit man für den Art-
namen das Geschlecht der Gattung beibehalten kann. Ein so beschriebenes
Klötzchen oder Stäbchen wird nun in das Kästchen an die Rückwand so
Selegt, dass die Conchylie sich davor befindet. Darüberhin kann auch
as volle Licht auf die Conchylien selbst wie auf die Namen fallen.
Etiketten, welche man mit Conchylien von andern Sammlern bekommen
hat, werden in die Kästchen gelegt.
Ausserdem sind nun noch die Träger der Klassen-, Ordnungs-,
Familien- und Gattungsnamen zu besprechen. Dazu habe ich kleine
Klötzchen, welche so hoch wie die Kästchen sind, so lang wie die durch-
gängig angenommene Breite derselben, und dabei verhält sich die eigene
Breite zu ihrer Länge ungefähr wie 2 : 5. In meiner Sammlung sind die
Kästchen nicht höher als 1 cm. Für die Klassennamen überziehe ich die
Klötzchen mit blauem Papiere, für die Ordnungsnamen mit rothem, für
die Familiennamen mit gelbem und für die Gattungsnamen mit weissem
Papiere. Dadurch kann auch der weniger unterrichtete Beschauer leichter
einen Begriff von der Eintheilung der Conchylien bekommen.
Gegen diese Anwendung der Farben zur besseren Veranschaulichung
des Systems werden wohl Diejenigen etwas einzuwenden haben, welche
die Vaterländer auf den Etiketten durch Farben bezeichnen. Wenn man
aber nur fünf Farben für die fünf Erdtheile annimmt, so bekommt der
Betrachter der Sammlung kein klares Bild von der geographischen Ver-
breitung und der verschiedenen Faunengebiete. Versieht man z. B. die
Etikette von Hdix aspersa Müll, mit der Farbe, welche man für Europa
angenommen hat, so ist das darum schon nicht ganz richtig, weil HeL
aspersa nur in West- und Südeuropa vorkommt, dann aber auch, weil
sie zu gleicher Zeit in ganz Nordafrika lebt. So könnte man noch viele
Beispiele anführen, die das Ungenaue einer solchen Bezeichnung gründlich
darthun. Und nun die Seeconchylien : Gehören die Arten des rothen
Meeres zu Asien oder Afrika, die des kaspischen Meeres zu Europa oder
zu Asien ? Aber viele Farben einzuführen, finde ich ebenfalls unpraktisch,
weil es dann Uebergänge giebt, deren genaue Unterscheidung eben nicht
Jedermanns Sache ist. Die Fundorte müssen einfach zu den Namen
geschrieben werden.
Möchten diese wenigen , im Interesse der Wissenschaft wohlgemeinten
Worte ohne Vorurtheil aufgenommen werden und zu gründlichen Ver-
besserungen führen. Mündliche wie schriftliche Erklärungen bin ich zu
geben stets bereit.
Plauen b. Dresden.
Uroek von E. Hloehmftiiu und Suhii in ])r«Mi«n.
Die Preise iur die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzuugs-
berichte der ulsis^>, welche durch die Burdach'sche Hofbuch-
handlung in Dresden bezogen werden könneji, sind in folgender
Weise festgestellt worden :
Denkschriften. Dresden 1860. 8 1 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1861. 8. . .' 1 M.- 20 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1863. 8 1 M. 80 Pf.
Sitzungsberichte. Jalirgaug 1864 und 1865. 8. pro Jahrgang . 1 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. 8. April-Deccmber .... 2 M. 50 Pf,
Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868. 8. . i>ro Jahrgang . 5 M, — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1869, 1871 u. 1872. 8. pro Jahrgang 3 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jalu'gang 1870. 8. April-Deceniber .... 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 — 1878. 8. pro Jahrgang . "! 4M. — Pf.
Dr. Oscar Schneider: Naturwissensch. Beiträge zur Kenntniss
der Kaukasusländer. 187.^. 8. 160 S. 5 Tafehi . . (> M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. 8 5 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. 8. Juli-Decernber .... 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1881 — 1884. 8.
pro Jahrgang 5 i;i, _ pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen." Jahrgang 1885. S. . . . 2 M. 50 Pf.
Festsehrift. Dresden 1885. 8. 178 S. 4 Tafehi 3 M. — Pf.
Mitgliedern der «Isis« wird ein Ra]>att von '25 rroc. gewäln-t
Alle Zusendungen für die Gesellschaft «dsis», sowie aucli
Wünsche hezüglidi der Abgabe und Versendung dei- «Sitzungs-
berichte der Isis» werden von dem ei-steu Secretär der Gesell-
schaft, d. Z. Dr. Deichmuller, Schillerstrasse 1 (K entgegengenommen.
t^ Die regelmässige Abgabe der Sitzungsberichte au aus-
wärtige Mitglieder sowie an auswärtige Vereine erfolgt in der Regel
entweder gegen Austausch mit anderen Scliriften oder einen jähr-
lichen Beitrag von 3 Mark zur Voreinskasse, worüber
in den Sitzungsberichten (juittirt wird.
Königl. Sachs. Hof buchhandlung von Hermann Burdach
(Wamatz <fe I-elmiaiin)
emDfir.liU .;,.,- ^*^ -^T^- 1»
¥v
2UT Sesorgung wissenschaftlich,! ^^^^»^^^b^ hilligsten Preisen und promptester
I,re»«I.n. Pra.k von E. Biacl.rn.n
!rO ;iM...
Festschrift
der
Natur-wissenschaftlichen Gesellschaft
IBtB
in ^Dresden
zur
Feier ihres 50jährigen Bestehens
am 14. Mai 1885.
Mit Tnfol I--IV
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Dresden. 18h.».
In C'ommission von Wamatz & Lehmann, Königl. Sachs Ilnfbuclihnndler.
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j^iu Maieutag, iii »cliöiiHter Zeit der Welt,
Wird uni»er Fest, dan fröliliche, gefeiert,
Der ISIS Fest, die uns den Geist erhellt
Und voller Huld ilir Antlitz m\a entHclileiei*t;
Die fünfzig Jahr war unsVe Führerin
Durch langtet vergang'ne, wie durch neue Zeiten.
Der heilgen (iluth des Wissens Schürerin,
Gab sie die Kraft, Erkennt niss zu erweitern.
Wer ihr sich weiht, erbebt vor keiner Macht:
Er steigt hinab in Meeresschlucht und Tiefen,
Durchwüldt Gestein, dringt bis zum dunklen Schacht,
Wo Urweltsrat hsel noch verborgen scliliefen.
Er folgt den Fährten, die vor langer Zeit
Des Urthiers Fuss im feuchten Grund gezogen,
Und liest aus Spuren der Vergangenheit,
Wie Weltentwicklung langsam sich vollzogen.
Was Vorgeschichte düster uns verhüllt,
Wird aufgedeckt durch unermüdlich Streben.
Der Stürme Rasen, das die Welt erfüllt.
Des kaum erschafTneii Erdballs krampfliaft Beben,
Des Feuers Kraft, die Wald um Wald verzehrt,
Was flüssig war, bis zum Erstarren brachte.
Und was vernichtend Brand um Brand verheerte,
Durch Neugestaltung wieder dienstbar machte.
In Höhlenschlünde, wo der Mensch geweilt.
Als noch gebunden seines Geistes Schwingen,
Des Forschers Blick, Gefahr bewält'gend eilt.
Um Kunde seiner Vor/eit zu erringen.
Des Wissens Leuchte, die er angefacht.
Flammt auf und ab, misst Welt — und Jjebenssphäreu.
Durchbricht der tiefsten Schlünde lange Nacht,
Der Schöpfung Meisterwerke zu erklaren.
IV
Wenn auch das Weltziel uns verborgen bleibt.
Baut massloa doch der Mensch am Wissensdome.
So lange Schaffenskraft zum Werden treibt,
Prüft er den Kosmos, prüfet die Atome.
Was er erstrebt, ist Blendwerk nicht, noch Traum.
Begeistert blickt er auf zu Monden, Sonnen.
Ward auch sein (xeist begrenzt, im Weltenraum
Hat doch der Forscher Heimathsrecht gewonnen.
Sein ist die Welt, so weit er sie erkannt.
So weit er Wissensschätze aufgespeichert,
So weit der Nebel vor dem Blick verschwand,
Der Wahrheit göttlich Licht den Geist bereichert.
Zum Dienst der ISIS bleiben wir bereit,
Von Dank erfüllt, wird heut' ihr Fest gefeiert;
Wir hoffen, dass sie gnädig künft'ge Zeit
Ihr ernstes Antlitz huldvoll uns entschleiert.
Agnes Kayser-Langerhanss,
Vorvv^ort.
Uie Naturwissenschaftliche (jJesellschaft ISlS in Dresden hat
am 29. Januar 1885 den Beschluss gefasst, zur Feier ihres
fünßzlgjährig'en Bestehens eine Festschrift herauszugehen,
die sich unmittelbar an jene Denkschrift anschliessen soll, welche
als Festgabe zur Feier ihres fünfundzwanzigjährigen Bestehens
1860 von Dr. A. Drechsler veröffentlicht worden ist.
Der damit beauftragte Kedactions-Coniite ist diesem Wunsche
um so freudiger nachgekommen, als ihm die Mitwirkung einer
Anzahl werther Mitglieder unserer (Gesellschaft bereits zugesagt
worden war.
Einem kurzen historischen Rückblick auf die letzten fünfund-
zwanzig Jahre folgt eine Reihe von Abhandlungen aus den ver-
schiedenen Gebieten derjenigen Wissenschaften, welche zu fördern
und zu verbreiten die Aufgabe und das Streben unserer (Gesell-
schaft ist Möchte dasselbe in immer weiteren und weitereu
Kreisen Anerkennung linden zum Segen für unser engeres und
weiteres Vaterland!
Dresden, den 23. April 1885.
H. B. Geinitz.
1
T 11 li a 1 1.
Seite
I. Oefielilehte der naturwissenschaftliche» (resellschaft Isis in Dresden in den
Jahren 1860—1885. Von Dr. .loh. V. Deiihmtlller, d. Z. ei-stem
Secretär der (resellschaft 1
Keainten-(*ollegiuni der Isis im Jahre IH85 23
II. Abhandlungen.
AI fr. Stelzner: Die Kntwickelung der petrographischen rntersuchungs-
niethoden in den letzten fünfzig Jahren 25
E. Z schau: Bemerkungen über den Quarz im Syenite des Plauenschen Grundes 49
Herrn. Kngelhardt: Die Cretlnerien im unteren Quader Sachsens. Mit Taf. I 55
H. li. Geiuitz: Paläontologische Beiträge 68
1. Teber Thierfahrten in der Steinkohlenfcmuation vtm Zwickau. Mit Taf. II 6^)
2. l.'eber Milchzähne des Mammuth iKlejUian primigenias). Mit Taf. III 66
Ose. Drude: Die Yertheilung und Zusammensetzung östlicher Pflanzeu-
genossen Schäften in der Umgebung von Dresden 75
B. Vetter: Teber die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Dinosauriern und
Vögeln lOf)
H. Wiechcl: Urnenfundc bei Klotzsche und iiUussuitz hi Sachsen .... 128
Rud. Schmitt: Beiti*ag zur Kenntniss der Ktdbe'ijchen Salicylsäure-Synthese 12?)
Fried r. Siemens: Neue Beleuchtungsmethode. Mit Taf. IV 131)
Axel Ilarnack: Ziu* Theorie der Wärmeleitung in festen Körperu . . . 147
A. Toepler: llückblick auf die Entdeckung des Elektromagnetismus und der
Inductionselektrizität 16J)
.^fi*-^
Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzuugs-
berich rtlsis», welche durch die Burdach'sche Hofbuch-
3ung in Dresden bezogen werden könne«, smd m folgender
Weise festgestellt worden:
1 ^aan S .... 1 M. 5« Pf.
Denkschriften. Dresden 18bO. ö IM -2« Pf
Siteungsberichte. Jal»rga„g 1861. 8. ■ ■ - ^ ^■
rÄir SrS S- Ja xse. a- ..o"...... . . m. ao Pf.
Slngsberichte. Jahricaug 18G9, 1871 u. 1872. 8. pro Jahrgan,. ' m '* p *
Sitzungsberichte. Jalirgang 1870. 8. April-Deeember • • ' — ;^ ^- " l]:
Sitzungsbenchte. Jahrgang 1873—1878. 8. pro Jahrgang . . 4M.- n.
Dr Oscar Öchneitler: Naturwisseiisch. Beiträge zur Kenntniss
der KaukasusUinder. 1878. 8. 160 S. 5 Tatdn . . 6 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879, 8 lUI* ~ S*
Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. 8. Juli-December . . . • 3 M. ~ ü-
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang iasi-18S4. 8.
pro Jahrgang o M. — 1 f.
Sitzungsberichte und Abhandhnigen: Jahrgang 1885. 8. . . . ^ ^I- ^> 1'*;
FesUehrift. Dresden 1885. 8. 178 S. 4 Tafehi ..... 3 M. - Pt.
Mitgliedern Jer ulsisn wird ein Rabatt vou 25 Pvoc. gewälni.
Alle yAiseiidungeu für die Gesellschaft ulsis», «owie auch
Wünsche bezüglich der Abgabe und Vorsendinig der «Sitzungs-
berichte der Isis)) werden von dem ersten Secretlir der Gesell-
schaft, d.Z. Dr. Deichmüller, Schillerstrasse 10, entgegengenoiuHien.
H^^ Die regelmässige Abgabe der Sitzuiigsl)erichte au aus-
wärtige Mitglieder sowie an auswärtige Vereine erfolgt in der Regel
entweder gegen Austausch mit anderen Schriften oder einen jähr-
lichen Beitrag von 3 Mark zur Vereinskasse, worüber
in den Sitzungsberichten «luittirt wird.
Königl. Sachs. Hofbuchhandlung von Hermann Burdach
(Warnatz ^ I-elimanii)
empftQhlt sich
„r S^^^i^'^S wlssmchaniichiT LiteraUu hH biUigsten Preisen und promptester
Lieferung.
l>r«il»n. I,ru.k ro. E. lUocJ.m.n» «^a «„).„
FestsehFift
der
NatuF'wissensehaftliehen Gesellschaft
in I^resden
zur
Feier ihres 50jährigen Bestehens
am 14. Mai 1885.
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Dresden, IHs.».
In ( .'ommission von WamatZ &. Lehmann, Königl. Sachs. IlofbuchhämUer.
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und war damit auch die Verpflichtung gewachsen, diesen Vereinen ein
Aequivalent für deren Schriftensendungen zu bieten. Um andererseits
auch den Mitgliedern, welche am regelmässigen Besuch der Sitzungen
verhindert waren, Gelegenheit zu geben, das Versäumte wenigstens im
Auszug kennen zu lernen, fasste die Gesellschaft am 17. Juli 1861 den
Beschluss, regelmässig erscheinende Berichte über ihre Sitzungen zu ver-
öiTentlichen. Diese Berichte sollten nicht allein Mittheilungen über die
Verhandlungen in den Sitzungen geben, sondern auch den Mitgliedern, die
sich mit speziellen Untersuchungen beschäftigten, die Möglichkeit bieten,
die Resultate derselben bekannt zu machen. Mit der Redaction dieser
„Sitzungsberichte der naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis zu Dresden*'
wurde deren Secretär, Dr. A. Drechsler, betraut. Das erste, die Zeit
vom Januar bis Juni 1861 umfassende Heft wurde am 17. October
durch den Secretär der Hauptversammlung überreicht. Die Zahl der
Mitglieder betrug zu Ende des Jahres 90 vortragende, 38 befdrdenide,
74 Ehren- und 199 correspondirende Mitglieder.
Während der Jahre 1862 bis 1864 trat im Directorium ein Wechsel
nur durch Zurücktreten des bisherigen Bibliothekars, Schuldirector
Clauss, der sein Amt mit Ende des Jahres 1863 niederlegte, ein; an
seine Stelle wurde Lehrer Gerstenberger erwählt. Während dieser
drei Jahre widmete die Gesellschaft ihre Thätigkeit vorwiegend wissen-
schaftUchen Fragen; von innern Angelegenheiten ist nur ein auf An-
trag der Section für Mineralogie und Geognosie gefasster Beschluss
über Aenderung in der Reihenfolge der Sectionssitzungen hervorzuheben.
Die Zahl der Sectionen war durch Gründung einer mathematischen im
Jahre 1855 auf vier gestiegen, infolge dessen die Section für Mineralogie
ihre Sitzungen auf Sonnabend verlegt hatte, welcher Tag sich aber aus
mancherlei Gründen als Versammlungstag ungeeignet erwies. Daher be-
antragte dieselbe im November 1862, dass jede der drei übrigen Sectionen
von ihren zwölf alljährlichen Sitzungstagen drei an sie abtrete, um auch
das Abhalten ihrer Sitzungen an einem Donnerstage zu ermöglichen.
Die Aufeinanderfolge der einzelnen Versammlungen wurde nun in der
Weise festgestellt, dass die zoologische Section beginnen, dann die bo-
tanische, die mineralogische und zuletzt die mathematiscli- physikalische
folgen sollten, während jeder dritte Donnerstag im Monat wie bisher
der Hauptversammlung vorbehalten blieb. Zugleich mit der Einordnung
der Section für Mineralogie in die Reihe der übrigen beantragte diese
auch eine Aenderung in der Wahl ihres Versammlungslokales, da der
bisher benutzte Hörsaal am botanischen Garten den Anforderungen nicht
genügte, namentlich die Beleuchtung sehr mangelhaft war. Da das in
Vorschlag gebrachte Lokal in der K. polytechnischen Schule, dessen Be-
nutzung die Direction derselben in freundlichster Weise gestattete, ausser
guter Beleuchtung auch die Möglichkeit der Benutzung der mineralogischen
Sammlungen dieses Instituts bot, genehmigte die Hauptveraammlung den
beabsichtigten Lokalwechsel.
5
N(jch ist hier eines Verlustes zu gedenken, den die Isis gegen Ende
des Jahres 1863 durch den Tod des Gymnasiallehrers C. Tr. Sachse
erlitt, der mehrere Jahre das Amt eines Secretärs verwaltet und als solcher
mehrere Jahrgänge der allgemeinen naturhistorischen Zeitung redigirt,
regelmässig meteorologische Beobachtungen in den Sitzungen mitgetheilt
und zahlreiche, namentlich botanische Vorträge gehalten hatte.
Das 1865 an die Spitze der Gesellschaft berufene Directorium bestand
aus Hofrath Prof. Dr. Reichenbach als erstem, Prof. Sussdorf als
zweitem Vorsitzenden, Dr. Drechsler als Secretär, Kaufmann Schmorl
als Kassirer und Lehrer Gerstenberg er als Bibliothekar. Das Amt
eines Conscrvators der botanischen Sammlung wurde nicht wieder besetzt,
da das Herbarium, welches nicht hatte verkauft werden können, Schul-
director Clauss zur Benutzung bei seinen Unterrichtsstunden überlassen
worden war.
Das Jahr 1865 bedeutet in der Geschichte unserer Gesellschaft einen
wichtigen Abschnitt und kann wohl als das Ende einer älteren Periode
bezeichnet werden, da die im Laufe dieses Jahres zu Ende geführte
Revision der Statuten eine vollständige Umgestaltung der Organisation
der Gesellschaft herbeiführte und die mit unwesentlichen Abänderungen
noch heute bestehenden Zustände schuf.
Die in den letzten Jahren in Unordnung gerathenen finanziellen Ver-
hältnisse der Gesellschaft hatten zunächst zahlreiche Wünsche nach Wieder-
zusammentritt des bis etwa sechs Jahre vorher thätig gewesenen Verwaltungs-
rathes laut werden lassen, und hatte dieser, nach den noch zu Recht
bestehenden Statuten aus den beiden Vorständen, den Sectionsvorsitzenden,
dem Secretär, dem Kassirer und dem Bibliothekar bestehend, bereits im
Februar und März mehrfach Sitzungen abgehalten. Die Ergebnisse der
Berathungen, welche sich namentlich mit der Frage, auf welche Weise
eine Erhöhung der Einnahmen zu erzielen sein würde, beschäftigten, wurde
im April der Hauptversammlung vorgelegt und von dieser genehmigt.
Durch diese Beschlüsse wurden das Eintrittsgeld von 10 Ngr. auf
1 Thlr. und die Jahresbeiträge der vortragenden Mitglieder von 2 auf
2 V« Thlr. erhöht, wogegen dieselben die Jahresberichte gratis er-
hielten. Der Umfang der Gesellschaftsschriften wurde auf höchstens
12 Bogen jährlich festgesetzt, denselben halbjährlich auch eine Liste der
als Geschenke eingegangenen Bücher beigeftigt. Der Ankauf neuer
Werke, welcher bisher einer besonderen Commission überlassen war, wurde
dem Verwaltungsrathe übergeben, um eine Ueberschreitung der vorhandenen
Geldmittel zu vermeiden, was bisher leider sehr oft der Fall gewesen und
wodurch der Gesellschaft eine im Verhältniss zur Einnahme beträchtliche
Mehrausgabe aufgebürdet worden war. Auch ein längst gehegter Wunsch
wurde durch Versicherung der Bibliothek mit 40jOO Thlr. bei der
Dresdener Feuerversicherungsgesellschaft zunächst auf 5 Jahre zur Aus-
führung gebracht.
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Der für die Euhvickelung der Isis bedeutsamste Beschluss der Revision
der bisher gültigen Statuten wurde auf einen durch Photograph Krone
im Namen zahlreicher Mitglieder ehigebrachten Antrag hin im Mai 1865
gefasst, und zur Aufstellung eines neuen Statuten-Entwurfs eine aus Prof.
Dr. Geinitz, Photograph Krone, Bankier Na wr ad t, Oberappellations-
rath Dr. Sickel und Lehrer Zschau zusammengesetzte Commission er-
wählt. Die von derselben entworfenen und vom Verwaltungsrathe beiür-
worteten neuen Statuten wurden, nachdem sie jedem Mitgliedc vorher in
einem gedruckten Exemplare zur Einsichtnahme zugestellt waren, der
Hauptvei-sammlung am 21. December vorgelegt und nach lebhaften Debatten
in ungeänderter Form angenommen.
Die tiefeingreifenden Veränderungen, welche die neuen Statuten in
der Organisation der Gesellschaft hervorriefen, lassen es gerechtfertigt
erscheinen, hier die wichtigsten Bestimmungen derselben hervorzuheben.
Während bisher der ei-ste Vorsitzende, sogenannte Director, jedes Jahr
wieder wählbar war und der bisherige Voi-stand Hofrath Prof. Dr. Reiche n-
bach in der That auch 30 Jahre lang ohne Unterbrechung an der Spitze der
Gesellschaft gestanden hatte, war in den neuen Bestimmungen ein Wechsel
in der Person desselben in der Weise vorgesehen, dass der für ein Jahr
gewählte erste Vorsitzende zwar im nächsten Jahre wieder wählbar war,
nach Ablauf desselben aber mindestens zwei Jahre vergehen mussten, ehe er
an dieselbe Stelle berufen werden konnte. Diese Bestimmung war ge-
troffen, um der Gesellschaft immer neue Kräfte in ihi'em Vorstande zu-
zuführen und frisches Leben in derselben zu erhalten. Die Leitung der
Gesellschaft wurde einem Directorium und einem Verwaltungsrathe unter-
stellt. Ersteres sollte aus den beiden Voi'sitzenden, den Sectionsvorständen
und den beiden Secretären, letzterer aus dem zweiten Vorsitzenden, dem
zweiten Secretär und sechs wirklichen Mitgliedern, von denen je zwei alljähr-
lich auszuscheiden hatten, aber wieder wählbar waren, gebildet werden. Dem
ersten Vorsitzenden lag die Leitung der wissenschaftlichen Thätigkeit und
der inneren Angelegenheiten ob, soweit sie nicht als vermögensrechtlicher
Natur dem Verwaltungsrath zukamen, dem zweiten Vorsitzenden die Ober-
aufsicht über das Besitzthum der Gesellschaft, dem Kassirer die vermögens-
rechtliche Vertretung in allen gerichtlichen und aussergerichtlichen Ange-
legenheiten. Die Redaction der Jahresberichte wurde einem Redactionscomite
übergeben, das aus dem ersten Vorsitzenden, dem ersten Secretär und je
einem Delegii-ten aus jeder Section bestehen sollte; für den Vertrieb der
Berichte wurde ein besonderer Agent bestimmt. Der früher bestehende
Unterschied zwischen „vortragenden" und „befördernden" Mitgliedern wurde
aufgehoben und statt deren nur „wirkliche" aufgenommen, deren Aufnahme
in einer Hauptversammlung nach Anmeldung in der vorhergehenden erfolgte.
Die Jahresbeiträge der Mitglieder wurden von 2^2 auf 3 Thlr. erhöht.
Am Ende des Jahres 1865 legte der bisherige Secretär Dr. Drechsler
sein Amt nach It jähriger erfolgreicher Thätigkeit nieder. Bei der gleich-
zeitig mit den Schlussberathungen über die neuen Statuten vorgenommenen
Wahl des Directoriums für IS66 wurden die bisher thiitigeu Mitglieder
desselben wiedergewählt, als ersten Sceretär ersah die Gesellschaft Ober-
lehrer Dr. Ebert, als dessen Stellvertreter Oberlehrer Besser. Da Geh.
Hofratli Prof. Dr. Reichenbach und Dr. Ebert die auf sie gefallene
Wahl nicht annahmen, niusste in der ersten Hauptversammlung 1S66 eine
Ergänzungswahl vorgenommen werden und bestand das Directorium nach
derselben aus Geh. Justizrath Dr. Siebdrat als erstem, Lehrer Zschau
als zweitem Voi'sitzenden , Apotheker Bley als erstem und Oberlehrer
Besser als zweitem Secretär, Kaufmann Schmorl als Kassirer und
Lehrer Gerstenberger und Lehrer A. Weber als Bibliothekaren.
Geh. Justizrath Dr. Siebdrat eröftnete die ei-ste von ihm geleitete
Hauptvei-sammlung mit einer Ansprache an die Mitglieder, in welcher er
auf die Verhältnisse hinwies, unter denen er sein Amt angenommen habe,
daas er aus der Wahl seiner Person als einer dem juristischen Geschäfts-
kreise angehörenden schliessen müsse, dass die Gesellschaft auch ihren
geschäftlichen Angelegenheiten ein besonderes, erhöhtes Interesse zugewandt
wissen wünsche, dass er aber neben diesem die Wissenschaft stets als
Leitstern fiir die Isis betrachten werde.
Im März wurde der Gesellschaft bekannt gegeben, dass das hohe
Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts am 9. März 1866 die
neuen Statuten genehmigt habe, womit die in den letzten Monaten des
Vorjahres durchgeführte Reorganisation der Isis als glücklich beendet
angesehen werden durfte und eine neue Periode ihrer Entwickelung begann.
Der auf Grund der neuen Statuten gewählte Verwaltungsrath, ausser dem
zweiten Vorsitzenden und dem zweiten Secretär aus Maler Fischer,
Prof. Dr. Geinitz, Photograph Krone, Bankier Na wradt, Dr. Sophus
Rüge und Vicepräsident Dr. Sickel gebildet, unterzog sich sofort der
schwei*en Aufgabe, die Finanzen der Gesellschaft zu regeln, und gelang
es seiner, von der Opferwilligkeit der Mitglieder unterstützten Thätigkeit,
das Gleichgewicht zwischen Einnahme und Ausgabe bald herzustellen und
die noch schwebenden Verpflichtungen bis Ende des Jahres zu beseitigen.
Zugleich mit dem Wunsche nach einer Neugestaltung der Isis hatte
sich auch das Bedürfniss immer geltender gemacht, ein geeigneteres Ver-
sammlungslokal zu erlangen. Der bisher für die meisten Sitzungen noch
benutzte botanische Hörsaal der chirurgisch -medicinischen Akademie bot
nur ungenügende Beleuchtung durch Oellampen, auch hatten die Mitglieder
im Whiter oftmals durch Kälte zu leiden. Der zur Aufstellung der
Bibliothek benutzte Raum war sehr eng, feucht und feuergefährlich, w^o-
durch zu befürchten stand, dass die Bücher bei längerer Aufstellung in
demselben Schaden nehmen möchten. Aus diesen Gründen entschloss
sich die Gesellschaft, ein anderes Lokal zu suchen, und wurde der
von J*rof. Dr. Geinitz gemachte Vorschlag, die Direction der K. poly-
technischen Schule um Gewährung eines geeigneten Sitzungssaales zu
ersuchen, angenommen. Massgebend für die Wahl dieses Gebäudes w^ar
zunächst die dadurch gebotene Vermeidung der vorher angedeuteten Uebel-
8
stände, sodann auch die grössere Wohlfeilheit des neuen Versammlungs-
ortes und seine Lage inmitten der Stadt. Auf ein dahin gerichtetes Gesuch
stellte die Direction der K. polytechnischen Schule am 21. Februar 1866
mit dankenswerther Bereitwilligkeit der Isis ein geräumiges Auditorium
zur Disposition und hielt bereits am folgenden Tage die Section für
Botanik in dem neuen Versammlungslokale ihre Sitzung ab.
Leider war es nicht möglich, die Bibliothek in demselben Gebäude
aufzustellen und musste sie von dem Sitzungslokale getrennt werden. Ein
geeigneter Ort für ihre Aufstellung wurde vom Bibliothekar Friedrich
Richter in dessen Hause, am See 23a, für 60 Thlr. jährlich gemiethet
und siedelte die Bibliothek sehr bald dahin über. Dank der Thätigkeit
der Bibliothekare konnte bereits am 19. Juli der Hauptversammlung mit-
getheilt werden, dass die Aufstellung der Bücher beendet und die Bibliothek
Montags und Sonnabends von 12 bis 1 Uhr Mittags und Donnerstags
Abends von 6 bis 7 Uhr geöfifnet sei.
Um den Mitgliedern eine Uebersicht über die im Laufe eines Jahres
stattfindenden Sitzungen zu geben, wurde von jetzt ab der in den letzten
Jahres-Hauptversammluugen nur im Entwurf mitgetheilte Isiskalender ge-
druckt und jedem Mitgliede zu Beginn eines neuen Jahres in einem
Exemplare überreicht. Die bisher übHche Reihenfolge der Sitzungen
behielt man auch in Zukunft bei, dagegen machte sich für die folgenden Jalire
eine Verlegung der Hauptversammlungen vom dritten auf den letzten
Donnei'stag jeden Monats nöthig infolge einer Verordnung des hohen
Ministeriums des Kgl. Hauses, an welches sich die Isis nach einer
Weigerung des Geli. Hofrath Prof. Dr. Reichenbach, den Höi-saal des
Zw'ingergebäudes für die Hauptversammlungen, wie es ihr seit länger als
25 Jahren gewährt worden war, noch fernerhin zur Benutzung zu gestatten,
gew3ndet hatte.
Die Zahl der Mitglieder nahm im Laufe der Jahre stetig zu und
war bereits im Mai 1866 auf 200 wirkliche, 88 Ehren- und 236 cor-
respondirende Mitglieder gewachsen. Leider hatte die Gesellschaft auch
manche Verluste zu beklagen, namentlich ist hier des am 9. Mai 1866
verschiedenen Oberst A. v. Gut hier zu gedenken, eines Mannes, der seit
seinem Eintritt in die Isis im Jahre 1843 sich eifrigst an den wissen-
schaftlichen Verhandlungen derselben betheiligte, in ihr stets die Früchte
seiner zahlreichen geologischen Untersuchungen zum Vortrage brachte,
auch seit 1865 das Amt eines zweiten Vorsitzenden der Section für
Mineralogie verwaltete.
Im Jahre 1867 traten Prof. Dr. Schlömilch und Geh. Justizrath
Dr. Siebdrat als Vorsitzende an die Spitze der Gesellschaft; als erster
Secretär fungirte Apotheker Bley, als dessen Stellvertreter Überlehrer
Kngelhardt, als Bibliothekare Lehrer Gerstcnberger imd Bibliothekar
Richter, als Kassirer Hofbuchhänder Burdach. Im Jahre 1868 änderte
sich die Zusammensetzung des Directoriums nur durch Wahl des Prof.
9
Dr. Gcinitz zum ei-steu Vorsitzenden und des Assessor Jahn zum zweiten
Secretär.
Von inneren Angelegenheiten aus dieser Zeit sind nur einige Zusatz-
bestimmungen zu den Statuten zu erwähnen. Der durch dieselben
eingefülirte Modus der Anmeldung neuer Mitglieder änderte sich insofern,
als Anmeldungen auch in den zwischen den Hauptversammlungen ge-
legenen Sectionssitzungen gestattet wurden. Dem Verwaltungsrathe
wurde die Vorlage des Rechnungsabschlusses für das vergangene und
des Voranschlages für das neue Jahr nicht mehr in der letzten Haupt-
versammlung des ei-steren, sondeni in der ersten, spätestens zweiten
des letzteren zur Pflicht gemacht. Die Deschlussfähigkeit der Haupt-
vei-sammlungen machte man nicht mehr von der Anwesenheit des sechsten,
sondern nur des zehnten Theils der Mitglieder abhängig. — Um das
Interesse an dem Privatunteniehmen des zoologischen Gartens in Dresden
zu bethätigen, wurde eine Actie desselben angekauft, eine zweite von einem
Mitgliede, Präsident Dr. Sickel, geschenkt. Die dazu gehörigen Frei-
karten erhielten zwei Mitglieder mit der Vei'pflichtung, über alle Vor-
kommnisse in dem zoologischen Garten zu referiren und denselben auf
diese Weise der Gesellschaft nutzbar zu machen.
Im Jahre 1869 trat im Directorium ein Wechsel nur in den Personen
der beiden Vorsitzenden und des zweiten Secrctärs ein, und wurden
Generalstabsai-zt Dr. Günther, I^of. Dr. Geinitz und Advokat
E. Schmidt für diese Aemter erwählt. Von wichtigeren Beschlüssen aus
diesem Jahre ist der der Hei-stellung eines gedruckten Bibliothekskataloges
und der Neuaufstellung der Bibliothek hervorzuheben. Zu diesem Zwecke
wurde eine aus Oberlehrer Besser, Prof. Dr. Hart ig, Staatsrath Dr.
Schieiden und Lehrer A. Weber gebildete Kommission niedergesetzt,
welche sich zunächst über die Prinzipien der Aufstellung und Katalogisirung
der Bibliothek zu einigen und der Hauptversammlung geeignete Vorschläge
vorzulegen hatten. Während bisher die Bücher fortlaufende Nummern
trugen, was eine Uebei-sicht kaum ermöglichte und das Aufsuchen ausser-
ordentlich erschwerte, entschied sich die Kommission für Trennung
der Bücher in Abtheilungen nach den einzelnen Wissenschaften, alpha-
betische Ordnung und Numerii-ung jeder Abtheilung mit 1 beginnend.
Die Gesellschaft stimmte diesen Vorschlägen am 26. August zu und nahm
das Anerbieten ihres ersten Secretärs, Apotheker Bley, einen neuen
Katalog bis Ende des laufenden Jahres unentgeltlich auszuarbeiten, mit
Dank an.
Die Zahl der Sectionen wurde auf Antrag des Prof. Dr. Geinitz im
November d. J. um eine Section für vorhistorische Forschungen erweitert
und damit die Bestrebungen und Arbeiten der Isis auf ein bisher von ihr
nur wenig berücksichtigtes Gebiet ausgedehnt. Die Sitzungen dieser Section
fanden vorläufig je zweimonatlich ein Mal an einem Donnerstage statt.
Die Mitgliederzahl war seit 1866 beträchtlich gewachsen und gehörten
zu Ende des Jahres 1869 262 wirkliche, 126 Ehren- und 257 correspon-
10
clirende Mitglieder der Isis an. Uurcli den Tod verlor sie aiu 1 5. December
1868 den langjährigen früheren Vorsitzenden der Section für Mathematik,
Physik und Chemie, General J. A. Törmer, und am 28. Juli 1869 den
Geheimrath und Kgl. Leibarzt Dr. med. A. G. Carus, Präsident der
Kais. Leopoldinischen Akademie, eine bedeutende wissenschaftliche Autorität,
welcher der Isis seit 1856 als w^irkliches Mitglied angehörte.
In den Jahren 1870 und 1871 waren ßegierungsrath Prof. Schneider
und Prof. Dr. Hart ig Vorsitzende der Gesellschaft. Für den von seinem
Amte zurückgetretenen ersten Bibliothekar war Maler C\ Sei'del gewählt,
für die übrigen Aemter die früheren Beamten bestätigt worden. Das neue
Genossenschaftsgesetz vom 15. Juni 1868 machte in dieser Zeit eine Revision
der 1866 bestätigten Statuten noth wendig, da die Eintragung der Isis ins
Genossenschaftsregister auf Grund jener verweigert worden war. Gemäss
den Bestimmungen dieses Gesetzes musste ausser dem Directorium noch
ein aus den beiden Vomtzenden und dem Kassirer gebildeter Voi-stand
genannt werden, dem die Vertretung der Gesellschaft in gerichtlichen und
aussergerichtlichen Angelegenheiten oblag, während nach den bisherigen
Statuten der Kassirer allein die Gesellschaft in solchen vertreten hatte.
Die vom Directorium und Verwaltungsrathe , unter Berücksichtigung der
im Jahre 1868 getroflenen Zusatzbestimmungen, vorgeschlagenen Aendc-
rungen der Statuten wurden in der Hauptvei-sammlung am 30. Juni
1870 genehmigt, und auf Grund der revidiilen Statuten die Isis am
15. December d. J. in das Geuossenschaftsregister fiir die Stadt Dresden
eingetragen.
Der in Folge der rühmensweilhen Thätigkeit der Herren C. Seidel
und C. Bley bis Ende 1870 fei*tiggestellte neue Bibliothekskatalog gelangte
am 25. November zur Ausgabe. Die Druckkosten desselben deckte eine
unverzinsliche, binnen 5 Jahren ratenweise getilgte Anleihe, welche von
mehreren Mitgliedern gezeichnet worden war.
Am 13. August 1871 verlor die Gesellschaft durch den Tod ein durch
seine Vorträge aus dem Gebiete der vergleichenden Anatomie und der
Paläontologie verdientes Mitglied, Generalstabsarzt Dr. Günther, welcher
1869 der Gesellschaft, 1870 der zoologischen Section als erster Vorsitzender
vorgestanden hatte.
Im Jahre 1872 ül)ernahm Prof. Dr. Fleck den Vorsitz, während
die übrigen Beamten mit Ausnahme des bisherigen ei-sten Bibliothekars,
der eine Wiederwahl ablehnte und durch Lehrer Osniar Thüme ersetzt
wurde, in ihren Aemtern verblieben. Der am 24. September 1872
erfolgte Tod des verdienstvollen Vereinskassirers, Hofbuchhändler Bur-
dach, machte eine Neuwahl noth wendig und wurde für dieses Amt
Hofbuchhändler Warnatz ersehen. Im Jahre 1873 waren Vorsitzende
der Gesellschaft Geheimer Regierungsrath von Kiesenwetter und
Regierungsrath Prof. Schneider. Zu erwähnen sind aus dieser Zeit
die Verhandlungen über die Verwendung der „Reichenbach -Stiftung",
welche, seit ihrer Gründung im Jahre 1860 von der Isis verwaltet,
eiDeu KapitalbesüiDtl von 251 Thlr. 16 Ngr. 7 11g. erreicht hatte.
Da seit einer Reihe von Jahren Einzahlungen zu dieser Stiftung nicht
weiter geleistet worden waren, Hess sich die Erreichung ihres bei
der Gründung bezeichneten Zweckes nicht mehr erwarten, und beschloss
die Gesellschaft am 27. Februar 1873, die zu dci-selben gehörigen Gelder
und Werthpapiere an Director Dr. Drechsler, Dr. Schaufuss und
Prof. Sussdorf, welche die Beiträge eingeliefert hatten, zurückzugeben,
um in Gemeinschaft mit Geh. Hofrath Prof. Dr. Ileichenbach über
deren weitere Verwendung zu verfügen.
Das 1873 gedruckte Mitgliederverzeichniss führt 278 wirkliche, 130
Ehren- und 271 correspondireude Mitglieder auf.
Während der Jahre 1874 und 1875 übernahmen Hofrath Prof. Dr.
Geinitz und Geh. Regierungsrath von Kiesenwetter den Vorsitz. Die
Uebcrsiedelung der Kgl. polytechnischen Schule in neue Räume und die
durch die veränderte Bestimmung des alten Gebäudes nüthig werdenden
baulichen Veränderungen in demselben, zwangen auch die Isis, sich ein
neues Sitzungslokal zu suchen, und trat der Vorstand mit dem Verein für
Erdkunde über Mitbenutzung von dessen Räumlichkeiten in Verhandlungen,
welche im Juni 1875 ihren Abschluss durch einen Vertrag fanden, in
welchem der Isis die Mitbenutzung der Vei*samndungsräume des Vereins
für Erdkunde in dem Hause der kleinen Brüdorgasse Nr. 11 gegen eine
jährliche Entschädigung von 225 Mk. gestattet wurde. Die letzte Sitzung
in dem alten Lokale fand am 26. August statt, die erste im neuen am
30. September, in der Zwischenzeit fielen die Sectionssitzungen aus. Auch
die Bibliothek siedelte in einen für ihre Aufbewahrung im dritten Stock des-
selben Gebäudes gemietheten Raum über ; am 30. September wurde sie zu
einem höheren Betrage als bisher wieder versichert. Der Direction des Kgl.
Polytechnikums sprach die Gesellschaft beim Verlassen ihres zeither be-
nutzten Versammlungslokales ihren Dank aus; den bisherigen zweiten
Bibliothekar, Privatus F. Richter, ernannte sie für seine uneigennützige
Ven^'altung der Bibliothek wiihrend der vergangenen 10 Jahre zum Ehren-
mitgliede.
Durch Beschluss der Hauptvei-sammlung am 25. November 1875 wurde
das Eintrittsgeld von 3 auf 5 Mk., der Jahresbeitrag der Mitglieder von
9 auf 10 Mk. erhöht, auch die Bestimmung getroffen, dass ein Mitglied
gegen einmalige Zahlung von 150 Mk. an die Gesellschaftskasse von allen
Jahi-esbeiträgen befreit sein sollte. Am IG. December genehmigte die
Hauptversammlung die Trennung der Section für Mathematik, Physik und
Chemie in zwei Sectionen, die für Physik und Chemie und jene lur
Mathematik.
In den Jahren 1876 und 1877 standen Geh. Regierungsrath von
Kiesen wetter und Rentier H. Ackermann, nach dessen am 23. April
1876 erfolgtem Tode Prof. Dr. Hart ig der Gesellschaft vor. Als zweiter
Secretär wurde Bergfactor Röscher, als zweiter Bibliothekar Freiherr
D. von Biedermann gewählt, welcher aber mit Ende des Jahres 1876
12_
sein Amt niederlegte, worauf im folgenden Jahre Oberlehrer Engel hardt
und Bergingenieur Dittmarsch lezteres Amt mit aller Sorgfalt verwalteten.
Das Jahr 1876 brachte der Gesellschaft manche sehr fühlbare Ver-
luste. Am 17. Januar starb Geh. Justizrath Dr. Siebdrat, welcher im
Jahre 1865 an der Revision der Statuten hervorragenden Autheil ge-
nommen, von 1866—1868 dem Vorstande und seit dieser Zeit dem Ver-
waltungsrathe angehört hatte. Seiner Thätigkeit verdankt die Isis wesent-
lich die Rückkehr in geordnete Verhältnisse, welche durch unliebsame
persönliche Verhältnisse erschüttert worden waren. Des Todes des zweiten
Vorsitzenden H. Ackermann ist bereits gedacht w^orden. Auf einer,
mineralogischen Studien am Vesuv und Aetna gewidmeten Reise erkrankte
er in Catania auf Sicilien und verschied dort nach kurzem Krankenlager
am Typhus. Seinen interessanten Vorträgen verdankt die Gesellschaft
manche Förderung ihrer Ziele, noch im Tode zeigte er seine Anhänglich-
keit an die Isis durch ein Legat von 5000 Mk., welches er zu Bibliotheks-
zwecken ihr testamentarisch aussetzte.
In dem seit Michaelis 1875 benutzten Miethlokale wurden die Sitzungen
nur zwei Jahre lang abgehalten, da sich dasselbe in mancher Hinsicht der
vollen Entwickelung wissenschaftlicher Thätigkeit nicht günstig erwies.
Namentlich konnten die in den Sitzungen der mathematischen und der
physikalisch -chemischen Section oft nöthig werdenden Demonstrationen
und Experimente nur in sehr beschränktem Maasse zur Ausführung gelangen,
die Zugänglichkeit und Benutzung der Bibliothek war gegen früher sehr
erschwert und die für Miethe, Heizung und Beleuchtung alljährlich zu
zahlende Summe von ca. 450 Mk. stellte zu hohe Anforderungen an die
Kasse der Gesellschaft. Deshalb entschloss sie sich zu einem nochmaligen
Wechsel ihres Sitzungslokales und wandte sich an das hohe Ministerium
des Kultus und öffentlichen Unterrichts mit dem Ersuchen, ihr in den
Räumen des neuen Polytechnikums die Abhaltung ihrer Sitzungen zu ge-
statten und einen geeigneten Platz zur Aufstellung ihrer Bibliothek zu
gewähren. Dank dem freundlichen Entgegenkommen der Direction des
Kgl. Polytechnikums in der Person des Herrn Geh. Bergrath Prof. Dr.
Zeuner genehmigte das hohe Ministerium das Gesuch durch Verordnung
vom 28. März 1877.
Der auf Grund dieser Verordnung mit der Direction im Mai 1877
abgeschlossene Vertrag räumte der Gesellschaft das Recht ein, ihre
Sectionssitzungen und Hauptversammlungen, sowie die Sitzungen des
Directoriums und Verwaltungsrathes in geeigneten Lokalen gegen eine
jährliche Entschädigung von 130 Mk. für Heizung und Beleuchtung abzu-
halten; für Aufstellung der Gesellschaftsbibliothek wurde ihr ein Zimmer
in der ersten Etage des Polytechnikums überlassen und den Mitgliedern
die freie Benutzung des Lesezimmers und der Bibliothek des Polytechnikums
gestattet. Dagegen verpflichtete sich die Gesellschaft, die Mitbenutzung
ihrer Bibliothek auch den Angehörigen des Polytechnikums zu gewähren,
ihre Zeitschriften im Lesezimmer auszulegen und die Ausleihung der Bücher
13
dem Bibliothekscustos des Polytechnikums gegen eine jährliche Entschädiginig
zu übertragen.
Die Gesellschaft fühlt sich verpflichtet, auch an dieser Stelle dem hohen
Ministerium des Kultus und öflentlichen Unterrichts und der Diroction des
Kgl. Polytechnikums ihren wärmsten Dank ausziisprechen !
Wenn auch die Uebeifiiedelung in das vom Centrum der Stadt ent-
fenitere Polytechnikum für viele Mitglieder Unbequemlichkeiten beim
Besuche der Sitzungen verursachte und sich dadurch manche veranlasst
fühlten, denselben fem zu bleiben, so war sie doch in vielen Beziehungen
vom grössten Nutzen. Die reichen Sammlungen des Polytechnikums und
die vorzüglich eingerichteten Laboratorien für Physik und Chemie boten
die Möglichkeit, auch der Isis die neuesten Fortschritte dieser Wissenschaften
in ausgedehntester Weise vor Augen zu führen, die Bibliothek konnte
in weit unbeschränkterem Masse benutzt werden als bisher,, da sie an
allen Wochentagen während die Tagesstunden geöffnet ist.
Die erste Versammlung im neuen Lokale fand am 27. September 1877
statt, die Bibliothek war schon im Mai nach dem Polytechnikum überführt
und nach einer eingehenden Revision am 1. Juli 1877 wieder geöffnet
worden.
Mit der Uebersiedelung in das Kgl. Polytechnikum beginnt für die Isis
der jüngste Abschnitt ihrer Geschichte, der zwar nach Aussen wenig Be-
merkenswerthes bietet, nach Innen aber eine Periode reger, wissenschaft-
licher Thätigkeit bedeutet. Im Jahre .1 878 unternahm die Gesellschaft die
Herausgabe der wissenschaftlichen Ergebnisse einer von ihrem Mitgliede,
Oberlehrer Dr. Schneider, im Herbst 1875 nach dem Kaukasus aus-
geführten Heise als selbständige Publikation unter dem Titel „Natur-
wissenschaftliche Beiträge zur Kenntniss der Kaukasusländer", welche
Schrift ausser Beiträgen von Dr. 0. Schneider selbst noch Bear-
beitungen der von ihm im Kaukasus gesammelten Arachnoideen von
Dr. L. Koch, der Hemipteren von Dr. G. von Horvath, der Algen
und Diatomeen von Dr. A. Grunow, der Mineralien von Dr. A. Frenzel,
der Gesteine von Dr. H. Möhl und der Versteinerungen von Dr. H. P>.
Geinitz enthält.
Um eine leichtere Uebersicht über die bisher in den Jahresberichten
verstreueten grösseren Abhandlungen und die Aufnahme selbständiger Ar-
beiten der MitgUeder, über welche in den Sitzungen niclit berichtet werden
konnte, zu ermöglichen, wurde 1880 die Bestimmung getroffen, in Zukunft
die Abhandlungen von den Sitzungsberichten zu trennen, und erscheinen die
Jahresberichte seitdem unter dem Titel „Sitzungsberichte und Abhandlungen
der naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden". Die Redaction
derselben besorgt wie bisher ein besonderes Comite, welches aus dem ei-sten
Vorsitzenden, dem ersten Secretär und den sechs Sectionsvorständen besteht,
welche die Berichte über die Thätigkeit ihrer Sectionen zu verfassen und
ein Gutachten über Aufnahme von Abhandlungen aus dem Gebiete der von
ihnen veHretenen Fachsectionen zu geben haben.
H
Die 50jährige Wiederkehr des Tages, an welchem in Dresden eine
Anzahl Männer zusammentrat, um einen Verein zur Beförderung der Natur-
kunde zu gründen, bot am 20. December 1883 Veranlassung zu einer
kleinen Feier im Kreise der Mitglieder, bei welcher Gelegenheit der Vor-
sitzende der Gesellschaft, Prof. Dr. Drude, einen kurzen Rückblick auf
die vergangenen 50 Jahre gab.
Als Leiter der wissenschaftlichen Thätigkeit und der inneren Ange-
legenheiten der Gesellschaft war für das Jahr 1878 und 1S79 Geh. Bergrath
Prof. Dr. Zeuner erwählt worden. Nach ihm übernahmen 1880 Regierungs-
rath Prof. Dr. Hartig, 1881 Geh. Hofrath Prof. Dr. Geinitz, 1883 Prof.
Dr. Drude und 1884 Oberlehrer Engelhardt den Voi-sitz. Für das
Jubiläumsjahr 1885 wurde am 27. November 1 884 der Senior der Isis, Geh.
Hofrath Prof. Dr. Geinitz, wiederum an die Spitze berufen.
Die vermögensrechtlichen Angelegenheiten der Isis leiteten in den Jahren
1878 und 1879 Regierungsrath Prof. Dr. Hartig, 1880 und 1881 Ober-
lehrer Dr. Schneider, 1882 und 1883 Prof. Dr. Harnack, 1884 Prof.
Dr. Voss, für 1885 wurde Oberlehrer Dr. Helm als zweiter Vorsitzender
gewählt. Das Amt eines ersten Secretärs verwaltete von 1866 bis 1881
Apotheker Bley mit grosser Hingebung; nacli seinem Rücktritte wurde
Referent zu seinem Nachfolger gewählt. Als zweite Secretäre fungirten nach
einander Bergfactor Röscher (bis 1880), I^ehrer A. Weber (1881), Ober-
lehrer Dr. Schunke (1882 bis 1884) und Oberlehrer Vetters seit Beginn
dieses Jahres. Als ei*ster Bibliothekar ist seit 1872 Handelsschullehrer
0. Thüme, als sein Stellvertreter seit 1878 Prof. Dr. Vetter thätig.
Die Kasse der Gesellschaft verwaltet seit 1872 Hof buchhändler Warnatz.
Die Zahl der Mitglieder beträgt zur Zeit 214 wirkliche, 70 Ehren-
und 181 con-espondirende Mitglieder. Manche Lücken hat der Tod in
den letzten Jahren in die Reihen verdienter und thätiger Mitglieder der Gesell-
schaft gerissen, und sei hier nur an Prof. Dr. W. F. Beim, Präsident der
Kais. Leop. Carol. D. Akademie, (f 14 Mai 1878), Prof. Dr. med. E. Lösche
(t 25. Januar 1879), Geh. Hofrath Dr. L. Reichenbach (f 17. März
1879)*), Dr. F. Meh wald (t 1880), Geh. Regierungsrath von K iesenwetter
(t 18. März 1880), Dr. L. Rabenhorst (t 24. April 1881), Major a. D.
E. Westphal (t 7. Mai 1881), Staatsrath Prof. Dr. Schieiden (t 22. Juni
1881), Oberappellationsgerichts-Präsident a. D. Dr. K. Sickel (f 12. August
1881), Kaufmann F. L. Gehe (t 22. Juni 1882), Regierungsrath Prof.
B. Schneider (t 5. Februar 1883), Rentier E. Schür mann (t 26. No-
vember 1883) und F. C. Wilhelmi (f 1884) erinnert.
Auch der letzte der noch lebenden Stifter, welcher der Isis seit ihrem
Bestehen ununterbrochen angehört hatte, der pensionirte Kanzleisecretär
Carl Nagel, schied am 4. März 1883 aus ihrer Mitte. Die Isis wird
ihnen Allen ein dauerndes Andenken bewahren!
*) Einen von Dr. med Friedrich vcrfassten Nekrolog verj?l. Sitznngsbcr. der Isis
1879. S. 97—104.
15
Nach Nagel' 8 Tode weilt nur noch ehier jener Männer, welchen die (ic-
sellschaft ihre Gründung verdankt, Dr. med. Friedr. Theile in Lockwitz,
als thätiger Naturforscher unter den Lebenden. —
Während wir bisher nur die äussere' Entwickelung und den alhnählichen
Aufbau der heutigen Organisation unserer Gesellschaft betrachteten, ist
es unsere Pflicht, auch ihrer eigentlichen Wirksamkeit, ihrer wissen-
schaftlichen Thätigkeit während der letztvergangenen 25 Jalire mit wenigen
Worten zu gedenken.
Wohl kaum giebt es ein Problem oder eine Entdeckung von Bedeutung
auf naturwissenschaftlichem Gebiete, die nicht in dem Kreise unserer Mit-
glieder Interesse erregt hätte und in den Vei*sammlungen zur Besprechung
gelangt wäre, wohl kaum eine wichtigere Erfindung der Technik, die nicht
durch ihre Vertreter in unserer Mitte vorgeführt und erläutert worden
wäre — davon legen die 24 Jahrgänge unserer Sitzungsberichte Zeugniss
ab. Alle die Männer zu nennen, die durch ihre Vorträge belehrend und
anregend auf die Mitglieder eingewirkt haben, alle die Themata anzuführen,
die ilire Behandlung in den Sitzungen gefunden haben, kann nicht der
Zweck dieser Zeilen sein und soll hier nur auf einige der wichtigeren hin-
gewiesen werden.
Zunächst aber ist es eine Pflicht der Dankbarkeit, Dei-er zu gedenken,
welche sich durch Uebemahme des Vorsitzes in den Sectionen während der
letzten 25 Jahre theils durch eigene Vorträge, theils durch Heranziehung
geeigneter Kräfte zu solchen besondere Verdienste um Belebung der wissen-
schaftlichen Thätigkeit in der Gesellschaft erworben haben, als Vorstände
der Sectionen für
Zoologie :
186L Dr. C. F. Voigtländer und Dr. med. Fr. Küchenmeister.
1862. Dr. L. Reichenbach und Dr. C. F. Voigtländer.
1863—1865. Dr. L. lleichenbach und Dr. L. Schaufuss.
1S66. Dr. med. Fr. Küchenmeister und Th. Ileibisch.
1867. Th, Reibisch und Dr. R. Ebert.
1868. Dr. W. F. Behn und Th. Rei bisch.
186«. Dr. R. Ebert und Dr. W. Abendroth.
1870. Dr. med. A. F. Günther und Dr. R. Ebert.
187L Th. Kirsch und Dr. R. Ebert.
1872. Hellmuth von Kiesenwetter und Dr. Hilgendorf.
1S73. H. von Kiesenwetter und Dr. J. von Markusen.
1874. H. von Kiesenwetter und Th. Reibisch.
1875. H. von Kiesenwetter und Dr. B. Vetter.
1876-1S77. Dr. B. Vetter und Dr. R. Ebert.
1878. H. von Kiesenwetter und Dr. R. Ebert.
1879—1880. H. von Kiesenwetter und Dr. B. Vetter.
1881. Dr. B. Vetter und Cl, König.
1882—1883. Dr. B. Vetter und Dr. R. Ebert.
1884—1885. Dr. R. Ebert und Th. Reibisch.
16
Botanik :
1861—1864. G. F. Reinicke und G. F. Krause.
1865. G. F. Reinicke und H. S. Neumann.
1866. W. 0. Helmert und C. E. Besser.
1867-1868. O.E. Besser und C. F. Seidel.
1869— 1S70. (f. A. Lassig und F. A. Weber.
1871. Dr. M. Schieiden und Dr. AI. Hofmann.
1872. Dr. AI. Hofmann und 0. Thüme.
1873—1874. 0. Thüme und F. C. Wilhelmi.
1875. C. F. Seidel und 0. Thüme.
1876. G. Ad. Petzold und C. F. Seidel.
1877. G. Ad. Petzold und Dr. R. Ebert.
1878. C. F. Seidel und G. Ad. Petzold.
1879. C. F. Seidel unä R. H. Müller.
1880-1881. Dr. 0. Drude und C. F. Seidel.
1882. Dr. 0. Drude und Dr. R. Kell.
1883. Dr. R. Kell und F. A. Weber.
1884— 1 885. Dr. 0. Drude und F. A. Weber.
Mineralogie und Geologie:
1861 — 1864. Dr. H. B. Geinitz und E. Zschau.
1865-^ 1866. Dr. H. B. Geinitz und Aug. von Gutbier.
1867. Dr. H. B. Geinitz und E. Zschau.
1868. E. Zschau und Fr. Otto.
1869—1871. Dr. H. B. Geinitz und E. Zschau.
1872. Dr. H. B. Geinitz und J. G. Klemm.
1873-1875. Dr. H. B. Geinitz und E. Zschau.
1876—1881. Dr. H. B. Geinitz und H. Engelhardt.
1882-1883. H. Engelhardt imd A. Purgold.
1884—1885. A. Purgold und E. Zschau.
Prähistorische Forschungen:
1870-1871. Oberstlieutenant 0. Schuster und Dr. F. Mehwald.
1872. J. G. Klemm und Dr. F. Mehwald.
1873. Dr. F. Mehwald und D. von Biedermann.
1874 — 1875. Oberstlieutenant 0. Schuster und Dr. F. Mehwald.
1S76. Obei-stlieutenant 0. Schuster und D. von Biedermann.
1S77-1878. Oberstlieutenant 0. Schuster und Dr. H. B. Geinitz.
1879— ISSI. Dr. L. Caro und W. Osborne.
1882. Dr. L. Caro und E. Fischer.
1883. Dr. H. B. Geinitz und E. Fischer.
1884. Dr. H. B. Geinitz und H. Wieohcl.
1885. D. von Biedermann und W. Osborne.
17
Mathematik, Physik und Chemie:
1861 — 1865. J. A. Türmer, Dr. A. Drechsler und G. Sussdorf.
1866. Dr. C. Neumann und Dr. E. G. Kahl.
1867. Dr. E. Hartig und Dr. C. Neumann.
1868. Dr. 0. Schlömileh und Dr. E. Hartig.
1869. B. Schneider und Dr. E. Hartig.
1870. Dr. H. Klein und Dr. W. Fränkel.
1871. Dr. W. Fränkel und Dr. Weinhold.
1872. G. A. Neubert und Dr. G. H. Hoffmann.
1873. Dr. G. H. Hoffmann und G. A. Neubert.
1874. G. A. Neubert und Dr. E. G. Kahl.
1875. Dr. C. Neumann und Dr. E. G. Kahl.
Physik und Chemie:
1876. Dr. C. Neumann und Dr. H. Fleck.
1877. Dr. A. Töpler und Dr. C. Neumann.
1878. Dr. A. Töpler und Dr. R. Schmitt.
1879—1880. Dr. W. Abendroth und Dr. C. Neumann.
1881. Dr. R. Schmitt und G. A. Neubert.
1882. Dr. R. Schmitt und Dr. W. Abendroth.
1883-1884. Dr. W. Hempel und Dr. R. Schmitt.
1885. Dr. R. Ulbricht und G. A. Neubert.
Mathematik :
1876 — 1877. Dr. G. Zeuner und Dr. Königsberger.
1878. Dr. W. Fränkel und Dr. G. F. Helm.
1879. Dr. G. F. Helm und Dr. H. Burmester.
1880. Dr. H. Burmester und Dr. H. Klein.
1881. Dr. Ax. Harnack und H. T. Rittershaus.
1882. H. T. Rittershaus und Dr. Aur. Voss.
1883. Dr. Aur. Voss und Dr. G. F. Helm.
1884. Dr. G. F. Helm und Dr. W. Fränkel.
1885. Dr. W. Fränkel und Dr. H. Burmester.
Aus dem Gebiete der Zoologie sind zunächst die in früherer Zeit
zahlreich gehaltenen Vorträge von Geh. Hofrath Prof. Dr. Reichenbach zu
erwähnen, über Aflen, über Systematik der hirschartigen Thiere u. a. Ueber
die anthropoiden Affen des K. zoologischen Museums in Dresden und über
Vögel von Neu-Guinea sprach Hofrath Dr. A. B. Meyer, über die Repti-
lien und Fische Sachsens Dircctor Th. Reibisch und Osk. Klocke, über
die Gruppe der Pycnodontiden Prof. Dr. Vetter. Zahlreiche Mittheilungen
aus dem Gebiete der Entomologie verdankt die Isis Geh. Regierungsrath
von Kiesenwetter, Apotheker Kirsch, Bankier Nawradt, Dr. Stau-
dinger, Dr. Schaufuss und Lehrer Schiller; über den Schaden des
Borkenkäfers sprach Geh. Forstrath Dr. Judeich, über die Verheerungen
durch Phylloxera vastatrix Dr. Nase ho Id. Ueber Eingeweidewürmer gaben
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Oberlehrer Dr. Ebert, über Trichinen Medicinalrath Dr. Küchenmeister
und Prosector Dr. Voigtländer interessante Mittheilungen. Der Malako-
zoologie wendete namentlich Director Th.Rei bisch seine Aufmerksamkeit
zu. Ueber Quallen und Actinien verbreiten sicli Vorträge von Glasmodelleur
Blaschka. Seine reichen Erfahrungen über das künstliche Ausbrüten
des Vogeleies theilte Apotheker Baumeyer mit, über die künstliche Fisch-
zucht in Sachsen berichtete Prof. Dr. Nitzsche. Entwickelungsgeschicbt-
liche Fragen behandelten Prof. Dr. Vetter und Oberlehrer Dr. Ebert
Die Resultate der Tiefseeforschungen waren Gegenstand von Vorträgen des
Grafen Pourtales, des Generalstabsarztes Dr. Günther und des Rentier
Ackermann. Ueber Vivisection sprach Director Marquart, über die
Geschichte der Zoologie Geh. Regierungsrath von Kiesenwetter.
Von anthropologischen Vorträgen verweisen wir auf den von Prof.
Dr. K. Vogt aus Genf über Mikrocephalie und Atavismus, von Dr. med.
H. Klencke über das menschliche Gehirn und von Herrn von Blan-
dowski über die Ureinwohner Australiens.
Aus dem Gebiete der Botanik behandeln grössere Pflanzenfamilien Vor-
träge von Freiherrn von Biedermann über die Palmen, von Bankdirektor
Lässig und Maler C. Seidel über die Coniferen, von Prof. Dr. Drude
über die Orchideen, von Lehrer Weber über Compasspflanzen. In die
Kryptogamenkunde führten die zahh^eichen Vorträge von Dr. Rabenhorst,
in die Arbeiten Pasteur's über Gährungspilze Oberlehrer Reinicke ein.
Ueber Veränderungen in der Flora von Dresden berichtete Oberlehrer Wobst,
die Moosflora der Dresdener Haide lehrte Lehrer Schiller kennen. Floren
grösserer Gebiete besprechen die botanischen Reiseberichte von Garten-
director Krause, Hofgärtner Pos<jharsky und Dr. 0. Schneider aus
Salzburg, von Hofgärtner Neumann aus Tyrol und Dr. Alex. Hof-
mann aus der Schweiz, sowie die Vorträge von Maler C. Seidel über die
Flora der östlichen Sudeten und des Tatragebirges, von Dr. Kell über die
Flora des Kyfiliäuser und des Riesengebirges. Ueber die durcli mehr-
jährigen Aufenthalt in Australien gewonnenen Beobachtungen über die
Vegetation dieses Eidtheils verbreiteten sich Vorträge des Kaufmann
Wilhelmi. Aus dem Gebiete der Pflanzengeographie sind ausser früheren
Mittheilungen von Dr. med. Friedrich, Oberlehrer Reinicke und
Handelsschullehrer Thüme namentlich die Vorträge von Prof. Dr. Drude
hervorzuheben. P>gebnisse phytophänologischer Beobachtungen theilten
Prof. Dr. Drude, Oberförster Kos mahl und Oberlehrer Wobst mit.
Die Geologie und Mineralogie hat unter den Mitgliedern der
Isis stets viele Freunde gefunden. Vor Allem hat sich um Förderung dieser
Wissenschaften Geh. Hofrath Prof. Dr. Geinitz verdient gemacht durch
zahlreiche A'orträge, durch welche er den geologischen Bau unserer Erde,
insonderheit unseres engeren Vaterlandes, sowie die Flora und Fauna der
Vorwelt bekannt machte. Ueber den geologischen Bau von Gippsland
sprach Bergfactor Röscher, über die geologischen Forschungen in Nord-
amerika Geh. Hofrath Prof. Dr. Geinitz, über die Geologie Englands,
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Schottlands, der Capverdischen und Kaimeni-Inseln Dr. A. Stübel, der Insel
Wight Kapitän Boscavenibbetson, der Inseln Helgoland und Nordeniey
Ingenieur Carstens, des südlichen Norwegens Bergingenieur Di ttmar seh,
der Insel Elba Dr. 0. Schneider. Den geologischen Bau der Alpen be-
handelte ein Vortmg von Prof. Dr. Baltzer, Zürich, die Vergletscherung
Norddeuischlands und Skandinaviens Vorträge von Dr. Dathe, Oberlehrer
Cl. König und Oberlehrer Dr. Seh unke, das Klima der Eiszeit ein
Vortrag von Dr. H. Vater, lieber die Entstehung der Mai-schen sprach
Oberlehrer Dr. Ebert, üder die Sandformen der Dresdener Haide Oberst
v. Gut hier, ül)er den Erdbrand von Planitz bei Zwickau Dr. Funcke,
lieber die seit Auftreten des Menschen ausgestorbenen Thiere verbreiteten
sich Generalstabsarzt Dr. Günther und Prof. Dr. Behn, über diluviale
Thiere von Oelsnitz i. V. Oberst v. Gutbier; die Flora der Tertiärzeit
lehrte Oberlehrer Engelhard t, die Insectenwelt derselben Referent
kennen ; den Plänerversteinerungen des Plauenschen Grundes widmete Maler
E. Fischer Aufmerksamkeit. Mechanische und mikroskopische Gesteins-
analysen erläuterten Prof. Dr. Stelznor, Freiberg, und Dr. Pabst; den
Mineralreichthum Sachsens machten E. Zschau, den Erzreichthum des Altai
Obei-st V. Pischke l)ekannt. Uebor V^orkommen von Edelsteinen in der
sächsischen Schweiz gab Prof. Dr. Stelzner, über Silbervorkomnien in
Spanien Bergingenieur Engelmann, über sicilianischen Bernstein Dr.
0. Schneider, über Gewinnung des samländischen Herr v. Normann
Mittheilungen. Zahlreiche krystallograi)hische Beobachtungen, sowie mine-
ralogisch-geologische Reiseberichte theilte Ingenieur Purgold mit. Ueber
die neueste, den geologischen Karten von Sachsen zu Grunde gelegte
Genemlstabskarte sprach Oberst Vollborn.
Ueber die Fortschritte der vorhistorischen Archäologie berichtete
Oberstlieutenant 0. Schuster, über Funde aus der Vorzeit Skandinaviens
Dr. Mehwald. Die Pfahlbauten der Schweiz, die vorhistorischen Stationen
von Schussenried, Thayingen u. a. erläuterte Geh. Hofrath Prof. Dr. Geinitz
durch zahlreiche Vorlagen. P^ine Uebersicht über die Heidenschanzen
Deutschlands gab Oberstlieutenant 0. Schuster, über die vorhistorischen
Stationen des Elbthales in Sachsen Maler E. Fischer. Die slavische und
deutsche Besiedelung von Sachsen behandelte ein Vortrag des Geh. Rath
Prof. Dr. Meitzen, Berlin. Ueber Urnenfelder der Umgegend von Dresden
berichteten Geh. Hofrath Prof. Dr. Geinitz, Hofapotheker Dr. Caro,
Ingenieur Wiechel und Referent. Reiche Sammlungen vorhistorischer
Funde aus Prankreich und Sachsen legten Fräulein Ida v. Boxberg, aus
Böhmen Rentier Osborne, aus Sibirien 01)erst v. Pischke vor. Ueber
archäologische Excursionen in Nord -Frankreich gaben Oberstlieutenant
0. Schuster, über die Schliemann'schen Ausgrabungen in Troja Freiherr
D. V. Biedermann interessante Mittheilungen.
Von Vorträgen aus der Physik und Chemie seien hervorgehoben
die von Generalmajor Törmer, Major Dr. Kahl, Prof. Neubert und
Prof. Dr. Heger über Spectralanalyse, von Dr. C. Neu mann und
2*
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C. A. Hantzsch über Newton's und Göthe's Farbenlehre, von Geheimrath
Prof. Dr. Zeuner über die kritische Temperatiu-, von Oberlehrer Dr. Helm
über electrische Beleuchtung, von Prof. Dr. Lösche und Regierungsrath
Prof. B. Schneider über unterseeische Kabel und von Prof. Dr. Zetzsche,
Berlin, über das Telephon. Allgemeinstes Interesse erregten femer die von
zahlreichen Demonstrationen und Experimenten begleiteten Vorträge aus dem
Gebiete der Electricität und des Magnetismus von Geh. Hofrath Prof. Dr.
Top 1er. In die Fortschritte des Beleuchtungswesens führte Fr. Siemens
ein. Ueber zahlreiche, unter seiner Leitung im Laboratorium für organische
Chemie des K. Polytechnikums ausgeführte experimentelle Untersuchungen
berichtete Hofrath Prof. Dr. Schmitt, über seine Gasuntersuchungen
Prof. Dr. Hempel, über die von ihm ausgeführten Analysen Dresdener
Trinkwässer Hofrath Prof. Dr. Fleck, über den Einfluss von Bleiröhren-
leitungen auf Trinkwässer Apotheker C. Bley; über Theerfarben und
Thecrfarbenindustrie sprachen Dr. Naschold und Privatdocent Dr. Möhlau,
über Petroleum als Leuchtmittel Prof. Sussdorf, über den Bildungs-
prozess fossiler Brennstoffe, über Nahrung und Nahrungsmethoden Hofrath
Prof. Dr. Fleck, über Desinfectionsmittel Apotheker C. Bley. Das Ozon
war Gegenstand mehrerer Vorträge von Prof. Sussdorf und Dr.
Schumi ann. Schätzbare Mittheilungen über neue Entdeckungen auf
dem Gebiete der Physik und Chemie verdanken wir auch Prof. Dr.
Abendroth, Oberlehrer Dr. Hoffmann, Prof. Neubert, Dr. C. Neu-
mann, Major Dr. Kahl, Apotheker C. Bley.
Mit der Meteorologie beschäftigten sich Prof. Neubert, Hofrath Dr.
Drechsler, Privatdocent Photograph Krone, Maler E. Fischer und
Assistent J. Freyberg, mit den Fortschritten der Photographie Photo-
graph H. Krone.
Von astronomischen Vorträgen sind die des Hofrath Dr.
Drechsler, Dr. C. Neumann, Oberlehrer Dr. Hoffmann, Photograph
Krone und Oberlieutenant Opelt zu erwähnen.
Vorträge aus dem Gebiete der reinen und angewandten Mathe-
matik hielten Geheimrath Prof. Dr. Zeuner, Geh. Hofrath Prof. Dr.
Köuigsberger, Prof. Dr. Burmester, Prof. Rittershaus, Regierungs-
rath Prof. Lewicki, Prof. Dr. Harnack, Prof. Dr. Voss, Schriftsteller
0. Schniitz-Dumont, Prof. Dr. Klein und Oberlehrer Dr. Helm.
In verschiedene Zweige der Technik endlich führten Vorträge von
Regierungsrath Prof. B. Schneider, Regierungsrath Prof. Dr. H artig,
Baurath Prof. Dr. Fränkel, Baurath Prof. Dr. Mohr, Prof. Rittershaus,
Civiliugenieur Dr. Pro 11 ein.
Philosophische Themata behandelten Vorträge von Director Dr.
Drechsler, Dr. med. Pfaff, Geh. Regierungsrath v. Kiesenwetter,
Prof. Dr. Abel, Berlin.
Ueber Städtereinigung sprach Geh. Medicinalrath Dr. Günther,
über Veipäegung grösserer Truppenmassen im Kriege Hauptmann
21
V. Kretzschmar, über Festungsbelagerung General v. Abendroth,
über das Beamtenwesen China's Dr. Hirth aus China.
Die von einzelnen Mitgliedern unteniommenen grösseren Wissenschaft*
liehen Reisen führten auch der Gesellschaft reichen StoiF der Belehrung
zu, es sei hier erinnert an die Vorträge von Prof. Dr. Laube, Prag, über den
Verlauf der zweiten deutschen Nordpolexpedition, deren wissenschaftlicher
Begleiter er war, an die zahlreichen Vorträge von Oberlehrer Dr. Schnei-
der über Palästina, Egypten und den Kaukasus, von Photograph Krone
über die Aucklandinseln, von Rentier Ackermann über den Yellowstone
National Park, von Bergingenieur Bald auf über seine Reise nach dem
weissen Meere.
Gross ist die Zahl der Mitglieder, die es sich angelegen sein liessen,
durch kleinere Mittheilungen, Vorlagen von Naturgegenständen und durch
Fragstellung zur Anregung des wissenschaftlichen I^ebens in der Gesell-
schaft beizutragen.
Auch der naturwissenschaftlichen Literatur wurde besondere Aufmerk-
samkeit zugewendet, wie die zahlreichen Referate über neu erschienene
Schriften in den Sitzungsberichten und die von der botanischen und
zoologischen Section ins Leben gerufenen Literatur-Abende bezeugen.
Zur Förderung der Hiätigkeit unserer Gesellschaft trugen wesentlich
auch die gemeinschaftlichen Excursionen bei, welche während der Sommer-
monate in die Umgegend der Stadt, in grössere Gartenanlagen oder tech-
nische Etablissements ausgeführt wurden.
An den in Dresden zeitweilig tagenden Wanderversammlungen deutscher
naturwissenschaftlicher Gesellschaften nahmen auch die Isismitglieder regen
Antheil, so an der 42. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte
im September 1 868, sowie an den Versammlungen der deutschen geologischen
und der deutschen anthropologischen Gesellschaft im September 1874.
Einen Beweis der selbständigen wissenschaftlichen Thätigkeit vieler
Mitglieder legt die grosse Zahl der in den 24 Jahrgängen unserer
Sitzungsberichte enthaltenen Abhandlungen ab, unter denen namentlich
solche aus dem Gebiete der Mineralogie, Geologie, Paläontologie und Botanik
vertreten sind.
Die B i b 1 i 0 1 h e k ist in den letzten Jahrzehnten bedeutend ge waclisen. Im
Jahre 1835 mit dem ersten von der Gesellschaft gehaltenen Journale „Archiv
der Naturgeschichte von Wiegmann" gegründet und bis 1838 nur um vier
Bände gewachsen, bestand sie 1 860 bereits aus gegen 1 000 Zeitschriften und ein-
zelnen Werken, deren Zahl sich von Jahr zu Jahr immer vergrösserte und heute
etwa eine Höhe von ca. 2500 Nummern erreicht hat. Dieses rasche Wachs-
thum ist vor Allem auf die erweiterten Tauschverbindungen mit verwandten
Vereinen zurückzuführen. Nach Herausgabe eines eigenen Organes Hess es
sich die Gesellschaft jeder Zeit angelegen sein, in Beziehungen zu den
gleiche Ziele verfolgenden Vereinen zu treten, um ihren Mitgliedern auch
die wissenschaftlichen Forschungen weiterer Kreise zugänglich zu machen,
sodass heute ein wissenschaftlicher Verkehr mit 239 Gesellschaften des
22
In- und Auslandes stattfindet. Die hierdurch erhaltenen Schriften sind
vorwiegend allgemein naturwissenschaftlichen Inhalts, manche enthalten nur
Abhandlungen aus einzelnen Zweigen der Naturwissenschaften, nur wenige
deren aus Fächern, die in der Isis nicht speziell vertreten sind, wie
Geographie, Landwirthschaft, Geschichte u. a. Grossen Dank schuldet die
Gesellschaft vielen ihrer Mitglieder, die ihre Publikationen der Bibliothek
zum Geschenk machten und von denen manche, wie Barrand e's grosses
Werk über das böhmische Silurbecken, Kesselmeyer's Calendariura
perpetuum mobile, der „0(b'n" der Frau Kayser-Langerhanns einen
hohen Wei*th repräsentiren. Nur klein ist bei den geringen verfugbaren
Mitteln die Zahl der Zeitschriften und Bücher, welche die Isis alljährlich
ankaufen kann.
In gleich erfreulicherweise haben sich auch die finanziellen Ver-
hältnisse gehoben. Während das Budget des Jahres 1861 nur eine
Einnahme von 1539 Mk. angiebt, der eine Ausgabe von 1502 Mk. gegen-
übersteht, weist der Rechnungsabschluss von 1884 eine Einnahme und
Ausgabe von ca. 2800 Mk. nach. Dagegen besitzt die Isis ausser einem
Reservefond von 224 Mk. zur Zeit ein Kapital von 9850 Mk., welches sie
der hochherzigen, die Wissenschaft ehrenden Gesinnung ihrer Mitglieder
C. Kesselmeyer, H. Ackermann (f), J. Bodemer und L. Gehe (t)
verdankt. Ebenso ist die Gesellschaft ihrem Mitgliede Fabrikbesitzer
Fr. Siemens verpflichtet, welclier durch eine jährliche freiwillige Gabe
von 100 Mark zur Besoldung des Agenten für den Vertrieb der Zeit-
schrift beitrug.
Für alle diese Geschenke, die zur Förderung der selbständigen Ent-
wickelung unserer Gesellschaft wesentlich beigetragen haben, sprechen wir
auch hier nochmals unseren aufrichtigen Dank aus!
In gleicher Weise fühlen wir uns zu grossem Danke allen den Männern
verpflichtet, die durch ihre Thätigkeit in unserer Gesellschaft zu deren
Emporblühen beigetragen haben und den wissenschaftlichen Bestrebungen
der Mitglieder in jeder Weise förderlich gewesen sind. Viele von ihnen
weilen nicht mehr in unserer Mitte, ihr Andenken wird immer hoch
in Ehren gehalten werden. Möge es der Isis in Zukunft nie an solchen
freundlichen Förderern fehlen, möge sie am Ende des ersten Jahrhunderts
ihres Bestehens auf die vergangene Zeit mit gleicher Befriedigung wie jetzt
zurückblicken!
23
Beamten -Collegium der Isis im Jahre 1885.
Direotorium:
Erster Voraitzender ; Geh. Hofrath Prof. Dr. H. B. üeiuitz.
Zweiter Vorsitzender: Oberlehrer Dr. G. F. Helm.
Die Seclionsvorstände
für Zoolo{(ie: Oberlehrer Dr. R. Ebert,
für Botanik: Director und Prof. Dr. O. Drude,
für Mineralogie und Geologie: Bergingenieur A. Purgold,
für Physik und Chemie: Prof. Dr. R. Ulbricht,
für prähistorische Forschungen: Freiherr D. von Biedermann,
für Mathematik: Baurath Prof. Dr. W. Frank el.
Ei-ster Secretär: Dr. .F. Deichmüller.
Zweiter Secretär: Oberlehrer K. Vetters.
Verwaltungsrath :
Vorsitzender: Oberlehrer Dr. G. Helm.
Mitglieder: Apotheker H. Baumeyer,
Maler A. Flamant,
Commissionsrath E. Jäger,
Fabrikant E. Kühn seh erf,
Fabrikbesitzer und Ingenieur Fr iedr, Siemens,
Geheimrath und Director Prof. Dr. G. Zeuner.
K assiror : Hofbuchhandler H. Wa r n a t z.
Erster Bibliothekar: Handelsschullehrer O. Thüme.
Zweiter Bibliothekar: Professor Dr. B. Vetter.
Secretär: Oberlehrer K. Vetters.
Redactions - Comite
besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des zweiten Vor-
sitzenden und des zweiten Secretärs.
IL Abhandlungen.
Die Entwickelung der petrographischen Unter-
suchuiig8methoden in den letzten fünfzig Jahren.
Mit besonderer BerCcksichtigung der mechanischen Gesteinsanalyse.*)
Von Prof. Dr. Alfred Stelmep.
Bei der Feier des fünfzigjährigen Bestehens und Wirkens einer Gesell-
schaft, die sich die Pflege der Naturwissenschaften zur Aufgabe gestellt hat,
liegt CS nahe, einen Vergleicli zu ziehen zwischen den in den einzelnen
Disciplinen sonst und gegenwärtig bräuchlichen Arbeitsmethoden und zu
fragen, welche Erweiteningen und Vertiefungen die exacte Forschung im
Laufe der Zeit gewonnen hat.
Auf den nachfolgenden Blättern soll versucht werden, diese Frage
insoweit zu beantworten, als sie die Geologie und namenthch die Petro-
graphie betrifft.
Es wird daher zunächst ein kurzer Ueberblick über die allmähliche
Entwickelungsweise der Gesteinsuntersuchung gegeben, und hierauf die der-
malige Leistungsfähigkeit der letzteren an einigen Beispielen erörtert werden.
In einem i)etrographischen Arbeitszimmer der dreissiger Jahre mag
ausser ein paar Hämmern wenig mehr zu sehen gewesen sein als ein
Fläschchen mit Salzsäure und eine Lupe, allenfalls auch noch ein Sicher-
trog. Nimmt man dazu noch Karte und Kompass, so dürfte hiermit —
und mit ein paar guten Beinen, überhaupt der ganze Untersuchungsapparat
eines älteren Geologen genannt sein.
Die eratc Ergänzung und Erweiterung desselben betraf das Fläschchen
Salzsäure. Bereits in den zwanziger Jahren hatte man begonnen, Gesteine
chemisch zu analysiren und Gmelin hatte dal)ei schon 1828 die in
Salzsäure löslichen und unlöslichen Bestandtheile der Phonolithe gesondert
bestimmt. Hierdurch und durch manche weitere Analysen, so namentlich
durch diejenigen, welche Abich 1841 bis 1843 mit den Eruptionsproducten
*) Der Inhalt des uai'kfblgcndcn , auf AVunsch der Redaction zum Abdruck ge-
langenden Aufsatzes bildete das Thema eines Vortrages, den der Verfasser in der all-
gemeinen Sitzung der Isis vom 27. M&rz 1884 hielt,
fetttchrift der /t«r m Dresden, I88ö,
J6
italienischer, armenischer und südamerikanischer Vulkane vorgenommen
hatte, waren zwar verechiedene lehrreiche Resultate gewonnen worden —
immerhin w^urde die chemische Untersuchung der Gesteine bis 1847 doch
noch ziemlich lau betrieben.
In' dem zuletzt genannten Jahre, das man als das Geburtsjahr der
Geochemie bezeichnen dai-f, veröffentlichte G. Bischof zum ersten Male
sein Lehrbuch der chemischen und physikalischen Geologie, in welchem er,
gestützt auf eine bewundernswerthe Vielzahl von Thatsachen und ebenso
umsichtig wie überzeugend nachwies, „dass unsere Erde, so weit wir sie
kennen, ein grosses chemisches Laboratorium ist, worin seit der Schöpfungs-
periode ununterbrochen chemische Processe von Statten gehen, und so
lange von Statten gehen werden, als sie ihre Bahn um die Sonne be-
schreiben wird". Damit aber war der Geologie ein neues, vielversprechendes
und bald auch eifrig cultivirtes Forschungsgebiet erschlossen.
Insonderheit wurde jetzt Bunsen dazu angeregt, die vulkanischen
Gesteine, die er auf Island gesammelt hatte, zu analysiren (1851). Er
glaubte hierbei zu finden, dass alle diese nordischen Eruptionsproducte
hinsichtlich ihrer chemischen Zusammensetzung eine continuirliche Reihe
zwischen einem sauerst-en (normaltrachytischen) und einem basischsten
(normalpyroxenischen) Gliede bilden und nun sehen wir ihn selbst, seine
Schüler sowie zahlreiche andere Chemiker und Geologen darin wetteifern,
diese Reihe durch die Untersuchung der verschiedensten Gesteine aller
Länder zu ergänzen und zu festigen. Delesse und Durocher, Kjerulf
und Rammeisberg, Scheerer, Streng und zahlreiche andere Fach-
genossen sind in den Laboratorien so rastlos thätig, dass J. Roth bereits
1861 nahezu 1000 vertrauenswürdige Bausch- und Partialanalysen von
Gesteinen sammeln, kritisch zu einem Ganzen verarbeiten und seine müh-
samen Tabellen mit vollem Rechte als „eine nothwendige und unabweisliche
Ergänzung der Petrographie" bezeichnen kann.
Von den zahlreichen anderen, seit 1847 ausgeführten chemisch-ana-
lytischen Arbeiten, die unseren Einblick in den Chemismus der Erde, in
die Beschaffenheit ihrer festen Kruste, in die unaufhörlich sich abspielenden
Zerstörungen, Umwandlungen und Neubildungen der Mineralien und Ge-
steine zu vervollständigen trachten, kann hier abgesehen werden; denn
schon das Vorstehende wird genügen, um verständlich zu machen, dass aus
dem Fläschchen Salzsäure im Laufe der Zeit ein vollständig eingerichtetes
chemisches Laboratorium geworden und das geologische Untersuchungs-
gebiet in solcher Weise erweitert worden war, dass sich nachgerade eine
Arbeitstheilung zwischen Feldgeologen und chemischen Geologen vollziehen
musste.
Der Petrograph will aber nicht blos die chemische, sondern auch die
mineralogische Zusammensetzung der Gesteine ergründen und diejenigen
Gesetze klar stellen, welche die Differenzirung glutflüssiger Massen zu
27
einzelnen mineralischen Componenten , sowie Ausscbeidungsfolge und
Aggregatiousweise der letzteren bedingen.
Deshalb konnte ihm die von chemischer Seite zu Theil gewordene
Unterstützung, so werthvoU dieselbe auch war, doch nicht genügen; denn
die Gesteinsanalytiker selbst wiesen ja bald nach, dass die chemische Zu-
sammensetzung der Gesteine, trotz der so ausserordentlichen Verschieden-
heit dieser letzteren, in qualitativer und quantitativer Beziehung nur inner-
halb der oben genannten Grenzen schwankt, dass Gesteine von durchaus
verschiedener mineralischer Zusammensetzung und Structur, wie Gninit»
Quarzporphyr und Pechstein trotzdem eine gleiche chemische Zusammen-
setzung haben können und dass somit ausser der chemischen Beschaffenheit
der zur Eruption gelangenden Massen auch die bei der Ei-stanning der-
selben herrschenden physikalischen Zustände von einflussreicher Bedeutung
für das schliesslich entstehende Product sein müssen.
Durch die chemische Analyse konnte daher die optische Analyse
derselben nicht entbehrlich gemacht werden.
Diese letztere war aber noch eine sehr unvollkommene, denn die
älteren Petrogi-aplien besa^ssen eben zur Verstärkung ihrer eigenen Sehkraft
nur die einfache Lupe und diese genügte so wenig für das Studium der
weit verbreiteten, klein- und feinkörnigen Aggregate, dass man noch weit
davon entfernt blieb, von allen Gesteinen angeben zu können, welche
Mineralien ihre hauptsächlichsten Bestandtheile seien.
Es hatte zwar nicht an einzelnen Beweisen dafür gefehlt, dass die
Untersuchung von Gesteinspulver, von mineralischen Spaltblättchen und
Gesteinssplittern unter dem Mikroskope unser Erkenntnissvermögen steigern
könne — es sei hier nur an Cordier's Studien gepulverter und ge-
schlämmter Basalte (1815), an Brewster's noch heute werth volle Mit-
theilungen über Flüssigkeitseinschlüsse in Topas, Sapphir und anderen
Mineralien (1826), an die gegen Ende der zwanziger Jahre von Nicol
begonnene Herstellung von Dünnschliffen, die nun alsbald von Witham
zur mikroskopischen Untersuchung fossiler Pflanzen im durchfallenden
Lichte verwerthet wurde (1831) und endlich an diejenigen Resultate er-
innert, die Scheerer 1845 bei der mikroskopischen Untersuchung feiner
Splitter des Tvedestrander Sonnensteines und anderer Mineralien erhalten
hatte — , aber man war doch noch zu sehr mit geologischen Feldunter-
suchmigen, mit dem Studium der mehr und mehr sich anhäufenden Ver-
steinerungen und n)it der neu aufgekommenen Ausführung chemischer
Analysen beschäftigt, als dass man dem Mikroskope mehr als eine gelegent-
liche Beachtung geschenkt hätte.
Nur so wird es erklärlich, dass sich die deutschen Geologen dem
Mikroskope gegenüber selbst dann noch indifferent verhielten, als ihnen
Oschatz 1851 zum ersten Male eine Sammlung von Mineral- und Gesteins-
dünnschliffen vorlegte und auf die Bedeutung der letztei^en für Structur-
Studien hinwies. Man hatte eben noch kein Verständniss für die Trag-»
28
weite derartiger Untersuchungsmethoden, auch noch keine Uebung in der
Deutung der mikroskopischen Bilder und so überliessen denn die Geologen,
wie ich an einem Beispiele leicht zu erweisen vermöchte, die kleine von
Oschatz in den Handel gebrachte Präparatensammlung den physikalischen
Instituten als ein zu Demonstrationen geeignetes Curiosum.
Auch ein weiterer Anstoss, der die Petrographeu aus dieser, ihi-en
jüngeren CoUegen wohl geradezu unveratändlich ei*scheinenden Gleichgültig-
keit gegen eine vervollkommnete optische Untersuchung der Gesteine hätte
aufrütteln können, die von Sorby an DünnschliiTen und unter Anwendung
von durchfallendem und polarisirtem Lichte ausgeführte Arbeit über den
kalkigen Sandstein von Yorkshire (1851), ging noch spurlos vorüber.
„Da geschah es nun, dass in jener langjährigen Stagnation, während
welcher die fast gänzlicher Entmuthigung anheimgefallene mikroskopische
Forschung kaum einen wesentlichen Schritt vorwärts gethan hatte, Henry
Clifton Sorby in Sheffield im November 1858 (Quart, joum. of geol.
soc. XIV. 453) jene für alle Zeiten classische Arbeit veröffentlichte, welche
unter dem Titel „On the microscopical structure of crystals, indicating the
origin of minerals and rocks" eine Reihe mit bewunderungswürdigem
Scharfsinn durchgeführter Untersuchungen brachte, die ihren Einfluss noch
bis auf den heutigen Tag geltend machen Drei ganz neue Gebiete sind
es, auf denen sich hier die Forschung zum ersten Mal bewegt: die mikro-
skopische Structur der als Gemengtheile von Gesteinen auftretenden
Mineralien erfährt eine Prüfung, es werden die künstlich auf irgend einem
Wege gebildeten Krystalle in dieser Hinsicht mit ihnen verglichen und
diese Resultate geleiten dann hinüber zur endlichen exacten Lösung der
schwierigsten Fragen der genetischen Geologie, um welche seit dem Ende
des vorigen Jahrhunderts Kampf auf Kampf unablässig geführt worden war."
Zirkel, dessen „Einführung des Mikroskopes in das mineralogisch-
geologische Studium" Leipzig 1881 ich diese Bemerkung entlehne, machte
bald nach dem Erscheinen jener Sorby 'sehen Arbeit, im Jahre 1862,
durch einen glücklichen Zufall die persönliche Bekanntschaft mit ihrem
Verfasser und wurde nun infolge der hierbei erhaltenen Anregungen dessen
eifrigster Nachfolger in dem wieder erschlossenen Forschungsgebiete.
Den 1863 erschienenen „Mikroskopischen Gesteinsstudien" konnte er,
ausser manchen anderen wichtigen Arbeiten, bereits 1870 eine „Untersuchung
über die mikroskopische Zusammensetzung und Structur der Basaltgesteine"
folgen lassen und damit auch die deutschen Fachgenossen von der seither
ungeahnten Bedeutung und nunmehrigen Unentbehrlichkeit des Mikroskopes
bei mineralogischen und petrographischen Studien überzeugen. An Stelle
der früheren Gleichgültigkeit gegen das Mikroskop trat — zuerst in
Deutschland — ein so beispielloser Eifer in der Heratellung und Unter-
suchung von Dünnschliffen, dass sich binnen wenigen Jahren in allen
geologischen Arbeitszimmern Schleif- und Schneidmaschinen und neu
29
construirte, der Eigenartigkeit der petrographischen Untersuchung ent-
sprechende Polarisationsmikroskope eingebürgert hatten.
Eine reiche Ernte lohnte den Fleiss. Ich erinnere nur an die in
rascher Folge erscheinenden Arbeiten von Zirkel und Rosenbusch, von
Tschermak und Vogelsang, von Fischer, Bofickj^, Dölter, Cohen
und Klein, von Fouque und Michel Levy, von Törnebom, Cossa
und zahlreichen Anderen und damit zugleich an die Bereicheining unseres
Wissens von der mineralogischen Zusammensetzung der Gesteine, an die
Reformation der von Alters her ererbten und, wie sich jetzt herausstellte,
doch gänzlich haltlosen Associationsgesetze der Mineralien, an die p]r-
Weiterung unserer, nun das feinste Detail umfassenden Kenntniss von der
Structur der Gesteine, an die nun wesentlich vervollkommnete Interpretation
der chemischen Gesteinsanalysen, an die vielfache Umgestaltung, welche
unsere Vorstellungen von der Entstehungsweise der Gesteine und von der
unaufhörlich sich vollziehenden Wanderung und Wandelung der Stoffe im
anorganischen Reiche erlitten.
Kein Wunder, dass das Mikroskop schnell „Mode" wurde und dass
die weit mühsamere und umständlichere chemische Gesteinsuntei*suchung
eine Zeit lang — und über die Gebühr — vernachlässigt wurde.
1873 konnte die reiche Fülle neu gewonnener Thatsachen schon
systematisch zusammengestellt werden: von Zirkel in der „Mikroskopischen
Beschaffenheit der Mineralien und Gesteine", von Rosenbusch in der
„Mikroskopischen Physiographie der petrographisch wichtigsten Mineralien",
der dann 1877 des Letzteren „Mikroskopische Physiographie der massigen
Gesteine" nachfolgte.
Trotz alledem darf nicht vergessen werden, dass auch die Unter-
suchung von Gesteinen unter dem Mikroskope eine einseitige ist und um
deswillen auf gar manche Frage, die der Petrograph zu stellen hat, noch
immer keine Antwort zu geben vermag. Denn einestheils zeigen ja durch-
aus nicht alle in den Dünnschliffen zur Wahrnehmung gelangenden Gesteins-
elcmente Querschnittsformen, Spaltbarkeit, Färbungen und Polarisations-
erscheinungen, die zu ihrer specifischen mineralogischen Bestimmung aus-
reichen, und anderseits werden, selbst wenn derartige charakteristische
Eigenschaften zu sehen sein und zur Artbestimmung ausreichen sollten,
aus den lediglich optisch wahniehmbaren Charakteren nur in den seltensten
Fällen Schlüsse auf die besondere substantielle Beschaffenheit der erkannten
Minerale gezogen werden dürfen.
So wird es z. B. der Mikroskopiker oftmals unentschieden lassen müssen,
ob bräunlichrothe und isotrope Kömer, die er als Elemente eines Gesteines
wahrnimmt, Granat oder Spinell sind, ob einzelne kleine teti-agonale Kry-
ställchen als Rutil oder Zinnerz, ob wasserhelle doppelbrechende Querschnitte
als solche von Quarz, Sanidin oder Topas zu deuten sind, oder ob eine vor-
handene Hornblende der thonerdefreien oder der thonerdehaltigen Reihe
angehört und ein lichter Glimmer kali-, lithion-, kalk- oder uatronhaltig
30
ist. Gar raanche, nur auf die mikroskopische Untersuchung sich stützende
Angabe hat bereits corrigiii; werden müssen und manche andere, noch
heute übliche und zum Theil nur auf stillschweigender üebereinkunft be-
ruhende Deutung bedarf noch recht sehr der weiteren Bestätigung.
Es würde natürlich falsch sein, wenn man der mikroskopischen Unter-
suchung hieraus einen Vorwurf machen wollte! Dem Mineralogen, der
grössere Krystalle oder Aggregate untersucht, muthet ja auch Niemand zu,
dass er diese letzteren nur auf Grund der mit den Augen oder mit der
Lupe wahrnehmbaren Kennzeichen bestimme, sondern man gestattet ihm,
ja man verlangt sogar, dass er sein auf Grund des blossen Ansehens ge-
wonnenes Urtheil noch durch Ausmittelung von Härte und spec. Gewicht,
durch Prüfung des Löthrohrverhaltens oder, wenn nöthig, durch eine
chemische Analyse controlire und verschärfe.
Aus den erwähnten Mängeln konnte daher für den Mikroskopiker nur
die Forderung entspringen, auch mit seinen unmittelbaren Wahrnehmungen
noch andere Bestimmungsweisen zu combiniren.
Man liat dieser Forderung zunächst dadurch Rechnung zu tragen
gewusst, dass man chemische Ileactionen ausfindig machte, die selbst dann
noch charakteristische Resultate ergeben, wenn man einen oder einige wenige
Tropfen von Säure auf winzige Mineralsplitterchen einwirken lässt und die
eintretenden Erscheinungen erst unter dem Mikroskop wahrzunehmen
vermag. Insonderheit hat man sein Augenmerk auf die Kryställchcn
gerichtet, die sich alsdann bilden und aus ihrer jeweiligen Form Rück-
schlüsse auf die in dem zersetzten Splitterchen enthalten gewesenen Elemente
gestatten.
Ist es z. B. fraglicli, ob ein als Gesteinselement auftretendes, in Salz-
säure lösliches Silicat natriumhaltig ist, so genügt es, ein kleines Splitterchen
desselben auf ein Objectglas zu legen und hier mit einem Tröpfchen con-
centrirter Salzsäure zu bedecken. Bei Gegenwart von Natrium wird man
miter dem Mikroskop alsbald wahrnehmen, dass sich auf der Oberfläche
des Mineralkörnchens Hexaederchen von Chlornatrium entwickeln; oder
man versetzt ein Tröpfchen der eingedampften Lösung des Problematicums
mit einem Tropfen von essigsaurem LVanyl und wird diesmal bei Anwesen-
heit von Natrium die Entwickelung zahlreiclier gelblicher, sehr scharf
ausgebildeter Tetraederchen von essigsaurem Uranyl- Natrium beobachten.
Derartige mikrochemische Methoden, die sich in Zierlichkeit
und Schärfe den Löthrohrreactionen ebenbürtig zur Seite stellen — nach
Behrens lassen sich z. B. in einem Mineralkörnchen noch 0.0005 mgr GaO
durch Bildung von Gypskryställchen nachweisen — , sind namentlich durch
Streng (1876, 1883, 1884), durch Boficky (1877), Behrens (1881) und
Haushofer (1883) in Vorschlag gebracht worden und haben sich bereits
vielfach eingebürgert; aber freilich verlangen sie wegen der minimalen
Quantitäten, mit denen man arbeitet, sehr grosse Erfahrung und Sorgfalt,
und überdiess sind sie auch, wie Streng erst neuerdings wieder betonen
31
musste, bei sehr kleinen, in einem Gesteine eingewachsenen Mineralien in
den meisten Fällen nicht mehr anwendbar.
Unter solchen Umständen ist die seit 1879 wieder aufgekommene
mechanische Gesteinsanalyse, die sich eine Zergliederung der Gesteine
in ihre mineralischen Elemente zur Aufgabe stellt, die Möglichkeit er-
schliesst, ein jedes der gewonnenen Theilproducte für sich allein einer
quantitativen chemischen Analyse zu untenverfen, und ausserdem noch das
speciiische Gewicht der betreffenden Mineralien, also ein anderweites Merk-
mal ersten Ranges, zu ermitteln gestattet, als eine weitere und nicht minder
werthvoUe Ergänzung des petrographischen Apparates zu bezeichnen.
Die Anfange dieser, der nassen Aufbereitung des Bergmannes vergleich-
baren Methode gehen weit zunick, denn Cordier hatte sie bereits 1815
zur Untei-suchung des Basaltes benutzt. Indem er das Pulver desselben
mit Wasser schlämmte und jedes der hierbei erhaltenen Producte fiir sich
allein weiter untersuchte, gelang es ihm, den Nachweis zu führen, dass der
bis dahin fiir ein einfaches Mineral gehaltene Basalt thatsächlich ein
Mineralgemenge sei. Immerhin war die Methoile zunächst noch sehr
unvollkommen und allenfalls nur dann genügend, wenn es sich um die
Sonderung von in ihren Gewichten stark differirenden (iesteinselementen
handelte; zur Trennung des Quarzes, der verschiedenen Feldspäthe und
anderer in der Dichte sich näher stehender, dem Petrographen liesonders
häufig unter die Hände kommender Mineralien erwies sie sich nicht als
brauchbar.
Die Cordier'sche Methode pflegte daher citirt, aber nur in seltenen
Fällen angewendet zu werden.*)
Das gleiche Schicksal wurde auch einem Vorschlage zu Theil, der
1862 von F. G. Schaffgotsch gemacht worden war und darauf hinaus-
lief, die Dichte kleiner Körperchen durch Eintragen der letzteren in eine
mit ihnen gleich schwere Flüssigkeit zu bestimmen. Als eine solche
bezeichnete der Genannte u. a. die Lösung von saurem salpetei-saurera
Quecksilberoxyd in Wasser, die im concentrirten Zustande und bei
Zimmerwärme das specifische Gewicht von 3.3 bis 3.4 besitzt. Nachdem
der zu untersuchende Körper auf diese Flüssigkeit gelegt worden war,
wurde die letztere durch Zusatz von Wasser oder Salpetersäure so lange
verdünnt, bis jener Körper in ihr frei schwebend blieb. Alsdann wurde
auf irgend eine Weise das Eigengewicht der Flüssigkeit selbst bestimmt.
Von dieser Methode hat meines W^issens zunächst nur Jenzsch einen
Nutzen fiir die Petrographie zu ziehen gewusst, als er 1864 mit ihrer
Hilfe das specifische Gewicht und dadurch auch die Art der Feldspäthe,
die sich an der Zusammensetzung der verschiedenen Freiberger Gneisse
*) So neuerdings von Thürach 1884. Derselbe scLlemmte Gesteinspulver, Thonc,
Erden etc. in Porzellan schalen mit Wasser und isohrte dadurch grössere Mengen von
Zirkon, Rutil, Anatas und anderen schwereren Mineralien. (Ueb. d. York, mikroskop.
Zirkone etc. Würzburg. 1884).
32
betheiligen, bestimmte; dann ist sie aber bei den Geologen gänzlich in
Vergessenheit gerathen, theils vielleicht, weil diese letzteren in den sechziger
Jahren noch allzusehr von anderen als petrographischen Arbeiten in An-
spruch genommen waren, anderntheils wohl auch deshalb, weil die in
Vorschlag gebrachte schwere Lösung ihrer stark sauren Beschaffenheit
wegen auf zahlreiche gesteinsbildende Mineralien zersetzend einwirkt und
deshalb bei den mit ihr etwa beabsichtigten Separationsprozessen allerhand
unliebsame Störungen veranlasst.
Der Gedanke, welcher dem Vorschlage von Schaffgotsch zu Grunde
lag, könnt« ei-st praktische Verwerthung finden, nachdem es gelungen
war, schwere und zugleich in Bezug auf die gewöhnlicheren Gesteinselemente
chemisch indifferente Lösungen ausfindig zu machen. Dies geschah aber
1874 durch Sonstadt und 1874 durch Church. Beide lenkten die Auf-
merksamkeit der Mineralogen und Petrographen auf eine concentrirte
Lösung von Kaliumquecksilberjodid. Dieselbe wurde hierauf von Thoulet
(1879), namentlich aber von Goldschmidt (1881) probirt, als brauchbar
erkannt und bald darauf vielfach und in der erfolgreichsten Weise an-
gewendet.
Während Thoulet mit einer Lösung gearbeitet hatte, die l)ei 11 bis
15 ^ C. ein specifisches Gewicht von 2.77 besass, in welcher also noch
Quarz und Oligoklas schwammen, zeigte Goldschmidt, dass man die
Lösung bequem auf ein specifisches Gewicht von 3.196 (im Sommer auf
3.17) bringen könne, wenn man KJ und HgJg in dem Gewichtsverhältnisse
1 : 1.24 löse. Dann schwimmt noch blassrother Turmalin von Elba (3.04)
und es können nun die meisten Glimmer, alle Feldspäthe, Quarz, Nephelin,
Leucit, Zeolithe etc. von einander getrennt werden.
Eine noch dichtere Flüssigkeit wurde bald darauf (1881) durch
D. Klein in dem borwolframsauren Cadmium entdeckt. Dieses soll bei
15® C, das specifische Gewicht 3.281 erreichen, so dass in ihm auch, noch
die meisten Amphibole und Pyroxene, also weitere, petrographisch wichtige
Mineralien suspendiii; bleiben*). Endlich machte Rohrbach (1883) noch
auf BiU'iumquecksilberjodid mit dem specifischen Gewichte von 3.58 auf-
merksam; indessen kann das letztere, da es sich bei Zusatz von Wasser
zei*setzt, nur eine beschränkte Anwendung finden.
Die Arbeiten mit diesen Flüssigkeiten, die man kurzweg als Thoulet'sche
oder Goldschmidt'sche, bezw. Klein'sche Lösungen zu bezeichnen pflegt,
erfolgen nun ganz entsprechend dem Vorschlage von Schaffgotsch in
*) Die Klein'scLe Lösung, die ich von Th. Schuchardt in Görlitz bezogen habe,
hat das specifische Gewicht 3.410, so dass noch Olivin (3.348) schwimmt. Ausserdem
hat Klein angegeben, dass die Krystallc von Cadmiumborowolframat, welche sich aus
der concentrirten Lösimg absetzen und bei 75° in ihrem Krystallwasser schmelzen, als-
dann eine noch ziemlich leicht bewegliche Flüssigkeit von 3.6 bilden, auf welcher noch
Spinell schwimmt. Ks ist mir indessen nicht bekannt geworden, dass mit dieser dichtesten
Flüssigkeit gearbeitet worden sei.
33
der Weise, daBs man das gepulverte Gestein in jene trocken einträgt, zur
Abtrennung von Luftbläschen, die etwa einzelnen Kömern anhaften, gut
umrührt und einige Zeit wartet, bis die leichteren Partikelchen aufgestiegen
sind und die schwereren sich zu Boden gesetzt haben. Hat man die letzteren
abgesondert, so verdünnt man nach und nach mit destillirtem Wasser und
scheidet nun z. B. erst Turmalin (3.1), dann Biotit (2.9», hierauf Quarz und
Oligoklas (2.6) und endlich Orthoklas (2.5) ab. Nach vollendeter Trenn-
ung wird dann die verdünnt gewordene Lösung durch Eindampfen über
dem Wasserbade wieder concentrirt. Zu beachten ist nur, dass beide
Lösungen, die Thoulet'sche wie die Klein'sche, von Metallen (Eisentheilchen
des Zerkleinerungsapparates I), die letztere ausserdem auch noch von Car-
bonaten zersetzt werden. Eventuell ist daher vor der eigentlichen Arbeit
eine Behandlung des Gesteinspulvers mit verdünnter Salzsäure noth wendig.
Die jeweilige Dichte der Lösung, bei welcher der Absatz eines ge-
wissen Minerales erfolgt, kann entweder, nach E. Cohen, mit einer hydro-
statischen Wage bestimmt werden, oder nach Goldschmidt's Vorschlage,
der bei Arbeiten mit grösseren Massen der bequemere ist, durch eine
Indicatoren-Skala, die man sich aus verschiedenen, durch die Lösungen
unangreifbaren und ihren individuellen Eigengewichten nach ein für alle-
mal bestimmten Mineralsplitterchen herstellt. Die InteiTalle zwischen den
einzelnen Indicatoren sollen nach Goldschmidt im Allgemeinen 0.5 be-
tragen , in dem . für den Petrographen wichtigsten Gebiete (2.55—2.75)
jedoch etwas engere sein (etwa 0.03).
Die Skala, welche ich unter Benutzung der freundlichen Mittheilungen
der Herren Goldschmidt und Weisbach zusammengestellt habe, ist
die folgende:
1. Hyaiith 2.173 — Mejonit 2.669
0039 0.030
2. Opal 2.212 U. Labrador .... 2.699
0.038 0.030
3. Xatrolith .... 2.250 15. Beryll 2.729
0.034 ' 0.059
4. Perhstein .... 2.284 16. Dysyntribit . . . 2.788
0.036 O.OHO
5. Wavcllit 2.320 17. Dolomit 2.868
0.047 0.044
6. Obsidiaii 2.367 18. Prehnit 2.912
0.027 0.021
7. Petalit 2.394 19. Ai-agonit ?.933
0.093 0.107
8. Leucit 2.487 20. Turmalin .... 3.040
0.078 0.114
9. Orthoklas .... 2.565 21. Andaliisit .... 3.154
0.021 0.055
10. Feuerstein .... 2.586 22. Hornblende . . . 3.209
11. Eläolith 2.609 " 23. Diopsid 3.2.:0 ^'^^^
^,. ,, 0.030 . 0.040
12. Oligoklas 2.639 24. Axinit 3.290
0.030 0.058
13. Mejonit 2.669 25. Olivin 3.348
Diese Skala mag zugleich den Genauigkeitsgrad erkennen lassen, mit
welchem man ein gepulvertes Mineralgemenge der fraktionirten Füllung
unterwerfen kann.
34
Zur Ausfühining der Arbeit mit schweren Lösungen sind ausserdem
noch von Thoulet, Oebbecke (1881) und Harada (1881) besondere
Glasapparate vorgeschlagen worden, die ganz zweckmässig waren, so lange
man die spec. Gewichte einzelner Mineralsplitterchen ermitteln oder nur
kleine, zur Vornahme einiger chemischer, beziehentlich mikrochemischer Re-
actionen genügende Quantitäten von Gesteinselementen isolii^en wollte. Nach-
dem man sich indessen mit dem Processe veilraut gemacht hatte und mit
seiner Hilfe auch gi'össere Massen von Gosteinspulver zu sondern begann,
stellte sich bald heraus, dass kleine, mit einem Ausgusse versehene Becher-
gläser oder gewöhnliche Glastrichter genügen, deren Ausflussrohre zer-
schnitten und durch ein Stückchen Kautschuckschlauch wieder verbunden
worden sind. Schiebt man dann noch über das letztere einen Quetsch-
hahn, so kann man jetzt sehr leicht den jeweiligen Bodensatz von der
übrigen Flüssigkeit und den in ihr noch suspendirten leichteren Elementen
trennen.*) Aufstellung des ganzen Apparates auf einer grossen Glasplatte
ist ausserdem empfehlenswerth.
Die so ausgeführten und wenn nöthig, mehrfach wiederholten
mechanischen Analysen werden natürlich um so vollkommener werden, je
differenter die Gewichte der mineralischen Constituenten der zu unter-
suchenden Gesteine sind. Ausserdem ist gutes Gelingen der Arbeit davon
abhängig, dass jedes Körnchen des zu sondernden Gesteinspulvers ein-
heitlich beschaffen, also nicht mehr mit anderen, sein Eigengewicht beein-
flussenden Körperchen verwachsen sei. Diese letztere Forderung stösst bei
sehr fein struirten Gesteinen auf grosse und zum Theil nicht mehr über-
windliche Hindernisse, wird dagegen bei einigermaassen grobkörnigen
Gesteinen durch eine der Sonderung vorausgehende entsprechende Zer-
kleinerung in ziemlich befriedigender Weise erfüllt. Meinen Erfahrungen
nach empfiehlt es sich, die mit schweren Lösungen zu analysirenden Ge-
steine derart zu pulvern, dass sie noch durch ein Drahtsieb mit 1000
Maschen auf dem Quadratcentimeter gesiebt werden können. Die alsdann
erhaltenen Körnchen und Splitterchen, deren Durchmesser zwischen 0.1
und 0.2 mm schwanken, sind wenigstens zum grossen Theil homogen und
sondern sich recht gut, während bei einer noch weiter fortgesetzten Zer-
kleinerung allzuviel staubfeine Partikelchen entstehen, die Tage lang in
der schweren Lösung suspendirt bleiben und sich nur unvollständig sortiren
lassen. Ausserdem würden auch bei einem noch feineren Pulverisiren viele,
bei der obengenannten Grobe noch intact gebliebene Kryställchen , wie
z. B. solche von Zirkon oder Apatit, zertrümmert und die isolirten Mineral-
splitterchen überhaupt so klein werden, dass sie unter dem Mikroskope
nicht mehr sicher bestimmbar sein w^ürden.
*) Scheidetrichter mit eingeschliffenen Glasbähnen sind dagegen nicbt zu empfehlen,
da sich die letzteren durch einklemmende Gestcinssplitterchcn bald abnutzen und un-
dicht werden.
35
Die staubfeinen Partikelchen, welche bei dem Pulvern bis zur genannten
Komgröbe erzeugt werden, schlämmt man vor Beginn der Sepiiration mit
Wasser ab. Ihr Betrag ist keineswegs imhedoutend, sondern verui-sachtc
beispielsweise l)ei der Verarbeitung von Nadelwitzer Granit, von Wegefahrter
Gneiss und von Syenit des Plauenschen Grundes Substanzverluste von circa
33, 42 und 50 ® o- Da nicht angenommen werden kann, dass dieses feinste
I\ilver von allen überhaupt vorhandenen, härteren und weicheren, zäheren
und spröderen Mineralelementen eines Gesteines in einem den Mengen
dieser Elemente entsprechendem Verhältnisse geliefert werde, so ist hierin
und in den bei der späteren Sortirung sich ergebenden, niemals ganz ver-
nieidlichen Ausfällungen von mehr oder weniger unreinen, und weiterer
Sortirung nicht mehr fähigen Zwischenproducten begründet, dass man. die
in Rede stehende mechanische Gesteiusanalyse leider nicht direct zu einer
Bestimmung des Quantitätsverhältnisses der Gesteinsconstituenten verwerthen
kann. Das ist auch schon, und zwar im Gegensatze zu den Angaben
Dölter's*) unter Anderem von Mann (N. Jahrb. f. Min. 1884. IL 181)
betont worden.
Der hauptsächlichste Werth der mechanischen Gesteinsanalyse wird
also nur darin gesucht werden dürfen, dass wir durch dieselbe die spe-
cifischen Gewichte der wesentlichen Gemengtheile eines Gesteines kennen
lenien und diese Gemengtheile selbst in Quantitäten zu isoliren vermögen,
welche die Ausführung genauer chemischer Analysen erlauben. Aus diesen
chemischen Einzelanalysen und aus der chemischen Analyse des Gesammt-
gesteines (Bauschanalyse) wird sich dann auch, und zwar in weit sichererer
als der seither möglichen Weise, das procentale Verhältniss berechnen lassen,
nach welchem sich die verschiedenen Mineralien an der Zusammensetzung
eines Gesteines betheiligen.
Die Zahl derjenigen Mineralien, welche sich theils in hervorragender,
theils in untergeordneter Weise an der Zusammensetzung von Gesteinen be-
theiligen und noch dichter sind als die concentrirte Klein'sche Lösung
(3.41), ist glücklicher Weise nur eine sehr geringe; am häufigsten wird der
Petrograph Granat (3.4—4.3) und Epidot (3.3—3.5) begegnen, nächstdem
Spinell (3.5—4.1), Zirkon (4.4-4.7), Cyanit (3.4-3.7) und allenfalls Topas
(3.5), ausserdem Metalloxyden (Magnetit, Titaneisenerz, Rutil, Anatas, Zinn-
erz) und Sulfuriden (Eisenkies, Magnetkies etc.). Alle im gegebenen Falle
vorhandenen Mineralien dieser Art werden selbst in der concentrirten
Klein'schen Lösimg im bunten Gemische zu Boden fallen.
Zu einer Absonderung einiger dieser schwereren Körper, wie auch zur
Trennung gewisser leichterer Mineralien, die ungefähr gleiches specifisches
Gewicht besitzen und deshalb in der Klein'schen Lösung ebenfalls gemein-
schaftlich ausfallen — so z. B. Apatit (3.207) und Hornblende (3.209) —
kann endlich noch eine magnetische Analyse vorgenommen werden.
*) Zur Kenntniss der vuloan. Gesteine und Mineralien der Capvcrdiscbeu Inseln.
Graz 1882. 7.
3*
36
Dieselbe wird damit zu beginnen haben, dass man mit Hilfe eines
gewöhnlichen Magneten die etwa vorhandenen Körnchen von Magnetit und
Magnetkies extrahirt.
Zu einer weiteren Trennung kann dann ein Electromagnet verwendet
werden. Je nachdem man denselben bei verschiedener Stromstürke und
verschiedener Entfernung auf Gemenge der genannten Art einwirken lässt,
wird er entweder nur die eisenreicheren oder nur die eisenärmeren Ele-
mente attrahiren; nach Dölter beispielsweise am leichtesten Chromit,
hierauf Almandin, dann in abnehmender Folge Pleonast, Augit, Hornblende,
Epidot, Turmalin etc.
Dieses magnetische Separationsverfahren ist zuerst von Fouque (1879)
angewendet worden und später von Dölter (1882) und Pebal (1882)
sowie von Mann (1884) mehr und mehr vervollkommnet worden.
Die zuletzt noch übrig bleibenden Mineralien, die sich auch dem Electro-
magneten gegenüber indifferent verhalten, können dann allenfalls noch durch
Einwirkungen chemischer Agentien, durch welche freilich das eine oder
andei'e von ihnen zei*stört werden wird, von einander getrennt werden.
Wenn man grössere Mengen von Gesteinspulver, etwa ein halbes oder
ein Kilogramm, in Arbeit nimmt und die mechanische Analyse in der eben
angedeuteten Weise mit der magnetischen und chemischen combinirt, wird
man jetzt endlich noch in den Stand gesetzt, solche Mineralien, welche
sich in kleinen und sehr kleinen Mengen an der Zusammensetzujig von
Gesteinen zu betheiligen und deshalb im Gegensatze zu den vorherrschenden
oder wesentlichen Gemengtheilen der letzteren als accessorische be-
zeichnet zu werden pflegen, einem weit genaueren als dem seither mög-
lichen Studium unterwerfen zu können. Hierin aber möchte ich, aus
Gründen, die weiter unten noch näher entwickelt werden sollen, eine ganz
besonders treflliche Eigenschaft der mechanischen Analyse, von der in Zu-
kunft wohl noch allerhand hochinteressante Aufschlüsse zu erwarten sind,
erblicken.
Blättert man die von Roth herausgegebenen tabellarischen Zusammen-
stellungen der älteren und neueren, heute bereits nach Tausenden zählen-
den Bauschanalysen durch, so wird man bald wahrnehmen, dass die
Kenntniss jener Accessoria durch die chemische Zerlegung der Gesteine
nur sehr wenig gefördert worden ist. Man findet in jenen Tabellen in
besonderen Rubriken die procentalen Mengen der chemischen Constituenten
der wesentlichen Gesteinsbildner, also diejenigen von SiO*, Al^O^ Fe*0*,
FeO, MnO, MgO, CaO, Na«0 und K^O bis auf zwei Decimalstellen ver-
zeichnet; dann folgt noch eine Rubrik „Sonst", in der hier und da Angaben
über ausserdem vorhandene, meist nur qualitativ bestimmte kleine Mengen
von Phosphorsäure und Titansäure, von Schwefel und Chlor und von dem
einen oder anderen Schwermetalle vereinigt sind.
Diese Thatsache kann nicht Wunder nehmen, denn einmal war es ja
aus allgemeinen geologischen Gründen ganz in der Ordnung, dass man die
Aufinerksanikeit zunächst auf die quantitativ domiuii'enden Elemente eines
Gesteinsmagmas richtete und ein anderes Mal ist es ja auch leicht be-
greiflich, dass die oft nur in Bruchtheilen eines Procentes vorhandenen
selteneren Stoffe bei der gewöhnlichen chemischen Bauschanalyse selbst von
dem gewissenhaftesten und geschicktesten Chemiker übersehen oder ihrem
Wesen nach nicht näher bestimmt werden konnten.
Ein Beispiel mag das näher erläutern. Ich werde weiter unten einen
Granit zu besprechen haben, der etwa 0.1 % Zirkon enthält. Da man zu
chemischen Bauschanalysen ein Gramm Substanz zu nehmen pflegt, würden
mithin in dem zur Analyse gelangenden Gramm Granit etwa 0.07 ®/o (oder
0.7 mgr) Zirkonsäure neben etwa 70 % Kieselsäure enthalten sein. Da
nun der Chemiker in früheren Zeiten keine Kenntniss von der Existenz
jener geringen Menge Zirkonsäure haben, also auch nicht zielbewusst nach
ihr suchen konnte, so musste ihm dieselbe — der Erfolg hat es hundert-
fa.ltig bewiesen — bei seiner Arbeit entgehen ; höchstens wird bei einer
oder der anderen Operation die Spur eines Rückstandes oder die Spur einer
Ausfällung entstanden, eine sichere Deutung der betreffenden Erscheinung
aber nicht möglich gewesen sein.
Etwas günstiger gestaltete sich die Sache für den Mikroskopiker. Als
die Durchmustei-ung der Gesteinsdünnschliffe begann, war man unter
Anderem auch davon überrascht, die sogenannten Accessoria in einer früher
nicht geahnten Menge und Mannigfaltigkeit anzutreffen. Einige derselben,
wie Apatit, Spinell, Zirkon, Rutil, Perowskit hat man allmählich mit mehr
oder weniger Sicherheit erkennen gelernt, während das Wesen anderer,
nicht minder häufig wahrnehmbarer Körnchen, Nädelchen und Kryställchen
bis heute noch vollständig problematisch ist. Und dennoch ist es nicht
nur möglich, sondern auch recht wahrscheinlich, dass derartige Mikrolithen
die Träger seltener und wissenschaftlich interessiinter, vielleicht sogar für
den Haushalt der Natur oder für die Technik recht wichtiger Elemente sind.
Auch hier möge ein Beispiel zur Erläuterung dienen.
Es würde gewiss recht interessant sein zu erfahren, ob Verbindungen
der Zirkon- und Yttererde, der Titan-, Columb- und Tantalsäure, die so
charakteristische Accessoria von Riesengraniten und grosskrystallinischen
Eläolithsyeniten zu sein pflegen, nur in diesen oder auch in den fein-
körnigeren Graniten und in den den letzteren entsprechenden Phonolithen
vorhanden sind. Die chemische wie die mikroskopische Analyse haben
darüber noch keine sichere Auskunft zu geben vermocht; die erstere aus
den bereits angeführten Gründen, die letztere aus solchen, die sich eben-
falls leicht klar stellen lassen.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Quarze, Feldspäthe und Glimmer
eines Riesengranites 0.1 bis 0.2 m im Durchmesser haben, während die-
selben Gemengtheile eines feinkörnigen Granites nur 1 mm messen. Käme
nun z. B. in beiden Gesteinen auch Polykras vor und zwar in einer Grössen-
abstufung, der jener der wesentlichen Granitelemente proportional wäre
38
und hätte ein im Riesengrauit eingewachsener Krystall dieses seltenen
Titanates und Niobates die schon recht respectable Grösse von 1 cm Durch-
messer, so würde er in dem feinkörnigen Granit nur noch ein opakes oder
braun durchscheinendes Körnchen von 0.10 bis 0.05 mm Durchmesser bilden.
Die mineralische Natur desselben würde von Seiten des mikroskopirenden
Petrographen gänzlich unbestimmt gelassen werden müssen.
Endlich gleicht die mechanische Analyse auch noch einen letzten
Uebelstand der mikroskopischen Untersuchung aus; denjenigen nämlich,
dass die der letzteren unterworfenen Dünnschliffe nur sehr kleine Volumina
repräsentiren und um deswillen durchaus keine sichere Garantie dafür
bieten, dass bei der Durchmusterung von einigen Präparaten auch alle in
dem betreffenden Gesteine thatsächlich vorhandenen Accessoria zur Wahr-
nehmung gelangen.
Ein Gesteinsdünnschliff gewöhnlicher Art ist etwa 15 mm lang und
breit und 0.025 bis 0.05 mm stark, hat also ein Volumen von 5.62 bis
11.25 cmm. Dass eine so kleine Masse vollständige Auskunft über die
Gemengtheile eines Gesteines geben könne , wird man billiger Weise nicht
erwarten können.
Es möge gestattet sein, diese Unvollkommenheit unseres optischen
Erkenntnissvermögens wiederum an einem der Praxis entlehnten Beispiele
zu erläutern.
Der Gehalt der aufbereitungswürdigen Zinnerz führenden Greisen des
Erzgebirges beträgt selten mehr als 1 o/^ ; bei dem Altenberger Stockwerks-
gesteine erreicht er sogar im Durchschnitte nur Vs %• Da sich derartig
niedrige Zinnerzgehalte nicht mehr auf dokimastischem Wege bestimmen
lassen, so pflegt man die Beurtheilung der Gewinnungsfähigkeit vorliegender
Zwittergesteine von den Ergebnissen abhängig zu machen, welche die
Sicherung ihres Pulvers im Troge giebt. Nun kann aber diese letztere,
selbst bei grosser Uebung der Arbeiter, doch noch zu Irithümem Ver-
anlassung geben; deshalb fragte ein Zinngrubenbesitzer bei mir an, ob
nicht vielleicht die mikroskopische Untersuchung der fraglichen Gesteine
vertrauenswürdige Resultate zu liefern vermöchte?
Praktische Versuche und Rechnung erheischten eine Verneinung der
Frage. Denn angenommen, dass der Granit (s. G. 2.7) selbst 1 % Zinnerz
(s. G. 6.9) enthalte, so würde dieses letztere in einem Gesteinswürfel von
15 mm Seitenlänge doch nur 13.2 cmm einnehmen oder, dafom es die
Gestalt eines einzigen Körnchens hätte, ein Würfelchen von 2.36 mm
Seitenlänge bilden.
Nehmen wir dagegen den für den Mikroskopiker günstigeren Fall an,
dass unser Zinnerzprocent in Form von 8 unter sich gleich grossen würfel-
förmigen Körnchen entwickelt sei, so würden diese letzteren 1.8 mm Seiten-
länge besitzen. Denken wir uns nun diese 8 Kömchen einreihig zu einem
einer Würfelkante parallel liegenden Säulcheu gruppirt, so würde dieses
letztere 9.44 mm lang sein.
39
Da weiterhin ein guter Düunschliflf 0.025 bis 0.05 mm sbirk ist, also aus
einem Würfel von 15 mm Seitenlänge — hier natürlich abgesehen von dem
beim Schleifen unvermeidlichen Substanzverluste — 600 bis 300 Präparate
hergestellt werden können, so würde unter den angegebenen Verhältnissen
in 378 bez. 189 Dünnschliffen je ein Zinnerzkömchen von 1.18 mm Seiten-
länge, dagegen in 222 bez. 1 1 1 Schliffen kein Erz zu sehen sein und sonach
das Ergebniss der mit ein oder zw^ei Präparaten auszuführenden mikro-
skopischen Untersuchung in hohem Grade vom Zufalle abhängig und deshalb
für den Praktiker unbrauchbar sein.
Wesentlich anders würde sich dagegen die Sache bei einer mechanischen
Analyse gestalten.
Hätte man derselben 0.25 kg des fraglichen, 1 o/o Zinnerz enthaltenden
Greisens unterworfen, so würde man bei ihm in der concentrirten Klein'schen
Lösung einen aus 2.5 gr Zinnerz, sowie aus Wolframit, Arsenkies und Topas
bestehenden Bodensatz erhalten und aus demselben, nacli Beseitigung des
Wolframs und Arsenkieses durch Rösten und Behandeln mit Säuren, ein
für den Betrieb brauchbares Urtheil über den Gehalt des untersuchten
Rohmateriales abzugeben vermögen.*)
Zum weiteren Erweise der Brauchbarkeit und Nützlichkeit der mit
grösseren Mengen von Material ausgeführten mechanischen Analysen lasse
ich hier noch die Resultate einiger, in der bereits oben angegebenen Weise
vorgenommener und mit einfachen chemischen Operationen verbundener
Sonderungen folgen.
Dieselben wurden von mir zunächst in der Absicht vorgenommen, die
an der Zusammensetzung verschiedener Freiberger Gneisse und sächsischer
Granite theilnehmenden Mineralien zu isoliren und zwar in Quantitäten,
die nicht nur zu vollständigen chemischen Analysen, sondern auch zu be-
sonderen Untei-suchungen auf etwaige, an der Zusammensetzung der Glimmer
theilnehmende Schwermetalle ausreichten. Hierdurch sollten dann Beiträge
gewonnen werden zur Autwort auf die in der Neuzeit so vielfach discutirte
Frage nach der Entstehung der Erzgänge. Die Resultate, welche in dieser
besonderen Hinsicht gefunden worden sind, sollen bei anderer Gelegenheit
besprochen und hier nur die allgemehieren und zum Theil recht über-
raschenden Ergebnisse jener mechanischen Analysen mitgetheilt werden.
Da der Zweck dieser letzteren die Verarbeitung möglichst frischen
Materiales erheischte, so wurden von jedem zu sondernden Gesteine vor
seiner Zerkleinerung im Gussstahlmörser zunächst mehrere mikroskopische
Präparate angefertigt. Zeigten die letzteren auffällige Verwitterungs-
erscheinungen, so wurden die betreffenden Stücke bei Seite gelegt.
*) Leider verbietet sich jedoch die Anwendung der mechanischen Analyse in diesen
und ähnlichen, der Praxis angehörigen Fällen durch den hohen Preis der schweren
Lösungen. Von der Thoulet'schen Lösung, die giftig und deshalb weniger empfehlens-
werth ist, kostet das KUo etwa 20 Mk., von der Klem'schen Lösung, da deren Her-
stellung ziemlich umständlich ist, sogar 50 Mk.
40
Dann wurden abgewogene Quantitäten der einzelnen Gesteine gepulvert,
abgeschlämmt und der verbleibende Rückstand, nach vorherigem Trocknen
über dem Wasserbade, in schwere Lösungen eingetragen. Die bei der Aus-
fällung benutzten Indices und ihre besonders bestimmten specifischen Ge-
wichte finden sich in der ersten Verticalreihe der nachstehenden Tabelle
verzeichnet. Dann folgen die gewonnenen Theilproducte. Da diese letzteren
möglichste Reinheit besitzen sollten, so wurde jedes Theilproduct mehrfach,
zum Theil 4 bis 5 mal ausgefällt. Die Summa der hierbei abgeschiedenen,
weniger reinen Zwischenproducte, die zumeist noch aus verschiedenen, mit
einander verwachsenen Mineralpai*tikelchen bestanden und von der weiteren
Verarbeitung ausgeschlossen wurden, tritt in der nachfolgenden Tabelle als
Aufbereitungsverlust auf.
Die Tabelle zeigt, dass dieser Aufbereitungsverlust, namentlich aber
der schon vorher erhaltene Schlämmverlust, sehr hohe Procentsätze er-
reichen. Aus diesem leider unvermeidlichen Umstände und aus der Unwahr-
scheinlichkeit, dass sich alle die verschiedenen Mineralien eines Gesteines
an beiden Verlusten in gleichen Verhältnissen betheiligen, ergiebt sich jetzt
in der deutlichsten Weise, dass, wie schon oben bemerkt w^urde, die mechanische
Analyse für sich allein zu einer Bestimmung der Quantitätsverhältnisse
der einzelnen Gesteinselemente nicht brauchbar ist.
Ausserdem ist zu bemerken, dass jedes Theilproduct noch in der
Lösung schwamm, wenn der nächst tiefer stehende Index bereits zu Boden
gesunken, und dass es seinerseits zum Absätze gelaugt war, wenn der
nächst höhere Index noch keine Neigung zum Untersinken zeigte, so dass
also das specifische Gewicht jedes gewonnenen Theilproductes zwischen
denjenigen der darüber und darunter stehenden Indices liegt. Stehen da-
gegen Index und Theilproducte auf dei'selben Horizontalen, so fielen beide
zu gleicher Zeit aus, hatten also nahezu dasselbe Eigengewicht.
Aus den zuerst abgeschiedenen Bestandtheilen von einem specifischen
Gewichte über 3.348*) wurde zunächst der etwa vorhandene Magnetkies
beziehungsweise Magnetit mit einem starken Hufeisenmagneten ausgezogen.
Der nicht magnetische Rückstand zeigte unter dem Mikroskope verschiedene
Gemenge von Granat, Zirkon, Topas, Andalusit (?), von braun durch-
scheinenden Körnchen und Kryställchen, von Titanit und Eisenkies. Hieraus
konnten der letztgenannte und etwa vorhandene anderweite Sulfuride durch
Königswasser, und der namentlich aus dem Syenit in grossen Mengen aus-
gefallene Titanit durch Schwefelsäure abgeschieden werden; denn wenn
man den schwersten Bodensatz aus dem Syenit, nachdem der Magnetit
*) Da dieselben meist uiir iii sehr kleinen Mengen vorbanden sind, so wurden sie,
gleichwie die Glimmer, um zu chemischen Analysen ausreichende Quantitäten zu erbalten,
ausser aus dem in der Tabelle verzeichneten Robmateriale in jedem Falle noch aus
300 bis 500 Gramm weiterem Gesteinspulver ausgefällt und für sich weiter verarbeitet.
In der Tabelle sind diese anderweit gewonnenen Partieen von Glimmer, Zirkon, Kies etc.
natürlich nicht berücksichtigt worden.
41
extrahirt worden ist, einige Zeit lang mit der genannten Säure erwärmt,
so zeigt sich alsdann, dass sich jedes Titanitsplitterchen mit einer weissen
Rinde (von Gyps?) umgeben hat, so dass es jetzt in seiner Ei-scheinungs-
weise unter dem Mikrosko]i)e einigermassen an die sogenannten Kelyphithüllen
mancher Granate erinnert. Das spocifische (iewicht der Titanitsplitterchen
ist durch dieses ihnen anhaftend bleibende Zersetzungsproduct derai*t er-
niedrigt worden, dass sie sieh jetzt bei erneutem Eintragen in schwere
Lösung leicht von dem intact gebliebenen Granate, Zirkone etc. abscheiden
lassen. Der in dem verbleil>enden Gemenge etwa noch vorhandene Granat
wurde hierauf mit Flusssäure zersetzt, so dass endlich nur noch Zirkon,
Topas, braune Körnchen und eventuell vereinzelte andere, nicht näher
untersuchte Körperchen übrig waren.
GneiM Ton
Himmelfahrt
bei Freiberg.
Rohgewicht des ver- '
arbeiteten Gesteines j
Schlämmverlust
Zur mechanischen
Sonderung gelangten
Aufbereitungsverhist
C* 0 des Gesonderten)
Leüdt ~^^ _
Orthoklas " ^.505
Eläolith ~ 2.609
Vtr.
360.0
44.0
J12.2 o/„)
314.0
27.42
(8.7 '"o)
;()rthokl.61.0
i'
'1
Oligoklas 2.639
Quarz_ _2.647
Dysyntribit ^.788
I \ Plagiokl. u.
Boracit
2.897
l'braun. Glimm
I 33.50
jfurmalin
Andälusit
Apatit
Olivin
3^040
J^154
3.207
^.348"
Apatit 0.54
Magnetkies
0.27
Zirkon 1
Schwe- 1
felkiesf
Ilutil(V)l
0.29
II.
Wpgefahrter
Gueiss von
Himmelsfttrat
bei Ernnd.
<Jr.
552X)
230.0
J4]L7%).
322.0
92.3
(88.6%)
Orthoki. 8.0
Plagiokl. u.
(Quarz 190.9H Quarz 103.0
weiss. Glimm.
50.70
braun. Glimm
55^0 _
Turmalin 2.64
Apatit 1.11
Magnetkies
4.65
Granat 3.52 i-
Zirkon
Zinnerz
K28
III.
(iranit von
Nadelwitz
bei Bantzeu.
Cir.
438.0
144.0
(32.9 «„)
294.0
65.65
(22.3 "/„)
Ortliokl.2:>.7
Orth(»kl.26.H
Plagiokl. u.
Quarz 146.0
braun. Glimm.
28.9
Apatit 0.35
Magnetkies
0.32
Zirkon |
Schwe- L oQ
felkies r-^
Rutil (V)l
Granit von
W^ilzicbhauB
bei Eibenitock.
Gr.
445.0
195.0
(43.8 %>
250.0
31.87
(12.7 %)
(Jrtliokl^46.10
Örthokl. 43.80
Plagiokl. u.
Quarz 104.48
weiss. Glimm.
2.78
braun. Glimm.
20.60
(Apatit 0.23*
{ Turmalin u.
(Flusssp.0.80
Topas! \
einzelne I
Zirkone, )3.34
etw^as
Zinnerz (i\
V.
Syenit aus dem
Plauenschen
Grunde
bei Dreiideu.
Gr.
_500.0
250.0
(50 0/,,)
250.0
25.3
(10.1 ".„)
OrthökT.78.5
brthükl.62X^>
Plagiokl. u.
Quarz 39.7
Hornblenden.
Apatit 34.3
Magnetit
7.2
Titanit! j
einzelne l
Zirkonej
Orthit (?)l
3.0
* Apatit indirect durch den Gewicht« verlust des Gemenges bei dessen Behandlung mit Salzsäure bestimmt,
t Granat indirect durch Zersetzen des Gemenges mit Flusssäure bestimmt.
42^
Zur weiteren Erläuterung der in der Tabelle verzeichneten Resultate
ist noch das Folgende zu bemerken.
Die in III, IV und V je zweimal auftretenden leichteren Feldspäthe
sind wohl nur durch etwas grössere oder geringere Frische von einander
differirende Orthoklaspartikelchen, denn das Gewicht des Orthoklases
(2.55 bis 2.58) wird sich etwas verringern oder erhöhen müssen, je nach-
dem der letztere die dem Mikroskopiker bekannte und wohl in dem Be-
ginne einer Entwickelung von Kaohn (2.2) begründete weisse Trübung (III),
oder auch die durch Abscheidung von Eisenoxyden bedingte Röthung (V)
erlitten hat.
Oligoklas (2.60 bis 2.66) und Quarz (2.65 bis 2.68) lassen sich
auf mechanischem Wege leider nicht von einander sondern.
Der weisse und braune Glimmer stehen sich mit ihren Ge-
wichten ziemlich nahe und ihre Gewichte sind vielfach durch eingewachsene
fremde, besonders schwerere Körperchen (Zirkonkryställchen, Erzpartikelchen)
alterirt. Ihre beiderseitige Trennung und die Isolirung von einigermassen
reinem Materiale gelingt daher nur, wenn man viele Zwischenproducte
opfert. Aber auch dann noch fand Herr Dr. H. Schulze, der mich durch
die chemische Analyse der auf mechanischem Wege gewonnenen Theil-
producte und durch die Ausführung der oben genannten chemischen Zer-
setzungen zu grossem Danke verpflichtet hat, in den mit Brom erhaltenen
Extracten der Glimmer von I, II und III kleine, zum Theil wägbare
Mengen von Schwefel- und Phosphorsäure, und in den Extracten von
I und II Spuren von Schwermetallen (Nickel, Kobalt, Kupfer, in I auch
Zink). Es waren also mit den Glimmern noch kleine Mengen von Apatit,
von Kiesen, beziehungsweise von Zinkblende verwachsen; dagegen konnten,
wie hier nur beiläufig bemerkt sein möge, in den Glimmern selbst keine
weiteren, an ihrer Zusammensetzung theilnehmenden Schwermetalle nach-
gewiesen werden.
Die ansehnliche Menge des in dem Gneisse II enthaltenen grünen
Turmalines würde bei der Betrachtung des Gesteines mit dem blosen
Auge wohl Niemand vermuthen.
Gewöhnlich wird angegeben, dass der in kiystallinen Gesteinen vor-
kommende Apatit lange, schmale, farblose Nadeln von scharfen hexago-
nalen Umrissen bilde, welche die anderen Gesteinsgemengtheile „formlich
wie Stecknadeln" durchdringen. Diese Angabe trifll indessen nach meinen
P^rfahrungen nur für gewisse Eruptivgesteine (z. B. für Nephelindolerite)
zu; denn der in recht beträchtlicher Menge aus dem Nadelwitzer Granite III
isolirte Apatit erscheint in durchschnittlich O.l bis 0.3 mm langen und
0.05 bis O.IO mm starken, an beiden Enden gewöhnlich pyramidal aus-
gebildeten, säulenförmigen Kryställchen. Ob auch die langen, besonders
im Quarze dieses Granites eingewachsenen Nädelchen Apatit sind, konnte
nicht nachgewiesen werden. Ebenso besitzen die Gneisse I und II, gleich-
wie manche andere, die ich untersucht habe, sehr reichlichen Apatit.
43
In ihueu pflegt derselbe iu bis 0.3 mm starken, kurz säuleufönnigen und
an den Kanten gerundeten Kryställchen oder in ellipsoidischen Körnchen
ausgebildet zu sein, so dass ich ihn in Dünnschliffen erst erkannt und von
den zuweilen recht ähnlich ei'scheinenden Quarzkörnchen unterscheiden
gelernt habe, nacli dem ich aus den Gneissen isolirte und durch chemische,
qualitative Analyse bestimmte Apatite mit dem Mikroskope hatte studiren
können.
Der Magnetkies der Gneisse I und II erwies sich bei der von
Herrn Dr. Schulze vorgenommenen quantitativen chemischen Analyse als
nickel- und kobalthaltig. Er muss wegen der auf mikroskopischem Wege
constatirten Frische der untersuchten Gesteine und wegen seines, ebenfalls
an Dünnschliffen zu erkennenden innigen Verwachsenseins mit anderen
primären Gneissmineralien, als ein dem Gneisse von Ui-sprung an zu-
gehöriger Gemengtheil betrachtet werden. Gleiches gilt von dem chemisch
noch nicht näher untersuchten Magnetkiese des Nadelwitzer (Jranites III.
Endlich wurden auch die aus dem Himmelsfiirster Gneisse II nach
Zersetzung des Granates mit Flusssäure noch zurückbleibenden, nur mit
vereinzelten Zirkonkryställchen untermengten Körperchen untei'sucht Die-
selben sind meist dunkel nelkenbraun, durchscheinend, bilden rundliche
Körner oder etwas gerundete kurzsäulenförmige Kryställchen von — im
Maximum — 0.18 mm Länge und 0.06 mm Stärke. Die Kryställchen
löschen parallel zu ihren Längskanten aus und sind dem Ansehen nach
tetragonal.
Die von Herrn Dr. Schulze vorgenommene qualitative Analyse liess
erkennen, dass sie Zinn- und Titiuisäm-e enthielten. Eine quantitative
Bestimmung dieser beiden Elemente war leider wegen des geringen dis-
poniblen Quantums nicht ausführbar. Wenn es unter diesen Verhältnissen
weiteren Studien vorbehalten bleiben muss, zu entscheiden, ob diese
braunen, allem Anscheine nach auch in manchen erzgebirgischen Horn-
blendegneissen sehr häufig auftretenden Körnchen und Kryställchen als
tit anhaltiges Zinnerz oder als zinnhaltiger Rutil zu deuten
sind, so dürfte der Nachweis, dass sich überhaupt zinnhaltige Erze als
primäre Gemengtheile in Gesteinen der erzgebirgischen Gneissformation
finden, doch schon jetzt nicht ohne Interesse sein*).
Bezüglich der kleinen , nahezu wasserhellen Z i r k o n - Kryställchen ,
welche aus allen fünf in der Tabelle aufgenommenen (iesteinen isolirt
wurden, mag hier nur angegeben werden, dass sich die mineralogische
Bestimmung derselben in den vorliegenden Fällen zwar nur auf ihre aller-
dings sehr charakteristische Krysüillform, auf ihr dem tetragonalen Systeme
*) Hierbei mag noch bemerkt werden, dass auch die orthoklastischen und plagio-
klastischen Feldspäthe des Himmelsfttrster Gneisses II bei ihrer chemischen Untersuchung
als zinn- und baryumhaltig erkannt wurden. Ueber secundäre Zinnerzvorkommnisse
auf und neben den Freiberger Erzgängen vergl. A. Stelzner. Neues Jahrb. f. Min.
1884. I. 271.
44
entsprechendes optisches Verhalten und auf ilire lebhafte chromatische
Polarisation gründet, indessen hinsichtlich ihrer Richtigkeit nicht an-
gezweifelt werden katin, da für ganz analoge, aus einem hier nicht be-
sprochenen zersetzten Gneisse von PVeiberg isolirte Kryställchen durch
Dr. Schulze die Theilnahme der Zirkonerde an der Zusammensetzung
(luantitativ constatirt werden konnte.
Im Anschlüsse an diese Fundberichte möchte ich endlich noch, und
zwar namentlich für diejenigen Leser, die der Petrographie femer stehen,
betonen, dass der durch die mechanische Analyse — und vielfach nur
durch diese — mit Sicherheit mögliche Nachweis vom ursprünglichen
Vorhandensein kleiner Mengen der zuletzt besprochenen, sogenannten
„accessorischen Mineralien" in krystallinen Schiefer- und Massengesteinen
keineswegs bloss von theoretischem Interesse ist, sondern auch vielfache
und früher gänzlich ungeahnte Einblicke in den chemischen Haushalt der
Natur gewährt. Auch das möge auf Grund der oben registrirten Erfunde
an ein paar letzten Beispielen kurz erläutert werden.
Aus 438 gr Nadel witzer Granit III wurden nach dem Pulvern und
Abschlämmen der feinsten Partikelchen 294 gr zur mechanischen Sonderung
geeigneter Körnchen und Splitterchen gewonnen und aus diesen letzteren
u. A. — abgesehen von den Aufbereitungsverlusten*) — 0.35 gr Apatit und
0.28 gr Zirkon isolirt.
Wenn daher die Apatite und Zirkone bei der Zerkleinerung des
Granites zwar von den anderen, mit ihnen venvachsen gewesenen Mineralien
abgesprengt, sonst aber intact geblieben und mit ihrer ganzen ursprüng-
lichen Menge in das durch Abschlämmen gewonnene und weiter ver-
arbeitete gröbere Gesteinspulver gelangt wären, so würden in 438 gr rohen
Granit überhaupt 0.35 gr oder 0.079 «/o Apatit und 0.28 gr oder 0.064 o'o
Zirkon vorhanden sein; wenn sich dagegen, was namentlich bezüglich des
Apatites das wahrscheinlichere ist, auch die beiden Accessoria an dem
ihrer ursprünglichen Menge entsprechenden Verhältnisse an der Bildung
des feinsten, später durch Schlämmen entfernten Staubes betheiligt haben
und infolge dessen auch in den schliesslich zur mechanischen Sonderung
gelangenden 294 gr in ihrem ursprünglichen procentalen Verhältnisse vor-
handen gewesen sein sollten, so würde die gefundene Menge des Apatites
(0.119 o/o) und jene des Zirkones (0.095 <>/o) correspondiren.
*) Diese Aufbereituugsverlustc waren namentlich bezQglicli des Apatites nicht un-
beträchtlich, da sich derselbe von zahlreichen, in Folge eingewachsener fremder Körperchen
etwas schwerer gewordenen Glimmerblättchen selbst durch Abrollen auf einer matten
Glastafel (die ich dem anderweit vorgeschlagenen rauhen Papier vorziehe) nur sehr un-
vollkommen trennen Hess. Thatsiichlich dürfte also der Granit noch weit apatitreicher
sein, als oben angegeben wurde. Eine mit einem grösseren Quantum von Rohmaterial
vorzunehmende chemische Bestimmung des dem Gesteine zukommenden Phosphorsäurc-
gehaltes würde hier ein zutreffenderes Resultat liefern.
45
Im Folgenden werden die diesen beiden Annahmen entsprochenden
Ergebnisse berechnet und derart neben einander gestellt werden, dass die
auf die erste Annahme bezüglichen, Minimalwertho ergebenden Zahlen auch
in erster, die auf die zweite Annahme bezüglichen in zweiter Linie und,
wie soeben schon geschehen, in Parenthese genannt werden.
Da das specifische Gewicht des verarbeiteten (iranitos im Mittel zu
2.712 bestimmt wurde, so würde sonach 1 Kubikmeter Granit 2142 (3227) gr
Apatit und 1736 (2576) gr Zirkon enthalten.
In einem Kubikmeter Granit sind also von Ursprung an mindestens 2,
wahrscheinlich sogar mehr als 3.2 kg Apatit oder — einen Phosphorsäure-
gehalt des Apatites von 41 <>/o angenommen — 0.9 beziehungsweise mehr
als t.3 kg Pbosphorsäure vorhanden.
Im Anblicke dieser Zahlen und in Erinnerung des Umstandes, dass ja
die Apatite des Granites und anderer Eruptivgesteine, gleichwie diejenigen
der Gneisse und anderer archäischer Schiefer, bei der Zerstörung aller
dieser Gesteine und bei der Wiederablagerung der Zerstörungsproducte
auch in die verschiedenartigsten Sedimente mit übergegangen sein müssen,
wird die in frülieren Zeiten übliche Ansicht, nach welcher gewisse, auf
Gängen und Klüften und zwar nur in geringer Tiefe sich findende Phos-
phate ihre Phosphorsäure von oben her, d. h. „von organischen Substanzen,
welche an der Oberfläche verweseten", erhalten haben sollten*), überflüssig.
In noch höherem Grade wird die ganz eigenthümliche, ei-st neuerdings
wieder ausgesprochene Meinung hinfällig, welche einem grossen Theile der
irdischen Phosphorsäure kosmischen Ursprung zuschreiben zu müssen
glaubt und insonderheit ,,in den Stemschnuppen den Quell sieht, aus
welchem uns seit Jahi-tausenden und täglich liinfort Phosphor in Säure-
form und Bittererde zur Befruchtung unserer Felder zugeführt wird, . . .
als ein äusserst feiner Regen, der in äusserst geringer Menge und in
höchst feiner Vertheilung ohne Unterlass sich aus der Atmosphäre auf
unsere Meere, Wälder und Gefilde niedersenkt**);" denn wir erkennen ja
schon aus unseren Granit- und Gneissstudien, dass die Natur die für
Pflanzen und Thiere gleich unentbehrliche Phosphorsäure auf der Erde
selbst in der vorsorglichsten Weise verbreitet hat und überall aus eigenen
Mitteln darzubieten vermag.
Zu nicht minder interessanten Resultaten führt die Rechnung bezüg-
lich der scheinbar so unbedeutenden Zirkonführung des Granites, denn
die 0.064 (0.095) <^/o entsprechen pro Kubikmeter Granit einem Quantum
von 1736 (2576) gr oder, das specifische (Gewicht des Zirkones zu 4.5 an-
genommen, einem Zirkonwürfel von 73 (83) mm Seitenlänge.
Da unter dem Mikroskope vorgenommene Messungen ergaben, dass
die Zirkonkryställchen des Nadel witzer Granites durchschnittlich 0.1 mm
*) Breithaupt. Die Paragenesis der Mineralien. 1849. 126. 127.
**) Berghans. Der Himm eisstaub und die Landwirthschaft. Ausland 1884. 669.
46
lang und 0.03 mm stark sind , also ein Volumen von durchschnittlich
0.00009 cmm haben, so würden in einem Cubikcentimeter Granit 4277
(6355) Kryställchen und in einem 15 mm langen und breiten, 0.025 mm
starken Dünnschliffe 23 (26) Zirkonkryställchen vorhanden sein müssen.
Dieses Resultat entspricht aber, wie die Durchmusterung von vier Schliffen
zeigt, nahezu den thatsächlichen Verhältnissen.
Der ähnliche Zirkonreichthum mancher Freiberger Gneisse macht es
verständlich, dass man aus jeder Hand voll Ackererde, die aus der Zer-
setzung der letzteren hervorgegangen ist, mit Hülfe schwerer Lösungen
ein nicht zu übersehendes Quantum von Zirkonen isoliren kann, und dass
weiterhin Zirkonkryställchen nicht nur in zahlreichen Flussalluvionen der
Gegenwart, sondern auch in sehr vielen sedimentären Bildungen früherer
Zeiten angetroffen werden*).
Zu einer Betrachtung anderer Art giebt der 0.842 (1.444) o/o betragende
Magnetkies-Gehalt des Wegefahrter Gneisses von Himmels-
fürst bei Brand (II) Veranlassung. Da dieser Kies nach der von Herrn
Dr. Schulze ausgeführten quantitativen Analyse 0.61 o/o Ni und 0.12 o/o Co
enthält imd da das specifische Gewicht seines Muttergesteines zu 2.782
bestimmt wurde, so sind in einem Cubikmeter Gneiss 23.4 (38.9) Kilo
Magnetkies mit 143 (237) gr Nickel und 28 (47) gr Kobalt vorhanden.
Ein derartiger primärer Metallgehalt des Gneisses würde vollständig
genügen, die Entsehung der auf einigen Freiberger und Brander Gängen
hier und da einbrechenden Nickel- und Kobalterze durch Lateralsecretion
zu erklären. Denn wenn man annimmt, dass auf jeder Seite eines Ganges
eine zwei Meter breite Zone Gneiss durch circulirende Wässer zersetzt und
ihres gesamniten Nickel- und Kobaltgehaltes beraubt worden sei, so würde
alsdann auf einem Quadratmeter Gangfiäche der Metallgehalt von 4 Cubik-
metern Nebengestein, in Summa 572 (984) gr Ni und 112 (188) gr Co
concentrirt worden sein.
Von Himmelsfürst ist nach den mir vorliegenden Geschäftsberichten
der Grube in den letzten Jahren kein Nickel und Kobalt zur Hütte ge-
liefert worden; wohl aber von Beschert Glück und von Himmelfahrt.
Auf Beschert Glück hat die in den vier Jahren 1870 und 1S73 bis
1 S75 abgebaute Gangfläche von überhaupt 1 1 225 qm
86.80 Ctnr. Silber, 168 Ctnr. Blei und 3.6 Ctnr. Nickel,
also der Quadratmeter Gangfläche durchschnittlich
386 gr Silber, 747 gr Blei und 16 gr Nickel
geliefert.
Himmelfahrt hat in 1883 abgebaut
a) 33 639 qm von (iängen der kiesigen Bleiformation und durcli Auf-
bereitung derartiger Gänge u. A. gewonnen
♦) F. Sandberger. Uebcr Zirkon in geschicliteton Felsarteii. Zeitschr. d. Deutsch.
(Jool. Gos. XXXV. ISKJ. 193.
47
154.74 Ctnr. Silber, 41 363 Ctnr. Blei und 0.6 Ctnr.
Nickel und Kobalt,
oder von dem Quadratmeter Gangfläche durchschnittlicli
230 gr Silber, 61.45 kg Blei und 1.00 gr
Nickel und Kobalt;
b) 2092 qm von Gängen der Schwerspath- und Braunspathlormalion, aus
deren Aufbereitung aber gewonnen
44.02 Ctnr. Silber, 88 Ctnr. Blei und 7.92 Ctnr.
Nickel und Kobalt,
oder von dem Quadratmeter Gangfläche durchschnittlich
1052 gr Silber, 2103 gr Blei und 189 gr
Nickel und Kobalt.
Es ergiebt sich daher, wenn wir die oben in dem Magnetkiese des
Himmelsfürster Gneisses II gefundeneu Nickel- und Kobaltgehalte, und
selbst wenn wir die wahrscheinlich etwas geringeren Nickel- und Kobalt-
gehalte des Himmelfahrter Gneisses l*) als für den Freiberger Gneiss
gültige Durchschnittswerthe annehmen, dass in unserem Gneisse genügendes
Rohmaterial zur Bildung der auf seinen Gängen vorkommenden Nickel-
und Kobalterze durch Lateralsecretion vorhanden ist.
Dagegen folgt aus dem Mitgetheilten , wie dies hier nur beiläufig an-
gedeutet werden kann, mit ebenso grosser Bestimmtheit, dass die Ursitzo
des Silbers und Bleies, des Zinkes und Arsenes, also derjenigen Metalle,
welche den Freiberger Gängen ihren typischen Charakter verleihen, nicht
in dem uns bekannten Nebengesteine gesucht werden können; denn obwohl
auf den edlen Gängen von Himmelfahrt 5.5 mal soviel Silber und 1 1 mal
soviel Blei , auf den kiesigen Gängen aber sogar 230 mal soviel Silber und
61450 mal soviel Blei als Nickel und Kobalt vorhanden sind, so haben
doch die bis jetzt in Freiberg ausgeführten mechanischen und chemischen
Analysen der Feldspäthe, Glimmer und sonstigen Gemengtheile frischer
Gneisse nicht einmal Spuren von Silber oder Blei ausfindig machen
können !
Aehnliche Rechnungen zeigen, wenn wiederum die Zahlen der vor-
stehenden Tabelle zu Grunde gelegt werden, dass der Syenit des Plauen-
schen Grundes bei Dresden (V), dessen spec. Gewicht nach Zirkel 2.730
beträgt, 1.44 (2.88)o/o Magnetit und O.GO (1.2) o'o Titanit enthält,
also in einem Kubikmeter 39.31 (78.62) Kilo Magnetit und 16.38 (32.76)
Kilo Titanit beherbergt.
Das würde einem Magnetitwürfel von 19.8 (25) cm und einem Titanit-
würfel von 16.7 (21) cm Seitenlänge entsprechen.
*) Der Magnetkies des Himmclfalirter Gneisses ist noch nicht analysirt worden.
Sollte er gleichen Nickel- und Kobaltgehalt , wie jener von Himmelsfürst (II) besitzen,
so würden 4 Cnbikmeter des llimmelfahrter Gneisses (I) 4(58 »53(5^ gr Nickel und
92 (^lOi'igr Kobalt beherbergen.
48
Doch genug der Beispiele.
Das Mitgetheilte wird hinlänglich erweisen, dass in Zukunft neben den
bereits unentbehrlich gewordenen chemischen und mikroskopischen Ana-
lysen auch die mechanische nicht mehr fehlen darf.
Der ehemals so einfache Hausrath des petrographischen Laboratoriums
wird dadurch freilich immer complicirfer, aber dafür rücken wir nun auch
der Kenntniss vom Wesen der Gesteine, an welcher Wissenschaft und Praxis
ein gleich hohes Interesse haben, immer näher und näher.
Freiberg, Sachsen. Im Februar 1885.
49
Bemerkungen über den Quarz im Syenite
des Plauenschen Grundes.
Von E. Zschau.
„In dem bekannten Syenite des Plauenschen (hundes bei Dresden, in
welchem man keinen Plagioklas und Quarz makroskopisch beobachtet, und
welcher daher früher als eigentlicher Typus des reinen Oi-thoklas-Hornblende-
(iemenges galt, wurde u. d. M. neben diesen Mineralien dennoch aus-
gezeichnet gestreifter Plagioklas und ausserdem Quarz aufgefunden, ferner
besitzt das (iestein verhältnissniässig reichlich Apatit und Titanit etc."
(Zirkel, Mikroskopische Beschaffenheit der Mineralien und (lesteine S. 380.)
Nach Anfühning dieser Worte könnte die Aufgabe, die ich mir gestellt,
als gelöst angesehen werden, und sie ist es auch, wenn man von unserem
Syenite im engeren Sinne, vom normalen (iesteine spricht. In diesem ist
der Quarz nur selten mit blossem Auge wahrnehmbar, ebenso wie der
plagioklastische Feldspath, öfterer schon mit der Lupe, mikroskopisch habe
ich nicht beobachtet. Das Gestein führt aber quarz reichere Neben-
ge bilde, die sich nach ihrem Auftreten von demselben keinesfalls trennen
lassen; diese Ncbengebilde hatten fiir mich gewisscrmassen die Bedeutung
von Leitfossilien, nach deren Erkennung die Auffindung des Quarzes im
normalen (iesteine bald gelang. Diese Nebengebildc und auch solche, die
dem Gesteine eigentlich fremd sind, da sie nur sekundärer Natur sein
können, sollen den Hauptgegenstand vorliegender Darstellung bilden, und
ich hoffe, dass manche der angeführten Thatsachen meinen Versuch einiger-
niassen rechtfertigen.
1) An erster Stelle mögen granitische Gebilde des Syenits erwähnt
sein. Dieselben ei*scheinen als Nester von geringer (irösse, schmale Sclmüre
oder Bänder und bis zu 0.5 m (selten) mächtige gangailige grosskrystalli-
nische Massen. In fast allen ist der Feldspath vorwaltend, meist
Orthoklas, seltener Oligoklas, die Hornblende tritt fast ganz zurück
und erscheint nur ausnahmsweise, der Quarz fehlt fast nie und auch
grossblättriger Glimmer ist zuweilen vorhanden. Der Feldspath ist,
nebst Glimmer, das ältere Glied dieser Ausscheidungen, (^uarz das jüngere,
Fctitschi'ift ihv hix in DrtHtltn, IHH't. 4
50
doch mag er auch zuweilen gleichzeitig mit dem Feldspathe entstanden
sein, da er mit demselben mitunter wahren Schriftgranit bildet. Der
Quarz ist also zumeist in der Mitte der Bänder und Nester vorhanden.
In den grösseren Ausscheidungen ist der Quarz ziemlich rein,, durch-
scheinend, bergkrystall- oder rauchquarzartig , gegen den Feldspath scharf
begrenzt. In manchen schmalen Bändern aber zeigt er sich ebenso wie
der Feldspath mehr dicht und in diesen übergehend. Quarzkrystalle
wurden in diesen Gebilden nicht beobachtet.
Nur in einigen wenigen Fällen wurden reine Quarzausschei-
dungen im dichten Syenite bemerkt, dieselben waren immer sehr eng be-
grenzt, aber doch bandartig oder plattig. Werden solche Platten gespalten,
so zeigt sich eine ähnliche rhomboidale Absonderung des Quarzes,
wie sie an manchen Granitbändern des Granits von der Knorre bei
Meissen und auch von Mitweida bekannt ist. Es scheint, als ob diese
Absonderungen des Granites und hier des Quarzes mit der Struktur (dem
Wüchse) des Gesteins in Verbindung stehen. Sie zeigen vielleicht im
Kleinen, wie eigentlich die Bruchflächen grosser Felsmassen erecheinen
müssten.
Für die granitischen Ausscheidungen ist der Orthit in vielen Fällen
ein bezeichnendes, geradezu ein leitendes Mineral, welches die innige Be-
ziehung zwischen dem normalen Gesteine und der granitischen Abänderung
beweist. Meist ist der Orthit mehr dem Feldspathe vergesellschaftet als
dem Quarze; nur in einem einzigen Falle wurde der Orthit auch m
dichtem Quarze angetroffen, welcher dann die bekannte strahlige
Gruppirung zeigte, die der Umgebung des Orthits so ganz besondere
eigen ist.
Die lehrreichsten mächtigeren granitischen Ausscheidungen wurden in
dem oberen Bruche beim Forsthause (linkes Ufer) und in den letzten
Brüchen unmittelbar vor Potschappel (rechtes und linkes Ufer) be-
obachtet, während die bandartigen besonders schön in dem Bruche un-
mittelbar unterhalb der Begerburg auftreten. Kleinere Nester sind von
allen Brüchen des Grundes bekannt.
2) Ein mehr selbständiges Auftreten des Quarzes ist das in
gangartigen Gebilden, die wohl zumeist als Spalten- und Kluftausfiillungen
anzusehen sind. Das mächtigste derartige Vorkommen ist am Nordende
des grossen Bruches unterhalb der Begerburg. Die Richtung dieser
Gangmasse ist circa NW— SO, also rechtwinkelig zur Thalaxe, die im All-
gemeinen NO— SW ist. In den Quarz dieses Ganges sind, besonders an
einer Grenze, scharfkantige Syenits tücke eingebettet und der be-
grenzende Syenit ist viel klüftiger und mehr kleinstückig, als das Gestein
sonst in der Hauptmasse erscheint. Auch ist das Gestein an der Grenze
gewöhnlich auffallend arm an Hornblende, so dass man geneigt sein
möchte, diese als das Material anzusehen, welches den Quarz, sowie den
begleitenden Epidot geliefert. Das Ganggestein ist fast nur Quarz, zellig,
51
rauh, krystallinisch und dicht, grau bis farblos, hin und wieder grünlich,
Spuren von Epidot führend, wodurch seine Zugehörigkeit zum Syenite be-
wiesen würde. Die unregelmässigen Hohlräume sind vielleicht der Sitz
eines leicht zersetzbaren Felsits gewesen.
Lehrreicher als das grosse Vorkommen ist das Auftreten vieler kleineren.
Dieselben bilden nur schmale, scharf begrenzte Bänder im frischen Gesteine,
zuweilen mehrere Meter weit erstreckt, öfter aber nur kleine, enge Klüfte
ausfüllend. Diese Bänder, Ausscheidungen, bestehen aus Epidot und
Quarz, ersterer meist in geringerer Menge schmale Streifen zu beiden
Seiten des Bandes bildend, er ist das ältere Glied. Die Mitte besteht aus
dichtem und krystallinischem Quarze mit langgestreckten Drusenräumen,
besetzt mit wohlgebildeten Quarzkrystallen, denen sich zuweilen Kalkspath
zugesellt. In den kleineren, engeren Kluftgebilden war letzteres immer der
Fall; der Kalkspath bedeckt dann aber ausser dem Epidot und Quarze
auch noch andere krystallisirte Mineralien, wie rhombisch erscheinenden
Felds path, blättrige und nadelformige Hornblende, Titanit und
Glimmer. licider sind alle diese Dinge, fast mit alleiniger Ausnahme
des Quarzes und Epidots, nur in sehr kleinem Massstabe entwickelt und
die Deutung schwer. Immer aber ist der Epidot das ältere und Quarz
das jüngere Glied.
Ausser auf Spalten und Klüften ist das Epidot-Quarzvorkommen auch
als Nester im festen Gesteine, wenn auch selten, zu beobachten.
In diesen Nestern ist der Epidot schön strahlig, der Quarz dicht, beigesellt
zuweilen ein Chlorit.
Auf engen Klüften des Syenits sind, wie oben gesagt, die Haupt-
gemengtheile desselben nicht nur, sondern auch mehrere seiner Neben-
mineralien auskrystallisirt und durch Kalkspath geschützt worden. Nach
Wegnahme des letzteren durch Säure erhält man flache Drusen. Zuweilen
ist der Kalkspath auch schon ganz oder theilweise durch die Natur
entfernt.
Die meisten freien Quarzkrystalle dieser Gebilde bieten nichts Be-
sonderes, aber an manchen, namentlich solchen, welche ganz oder nahezu
aufrecht in den Drusen standen, wurde eine eigenthümliche Einkerbung
der Säulenflächen, sowie eine basisch erscheinende obere Abstumpfung
wahrgenommen. Die Einkerbung war nicht die gewöhnliche, die die
pyramidalen Flächen erkennen lässt, sondern es waren scheinbar hexagonale
Tafeln in kleinerer oder grösserer Anzahl eingebaut. Die Endpyramide
entweder gänzlich verschwunden oder auch wie aus dicht gehäuften Tafeln
bestehend.
Auffallend war auch ein dem Perlmutterglanze sich nähernder Glanz
der Tafelflächen. Hexagonale Quarztafeln, TridymitI! verwachsen mit ge-
wöhnlichem Quarze. Doch ich gedachte der Worte eines unvergesslichen
Mannes — Th. Scheerer — „dass der Anfanger am öftersten etwas Neues
gefunden zu haben glaubt," und sammelte weiter das spärlich vorkommende
4*
52
und unscheinbare Material. Ich fand, dass die Tafehi auch sehr geneigt
zu einander stehenden Quarzki-ystallen parallel waren, dass die tafelige
Theilung auch in der Richtung der Hauptaxe, sowie in jeder anderen vor-
kommen könne, dass also die Ursache der Erscheinung eine äussere sein
müsse. Diese Ursache ist nun nach meiner Meinung der Kalkspath,
derselbe hat bei gleichzeitigem Krystallisiren mit dem Quarze diesen mehr
oder weniger zurückgedrängt und unterbrochen. In ganz engen Klüften
des Syenits ist oft zunächst nur Kalkspath zu sehen, nach Wegnahme
desselben durch Säure erscheinen zuweilen auch Epidot und Quarz und
Anderes. Der Epidot ist als Aelteres durch den Kalkspath nicht beein-
trächtigt, sondern nur der jüngere Quarz.
Die Kalkspäthe des Syenits, hier so genannt, wenn auch dem-
selben nicht eigentlich angehörend, zeigen eine ziemliche Mannigfaltigkeit
in Formen und sonstiger Ausbildung. Mit das Bemerkenswertheste ist
aber das in dem ganzen kleinen Gebiete nicht gar seltene Auftreten von
Calcitkrystallen mit basischen Enden. Ja wenn auch an manchen Kry-
stallen die Basis nicht zu sehen, sondern z. B. — V2 R> so kann doch im
Inneren die basische Zusammensetzung vorhanden sein, und es ergiebt sich
zuweilen eine Art basischer Spaltbarkeit, die Spaltungsflächen alsbald er-
kennbar durch ihren perlmutterartigen Glanz. Die Calcittafeln oder
Tafelgruppen können auch an einem Ende durch — V» R überbaut sein,
während das andere frei ist. Zierliche skalenoedrische Talelgmppen
zeigen ähnlichen Bau wie manche der gekerbten Quarze. Ich glaube nun,
dass all die Einkerbungen und Durchschneidungen des Quarzes ihren
Grund in der gleichzeitigen Bildung des Quarzes und des tafeligeu
Kalkspaths haben, dass sie sich gegenseitig an alleiniger Ausfüllung des
Raumes hinderten, ohne aber ein vollständiges Unterbrechen des Krystall-
wachsthums bewirken zu können. (Können doch z. B. Quarzkrystalle recht
schön sich weiter bilden, wenn auch ihre Flächen mit fremden Stoßen
unterbrechend bedeckt werden. Kappenquarz.) Von Aren dal liegt ein
Stück vor mit Pistazit und Quarz. Letzterer ist in ganz gleicher Weise
gekerbt wie der von Plauen, ersterer dagegen ungestört. Die beschriebene
Quarzbildimg erinnert wohl etwas an die sogenannten Babelquarze.
3) Quarz auf Klüften eines zersetzten Syenits bildet Krystallrinden
und ei-scheint als heller gemeiner Quarz, zuweilen als Rauchquai'z. Auch
hier treten andere Stoffe hinzu, namentlich Calcit, seltener Baryt,
Aragonit, Kupferglanz u. s. w. Nur Calcit und Baryt stören den
Quarz und unterbrechen sein Wachsthum. Der Calcit ei-scheint hier meist
unvollkommen skalenoedrisch, schief gekerbt oder gestreift in einer Richtung
der Spaltbarkeit, und zeigen sich diese Kerben auch auf dem Quarze,
dessen aufrechte Pyramiden wie zusammengedrückt und kaum wahrnehm-
bar sind. Ist der Calcit vollkommen ausgebildet, so ist der Quarz nur
eine Ausfüllung zwischen den Krystallen desselben, und zwar meist Rauch-
quarz, seltener amethystartig.
53
4) Die oben envähiiteii Quarze stellen iiiiiner in mehr oder weniger
enger Beziehung zum Syenite, indem sie von demselben umschlossen werden
oder wenigstens nicht durch neuere Gebilde abgetrennt sind. Als solche
neuere Gebilde sind nun zu nennen der Calcit, Dolomit, Baryt,
Laumontit, An alz im. Laumontit sitzt gewöhnlich auf zersetztem
Syenite, seltener auf frischem, nur einmal wurde er auf Quarz sitzend ge-
funden. Der Analzim tindet sich meist auf und in Calcit, seltener
unmittelbar auf zei*setztem Syenite oder auf Quarzrinden desselben. Auf
den Zeolithen wurde Quarz nicht an^etroftcn, auf dem Calcite, Dolomite
und Baryte dagegen findet er sich als eine neueste Bildung vor.
Ein unscheinbares Barytstück zeigt längliche, tafelige Krystalle
bis 2 cm lang und 1 cm breit, eigentlich Krystallginippen (:x P oc . P ^ .
>^P2); die Mitte der Tafel bildet eine lange, dünne, rhombische Säule
und fast nur auf dieser befinden sich einige wohlgebildete Qua rzkry stalle,
so dass man schliessen möchte, dass ei-st mach Entstehung dei^selben das
Wachsen des Baryts in die Breite vor sich ging, da die breiten Flächen
nur wonig Quarz tragen.
Quarz auf Calcit und Dolomit. liCtztere zwei Mineralien wurden
zusammen namentlich am Anfange (Brüche beim Forsthause) und am Ende
des Grundes (Brüche vor Potschappel) gefunden, meist in Klüften und
Höhlen zersetzten Syenits. Zuweilen ist der Dolomit das ältere Glied und
bildet dann wohlgestaltete Ilhomboeder unter dem Calcite, oder er ist
jünger und überrindet den Calcit. Es kommt auch vor, dass dieser jüngere
Dolomit noch neuere meist recht zierliche, aus fiachen Rhomboedern be-
stehende kleine Krystallgruppen trägt. Diese letzteren Calcite tragen keinen
Quarz, nur die ersteren und der Dolomit.
Auf dem Calcite sitzt der Qiuirz gewöhnlich vereinzelt, die Krystalle
können bis l cm gross sein und sind hell, wie Bergkrystall oder auch
dunkel, wie Rauchquarz, und zeigen skalenoedrische und rhomboedrische
Eindrücke nach Wegnahme des Calcits. Auf dem Dolomite bildet der
Quarz gewöhnlich ganze Rinden kleiner, heller Krystalle. Das Schema für
eins der interessantesten Vorkommen würde etwa sein : tafelige Calcite mit
drei aufgesetzten flachen Rhomboedeni, darauf dünne, erdige Rinde (ver-
witterter eisenhaltiger Calcit), bedeckt durch Dolomit und dieser bedeckt
mit Quarzrinde, so dass die letztere noch zeigt die Grube und die Rinnen,
erzeugt durch den Aufbau der Rhomboeder auf die Tafel.
Noch einer Thatsache mag hier gedacht werden. In einer Kluft-
ausfüllung fand sich ein blassröthlich , erdig erscheinender Einschluss
im Kalkspathe. Bei genauerer Betrachtung zeigte er sich krystallinisch
und der Staub ritzte Glas. U. d. M. wurden deutliche und vollkommen
ausgebildete Quarze erkannt. Die Krystalle waren etwa Y^ — 1 mal so
lang, wie eine Baumwollenfaser breit ist, oder V« — IV« (O.Ol) = 0.005 —
0.015 mm lang und 0.0025 — 0.005 mm dick. Die kleinen, losen Krystalle
sind nur die Ausfüllung einer Calcitdruse.
54
Nach Vorstehendem könnten vielleicht folgende Quarze unseres Syenits
dem Alter nach unterschieden werden:
1) Quarz im Syenite und in den granitischen Ausscheidungen des-
selben ;
2) Quarze in Begleitung von Pistazit in gangartigen Massen, Bändern
und dünnen Kluftausfüllungen;
3) Quarze auf Klüften verwitterten Syenits;
4) Quarae auf Carbonaten und anderen sekundären Gebilden.
Man darf an die erwähnten Vorkommen nicht einen zu grossen und
strengen Massstab legen, sie zeichnen sich weder durch grosse Schönheit
und Augenfälligkeit, noch durch Häufigkeit aus. Nur in sehr lauger Zeit
ist es gelungen, ein Material zu sammeln, von dem der Schreiber ange-
nommen, dass es der Erwähnung einigermassen werth sei, weil er selbst
dadurch viel Anregung und Freude gewonnen, wie es ja bei jedem eifrigen
Sammler der Fall ist.
55
Die Crednerien im unteren Quader Sachsens.
Von H. Engelhardt.
Mit Tafel I.
Credneria Geinitziana Ung. Taf. I. Fig. 8.
1843. Credneria sp. Geinitz. Gaea v. Sachsen. S. 133, Ders., Charakt. d.
Schichten u. Petref. d. sächs.-böhm. Kreidegeb. S. 97.
1849. Credneria Geinitziana, Unger, gen. et. sp. pl. foss. S. 422. Ders.,
Bot. Zeitung v. Mohl u. Sclüechtendal. S. 349.
1849. Credneria tremulaefolia, Brongniart, Tableau des genres de v^gätaux
fossiles. S. 111.
1849. Credner^ia Reichi. Geinitz, Quadergeb. S. 247.
1857. EttingshauHenia tremtdaefoUa Brongn, sp. Stiehler, Beitr. z. Kenntn.
d. vorweit. Flora d. Kreidegeb. im Harze. Falaeont. V. S. 67. Schimper,
Traitö vög. pal. JII. S. 62. Taf. 96. Fig. 28.
Die Blätter sind klein, lederig, querelliptisch, in der Mitte am
breitesten, am Grunde herzförmig; der obere Theil des Randes ist seicht-
buchtig gezahnt, der untere beinahe ganzrandig, beide aber schmal knorpelig
berandet. Der Mittelnerv ist verhältnissmässig stark und endigt, nur
wenig vei'schmälert, in der Spitze. Mit ihm entspringen am Grunde vier
Hauptnerven, von denen die untersten sehr fein sind, deren einer entfernter
vom Rande verläuft und in den einen Ast des nächsthöheren Hauptnervens
mündet, in den ersten Zahn nur ein Aestchen absendend, während der
andere dicht am Rande verlaufende schon vor dem ersten Zahne ver-
schwindet. Die oberen besitzen beinahe die Stärke des Mittelnervs und
verlaufen in wenig spitzem Winkel bis zur Mitte des Blattrandes, wo sie
verhältnissmässig stark in einem Zahne ihr Ende erreichen, nachdem sie
nach aussen eine geringe Anzahl gebogener Seitennerven zu'den gegenüber-
liegenden Zähnen des Randes ausgesendet haben. Aus dem Mittelnerv
entspringende Sekundärnerven sind jederseits zwei bogig verlaufende vor-
handen. Die Nervillen entspringen unter rechtem Winkel, sind durch-
gehends geknickt und vielfach in Gabeläste gespalten. Der Stiel war
lang und stark.
Die Blätter zeigen die grösste Aehnlichkeit mit denen von Pqptdus
trmiula L. nach ihrem allgemeinen Aussehen, insbesondere aber in Bezug
auf ihre Nervatur. Hier wie dort finden wir am Grunde zwei feine Haupt-
FiMtsckrift der his in Di'e»l(-th IHHö.
56
nerven, die keine Sekundärnerven absenden, darüber zwei stärkere, welche
es nach unten thun, und noch höher die vom Mittehien^en ausgehenden
starken Seitennerven, auch findet bei den zuletzt genannten ein wenig
Hin- und Herbiegung statt.
Trotzdem dürfen sie nicht zu den Salicincvn gezogen werden, da bei
diesen ein knoi^peliger, verdickter Rand nie zu beobachten ist. Auch möv^hte
ich darauf hinweisen, dass bei den Pappelblättern die seitlichen Haupt-
nerven und die von) Mittelnorv ausgehenden Seitennerven sich nach dem
Rande sehr verfeinern und vor demselben sich spalten, was l)ei dieser
Crcdueria nicht der P'all ist.
Wenn C. v. Ettingshausen in Kreidefl. v. Niederschoena (Sitzgb. d. k.
Akad. d. Wissensch. 1867) S. 24 die Selbständigkeit dieser Art bezweifeln
zu können glaubt, so hat er sicher Exemplare einer anderen Art unter
diesem Namen in den Händen gehabt, da sie ja von den übrigen Species
ganz wesentlich abweicht.
Credneria cuveifolia Bronn. Taf. I. Fig. 2. 4. 7.
1836. Credneria sp. Cotta, Jahrb. f. Min, S. 585.
1838. Credneria ciineifoliu. Bronn, Lethaea geogu. IL S. 583. Taf. 28. Fig. 11.
Geinitz, Gaea v. Sachsen. S. 133. Ders., Quader Deutschlands, 8.274.
Ders., Elbsandsteingeb. I. S. 308. Taf. 67. Fig. 3. v. Ettingshausen,
Niederschoena. S. 24.
1857, EtÜngshausenia cuneifolia. Stiehler, Palaeont. V. S. 67. Schimper,
Traitö v^g. pal. IH. S. 62.
Die Blätter sind gross, lederig, umgekehrt- ei- keilförmig, entweder
so lang als breit oder etwas länger als breit, über der Mitte am breitesten;
der Rand der unter stumpfem Winkel anstossenden oberen Seiten ist
bogig gezahnt, der der einen spitzen Winkel bildenden unteren, am Stiele
herablaufenden geradlinig oder fast geradlinig. Der Mittelnerv ist stark
und verläuft gerade, allmählig an Stärke abnehmend, in der Spitze; die
Seitennerven nehmen vom Grunde nach der Spitze hin an Länge ab, sind
stark, etwas gebogen und zeigen gleichfalls allmähliche Verminderung der
Stärke, bis sie zart in einem Zahne verlaufen; die untersten entspringen
gegenständig über dem Grunde und senden nach unten allmählich schwächer
werdende, gebogene Tertiämerven aus, von welchen die unteren unter
einander bogig verbunden sind, die oberen aber in Randzähnen münden.
Die oberen Seitennerven, fast immer alternirend, sind einfach und verlaufen
in Zähnen des Randes, die Nervillen sind selten gerade, meist geknickt,
in Gabeläste gespalten und durch sehr feine Queradern verbunden. Der
Stiel ist lang und stark.
Drei Exemplare lagen mir vor, ausser ihnen niu' noch ein Blattfetzen.
Das eine (Fig. 2), von dem auch die Gegenplatte vorhanden ist, zeigt
sich beinahe vollständig erhalten und mit der verkohlten Blattmasse ver-
sehen. Bei ihm entspringt aus dem untersten Nerven der einen Seite auch
ein gebogener Seitennerv nach oben zu, der in einen Zahn ausläuft, während
57
dies heim zweiten der anderen Hälfte nach unten der Fall ist. Es ist
dies zwar eine Kleinigkeit, ich ei'wiihne sie aher doch, da sie bei einzelnen
Crednerim de« Hai'zes als nonnal angesehen werden dürfte. (Vgl. Stiehler,
Beiträge etc. Pal. V. Tat". 9. Fig. 2—5; Taf. M). Fig. 9.;^ Die Nerven treten
aus der Blattniiusse hervor und liegt uns deshalb jedenfalls die Unterseite
vor. Die knorpelige Verdickung des Randes ist gering.
Das zweite klehiere Blatt (Fig. 7) ist nur im Abdruck vorhanden
und zeigt die Nervatur vertieft. Der Band ist ebenfalls nur wenig
knorpelig verdickt.
Das dritte (Fig. 4) scheint das Fragment eines jungen Blattes zu
sein. An ihm fällt die bedeutende Stärke der Nervatur auf, sowie dass
die oberen Seitenner>en gegenständig sind.
Geinitz zieht in Elbsandsteingeb. I. S. 3()S auch die von v. Otto in
Additamenta II. Taf. 9. Fig. 8. 10 abgebildeten Fragmente hierher, doch
shid dieselben zu unvollständig erhalten, als dass eine Zureclumng derselben
zu einer bestimmten Art mit Sicherheit behauptet werden kann.
Crvdncria grandidentata Ung. Taf. I. Fig. 1. 3. 5. 6.
1849. Unger, Bot. Zeitg. v. Mohl u. Schlechtendal. S. 348. Taf. 5. Fig. 5.
Ders., gen. et. sp. pl. foss. S. 422. v. Ettingshausen, Niederschoena
S. 25.
1857. Etiingshaiiseiüa (jvandidentata. 8tiehler, Palaeout. V. S. 67.
An in. Ob Cr. expansa Brongn. (vgl. Tabicau des gen res de vegetaux fossiles
y. 111» dieselbe Art sei, kann nur vermuthet werden, da weder Abbildung norh Be-
schreibung gegeben sind.
Die Blätter sind gross, lederig, rhomboidal, länger als breit, unter
der Mitte am breitesten; der Rand der beiden längeren oberen, unter
einem dem rechten nahekommenden spitzen Winkel zusammenstossenden
Seiten ist buchtig gezahnt, die unteren kleineren am Blattstiel herab-
ziehenden verlaufen beinahe gerade. Der Mitteinen' ist stark, ebenso sind
es die entweder gegenständig oder alternirend entspringenden Seitennerven,
welche fast geradlinig die Blattmasse durchziehen und verdünnt, aber
immerhin noch verhältnissmässig stark in den Randzähnen münden ; nur
die untersten senden etwas gebogene Seitennerven nach unten ab, von
denen wieder die unteren mit einander verbunden sind, die oberen aber
in die der Basis nächsten Zähne münden; die der Spitze nächsten Seiten-
nerven verbinden sich unter stai'ken Bogen mit einander und entspringen,
dadurch von den übrigen völlig abweichend, unter beinahe rechtem Winkel.
Die Nervillen sind meist gebrochen, in GabeUlste gespalten und durch
sich in gleicher Weise verhaltende noch feinere mit einander verbunden.
Der Stiel war lang und stark.
Es sind ein fast vollständiges Blatt (Fig. 1), ein Fragment, von dem
das Spitzentheil vollständig, der Grund aber nur in geringem Masse er-
halten ist (Fig. 5), ein Blatt, dem die Spitze (Fig. (5) und ein grosses
Blatt, dem der Rand gänzlich fehlt (Fig. 3), dargestellt worden. Letzteres
58
zeichnete ich, weil sich tui ihm an einer Stelle die feinere Nervatur sehr
gut erhalten zeigte.
Keines der Stücke zeigt die Kohlensubstanz erhalten ; Fig. 6 ist durch
Eisenoxydhydrat gelbbraun gefärbt. Alle machen wahrscheinlich, dass die
Blätter dieser Art weniger lederig waren, als die der vorigen ; bei allen zeigt
sich der Rand nur wenig verdickt. Der Blattstiel von Fig. 6 kann nur
als abnorm gestaltet angesehen werden, eine Erscheinung, die sich auch,
wenngleich mehr hervortretend, an von Stiehler abgebildeten Crednerieii-
blättern zeigt. (Vgl. Palaeont. V. Taf. 9. Fig. 3; Taf. 10. Fig. 9; Taf. 11.
Fig. 10.) Möglich, dass sie durch Insektenstiche hervorgerufen wurde, w^as
wir an jetztweltlichen Pflanzen ja auch zu beobachten vermögen.
Diese Art steht der vorhergehenden am nächsten, doch lassen die
wahrscheinlich verechiedene Dicke der Blätter von beiden, das Auftreten
der grössten Breite an entgegengesetzter Stelle, das verschiedene Verhalten
von Breite und Länge zu einander, sowie das der oberen Seitennerveii
nicht eher das Vei*schmelzen beider zu einer Art zu, bis massgebende
Uebergangsformen bekannt werden.
Die hier beschriebenen und abgebildeten Stücke, welche mir durch
die Güte des Herrn Prof. A. Stelzner zukamen, befinden sich sämmtlich
in der Sammlung der Bergakademie zu Freiberg. Sie stammen aus der
berühmten Fundstelle von Niederschöna bei Freiberg, somit aus dem
unteren Quader. Eingebettet fanden sie sich in einer Schieferthonschicht,
welche reich an Glimmerblättchen ist.
Eine gleiche Schicht mit innelagernden Pflanzenresten ist auch in der
Nähe von Dohna gefunden worden. (Vgl. Dr. Deichmüller, Ueber das
Vork. cenomaner Vei-st. bei Dohna. Abb. d. naturw, Gesellsch. Isis in
Dresden. 1881. S. 98.) Das geologische Museum zu Dresden besitzt von
dort auch Fragmente einer Crednerienart, deren sichere Bestimmung jedoch
nicht mögUch ist, da ihnen der Rand fehlt. Höchst wahrecheinhch gehören
sie Credncria cimcifoUa Bronn an.
Sonstige Fundstellen, welche Crednerienblätter geliefert hätten, sind
bis jetzt in Sachsen nicht bekannt geworden.
Allgemeines.
Schon Scheuchzer, Brückmami, Walch und D'Aubuisson de Volsins
erwähnten Abdrücke grosser Baumblätter aus den Sandsteinen der oberen
Kreide des Harzes. Zenker untereuchte solche zuerst genauer, beschrieb
und bildete sie unter dem Namen Credneria (zu Ehren des Prof. Credner
in Giessen) in semen Beitr. z. Naturgesch. d. Urwelt ab, worauf Stiehler
in Beitr. z. Kenntn. d. vorw. Flora d. Kreidegebirges im Harze (Palaeont. V.)
die bis dahin in Sachsen und Böhmen gefundenen und gleichbenannten
Blätter mit dem Namen EHlngshausenia belegte, nachdem schon Broun
59
iu Lethaea geogn. V. S. 55. (3. Aufl.) betont hatte, dass die knorpelige
Bandeinfassung derselben und der viel schiefere Verlauf der Seitennerven
erster Ordnung bei Credneria cunelfolia vielleicht Anlass zur Trennung
dieser Species in eine eigene Sippe geben könnte, für welche der Name
Chofi\drophyllum geeignet sei, freilich ein Name, der, wie Stiehler mit Recht
bemerkte, schon von Bunge (nicht Runge !) bereits für eine lebende Gattung
der Getifianeen venvondet worden war.
Die Hauptuntei-schiede beider lassen sich etwa so gegenüberstellen:
Echte Crednerien do8 Harzes : Ettingshanseiiien Sachsens a. Böhmens :
Gestalt: Rundlich, eiförniiK oder um- Keilförmig oder rhomboidisch am
gekehrt-eiförmig, am Grunde Stiele herablaufend.
meist herzförmig.
Hand: Nicht knorpelig verdickt. Knorpelig verdickt.
Unterste Seitennerven: Horizontal Steil aufsteigend.
oder fast horizontal.
Darnach müssen unsere Credneria viumfolia Bronn und (h\ grandi-
dentata Ung. zu Ett'mgsJuiusciüu gerechnet werden. Dagegen zeigt Cr,
Grinitzi Ung. von den Crednvricii des Hai*zes die rundliche Gestalt mit
herzförmigem Grunde und zwei fast horizonüil abgehende unterete Seiten-
nerven, von den Ettingshansmim Sachsens den knorpelig verdickten Rand,
Dies ergiebt, dass sie eine Mittelform ist, die beide von Stiehler aufgestellte
Gattungen mit einander zu verbinden im Stande ist, dass also eine so
scharfe Treimung weiterhin nicht beibehalten werden kann. Zu ähnlichem
Resultate kommt auch Velonovsky, wenn er in Fl. d. böhm. Kreideforma-
tion Heft I. S. 17 nachweist, dass Cr, boJiemica Vel. so gut zu den echten
Crednerieti als zur Section CliondrophylUnn gezählt werden könne und dann
fortfährt: „Es können uns demnach die Blätter von Credneria bohetnica
der beste Beweis sein, dass alle Blätter der Crednerien und Chondrophyllen
überhaupt sehr verwandten Pflauzenarten angehören müssen." Unter
solchen Verhältnissen dürfte es wohl angezeigt sein, so lange, bis man
durch Funde von zugehörigen Früchten, vor allem aber von Blüthen, in
den Stand gesetzt worden sein wird, Zusammengehörigkeit oder wirklich
generische Verschiedenheit bestimmt nachweisen zu können, alle Blatt-
formen unter dem ursprünglichen Namen Credneria vereinigt zu lassen
und nur Formengruppen aufzustellen, dabei die amerikanischen verwandten
mit einschliessend, was etwa folgende ergeben würde:
Form 1. Echte Crednerien.
Form 2. Ettingshaiisenien.
Form 3. Uebergangsformen zwischen beiden.
Form 4. Protophyllen, (Vgl. Lesquereux, The cretaceous Flora.
S. 100 if.)
Wenden wir uns der Frage zu, welcher Familie der jetztweltlichen
Flora sie zuzuweisen seien, so müssen wir vorausschicken, dass diese Frage
von den Paläontologen schon längst aufgestellt, jedoch sehr verschieden
beantwortet ist. Hatte Brückmann (Epistolae itinerariae No. 37) die
60
Harzer Blätter mit denen der Haselnuss verglichen, aber aucli zugleich
iuif ihre bedeutendere Grösse hingewiesen, wollte d'Aubuissou des Voisins
in seiner „Geognosie" sie sogar, freilicli ganz unglücklich, wegen dieser
mit Palmenblättern vergleichen, so stellte sie Zenker zu den Amentacem,
aber mit (?), (iöppert (Bronn, Gesch. d. Nat. III. 2. S. 57) vorsichtig zu
den Bkofylnlonm zweifelhafter Verwandtschaft und Hampe zu den Poly-
gonccn (S. u. a. Flora 1840. 1. S. 155. Bot. Zeitg. 1846. S. 160. Ber. d.
naturw. Ver. d. Harzes 1 852. S. 6 ff.) in die Nähe der Gattung Coccoldni,
welche Ansicht jedoch Hosius und v. der Marck (Die Flora d. Westfäl.
Kreidef. Palaeont. Bd. 26. S. 196) als irrig zurückwiesen. Geiuitz reihte
sie in die Familie der Sali einem ein. (Charakt. d. Schichten u. Petref. d.
sächs.-böhm. Kreidegeb. S. 97. Gaea v. Sachsen S. 133.) Was nun unsere
speciell sächsischen Formen anbetrifft, so lässt sich nicht leugnen, dass die
Blätter von Cr. Geinitziana Ung. mit denen von Pojmhfs tretnnla L. auf-
fällige Aehnlichkeit zeigen und könnte man wirklich versucht sein, sie in
der Familie der Salieineot unterzubringen, wenn der charakteristische ver-
dickte Rand nicht vorhanden wäre, welcher bei keinem lebenden Gliede
dieser Familie beobachtet werden kann. Wollte man deshalb die Möglich-
keit annehmen, dass die Blätter der ersten Poimbts-Avten ursprünglich
knorpeligen Rand gehabt, denselben aber im Verlaufe ihrer allmählichen
Umbildung verloren hätten, so würde doch zu bedenken sein, dass einmal
dafür zur Zeit auch nicht eine einzige Thatsache spricht, so dass wir solche
Gedanken wohl dem Gebiete der Träumereien, nicht aber dem der exakten
Wissenschaft überlassen dürfen, und dass das andere Mal gerade diese
Eigenschaft die Blätter dieser Art mit denen von Ot\ euneifolia Bronn und
Cr, grandiderftnfa Ung. eng verbindet, so dass sie nur in Gemeinschaft mit
ihnen, welche weder mit denen der Gattung Salin' ^ noch mit solchen des
Geschlechtes Fojmlas übereinstimmen, betrachtet werden dürfen. Dadurch
aber ist die Stellung aller unter den Salieincen erschüttert worden, trotz-
dem wir nur einen Theil der Crednerienblätter zur Betrachtung zogen.
Bronn verzichtete auf die Vergleichung dieser Blätter mit denen von
Gliedern einer Familie; er wies mit durch ein ? ausgedrückter ReseiTe auf
die Ordnung der Juliflorm hin und schloss der vorhergenannte Forscher
sich ihm in: Das Quadersandsteingeb. v. Deutschld. (S. 274) an. Ganz
abweichender Ansicht war C. v. Ettingshausen. Er schreibt in seiner
Kreidefl. v. Niedei-schoena S. 24: „Dass die Crcdnerien nicht mit dem
Geschlechte Fqpulus, sondern mit Cissns am nächsten verwandt sind, und
daher auch nicht den Salicinecn, sondern den Ampcliden eingereiht werden
müssen, habe ich bereits an einem andern Orte (S. Jahrb. d. K. K. geol.
Reichsanstalt. II. 2. S. 171) ausgesprochen." Leider ist an citirter Stelle
kein eingehender Nachweis zu finden. Unsere deshalb angestellte Ver-
gleichung der Crednerienblätter mit solchen der Gattung Cisstis ergab
allerdings, dass es eine Anzahl der letzteren giebt, welche mit einzelnen
Ch'cd)iericn sehr grosse Aehnlichkeit haben, aber es gelang uns nicht, für
61
alle dergleichen festzustellen. Andere zeigen vielmehr Aehnlichkeit mit
Blättern von PlnUinus, besondei-s aus dem Tertiär (z. B. mit PL GniUelmav
(iöpp.); aber es sind wiederum nur einzelne Arten. Ganz ebenso geht es
uns, wenn wir sie, wie es Brongniaii; gethan, mit Parrotia, Hamamelis
und Foihenjilla zusammenstellen oder wie vcm Schimper in Traite veg.
pal. III. S. 63 geschehen ist, mit Pterospirmtfm und Sfcrctdia, oder wie
von Miquel mit den Mareen*), oder wie von de Saporta mit der Gattung
BucUandia, (S. Annales des sciences naturelles. V. Ser. Botanique. Tom. 3.
S. 33 ff.) Leugnen lässt sich freilich nicht, dass die Mehrzahl der so-
genannten „eigentlichen Crednerieti'' wohl am besten mit den Mareen zu
vergleichen ist, was Velonovsky (a. a. (). S. 18 ff.- eingehend nach-
gewiesen hat.
So ist es daher nicht gelungen, in einer Familie alle Arten unter-
zubringen; wir bedürfen vielmehr dazu immer einer Anzahl und zwar im
System nicht neben einander stehender, wobei nicht vei'schwiegen werden
darf, dass die Aehnlichkeiten der verglichenen Blätter stets auch trennende
Verschiedenheiten neben sich haben. Und doch dürfen wir die einzelnen
Glieder dieser Gruppe, wie wir oben gezeigt, nicht trennen, da, so ver-
schieden sie auch sein mögen, sie doch durch N'erbindungsglieder zusammen-
gehalten werden. Vielleicht, dass einstmals die auf (irund der vom Comte
de Saporta in Ann. des sc. nat. V. S. Botanique Tom. 3. S. 32 geäussei-ten
Ansicht gestellt« Frage Schimpei*s: „üu peut etre meine a une forme
prototypiques qui aurait renferme dans son sein tout un grand groupe de
Phanerogames dicotyledonees , decoupe dans la flore actuelle en familles
et meme en ordres distincts, a la suite de la disparition des formes des
transition?" (Traite pal. veg. III. S. 58) wissenschaftlich beantwortet
werden kann; fui- jetzt, da wir ei-st anfangen, Bausteine zu einem Stamm-
baume der Pflanzenwelt zusammenzutragen, ist es Jiur Wunsch.
So wie die Angelegenheit zur Zeit steht, bleibt uns nichts übrig, als
zusammen zu hissen, was Gott zusammengefügt, die Credverlen als eine
besondere Familie aufzufassen, die in ihrer Eigenai-t während der Kreide-
formation bestand und am Ende dei-selben ausstarb, wenn, worüber wir
jedoch gänzlich im Dunkeln tappen, sie sich den Bedingungen, welche die
Tertiärzeit an sie stellte, nicht accomodiren konnte, oder sobald das
Gegentheil, was wahi-scheinlicher, der Fall, sie sich in Folge der Neuord-
Jiung der Dinge kraft der den einzelnen Arten inwohnenden verschiedenen
Neigung zur Fort- und Umbildung in vei'schiedene Gruppen spaltete, die
durcli die auf sie ausgeübte lange sich fortsetzenden Impulse sich so
umänderten, dass wir die Produkte dieser umformenden Gewalt der Natur
*j Er bemerkt in De fossUIe planteu van het krijt in hct hertogdom Limburg S. 8:
„en Avat de krijit-periode betreft, sluit zieh, naar nijine meening, de ten opzigte van
hare verwandsohap nog twyfelaclitige Credneria liet naast an de afdeelingcn der Arto-
carpeen en Moreen an, en ouder de Aziatische Ficus-formon zal men voor deze zondcr-
linge bladen de mecstc analogen antreffen.*'
62
zur Zeit nur in verschiedenen Familien wiederfinden können. So schön
auch letztere Hypothese klingen mag, so haben wir zur Zeit kein Recht,
sie als feststehende Wahrheit hinzustellen, zumal da wir nur auf Blättern
fussen, also nur auf ehiem Theile der Pflanzen, und völlige Wahrheit uns
nur werden kann, wenn wir die allmähliche Umbildung des Ganzen nach-
zuweisen im Stande sind. Hat man ja noch nicht einmal die Gesetze
festgestellt, nach denen die Umwandlung des Typus eines Blattes und
seiner Nervation stattfindet, was u. A. auch vorhergegangen sein müsste,
wenn wir über die Umänderung der Pflanzen in langen Zeiträumen und
das dabei stattfindende Verhältniss der Theile zu einander unabweisbare
Wahrheiten predigen wollten. .
Der Freude müssen wir aber am Schlüsse dieser Bemerkungen Aus-
druck geben, dass wir in den sächsischen Credne^ien Pflanzen keimen ge-
lernt, die als treffliche Leiter für den unteren Quader dienen
können.
Festschrift
Taf. I.
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Palaeontologische Beiträge
von Dr. H. B. Gtoinits, Drendeii.
Mit Tafel II und ill.
1. lieber Thierfährten in der Steinkohlenformation von Zwicicau,
Siinntchnites HeHngl Ciein.
(Tafel II.)
Diese ersten Thierfährten in der Steinkohlenformation von Zwickau in
Sachsen wurden 1S84 durch Herrn Bergdirector Hering auf dem Gruben-
felde des Schader-Hermann-Schachtes auf Bockwaer Commun entdeckt und
zeigten sich auf der Taf. H in natürlicher Grösse abgebildeten Platte eines
lichtaschgrauen milden Schieferthones zwischen dem Zachkohl- und
Schichtenkohltlötze , demnach in der untersten Partie der Hauptzone der
Farne ül>er der Sigillarienzone.
An dem oberen Ende dieser Platte ist noch der Abdruck eines quer-
liegenden Stengels von CaJamUes Suckowi Bgt. zu erkennen, mit wenigstens
vier ziemlich deutlichen knotigen (Jelenkringen.
Die Platte zeigt die Reliefs von 1 4 Fusseindrücken, welche regelmässig
mit einander abwechseln und von denen 7 der linken und 7 der rechten
Fussreihe entsprechen. 5?ämmtliche Abdrücke einer Reihe haben fast
gleiche (irösse und Form, so dass man nur schliesseu kann, dass Hinter-
und Vorderfüsse einander sehr ähnlich waren, wenn mau nicht annehmen
will , dass diese Fährten von einem Zweitüssler herrühren. Es lassen auch
die zwischen 2 und 2.5 cm langen Abstände der hinter einander liegenden
Fährten keine wesentlichen Untei-schiede zwischen Vorder- und Hinterfüssen
erkennen; der Zwischenraum, welcher beide Fussreihen trennt, ist kaum
1 cm breit.
An einem jeden Fährtenabdi-ucke untei-scheidet man einen kurzen,
gegen 7 mm breiten Ballen, welcher durch eine Reihe kleiner rundlicher
Kindrücke von Fuss- oder Handwurzelknocheu von den 5 Zehen getrennt
wird. Letztere sind im Allgemeinen schlank und bekrallt Die äussere
Zehe ist klein (bis 4 mm lang), die zweite etwa doppelt so lang, die dritte
hUMtxrhrift titv hix iit Ih'tiuhn. IHH't.
64_V '^ ^V
noch etwas länger (bis 10 mm), die vierte wieder etwas kürzer, nahezu
wie die zweite Zehe, und die innere Zehe ist fast ganz verkümmert, so dass
sie nur rudimentär erscheint. Selir eigenthümlich ist für diese Fährten,
dass die dritte und vierte Zehe, oder Mittel- und Zeigefinger, stets einander
sehr genähert sind und ähnlich den mit einander verwachsenen Zehen des
Sclireitfusses eines Vogels ei-scheinen, während die zweite Zehe sich von
der mittleren Zehe unter einem spitzen Winkel entfernt.
Hierdurch weichen diese Fähi-ten von allen anderen bisher bebxnnt
gewordenen wesentlich ab, wie^vohl sie auf stegocephale Reptilien zurück-
gefülirt werden können, wie alle bisher in der Steinkohlenformation und
der Dyas nachgewiesenen Arten, und es mögen einige schmale wulstförmige
Erhöhungen, die man neben den Fährten bemerkt, vielleicht von dem Nach-
schleppen eines Schwanzes des Thieres henühren, welchen die meisten
Stegocephaleu besessen haben ^j.
lieber die erste Entdeckung von Thierfahrten in der unteren Stein-
kohlenformation von Horton lUuflf in Neu -Schottland 1841 durch Sir
\V. E. Logan und ähnliche Funde sowohl in der unteren, als mittleren
und oberen Steinkohlenformation von Nova Scotia in dem Jahre 1844 durch
Dr. Harding und Dr. Gesner bei Parrsboro, sowie durch J. W. Dawson
bei South Joggins, Horton, Wiudsor und Cape Breton, hat Principal
J. W.Da wson 2) in „The Canadiau Naturalist and Geologist, 1 863. Vol. VHI.*'
genauere Aufschlüsse ertheilt, und Professor Owen im Quart. Joui-n. of the
Geol. Soc. of London. XVUI. p. 238 Bericht erstattet. Es sind dort noch
ganze Skelette von Stegocephalen aus entsprechenden Schichten der Stein-
kohlenformation entziffert worden, auf welche jene Fährten zurückführbar
sind^), ebenso wie in der Steinkohlenformation von Schottland^) und
Irland*).
Die ältesten bisher in Deutschland bekannten Thierfahrten überhaupt
gehörten dem Rothliegenden oder der Dyas an. So hatte B. v. Cotta
schon 1848 Fusseindrücke aus der unteren Abtheilung des Roth liegenden
bei Friedrichsroda im Thüringer Walde beschrieben *5); hierauf folgte die
Entdeckung mehrerer Arten von Fährten in den Kalkplatten der unteren
') Vergl. H. G, Secley, Dr. Fritsch's Permian Ainpbibians of Boheinia in: The
(iool. aMagazin, 1885. Dec. "lll. Vol. II. p. 80-87.
■-) ,1. W. Dawson, the Air-Breathers of tlie Coal Period in Nova Scotia. I
") J. W. Dawson, on the Results of recent explorations of ercct trees containiug
animal Remains in the Coal-Formation of Nova Scotia. (Pliil. Trans, of the Royal
Society, Part II. 1882. p. 661.)
*) Huxley, über neue Labyrinthodonten aus dem Kdinburger Steinkohlenfohle.
(Quart. Journ. of the (ieol. Soc. of London, XVIII. p. 291 ; XIX. p. 56.) j
•') R. Etheridge, über die Entdeckung einiger neuer Labyrintliodonten in der '
Steinkohlenformation von Irland. (Woodward, the Geol. Mag. 186(i. III. p. 4) und
W. H. Baily, über die neue Entdeckung fossiler Reptilien in der Steinkohle des sttd-
lichen Irland. The Geol. Mag. Vol. III. p. 84.
") Leonhard u. Bronn, Jahrb. f. Min. 1848. p. \^X
Festschrift d. Isis in Dresden, 18S5.
Taf. IL
1^ f
H. B. Oeinitz.
Lichtdruck von BAmmler A Jonas, Dreadcn.
65
Dyas bei Hohenelbe durch Frau Josephiiie Kablik, welche SihSaurieh'
nites salanmndroides üein., S. lacertoklcs Gein. und S. Kahlikae beschrieben
worden sind^), an die sich bahl ähnliche Fährten aus der (Jegend von
Ruthen bei Wünschelburg in der üralschaft (ilatz^) anreiheten.
Die wichtigen Veröffentlichungen von Professor Ant. Fritsch in
Prag ^), sowie die Beschreibung der in dem Rothliegenden des Plauenschen
Grundes bei Niederhässlich vorkommenden Stegocephalen durch Herni.
Credner'®), Geinitz und Deichmüller 'i) haben gleichfalls gezeigt,
(l;iss jene Fusseindrücke zu den Stegocephalen gehören.
Aelteren Datums ist die Entdeckung der riesigen Tatzenreliefs des
Chiroflict^ium oder Chirosaurus Barihi Kaup in dem bunten Sandsteine von
Hessberg bei Hildhurghausen, welche schon 1833 durch Consistorialrath
Sickler in Hildburghausen erfolgt ist und die seiner Zeit ein so gerechtes
Aufsehen erregt hat**).
Noch in neuester Zeit hat das Vorkommen jener für den bunten Sand-
stein charakteristischen Fährten des Ckirotherium Barthi Kaup neben den
kleinen Fährten des CA. Geinitzi Hornstein^*) in den unteren Schichten
des den oberen Zechstein bedeckenden bunten Sandsteins bei Crotenleite
(Grotheuleite, Crotenlaide) zwischen Gössnitz und Meerane in Sachsen einen
kräftigen Beweis mit dafür liefern können, dass eigenthümliche bunte Letten
an der unteren Grenze des bunten Sandsteins (Z. o. in der geologischen
Specialkarten von Sachsen und von Preussen) nicht mehr zum Zechstein
oder zur Dyas, sondern vielmehr zum bunten Sandstein der Trias ge-
hören '*).'
Man nimmt allgemein an, dass auch die Chirotherium Barthi- Fährten
von einem Labyrinthodonten oder Stegocephalen abstammen und es liegt
Wühl am nächsten, sie auf den grossen Trefiiatosaurus Brauni Burmeister
des bunten Saudstehies zurückzuführen. Zu hoffen ist nun, dass man in
der Steinkohlenformation von Zwickau die Stegocephalen -Art bald auf-
•> Geinitz, Dyas, 1861. p. 4. 5. Taf. 1—3. — Nachträge zur Dyas, II, 1882.
p. 9. Taf. 1,
**) Saiirichnites Leisnerianus Gein. im N. Jabrb. f. Min. 1863. p. 389. Taf. 4.
V'ig, ö.
•*) Ant. Fritsch, Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Perraformation
Böhmens. Prag, 1879—1882.
'«) Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1881. p. 298. 574; 18H2. p. 213; 1883. p. 275.
") Mitth. aus d. K. mineralogisch-geologischen Museum in Dresden, Heft V und VI.
» Nachtrag zur Dyas, JI u. III, 1882 und 1884.)
»*) Dr. F. K. L. Sickler, Sendschreiben an Dr. J. E. Blumenbach. Hildburghausen,
Xj^34 — c. Kessler u. Dr. Sickler, die Plastik der Urwelt im Wcrrathale. Ilild-
burghausen, 1836. — L. Agassiz in I3uckland*s Geologie u. Mineralogie, 1838, II.
Taf. 26 1, 26^1, 26 m. — K. Koch u. E. Schmid, Fährten- Abdrücke im bunten Sand-
>tcine. Jena, 1841.
"•'*) Hörn stein im Jahrb. f. Min. 1876. p. 923. — Geinitz in Mitth. aus d. K.
min. Mus. in Dresden, III. Hft. p. 39. Taf. 7.
«*. Geinitz in Loopoldina, XXI. 1885.
66
finden möge, welche die oben beschriebenen Fährten zurückgelassen hat;
am wahrscheinlichsten scheint uns, dass man in derselben dann wohl auch
eine nahe Verwandtschaft mit der Gattung Keniteriyetmi Huxley oder einem
ähnlichen Stegocephalen erkennen wird.
Von den bisher bekannt gewordenen Fährten eines Zweifüsslei-s, wie
namentlich von jenen für Vogelspuren gehaltenen Ornithichniten aus
dem neurothen Sandsteine des Connecticut Thaies 10), oder auch von den
in jüngeren mesozoischen Formationen entdeckten Fähi-ten der Dinosaurier i*^)
weichen die des Smiriclmiks Hcringi wesentlich ab.
2. lieber Milchzähne des Mammuth, mephas pHminenius Biumi).
im Dresdener Museum.
(Tafel III.)
Unser K. mineralogisch -geologisches und prähistorisches Museum be-
wahrt eine grosse Anzahl von Zähnen und Knochen des Elcjfhos inimt-
gmius aus Sachsen, deren verschiedene Fundstätten in den Sitzungsberichten
der Isis, 1883, Abb. p. 100 verzeichnet worden sind. Seit langer Zeit schon
bilden die von Oberst A. v. Gut hier bei Oelsnitz im Vogtlande aus einer
mit Lehm erfüllten Spalte im devonischen Clymenienkalke ausgegrabenen
fossilen Säugethiere einen höchst werthvoUen Schatz des Museums *'), später
wurden dieselben durch zahlreiche andere Funde in Sachsen vermehrt,
unter denen besonders jene von Prohlis, SO. von Dresden, hier hervor-
zuheben sind.
Auf einem neben dem Gasthofe von Prohlis gelegenen Grundstücke,
das im Jahre 1875 zum Ziegeleibetriebe in Benutzung genommen wurde,
war man bei dem Bau der Trockenschuppen 1 m tief unter der Erdober-
fläche auf einen gewaltigen Stosszahn, auf grosse Becken- und Schenkel-
knochen eines alten Mammuth gestossen, welche der erste Besitzer dieses
Grundstückes, Herr Friedrich, unserem Museum wohlwollend überwiesen
hat. Ueber die weiteren Funde theilt uns der nachherige Besitzer, Herr
**) Buckland, Geologie und Mineralogie, Uebersetzung von Agassiz, 1838, II.
Taf. 26a und b.
*^) C. Struckraann, über das Vorkommen grosser vogelähnlicher Thierfalirten im
Hastingssandsteine von Bad Behburg bei Hannover. (Jahrb. f. Min. 1880. I. p. 125.
Taf. 4.)
»^ Nach Mittheilungen v. Gutbier's im Jahrb. f. Min. 1842, p. 127, Taf. 2.
Fig. 6—10 und 1843, p. 479, wo diese Funde beschrieben werden, wurde ihr Vorkommen
1841 bekannt, seit welcher Zeit sie der K. Kreisdirector Freiherr von Künssberg
behufs ehier in Zwickau angelegten Kreis - Sammlung sorgfältig sammeln Hess, um sie
der Wissenschaft und dem Vatcrlande zu retten. Dieselben wurden 1850 von Zwickau
in das Dresdener Museum übersiedelt.
67
C. Adolph Böhme, welchem das K. mineralogische Museum den wich-
tigsten Theil derselben verdankt, noch Folgendes mit: In den Jahren
1876—1881 sind beim Abgraben von Lehm in verschiedenen Tiefen sowohl
grosse Backzähne, Reste des Kopfes und Extremitätenknochen dos Mani-
muth, Zähne und Knochen vom Pferd, Zähne und Hornkern des Wisent,
liison priscus, als auch verschieden grosse (leweihe des Uenthiers gefunden
worden, woran sich im Winter 1SS1 noch der Fund eines fossilen Iltis und
Reste eines Nagethieres, imd in dem Winter 1882—1883 n(K'h Backzähne
des lüiinoceros tichorhinus angeschlossen liaben.
Demnach besteht die Fauna der fossilen Säugethiere von Prolilis aus
folgenden Mitgliedern :
1. Elei)has }mmigenitis Blumb. oder Mammuth, in Zuständen,
welche einerseits auf das jüngste, anderseits auf das höchste Alter der
Thiere hinweisen;
2. Blnnoceros tichorhinus Cuv. (Rhin. antiqnitatis oder büschelhaariges
Nashorn), Backzähne von ausgewachsenen Thieren;
3. Equas Cahallns L. , wildes Pferd, von mittlerer Grösse, nach
Zähnen, Schulterblatt, Oberarm, Mittelhandknochen u. s. w. zu schliessen;
4. Cervns tarandHS L», Renthier, durch sechs Geweihe verschiedener
Grösse vertreten;
5. Genius sp,^ wahrscheinlich Edelhirsch, nur durch einen Geweih-
zacken angezeigt, welcher von Dr. Schaufuss einem Antilopen-artigen Thiere
zugeschrieben wurde;
G. Bison (Bos) priscus Bojanus, Wisent, nacli Backzähnen und
einem 52 cm langen Hornkeiiio bestimmt, der mit jenen sibirischer
Exemplare übereinstimmt;
7. Foetorius putorius (Mustela piitorms) L., Iltis, von Dr. Schaufuss
fiiiher als Mustcla Boehmci bezeichnet, Schädelreste und beide Unterkiefer
eines alten Thieres, nach Bestimmung von Prof. Dr. Ne bring in Berlin.
Der Letztere äussert sich darüber d. d. 5. Febr. 1884 in folgender WVise :
Nach meinen, resp. Hemi Winterfeld^s eingehenden Yergleichungen handelt
es sich hier um einen sehr starken litis, Foetorius putorius, doch geht er
über das Maximum der heutigen Iltisse nicht hinaus. Will man einige
Differenzen hervorheben, so liegen sie darin, dass die Backenzahnreihe
etwas länger und gestreckter, der sogenannte Reisszahn etwas länger und
schmäler, der Höckerzahn kleiner ist, als dies bei den heutigen Iltissen zu
sein pflegt. Damit hängt wohl zusammen, dass der Eckzahn mehr in der
Richtung der Backenzahnreihe steht, als es sonst bei starken Exemplaren
der Fall ist. Prof. Nehring sieht in dem diluvialen Iltis einen directen
Vorfahr unseres heutigen Iltis, der sich in wesentlichen Punkten von
letzterem kaum unterschied, wenn er auch durchschnittlich den Typus
eines carnivoren Raubtliiei's stärker ausgelnldet besessen haben mag, als
unser lebender Iltis.
5*
68
8. Spermophihis sp., Ziesel, dessen Ueberreste nach Untersuchung
durch Prof. Nehring auf ein ausgewachsenes niittelgrosses Individuum hin-
weisen, das mit dem im Diluvium weit verbreiteten Sp. rnfescens Blasius
(= Sp, altaictiS fossiUs Nehr.) identisch sein mag, also ein Steppen-
bewohner in der Fauna von Prohlis!
Von den überall in Deutschland verbreiteten Lössconchylien sind
Helicc hispida, Succinea oblonga und Fupa ninscomm auch in dem Löss
von Prohlis nachgewiesen, während jüngere Landschnecken unmittelbar
unter der Rasendecke dort ihren Wohnsitz fanden.
Das geognostische Profil des Lehm- und Lösslagei-s an der Böhme'schen
Ziegelei in Prohlis ist bei dem Teufen des dortigen Brunnens festgestellt
worden wie folgt:
Zu oberst wenig Ackerkrume,
dann fetter Lehm ca. 3 ni
Löss, sogen. Seif mit vielen Kalkconcretionen , sogen. Loss-
männchen, und den oben genannten Lössconchylien . ca. 5 m
Scharfer Sand ca. 15 m
Kies ca. 4 m
Sa. ca. 27 m
Der fette Lehm liefert das Material zu vorzüglichen Ziegeln, der
sogen. Seif, welcher sehr kalkreich ist, findet nur zum kleinen Theil bei
der Ziegelei Verwendung.
Die ersten Funde fossiler Mammuthreste wurden im fetten Lehm
gemacht, die späteren fanden meist in dem Löss oder sogen. Seif und
namentlich an dessen oberer Grenze statt.
Unter den Mammuth-Zähnen von Prohlis ist als wichtigster Fund
jener Milchzahn Taf. IIL Fig. 4, 5 und 6 d^ hervorzuheben, welchen zu
erlangen unser Museum fast 40 Jahre lang vergeblich ei'strebt hat. Er
wurde mit dem unter d ^^ abgebildeten grösseren Zahne, an dessen Vorder-
mnd er genau anpasst, von Herrn A. Böhme zusammen gefunden. Beide
Zähne gehören dem rechten Unterkiefer eines jungen Ehphas prhnigrnius
an und werden gewöhnlich als erster und zweiter Milchbackzahn oder
als „ant^)enuUimat€" und „pentdtimute molar" bezeichnet.
Cuvier hat^») golch einen ersten Milchzahn (Molaire de lait d'un tres
jeune elephant) von Fouvert abgebildet. Dieser ist etwas grösser als
unser Zahn d^, gehört aber seiner Form nach auch einem Unter-
kiefer an.
Sir Richard Owen hat neuerdings zwei Milchzähne von Elephas
primigeniiis aus einer Knochenhöhle von Creswell Crags als „First and
second grinders" oder „molars** als grosse Seltenheiten beschrieben ^^), welche
**) Becherches siir les ossements fossiles, 4. Ed. 1834. Tome II. p. 175. PI. 12.
Fig. 2.
^*) The Quart. Joiim. of the Geolog. Soc. of London. ISao. Vol. XL. p. 31—33.
Fig. 1. 2.
_^9 _
mydi im Oberkiefer festsitzen und ein gleiches Alter haben, wie jene von
Prohlis d' und d".
Der erste Milchbackzahn von Prohlis, Taf. III. Fig. 4, 5, 6 d', l^e-
sitzt eine sehr abgenutzte Kaufläche von rundlich-dreiseitigem Umriss, der
sich nach vorn und innen hin verengt, sie misst von vorn nach hinten
15 mm, während ihre grössto Breite dieses Mass nicht überschreitet.
Von den zwei langen schmalen Wurzeln des kleinen Zahns biegt sich die
hintere an ihrem unteren Ende hakenförmig nach vom (Fig. 5 d'); die
vordere Wurzel ist abgebrochen; die hintere ist an ihrer vorderen Seite
mit einer tiefen Längsrinne versehen (Fig. 6. d^) und trägt drei nur noch
unvollkommen von einander geschiedene Lamellen der Kaufläche (Fig. 4 d^),
wälirend der vordere Theil der Kaufläche nur aus zwei Lamellen bestanden
zu haben scheint.
Der zweite Milch backzahn von Prohlis (Fig. 4 und 5 d") ist
55 mm lang und durchschnittlich 30 mm breit, auf der äusseren Seite
last gerade abgestumpft, auf der inneren Seite mehr gewölbt und hinten
etwas verengt und gerundet.
Seine Kaufläche, deren hinterer Theil noch wenig in Angrifl* genommen
ist, lässt sieben eniailirte Lamellen unterscheiden. Ihre wellenförmig ge-
lH)genen Emailschichten sind an den mittleren weniger stark abgeschliffenen
Lamellen in zwei bis drei querliegende ellipsoidische Ringe geschieden, wie
(lies Wi der nahen Verwandtschaft von Elephas und Masfodon^^) nicht
befremden kann.
Auch in dieser Beziehung entspricht unser Zahn dem zweiten Milch-
zahne von Creswell Crags, wenn auch der letztere dem rechten Oberkiefer
angehört. Er besitzt drei breite Wurzeln, die sich, ebenso wie das obere
Ende der Laraellen, etwas nach vorn hin richten (Fig. 5. d^^).
Derartige Zähne kommen weit häufiger vor als d' und liegen in unserem
Museum auch von Oelsnitz im Vogtlande vor, von wo sie von Gutbier im
Jahrb. f. Min. 1842. p. 132 unter d aus dem Oberkiefer und unter e aus
dem rechten Unterkiefer beschreibt. Dagegen können die von A. von Gutbier
feb. p. 132 unter c, Taf. 2. Fig. 7) als kleine Zahnkeime der ersten Zähne
Hufgefassten Zahnplatten ihrer ansehnlichen Grösse nach weder auf den
ersten noch auf den zweiten, eher noch auf den dritten Milchbackzahn
zurückgeführt werden.
F'alconer (a. a. 0.) und Leith Adams**), welche verschiedene
Exemplare dieser ei-sten Milchzähne abbilden, bezeichnen dieselben als
„ante penultimate'* und „penultimate milk molars" oder vorvorletzten
und vorletzten Milchbackzahn.
'^) Ch. Murchison, Palaeontological Memoirs and Notes of the late Uugh Fal-
coner, Vol. II, London, 1868.
-') Monograph of the British FossU Elephants (Elephas pi-imigenius) , Part. II. in
Palaeontographical Society, London, 1879, p. 69 u. f., PI. 6-— 15.
70
Von dem letzten oder dritten Milchbackzahne liegen in dem
Dresdener Museum zwei Exemplare vor, die mit dem darauf folgenden ersten
wirklichen Backzahn, oder vierten Backzahne überhaupt, noch in dem
Oberkiefer eines Elephas 2>yi^nigetnus festsitzen. Dieser kostbare Rest ist
1874 in einer mit Lehm erfüllten Kluft im Quadersandsteine des Bär'scheu
Steinbruchs bei Liebethal in der sächsischen Schweiz entdeckt und dem
K. Museum wohlwollend von Herrn Baumeister Bär überlassen worden.
Beide letzten Milchbackzähne besitzen eine sehr stark abgenutzte Kau-
fiäche von mindestens 70 mm Länge und ca. 63 mm grösst^r Breite und lassen
nur noch sieben emailirte Lamellen erkennen, da die vorderen bis auf die
Wurzel gänzlich abgekauet sind und eine derselben nur noch als kleiner
ringförmiger Wulst aus der dichten Zahnsubstanz inselai-tig hervortritt.
Drei breite, nach rückwärts gebogene Wurzeln sind nach hinten tief aus-
gebuchtet und haben 60—65 mm Höhe erreicht.
Der unmittelbar dahinter folgende vierte Backzahn oder erste wirk-
liche Backzahn ist gegen 18 cm lang, wenn man den noch nicht in
Angriff genommenen hinteren Theil mit in Anschlag bringt. Seine schon
abgenutzte Kaufläche, welche sich von dem stumpf gerundeten hinteren
Ende aus bis in die Nähe des vorderen Endes langsam erweitert, ist nur
12.5 cm lang und erreicht nahe dem vorderen Ende fast 6.5 cm Breite.
Es sind auf ihr 12 Lamellen in Gebrauch gekommen, während man an
dem ganzen Zahne überhaupt mindestens 1 7 Lamellen ausser dem hinteren
sogenannten Talon zählen kann.
Diesem Zahne entspricht nahezu ein wenn auch etwas kleinerer Zahn
aus dem linken Unterkiefer von Oelsnitz im Vogtlande, der bei etwa 12 cm
Gesammtlänge und aus 14 Lamellen bestehend, eine Kaufläche von 10 cm
Länge mit 1 2 Lamellen zeigt, v. Gutbier hat auch diesen Zahn im Jahrb.
f. Min. 1842, p. 132 unter f erwähnt.
Die letzten zwei Backzähne, die nach und nach an die Stelle der
früheren vorgeschoben werden, nehmen noch grössere Dimensionen an. So
liegen mis Backzähne des Unterkiefers von Oberposta bei Pirna vor, welche
gegen 25 cm Gesammtlänge besitzen, aus 22—23 emailirten Lamellen be-
stehen und auf ihrer 7.5 cm breiten Kaufläche erst 13 abgekauete Lamellen
zeigen. Dieselben wurden noch in dem Kiefer sitzend nebst Stücken des
Schädels in einer mit Lehm erfüllten Spalte des oberen Quadersandsteins
entdeckt, in welche vernmthlich ein ganzer Mammuth-Cadaver durch Hoch-
fluth der diluvialen Gewässer, welche einst das Eibthal dui-chströmten,
gefülu-t worden ist.
Zähne von ähnlichen Dimensionen sind auch aus dem Lehm und Löss
von Prohlis herausgezogen worden und passen ihrem Alter und ihrer Grösse
nach recht gut zu dem colossalen Stosszahne, der mit ihnen und riesigen
Knochen zusammen gefunden worden ist. Das Bruchstück eines Stosszahns
7! _
von Prolilis, welches das K. mineralogische Museum bewahil;, ist zwar nur
70 cm lang, hat aber bei 50 cm Umfang dieselbe Stärke, welche ein min-
destens 2.20 m langer Stosszahn aus Sibirien in unserem Museum noch jetzt
besitzt, nachdem er bei dem Zwingerbrande im Jahre 1849 durch sein
Heral)stürzen schon etwas verkürzt worden ist.
Ausser diesen sedis Backzähnen des Eleplias primigmius liegt noch
VAU kleiner noch in dem linken Unterkiefer sitzender Milchzahn als grüsste
Seltenheit vor, der, wie es scheint, wenigstens für diese Art fossiler
Elephanten, noch ein Uni cum der Dresdener Sammlungen ist. Derselbe
wurde bei den Ausgrabungen, welche A. v. (iutbier bei Oelsnitz im Vogt-
lande in der schon erwähnten Höhlenspalte des Clymenienkalkes ausgeführt
hat, gewonnen, ist aber von seinem Entdecker nicht selbst beschrieben
worden, sondern gelangte zur Untersuchung an Kaup, der ihn als
Cymutothcrium antiquum Kp. unter die grasfressenden Walthiere gestellt
hat**). Blainville, Falconer und Leith Adams**) gedenken dieses
•-' Dr. J. J. Kaui», Akten der Urwelt 1841, I. p. 11. Taf. 4. Fig. 1-4. Da die
Akten der Urwelt von Kaup aus dem Buchhandel gänzlich verschwunden und daher nur
sehr schwer zugänglich sind , so lasse ich die Beschreibung Kaup*s hier wörtlich folgen :
^ Ks ist eine Kieferhälfte, wonach ich dieses Geschlecht, Cyfnatotherium antiquum als
ein grasfressendes Walthier, begründe, die vorn an dem Synchondrosentheil und am
hinteren £nde verletzt ist. Das Auffallendste an diesem Kiefer ist, dass er nur einen
Zahn besitzt, der am Ende des scharfkantigen, in die Höhe steigenden, vorderen Theils
dos Kiefers gelegen ist. Die Spitze des Zahns ist unbedeutend höher als der erhabenste
Punkt des vorderen Kiefertheils und scheint im Leben vom Zahnfleisch fast ganz aber-
deckt gewesen zu sein. Der Zahn ist lang und seine Wurzel nach aussen gebogen; sie
ist der Länge nach gerippt und von innen nach dem Ende hin so concav ausgeschnitten,
als wollte der Zahn sich in zwei Wurzeln theilen; bis zum Anfang dieser scheinbaren
Trennung ist die Wurzel hohl. Der Zahn selbst ist über der Wurzel von aussen ange-
schwollen, im (ianzen von aussen nach innen zusammengedrückt und theilt sich nach der
Si)itze in zwei verwachsene iingerartige Stummeln, wovon der vordere der grössere ist.
Letzterer hat an der Spitze eine kleine Narbe, die jedoch nicht durchs Kauen entstanden
ist. Die Knochenma.sse des Zahns ist von aussen erst über der Anschwellung unregel-
inässig gefurcht; auf diesen Riefen sieht man hier und da noch anhängendes Email,
das jedoch ebenfalls unregelmässig und in Blättchen und Warzen aufgelagert ist. Hinter
diesem Zahn ist ein stumpf erhabener Kamm, nach innen mit einer Porenreihe versehen.
Da unter diesem Kamm der Knochen unbedeutend dick ist, indem unter ihm das enorm
grosse Nervenloch hinläuft, so ist nicht anzunehmen, dass hier Zähne gesessen haben,
tleren Alveolen durch das Alter verschwunden sind. Am Ende dieses Kammes liegt eine
Spalte, welche die Basis des Proc. coron. durchbricht. In dieser Gegend ist der Kiefer
ungewöhnlich breit und zwar breiter wie hoch.
Vorn zeigt der Kiefer ein ganz denselben durchbrechendes Nervenloch, das auf der
inneren Seite mit einem anderen correspondirt , das etwas weiter nach hinten in den
Kiefer eindringt. Auf der äusseren Seite zeigt der Kiefer noch ein kleines und weiter
nach hinten ein grösseres Gefkssloch.
Den schneidenden Rand des vorderen Drittels des Kiefers, die mächtige Entwickclung
der Nervenlöcher, sowie der Gefassspalte an der Wurzel des Proc. coron. hat dieses
Tliier mit Halicof'e, Manatus und Halitherium gemein, allein sein einziger, einfacher,
72
Zahns und der Letztere bezeichnet ihn als „the Fre-aide-paiultimatc or
first Milk Molar ^\ den man auch an einem ganz jungen afrikanischen
Elephanten im Britisch Museum erkannt habe. Dagegen unterscheidet sich
ein von Leith Adams a. a. 0. PL IX. Fig. 4, 4 a und 4 b abgebildeter Zahn
aus einer Höhle in Kent, in der Kent's Cavern Collection in Torquay,
welchen dieser Autor gleichfalls als pre-ante-penultimate milk molar hin-
stellt, von dem Oelsnitzer Zahn sowohl durch die Beschaffenheit seiner
Krone als auch seiner zweigabeligen Wurzel und lässt sich wohl eher an
jenen unteren „ ante-penultimate milk molar" oder ersten Milchbackzahn
anreihen, welchen L. Adams PL VIII. Fig. 6 von Church Hill, Notts, be-
schreibt.
In neuester Zeit hat sich Dr. Pohlig in Bonn wieder mit diesem
Zahne beschäftigt, den er Anfang 1883 nebst anderen Mammuthresten in
dem Dresdener Museum studirte und in einer brieflichen Mittheilung vom
28. Januar 1883 für einen besonders merkwürdigen drittletzten Milchback-
zahn eines monströsen Kiefers erklärt. Eine weitere Notiz darüber scheint
von ihm noch nicht veröffentlicht worden zu sein.
Unser seltenes Fragment eines linken Unterkiefei*s , dessen hinterer
Knochenfortsatz abgebrochen ist, erscheint auf Taf. III. Fig. 1 u. 2 in natür-
licher Grösse von der inneren Seite und von oben gesehen und ist 0.170 m
lang. Der darin noch senkrecht sitzende Zahn hat eine Höhe von 37 mm,
wovon die Krone über ein Drittel, die Wurzel kaum zwei Drittel einnimmt.
Die au ihrer Basis schwach wulsttormig verdickte Krone zeigt einen Längs-
durchmesser von 9 und einen Breitedurchmesser von 8 mm. Sie besteht
aus zwei schnabelartig mit einander verwachsenen, spitzen und gegen einander
gebogenen Haken, deren vorderer den hinteren etwas überragt. Nach
Abtrennung eines Theils der sie bedeckenden Emailschicht tritt ihre weisse
au der Wurzel hohler Zahn, die Breite des Kiefers aii der hinteren Hälfte und seiuc
geringe Höhe daselbst lassen keinen näheren Vergleich mit diesen Geschlechtern zu".
Die von Kaup p. 13 angeführten Dimensionen sind nach Berichtigung zweier Druck-
fehler folgende:
Ganze Länge des Fragments 0.17Ü m
Senkrechte Höhe des Kiefers (^unmittelbar vor dem Zahne) 0.048 „
Grösste Breite des Kiefers (vor dem hinteren Fortsatze bei b) 0.043 „
Senkrechte Höhe daselbst 0.037 „
Höhendurchmesser des enormen Nervenlochs (V) am hinteren
Abbruch 0.028 „
Breitedurchmesser 0.021 „
Höhe des Zahns (.statt 0.030) 0.037 „
Höhe der Zahnkrone an der äusseren Seite 0.014 ,,
Höhe der Zahnkrone an der inneren Seite 0.010 „
Länge derselben (statt 0.019) 0.009 „
Breite derselben 0.007 „
'**) L. Adams, Monograph of the British Fossil Elephants, Part. II, in Palaeont,
Soc. London, 1879, p. 83.
73
gläiizeucle KnocluMisubstaiiz hervor, welclu* ebenso wie die Einuilscliiclit
uiiregelmässig längsgefurclit ist. Die an ihrer Basis Miohle' Wurzel ist
comprimirt, auf der äusseren Seite gewölbt, auf der inneren verflacht, nach
untenhin rinnenartig vertieft (Fig. 3a), und biegt sich sehr deutlich nach
aussen (Fig. 3 b).
Aus der Beschaflenheit dieses Zahns ergiebt sich jedenfalls, dass er von
jenen, oben als erste Milchbackzähne beschriebenen Zähnen vei'schieden ist,
seine Stellung im Kiefer aber zeigt uns, dass er wohl als Lückenzahn dem ersten
Milchbackzahne, oder dem „ante-penultimate milk molar'* vorausgegangen ist,
wesshalb ihn schon L. Adams als ..pre'anfc-jwvulthnatr Milk molar*' und
Falconer als ,,most anterior*' unterschieden haben. Die gewöhnlichen,
üben beschriebenen Milchzähne sind erst hinter demselben hervorgedrungen
und zwar in dem Räume, welchen Kaup in seiner Beschreibung als stumpf
erhabenen Kamm bezeichnet, der nach innen mit einer Porenreihe vei'sehen
sei und unter welchem das „enorm grosse Nervenloch" hinlaufe. Offenbar
hat sich diese, nach Kaup „unbedeutend dicke", kammartige Knochendecke,
die schon durch ihre mehr poröse Beschaffenheit eine geringere Festigkeit
anzeigt, von den nachfolgenden Zähnen bis an die hintere Spalte hin
leichter durchbrechen lassen. Ob man diesen Zahn als den allerei-sten
Milchbackzahn oder als Lückenzahn bezeichnen soll, oder als Eckzahn mit
dem Hakenzahne des Pferdes vergleichen will, wie von Outbier annahm,
ist unwesentlich, jedenfalls aber ist dieser Zahn, neben welchem sich ei-st
die vorher beschriebenen Milchbackzähne entwickelt haben, der Prinior-
dialzahn des Mammuth gewesen.
In der umfassenden Literatur über Elvphas primigciiius ist uns nichts
Aehnliches weiter bekannt; dagegen erinnert ein von Falconer a. a. 0.
p. 296. PI. 11. Fig. 3 als milk tnsk oder milk i?icisar beschriebener Zahn
des Elephas (Loxodon) Meliimsis daran. Wenigstens hat dieser Zahn eine
ganz ähnliche Wurzel wie dieser Primordialzahn von Oelsnitz, während die
Krone nur in einem einzigen etwas excentrischen spitzen Höcker ausläuft.
Soll aber das von Falconer gebrauchte W'ort tusk Stosszahn bedeuten, so
passt diese Bezeichnung w^enigstens nicht für den Oelsnitzer Zahn, welcher
senkrecht im Unterkiefer sitzt und ausserdem von einem Milchstoss-
zahne in Dr. Pohlig's Sammlung verschieden ist.
/4
Erklärung der Tafel III.
Fig. 1. Linker Unterkiefer eines ganz jungen Mammuth [Elephas primigenius Ulunib.)
mit dem Primordialzahne bei a, aus diluvialem Lehm von Oelsnitz im Vogt-
lande, in natürlicher Grösse, von der inneren Seite gesehen. {Cy motzte r tum
antiquum Kaup.)
Fig. 2. Desgleichen, von oben gesehen.
Fig. 3 a. b. Der Primordialzahn des unter Fig. 1 und 2 abgebildeten Unterkiefersj.
a. von der inneren, b. von der hinteren Seite gesehen.
Fig. 4 dl und d^i. Der erste und zweite Milchbackzahn, dens antepaenultimatus und
dens paenultiraatus, eines jungen Elephas primüjenius aus dem rechten Unter-
kiefer, in natürlicher Grösse, von Prohlis bei Dresden, von oben gesehen, die
Kauüäclien zeigend.
Fig. 5 dl und d^i. Dieselben Zähne, von der äusseren Seite gesehen, mit der ergänzten
vorderen Wurzel von d^.
Fig. 6d^. Ansicht des Zahnes d^ von der vorderen Seite mit der Abbruchstelle der
vorderen Wurzel bei x.
^ v^
Festschrift i
a
I
2.
H.BGeinitz
75
Die Vertheilung und Zusammensetzung östlicher
Pflanzengenossenschaften in der Umgebung von
Dresden.
Von IVof. Dr. Oscar Drude.
Einen nicht unbeträchtlichen Antheil an der gesammten botiinischen
Literatur bilden die Florenwerke, die vor etwa 130 Jahren als wissen-
schaftliche Hilfsquellen begonnen und seitdem mit wachsendem Eifer und
vermehrten Kenntnissen in stets reichhaltigerer Form ausgearbeitet sind.
Sifi sammeln für ein Gebiet, welches am besten nach natürlich geographischen
Verhältnissen abgegrenzt sein sollte, wenn der Zweck einer „Flora" ein
hervorragend wissenschaftlicher ist, welches aber oft aus rein praktischen
Gründen willkürlich abgegrenzt ist und von dem Flächenraum weiter
Kaiserreiche bis zu den (iemarkungeu einer einzelnen Stadt hinsichtlich
der Grösse schwankt, die ganze bekannte Pflanzenwelt in einer gebräuch-
lichen systematischen Zusammenstellung, fügen die Standorte und die
Häufigkeit der Verbreitung zu der äusserlichen Beschreibung hiirzu, geben
die Blüthezeit an, und dienen also als Nachschlagebücher im grossen oder
kleinen Massstabe je nach den darauf verwendeten Mitteln. Das Aussehen
der kleinen Florenwerke richtet sich ganz nacli dem praktischen Bedürfniss,
und für das geringste Mass derselben hat die wissenschaftliche Botanik an
sie nicht mehr Anforderungen zu stellen, als die Geographie an Meyers
oder Bädekers Reisehandbücher.
Anders ist es mit der wissenschaftlichen Floristik, welche nicht los-
getrennt vom Gesammtumfcinge der Botanik den Licht verbreitenden Ge-
sichtspunkten neuerer Zeit Rechnung tragen muss. Und wie es da nun
an der Zeit ist, hinsichtlich der systematischen Zusammenstellung, Ab-
grenzung der Arten, Schilderung der Charaktere und der Lebensweise der
einzelnen Gattungen und Arten die schwerwiegenden Kenntnisse neuerer
Zeit auch in der Floristik zu verwenden, so besonders auch hinsichtlich
der geographischen Anordnung.
Die Anfiihrung der Standorte in Deutschlands grösseren und kleineren
Floren ist meist noch eine sehr oberflächliche; das beste Quellen werk der
FetUchrift der In» m Drtidm, I880.
76
deutschen Flora, Koeh's Synopsis Florae germanicac et liclveticae, erschien
zu einer Zeit, wo pflanzengeographische Gesichtspunkte noch nicht in den
Kahmen kleinerer Ländergebiete eingeführt waren; seitdem ist überhaupt
noch keine grosse allgemeine deutsche (oder centraleuropäische) Flora
wieder erschienen. Es werden in den Floren die Standorte nach Provinzen
und deren Abtheilungen aufgezählt, so wie es die Staatseintheilung möglich
gemacht hat, und es werden einzelne Städte, Berge u. s. w. als Fundorte
genannt. Einige kleinere Floren, wie z. B. PrantPs Excursionsflora von
Bayern, machen eine rühmliche Ausnahme, indem sie mit einer natürlich-
geographischen Eintheilung ihres Gebietes beginnen und die Standorte
demgemäss classificiren.
Es müssen nun, um die Fortentwickelung der Pflanzengeographie auch
auf dem enger begrenzten floristischen Gebiete zu zeigen, in jedem Lande
aufmerksam die Principien beobachtet und durch sorgfältiges Naturetudium
verfolgt werden, mich denen die verschiedene Vertheilungsweise der Arten
erfolgt ist und in denen ein wichtiges Stück der localen Entwicklungs-
geschichte des Landes in der jüngsten Erdperiode vor uns liegt. Diese
Principien richten sich sowohl auf die allgemeiner verbreiteten Pflanzen,
so dass jeder Florist z. B. Sachsen hinsichtlich seines Besitzes von Buchen-
wäldern als westeuropäisch, hinsichtlich seines Besitzes von Edeltannen in
den Bergwäldern als dem südlichen Theile Mitteleuropas angehörig kennt,
auch die Folgenschwere dieses Besitzes fühlt, und dadurch zu Vergleichen
mit den schon in diesen Grundzügen anders gestalteten Ländern angeregt
wird, als aucli haben sie sich auf die sogenannten „Seltenheiten" der Flora
zu richten und gerade in Bezug auf diese mit grösserer wissenschaftlicher
Genauigkeit, als bei den allgemein verbreiteten Pflanzen, zu untersuchen,
welche Beziehungen zu anderen Floren dieselben ausdrücken. Was heisst
überhaupt „Seltenheit"? Der botanisirende Schüler, der nur Dresdens Floni
zum Schauplatz seiner Thätigkeit macht, empflndet grosse Freude, wenn es
ihm gelingt, am Rande der Haide bei UUersdorf und Bühlau nach langem
Suchen Drosera rofundifolia zu finden; würde er um Bremen oder Celle
botanisü'en, so würde er bald achtlos au derselben Art vorübergehen. Als
ich selbst, im Sommer IS80 zuerst um Dresden botanisirend, einen steilen
Felsen bei Dohna im Juni goldgelb schimmern sah von den zahlreichen
Blüthentrauben des Cytisus nigricans und den Theihiehmern der Excursion
meine freudige Ueberraschung ausdrückte, erklärten diese, es sei keine
Seltenheit, er wachse hier rings auf den Höhen zeretreut; ebendieselben
Pflanzenliebhaber aber würden, wenn sie nur wenig weiter westwärts ihre
Excursionen zu machen gewohnt gewesen wären, grosse Anstrengungen
gemacht haben, um Cytisus nigricans an natürlichem Standorte zu pflücken.
Denn fast alle Pflanzen sind irgendwo gemein oder wenigstens zahlreich
zei^streut, verlieren sich aber von diesem ihren Entwicklungsgebiete in
immer kleineren Portionen, wenn ihnen nicht ein Gebirge, ein Ocean eine
plötzliche Schranke setzt; und da, wo sie in ganz kleineu Portionen auf-
77
treteu, stehen sie bei den sammelnden Floristen hoch im Werth und fallen
leichter, als andere Pflanzen, der Ausrottung durch Massenexcursionen an-
heim. Diese „Seltenheiten" sind also nur relativ selten, haben aber für
die Wissenschaft einen hohen geographischen Werth; selten nur hat der
Zufall allein und blind sie an die Stelle geführt, wo man sie pflückt; in
der Regel stellen sie die ersten Vorposten einer ihr Areal ausbreitenden
Fflauzenart dar und sind dann in unserer Zeit gewöhnlich solche Alten,
welche durch die mit der Cultur eintretenden Veränderungen stark be-
günstigt die Plätze einnehmen können, von denen dieselbe Cultur die alt-
ehrwürdigen Bürger der Flora durch Umbrechen von Wiesen und Haiden,
Trockenlegen von Mooren, Sümpfen und durch Entwaldung vertreibt.
Oder es sind die letzten Ueberbleibsel solcher Allen, welche durch Ver-
hältnisse der eben angedeuteten Ai-t zurückgedrängt werden. Aber ab-
gesehen von diesen Cultui-veränderungen besitzt die Flora in ilirer ursprüng-
lichen Zusammensetzung — ursj)rünglich, d. h. so wie sie unsere germanischen
Vorväter hier antrafen — genug locale Seltenheiten, welche ebenfalls als
erste oder letzte Stationen von Arten mit grossem Areal ein hervorragendes
Interesse besitzen und uns dunkel die ewigen Schwankungen verrathen,
welchen die Pflanzendecke der Erde unter rein natürlichen Verhältnissen
ausgesetzt ist. Mit Recht nimmt man an, dass seit der Eiszeit die haupt-
sächlichsten Areale der jetzt bei uns lebenden Arten („Arten** im grösseren
Umfange gemeint) sich einigermassen befestigt haben und — abgesehen
natürlich von den durch den Menschen heiTorgerufenen \'eränderungen —
so ungefähr stationär geblieben sind; aber seitdem der periodische Klima-
wechsel in kleineren Perioden nicht nur in der rationellen Pflanzengeographie
als wirksamer Factor auch seit der Eiszeit theoretisch anerkannt ist, sondern
auch z. B. durch Nachweis von Steppenthieren mitten im Herzen Deutsch-
lands in postglacialer Zeit*) mindestens eine starke Bestätigung gefunden
hat, müssen wir mit diesem Factor rechnen und haben das Recht, manche
isolirte Vorkommnisse einzelner Arten als Reste von früheren, seitdem
etwas geänderten Verhältnissen zu deuten; mindestens aber haben wir die
Pflicht, diese isolirten Standorte zu prüfen und unter einem gemeinsamen
Gesichtspunkte daraufhin zu betrachten, was sie etwa aussagen können.
In der näheren und weiteren Umgebung Dresdens sind nun, wie
fast überall in grösserem oder kleinerem Masse, solche locale Seltenheiten,
oder wenn man diese Pflanzen nicht immer gerade als Seltenheiten be-
zeichnen will, locale Pflanzengenossenschaften von anderem Charakter, als
dem des mittleren Durchschnitts, welchen die meisten Wälder, Wiesen und
Haiden zeigen. Vom Süden her dringen Gebirgspflanzen bis zum nörd-
lichen Ufer der Elbe vor, wo z. B. Prmanfhes purpurea, PolygonafiOH
*) Dr. Alfr. Nehring, 1878 im Jahrb. f. Min. p. H43 iiiul im Archiv f. Anthro-
pologie, Bd. X, p. 359 und XI, p. 1; Kosmos, Jahraran.!? 1883. p. 173. — Dr. The od.
Liebe in: Zoologischer Garten, 187S. XIX. Hft. 2.
_ _78 _
verticillatnm und Arunrus Silvester noch im Thal des Fischhausbaches der
Dresdener Haide Erzgebirgsarten voi-stellen, welche nicht viel weiter nach
Norden in die Haidegegenden der deutschen Niederung eindringen ; übrigens
stehen diese Pflanzen für den Dresdener Floristen nicht in hohem Werth,
da ja Dresden wirklich auch floristisch am Nordrande des Erzgebirges
liegt, und daher Viscaria vulgaris ^ lUinuneiilus aeonitifolins, TJialictntm
aquilegifoUum und Arahis Halleri geradezu vor den Südthoren der Stadt
wachsen. Entlegener schon sind die Fundplätze der zu der friesischen oder
baltischen Niederung als Charakterpflanzen gehörigen Arten, von denen
ErieM Tetralix kaum die Nordgrenze Sachsens berührt, Gentiana Fneumo-
nantlte dagegen mit Sciitellaria minore Lycopodium inundatuw, den Bfiynchos-
jm-a-Arten sowie in den Torfgräben Lysimachia thjrsifhra über Radeburg
bis in die Nähe von Moritzburg, also etwa 15 Kilometer von den nörd-
lichen eben erwähnten Erzgebirgs -Vorposten in der Dresdener Haide ent-
fernt, vordringen.
Haben diese beiden Pflanzengenossenschaften (die des Erzgebirges und
die der Niederung) bei ihrem Vordringen bis fast zur gegenseitigen Be-
rührung doch fast immer geschiedene Standorte, kiesige Flussufer und
schattige Wälder am Rnnde der sie begrenzenden letzten steilen Hügel die
erstere, Moore und Sümpfe die letztere, so giebt es noch eine dritte, in
Dresdens weiterer Flora höchst bemerkenswerthe Kategorie von Pflanzen,
die als gemeinsamen pflanzengeographischen Charakter das zahlreiche
Vorkommen ihrer Arten im Osten und Südosten Europas mit all-
mähligem Schwinden gegen die dem Atlantischen Ocean näher liegenden
mittleren und westlichen Gegenden hin zeigen, und welche man wohl kurz-
weg als Ausläufer des pontischen Florengebietes, besser gesagt, als
solche der „südosteuropäischen Steppen"*), bezeichnet hat. Damit
soll nicht gesagt sein, dass alle Pflanzen dieser Gruppe in diesen Steppen
ihr eigentliches Bürgerrecht besitzen müssen; viele von ihnen sind dem
südöstlichen Theile des „mitteleuropäischen Flor engebiet es'*
vielmehr als wahre Bürger zugehörig. Das aber ist allen gemeinsam, dass
sie hier im Herzen Deutschlands längst nicht mehr ihr hauptsächlichstes
Areal besitzen; von Sachsen aus nehmen sie nach Südosten an Masse und
an Häufigkeit der Standorte zu, wie sie nach Nordwesten in eben diesen
Beziehungen abnehmen, immer seltener werden und endlich mit einem
äussersten nordwestlichen Vorposten enden; diese letzteren liegen vielfach
in den Gegenden von Braunschweig (Asse! ein niedriger Höhenzug aus
Muschelkalk bestehend, 2 Meilen südlich von der Stadt) und Hannover
(Hils und Deister!) und hier hatte ich in frühen Jahren Gelegenheit, einzelne
dieser Pflanzen an ihren gegenwärtigen entferntesten Vorposten keimen zu
lernen, ehe ich sie in Sachsen in so viel reicherem Masse wiederkehren sah.
*) Dio Abgrenzung dieser Gebiete siehe in meiner Abliandbmg ..Die Florenreidie
der Erde*'. l*etenn. (ieogr. Mittheilnngen. Krgiinzungsbeft 74, S. 51 und Karte I.
79_
Das Vorkomraen im südlichen Hannover hatte schon vor langer Zeit
Cirisebach*) zu einer für Erörterung dieser Florenverhältnisse wahrhaft
nmstergiltigen Untei*suchung veranlasst, in der dem heutigen Standpunkt
der Wissenscliaft nur nicht das zu ängstliche und dennoch hypothetische
Abwägen der klimatischen Mittelwerthe jener üegenden entspricht, welche
von den PHanzen berührt werden; es muss dafür das specielle „Klima"
jener Localitäten untersucht werden, welches die besondere Flora erhält.
Seit jener Zeit ist der Gegenstand auch nicht mehr aus der solche
Dinge behandelnden Literatur verschwunden , vielfach in den Vorreden zu
kleineren Floren im Auszuge und mit Zusätzen mitgetheilt, und als wichtiger
(iesichtspunkt in die Gliederung der deutschen Flora hineingebracht. In
dieser Weise sind diese östlichen PHanzengenossenschaiten besonders von
Gerndt**) mit in den Rahmen der Behandlung aufgenommen; in neuerer
Zeit erfolgte noch einmal eine sehr anregende Darstellung, welche wiederum
zugleich mit ausführlichen Tabellen über die einzelnen Arten verbunden
ist, von Loew***), welche sich aber einen anderen Bezirk der deutschen
Flora ausgewählt hat, nämlich die (iebiete der Weichsel, Oder, Havel und
der Elbe in der Gegend von Magdeburg, und welche Sachsen nur ver-
gleichsweise herbeigezogen hat.
In dieser Abhandlung ist für uns von besonderem Interesse die Aus-
einandersetzung über die in jenen genannten, nordöstlich bis nordwestlich
vom Königreich Sachsen sich erstreckenden Flussgebieten vorkommende
Ptlanzengenossenschaft der östlichen Steppenflora, welche Loew ganz zweck-
mässig als „pannonische Association** bezeichnet. Es werden folgende
Arten als für sie charakteristisch genannt und ihre Areale in Deutschland
übersichtlich gekennzeichnet (S. 596—656): Anemone silrestris, Adonis irr-
nalis, Ahjssum montannm, Silenc cMnmnthaj Oxytroins pilosa, Aster Linosyris,
Aster Amellns, Inulahirta, Hieracium evhioidcs, Scorzmiern purpHrea, Camjxt-
nula sihiriva, Enphrasia lutea, Thymelaea Passerina, Thesium intermcdinm,
Carex supina Wahlbg. (-ohtusata Libjebl.^, Stijxi painata und Stqm eapil-
lata. Jedem, der im Elbhügelgebiet bei Pirna, Dresden, Meissen botanisirt
hat, wird auf den ersten Blick auffallen, dass die eben genannten Arten
bei uns entweder ganz fehlen oder ausserordentlich selten sind. Nirgends
tretim sie in einer solchen Weise auf, dass man sie als Embleme für eine
besondere Pflanzengenossenschaft nennen könnte, wie es mit den beiden
pannonischen Gräsern Stf2)n pennafa und cnjrillata noch auf den trockenen
Gypshöhen am Kyfi'häuser, also weit westlich von uns der Fall ist. Dies
*) Teber die Vegetationslinien des nordwestlichen Deutschlands, üöttinger Studien,
Abthlg. I, S. 461—562.
**) Dr. A. Gerndt, Gliederung der deutschen Flora mit besonderer Berücksichtigung
Saclisens. dm 8. Jaliresber. d. Kealschulo I. Ordnung zu Zwickau 1875/76.)
***! Dr. E. Loew, lieber Perioden und Wege ehemaliger Pflanzenwanderungen im
norddeutschen Tief lande. (Linnaea Hd. 42, (1870), S. 511—660.)
80
ist natürlich Loew nicht entgangen und er spricht sich so darüber aus:
„Zunächst ist es für die Verbreitung dieser Steppenptlanzen äusserst
„charakteristisch, dass sie sowohl Schlesien als auch das Königreich
„Sachsen umgehen, oder diese Gebiete nur an ganz sporadischen einzelneu
„Punkten berühren. So fehlen in Schlesien überhaupt: Adonis vnmalis,
„Oxytrojyis pilosa, Euphrasia lutea, Cwrx obtusata; die übrigen sind sehr
„sporadisch ; diese schlcsischen Standorte liegen entweder in Ober-
,, Schlesien und stehen dann mit den Standorten in Mährea in Beziehung,
„oder sie schliessen sich wie die der S^yw- Arten direct an die in der Mark
„liegenden Oderthal - Standorte an. Merkwürdigerweise treten sämmtliche
„oben aufgezählte Steppenpflanzen an den Diluvialrändcru des Oderbruchs
„und des unteren Oderthals wieder auf, nachdem sie Schlesien ganz über-
„sprungen oder nur sporadisch berührt haben. Ein ähnliches Verhältniss
„wiederholt sich im Eibgebiet. Die meisten zu unserer pannonischen Asso-
„ciation gehörigen Pflanzen sind in Böhmen wenigstens in der Thal- und
„Hügelregion ziemlich verbreitet, fehlen dann aber im Königreich Sachsen
„oder kommen daselbst nur an einem oder zwei Sttindorten vor und treten
„erst wieder an der Elbe in der Magdeburger Gegend auf. Ganz fehlen:
,/Thi^elaea Passerina, Campannla sihirica, Hierncium echioidcs, Scorzmivm
..purjuvrea, Aster Linosyris^ Oxytropis pilosa und Adonis vei-nalis
„Dagegen finden diese Glieder der Steppenflora westlich von der Elbe auf
„dem Flötzplateau des Magdeburger Gebietes, sowie an den Kalkbergeu
„des Harzraudes und Thüringens^ zum Theil auch der Gegend von Halle,
„wie überhaupt des Saalgebietes eine zweite Heimath. Hier Hegen zahl-
„reiche Colonien derselben oft dicht gesät bei einander." lieber die
Pflanzen, welche nach Loew (der dazu Wünsche's Excursionsflora lür
Sachsen benutzte) nicht geradezu in Sachsen fehlen, lässt sich nach gegen-
wärtigen Nachsuchungen nur sagen, dass sie ausserordentlich selten sind,
nur einen oder einige wenige Standorte (ehiige unter ihnen überhaupt
zweifelhaft) besitzen, und jetzt vielleicht theilweise ganz vei'schwunden
sind. Ich selbst habe bisher nicht eine dieser Arten in dem sächsischen
Elbthale gesammelt; das Herbarium Florae Saxonicae, welches jetzt unter
den botanischen Sammlungen des K. Polytechnikums für sich geordnet
und zur Nach Weisung der Standorte in erster Linie berufen ist, entliält
nur 2 der fraglichen 10 Arten: Carea stqnna, welche aber nur in der
Unterart C, spicata Schk. (mit eiuer einzigen androgynen Spicula) vom
Bienitz bei Leipzig als einzigem Standort vertreten ist; und Aster Amellus,
welcher in schönen Exemplaren i. J. 1843 an den von Pläner bedeckten
Syeuitfelsen des Plauenschen Grundes in unmittelbarer Nähe Dresdens ge-
sammelt ist. In den Acten des Herbariums, in denen nach den Aufzeich-
nungen des hochseligen Königs Friedrich August IL, des Stifters der
jetzigen mit dem Herbarium verbundenen botanischen Bibliothek, und
Reichenbach's sich einige Nachweise solcher seltener Pflanzen finden, ist
hinsichthcli dieser 10 Arten nur eine, allerdings wichtige Auskunft über
81
Annncne siltraMs vorhanden, nach welcher sie zusammen mit Pofenfilla
iitfie^tris auf den Löss-Hügehi*) gegenüber dem Dorf und Schloss Schieritz,
ak) an den südlichen Uferhöhon des Lommatzscher Wassei-s, welches
:> Kilometer nordwestlich von Meissen von Westen her der Elbe zuströmt,
licfunden worden ist.
Innhi hirta habe i(!h in einem Exemplare im Herbarium unseres (ie-
s4'Uschaftsmitgliedes Oberfiirster Kosmahl aus Sachsen gestehen ; es stammte
\on trocknen Rainen der liegend um Berggiesshühel. Unser eifrigstes um
Dresden Nachsuche haltendes Gesellschaftsmitglicd, Oberlelirer Wobst, hat
\oii allen 1 0 fraglichen Arten niemals auch nur eine zwischen Pirna und Meissen
gesammelt. Von einigen anderen Herren sind Stiim ixmnata am Plauenschen
(iiTinde, und auch Ahjssnm numtauum wieder aufgefunden worden.
Es würde hier zu weit abfuhren, wollte ich den interessanten Resul-
taten Loew's, die in der genannten Abhandlung niedergelegt sind und
Sachsen indirect tief berühren, noch weiter folgen. Es geht aus der Sach-
lage an sich schon henor, djiss unseren gegen wäi-tigen Anschauungen
gemäss nicht das jetzige Klima die Ursache dieser sporadischen Ver-
breitung und Ueberspringung sein kann, dass vielmehr die Ursache in den die
Uesiedelung Mitteldeutschlands vom Osten und Westen her regulirenden
geologischen Configurationen und damaligen Klimaten zu suchen
k, wie sie seit der Glacialperiode her bestimmend eingewirkt haben, und
dass das heutige Klima unter Mitwirkung der localen Bodenverhältnisse
nichts bewirkt, als die Erhaltung dieses östlichen Florenelements auf dem
einmal vor ihm liesetzten Terrain.
Die Leitpfianzen und Standorte der östlichen Ffianzengenossenschaft
bei Dresden.
Wir hal)en den vorhergehenden Auseinandersetzungen gemäss in unserer
Flora also eine aus ganz anderen Repräsentanten bestehende östliche Ge-
nossenschaft zu erwarten, abgesehen von den wenigen Stellen, an denen
die in der Mark Brandenburg und bei Magdeburg vorkommende piinnonische
Association Loew's durch die eine oder andere Art mit vertreten ist. Die-
jenigen Arten werden als zu der sächsischen östlichen Genossenschaft zu-
gehörig zu betrachten sein, welche in Mitteldeutschland nicht mehr all-
gemein verbreitet stets besondere Standorte aufsuchen, welche in ihrem
Specialklima den Bedingungen ihrer südöstlichen Heimat mehr entsprechen,
welche also besonders den dunklen Schatten der Laubwälder und Wald-
rebe ebenso wie Torfmoore fliehen, und dabei sich selbst dadurch ver-
rathen, dass an besonders günstig gelegenen Stellen nicht nur eine grosse
Menge seltener, sondern zugleich auch der gewöhnlicheren, weniger aiv
*) I>ie geologischen Erläuterungen verdanke ich der Freundlichkeit meines hoch-
vm'hrten Collegen Herrn Geh. Hofrath Prof. Dr. Geinitz.
82
spruchsvollen östlichen Pflanzenarten gemischt vorkommt; fliese Seltenheiten
weisen dann mit grosser Bestimmtheit auf ein anderes Hauptareal hin,
aber auch die ihnen beigemengten anderen Ai-ten lassen sich nach Auslest^
derjenigen, welche tiberall vorkommen können, gewöhnlich als demselben
Florenbezirk angehörig erkennen und, sind sie so einmal erkannt, dann
auch an einer grösseren Zahl von Standorten unter ähnlichen Vorkomm-
nissen weiter verfolgen.
A. Ein Theil von ihnen begleitet mit grosser Sicherheit die Elbe und
kommt mehr oder weniger häufig an den Uferböschungen, Mauern der die
Elbe begleitenden Dämme und Gärten, oder auf den Thalwiesen vor, und
da diese Pflanzen der directen Uebertragung dm-ch das Flusswasser hin-
sichtlich ihres Vorkommens zuzuschreiben sind, weil viele von ihnen an
neu überschwemmten Stellen neu ei*scheinen, so sollen sie hier nicht weiter
betrachtet werden, wo es sich darum handelt, der älteren Geschichte in
der Pflanzenbesiedelung Sachsens nachzuspüren. Von hierher gehörigen
Charakterpflanzen dieser östlichen „Elbthalgenossenschaft** will ich nur
nennen Ärabis arenosa, welche von den Sandsteinfelsen der sächsischen
Schweiz an bis Meissen zur Bosel hinauf nahe den Eibufern stellenweise
häufig ist, ebenso Ei-ysinmm hierucifolium und Sisf/mhrlum strictissimtim
als zwei seltenere Pflanzen, die unmittelbar bei Dresden an der Mauer des
Gondelhafens und im gi^ossen üstragehege schon sieh finden ; vielleicht auch
EiT/ngium camxyestrc, welches ich liUst hätte seinem Vorkommen nach zu
der eigentlichen östlichen, die sonnigen Hügel bewohnenden Genossenschaft
zu zählen; dann aber besondei-s das die Elbe von Schmilka am Ostthor
der sächsischen Schweiz bis Meissen und darüber hinaus überall begleitende
Allinm Schoenoprasum , das seine Blüthenköpfe im Juni überall aus den
Ritzen in den Eibdämmen hervorspriessen lässt, und auf den Flussufer-
wiesen gelegentlich seine Verbreitung mit der bei uns an viel weniger
Standorten vertretenen Scilla hifolla theilt.
B. Der andere, viel grössere luid hinsichtlich seines Vorkommens und
der Mannigfaltigkeit seiner Zusammensetzung viel interessantere Theil der
östlichen Pflanzen bewohnt als andere, vielfach in ihrem Pei-sonal wechselnde
Genossenschaft sonnige Felsen, hoch gelegene grasige Plätze, Kaine an den
die Elbe begleitenden Hügeln, meidet im Allgemeinen die geschlossenen
Wälder, mischt sich aber in lichte Haine hinein und wächst sogar mit
Haide, Kiefer und Rennthierflechte gesellig an steilen Felsabstürzen, wo
auf einzelnen trocknen und sonnigen Vorsprüngen seine licbensbedingimgen
noch erfüllt werden. Die Zahl der Arten ist hier eine viel grössere, als
bei der unter A genannten Gruppe, und es soll als Haupttheil dieser Studie
ein ausführlicheres Vei*zeichniss derselben folgen. Vm uns kürzer auszu-
drücken, wollen wir uns zunächst die wichtigsten Arten herausgreifen, um
nach ihnen die Pflanzengenossenschaft zu bezeichnen. Ich halte es fiir
wichtig, dass den eine bestimmte Rolle für einen im Vergleich mit der
83
Vegetation der Erde sehr kleinen Florenbezirk spielenden Genossenschaften
nicht zu allgemeine Namen, welche die Herkunft bezeichnen, gegeben
werden; ich halte es für besser, dass sie nach mehreren hervorragenden
Arten mit deren systematischem Namen bezeichnet werden. Eine einzelne
Pflanze wird selten im Stande sein, das, was man ausdrücken will, klar
zu bezeichnen, weil diese einzelne Pflanze in der Regel ein zu weites Areal
besitzen wird; eine aus drei oder vier Pflanzennamen gebildete Bezeichnung
wird die passendste sein. Axel Blytt nennt nach den auf den norwegischen
Alpen hervorragenden ( -harakterpflanzen des arktischen Floren-Elements die
dortige Pflanzengenossenschaft nach Bryas octo2)etala, Thalictrum alpinum,
Salia: retimlaia und Carex rnj^^stris*) die „Z)rya.s- Formation"; obgleich
nicht viel darauf ankommt, möchte ich den Namen „Formation" für die
gi-üsseren Zusammenstellungen der Flora, wie „Formation der Nadelwälder",
„Haideformation" u. s. w. aufbewahrt wissen und den Namen „Genossen-
schaft" für die kleineren Abtheilungen in diesen Foimationen lassen.
Als eine solche (ienossenschaft des atlantischen Westens, welche als ge-
schlossene (d. h. mit ihren Hauptgliedem noch gesellig beisammen vor-
kommende) Formation längst nicht mehr in das Herz Deutschlands und
also nicht bis zu den nordwestlichen Grenzen Sachsens vordringt, würde
ich z. B. Mt^rica Galv, Erica Tetralix und Narfhecium ossifragtim nam-
haft machen, denen sich dann noch viele weiter verbreitete Pflanzen, wie
Gentiana Pneumonanthv, Curex Psendocppei-us und fiUformis, Lyccpodium
immdßtum etc. auschliessen. Letztere sind auch noch im nöi*dlichen
Sachsen zu einer Genossenschaft jnit eigenem Charakter vereinigt, und es
ist also erlaubt, zur Schilderung der floristischeu Verhältnisse Sachsens in
den Gegenden von Radeburg und Königsbrück von einer nordwestlichen
Genossenschaft Gentiana Vnannonunthc u. s. w. zu sprechen, weil diese
Pflanzen dort Charakter bestimmend auftreten. Ich halte es also für
passend, die Benennungen der Genüsseuschaften nach den häufigsten
Charakteiurten zu wählen, nach denen, welche man geradezu als „Leit-
pflanzen" bezeichnen kann, weil sie beim Botanisiren in einer Gegend so-
gleich anzeigen, mit was für Sorten von allen möglichen Pflanzen man an
einer bestimmten Stelle wohl zu thun haben kann. Denn die Leit-
pflanzen verschiedener Genossenschaften schliessen sich
gegenseitig von ihren Standorten aus. Die verschiedenen Leit-
pflanzen einer und derselben (Genossenschaft wachsen sowohl dicht neben
einander, als vertheilen sie sich häufig auf verschiedene Plätze derselben
Localitäten, lieben bald mehr die Sonne und trocknen Fels, bald sonnige
Raine u. s. w., und ergänzen sich also gegenseitig in der Erleichterung,
die sie für die Kenntnissnahme der Flora bieten. Ich gebrauche für sie
den Ausdruck „Leitpflanzen", weil sie eine ähnliche Rolle in der Floristik
*) Essay on the Irnmigratioii of tlie Xorwegian Flora diiring alternating rainy atul
ilry periods. C-liristiania 1870. S. i).
6*
84
zu spielen haben, wie die „Leitfossilien" im Erkennen der geologischen
Schichten an den vei'schiedenen Punkten der Erde.
Als Leitpflanzen der in der Umgebung Dresdens, überhaupt im König-
reich Sachsen vorkommenden östlichen Genossenschaft nenne ich Ci/tisufi
nigricans, Peucedanum Oreoselinum^ Scabiosa ochroleuca
und Verlas cum Lychnitis, Noch manche andere Arten hätten fast
ein gleiches Recht, als Leitpflanzen genannt zu werden; aber da sie doch
nicht alle genannt werden können, so wähle ich diese aus und bezeichne
als wichtigste von ihnen Cytisus nigricans. Wo man diesen hübschen
Halbstrauch in unserer Gegend an Felsabhängen üppig blühend findet, darf
man getrost an demselben Fels oder in der Nähe noch andere Pflanzen
der zugehörigen Genossenschaft vermuthen.
Am Südrande der Haide, nahe einem Granitbruch an der Chaussee zum
„Weissen Hirsch", hatte ich in einem Sommer den Cytisus reich blühend
zwischen den Felsspalten bemerkt; im März des nächsten Jahres sammelt^^
ich an derselben Stelle Carex humilis über jenen Felsen an den rasigen Ab-
hängen. Bei Wachwitz ergiesst sich ein kleiner Bach, von üömisdorf und Ober-
Rochwitz herkommend, in die Elbe; in seinem Mittellauf erhält derselbe
von Nordwesten her noch einen kleinen Zufluss; dort liegt die Pappritzer
Mühle, und an den steilen Felsen der den kleinen Zufluss an seinem süd-
westlichen Ufer begleitenden Höhe fand ich, tiefer im Schatten als gewöhn-
lich wachsend, Cytisus nigricans. Ich verfolgte ihn weiter bis auf die
sonnigen Steilfelsen, wo Yvrhascum Lychnitis in ausgezeichneten Exemplaren
wuchs, und andererseits bis auf die grasigen Leimen, an denen der er-
wähnte kleine Zufluss entspringt und welche in die sandigen Kiefernhahie
oberhalb Loschwitz und Wachwitz übergehen, wo Peucedanum Oreosclimm
sich mit CMuna mischte. Tiefer im (iiiinde, gegenüber der Pappritzer
Mühle, fand ich dann das Jahr darauf noch eine Reihe anderer östlicher
Pflanzen, darunter in dem Bachthal selbst an einer steilen Felsecke Care^
Schreier i. — Eine kleine Strecke (IV2 Kilometer) südöstlich davon ergiesst
sich bei Niederpoyritz ein anderer Bach in die Elbe, der den sogenannten
Helfenberger Grund bildet; sein westliches Gehäuge ist besonders steil und
felsig. An einer Seite fand ich die sonnigen, sonst dicht mit gewöhnlichen
Kiefern, Besenstrauch und Haide bewachsenen Felsen (etwa 100 m hoch
über dem Spiegel der Elbe) dicht mit Cytisus nigricans bewachsen; als-
bald entdeckte ich auch beim Umherklettera an derselben Stelle grosse
Horste von Ällium' fallax in den Ritzen des Gesteins neben Verlascum
Lychnitis, Unten im schattigen Thale aber, 40 m tiefer an den den Bach-
grund begleitenden Felsen, blühte PrenantJies purpurea, bei uns ein hervor-
ragendes Glied der niederen Erzgebirgsgenossenschaft, die hier dicht neben
der östlichen hinzieht. Dies mag erklären, warum ich den leicht kennt-
lichen und überhaupt nicht in das westliche Deutschland eindringenden
schönen Cytisus, den einzigen in der Flora Saxonica wild wa(!lisenden, als
erste Leitpflanze genannt habe. —
85
Ihre Standorte habe ich schon mehrfach als sonnige Hölien und Steil-
felsen nebst kurzi^asigen Hügeln gekennzeichnet; wie es bei Dresden nicht
anders sein kann, finden die östlichen Arten dieselben grösstentheils auf
kiystallinischen Gesteinen, scheinen sich aber mit Vorliebe da anzusiedeln,
wo etwas Kalk im Boden vorkommt; nöthig ist dei-selbe für ihr Vor-
kommen durchaus nicht, es ist nur die gewöhnliche Erscheinung, dass
östliche Pflanzen bei ihrem Vordringen in das westlichere Deutschland
sich gern und schliesslich allein an Kalkboden halten, weil sie dort am
ehesten in den Localbedingungen ihre Anspiüche erfüllt finden, die ihnen
als südöstliche Pflanzen eingeimpft sind.
Die reicheren Standorte halten sich an die Nähe der Elbe, sind aber
so weit von ihr und liegen so hoch über ihr — wie schon aus den Be-
schreibungen einiger Specialstandorte bei Wachwitz hervorging — dass es
Thorheit sein würde, an eine directe Einschleppung in jüngster (histerischer)
Zeit durch den Eibstrom aus Böhmen zu denken; die Einwanderung ist
ehie viel ältere, und die Genossenschaft hält hier ihre alten Plätze auf-
recht. Ich will die besonderen Standorte von Ost nach West folgend
nennen, welche mir bisher auf meinen Ausflügen um Dresden aufgefallen
sind; eine Vollständigkeit liegt natürlich hier nicht in meiner Absicht.
An den Ufern der Müglitz zieht sich von Dohna bis zur Erlicht- Mühle
bei Xeu-Mügeln ein steil gegen den Fluss abfallender Höhenzug von
Plänermergel , in dessen Wald- und Buschvegetation zahlreiche Pflanzen
der Genossenschaft eingestreut sind; sein Kamm liegt 50 m über dem
Elbspiegel, von dem er 3 Kilometer entfemt ist. Der ganze die Elbe an
ihrem Nordufer in geringer (nicht über 1 Kilometer betragender) Ent^
femung begleitende Höhenzug vom Abhänge des 356 m hohen Porsberges
an bis zur Dresdener Haide, wo granitisches Gestein mit starker Bedeckung
von Diluvialsand vorhen-scht, und bis unmittelbar vor die Nordostthore der
Stadt, hat auf zahlreichen Abhängen und in tief eingeschnittenen Seiten-
thälchen eine ganze Menge der gewöhnlicheren östlichen Pflanzen, und
diesem Höhenzuge gehören die Standorte bei Wachwitz an. Vielfiich sind
sie schon durch die Cultur zurückgedrängt; der Elbspiegel ist hier circa
110 m über dem Meere, die Höhen da, wo sie die Mehrzahl der in-
teressanten Pflanzen besitzen, circa 200 m hoch. Nordwestlich der Stadt
sind auf den nur bis 150 m hohen Hügeln bei Trachenberge wiederum
einige dieser Pflanzen; aber südwestlich der Stadt und Elbe liegt da, wo
die vereinigte Weisseritz durch das Felsenthor des Plauenschen Grundes
durchbricht, an diesen zwischen 150 und 190 m hohen Steilhängen 4 bis
5 Kilometer von der Elbe entfernt einer der reichsten Standorte, der nur
jetzt durch die vereinigte Wirkung der Eisenbahn, von Fabriken und un-
ausgesetzten Plünderungsexcui^ionen der pflanzenliebenden Einwohnerschaft
sehr gelitten hat. Im Thal der Weisseritz selbst überwiegt selbstverständ-
lich die erzgebirgische Pflanzengeuossenschaft in den zu Eingang erwähnten
86
häufigsten Gliederu {Prenanthes, Thlaspi alpestrc, Manunmlus iiconitifolins,
Viscaria etc.); doch lassen sich die Spuren der östlichen Genossenschaft
weitab vom Elbthale, etwa 12 Kilometer davon entfernt, an den sonnigen
Südabhängen des Nordufers der wilden Weisseritz z\\ischen Hainsberg und
Tharandt, zumal an dem 335 m hohen Hirschberge, deutlich verfolgen,
wo Cytisus nigricans häufig neben Cijnanchtim Vincetoxicum auftritt.
Auch die Lössnitz birgt auf ihren 200 m Höhe übersteigenden Graiiit-
und Syenit -Hügeln, die jetzt von Weinbergen bedeckt sind, einzelne neue
Pflanzen, weniger die das Südufer der Elbe am üsterberg begleitenden
Höhen. Dann aber kommt, schon nahe Meissen, an der unmittelbar steil
aus dem Flussthal aufsteigenden „Bosel" (fast 200 m hoch), die das
Spaargebirge als südöstliche Ecke abschliesst, ein neuer sehr reicher
Fundort, der zwar auf eben dieser Ecke selbst die Mehrzahl der Charakter-
arten zui* Entwicklung gebracht hat, aber durch andere Stellen, sogar
durch nahegelegene sumpfige Wiesen in und an den Spaarbergen ergänzt
wird. Etwa 7 Kilometer nordnordöstlich dieses Standoiies findet derselbe
ein Analogen auf einigen kleinen, kaum 40 bis 50 m aus ihrer Umgebung
aufsteigenden Plänerhügeln mit circa 200 m absoluter Höhe zwischen
Oberau und Gohlis, wo ein kleines Bächlein aus bewaldeten Hügeln her-
vor an der Buschmühle vorbei auf die beiden, hier parallel laufenden
Eisenbahnen zuströmt; nordwestlich von ihm und nördlich der nach
Berlin führenden Bahnstrecke liegen (auf der neuen Genenilstabskai-te
von Sachsen in 1 : 25 000, Blatt Nr. 49 ohne Namen gelassene) Hügel, an
ihrem Südabhang in Weinberge verwandelt, im Volksmunde „Ziegenbusch"
genannt; unter diesem Namen soll davon bei der speciellen Aufzählung
der Arten die Rede sein. Es scheint zwar zunächst, als ob diese Hügel
bei Gohlis mit den früher genannten Standorten der östlichen Genossen-
schaft in gar keinem Zusammenhange ständen, da sie, weitab von dem
Eibufer, von den granitischen Spaarbergen durch eine breite Einsenkung
getrennt smd, in der bei Neu-Sörnewitz und Zaschendorf ein kleiner Bach
mit 100 m kaum überragender Thalsohle im Bogen hinter den Spaar-
bergen herum bei Colin zu der nur wenig tiefer fliessenden Elbe geht.
Allein ein Blick auf das eben genannte Blatt der neuen topographischen
Karte von Sachsen*) belehrt uns, dass diese Höhen bei Gohlis die letzten
nördlichen Verlängerungen des bis Niederlössnitz hin die Elbe an ihrem
Nordufer begleitenden ganzen Granit-Syenit-Zuges sind, welcher bei Naun-
*i Die mit dem Herbarium verbundene botanische Bibliothek verdankt der Güte
des Königl. Finanzministeriums ein vollständiges Exemplar der Ausgabe mit getuschten
Höhenböschungen. Es ist kaum zu sagen, wie sehr durch die Benutzung so sorgfaltig
ausgearbeiteter Karten der Florist bei seinen Specialstudien gcwhuit und erst den Ueber-
blick über eine Reihe einzelner von ihm beobachteter Thatsachen erhält; man merkt
stets, wie sehr die Pflanzengeographie mit dem topographischen Erdbilde wissenschaftlich
auf gleicher Höhe sich bewegen muss.
87
dorf und Zitzschewig nordwärts umbiegt und über Weinböhla hinaus sich
weit von der Elbe verlierend gegen Grossenhain zu verläuft.
Ueber Meissen hinaus habe ich selbst die östliche Pilanzengenossen-
schaft an ihren natürlichen Fundplätzen noch nicht verfolgt; es ist un-
zweifelhaft, dass sie noch in ähnlicher Weise sich dort fortsetzt, wahr-
scheinlich aber weniger reichhaltig wird, bis dann in der Magdeburger
üegend die oben erwähnte östliche Genossenschaft von ganz anderem
Schlage sich mit den Ueberbleibseln der Cyiisus wi^r/caii«- Genossenschaft
vermischt.
Zwischen l*irna und Meissen bewohnt die letztere also die sonnigen
Höhen 50 bis 100 m hoch über dem Eibspiegel, nahe oder weit vom Ufer
der Elbe entfernt, und sich bis tief in die kleinen Thäler der Bäche und
Flüsse, die von Norden und Süden her der Elbe zuströmen, hinein er-
streckend. Nach Norden verliert sie sich in den Haidegegenden , wo ich
ihre Spuren, angezeigt durch Fcucedamtm Oreoselinum und Bosa rubiffinosay
noch an den Uferhöhen der Röder östlich von Radeburgs Mooren und
Teiclnni zwischen Gross- Dittmannsdorf über Medingen hinaus auf den
Rainen bei Mittelbach westlich von Pulsnitz und schon weit nördlich vom
Thal der Rö<ler wiederkehren sah.
Neben dieser Haupt- (ienossenschaft lässt sich noch ein Nebenglied
unterscheiden, welches andere Standorte, nämlich Sumpfwiesen, aufsucht,
aber mit den eben genannten Arten wenigstens die südöstliche oder öst-
liche Heimat gemeinsam hat, auch nicht wie andere Flussthalpfianzen mit
der Elbe selbst noch jetzt weiter angesiedelt wird und also auch nicht
nur auf den Elbthalwiesen vorkommt; im Gegentheil weitab von der Elbe
da, wo sich Wiesen an die geschilderten Hügel mit Cytisus nigricans etc.
anlehnen und unter gleichen Floreneinwanderungs-Bedingungen haben l)e-
siedeln können, wenn auch die verschiedene BodenbeschaflFenheit andere
Arten nothwendig machte. Solche Sumpfwiesen sind im Ganzen bei uns
selten, sie haben keinen Raum, und wo sie ihn hatten, ist er wohl in
neuerer Zeit eingeengt. Ich habe daher von hierher gehörigen Pflanzen
weder viele Arten noch viele Standoi-te bisher kennen gelernt, betrachte
aber nach meinen bisherigen Erfahrungen als Hauptglied dieser zweiten
südöstlichen Pflanzengenossenschaft l)ei uns, die sich im allgemeinen Ver-
halten ganz an die ei'stc anschliesst, Iris Sibirien,
88
Auf^ählungr
der die ftenossenschaft von Cytisus nigricans etc. zwischen
Pirna, Hainsberg und Meissen zusammensetzenden wichtigeren
Fflanzenarten mit Angabe ihres weiteren Areales.
Die Abgi'enzung dieser Liste liat insofern etwas willkürliches, als
darüber gerechte Zweifel bestehen müssen, ob irgend eine Pflanze deshalb
sich unter die seltneren Arten mischt, weil sie als gemeine mitteleuropäische
Pflanze dieselben sonnigen Hügel als Standorte liebt, oder weil sie wirklich
zu derselben Besiedelungs-Genossenschaft gehört und nicht erst später ein
accessorisches Mitglied derselben geworden ist. Die Entscheidung darüber
lässt sich oft nur sehr schwer trefien. Ich beschränke mich daher darauf,
das hier anzugeben, was ich auf in fünf Jahren nach den verschiedensten
Richtungen hin wiederholten Excureionen gesehen habe; ich habe auch im
letzten Jahre so manches gefunden, was mir früher entgangen war, habe
auch manche der in den Büchern angegebenen Funde noch nicht gemacht,
dass ich über die hier noch vorhandenen Lücken nicht zweifelhaft bin.
Trotzdem scheint es an der Zeit, an die Zusammenstellung dieser Liste
heranzugehen, da nur auf diese Weise ein geordnetes Vorwärtsgehen dieser
üntei-suchungen und eine lebhaftere Betheiligung der Mitglieder unserer
naturwissenschaftlichen Gesellschait zu erhoffen ist.
Die Arten dieser Genossenschaft, welche häufiger auf den Höhen zer-
streut vorkommen, sind nicht mit besonderen Standorten aufgeführt; die
seltneren dagegen, welche sich nur an einem oder wenigen Standorten
finden, haben einen darauf bezüglichen Nachweis erhalten, und zwar be-
zeichnen die Abkürzungen; P. G. = Plauenscher Grund, B. = Bosel,
Z. = Ziegenbusch, die reichsten Standorte als die am häufigsten zu
nennenden ; auch hier führe ich nur das mir sicher bekannt gewordene an.
Aus den gebräuchlichen Florenwerken sind dann die möglichst kurz ge-
haltenen Notizen über das Ausstrahlen der Standorte dieser südöstlichen
Genossenschaft nach Nordwesten in Deutschland, und über ihre Haupt-
verbreitung im östlichen und südöstlichen Mitteleuropa geschöpft, erstere
stehen unter den einzelnen Arten, letztere rechts daneben.
I. Dlkotyledonen.
A. Choripetalen, Monochlamydeen und Apetalen.
Verbreitung im Südosten u. Osten.
Cytisus nigricans. — An vielen Stand-
orten verbreitete Hauptleitpflanze der
Genossenschaft; hält sich blühend bis
gegen Ende September, wo schon die
gereiften Samen zu finden sind. Ver-
Durch ganz Böhmen verbreitet,
in trocknen lichten Wäldern, Hai-
den, auf felsigen Lehnen bis auf
das Vorgebirge 600 m hoch. —
In Schlesien fast nur in der
nordwestlichen und der ober-
S9
gesellschaftet sich häufig mit Saro-
thamnus scoparius.
Südwestliches Sachsen ( Vogtland \ Thüringen
im Thal der Saale und Elster, also in den an
Sachsen östlich angrenzenden Landen. Fehlt
schon gänzlich im Gebiet der Flora von Magde-
burg, Bernburg und Zerbst; kehrt auch nicht,
wie zuweilen behauptet, im Ost-Harz wieder:
fehlt im südlichen Hannover. Findet sich aber
noch nördlich von Sachsen im südöstlichen
Thcile der Mark Brandenburg (Frankfurt a. 0. )
2. Anthyllis Vtdneraria. — Diese weit im
mittleren Deutschland verbreitete
Pilanze scheint sich im mittleren Eib-
gebiet an die Q/^*.sM,s-Genossenschaft
anzuschliessen, ohne einen integriren-
den Bestandtheil derselben zu bilden.
Bei Leipzig am Bienitz. Sonst weit ver-
breitet.
',). Trifolium monianmn. — Von dieser Art
gilt die über Auiht/Uis Vtdneraria
gemachte Bemerkung.
Trifdium al^yentre, — Häufiger Bestand-
theil der Genossenschaft.
Iji Mitteldeutschland weit verbreitet ist diese
Art noch im südlichen Hannover häufig, fehlt
aber im nordwestlichen Hannover etwa nördlich
von Höxter. Im nördlichen Deutschland noch
bei Ratzeburg (Reinke\
Coronilla raria. — Im Gebüsch und an
grasigen Abhängen zerstreut, häufig.
Erreicht ihre Nordwestgrenze nördlich vom
Harze in der Gegend von Braunschweig. (Nach
Meyer, Fl. Hannov. exe, am Elm\
Orobus niger, — Nicht selten der CytisuS"
Genossenschaft beigemischt, doch immer
die schattigeren Theile der Standorte
aufsuchend. Bei Dohna an den Ab-
hängen gegen die Müglitz besonders
häufig! B! im Gebüsch.
Verbreitung im Südosten u. Osten.
schlesischen Ebene, dort aber ziem-
lich verbreitet. Südöstliche Mark
Brandenburg (Frankf. a. 0.).
Im südlichen Polen an waldigen
steinigen Orten, sehr zerstreut
(Warschau), im nördlichen Polen
fehlend.
Alpenländer der Schweiz und
Oesterreichs. rngarn, Sieben-
bürffeii, Croatien, Herzegowina.
Macedonien, Thracien und süd-
westliches Russland. Serbien und
Bosnien; in den Bergen der
Moldau. —
hn Hügellande und Mittel-
gebirge Böhmens und an vielen
Kinzelorten sehr häufig.
In Schlesien besonders auf
Kalk, sehr zerstreut, im nord-
westlichen Gebiet selten.
In Polen überall häufig.
In ganz Böhmen mit Ausschlut«s
der Gebirge.
In ganz Schlesien, meist häufig
oder gemein.
In Polen auf trocknen Hügeln
und Waldwiesen. —
In Böhmen sehr verbreitet.
In der ganzen schlesischen
Ebene und den Vorbergen zer-
streut.
In Polen häufig.
Häufig im ganzen böhmischen
Hügellande.
Häufig in ganz Schlesien, Ebene
und Hügelland.
Häufig in ganz Polen.
In Böhmen im Mittelgebirge,
Hügellande und der Ebene ver-
breitet.
Durch die ganze schlesische
Ebene und Hügelregion zerstreut.
In Polen überall ziemlich häufig.
<U)
Verbreitung imSOdotten u. Osten.
Im westlichen Sachsen, z. B. bei Grimma
(Imuiig) und am Bienitz*) (häufig); bei Halle,
Jena und Erfurt; im Flötzgebiet der Magde-
burger^) Gegend noch ziemlich häufig, dann
seltener werdend nordwestlich vom Harz, aber
erst in Oldenburg und Ostfriesland fehlend.
7. Vicia cassuhka, — Au einigen Stelleu
in grossen Mengen, besonders bei Dohna
und am Abhänge des zur Dresdener
Haide gehörigen Wolfshügels, wo die
Blätter fast keine Wickelrauke tragen.
Pirreicht ihre Verbreitungsgreuzc in Han-
nover, in dessen südwestlichem und westlichem
Theile sie fehlt; folgt dagegen der Klbc bis
zu ihrem Unterlaufe (Eibstrand zwischen Laucn-
burg und Glüsing; Sclinakcnbcck u. s. w.)
S. SanguisorOfi officiHalls. — Sehr häufig
auf den Wiesen in der Nähe aller von
der (.*yfe«6-Genossen8chaft bewohnten
Hügel, gesellig. Fehlt niemals da,
wo andere östliche Pflanzen die Wiesen
bewohnen, zumal Iris sibirka.
Weit im mittleren Deutschland verbreitet
wird sie schon südlich vom Harz selten und
verliert sich hi den sandigen Haiden von Han-
nover (abgesehen von den Küstenmarschen).
9. Potent il kl verna, var. pilosa, — Diese
Varietät erinnert in der Behaanmg
an P. optiva; sie blüht schon Ende
März und Anfang April mit grossen,
leuchtendgelben Blumen im Felsgeröll
der tro<!knen Hügel, z. B. neben Pul-
satllhi pratensis und Siicrynla vernalis.
Die Potentilln venia in der Dresdener
Haide neben Calluna hat ein nicht
unwesentlich vei-schiedenes Aussehen:
es ist dies eine von vielen Erschei-
nungen, wo vei'schiedene Varietäten
*) Anmerkung. Für den zwei Stunden westlich von Leipzig nahe dem Dürfe
Kückmardorf gelegenen reichsten Fundplatz der dortigen Gegend, den Bienitz, beimtzte
ich - da ich ihn selbst noch niemals besucht habe — das kleine Büchelchen: „Flora
des Bicnitz und seiner Umgebungen*', von Dr. Petennann. Leipzig 1841.
**) Für diese Gegend diente mir als hauptsächlichste literarische Quelle : L. Schneider.
Flora von Magdeburg mit Einschluss der Florengebiete von Bernburg und Zerbsi.
Berlin 1877.
Verbreitet durch ganz Böhmen
und in dessen Nordhälfte gesellig
auf lichten buschigen Abhängen.
In der schlesischon Ebene iiud
Hügelregion, gegen Südosten ab-
nehmend.
Fehlt in Polen?
Im ganzen südöstlichen Theil
des mitteleuropäischen Floreu-
gebietcs, bis Bosnien und Süd-
Russland. —
Meist sehr gesellig auf den
Wiesen des kühleren böhmischen
Hügellandes.
Meist sehr gesellig in Schlesien,
im noixlwestlichen Theile seltener
werdend.
In Polen auf feuchten Wiesen
überall häufig.
In Böhmen verbreitet und meist
häutig.
Die Varietät soll in Schlesien
selten sein, sofern sie dieselbe
Form überhaupt vorstellt.
9t
vorschiedeueu (ienossenschafleu auge-
höreu, und, weil letztere bestimmte
gleichartige Standorte besiedeln, auf
den Eiufluss des Standortes allein in
fälschlicher Weise zurückgeführt sind.
Verbreitung der Varietät unbekannt. Ich
gUubc dieselbe Form im W'errathal in der
Gegend von Allendorf gesammelt zu haben.
10. Filiifcndula hexapetala Gilib. (= Splrava
FilijtendHla L. et Aut.). — Verbreitet
an nicht zu viel Standorten im Be-
reiche der Qy^'6«6-üeno8senscliaft, an
welche sie sich im mittleren Eib-
gebiete anzuschliessen scheint.
Noch häutig im Gebiet von Magdeburg.
In Hannover nur im sOdlichen und östlichen
Theilc häutig; gegen Nordwesten abnehmend
und selten (westlicher llarzrand bei Salzgitter!
Braunschweig: Asse!). Fehlt in der nord-
westlichen Niederung durchaus.
11. Müsa yalli(Xif *immilu, — IJ ! ZI (Gesellige
Strauchgmppen, oft nur eine Spanne
bis ein Fuss hoch und aufrecht, sel-
tener in schattigem Gebüsch nieder-
liegend. Die grossen rothen und schön
duftenden Blumen machen sie zu einer
Zierde der Genossenschaft. Wird auch
aus dem P. G. angegeben.
Fehlt am Bienitz. Bei Halle (Bibra). In
Thüringen (Jena, Erfurt, Naumburg). Fehlt in
der Flora von Magdeburg und von da uord-
westwärts überall.
12. Uosu rubiffinom. — Zerstreut auf den
Hügeln, auf Rainen» in den Wein-
bergen u. s. w., doch im allgemeinen
nicht zu häufig.
Zerstreut durch Sachsen und Thüringen
und .das südliche und mittlere Hannover, im
Nordwesten seltener werdend.
13. Vijrm communis. — BI, wo ich die wilde
Form oben am Hange zwischen Fels-
geröll in einem einzigen knorrigen und
VerbreitHng imSttdotten u. Osten.
Im Uügellaude Böhmens ver
breitot, aber zerstreut und stellen-
weise fehlend.
In ganz Schlesien, in der Ebene
und llügelrcgion , zerstreut und
stellenweise fehlend.
In Polen auf trocknen Höhen
überall ziemlich häutig.
Im böhmischen Hügellaude auf
steinigen buschigen Abhängen auf
Kalk- und Lehmboden verbreitet,
an einer grossen Menge von Stand-
orten.
In Schlesien in manchen Gegen-
den ziemlich häutig und von vielen
Standorten angegeben, erreicht sie
die Nordgrenze der ostdeutschen
Verbreitung.
In Polen zerstreut.
In südlichen Breiten. von Frank-
reich — Schweiz— nördl. Italien —
durch ilie (»stlichen Alpenländer
nach l'ngarn, Moldau, Podolien
und Macedonien. —
In Böhmen sehr häutig, wenn-
gleich weniger häutig als Bosa
canina.
Zerstreut durch ganz Schlesien,
in manchen Gegenden selten.
In Polen zerstreut.
In Böhmen zerstreut und ver-
ehizelt.
In Schlesien besonders im Oder-
thal wild.
92
stai'k mit Domen bewehrten Baume
gefunden zu haben glaube,
lieber die wirklich wilden Standorte des
Binibaumes fehlt es an sicheren Angaben; er
wird nicht über die Flötzgebiete Mitteldeutsch-
lands hinaus wild sein.
14. Cotaneaster infegcrrimus (vulgatis). —
P. G! Wird auch noch von B. ange-
geben, wo ich ihn bisher nicht sah.
Fehlt am Bienitz. In Thüringen von Naum-
burg und Halle an auf den Muschelkalkhügeln
an vielen Standorten! ImWerrathal bei Allen-
dorf! Kur im südlichsten Magdeburger Gebiet,
dann aber im Ost -Harz wiederkehrend. Von
da an nordwestwärts fehlend mit einzelnem vor-
geschobenen Standort am Süntel.
1 5. Sorbits tonninalis. — Wenige kleine Bäume
auf B! und Z! Scheint früher häufiger
gewesen zu sein.
Ziemlich häufig im mittleren deutschen
Hügellande verbreitet bis zu seiner nordwest-
lichen Grenze in Haimover an den Sieben-
bergen und am Deister.
16. Sedum rupestre (rcflexim). — An vielen
Stellen der felsigen Hügel als Bestand-
theil der Genossenschaft.
Weit verbreitet in Deutschland auch in der
von Sachsen nordwestUchen Richtung.
17. Fmcedanum Cervarla, — B! und Z! An
beiden Punkten häufig, zumal an dem
Steilhange der Bosel gegen die Elbe
hin in über 2 m hohen Exemplaren,
trotz der sonnigen Lage erst sehr spät
im Jahre blühend. In dem mit kurzem
Gras bedeckten Tenain des Ziegen-
buschs entwickelt sich die Pflanze
wahrscheinlich des lichten Schattens
der Bäume wegen zu geringer Grösse
und Fructification.
Bei Leipzig (am Bienitz auf den Wiesen
bei Klein-Dölzig). In Thüringen häufig. Als
Seltenheit an einigen Stellen des Magdeburger
Gebiets. In den Vorbergen und in der niederen ;
Verbreitung im Südosten u. Osten.
Wird aus Polen als häufig an-
gegeben.
Im wärmeren Hügellande und
Mittelgebirge Böhmens verbreitet
mit nicht wenigen Standorten.
In der schlesischeu Hügel-
region an wenigen Stellen und
selten (auch im Gesenke).
In Polen selten, auf Felsen im
südlichen Gebietstheil.
In den Ost - Alpeuländern,
Ungarn bis Serbien und Süd-
Kussland.
Sporadische Fundorte weit
über diese Grenzen hinaus. —
Im böhmischen Mittel- und
Vorgebirge.
In Schlesien an wenig Stand-
orten.
In Polen überall vereinzolt.
Im böhmischen Hügellamle
und Mittelgebirge zerstreut.
In der schlesischeu Ebene,
nur in der nordwestlichen Ge-
bietshälfte.
In Polen sehr selten. —
In Böhmen in trocknen Laub-
wäldern, auf buschigen Hügeln.
Waldwiesen, gern auf Kalk, Basalt,
Gneiss; im Hügellande, besonders
in dessen wärmerem Theil und in
der P^bene ziemlich verbreitet und
stellenweise häufig.
In Schlesien auf trocknen
Wiesen und lichten Waldstellen
besonders der Hügelregion, au
vielen Standorten, aber nach Nord-
westen hin selten werdend.
Im südlichen Polen zerstreut
(um Warschau, Klödno).
Oesterreichs Kronländer, Dal-
matien, Montenegro.
Ungarn, Banat, Siebenbürgen,
Bosnien, Serbien.
93
Region des Harzes. An einzelnen Stellen im
südliclien Hannover mit dem nordwestlichen \
Endpunkt am Kronsberg bei Hannover.
m. Pcuecdannm OrroscHnmn, — Zahlreich
verbreitet auf den Rainen und be-
grasten Hügeln im Bereich der Ge-
nossenschaft, eine ihrer Leitpflanzen i
darstellend. Sie steigt an einigen
Stellen von den Eibhöhen bis in die
Nähe der Thalwiesen herab, so auf
Dämmen in Wachwitz, ohne jedoch i
jemals in die Thalwiesen -Vegetation i
sich zu mischen.
In Sachsen viel weiter verbreitet als 17:
hiUitig am ßieiiitz. In Thüringen seltener als
17. An sehr vielen Stellen auf den trocknen
Hainen des Magdeburger Gebiets. Im (ist-
lichen Harz. Der Elbe folgend bis Lauen-
burg! an einzelnen Stellen, und bis Hamburg.
Weiter westlich bis zum nördlichen Elm bei
Hraunschweig!
Ul. Ju-i/ngaun mmjwstre, — Häufige, die Ab-
hänge der Uferhöhen stellenweise fast
gesellig bedeckende Pflanze; ich sehe
dieselbe als Glied der ( y /87/s-(ienossen-
schaft und nicht als eigentliche Strom-
thalpflanze an, weil sie fast immer auf
den von ersterer bewohnten Höhen sich
im reicheren Masse angesiedelt hat.
[Vergl. Loew in Linnaea, Bd. 42, S. 554.]
Häutig bei Halle und Sondershausen, östlicher
Harz ; selten in der Mark Brandenburg, häufig
an der Elbe bei Lauenburg! bei Lüneburg.
20. Difuithus caesius. — P. G! Reichlich an
den unzugänglichen Felsen des rechten
Weisseritz-Ufers, in grossen und reich-
blühenden Rasen. Wird von Heyn-
hold noch im Hoflössnitzthale ange-
geben, an der Umbiegungsstelle des
nördlichen Eibhöhenzuges gegen Nor-
den auf Weinböhla zu; bewohnt also
die Standorte der Genossenschaft, ohne
jedoch streng zu ihr zu gehören.
Verbreitung imSUdoeteii u.Oeten.
Mittleres und sadliches Russ-
land. —
Zugleich in Süd -Europa von
Spanien bis zur Herzegowina. -
In Böhmen auf Wald-, Berg-
und Uferwiesen, im Waldgebüsch,
an Bainen, nur im sandigen und
kiesigen Boden, in der Hügelregion
fast nur der nördlichen Landes-
bälfte sehr zerstreut. Mähren.
In Schlesien auf Ilainen,
trockenen Wiesen u. Waldrändern,
besonders auf Sandboden in der
Ebene an vielen Stellen.
In Polen auf trockenen Wiesen
u. Waldrainen überall sehr häufig.
Oesterreiclis Kronliinder. Dal-
niatieu.
Fugarn, Uanat. Siebenbürgen,
Bosnien, Serbien.
Mittleres und südliches Buss-
land. —
Verbreitet im N. bis Schonen
und (Jeland, im Süden bis Spanien
und zur Herzegowina. —
In Nord- und Mittelböhmen
auf Triften und dürren Hügeln
verbreitet und häutig.
In Schlesien auf trockenen und
steinigen Hügeln sehr selten (zwei
Standorte angegeben, bei Breslau >.
Häutig in Mähren und im öst-
lichen Galizien.
Im südlichen Polen gemein
und von da weiter längs der
Weichsel, im nordlichen Polen
fehlend.
In Böhmen auf Felsen der
Mittelgebirge, selten, jedoch an
den einzelnen Standorten zahl-
reich beisammen.
In Schlesien auf Sandhügeln
der Ebene an wenigen Stellen,
hier die Ostgrenze seiner Ver-
breitung erreichend.
Vergleiche Dr. Gerndt a. a. 0. :
Freienwalde in der Mark Branden-
burg. Moszyn am Gorkasee als
94
Saalthal, Thüringen an mehreren Stellen
(Suhl, Eisenach, Schwarzburg u. s. w.). Im Ast-
lichen Harz (an den Felsen des Bodethales bei
der RoBStrappe). Fehlt im (lebiet der Flora
von Magdeburg. In Hessen bis zum Habichts-
wald bei Cassel Scheint nach der Begrenzung
mehr eine südliche als eine östliche Pflanze zu
sein. Findet sich auch in Schlesien und im
Odergebiet bei Frankfurt, in Posen, stets an
einzelnen Stellen. — Bayerische Hochebene und
Franken häufiger: im Jura.
21. Diantlius Carthiisianornm, — Häutiges
Mitglied der ry/Ä</«-Genossen8chaft.
Auf den sonnigen Höhen der Spaar-
berge und auch anderwärts findet sich
diese Art in einer abweichenden Form
(var. pratensis Neilr.): Die Blüthen-
büschel sind 1 -armblüthig, die Blumen
selbst sind gross und blassrosa, sehr
in die Augen fallend. Die Blumen
erinnern, zumal da die Kelchschuppen
und Inflorescenzbracteen nur kurz be-
gi-annt sind und die Büschel niclit
strahlig umgeben, sehr an DiantJuts
Seguierii, von dem die Pflanze aber
durch die Länge der Blattscheiden
vei-schieden ist. 7). Seguierii kann
nicht füglich der r^//.sws-Genossen-
schaft bei uns beigezählt werden, da
er nur an einer Stelle des Loschwitzer
Höhenzuges in ihrem (»ebiete vor-
kommt und viel häufiger l>ei Hellen-
dorf im Elbsandsteingel)iete nahe der
böhmischen Grenze ist.
Weit verbreitet iu Deutschland ohne deut-
lich ausgesprochene Vegetationsgrenze, jedoch
mit entschiedener Abnahme nach Nordwesten.
D. CarÜitMtanorum gehört zu den Arten,
welche sich der (^V^i^cj^-üenossenschaft zu-
gesellen, ohne mit deren übrigen Bestandtheilon
die genaue Verbreitungslinie zu verfolgen.
22. Sj)ergulu ver^mlis W. (pentandra L,) —
Auf den felsigen Höhen häufig und
im ersten Frühjahre mit Cerastium
semideeandrum die Flora beginnend.
Verbreitung imSQdoeten H.Osten.
östlichster Punkt. England— Bel-
gien—Schweiz— Tyrol — Croaticn.
In Böhmen ist die Varietät
pratenm auf Bergwiesen in der
Hügelregiou verbreitet und be-
sonders im wärmeren llagoUande
häufig.
Die Art ist in der schlesischen
Ebene und Hügelregion häufig, die
Varietät ist nicht angegeben.
In Polen auf sonnigen Hügeln
und in trockenen Wäldeni überall
gemein.
In Böhmen weit verbreitet und
zeratreut, mehrere Standorte sind
„auf Felsen" genannt.
In Schlesiens nordwestlicher
95
Bei dieser Art sind die Formen (*V. Mari-
Mmii Bor., *S'. petUamha Aut.) zu wenig sicher
auseinander gehalten, als tlass sich klar er-
kennen Hesse, ob die Form der sandigen llaiden
mit der Felsenpflanze übereinstimmt. Auch
ich bin dardber unsicher.
23. Viola hirta. — Hier und da ein häufiger
Begleiter der Genossenschaft mit
reichen hellblauen Blumen, nie von
mir an anderen Standorten gesehen.
Von weiter und unb<»stimmtor Verbreitung
in Deutschland.
24. Hf/})ericiim montanum. — Im Dresdener
Gebiet nicht häutig und nur im Be-
reich der f V/^i/?//s-Genossenschaft, mit
welcher es aber vielleicht nur die
Standortsbedingungen gemeinsam hat.
P. Gl und ZI häufig, auch an anderen
Stellen!
In Leipzig am Bienitz. Bei Halle. Häutig
in Thüringen und Süd-Hannover. Noch häufig
im Gebiet von Magdeburg auf dem Flötzgebiet.
Ebenfalls noch häutig auf den Kalkhügehi in
der Umgebung von Hannover, in der Flora
von Celle schon sehr selten und nordwestwärts
verschwindend.
25. Hyperinnn hlrsutum, — 'i'heilt die Ver-
breitung der vorigen Art in unserem
(iebiete, scheint aber etwas häufiger
zu sein.
26. Polygala romosa. — Häufig auf den son-
nigen Hügehi. Verbreitimg wie bei
den beiden Hpimienfn-Arieu.
27. Ilrllanthemum Chamaecisttts (= vulgare).
— Kann bei uns gleichfalls als acces-
sorisches Mitglied der ( ^ytistt.^ - G e-
nossenschaft betrachtet werden.
28. EiqJiarbia Cyparissias. — Scheint an
keinem Punkte zu fehlen, wo die
Cyiisns - Genossenschaft i-eich ent-
wickelt ist.
Verbreitung im Südosten u. Osten.
Ebene häufig angegeben, sonst
selten.
In Pulen häutig {S. Marinmui
Boreau); S. j)etitamirfi selten.
In ganz Böhmen verbreitet und
meist häufig.
In der schlesiscben Ebene und
Hügelregion zerstreut.
Scheint in Polen häufig zu sein.
Fast durch ganz Böhmen ver-
breitet.
Durch ganz Schlesien zerstreut,
oft aber selten.
In Polen an nicht viel StantU
orten.
hl Böhmen wie die vorige Art
verbreitet.
In Schlesien häufiger in der
Oderniederung; sonst wie vor.
Nur im südlichen Polen, und
auch da sehr selten. —
In Böhmen verbreitet.
In Schlesien meist nicht selten.
In Polen häufig'.
In Böhmen auf trockenen
Wiesen und grasigen Hügeln be-
sonders auf Kalk häufig.
In Schlesien auf sonnigen
Hügeln zerstreut.
In Polen verbreitet.
In ganz Böhmen gemein und
sehr gesellig.
In Schlesien meist gemein
und oft sehr gesellig in der
96
Als accessorisches Mitglied wie 23, von
weiter und unbestimmter Verbreitung: doch ist
bekannt, dass sie nicht aller Orten häutig ist.
21). Anemone (Pulsatilla) pratensis, var. an-
(fustlscctn Celak. (Prodr. Fl. v. Böhmen,
S. 405). — BI Hier häutig und im
kurzen Rasen der Hügel gesellig ; scheint
früher um Dresden an vielen Stellen
verbreitet gewesen zu sein, wo jetzt
kaum noch schwache Ueberbleibsel
zu finden sind (Tolkewitz, Zschachwitz,
Wachwitz, Pillnitz).
Fehlt am Bienitz. -— Bei Halle, Wittenberg,
Dessau. Im Magdeburger Gebiet sogar im Di-
luvium und Sand-Alluvium ziemlich häutig. Bei
Ncuhaldensleben das östliche Braunschweig er-
reichend. Am nordöstlichen Ilande des Harzes.
Bei Sondershausen. Von da an nordwestlich
in einzelnen sehr zerstreuten Tunkten; süd-
wärts nicht über den Thüringer Wald hinaus-
gehend.
30. Clcmatis recfa. — B! und Z! Dort im
lichten Gehölz häufig, in grossen
Exemplaren und oft niederliegend.
Findet sich auch am Südufer der Elbe
an den Abhängen bei Niedei-\Nartha
(von mir dort noch nicht gesehen^.
Fehlt am Bienitz bei Leipzig. — ZiemUch
häufig im Elb-Alluvium des Magdeburger Ge-
biets, so dass die Pflanze dort als Stromthal-
pflanze auftritt, wozu sie in Sachsen nicht
neigt. Bei Barby. Nordwestwärts immer sel-
tener werdend. Bei Nordhausen. Fehlt in
Braunschweig und Hannover und von da west-
wärts.
31. Aquilegia vulgaris. — Im Gebiete der
Dresdener Flora nicht allzu häufig,
sucht sie die Standorte der Cytisus-
üenossenschaft auf und wird dadurch
ein unwesentlicher, aber zierender Be-
standtheil derselben.
Verbreitung im Südosten u. Osten.
Ebene, stellenweise sehr selten
oder fehlend.
In Polen überall gemein.
In Böhmen auf trockenen son-
nigen Hügeln, Felsabhängen, in
Kiefer Wäldern und Ilaiden be-
sonders auf Sandboden, im Hügel-
lande der nördlichen Landeshälfte
verbreitet.
In Schlesien auf dürren Hügeln
und in sandigen Kiefernwäldern
der Ebene sehr zerstreut, wird
aber mit einer grossen Zahl von
Fimdplätzen angegeben.
In Polen auf sandigen Hügeln.
Triften und Haiden überall sehr
häuüg.
Mittleres und südliches Russ-
land, Serbien, Fugarn, Croatien.
In Böhmen auf steinigen
Hügeln. Wiesen und an Wald-
rändern verbreitet.
In Schlesien sehr selten, nur
von drei Standorten in der Ebene
angegeben.
In Polen in der Nähe der
Wei<*hsel an manchen Standorten.
Durch ganz Böhmen verbreitet,
gern auf Kalk.
In Schlesien an vielen Stand-
orten (auf Kalk) im Vorgebirge,
in der Ebene selten.
Zerstreut im südlichen Polen.
97
R. Sympetalen.
',\2. (\mi)xinuhi (jloumafa, — B! und an
einigen Stollen der südlichen Elbnfer-
züge.
Am Bicnitz häutig, dort auch auf den Wiesen
hei Klein- Dölzipf angegehen, obgleich diese Art
nicht eigentlich Wiesenptlanze ist. Häutig im
Flötzgebiet von Magdeburg. An den Vorbergen
und im östlichen Theile des Harzes. Als Selten-
heit in der Flora von Celle (Hten.)
:J3. Asjfcnda ajnanchica, — Zerstreut an den
Standorten der CVf/.s7f.s-(ienossenschaft,
an manchen Stellen zahlreich auf
trocknem Fels (B! P. (i!).
Scheint ziemlich weit in Sachsen verbreitet zu
sehi und nur die eigentlichen Montan-Gegcnden
sowie die nördlichen Striche und die Lausitz
völlig zu meiden. Am Bienitz. — Häutig in
Thüringen und im (iebiet von Magdeburg.
34. Asj)erul(i gulioidrs (glanca). — BI und
R Gl scheint an den ührigen Stand-
orten zwischen Pirna und Meissen zu
fehlen.
Am Bienitz nicht selten. — In Thüringen
häutig bis nach Halle. Erreicht seine Xord-
westgrenze auf den Kalktlötzen des Magde-
burger Gebietes an mehreren Standorten.
Ist in südlicheren Breiten noch weiter nach
Westen (über das Mainthal nordwärts hinaus)
verbreitet ^ Witzenhausen ! i
[Bemerkung. Aaperula iinctoria, von
Petermann als sicher vom Bienitz. wenngleich
dort nicht häutig angegeben, dann weiter nord-
westwärts in der Gegend von Halle, Bernburg,
Barby und am östlichen Ilarzrandc vorkommend,
fehlt im Bereiche der Flora von Dresden.]
ii."). (Udium borcak', — Nur im Bereiche der
Ci/tisus - Genossenschaft an einigen
Stellen des mittleren Elbthales ; in den
Hainen des Z!; auf den Wiesen in der
Einsenkung zwischen den Spaarbergen
und Oberau! mit Iris sihirira: soll aucli
bei CotLa wachsen. Findet sich zu-
gleich in der Lausitz.
Verbreitung Im Sudosten u. Osten.
Im böhmischen Hügellande und
Mittelgebirge viel verbreitet.
Durch ganz Schlesien zerstreut.
In Polen auf Kalkboden häutig.
In Böhmen eine charakte-
ristische Pflanze des wärmeren
Hügellandes und sehr verbreitet.
In Schlesien nur im mittleren
und östlichen Gebiet südlich vom
51** n. B., auf sonnigen Kalk-
hügeln an zahlreichen Kinzel-
standorteu.
Im südlichen Polen fast überall
sehr häufig, im nördlichen fehlend.
Durch ganz Böhmen zerstreut,
gern auf Kalk.
In Schlesien sehr selten auf
sonnigen steinigen Hügeln (nur
von drei Standorten angegeben).
Kehlt in Polen.
[In Böhmen etwas seltener als
Ä. fßalioides.]
[In Schlesien im mittleren un<l
südlichen Gebiet selten.]
[In Polen selten.]
In Böhmen zerstreut auf un-
fruchtbaren Wiesen, Ilaiden und
Waldwiesen, von der llügelregion
bis auf das obere Riesengebirgi».
In Schlesien häufig bis gemein,
nur in der Oberlausitz selten.
In PoI(>n häufig.
98
Häufig auf den Wiesen am Bienitz ; ebenso
bei Halle und südwärts im Saalthal, im Nord-
westen hei Dessau, Barby, Suhl, Magdeburg,
überall als „häufig'* bezeichnet. Selten bei
Hannover; fehlt in Celle und im Nordwesten.
36. Scablosa odiroleuca, — Truppweise auf
einer grösseren Menge von Standorten
und dort charakteristisch, so dass
diese von Sccihiosa colunibaria sehr
wohl im Range einer eigenen Art ab-
weichende Pflanze zu einer Leitpflanze
für die Genossenschaft ward.
In Sachsen scheint die Art auch im
Westtheil an manchen Standorten häufig und
charakteristisch zu sein. Häufig auf den Hügeln
zwischen Halle und Erfurt! Jena u. s. w. Ist
nach Schneider noch im südlichen Theil der
Flora von Magdeburg, namentlich in Kalk-
gegenden und auf den Hügeln, häufig, fehlt
aber im nordwestlichen Theile dieses Gebietes
und wird dort durch Scabiosa columharia vor-
treten, welche ich im mittleren Eibgebiet nie-
mals mit Scahiosa ochroleuca vergesellschaftet
gesehen habe.
37. IntiJa salicina — Nicht sehr häufig, be-
sonders Z! und bei Pirna; bei Lang-
hennersdorf und Berggiesshübel (hier
also in dem* östlichen, Böhmen ge-
näherten Theile des Areals der
( y/,sti5-Geno8senschaft).
In der Lausitz. Bei Leipzig am Bienitz
und an anderen Stellen. Bei Halle, Witten-
berg, Bai'by, Dessau, Cötheu; dann nacli Nord-
westen hin seltener werdend und bei Braun -
schweig und Hannover nur noch auf den Kalk-
hügeln. Dagegen häufiger in Süd -Hannover;
noch häufig und gesellig in der Flora von
Magdeburg.
38. Antheinis thwtoria. — An den steilen
Abhängen der Bosel sehr zahh^eich;
auch sonst zahlreich an manchen
Stellen, aber wohl nur im Bereich der
Cytisus-G enossenschaft .
Bei Leipzig an» Bienitz. Sehr häufige Art
in ganz Thüringen und Süd -Hannover auf
Kalkhügeln. In der Flora von Magdeburg zer-
Verbreitung im Südosten u. Osten.
In Böhmen auf trockenen
Hügeln, Rainen, an Wegen im
Hügellandc, sehr häufig in den
wärrosten Gegenden.
In Schlesien „eine meist ver-
breitete und häufige Charakter-
pflanze" der Ebene und Hügel-
region, im nordwestlichen Theile
selten oder fehlend.
In Polen häufig und stellen-
weise gemein.
In Böhmen an vielen Stand-
orten, besonders auf Kalk.
In Schlesien in der Ebene und
Hügelregion zerstreut und stellen-
weise häufig.
In Polen überall meist nicht
selten.
Verbreitet in Böhmen von den
Vorbergen bis zur Hügelregion,
in der Ebene felüend.
In Schlesien an sehr vielen
einzelnen Stellen zerstreut, aber
nicht häufig verbreitet.
In Polen meist überall häufig.
99
streut. Im Ostbarz. Selten bei Braunscliweig
und Hannover, und von da nordwestwarts
scbwindend.
:M). Achillea MiUvfoVimn, *sctacr(L — Selten:
Von Ileichenbaeh nach einem Exemplar
lies Herbar. Fl. Saxonicac auf einem
Ilain bei Hosterwitz in sehr ausge-
sprochener Form beobachtet. Auf
Triften bei Oberau! Auch am süd-
lichen Höhenzuge bei Niederwartha.
Am Bienitz bäufig: ebenso in Tbüringcn.
Nordwestwarts bis Barby und Bernburg, im
Magdeburger Gebiet besonders auf Kalkbügehi.
•40. Chrysanthemum corytribostwi. — Nur an
wenigen Stellen häutig und immer in
der Cy//Ä/f.s-üenossenschaft : an den
Abhängen des Müglitzthales beiDohna;
und zalilreich B!
In Thüringen viel häufiger und durcli das
ganze Gebiet verbreitet. Im Magdeburger
(iebiet nicht selten im FUitzbereich, von da
selten auf das Diluvium und Alluvium Über-
gehend. Im Ostharz und auf allen Rand-
gebirgen des Harzes auch im Norden. Im
südlichen Hannover auf Kalkhügeln häufig;
bei Braunschweig an der Asse! Fehlt schon
bei der Stadt Hannover und von da nordwärts
in der Haide.
41. Cirs^ium canum, — Selten: Auf Sumpf-
wiesen an den nördlichen Abhängen
der Spaarberge, Nasse Aue u. s. w,,
dort gesellig und von ganz gleichem
physiognomischen Eindruck als auf
den böhmischen liergwiesen im Eger-
thale am Erzgebirgsabhange. Gehört
zur Genossenschaft der Iris sihiricft,
(Wird auch von Nieder-Sedlitz ange-
geben.)
Fehlt am Bienitz. ~ War fälschlich von
Erfurt angegeben, als einziger Standort in
Thüringen. Fehlt im Gebiet der Flora von
Magdeburg. Es ist also eine Art, welche an
den genannten Orten ihre nordwestliche Grenze
erreicht zu haben scheint.
42. Sfrrahda f'mrtoria, — Z! Zahlreich im
lichten Walde und zwischen Gebüsch:
Verbreitung im Südosten u. Osten.
Die T'nterart in Böhmen auf
trockenen Hngelu häufig, ohne
Febergänge zu der gewöhn-
lichen Form Achillea MiUefnlium
genuina.
In Schlesien sehr selten auf
sonnigen Hügeln i4 Standorte.
Im böhmischen llttgellande und
Vorgebirge verbreitet, gern auf
Kalk.
In Schlesien ziemlich selten,
an einer geringen Zahl von Stand-
orten.
Im südlichen Polen ziemlich
häutig in trockenen AVäldern , im
nördlichen — wie es scheint —
fehlend.
Ist sowohl im südlichen Theile
von West -Europa (Portugal —
Frankreich^ als besonders von
Ost - Europa (Montenegro — Süd-
Russland) und im östlichen Theile
Mittel- Europas verbreitet. —
In Böhmen auf feuchten Wiesen
verbreitet in der ganzen nördüchen
Landeshälfte in den Niederungen
und im gebirgigeren Theile bis an
den Fuss der Sudeten, meist sehr
gesellig.
In Schlesien in der Ebene und
llügelregion, als Charaktei-pflanze
in der mittelschlesischen Ebene
verbreitet.
In Polen selten, auf feuchten
Wiesen. In Posen, Galizien.
In Mäliren,()esterreich, Steyer-
mark, Kärnthen, Croatien, l Jigarn,
Banat, Siebenbürgen, Serbien.
Im mittleren und südlichen
Hussland.
In Böhmen allgemein verbreitet
auf Waldwiesen der Hügelregion
inid des Mittelgebirges.
100
auf Waldwiesen durch ganz Sachsen
zerstreut und überhaupt von weiterer
Verbreitung.
Am Bienitz sehr häufig. In Thüringen auf
Waldwiesen häufig, zuweilen in höhere Lagen
eintretend.
Im südlichen und mittleren Hannover noch
häufig wird sie beim Aufliören der letzten
kalkigen Höhenzüge selten und hat ihre Nord-
westgrenze.
43. Centaurea paniculata (= maculosa), —
B! Zahlreich auf der Höhe und am
Hange gegen die Elbe hin. Auch auf
den Mauern nahe dem Eibufer.
Bei Leipzig; bei Halle, Naumburg u. s. w.
häutig, auch im südlicheren Saalthal. Bei
Fi*aukenhausen; Kyifhäuser. Häufig noch im
Magdeburger Flötzgebiet und dort auf das
Diluvium übergehend. Schon selten in der
Gegend des Eichsfeldes. Erreicht die Nord-
grenze ihrer Verbreitung mit dem Harze.
44. Lacttim pcrennis. — Selten : B ! Am steilen
Abhänge zwischen Geröll neben An-
therkum. Scheint sicher nur in der
Gegend von Meissen vorzukommen. '
Immer als seltenere Pflanze zerstreut durch
Thüringen, wie sie auch am Bienitz bei Leipzig
fehlt. Bei Bernburg. Auf der Rothenburg
(KyftTiäuser).
Ostharz ! im Bodethal; dort ist auf dieser Ver-
breitungslinie ihre Grenze gegen Nordwesten.
Ausserdem im südlichen Deutschland vom
fränkischen Jura bis Elsass, ein südliches Wohn-
gebiet; häutig im Rhein- und Moselgebiet.
45. Hmacium pracaltnm. — Im Müglitzthal
auf den sonnigen Höhen häufig ; P. G !
und an anderen Orten.
Zerstreut im Saalthal, an manchen Stellen
Mutig. Auch am Bienitz bei Leipzig. Eben-
falls noch an mehreren Standorten im Magde-
burger Gebiet; von da in den östlichen Harz
und dessen Randgebirge verbreitet. In der
Flora der Stadt Hannover schon ganz fehlend.
4(). Melittk MeUssophyllum. — Z! Nicht sehr
zahlreich an einem grasigen Hange,
dort um Mitte Juni reichlicli l)lühend.
Verbreitung im Südosten u. Osten.
In Schlesien verbreitet und in
manchen Gegenden häutig.
In Polen überall häutig.
In Böhmen im wärmeren Hügel-
lande verbreitet auf dürren Hügeln.
Mauern u. s. w.
In der Lausitz verbreitet.
In Schlesien häutig, gern auf
Sandboden.
In Polen überall häutig.
In Böhmen auf felsigen Ab-
hängen (auf Kalk, Basalt, Thon-
schiefer) der wännsten Gegenden,
eine wahre Zierde derselben.
In Schlesien fehlend. In
Polen fehlend.
Im südöstlichen Theile Eu-
ropas: üesterreich, Ungarn, Banat,
Croatien, Siebenbürgen, Serbien.
Bosnien, Montenegro.
Zugleich auch im wärmeren
West - Europa : Spanien , 1 'rank-
reich, Belgien; Schweiz.
Im Gebirge und niederen Hügel-
lande von ganz Böhmen zerstreut.
In Schlesien verbreitet und
meist nicht selten.
In Polen häufig.
In Böhmen in lichten Eichen -
Waldungen der Niederung und
des Mittelgebirges an sehr vielen
Stellen zerstreut.
101
Süll aucli im Müglitzthale bei Dohiia,
südlich der Stadt auf den die Wasser-
scheide gegen Maxen hin bildenden
Höhen an einem lichten Waldplatze
wachsen und ist früher (einem im
Herbarium aufbewahrten, vom Könige
Friedrich August H. herrührenden
Protokoll zufolge) dort wirklich ge-
funden; an eine Verwechselung dieser
Art ist niemals zu denken.
Fehlt am Bienitz, wird aber aus der Flora
von Leipzig angegeben. Bei Halle und an
zwei anderen Stellen Thüringens. Fehlt im
Gebiet der Flora von Magdeburg. Fehlt über-
haupt von da an nordwestwärts bis zu ihrer
Nordwestgrenzc auf der Asse bei Braunschweig!
17. Betonicu officinalis, — Bei Dresden nicht
zu häufig, sucht sie die lichten Wälder
im Bereich der Cy/«>MS-üenossenschaft
als deren accessorisches Mitglied auf.
4S. Stachys reda. — P. G! B! In den Wein-
bergen der Höhenzüge hier und da.
Fehlt am Bienitz, ist aber in Thüringen
häutig. Auf Kalk in der Flora von Magde-
burg, Braunschweig. Hannover nicht häufig.
lü. Verbascinn Lychnit'ts, — Variirt auch bei
uns mit weisser und gelber Blüthe
ohne ausgesprochenen Unterschied nach
Standorten. Ist zahlreich auf den
Höhen verbreitet und in Sachsen zer-
streut. Schwächste Leitpflanze der
Genossenschaft.
Am Bienitz. Durch ganz Thüringen, im
Gebiet der Flora von Halle, Magdeburg, in
den südlichen Vorbergen und im östlichen
Harze häufig; bei Quedlinburg und Aschers-
leben. Weniger häufig im südlichen Hannover
und in Braunschweig nördlich vom Harze. Im
weiteren Gebiete um die Stadt Hannover nur
noch auf einem Kalkhügel bei Hameln. Scheint
von da an in nordwestlicher Richtung zu fehlen.
Findet sich weiter ostwärts dagegen weiter
nach Norden verbreitet, z. B. in Lauenburg
und im nördlichen Holstein als Seltenheit.
50. Melampyrum cristatnm, - B ! Im feuch-
teren Gebüch am Nordabhange zahl-
Verbreitung im Südosten u. Osten.
In Schlesien in Gebüschen und
Laubwäldern au sehr vielen Stellen
' zerstreut« in der nordwestlichen
Ebene jedoch sehr selten.
Im südlichen Polen au mehreren
Standorten, im nördlichen ganz
fehlend.
Von Griechenland an durch
den südöstlichen Theil von Mittel-
Europa (Bosnien, Siebenbürgen,
Oesterreich u. s. w.) verbreitet;
zugleich aber mit einem anderen
Gebiet im westlichen Europa vom
nördlichen Portugal bis Süd-Eng-
land.
Im böhmischen Hügellande ver-
breitet.
In Schlesien vielfach häufig.
In Polen häufig.
In Böhmen häutig im llügel-
landc und Mittelgebirge.
In Schlesien au einer grösseren
Zahl einzelner Standorte.
In Polen ziemUch häufig.
In Böhmen auf trockenen
Hügeln, lichten Abhängen, Weg-
rändern, Flussufem verbreitet, oft
sehr zahlreich.
In Schlesien auf trockenen
Hügeln, an Rainen u. s. w. in der
Ebene zerstreut und an manchen
Stellen häufig, im Vorgebirge
fehlend.
In Polen auf sonnigen Hügeln,
trockenen Waldplätzen und Sand-
feldern überall häufig, nur im nörd-
lichen Gebiete seltener.
Südostwärts durch alle zum
mitteleuropäischen Florengebiet
gehörigen Länder bis nach Monte-
negro und Südrussland verbreitet ;
zugleich aber auch im südwest-
lichen Europa.
In Böhmen in lichten Wäldern
und auf Waldwiesen stellenweise
häufig und immer gesellig.
102
)l.
52
reich. (Angegeben auch von Nieder-
wartha u. a. 0.)
Am Bienitz und au anderen Orten bei
Leipzig.
Halle, Jena, Naumburg, Frankenhausen,
öondersbausen; auch bis Gotha hin.
Im östlichen Harz in der niederen Berg-
region und auf den südlichen Vorbergen.
Im Elballuvium der Flora von Magdeburg
an mehreren Orten. Als grosse Seltenheit in
der Flora um die Stadt Hannover.
Veronica latifolia. — Ein nicht sehr häu-
figer Begleiter der C^fews- Genossen-
schaft auf Kalkboden (Müglitzthal, Z!
u. a. a. 0.); kein wesentliches Mitglied
der Genossenschaft, welches hier nur
anhangsweise genannt wird.
Zahlreich durch Mitteldeutschland verbreitet.
Orohanche arenaria (purpurca Jacq.^ —
B! Selten, am steilen Abhänge gegen
den Fluss.
Fehlt am Bienitz bei Leipzig.
In Thüringen sehr spärlich zerstreut: bei
Naumburg, am Kyffhäuser und an einigen
anderen Stellen angegeben. Bei Halle.
Mit dem Nordrande des Harzes (Regen-
stein) die Grenze gegen NW. erreichend.
53. Symphytum tuherosunh — In schattigen
Wäldern nicht häufig, B! und zer-
streut bis zum Westrande des Elb-
sandsteingebietes (an der Viehleite bei
Pirna); P. G.
Fehlt am Bienitz. Fehlt in Thüringen.
Fehlt in der Flora von Magdeburg. Ange-
geben wird noch (Garcke, Fl. v. Deutschi.) bei
Lenzen an der Elbe.
Cytianchum Vincetoxicum. — Diese weit
verbreitete Art wird hier nur als
accessorisches Mitglied der Genossen-
schaft genannt, da sie sich immer nur
an gleichen Standorten findet.
54
Verbreitung im Südosten u. Osten.
In Schlesien an vielen Stand-
orten zerstreut und dort gern ge-
sellig.
In Polen an einzelnen Stand-
orten.
Besonders in Nordböhnicn ver-
breitet.
In Schlesien an sehr vielen
Standorten.
In Polen auf sonnigen Hügeln
nicht sehr häutig.
In Böhmen auf sonnigen Ab-
hängen an fünf Standorten.
In Schlesien selten, vielleicht
an fünf Standorten.
In Polen fehlend.
Im südöstlichen Europa und
im südlichen Theile von West-
Europa zerstreut.
In Böhmen in schattigen Berg-
wäldern zerstreut, aber verbreitet
und gesellig.
In Schlesien zerstreut und
stellenweise häufig.
Nur im südwestlichen Polen,
auch da nicht häufig.
In Böhmen häufig, besonders
auf den Bergen im nördlichen
Thcil.
Im südlichen und mittleren
Schlesien häufiger, im nördlichen
seltener.
Durch ganz Polen auf sonnigen
Hügeln, gern auf Kalk.
II. Monokotyledonen.
55. Iris sibirita. — Wichtigste LeitpHanze
der zweiten südöstlichen Pflauzen-
In Böhmen auf feuchten,
buschigen Wiesen niederer und
gebirgiger Gegenden zerstreut an
103
geiiossensdiaft, welciie die sich an die
Hügel anlehnenden Sumpfwiesen be-
wohnt Nicht sehr verbreitet, am
häufigsten zwischen den Spaarbergen
und Oberau, auch auf kleineren Wiesen
an der Buschmühle nahe dem Ziegen-
busch (nach Dr. A. Fischer).
Auf den Wiesen am Bienitz, nicht selten
bei Leipzig.
In Tbüringen zerstreut an vielen Stellen,
ebenso bei Halle.
In der Flora von Magdeburg an einer Reihe
von Fundpl&tzen.
In Anhalt. Im Harz auf den feuchten Berg-
wiesen und auf den Kandbergen zerstreut.
Im südlichen Hannover zerstreut und an
wenig Fundstellen; dann nach NW. bin spärlich
und bei Osnabrück die Grenze erreichend. —
Weiter im Osten bis Mecklenburg verbreitet.
56. Polygonatmn officinule. — Abhänge: BI
— Soll im Gebiete zei-streut vor-
kommen, scheint aber doch immerhin
nicht häufig zu sein. (Viel häufiger
ist bei uns Polygonatitm multiflorum,
welche einen Thcil ihrer Standorte
mit der Q/^istiÄ-Genossenschaft theilt,
einen anderen grösseren Theil aber in
die Abhänge und Waldthäler des Erz-
gebirges verlegt.)
Im Bienitz. In Thüringen und Süd- Han-
nover weit verbreitet.
In dem Magdeburger Gebiet zerstreut.
Nach Nordwesten hin im mittleren Hannover
als Seltenheit.
57. Änthvricum rufnosum, — B! Bei Losch-
witz; wird auch von Pü*na angegeben;
ist aber immerhin eine seltene Pflanze.
Im Bienitz, dort viel seltener als folgende
Art. Bei Halle, Dessau, Zcrbst.
In ganz Thüringen; häufig bei Naumburg
und Sondershausen.
Im Flötzgebiet von Magdeburg und auf dem
Diluvium ziemlich selten.
Auf den südlichen Vorbergen des Harzes
häufig; im Ostharz und auf den nördiichen
Verbergen.
Verbreitung Im Südosten u. Osten.
einer grossen Zahl von Küizel-
Standorten.
In der schlesischen Ebene auf
feuchten Wiesen zerstreut an einer
grossen Zahl von Standorten, in
Oberschlesien selten.
In Polen auf feuchten AVieseu,
besonders im südlichen Theile.
InOesterreich, Ungarn, Sieben-
bürgen, Croatien, Serbien, Ru-
mänien, im südlichen und mitt-
leren Russland, im westlichen
Deutschhind nur in südlichen
Breiten bis zum Elsass.
Im Böhmen auf steinigen Leh-
nen im Hügel und Gebirgslande
verbreitet.
In Schlesien au vielen Stand-
orten.
In ganz Polen meist häufig.
In Böhmen auf sonnigen, trock-
nen Hügeln im wärmeren Lande
ziemlich verbreitet.
In der Lausitz vereinzelt.
In Schlesien zwar nirgends
häufig, aber an sehr viel einzelnen
Standorten.
In ganz Polen auf trocknen
Abhängen , an Kieferwäldern,
häufig.
Im ganzen südlichen Europa
von Portugal bis Süd-Russland
verbreitet
104
Im südlichen Hannover zerstreut; im mitt-
leren die Grenze südlich der Stadt Hannover
erreichend.
58. Antherictwi Liliago. — P. G! B! Wird
auch aus den Weiubergen von Cosse-
bauda angegeben, wo ich es noch nicht
sah.
Im ganzen Bienitz und auf den Wiesen bei
Dölzig häufig. Bei Halle, Naumburg, Weissen-
fels. Zerstreut durch ganz Thüringen; seltener
im südlichen Hannover.
Im Gebiet von Magdeburg ziemlich häufig
auf Diluvium an einer grossen Zahl einzelner
Fundstellen.
Im östlichen Harz (Bodethal) luid an den
Vorbergen des Südens, Ostens und Nordens.
Von da an selten werdend mit NW. -Grenze
bei Celle.
59. Ällium fallax. — An wenigen Stellen
auf den Q/^f^m-Hügeln , dann aber
meist in grösseren Mengen gesellig;
am zahlreichsten B ! Ausserdem P. G.
und Helfenberger Grund!
Auf Anhohen im Bienitz.
In Thüringen häufiger (Saalthal u. s. w.).
Als grosse Seltenheit an vier Stellen der
P'lora von Magdeburg.
An den südlichen Vorbergen des Harzes
(auf Gyps); im östhchen Harz auf Urgestein
(Selkethal! Bodethal!)
00. Allinm Scorodoprasum. — GHed der Ge-
nossenschaft von Iris sihirica auf Thal-
wiesen im Bereich der Hügel (Cosse-
bauda; reichlich im Zschoner Grunde!
Beide Standorte also an dem südlichen
Pilbhöhenzuge).
Bei Leipzig an mehreren Stellen.
In Thüringen (Jena, Erfurt, Suhl). Halle.
Bei Dessau und Barby. Sehr häufig im
Alluvium und auch im Kalkfiötz um Magde-
burg. Im östlichen Harz und an dessen Nord-
rand.
61. Allinm vineale, — • Ein häufiges acces-
sorisches Mitglied der Genossenschaft
auf den trocknen Hügeln, von weiter
Verbreitung in Mittel-Pjuropa.
Verbreitung im Südosten u. Osten.
Nach Heynhold in der nöi-d-
lichcn Lausitz häufig, in der Ober-
lausitz fehlend.
In Böhmen auf felsigen,
buschigen Abhängen selten (es
werden 18 Standorte angeführt).
In Schlesien sehr selten und
vielleicht ganz fehlend.
In Polen als grosse Seltenheit
au einzelnen Standorten im öst-
lichen Gebietstheil.
In den Südost -europäischen
Ländern weit verbreitet.
In Böhmen auf sonnigen Felsen
sehr zerstreut, an nicht sehr vielen
Standorten.
In Schlesien selten auf son-
nigen Felsen, in der Tiefebene
höchst selten, an etwas mehr
Standorten in der Hügelregion.
In Polen auf Felsen selten
und nur im südwestlichen Gebiet.
In Böhmen auf buschigen
Hügeln, Dämmen und Wiesen
zerstreut, hier und da zahlreich.
In Schlesien ziemlich selten
an einzelnen Standorten, im Nord-
westen fehlend.
In Polen an wenig Standorten,
stellenweise häufig.
In Böhmen zerstreut.
In Schlesien verbreitet.
In Polen zerstreut.
105
62. Curej: hitmilis. — Die am frühesten
blülieiide Cliarakterpflanze der Cytisus-
(lenossenschaft, in sonnigen Frühjahi*en
schon am 10. März in voller Blüthe
stehend, Mitte April schon regelmässig
verblüht. Wächst nur in sonnigen
Felsnischen, an einigen Stellen des
nördlichen Eibhöhenzuges (Bl Süd-
hang der Dresdener Haide! P. G!
Radebeul).
Im Bieuitz bei Leipzig. In der Flora von
Halle. Bei Magdeburg an manchen Stellen
gesellig.
In Thüringen an vielen Stellen, besonders
auf Kalk ; westlich bis zum nörd liehen Wcrra-
thal (Badenstein!) verbreitet. — An den öst-
lichen Vorbergen des Harzes.
Als Seltenheit am Ibergeund Ith bei Hannover.
f>l5. Carex montana, — Stellenweise ein
accessorisches Mitglied der Cytisus-
Genossenschaft, von weiterer \'er-
breitung; in der Flora Dresdens an
nicht vielen Stellen.
Sehr häufig am Bicnitz.
Häutig in Thüringen und Süd-Hannover.
04. Carcjc Schreier i. — An einzelnen Stellen
gesellig. Scheint überhaupt durch das
mittlere Gebiet Sachsens hin zerstreut
zu sein.
Häufig im Bienitz und bei Klcin-Dölzig bei
Leipzig.
Häufig in der Flora von Halle und Naum-
burg und Magdeburg.
Am Ost -Harz au einigen Stellen häufig.
Nach Nordwesten hin erst am Rande der
Niederung selten.
65. Andropogon Ischaetnum, — Am Abhänge
des Porsberges gegen Pillnitz hin
häufig! P. G. Wird noch von meh-
reren Orten und auch von Meissen,
wo ich es noch nicht sah, angegeben.
Fehlt im Bienitz. Häufig bei Halle.
In Thüringen zerstreut (Saalthal); bei Au-
leben am Kyffhäuser.
Bei Quedlinburg und Ascherslcben an
mehreren Standorten zahlreich, dort seine
Nordwestgrenze erreichend.
Verbreitung im Südosten u. Osten.
In Böhmen auf sonnigen, fel-
sigen Abhängen, kalkliebend, nur
im wärmeren Lande, an nicht sehr
vielen Standorten.
In Schlesien auf sonnigen
Hügeln sehr selten (zwei Stand-
orte in der Ebene angegeben).
In Polen sehr selten und bis-
her nur im südwestlichen Gebiet
aufgefunden.
Nach Südosten über Oester-
reich- Ungarn bis Bosnien, Mon-
tenegro und Süd-Ilussland ver-
breitet; zugleich noch in Italien,
Frankreich und von da zerstreut.
in Brdinieu allgemein verbreitet.
In Schlesien an vielen Stand-
orten.
In Polen nicht häufig.
In liöhnien auf trocknenWiesen
verbreitet.
In Schlesien gesellig und häufig.
In Polen, wie es scheint, selten.
In Böhmen im wärmeren Hügel-
landc häufig.
Fehlt in Schlesien.
In Polen nur im südwestlichen
Theil und dort sehr selten an
wenigen Standorten.
lOG
Verbreitung im Südosten u. Osten.
In Böhmen sehr verbreitet uml
häufig.
In Schlesien häufig.
In Polen ziemlich häufig.
In Böhmen auf Kalk- und
Sandstcinfelsen , nicht so häuHg
als die Hauptform der Art.
Die Felsentbrm in SchIe.Men
seltener, eine ähnliche Form häutig
auf Sand in der Kbene.
In Böhmen verbreitet, scheint
aber nicht so sehr häufig.
In Schlesien an vielen Orten.
In Polen zerstreut.
00. Koclcria crisfnta. — Ein iiccessorisches
Mitglied der Cf/iistts - Genossenschaft
von weiterer Verbreitung.
07. Frsfttra ov'ma, var. glaum. — Besonders
häutige Spiehirt des gemeinen Schwin-
gels, welche sich an den reichsten
Standorten der r^^/s//,s-Genossenschaft
einfindet: ?. G! B!
Die Verbreitung der Spielart ist schwer zu
ermitteln; nach Westen reicht sie weit im Be-
reich ausgebildeter Felsenfiora (z. B. am Biel-
stein im Werrathal!); nach Nordwesten mag
sie eine baldige Grenze erreichen.
08. Brachypodium pinnatum, — Wie Koderia
ein accessorisches Mitglied der Ge-
nossenschaft von weiterer Verbreitung,
welches aber im Bereich der Flora
von Dresden wohl kaum an anderen
Standorten aufzutreten pHegt.
Diese, hinsichtlich der fremden östliclien Floren den Florenwerkeu von
Celakovsky für Bölimen, Fiek & Uechtritz für Schlesien, Rostafinski fiir
Polen, grossen theils wörtlich entlehnten Citate sprechen für sich selbst:
dass die geschilderte Cy^«5w.9- Genossenschaft in Sachsen ein Glied der
grossen Südost -europäischen Flora darstellt, welcJie besonders in den
österreichisch -ungarischen Ländern mit Einschluss von Böhmen reich ent-
wickelt ist. Viele der Arten sind auch in Süd-Russland häufig, aber der
Herkunftsort für Sachsen ist wohl der nächstliegende, Böhmen selbst, von
wo die Pflanzen eine Verbreitungslinie nach Nordwesten genommen haben,
während dieselben Arten nach Thüringen, Hessen und anderen west-
deutschen Mittelländern über Bayern und das Rheinthal gelangt sein
mögen. Von Nord -Schlesien her scheint Sachsen wenig besiedelt zu sein.
Alle aufgeführten Pflanzen sind in Böhmen mindestens ebenso häufig
als in Sachsen, und die Mehrzahl ist sehr viel häufiger dort. Als einzige
Pflanze würde PaucodfüiHin Orrmclinum zu nennen sein, die in Sachsen
häufiger zu sein scheint als in Böhmen, und die in dieser Hhisicht mit
der Verbreitung derselben Art in Schlesien übereinstimmt. Dagegen fehlen
in Schlesien einige Arten, die in Sachsen im Bereich der Q/fews-Genossen-
schaft vorkommen, nämlich Lactuca perennis und Andropogon Iscliaemum;
und ausserdem scheinen folgende Arten in Sachsen viel weiter und zahl-
reicher verbreitet zu sein als in Schlesien: Ci/tisua nigricans selbst; Cotif
neaster integerrimns (wenn wir dessen Verbreitung in Thüringen mit zu
Sachsen hinzurechnen); Erpigixim campesfre in hohem Masse, ebenso
107
Clanafis nein; Aaj^rnla galioidvs uud ryuunchica treten in Schlesien viel
seltener als in Böhmen auf; dann Anthcricum Liliago, ÄUiinn Scorodopra-
smn und Carex humilis, — Innerhalb des behandelten sächsischen Ge-
bietes haben ihre nordwestliche Grenze die beiden Arten Syniphytum
fittßerosum und Cirsium canum, die übrigen erstrecken sich mehr oder
weniger weit in nordwestlicher Verbreitungslinie darüber hinaus bis in das
Wesergebiet. —
Als Wanderungslinie von Böhmen her betrachte ich nicht das enge
Eibthal im Eibsandsteingebiete, wo die Mehrzahl der interessanteren
Pflanzen aus der (ienossenschaft fehlt, sondern die Einsenkung auf der
sächsisch-böhmischen Grenze zwischen Erzgebirge und Eibsandsteingebirge,
wo die „NoUendorfer Höhen*' seit alter Zeit eine natürliche Verbindung
von Pirna her durch das Gottleuba-Thal gegen Eulau und Aussig hin in
Nordböhmen hergestellt haben und wo in Sachsen in der Gegend von
Hellendorf, Berggiesshübel und Gottleuba bis Pirna hin eine Menge in-
teressanter Standorte die Verbindungslinie zu beweisen scheinen.
Li dieser letzteren Gegend finden wir daher ein interessantes Gemisch
von Arten der Q/Z/saÄ - Genossenschaft mit solchen der niederen Montan-
flora, indem sich z. B. Erysimum hieraeifolhan, Asperula cynanchica, Inula
salicina und hirta, Spnphytum tuherosum, Vcronica longifolia, Verhascum
LychnitiSy Orchis sambucina und globosa auf den sonnigen Höhen mit den
Characterarten der sächsischen Bergregion : Amica luontana, Setiecio nemo-
rmsis, Centaurea phrygia, Cirsium heferaphyllum , Frcnanthes purjmren,
Phyfctwia orhivularv, Digitalis grandiftora, Coeloglossum viride und Luzulu
maxima auf den Berg- und Thalwiesen oder auch in den feuchten Gründen
mischen; dieses Gemisch macht die Flora des westlichen Randes vom Elb-
sandsteingebiete besonders reichhaltig.
Im Sinne dieser Anschauung hätte man also die Ai-ten der Cytisus-
Genossenschaft in Sachsen als eine böhmische Ansiedelung zu betrachten,
welche noch im reichen Masse ihr Gedeihen gefunden hat; selbstverständlich
ist damit nur der nächste und wichtigste Ausgangspunkt genannt und die
Frage völlig unberührt gelassen, wie sich das Indigenat aller dieser Arten
in Böhmen selbst stellt.
1ü9
Ueber die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen
Dinosauriern und Vögeln.
Von Prof. Dr. B. Vetter.
Hiixley gebührt das Verdienst, schon im Jahre 1868 die vielfachen
und tiefgreifenden Uebereinstimmungen in der Organisation zwischen Repti-
lien und Vögeln nachgewiesen und diese beiden scheinbar so schroflf einander
gegenüberstehenden Klassen unter dem Namen Sauropsiden als nächste
Verwandte zusammengefasst zu haben. Er glaubte zugleich in der Ordnung
der Dinosaurier die Bindeglieder erkennen zu können, welche durch
allmählige Umformung namentlich des Beckens und der hinteren Extremität
von Eidechsen- oder Krokodil-ähnlichen ürgestalten hinüberleitetcn zu der
jurassischen Archaeopteryx und von da durch die Ratiten (die Strauss-
artigen Laufvögel) bis hinauf zu deji Carinaten (den mit Kiel auf dem
Brustbein versehenen Flugvögeln). Das erstere Ergebniss fand nahezu
ungetheilten Beifall, was aber das letztere betrifft, so sind darüber von
den namhaftesten Foi'schern sehr verschiedene Ansichten ausgesprochen
worden, welche besonders seit der Auffindung des zweiten, jetzt in Berlin
befindlichen -4iYÄa<?r>p^*/y:i- Exemplars immer lebhafter hervortraten. Die
kürzlich erscliienene Beschreibung des letzteren von Prof. Dam es, welche
zugleich die erwähnte hochwichtige allgemeine Frage eingehend bespricht,
scheint mir einen geeigneten Anlass zu bieten, um den gegenwärtigen Stand
dieser Angelegenheit im Zusammenhang darzustellen. Natürlich kann es
sich hier nur um eine knappe Hervorhebung der wichtigsten Punkte
handeln, wesshalb ich auch in der nachfolgenden Uebersicht alle nicht
auf specielle Untersuchungen gestützten Urtheile sowie die völlig ab-
lehnenden Aussprüche Einzelner ganz übergehe.
Der Hu xley 'sehen Ansicht schliesst sich üegenbaur (ürundzüge
d. Vgl. Anat. 2. Aufl. 1870) vollkommen an, nachdem er schon 1864
gezeigt hatte, dass am Vogelfuss durch Venvachsung der oberen Tai-sal-
reihe mit der Tibia, der unteren mit dem Mittelfuss ein „ Intertai-sal-
gelenk" entsteht und dass die Vorbereitung darauf bereits innerhalb der
Reptilklasse und zwar am ausgeprägtesten bei den Dinosauriern zu finden
ist ; auch ihm gelten die Ratiten als auf niedrigerer Stufe stellen gebliebene
HO
Vorläufer der Carinaton (so besonders im Federkleid, in der Bildung des
Schultergüi'tels und Brustbeins, im Mangel der Flugfähigkeit) und Compso-
(fnafhiis und Archaeopfnyx als unzweifelhafte Zwischenformen zwischen
Keptil und echtem Vogel.
R. Owen, der liochverdiente vergleichende Anatom und wohl der
beste Kenner der europäischen Dinosaurier, dem wir ja auch die Schilderung
des ersten Archaeoptcryx -^x^m^ldiV^ (J^hilos. Trans. 1863) verdanken, der
aber von jeher der modernen Entwickelungslehre feindselig gegenüber
gestanden, spricht sich 1875 in seiner Monographie von Omosaiirus*) ein-
gehend über die vorliegende Frage aus. Er nimmt zwar auch eine
allmählige Umbildung der Formen in Anpassung an neue Bedürfnisse an,
aber nicht durch natürliclie Zuchtwahl, sondern durch ein ihm eigenthüm-
liches Prinzip der „Nomogenie", durch „natürliclie Ursachen" im Gegensatz
zu der alten Schöpfungstheorie; und demgemäss leitet er auch die Vögel,
wenngleich mit einiger Reserve, von Reptilien ab und zwar so, dass ihr
Stamm von laugschwänzigen Flugsauriern ( Bliamphorhfnclnis) durch
Archacoptei-yx zu den Carhiaten leite, während die Ratiten durch den
Verlust der Flugfähigkeit umgebildete Nachkömmlinge der letzteren seien;
die Dinosaurier hält er für einen Seitenzweig der Reptilien, deren weiter
difterenzirte Formen (Ig^iuinodon , Compsognathus , Stegosaurns u. s. w.)
mit gewaltigen Hinterbeinen und Schwanz und verkleinerten Vorderbeinen,
nicht etwa, wie Huxley will, Känguruh-artig mit aufgelichtetem Vorder-
körper auf dem Lande sich bewegt, sondern fast ausschliesslich im Wasser
si(;h aufgehalten hätten und darin nach Art eines Krokodils mit an die
Brust gedrückten Vordergliedern vermöge seitlicher Bewegungen des kom-
priniirten Schwanzes, unterstützt von der Ruderthätigkeit der Hinterfüsse,
herumgeschwommen w^ären.
Welcher Ansicht sich Prof. Marsh, dessen grosse Verdienste um
unsere Kenntniss der Dinosaurier allbekannt sind, in dieser Frage zuneigt,
ist aus seinen eigenen Aeusserungen nicht mit voller Bestimmtheit zu ent-
nehmen. Die Untersuchung der zahntragenden Vögel aus der Kreide
Nordamerikas führte ihn 1880 zu dem Ergebniss**), dass der in paläozo-
ischen Schichten zu suchende Stammvater der Vögel eine verallgemeinerte
Form mit rudimentärem Federkleid gewesen sein müsse, welche durch
letzteres zwar von den Vorfahren sowohl der Dinosaurier als der Pterodak-
tylen sich entfernt, im Uebrigen aber wohl namentlich den ersteren nahe-
gestanden habe (abgesehen von dem freien Quadratbein, das sich bei
Dinosauriern nur theilweise erhält). Die direkten, d. h. verhältnissmässig
w^eniger abgeänderten Nachkommen jenes Stammvaters seien nun die
Ratiten, als deren ältester Vertreter HespcrornlH, ein „Wasserstrauss",
erscheine, der also wie die heutigen Landstrausse auch in seiner Vorfiihren-
*) Palaoonto^raph. Soc. Vol. XXIX: Mcsozoic Rept. H. S. ßf)— 93.
**i Marsh, Odontornithos, S. 188; Kosmos, Hd. IX. S. \m.
111
geschichte niemals bis zur Flugfähigkeit gelangt sei und die Federn, welche
ihn zum Warmblüter machten, nur zum Schutz gegen Abkühlung besessen
habe. Frühzeitig, wahrscheinlich in der Triaszeit, habe sich hiervon der
Stamm der Flugvögel abgezweigt, in dessen direkter Foitsetzung vielleicht
Arc}uieoi»tetya' liege, während Ichtltyanns , Ajmiontis u. s. w. durch ihre
biconcaven Wirbel sich, trotzdem sie schon vortreffliche Flieger wai*en,
als Vertreter alter Nebenlinien kennzeichneten.
In dem Vortrage dagegen , welchen Marsh 1881, nachdem er
Archaeopteryx im Original studirt hatte , vor der britischen Naturforsclier-
versammlung zu York hielt*), bemerkt er am Schluss, die grösste An-
näherung an die (jurassischen) Vögel linde sich bei einigen sehr kleinen
Dinosauriern aus dem amerikanischen Jura, deren Knochen zum Tlieil kaum
von denen der ersteren zu untei'scheiden seien (es sind jedenfalls die merk-
wuirdigen Coclurin gemeint); einige derselben hätten wahi*scheinlich auf
Bäumen gelebt und der Unterschied zwischen ihnen und den gleichzeitig
lebenden Vögeln möge zueilst hauptsächlich nur in den Federn bestanden
haben. Dies klingt so, als ob diese beiden Gruppen vor Kurzem erst aus ge-
meinsamer tirundlage hervorgegangen zu denken und unter den(triassischen ?)
Dinosauriern also doch die Stammväter der Vögel zu suchen wären. Da jedoch
gleich nachher wieder auf die paläozoischen Schichten hingewiesen wird, in
denen wir „die primitiven Formen dieser Klasse*' zu finden erwarten dürften, so
kann der obige Passus kaum anders gemeint sein, als dass hier in der
That nur eine „Annäherung**, ein schlagendes Beispiel jener Convergenz
organischer Formen in Folge des Ehitiusses gleicher Lebensbedingnn<reu
vorliege, die eine Blutsverwandtschaft nur vortäuscht**).
Viel unbestimmter drückt sich in dieser Hinsicht Prof Cope aus,
welcher mit Marsli in der Sammlung und Bearbeitung der paläonto-
logischen Schätze Nordamerikas auf die rühmlichste Weise wetteifert. Ohne
auf frühere Arbeiten dieses Foi^schers einzugehen, in denen er gelegentlich
die Annainne vei*theidigt, die gewaltigen herbivoren Dinosaurier hätten
vorzugsweise auf dem Boden massig tiefer, sumpfiger Gewässer gelebt,
wo sie, auf den massigen, wie Anker wirkenden Hinterbeinen halb auf-
gerichtet, die weichen Wassei-pHanzen abweideten, führe ich nur seine
neueste diesbezügliche Aeusserung in einer vorläufigen Mittlieiluiig über
*) ..Jurassische Vögel und ihre Verwandten**; s. Kosmos X, S. 231.
**) Dem gegenftber darf nicht verschwiegen werden, dass Marsh nocli im August
1884 (American Journ. Science, Vol. XXVIII, S. 161) die Beschreibung der verwachsenen
Mittelfussknochen von Ceratosuurus , einem camivoren Dinosaurier, mit den Worten
schliesst: „Dajnit ist nun die innige Verwandtschaft der beiden Klassen UJinosaurier und
Vögel) klar bewiesen", — was doch nur den Sinn haben kann, die Tendenz zu einer
sohhen Verwachsung sei beiden durch gemeinsame Vererbung eingeprägt worden, unter
jenen aber nur bei wenigen (z. B. CerutosanniH) ^ unter diesen bei allen, vielleicht mit
Ausnahme von Archa€optery.r, zum Durchbruch gekommen.
112
die Phylogenie der Wirbelthiere*) an. „Die Vögel", heisst es da,
„wenigstens ein Theil derselben, scheinen sich aus den Dinosauriern hervor-
entwickelt zu haben"; und weiter unten: „Zwei ausgestorbene Ordnungen
der Reptilien bieten uns aufsteigende Entwickelungsreihen dar, nämlich die
Dinosaurier und die Pterosaurier, von denen eine oder beide sich in die
Vögel fortgesetzt haben ". Die Möglichkeit eines diphyletischen Ursprunges
der letzteren und zwar aus verhältnissmiissig schon hoch difFerenzirten
Formenkreisen wird also zum mindesten nicht in Abrede gestellt.
Wie Marsh, so ist auch Carl Vogt durch die Betrachtung der
Berliner Arclmeopteryx zu einer bedeutsamen Kundgebung über unser
Problem angeregt worden. Er hat meines Erachtens die Abstammungs-
möglichkeiten der Vögel mit weiterem Blick und schärferer Logik abge-
wogen als alle seine Vorgänger, wenn er sich auch vielleicht in Einzelheiten
nicht immer mit der nöthigen Reserve ausgedrückt haben mag. In seinem
vor der schweizerischen Naturforscherversammlung in St, Gallen 1879
gehaltenen Vortrag**) kommt er zu dem Schluss, dass Archa^iopteryx in
allen erkennbaren Theilen, namentlich auch in der Hand, im Becken und
im Schwanz nach dem Typus des Reptils gebaut und nur nach den
Hinterfüssen und der Federbedeckung ein Vogel zu nennen sei (die von
Owen beschriebene, echt vogelartige Furcula hält er für einen Theil des
Beckens). Um sich diese Mischung von Charakteren zu erklären, unter-
sucht er erst, wie die heutigen Vögel zu den ilire ganze Organisation
behen-schenden Besonderheiten, nämlich zur Flugfahigkeit und zur Tragung
des schief aufgerichteten Körpers auf den Hinterbeinen, gekommen sein
mögen. Schon in einem früheren Aufsatze***) hatte er mit vollem Recht
betont, dass „die Anpassung der Wirbelthiere an den Flug nicht noth-
wendig mit derjenigen an die aufrechte Haltung verbunden" und dass
ebenso andei-seits die Umbildung der hinteren Gliedmassen zu ausschliess-
lichen Stützen des Körpers ganz unabhängig ist von der Umbildung der
Vorderglieder zu Flügeln. Beispiele fiir ersteres sind die Fledennäuse und
die Flugsaurier, welche sich gewiss nie auf ihren schwachen Hinterbeinen
aufrichten, resp. aufgerichtet haben, auch die letzteren nicht, trotz ihres
verhältnissmässig festgefügten Beckens; den zweiten Satz illustriren zahl-
reiche springende und hüpfende Formen, welche zugleich erkennen lassen,
dass „die Befreiung der Vorderglieder von ihrer Funktion als Stützen
während des Stehens und Gehens sich in Wirklichkeit auf zwei ganz ent-
gegengesetzte Arten vollziehen kann : im einen Falle verkürzen sie sich, um
unnütz zu werden oder als Greiforgane zu dienen (Beispiel: iMchhörnclieu
— Känguruh), im andern verlängern sie sich, um Flugorgane zu werden"
(hierfür lässt sich allerdings aus der Gegenwait kein Belog anführen.
*) American Naturalist, Dec. 1884, S. 1256.
**) Abgedruckt in Revue scientiliquo 1879, Nr. 11; s. Kosmos VI, S. 22(J.
***' Westermann's Ulustr. Monatslioftt; 1878, Nov. S. 2:J(>.
113
ausser etwa der Hiegeiide Baunifrosch (Wmco^)horu8)^ denn die verschiedenen
mit Fallschirmen versehenen Säugethiere gehören nicht hierher; Vogt
scheint also hier nur die vorauszusetzenden Urformen der eigentlichen
Flieger im Auge zu haben). Nun beziehen sich aber „alle Charaktere,
auf die man sicli stützte, um die Dinosaurier als Ahnen der Vögel zu
betrachten, nur auf die Entwickelung der Fähigkeit, sich auf den Hinter-
l)einen aufrecht zu halten", und gerade Camj)Soynathns, der vogelähnlichste
Dinosaurier, was die Bildung des Beckens und der Hinterglieder betrifft,
beweist am l)esten, dass damit eine mehr oder weniger beträchtliche Ver-
kürzung der Vorderglieder verbunden war. — Demgemäss kann Vogt nur
der Annahme zustimmen, dass vielleicht von den Dinosauriern eine direkte
Linie durch Ilesperornis zu den llatiten führe, deren Vorderglied somit
nicht etwa einen rudimentär gewordenen Flügel, sondern „einen Dinosaurier-
Vordeifuss darstellen würde, der sich in Richtung der Vogelorganisation
entwickelt hat, aber mit dem ureprünglichen Fehler der Verkürzung und
Verminderung behaftet, welcher ihn liindert, ein wirksames Flugorgan zu
werden". Den Carinateu anderseits ging unzweifelhaft Archacopteryx
voraus ; deren Almen aber sind noch nicht entdeckt und werden auch ganz
l)esonders schwer zu entdecken sein, weil wir sie uns eben vorzustellen
hal)en „als eidechsenartige Landreptile fast ohne Moditicationon in ihrem
Skelett, deren Haut nur an vei-schiedenen Stellen mit langen Warzen
(d. h. umgewandelten Schuppen), mit Flaum und nidimentären Federn
versehen war".
Damit sind eigentlich die überhaupt möglichen Annahmen ziemlich
erschöpft und wir können deshalb die noch anzuflihrendcn Aussprüche rasch
Revue passiren lassen. Seeley, welcher namentlich die jüngsten, aus der
oberen Kreide stammenden Dinosaurierreste genau untersucht hat, gedenkt
zwar mehrfach gewisser Analogien zwischen diesen und den Vögeln,
bemerkt aber dazu ausdrücklich*): Der Schluss auf eine Verwandtschaft
beider Gruppen „beruht indessen nur auf Merkmalen einiger weniger
Knochen der Beckem-egion und der hinteren (iliedmassen, die man bei
einigen Gattungen (der ersteren) wahrnimmt, die aber nicht als charak-
teristisch für die ganze Gruppe gelten können". Ln striktesten Gegensatze
dazu steht Dr. G. Baur, dessen Untei-suchungen über den „Tarsus der
Vögel und Dinosaurier"**) in der bestimmten Hoffnung unternommen
wurden, im Embryo der ei-steren Verhältnisse zu finden, welche bei letzteren
als bleibende Einrichtungen vorliegen. Diese Erwartung ist durchaus
erfüllt und damit das Resultat der Gegen baur 'sehen Arbeit im wesent-
lichen bestätigt worden, ja es hat sich gezeigt, dass die Elemente des
Vogeltarsus im Laufe ihrer individuellen Entwickelung ziemlich genau die-
selben Rückbildungen, UmgesUiltungen und Verwachsungen erfiihren, wie
♦j Citirt nach Dames, I. cit. S. 67.
**) Morpholojr. Jahrimch, IW. VIII. mS2.
114
sie an dem der Dinosaurier zu beobachten sind, wenn man diese in zwei
aufsteigende Reihen (dem herbi- und carnivoren Charakter der Thiere
entsprechend) ordnet, welche mit den wenigst diflferenzirten Formen, den
Sauropoda und den Zavclodofitidae beginnen und mit Ornithopoden (etwa
Iguanodon) und Coinpsognatkus endigen. Danach glaubt Bau r „als sicher
hinstellen zu dürfen , dass die Dinosaurier in Wirklichkeit die Stammeltern
der Vögel sind". Bei den fossilen Vögeln findet er im wesentlichen die
heutigen Verhältnisse, mit schwaclien Anklängen an ältere Zustände, welche
unter den recenten Vögeln noch am meisten bei den Ratiten bewahrt
seien — woraus man wohl auch entnehmen dari\ dass Verfasser diese als
Vorläufer der Carinaten betrachtet.*)
Einen in gewissem Sinne auf die Owen'sche Anschauung zuriickgreifen-
den Stammbaum hat Prof. Wiedersheim 1882**) und 1884 t) aufgestellt.
Von gemeinschaftlichen Ausgangsformen, „welche sich höchst wahrscheinlich
als Abzweigungen der Sauropoda Marsh's herausstellen werden," hätten
sich zunächst langschwänzige Reptilien entwickelt, die wohl schon in vor-
triassischer Zeit nach den drei Richtungen der langschwänzigen Flugsaurier
(Rkamphorhyfichus)^ der kurzschwänzigen Flugsaurier (Pterodactylvs) und
der [langschwänzigen, also wohl mit ersteren näher verwandten] Vorfahren
von Arehaeopfef^x aus einander gegangen wären; aus letzterer seien dann
sämmtliche Flugvögel einschliesslich Ichthyonfis und Apntornis entstanden.
Anderseits seien von gleichen Urformen durch die Zwischenstufen der
Stego- und Scelidosaurierf-f) „ohne Zweifel" Hcsjferornis und im weiteren
die heutigen Ratiten abzuleiten, was insbesondere noch dadurch motivirt
wird, dass „nur so das Auftreten von Dinosaurier-, resp. Ratitencharakteren
am Becken und der Hinterextremität der Arcliaeopteryoc und gewisser
heutiger Carinaten {Geocoeey.r, TivamtisJ sich erklären lasse."
♦) In einer soeben erschieneneu Mittlieilung (Morph. Jahrb. X, 1885) vergleicht
Baur die Entwickelung des Pnbis und des Postpubis bei den verschiedenen Dino-
saurierordnungen und den Vögeln, und da er letzteres Gebilde, das für die Vögel so
ausserordentlich characteristisch ist, bei den carnivoren Dinosauriern noch nicht ein-
mal andeutungsweise entwickelt findet, so sieht er sich folgerichtig genöthigt, diese ganze
Gruppe (incl. des vogelähnlichsten Vertreters, Compsognathus!), trotz der hohen Differen-
zirung ihres Tarsus, aus der Vorfahrenreihe der Vögel zu entfernen und diese nur von
den Ornithopoden ausgehen zu lassen. Zugleich erklärt er sich hier bestimmt für die
Ableitung der Carinaten von den Batiten, zu welchen er im Gegensatz zu Dam es auch
Archaeopteryx zu rechnen geneigt scheint.
**) Lehrb. d. Vergl. Anat. d. Wirbelthiere Bd. T. S. 67.
t) „Die Stammesentwickelung der Vögel." Biol. Centralbl. TU. Bd., Nr. 21, 22.
Hier wird auf einen vom Verf. 1878 gehaltenen akademischen Vortrag zurückverwiesen,
in welchem er diese Ansicht schon erörtert und wissenschaftlich begründet habe.
f\) Statt dessen steht allerdings im Text zwei Mal ..Omithosceliden" — offenbar niu-
ein lapsus calami, da letzterer Name im Lehrb. d. Vgl. Anat. 1. c. richtig (im Huxley-
srhen Sinne) gebraucht wird.
115
L. Dollo, welcher uns seit 1882 in einer Reihe trefflicher Abhand-
lungen*) mit den in seltener Vollständigkeit erhaltenen Iguanodati -TXesteu
des Brüsseler Museums l)ekannt macht, geht zwar darin mehrfach auf sehr
beachtenswerthe vergleichende Betrachtungen ein und weist sogar höchst
merkwürdige üebereinstimmungen zwischen jenen und den Vögeln nach,
will aber damit zunächst nur die Eigenthümlichkeiten im Skelett der
Dinosaurier mehr per analogiam zu erklären versuchen und lehnt jede
Spekulation darüber, ob solche beiden Gruppen gemeinsame Charaktere
auf Vererbung oder auf Anpassung beruhen, von voniherein ausdrück-
lich ab.
Endlich bleibt noch der Standpunkt zu erläutern, den I^of. Dam es
auf Grund seiner sorgfältigen Untersuchung der Berliner Archdeopteryx
gewonnen hat. Mncht auch seine Arbeit**) zunächst im beschreibenden
Abschnitt und zum Theil auch in demjenigen über „Die Beziehungen von
Archaeopteryx zu Reptilien und Vögeln" den Eindruck, als sei er allzu
sehr bemüht, das l)erühmte Fossil als nicht mehr und nicht minder denn
einen Vogel hinzustellen, der nur in einigen Hinsichten embryonale oder
Jugendzustände bewahrt hat — im Hinblick darauf bietet ihm sogar der
Humerus, die Hand „nichts Auffallendes" dar und erscheint ihm auch der
lange Schwanz „keineswegs befremdend", — so ist doch anderseits die
ruhige sachliche Behandlung der vielfach verquickten Frage im höchsten
Grade anzuerkennen und zuzugeben, dass Verfasser auf diese Weise der
vorhandenen Schwierigkeiten sicherlich viel besser Herr geworden ist, als
wenn er sich den Blick dun-h irgend welche theoretische Vorurtheile hätte
trüben lassen. Indem auch er in der Ardmeoptnyx ,,mit ihren geo-
logischen Nachfolgeni ein schönes Beispiel für die Richtigkeit des bio-
genetischen (irundgesetzes" erblickt, „nach welchem das Individuum heute
dieselben Etappen der Entwicklung zurücklegt, wie sein Stamm im
Laufe der geologischen Perioden", hält er es doch anderseits „für durch-
aus unzulässig, in einer der bisher bekannt gewordenen Reptilordnungen
die Stammeltern der Vögel erkennen zu wollen", und schliesst sich darin
vollkommen C. Vogt und Seeley an. Auf Grund des Besitzes von echten
Konturfedem stellt er Archaeoptnyx zu den Carinaten und folgert, dass
dieser ganzen Gruppe Formen vorausgegangen sein müssten, welche nur
(»i-st Dunenfedern besassen, weil diese auch in der Ontogenie jenen voraus-
gehen; als wenig veränderte Nachkommen solcher Urformen ersclieinen
ihm die Ratiten (incl. Hesjwrornis) ^ bei denen das Gefieder in der That
auf der Stufe desjenigen eines neugeborenen Carinaten stehen bleibt.
Die gemeinsame Stammform beider Linien sucht auch er in einem paläo-
zoischen Reptil. Seine Genealogie stimmt also mit derjenigen von Marsh
*} Bill du Mus. roy. criiist. nat. de Belgiqiie. T. I, II, III.
♦♦) „üeber Archacoptoryx." Berlin 18R4. (Paläont. Abli.. liorausg. v. Danios inid
Kayser, II. 3. Heft).
8*
116
überein, von dem er sich eigentlich nur darin unterscheidet, dass er auch
im System der Vögel diese Geschiedenheit der beiden Linien bis in die
Juraperiode zurück zum Ausdruck bringt, d. h. Laojderyof: (erst fragmen-
tarisch bekannter Vogel aus dem Jura Nordamerikas) und Henpei'onm
der einen, Ärdiaeopteti/x und Ichthyomis der anderen Unterklasse zutheilt,
während Marsh die zahntragenden Vögel, jedoch, wie er selbst bemerkte,
nur vorläufig, als besondere Gruppe zusammengefasst hatte.
Die nachstehende tabellarische llebersiclit dürfte das Gesagte zum
Theil noch deutlicher machen; Zweifel und Widersprüche treten darin
natürlich schärfer hervor, als dies in der Absicht ihrer Urheber gelegen
haben mag.
Hypothesen über die Abstammung der Vögel,
Huxley (1868) 1 ^. ,, ., . , . t> .-. n •
, ^ ,/^^ ^. ( Dinosaiu-ier — Coumsoannth. — Ärchaeopt. — Ratit. — ( arin.
Gegeubaur(1870) J . ^ ^
n rifi'-rW"" Dinosaurier (allgem. horizontale Haltung, Wasserthiere)
Uwen (18/o; |_ Bhamphorhynchm — Ärchaeopt. — Carinaten — Ratiten!
Dinosaurier , Arcliaeopteryx \ Carinaten
Marsh (1 880) \ - Pterosaurier — - IcMhym'nis > (Odonttyrnithes)
Urvogel — ■ — '^*" Hespei'ornifi J - - — — Ratiten
(paläoxoiüch)
? oder vielleicht (1881): — Dinosaur. ~ Coeluria — Ärchaeopt — Carinaten?
/i ,.r.r.^v»j Tx- Carinaten , ., ( Pterosaur. — Carinaten.
Cope (1884) i - Dinosaur. ^^^ ; oder > { p.,,^^^^ _ ^^.^^
V f /'ift7Q^ i ~ Dinosaur. — (CmnpsoffnaUh.) — Hesperornis — Ratiten.
vog i o .; I -- Eidechsenartiger Urvogel Ärchaeopteryx — Carinaten.
Seeley(1881) Keine Verwandtschaft mit Dinosaur.; Ratit. u. Carin. aus gemeinsam. Stammform.
p /iQQO\ n- • i Sauropoda — Iguatiodon?
baur (^Ibbi) Dmosaurier ^ ;^j^clod(mt.- Compsognalh, - OdontoinitJies - Ratit. V - Carin.
, . - -. ^ V ( Herbivor. — Ornithopod. (Iguanod.) — Ärchaeopt. — Ratit. — Carl n.
- (188o) Dinosaurier |(,^^^^^r^,^ _ Compsogtiathus,
^Pterodactylus
„, . T , . /4 0Crt oi^ c* j ^ Bhamphorhynchus Ichtftyorn.
W.edershem (1882, 84) .S««r«„orf« / •^^rc/.a.oj.f. Carinaten.
Stcgosaurier - - Hesjyerornis - Ratiten.
Dames (1884) siehe Marsh.
Wollte ich niui noch meine eigene Ansicht in der Sache ausrdhrlich
begi'ünden, so würde nichts übrig bleiben, als jeden einzelnen Theil des
Skeletts in allen seinen Modilicationen bei Dinosauriern, fossilen und
lebenden Vögeln und manchen anderen zur Vergleichung heranzuziehenden
Formen durchzugehen. Dies zu thun, ist jedoch hier nicht der Ort.
In Betreff der wichtigsten Thatsachen kann ich auf die zum Theil von
Abbildungen begleiteten Darstellungen von der Organisation der Dinosaurier
und der Archaeapteryx verweisen, die ich im „Kosmos** 1884, II. Bd.,
S. 351, sowie ebenda 1885, I. Bd., Mai- und Juniheft, gegeben habe,
l)ezw. geben werde. Hier kann es sich nur darum liandeln, n)it
117
wenigen Striclien ein Bild des Kiitwickelungsganges zu entwerfen, den
meiner Meinung njicli die heutigen Kenntnisse von den genannten Ab-
theilungen des Wirbelthierkreises füi» diesell)en anzunehmen gestatten.
Der Kundige wird darin manche der noch streitigen Fragen berührt und
soweit möglich andeutungsweise beantwortet finden.
Die ältesten bisher bekannt gewordenen Dinosaurier stammen aus
der Trias, und zwar sind es Vertreter sowohl der Theropoda (die
Familien der Zanclothntidar und Ampltisauri(lac) als der Sauropoda (der
freilich nur „provisorisi^h" zu den Aflantosauridae gestellte DystrojJiacus).
Die letzteren sind die verhältnissmässig am wenigsten differenzirten Dino-
saurier, Pflanzenfresser mit nahezu gleich langen Vorder- und Hintergliedern
und funfüngerigen , mit ganzer Sohle auftretenden Füssen etc., die jedoch
ihre volle Entfaltung erst im (oberen) Jura en-eichen; ei-stere aber sind
typische Cai-nivoren, deren Vorderbeine stark verkürzt sind, während die
mächtigen Hinterglieder zum Theil nur noch drei Zehen haben und bloss
mit diesen auftreten. Schon daraus geht klar genug hervor, dass der
Anfang der Entwickelung des Dinosauriei-stammes viel weiter zuiiick liegen
und dass dieselbe eben mit echten Vierfiissem begonnen haben muss, die
im Bau des Beckens, der Beine, des Schädels noch nahe Beziehungen zum
Lacertiliertypus darboten. Obwohl wir gewiss nur ei'st einen kleinen Theil
der Formen kennen, welche in der ganzen mesozoischen Zeit gelebt haben,
so liegen doch schon mindestens fünf oder sechs sehr verschiedenartige
Entwickelungsrichtungen vor, die uns einen Begi-iff von der Anpassungs-
fähigkeit dieser Gruppe geben können. Als solche getrennt neben einander
her laufende Linien können wir, ausser den eben erwähnten Sauropoden
und Theropoden, noch nennen (wobei ich dem bekannten System Marsh's
folget: die Stegosauria, die Ornithopodu, die Coeluria, die Compsogtmtha
und die Hallopoda, von denen die beiden ei-steren selbst wieder sehr ab-
weichende Gestalten umfassen und kaum natürliche Abtheilungen bilden.
Auffallend ist nun allerdings, dass bei allen diesen eine Bildung des
Beckens und der Hinterglieder wiederkehrt, die bald mehr, bald weniger
(oft nur in den Grössenverhältnissen zu den Vordergliedeni) an diejenige
der Vögel erinnert, und es begreift sich leicht, dass bei noch unvollständiger
Kenntniss der heute aufgedeckten Formenfülle und dem Mangel eines
Systems der Gedanke Platz greifen konnte, das seien vereinzelte Glieder
einer einzigen zusammenhängenden Reihe, welche allmählig zu den Vögeln
überführen werde. Je näher man aber zusieht, desto mehr befestigt sich
die Ueberzeugung , dass es sich hier um ganz divergente Erscheinungen
handelt. Eine kurze Charakteristik der genannten Ordimngen wird dies
schon deutlich machen.
Die Stegosaurier (die zwei Familien der Stcyosauridac und Sccli-
dosauridac umfassend), zumeist sehr grosse, mit einem knöchernen Haut-
panzer, wenigstens längs der Mittellinie des Rückens, ausgestattete Tliiere,
waren in der That augenscheinlich einer vorwiegend auf den liinteren
118
Extremitäten stattfindenden Lokomotion angepasst, wobei der Körper wohl
noch aufrechter getragen wurde als bei den meisten Vögeln. Dem ent-
sprechend sind die Darmbeine ausserordentlich weit nach vorn verlängert,
um mit einem langen Stück der Wirbelsäule in Verbindung zu treten,
doch sind nur vier mit einander verschmolzene eigentUche Kreuzbein-
>virber*) vorhanden; das kräftige Sitzbein erstreckt sich weit nach hinten
und unten und bildet eine ansehnliche Symphyse, und ihm schliesst sich
in ganzer Länge das sogenannte Postpubis an, ein Element, das, ab-
gesehen von einigen Dinosauriern, nur noch den Vögeln zukommt.
Daneben ist aber freilich das den letzteren ganz fehlende**) Pubis oder
Schambein als sehr starker, gerade nach vorn gerichteter Knochen vor-
handen. Am Hinterbein wieder ein exquisites Vogelmerkmal: die Ver-
schmelzung von Astragalus und Calcaneus unter sich und mit Tibia und
Fibula (dies jedoch nicht bei den Scelidosauriduc); alles andere aber ist fast
das gerade üegentheil von Vogelähnlichkeit: Oberschenkel erheblich länger
als Unterschenkel, ohne den für andere vogelähnUche Dinosaurier so
charakteristischen (bei Polarnnthus jedoch vorhandenen) „dritten Trochanter",
Fibula stark und selbständig, Astragalus ohne aufsteigenden Fortsatz,
Mittelfussknochen der in voller Fünfzahl vorhandenen Zehen sehr kurz
(bei Scelidosauridfie nur noch vier Zehen mit verlängerten Metatai-sen).
Dieser wunderbaren Mischung von Charakteren am Becken und Hinterbein
steht gegenüber eine bedeutend verkürzte Vorderextremität, die aber sehr
kräftig entwickelt und mit freier Beweglichkeit begabt war und daher
jedenfalls als Greiforgan diente. Der mächtige Schwanz scheint beim Aus-
ruhen als Stütze fungirt zu haben. Der relativ winzig kleine Schädel
nähert sich am meisten dem von Hatteria, der merkwürdigen Eidechse
Neuseelands. Es leuchtet ohne Weiteres ein, dass ein so specialisirter
Organismus nimmermehr der Weiterentwickelung zu einem Urvogel
fähig war.
Wie steht es mit den Ornithopoden? Ihr Name schon weist auf
die Vögel hin und in der That sind sie nebst Conipsognathus es stets
gewesen, aus denen man jene abzuleiten suchte. Die drei hier vereinigten
FamiUen der Camptmiotidae , Iguanodontidae und Hadrosauridae umfassen
allerdings Formen von sehr verschiedenem Habitus; Iguunodoft düi'fte wohl
der am einseitigsten und zugleich vogelähnlichsten ausgebildete Typus sein.
Ich berücksichtige daher zunächst vorzugsweise diesen. Da haben wir ein
unzweifelhaft auf den stark verlängerten Hinterbeinen einhergehendes
Thier, dessen Kiefer vom zahnlos und höchst wahrscheinlich mit einem
Hornschnabel bekleidet waren; am Becken lassen namentlich die langen,
schlanken, allerdings in ventraler Symphyse vereinigten Sitzbeine imd die
Postpubis (diese noch mehr bei Hypsilophodon und Camptmwtus) eine
♦) Bei Polacanthus fünf, mit denen noch fünf Lendenwirbel ankylosirt sind.
*♦) Nach neuesten Mittheilungen von Bunge, Dollo, A. Johnson und Baur
ifjt nicht einmal der „Pectinealfortsatz" als Rudiment des Pubis anzusehen.
119
schlagende Uebereinstimmung mit den entspreclieuden Theilen eines Ratiten
erkennen; daneben sind aber noch die schaufelfinmigen , nach vom und
aussen gewendeten Schambeine vorhanden, die dem Vogel gänzlich fehlen.
Das Hinterbein zeigt eine Tibia, welche beinah oder gerade so lang ist
als das Femur*), an diesem einen wohlentwickelten „dritten Trochanter",
für welchen neuerdings Dollo bei manchen Vögeln eine genau entsprechende
Bildung in rudimentärer Form nachgewiesen hat; selbst die Gelenk-
verbindung zwischen Ober- und Unterschenkel ist bis in Einzelheiten die
gleiche. Wie beim Vogel ist ferner die Tibia oben vom mit einem starken
Kamm, unten mit einer Grube für den aufsteigenden Astragalusfortsatz
vei-sehen und die Fibula am unteren Ende schon beinah zum nutzlosen
Anhilngsel geworden. Noch sind freilich die Fusswurzelknochen der ersten
Reihe getrennt und ebenso scheinen zwei selbständige in der zweiten
Reihe gewesen zu sein (nach Dollo); dafür sind aber nur noch drei
funktionirende Zehen vorhanden (nebst einem rudimentären Metatarsale
der ersten), von denen die mittlere am längsten und deren Mittelfuss-
knochen sehr kräftig, etwas verlängert und dicht zusammengerückt sind,
was alles in wunderbarer Weise auf den Vogelfuss vorzubereiten scheint
und mit dessen embryonalem Verhalten nahezu übereinstimmt. Aber das
Vorderglied ist auch hier sehr verkürzt, beweglich und am ei-sten Finger
mit einer dolchai-tigen Waflfe, an den drei folgenden mit fast hufähnlich
verbreiterten Endgliedern, am fünften, stark von den anderen divergirendeu
mit einer Kralle versehen, so dass sie jedenüills ganz besonderen Zwecken
angepasst war. Der lange, in der ersten Hälfte sehr hohe, aber schmale
Schwanz dürfte wohl eher als Fortbewegungsorgan im Wasser, denn als
Stütze auf dem Lande gedient haben.
Wer ein solches Geschöpf von fast zehn Meter Länge für sich betrachtet,
der kommt gewiss nicht auf den Gedanken, es fiir einen Vorläufer der
Vögel zu halten, selbst wenn er sich den etwa hasengrossen Conipsognathus
und die zierliche Archaeopteryx als Tebergangsglieder zwischen jenes und
den Strauss gestellt denkt. Aber auch wenn wir uns den J(//eawodt>w-Typus
in ganz bescheidenen Dimensionen ausgefühi-t voi-stellen, wa^i ja wohl zu-
lässig ist, haben wir doch nichts gewonnen, da eben die schon erwähnten
Specialisirungen, denen noch mehrere andere angereiht werden könnten
(die ganze Configuration des Schädels, der wohl nicht mehr zu bezweifelnde
Mangel von Schlüsselbeinen, die Hautpanzerung etc.), eine direkte Fort-
entwickelung desselben im angedeuteten Sinne entschieden verbieten**).
*) Bei dem kleinen Nanosaurus und bei Laosaurtis ist sie sogar erheblich länger.
♦*) Noch neuerdings betont G. Baur (Amer. Naturalist, Dec. 1884, S. 1276):
„Unter den herbivoren Dinosauriern und insbesondere den Ornithopoden ähnlichen Formen
müssen wir die Vorfahren der Vögel, und zwar offenbar zunächst der Eatiten aufsuchen ;'*
er stützt sich aber auch hier wieder nur auf einen einzigen Charakter, die bei den
Ornithopoden angebahnte Rückbildung des Pubis unter gleichzeitiger Kntwickelung des
Postpubis (vgl. oben S. 114, Anm.).
120
Nun wird man freilich sagen: Natürlicli (lenken wir uns nur eine ver-
allgemeinerte ursprünglichere Form als gemeinsamen Stammvater sowolil
des Igimnodan als anderseits der Vögel. Allein es waren doch lauter
solche Specialisirungen des ersteren, welche man zur Erklärung, d. h. zur
Ableitung derjenigen der letzteren benützen w^oUte; entkleide ich Iguanodmi
derselben, so tritt mir immer unverhüllter der einfachere Sauropoden- oder
gar der Lacertilier-Typus entgegen, wie schon eine Zusammenstellung der in
gewisser Hinsicht eine hübsche absteigende Reihe bildenden Gattungen der
Camptonotidae: Nanosaurus, Hypsilophodmi , Laosaurus und Camjyfofiotus
erkennen lässt, und die von da zu den Vögeln fuhrende Linie muss selb-
ständig Schritt für Schritt alle jene Besonderheiten erwerben, die Igaanoclon
zur Aufrichtung des Körpers auf den Hinterbeinen befähigten. Es kann
also, meine ich, hier wenigstens keinem Zweifel mehr unterliegen, dass
nicht von Homologien mit dem Vogelfuss und -becken, sondern nur von
Analogien gesprochen werden darf; die Thatsachen selbst haben dadurch
wahrlich nicht an Interesse verloren, da sie uns von Neuem vor Augen
fuhren, wie durch die stetige Einwirkung gleicher Bedürfnisse aus ähn-
lichem Rohmaterial auch nahezu Gleiches geschaffen wird, mag die Aus-
führung des übrigen Baues noch so verschiedenartig sein. Wenn irgendwo,
so müssen wir hier eine Erscheinung der Convergenz anerkennen.
Die drei noch übrigen Gruppen sind bisher nur durch je eine
jurassische Gattung vertreten und mit Ausnahme von Campsognathus noch
sehr unvollständig bekannt. Hallopus und Coelurus zeichnen sich beide
durch sehr starke Pneumaticität der Knochen aus, welche bei letzterem
bis zu einem unglaublichen Grade gediehen ist; beide hatten sehr lange
und schlanke Mittelfussknochen am dreizehigen Fusse und ersterer zudem
ein nach Art vieler Säugethiere nach hinten vorragendes Fersenbein, waren
also augenscheinlich gute Springer. Trotzdem besteht das Kreuzbein von
Hallopus nur aus zwei Wirbeln, wie bei den einfachsten Sauropoden (aber
auch der jurassische Theropode Oreosaurns zeigt diese Eigenthümlichkeit),
ohne dass seine Sprungfähigkeit deshalb vermindert zu denken wäre, wie
der Frosch mit seinem einen Sacralwirbel lehrt. Die biconcaven Wii'bel
verweisen ihn auf eine niedrige Stufe, während anderseits die stark ver-
kürzten Vorderglieder gleich dem Bau der Hinterglieder eine weitgehende
Differenzirung verrathen. Jedenfalls kann auch Hallopus nicht als Vorfahre
der Vögel gelten.
Ueber die Vorderglieder von üoelurns wissen wir nichts. Den grossen,
verlängerten, z. Theil opisthocoelen und durch staike Gelenkfortsätze ver-
bundenen Halswirbeln mit nach Vogelart damit verwachsenen Halsrippen
folgten viel kürzere, schwach biconcave Rückenwirbel und ein sehr langer,
schwacher Schwanz, woraus Marsh entnimmt, dass an dem mächtigen
und breiten Nacken und verkürzten Rumpf verlängerte Vorderglieder
befestigt gewesen sein müssten, ähnlich wie bei den Flugsauriern. Dass er
zugleich die Möglichkeit offen hält, Coelurus habe trotz seiner Springbeine
121
auf Bäumen gelebt, ist aiigesichts des Ikunnkängurulis auf Neu-(iuiiiea
(Dvmlrolngus) nicht üben-aschend ; daraus aber weiter zu folgern, dass
solche Formen sich vielleicht zu Vögeln weitergebildet haben könnten,
halte ich für sehr gewagt, — weniger deshalb, weil der älteste echte
Vogel mit den Coelnria gleichaltrig ist (denn letztere mögen ja lange zuvor
schon in ähnlicher Form existirt haben), als vielmehr, weil wir auch hier
wieder die (noch dazu sehr oberflächlich festgestt41te^ Vogelähnlichkeit der
hinteren und vielleicht auch der vorderen Pktremität aufs innigste mit
Specialisirungen (grosse, breite Halswirbel, ganz eigenthümlicher Typus der
Knochenpneumaticität) verbunden und davon abhängig sehen, die dem Pilde,
das wir uns vom Urvogel msicheu müssen, unzweideutig widersprechen.
Aber Comj)sognathi4s*f In der That ist sein Hinterbein merkwürdig
vogelähnlich und geht noch in folgenden Punkten über die Ornithopoden
hinaus: Femur erheblich küraer als die schlanke Tibia; Fibula der letzteren
innig angeschmiegt, unten griffelförmig reducirt; Astragalus mit langem,
aufsteigendem Fortsatz, mit der Tibia venvachsen, ebenso Calcaneus mit
Fibula , vielleicht auch beide unter sich ; ihre Gelenkfläche gegen die
zweite Tarsusreiho nur etwas flacher wie die der Vögel; diese, aus drei
flachen Stücken bestehend, die selbst in den Grössenverhältnissen mit
denen des Vogelembryos übereinstimmen, ist den drei Metatarsalien innig
angefügt; letztere, sehr lang und schlank, liegen dicht neben einander,
gleichsam zur Verwachsung bereit; das proximale Rudiment eines fünften
und das distal verschobene des ersten Mittclfussknochens entsprechen wieder
genau den embi^onalen Anlagen beim Vogel; die Zehen sind nahezu
identisch. Und es sei gleich hier hinzugefugt: fast in allen diesen Punkten
kommt Archaeopteryx dem heutigen Vogeltypus noch etwas näher, ohne ihn
völlig zu erreichen. Soll das alles auf Convergenz beruhen? Ohne mich hier
auf eine nähere Begründung einzulassen, kann ich nur sagen: angesichts
der vielen mindestens ebenso wunderbaren Fälle solcher Art, welche uns
namentlich die Säugethiere in Gebiss- und Fussbildung darbieten, halte
ich diese Annahme für vollkommen l)erechtigt, und sie scheint mir zur
Nothwendigkeit zu werden, wenn wir nun bedenken, dass CompsoguathuH
daneben noch besass: eine lange Sitzbeinsymphyse, höchst wahrscheinlich
ansehnliche, nach vorn und unten gerichtete Schambeine, eine stark ver-
kürzte Vorderextremität mit auf drei Finger reducirter, krallenl)ewehrtcr
Hand. Dass die Knochen nicht pneumatisch sind und der Schädel ent-
schiedenen Lacertiliertypus zeigt, dürfte auch wohl in Betracht kommen.
Nehmen wir noch den langen, kräftigen, am Anfang mit sehr starken
Querfortsätzen versehenen Schwanz und den gestreckten Hals dazu, so
erhalten wir das Bild eines Känguruh- oder Springhasen-ähnlichen Thieres,
das einen weiter entwickelten Seitenzweig des Omithopodenstamnics
repräsentiren mag, zum Flieger aber bereits verdorben war.
Die andere Frage: ob er nicht wenigstens mit den Vorfahren der
Uatiten nächst vei-wandt sein könnte? — wage ich nicht bestimmt zu
122
verneinen. Docli bin ich sehr geneigt, Da nies beizustimmen, der, auf
S tu der 's Untersuchungen über die Entwickelung des Vogelgefieders sich
stützend, dasjenige der Ratiten auch phylogenetisch als Vorläufer des
Carinatengefiedors ansieht und demgemäss beide Linien von gemeinsamer,
wenn auch sehr weit zurückliegender Stammform ableitet. Dass Ardtof:-
opterijx eben ihres Gefieders wegen als ein Carinate zu bezeichnen ist, der
fieilich sehr bedeutsame Reptilcharaktere bewahrt hat, erscheint mir
gleichfalls zweifellos und brauche ich daher nicht näher auf ihre Organi-
sation einzugehen. Nur die eine Bemerkung sei beigefügt, dass mir die
zarten, zugespitzten, einköpfigen Rippen bestimmt anzudeuten scheinen,
dass ein Sternum von irgend erheblichen Dimensionen nicht vorhanden war.
Daran knüpft sich naturgemäss noch ein Schlusswort in Bezug auf
Hcspcromis^ welche uns Marsh als einen dem Wasserleben, besonders
dem Tauchen angepassten Ratiten vorgefiihrt hat. Ist aber der verhältniss-
mässig lange Humerus, das kräftige Coracoid, das sehr lange, wenn-
gleich schmale Schulterblatt und vor AUeni das zwar nur flach ge-
wölbte, aber breite und weit nach hinten ausgedehnte Brustbein mit der
Annahme vereinbar, dass die Vorderexti'emität ihrer Vorfahren, seitdem sie
sich vom Boden erliol)en, gar keine Funktion mehr gehabt habe und der
Verkümmerung anlieim gefallen sei ? Mir scheinen die angefühilen Punkte
vielmehr auf früher vorhanden gewesene Flugfähigkeit liinzudeuten. Auch
die Form des Mittelfusses weckt Bedenken gegen die Riititcnvenvandt-
schaft von H€S2)eromis, Wäre es nicht natürlicher, sie als extrem redu-
cirten Carinaten aufzufassen? —
Soviel scheint mir aus den vorstehenden Betrachtungen als sicherstes
allgemeines Resultat hervorzugehen: wir dürfen nie vergessen, dass die
Paläontologie zumeist gar kärgUche Beste, nur wenige disjecta membra
der reichen Lebensfülle vergangener Zeiten vor sich hat, und dass daher
auf solches Material gestützte phylogenetische Ableitungen stets nur mit
der grössten Vorsicht, unter Berücksichtigung aller irgend ven\erthbaren
Thatsachen und Erfahrungen zu vei-suchen sind, wenn sie bleibende
Bedeutung oder auch nur heuristischen Werth fiir weitere Forsclmngen
beanspruchen wollen.
123
Urnenfunde bei Klotzsche und Laussnitz
in Sachsen.
Von Betriebsingeiiieur H. Wieohel.
Beim Baue der schmalspurigen Secundäreisonbahn von Klotzsclie
nach Königsbrück wurden im November 1883 und Frühjahr 1884 beim
Ausheben der Einsclmitte Thongefässe, die auf das Vorhandensein von
Umenfriedhöfen hinwiesen, aufgefunden. Die erhöhte Aufmerksamkeit,
welche derartige Funde gegenwärtig insbesondere deshalb erregen, weil die
genauere Erhebung des Fundmaterials einerseits und sodann das strengere
vergleichende Studium desselben es ermöglicht haben, nicht nur das
relative Alter jener Hinterlassenschaften früherer Landesbewohner mit
holier Wahi-scheinlichkeit zu bestimmen, sondern auch unsere Erkenntniss
jener Dinge soweit zu fördern, dass Schlüsse auf die Kulturzustände,
Handelsbeziehungen und ethnologischen Verhältnisse der vorhistorischen
Zeit mit einiger Begründung gezogen werden können, hat auch dem
Kgl. Finanzministerium, in dessen Auftrag der Bau der gedachten Bahn
ausgeführt wurde, Veranlassung gegeben, die aufgeschlossenen Fundstellen
sorgfaltig untersuchen zu lassen. Wenn auch die Zahl der Gräber und
der Fundobjecte nur eine beschränkte war und daher auch die bei diesen
Aufgrabungen erlangten Ergebnisse nur bescheidene sein konnten, so
verdient die Beachtung, welche von Seite der Behörden in Sachsen der
vaterländischen Vorgeschichte gewidmet wird. Dank und Anerkennung, und
es ist zu erhoffen, dass auch fernerhin die vorhistorischen Funde, welche
sowohl bei den Bauten der verschiedenen Ressorts als auch bei der Ver-
waltung des ausgedehnten fiskalischen Grundbesitzes, insbesondere der
Staatsforsten zu Tage kommen, dem blossen Sammeleifer entzogen und
durch planmässige Aufnahmen der wissenschaftlichen Verarbeitung zu-
geführt werden.
Im Nachstehenden wird ein vorläufiger Bericht über die ürnenfunde
l>ei Klotzsche und Laussnitz erstattet, während eine ausführlichere Ver-
öffentlichung über diese Ausgrabungen unter Beigabe von Abbildungen in
naher Aussicht steht.
1) Urnenfunde bei Laussnitz. Wo der Waldweg, genannt „der
Spiess", aus der Laussnitzer Haide südlich vom Dorfe Laussnitz aus dem
Fattehrift der Ins in Dresden, J88ö.
124
Walde auf die FeldHur tritt, wurden in 0.50 ni Tiefe an drei Stellen
Reste von Bestattungen aufgefunden. Da der für den Bahnbau benöthigte
Landstreifen an dieser Stelle nur die Breite von etwa 6 m hat, so ist
daraus, dass auf dieser Fläche nur drei Gräber nachzuweisen waren, noch
nicht zu schliessen, dass es sich hier nur um Einzelgräber handelt. Weitere
Ausdehnung der Nachgrabung auf dem Areal der anstossenden Feldbesitzer
erschien jedoch zur Zeit nicht angemessen.
Grab 1 enthielt eine einzelstehende Henkelurne mit Knochenresteu
ohne Steinsetzungen oder Beigefässe.
Grab 2 war in 12 m Entferimng gelegen und von reicherer Aus-
stattung. In einer grossen, allerdings nur in Bruchstücken zu Tage ge-
förderten 26 cm weiten Napfurne stand eine einhenkelige Ttissc und
rings umher drei Beigefässe, eine kleinere Napfurne mit Kantenstrichen
und Eindrücken, eine kleine napfailige Schale und eine II cm weite
Henkelurne. Metallbeigaben fehlten, Knochenreste fanden sich spärlich im
Hauptgefäss.
Etwa 2 m von Grab 2 entfernt wurde von den Erdarbeitern ein
Häufchen Knochenreste ebenfalls in 0.50 m Tiefe aufgefunden. Dass
diese Knochenreste ihrer Beschaffenheit nach vom Leichenbrand heiTÜhrten,
steht ausser Zweifel; ob dieselben jedoch ein selbständiges Grab aus-
niaclien oder zu Grab 2 gehören , lässt sich nicht mehr entscheiden.
W^(»nn auch ein derartiges Vorkommen nicht ohne Beispiele ist, so dürfte
es doch nicht angemessen sein, an dieses vereinzelte und nur auf den
Bericht der Arbeiter begründete Vorkommen weitere Schlüsse zu knüpfen.
Die Beschaffenheit der Thongefässe weist dieselben jener Epoche,
welcher das durch seine ausfiihrliche Veröffentlichung bekannte Strehlener
Urnenfeld*) angehört, zu. Derartige Thongefässe linden sich besonders
zahlreich in der sächsischen und preussischen Lausitz zusammen mit
Bronzen älterer Form, fast nie jedoch mit Eisen und sind mit der
Bezeichnung „Lau sitz er Typus" in die Bronzezeit, mithin in eine
Epoche vor unserer Zeitrechnung gestellt worden.
Wollte man nur aus der Lage des Fundorts schliessen, so würde eine
so frühe Datirung des Fundes kaum zu rechtfertigen sein. Laussnitz liegt
unweit Königsbrück, dem alten Uebergange über die Pulsnitz, welche in
der Zeit vor der deutschen Einwanderung die Länder der Daleminzier von
von den Milzienern schied. Aus der Sprache der damals vorgefundenen
wendischen Bevölkerung stammen ohne Zweifel die Namen Pulsnitz,
Laussnitz, Stenz (stanice = befestigter Ort), dicht vor Königsbiück und
Glauschnitz (hlasnice == Wachthaus), das nächste Dorf über Stenz hinaus ent-
lang der hohen und Heerstrasse, welche schon in vordeutscher Zeit die
Hauptverkehi-sader von Ost nach West gewesen sein wird. Von Königs-
*) 11. B. Geiiiitz, Die IJrueiifelder von Strehloii uud Grosseuhaiu. (Mitth. aus
d. K. mineralog. Museum iu Dresden. 1876.)
125^
brück, welches wahrscheinlich auf der Stätte einer wemlischeii Niederlassung
oder Befestigung erbaut ist, strahlten wohl schon in ältester Zeit die
Verkehrswege nacli dem Westen in vei*scliiedenen Richtungen aus. Sdion
erwähnt wurde die hohe und Heerstrasse, ausserdem führt die sogenannte
„kleine Poststriusse" hier durch, welche bis Tauscha mit der auf den
Foi-stkarten unter der Bezeichnung „die alten Strassen'* eingetragenen
weiterliin sogenannten „alten Strasse" über liadeburg nach Meissen zu-
sammenfällt, endlich läuft von Königsbrück aus die jetzt zur Chaussee
ausgebaute Sti-asse durch die Laussnitzer Haide nach Dresden, deren
älteste Richtung vielleicht mit dem erwähnten Waldweg „der Spiess", ent-
lang dessen die Secundäreisenbahn tracirt ist, zusammenfällt und an
welchem auch das Dorf Laussnitz und die Urnenfundstelle gelegen ist.
Hiernach würde sich vor der Uebergaugsstelle an der Pulsnitz ein
vordeu tsclies Culturgebiet Laussnitz -Stenz-G lauschnitz construiren hussen,
in welchem an charakteristischer Stelle an der heutigen Flurgrenze von
liaussnitz und an dem Punkte, wo der alte W^ildweg „der Spiess" auf die
Feldflur tritt, die Unienfundstelle gelogen ist und demnach kaum ohne
alle Beziehung zu den Ansiedelungen, welche die einwandernden Deutschen
vorfanden, sein kann. Es liegt hier und bei ähnliclien Funden unleugbar
ein gewisser Zwiespalt der Beurtlieilung vor. Mag die chronologische Be-
stimmung der Fundsachen mit noch so guten (iründen gestützt und nach
dem heutigen Stande der Vorgeschichte auch völlig glaubhaft sein, so
treten doch häufig auffallende Beziehungen zwischen der Lage der Urnen-
felder und den noch heute erhaltenen Flurgrenzen, Feldeintheilungen,
Lokahiamen, Ansiedelungen der Wendenzeit hervor, die gleichfalls be-
achtenswerthe Gründe liefern, auch die Unienfelder mit dieser Zeit in
inneren Zusammenhang zu bringen. Ob dieser Zwiespalt sich in einfachster
W^eise dadurch ausgleichen wird, dass eine Continuität der Vererbung seit
jener Broncezeit bis in die Wendenzeit nachweisbar wird, oder ob sich in
anderer Weise eine Lösung herbeiführen lässt, kann nur durch vergleichende
Verarbeitung zahlreicher genauer Fundberichte bei sehr eingehender Wür-
digung der Fundorte der Entscheidung näher gebracht werden. Hierin
liegt der wahre wissenscliaftliche Wei-th des unterirdischen Theiles vor-
gescliichtlicher Forschungen, die, wenn sie sich nur auf die Befriedigung
der Neugierde oder auf das planlose Sammeln von Curiosa erstrecken,
leidit einen Beigeschmack des Dilettantischen annehmen.
2. Urnenfunde bei Klotzsche. Dicht neben der Haltestelle
Klotzsche an der Dresden-Görlitzer Eisenbahn fanden sich beim Einplaniren
einer flachen, sandigen Kui^pe behufs Anlage des Anschlussbahnhofs für
die Secundärbahn nach Königsbrück eine Anzahl Umengräber, die je nach
dem Fortschritt der Arbeit im März bis Mai 1S84 sorgfältig erhoben
worden sind. Das für die Bahnanlage erworbene Areal ist hier von
grösserem Umfange, so dass innerhalb desselben ein zusammenhängendes
Gräberfeld, aus elf Gnibstellen bestehend, erschlossen wurde. Dasselbe zieht
126
sich waln-sclieinlich noch weiter in den benachbarten Kiefernwald und in
Richtung der flachen Kuppe hin, welche zwischen der Haltestelle Klotzsche
und der in 140 m Abstand voriiberführenden Chaussee nach Königs-
brück gelegen ist. Nach der anderen Seite ist der Boden bei früheren
Gleisanlagen bereits abgetragen worden, so dass Untersuchungen in dieser
Richtung ausgeschlossen sind. Allerdings sollen bei jenen Arbeiten seiner
Zeit nach Aussage von Arbeitern viel lose Steine zu Tage gekommen sein,
was deshalb aufgefallen war, weil der Boden aus reinem Sand, der in
wechselnder Mächtigkeit dem Granit aufgelagert ist, besteht. Wahrscheinlich
hat das Urnenfeld in dieser Richtung früher weitere Ausdehnung besessen.
(irab I muss bei der Aufdeckung schon ziemlich zei-stört gewesen
sein, da völlig oder doch gut erhaltene Gefasse nicht erhoben wurden.
Dagegen sind die Gefässbruchstücke, welche wahrscheinlich noch einem
zweiten benachbarten, bei den Erdarbeiten ausgeworfenen Grabe ent-
stammen, von Werth, so dass die Zerstörung durch die Erdarbeiter, welche
allerdings durch diese Funde erst auf das Urnenvorkommen aufmerksam
wurden, umsomehr beklagt werden muss. Es fanden sich Scherben einer
rothbraunen Buckelurne, wie Fig. 7, Taf. V, Geinitz, Strehlener Urnenfeld,
eine für die Umenfelder vom Lausitzer Typus besondere charakteristische
Form, ferner eine grosse 30 cm weit(» Napfurne, ein Randstück eines
grossen, dickwandigen Gefässos mit breiter, vorstehender Wulst um
den Gefösshals und Henkel, wie es inn* sehr selten beobachtet wird, ferner
Bruchstücke gewöhnlicher Schalen und endlich einige Scherben mit ein-
gekratzten Linien, zwischen denen Punkte eingestochen waren. Ein Stein-
kranz und Steinbedeckung ist zu erkennen gewesen, von Metallbeigaben
ist dagegen etwas nicht in Erfalnung gebracht worden.
Aus (trab 2 entstammt eine Henkelurne, welche schon bei der Her-
stellung am Rande eingedrückt wurde und dadurch unrund ei*scheint.
Einige Steine landen sich neben dem (leftiss.
Grab 3 enthielt eine mit Knochenresten gefüllte henkellose Urne von
der üblichen Form der Henkelurnen.
Grab 4 bestand aus einer nur 10 cm weiten, mit Knocheuresten
gefüllten Henkelurne und einer Tasse ohne Steinsetzungen,
Aus Grab 5 sind nur spärliche Bruchstücke zweier Gefasse, einer
flachen Schale, wahrscheinlich Deckel auf dem zweiten Gefiisse, einer Tasse
erhoben worden, ähnlich wie si)äter aus Grab 7.
Grab 6 enthielt eine von einer Schüssel überdeckte Schale mit einem
griffartigen Vorsprung am oberen Rande und als Beigefäss eine leider stai'k
zertrümmerte Buckelume mit hohem, geschweiftem Halse. Die spärlichen
Knochenreste, welche sich beim Ausgraben feststellen Hessen, entstammten
wahrscheinlich der überdeckten Schale. Steinsetzungen fehlten.
Grab 7. Neben zwei Steinen stand eine Schale unter einer Schüssel
als Deckel, eine Beisetzungsweise, die schon in den (iräbern 1 (?), 5 und 6
zu constatiren war.
127
Grab 8. Unter einem Deckstein standen zwei Schalen, deren eine,
wie in Grab 6, einen griflFartigen Vorsprung am oberen Rande zeigte.
Neben denselben befand sich das Hauptgefäss, ein 25 cm weiter Napf,
bedeckt von einer Schüssel mit ausgebildetem Rand. Da sonstige Stein-
setzungen sich nicht vorfanden, so wird der envühnte Deckstein nur zur
Abdeckung der beiden, wahrscheinlich mit Getränk angefüllten Schalen ge-
dient haben.
Grab 9. Unter einem grossen Stein von 50 cm Durchmesser
und 15 cm Stärke fand sich nichts anderes als eine kleine, flache,
zerdrückte Schale mit einigen wenigen Knochenresten vor. Dieses Grab
liegt dicht an der Grenze des Bahnareals und dürfte möglicherweise zu
einem grösseren Grab jenseits dei-selben gehören, da die Geringfügigkeit
der Beisetzung in keinem Verhältnisse zu den Steinbauten steht.
Grab 10 zeigte eine ziemlich vollständige, seitlich vei-schobene Stein-
setzung um eine 30 cm weite, carminröthliche Napfurne, welche mit
einer einhenkeligen Schüssel bedeckt war und Knochenreste enthielt. Als
Beigefässe fanden sich eine stark zertrümmerte Tasse und ein kleines, mit
Punkten und Streifen verziertes kugeliges Näpfchen. Auch hier fehlten
Metallbeigaben.
Grab 11. In einer gi-ossen Napfurne, ähnlich der aus (irab 10,
fanden sich endlich die bis auf eine unsichere Spur bisher auf diesem
Unienfelde vemiissten Bronzebeigaben, und zwar in folgenden, für die
Style]M)che, welcher sämmtliche bisher gefundene Thongefässe angehören,
charakteristischen Formen: eine Schmucknadel mit Knopf, ähnlich den
Strehlener Funden, eine dünnere Nadel mit ösenartig umgebogenem Ende,
zwei flache Knöpfe aus Bronzeblech mit Oesen zum Annähen, mehren»
spiralartige Binichstücke von Bronzedraht. In unmittelbarer Nähe wurden
noch zwei zierliche Beigelässe, eine Tasse und eine kleine, nur tt cm
weite Henkelurne mit <lurch einen Stempel eingedrückten Kantenverzie-
rungen.
In dem leichten Sand, welcher in der ganzen Dresdener Haide den
Untergrund bildet, Hessen sich nicht nur die (iefässe mit Leichtigkeit er-
heben, es konnte auch meist deutlich beobachtet werden, bis zu w^elcher
Tiefe die Grabgruben ehemals ausgehoben worden waren; da der wieder
eingeworfene Sand durch Mischung mit Humus, Asche, eine allerdings nur
sehr wenig dunklere Färbung hatte.
In Form und Beschaffenheit sind die (Jefässe und Metallbeigaben
völlig übereinstimmend mit denjenigen der Bronzezeit, speciell vom Lausitzer
Typus. Das Klotzscher Umenfeld ist somit eng mit den Laussnitzer
Funden zusammenzustellen und gilt das dort (iesagte auch hier.
Bezüglich der Oertlichkeit des Urnenfeldes ist zu bemerken, dass
dasselbe in unmittelbarer Nähe der alten Strassenrichtimg Dresden-Königs-
brück, und zwar da gelegen ist, wo vielfach verästelte Waldwege imter
Umgehung des tief eingeschnittenen Priessnitzthales am Knie desselben
128
von der Strasse abzweigen und die Riclitung auf Iladeberg einschlagen.
In der zwischen der Königsbrücker Striisse und diesen Waldwegen am
Abzweigungspunkte eingeschlossenen Spitze liegt die bereits erwähnte, etwa
140 m breite, sandige, flache Kuppe, an deren Rand das Urnenfeld
aufgedeckt wurde. Die Stelle, wo die Radeberger Waldwege von der
Strasse abzweigen, ist dadurch noch bedeutungsvoller, dass eben da auch
der Coininunicationsweg von den alten Dörfern Rähnitz und Klotzsche von
Westen hi die Königsbrücker Strasse einmündet. Auch hier ist also die
Lage des Urnenfeldes nicht ohne Beziehung zur ehemaligen Topographie
der Umgebung kurz vor der Zeit der deutschen Einwanderung. Unweit
der Kreuzungsstelle zweier charakteristischer Wegerichtungen, welche Orte
mit wendischen Namen verbinden, deren eine (die Königsbrücker Strasse)
zugleich Flurgrenze des benaclibarten Dorfes Klotzsche (Kluce == Rodeland)
ist, gelegen, lässt sich audi für dieses Uraenfeld ein wendisches Cultur-
gebiet : Klotzsche, Riihnitz (hranice = Holzstoss, Scheiterhaufen ; aber auch
= Grenze), Gommlitz, Lausa (lazu = ungeackerter Feldstreifen, Lehde) con-
struiren, — ja, einige heutige Localnamen in nächster Nähe <les Umen-
feldes scheinen sogar in Bezieliung zu demselben zu stehen. Die unmittel-
bar benachbarte, kurze, aber tief eingeschnittene Schlucht, „Teufelsloch",
könnte, wie in ähnlichen Fällen, auf eine in der vorchristlichen Zeit ver-
ehrte Stelle hinweisen, die am Priessnitzknie gelegene „Todtenbrücke" auf
den alten Bestattungsplatz bezogen werden, ohne dass jedoch diesem
wahi-scheinlich nur zufälligen Vorkommen deutscher Ortsbezeichnungen
eine grössere Bedeutung beigemessen werden darf.
Wenn durch die Ausgrabungen in Klotzsche und Laussnitz bei der
Beschränktheit des Materials auch neue Gesichtspunkte für die vorgeschicht-
liche Forschung nicht gewonnen werden konnten, so werden dieselben doch
schätzbare Bausteine abgeben für die vaterländische Prähistorie, welche
durch recht zahlreiche ähnliche Heiträge ihren Zielen immer näher ge-
bracht werden möge.
129
Beitrag: zur Kenntniss der Kolbe'schen Salicyl-
säure-Svnthese.
Von R. Schmitt.
Die theoretiscli so interessante künstliche Pai*8tellung der Salicylsäure
von Kolbe ist bis jetzt in ihrem Verlauf noch nicht vollständig aufgeklärt,
obgleich sich die Grossindustrie ihrer bemächtigt hat und centnerweise die
Säure nach diesem Verfahren darstellt.
Ich lege hiermit die Resultate einer Exporimental- Untersuchung vor,
durch welche ich glaube einer Aufklärung über den Verlauf der Reactionen,
welche sich bei der Kolbe 'scheu Synthese der Salicylsäure abspielen, näher
getreten zu sein. Zur besseren Einsicht in die Fragen, die ich zu beant-
worten versucht habe, schicke ich zunächst eine kurze Uebersicht der
Ai'beiten voraus, die bis jetzt über diese Synthese vorliegen.
Kolbe liess zuerst im Jahre 1859, von der Ansicht ausgehend, die
Salicylsäure sei als Phenylkohlensäure aufzufassen und habe dieselbe Con-
stitution wie die Aethylkohlensäure, Nati'ium auf Phenol einwirken, durch
welches gleichzeitig ein Strom von Kohlensäureanhydrid geleitet wurde.
Er gelangte in der That auf diese Weise zu der gesuchten Säure. Er nahm
an, die drei Ingredienzien vereinigten sich unter Entbindung von Wasser-
stoff unmittelbar zu salicylsaurem Natrium.
Besonders hebt Kolbe aber hervor, die Säure entstehe nicht durch
Einleiten von Kohlensäureanhydrid in Phenolnatrimn. (Liebg. Annal. 113,
pag. 126.) Bemerkenswei-th ist, dass damals Kolbe die Isomerie der Salicyl-
säure mit der Oxybenzotisäure (die jetzige Metaoxybenzoesäure) durch die An-
nahme erklärte, erstere sei Phenylkohlensäure, letztere aber eine Oxyphenyl-
carbonsäure und es bestehe zwischen den beiden dasselbe Verhältniss. wie
zwischen der Aethylkohlensäure und der isomeren Milchsäure:
CiHöü/wv CcHöOp/^
Aethylkohlensäure Salicylsäure
p TT OH f^ TT OH
^**^*COOH ^«"*COOH
Milchsäure Oxybenzoesäure.
Fmittchift thv hi« in DtatUtt, J88Ö.
130
Aber schon im Jahre 1 860 kam er bei seiner wichtigen Untersuchung
über die Basicität der Salicylsäure (Liebg. Annl. 115, pag. 176.) zu Resul-
taten, welche bewiesen, dass diese Säure auch eine Oxyphenylcarbonsäure,
gleich w^ie die Oxybenzoesäure sei. Er musste also seine frühere Ansicht
über die Constitution der Salicylsäure, die ihn aber entschieden zur künst-
lichen Darstellung derselben geführt hatte, fallen lassen und damit auch
die Erklärung über den Verlauf der Reaction.
Bei eingehender Untersuchung fand nun Kolbe, dass bei der Ein-
wirkung von Natrium auf Phenol in Gegenwart von Kohlensäureanhydrid
neben salicylsaurem Natrium auch, und zwar in grösserer Menge, das
Natriumsalz der Phenylkohlensäure entsteht.
Offenbar aber trennte Kolbe diese wichtige Verbindung nicht von der
Salicylsäure, sondern schloss nur auf die Existenz derselben, weil das feste
Reactionsproduct in Wasser gelöst, bei Zusatz einer Mineralsäure, eine
grosse Menge von Kohlensäure entwickelte, unter Abscheidung von Phenol
und Salicylsäure. Der Schwierigkeit einer Erklärung für die merkwürdige
Thatsache der Bildung der beiden isomeren Verbindungen neben einander,
begegnete er mit dem Hinweis, dass bei seiner Reaction ähnliche Verhält-
nisse obwalteten, wie bei der Einwirkung des Schwefelsäureanhydrids auf
Aethylalkohol, denn auch hier entsteht die Aethylschwefelsäure neben der
Oxyaethylsulfonsäure (Isaethionsäure). Er war so fest überzeugt von dem
Verlaufe seiner Reaction nach folgender Gleichung:
2C«H,0H + Na, + 2 C 0, = C6H4^^ojj^+ ^f^^ C 0 ,
^^ salicylsaures phenylkohlen-
. Natrium saures Natrium,
dass er sich zu dem negativen Versuch veranlasst sah, ob bei der Einwirkung
von Natrium auf Aethylalkohol in Gegenwai-t von Kohlensäureanhydrid nicht
neben dem aethylkohlensauren Natrium das oxyaethylcarl)onsaure Natrium
(milchsaures Natrium) sich bilde, welchen auch Beilstein mit ungünstigem
Erfolg schon früher angestellt hatte (Liebg. Ann. 1 1 2, pag. 1 24).
Die eben ausgesprochene Ansicht, Kolbe habe das phenylkohlensäure
Natrium nicht in reinem Zustand dargestellt, geht zwar nicht klar aus
seinen Mittheilungen hervor, in denen er sogar anfährt, dieses Salz bilde
sich bei der Einwirkung von Kohlensäureanhydrid auf Phenolnatrium, die-
selbe wird aber mehr wie wahrscheinlich, wenn man berücksichtigt, dass
er keinerlei Angaben über das Verhalten dieser für seine Salicylsäure-
Synthese so wichtigen Verbindung macht, und ferner, dass er 14 Jahre
später feststellte, dieselbe bilde sich bei der Reaction überhaupt nicht,
sondern statt ihrer entstände saures kohlensaures Natrium, und die Ent-
wicklung des Kohlensäureanhydrids aus dem Reactionsproduct bei der Neutra-
lisation sei auf dieses Salz zuriickzuführen (Jounuil f. practisch. Chemie [2]
10, pag. 89). Bei dieser w^ieder aufgenommenen Untersuchung constatirte
er auch die Bildung von Phenolnatriuni bei seiner Reaction, und dass
131
dieses Salz abnahm und grössere Mengen Salicylsäure erzielt wurden, so
bald er bei höherer Temperatur das Einleiten von Kohlensäureanhydrid
fortsetzte. Da er gleichzeitig die Stabilität des Phenolnatriums bei hoher
Temperatur erkannt hatte, so Hess er trockenes Kohlensäureanhydrid nun-
mehr auf über 100® C. erhitztes Phenolnatrium einwirken. In einem ge-
wissen Stadium der Reaction tritt freies Phenol auf, und der schliessliche
Rückstand besteht aus Dinatriumsalicylat. Der Process verläuft stets
in der Weise, dass aus zwei Molekülen Phenolnatrium ein Molekül
Dinatriumsalicylat gebildet wird, wälirend sich ein Molekül Phenol ab-
spaltet.
Kolbe erkannte wohl das Complicirte dieser Reaction und nahm, um
das Auftreten des freien Phenols zu erklären, deshalb an, es entstände primär
beim Erhitzen aus zwei Molekülen Phenolnatrium ein Molekül Dinatrium-
phenol und ein Molekül freies Phenol:
2C6H50Na = CcH4NaONa+ CeHsOH
Phenolnatrium Dinatriumphenol Phenol ;
und dieses oi-stere werde dann secundär durch Anlagerung von einem
Molekül Kohlensäureanhydrid in das Dinatriumsalicylat umgesetzt.
C6H4NaONa + C O2 = CeH* ^y J) ^^
Dinatriumphenol Dinatriumsalicylat.
Die Hypothese stand nicht im Einklang mit den Erscheinungen, welche
beim Verlauf der Reaction eintreten, denn einmal wird das Kohlensäuregas
sofort absorbirt, noch bevor das Phenolnatrium auf 100® erhitzt ist, und
zwar ohne Abspaltung von Phenol. Diese beginnt erst bei viel höherer
Temperatur, nachdem die Absorption des Kohlensäureanhydrids nachgelassen
hat. Dann stellte auch Kolbe fest, dass, wenn der Process unterbrochen
wird, bevor freies Phenol auftritt, die Masse schon Natrinmsalicylat ent-
hält. Es konnte also die Rückbildung des Phenols nicht durch die erste
Phase der Reaction, die Kolbe annimmt, bedingt sein.
Die Interpretation des Processes fand deshalb auch keinen Anklang,
zumal die Existenz eines Dinatriuraphenols durch nichts bewiesen war und
Kolbe selbst scheint kein besonderes Gewicht auf dasselbe gelegt zu
haben, denn in seinem ('ompendium der organischen Chemie (2. Auflg.
pag. 412.) foi-muliit er nur den quantitativen Verlauf der Reaction durch
die Gleichung:
CeHöONa ,pn ^TjONa i n vi nu
CcHsONa + ^^^* = ^«"^COONa + ^^HöOH.
Durch diese im Jahre 1874 entdeckte neue Darstellungsmethode dei
Salicylsäure wurde es erst möglich, die Fabrikation derselben in einem
so grossartigen Massstabe aufzunehmen, wie es in dem Etablissement ge-
schieht, welches bisher unt^r der trefflichen Leitung des Herrn Dr.
9*
132
vonHeydenin Radebeul sich befand, aber trotzdem stand eine vollständige
Einsicht in den Verlauf der Reaction noch aus.
Eine bemerkenswerthe Ansicht in dieser Beziehung sprach im Jahre
1878 E.Bau mann in seiner Publication über die Phenylschwefelsäure aus
(Bericht d. deutsch, chemisch. Gesellschaft IX. pag. 1285). Gestützt auf
die Thatsache, dass das von ihm zuerst dargestellte Natriumphenylsulfat
beim Erhitzen in einer zugeschmolzenen Röhre sich fast quantitativ in
paraphenolsulfosaures Kalium umsetzt, schloss dieser Forscher, dass auch
bei der Einwirkung von Kohlensäureanhydrid auf Phenolnatrium zunächst
phenylkohlensaures Natrium entstehe, und dieses dann bei höherer Tem-
peratur sich in salicylsaures Natrium (phenolcarbonsaures Natrium) mole-
kular umsetze:
I. CeHßO Na + C 0, = ^\^j^^ C 0
Phenolnatrium
MaO'
phenylkohlensaures Natrium
II. CcHöOp/A r, 11 OH
NaO'^^^ — '^'"^COONa
phenylkohlen- salicylsaures
saures Natrium Natrium.
Das Auftreten des Dinatriumsalicylats und des freien Phenols , stand
aber mit dieser Annahme nicht im Einklang. Baumann spricht, um dieses
zu erklären, die Vermuthmig aus, die Bildung dieser beiden Verbindungen
sei bedingt durch die sccundäre Einwirkung von freiem Natriumhydroxyd,
welches im Phenolnatrium enthalten sei. Durch diese freie Base werde
das Mononatriumsalicylat in das Dinatriumsalicylat übergeführt und das
dabei sich bildende Wasser zerlege dann weiter einen Theil des phenyl-
kohlensauren Natriums in saures kohlensaures Natrium und Phenol:
I. CcH4pQQy^+Na()H = C6H4^Q'[)y^ + HgO
salicylsaures Natrium Dinatriumsalicylat
II. ^«^^^gcO + H.O = J}^^oCO + ^'«H»OH
phenylkohlensam*es saures
Natrium kohlensaures
Natrium
Phenol.
Da es ihm aber nicht gelang, das phenylkohlensaure Natrium darzu-
stellen, so konnte er seine Annahme nicht experimentell beweisen.
Es wurden daher in der letzten Zeit von Dr. Hentschel in meinem
Laboratorium in dieser Richtung Versuche angestellt. Dieselben führten
zunächst zu einer verbesserten Darstellungsmethode des Diphenylcarbonats
und weiter zu der Umsetzung dieses Esters durch Erhitzen mit Natrium-
aethylat oder Phenolnatrium in einfach salicylsaures Natrium. (Journal
f. pr. Chem. [2] 27, pag. 42).
133^
Durch diese neue interessante Synthese der Salicylsäure war der innere
Zusanimenliang dieser Säure mit dem phenylkohlensauren Ester unzweifelhaft
dai'gelegt. Darauf wies aber auch schon die Umsetzung des Chlorkohlen-
säure-Aethylesters durch Phenol und Natrium in den Salicylsäure- Aethyl-
ester hin, welche im Jahre 1868 von Wi Im & Wischin ausgefühi*t wurde
(iJeitschrift f. Chem. 1868, pag. 6). Für den Chemismus hei der Kolbe 'sehen
Reaction bot sie jedoch keinen Aufschluss. Hentschel stellte deshalb noch
weitere Versuche an, und ging dabei von der Baumann'schen Annahme
aus, das primäre Product bei der Einwirkung des Kohlensäureanhydrids
auf Phenolnatrium sei das pheuylkohlensaure Natrium; weiter al)er nimmt
er, im Gegensatz von jenem, an, dieses Ester setze sich nicht in Mono-
natriumsalicylat beim Erhitzen um, sondern trete mit ehiem Molekül Phenol-
natrium in Wechselwirkung und dabei bilde sich freies Phenol und
Dinatriumsalicylat entsprechend der Gleichung:
^ Na 0 ^ ^ + t:oH50Na = CuH4^ ^^ ^^ + LjH^ .
phenyl- P>^enolnatrium Dj^^trium- P*^^"^^'
kohlensaures salicylat
Natrium
Dieses glaubt er auch experimentell dadurch bewiesen zu haben, dass
er beim Einleiten von Kohlensäureanhydrid in eine Lösung von Phenol-
natrium in absolutem Alkohol einen Niedei-schlag erhielt, der getrocknet,
mit Phenolnatrium erhitzt, Salicylsäure liefert. Dieser Niederschlag ist aber,
wie Hentschel selbst feststellte, keineswegs reines phenylkohlensaures
Natrium, sondern höchstens ein Gemenge von aethyl- und phenylkohlensaurem
Natrium. Ich glaube sogar, der Niedei-schlag enthält gar kein phenyl-
kohlensaures Natrium, denn ich habe ihn daretellen lassen und gefunden,
dass dereelbe, mit Wasser übergössen, kein Kohlensäureanhydrid entwickelt;
dieses müsste al>er eintreten, wie später gezeigt werden wird, wenn das
ti*agliche Salz in dem Gemenge vorhanden wäre. Der Bildung von Salicyl-
säure \)ei Erhitzen des Niederschlags mit Phenolnatrium, kann ebenfalls
keine Beweiskraft für das Vorhandensein von phenylkohlensaurem Natrium
zuerkannt werden, denn durch mehrfache Versuche habe ich festgestellt,
dass aethylkohlensaures Natrium mit Phenolnatrium oder Phenol in einem
geschlossenen Rohre auf 200 ^ C. erhitzt Salicylsäure liefert.
1) Je 21 gr CßHsONa und C2HöOCOONa gaben unter diesen Um-
ständen 1 3 gr Salicylsäure, also 54 % der theoretischen Ausbeute,
und
2) aus 19 gr CcHöOH + 23 gr CgHßüCOONa wurden 8.5 gr
Salicylsäure gewonnen.
Es kann also obiger Versuch weder als Nachweis dienen, dass sich
bei der Kollje'schen Synthese phenylkohlensaures Natrium bildet, noch dass
dieses Salz sich mit reinem Phenolnatrium in Dinatriumsalicylat und
Phenol umsetzt.
134
Ich habe nun die Arbeit in neuester Zeit wieder aufgenommen und
zunächst die Frage zu beantworten versucht:
Ist die Annahme von Baumanu, die Entstehung des
Dinatriumsalicylats bei der Kolbe'schen Reaction sei
auf die Anwesenheit von Natriumhydroxyd in dem zur
Verwendung kommenden Phenolnatrium zurückzuführen,
gerechtfertigt?
Zu dem Zwecke wurde mit grösster Subtilität reines Phenolnatrium
dargestellt, das im Wasserstofl'strom bei 200® C. getrocknet war und von
dessen Reinheit ich mich durch eine Natriumbestimmung überzeugte.
Beim Erhitzen desselben in einer Retorte unter gleichzeitiger Zuleitung
von Kohlensäureanhydi-id wurde letzteres schon unter 100® stark absorbirt
und später, als die Temperatur über 140® stieg, begann die Abdestillation
vom Phenol, während die Absorption von Kohlensäuregas sich verlangsamte
und schliesslich fast aufhörte. Nach zehnstündiger Dauer bei 1 SO ® C. traten
keine Phenoldämpfe mehr auf und der Process war beendet.
Bei der quantitativen Bestimmung der Ausbiäute zeigte sich, diiss fast
aus zwei Molekülen Phenolnatrium ein Molekül Phenol sich abgespalten
hatte und ein Molekül Salicylsäure gebildet war. Des Resultat wider-
legte also obige Annahme von Baumann.
Phenylkohlensaures Natrium.
Ich vei-suchte nun auf verschiedene Weise reines phenylkohlensaures
Natrium darzustellen und gelangte schliesslich, von der Voraussetzung aus-
gehend, dass dieses Salz, gleich wie das aethylkohlensaure Natrium, ausser-
ordentlich empfindlich gegen Wärme und Wasser sein musste, zum Ziel,
als ich chemisch reines und absolut trockenes Phenolnatrium tagelang
der Einwirkung von trockenem Kohlensäureanhydrid bei gewöhnlicher
Temperatur aussetzte. Dabei wurde auf folgende Weise operirt. In einem
weiten Glascylinder, in dessen beiden Enden Glaskappen luftdicht ein-
geschliffen waren, welche in Röhren mit guten Glashähnen ausliefen, wurde,
nachdem der Apparat ausgetrocknet war, eine bestimmte Menge Phenol-
natrium, dessen Reinheit quantitativ vorher festgestellt war, gebracht.
Darauf wurde das Gewicht des beschickten und geschlossenen Cylinders
genau festgestellt und derselbe mit einem Kipp'schen Kohlensäureentwickler
derart in Verbindung gesetzt, dass das Gas ein System von Trockenröhren
passirte, bevor es in den Cylinder trat. Zunächst blieben beide Glashähne
offen, um die Luft aus dem Apparat zu verdrängen, dann aber wurde der
Hahn der Abzugsröhre geschlossen, während die Verbindungsröhre in
Contact mit dem Kohlensäureentwickler blieb. Das Innere des Cylindei-s
stand also fortwährend unter dem Druck, der in dem Kipp'schen Appai-at
vorhanden war, so dass ein beständiger Ersatz der absorbirten Kohlensäure
stattfinden konnte. Die Absorption des Kohlensäureanhydrids begann sofort
unter Volumzunahme und massiger Wärmeentwickelung. Trotzdem das
135
Pheiiolnatrium häufig durch eine Drehung des Cylinders um seine Axe um-
gewendet wurde, dauerte, die Absorption je nach der Quantität der Masse
zwei bis vier Wochen. Die Zunahme des Apparats wurde von Zeit zu Zeit,
naclidem die beiden Hähne geschlossen waren, durch Wägen controlirt
Anfangs ist die Al)Sorption sehr stark, sie verkngsarat sich aber allmälig,
wahrscheinlich weil die äussere Schicht des gebildeten phenylkohlensauren
Natriums den Contact des Kerns der einzelnen Partikel mit dem Kohlen-
säuregas ei-schwert. Sobald die zur Bildung des phenylkohlensauren
Natriums nüthige Menge Kohlensäureanhydrids aufgenommen ist, bleibt
das (iewicht des Apparats absolut constant. Es ist also eine wahre Ge-
duldsprobe zu bestehen, wenn man zu dem reinen, von Phenolnatrium
fi*eien Salz gelangen will, und diesem Umstand ist es wohl zuzuschreiben,
dass die Reindarstellung desselben bis jetzt nicht gelungen ist.
Von den vielen quantitativen Versuchen seien folgende aufgeführt:
Die Bildung von jj^^ C 0
verlangt:
I. 19.58 gr CellöONa absorbirten 7.32 gr CO^ 7.43 gr CO»
11. 29.24 „ „ „ 11.03 „ „ 11.07 „ „
III. 125.95 „ „ „ 47.10 „ „ 47.80 „ „
IV. 141.32 „ „ „ 52.90 „ „ 53.58 „ „
Das so dargestellte phenylkohlensaure Natrium ist ein weisses, dem
riienolnatrium sehr ähnliches Pulver, ohne jedoch dessen starke hygro-
skopische Eigenschaften zu besitzen. Von seiner Reinheit lieferten folgende
Natrium -Bestimmungen einen Beweis:
1) 44292 gr geben 0.0346 gr NagSO* = 14.93% Na,
2) 0.4994 „ „ 0.2224 „ „ = 14.42% „
Das reine phenylkohlensaure Natrium enthält 1 4.38 % Natrium.
Aus «5.1097 gr Substanz wurden durch verdünnte Schwefelsäure
O.S305gr COg =26.71 % ausgetrieben, reines phenylkohlensaures Natrium
liefert 27.5 ®;o.
Sehr bemerkenswerth ist die Empfindlichkeit des Salzes gegen Wasser.
Sobald es damit in Berühining kommt, entwickelt sich rapid CO« unter
Abscheidung von Phenol, bei der quantitativen Bestimmung des auf diese
Weise deplacirten Kohlensäureanhydrids wurde festgestellt, dass nur die
Hälfte der Kohlensäure, die in dem Salz enthalten ist, entbunden wurde,
denn 3.1615 gr lieferten nur 0.4759 gr CO2 = 15.05 «/o statt der 27.5%.
Schüttelt man die wässerige Lösung mit Aether aus, um das durch Wasser
abgeschiedene Phenol zu entfernen, und versetzt sie dann mit Säuren, so
tritt wieder unter Abscheidung von Phenol eine reichliche Kohlensäure-
Entwickelung ein. Das phenylkohlensaure Natrium wird also durch Wasser
in Mengenverhältnisse, die folgende Gleichung ausdrückt, zerlegt:
2 ^'j^;^ C 0 + H2O = 00.+ C6H5OH + ^0^0 + C6H5O Na .
136
Versetzt man das Salz mit absolutem Alkohol, so wird kein Kohlen-
säureanhydrid frei, die Masse erwärmt sich, aber es tritt keine Auflösung
ein; überhaupt ist es mir nicht gelungen, ein Lösungsmittel für die Ver-
bindung zu finden.
Ueberfohrung des phenylkohlensauren Natriums
in Mononatriumsalicylat.
Im Besitz des phenylkohlensauren Natriums, war es nun weiter von
Interesse, sein Verhalten bei höherer Temperatur zu studiren. Erwärmt
man das Carbonat allmälig in einer Retorte bis auf 120® C, so entwickelt
sich sehr bald stromweis Kohlensäureanhydrid, und als Rückstand bleibt
fast reines Phenolnatrium, steigert man aber die Temperatur möglichst
rasch auf 180 — 200 ^ C, so entweichen geringere Mengen Kohlensäure, gleich-
zeitig treten jedoch Phenoldämpfe auf; der Rückstand enthält dann neben
Phenolnatrium salicylsaures Natrium, und von letzterem Salz um so mehr,
je rascher die Temperatur auf die angegebene Höhe gesteigert wurde.
Dieses Verhalten gab den Fingerzeig, dass das Erhitzen in einem ge-
schlossenen Apparat ein günstigeres Resultat liefeni würde, und dieses warum
so wahrscheinlicher, da ja nach Bau mann 's Beobachtungen das phenyl-
schwefelsaure Kalium, bei gewöhnlichem Luftdruck erhitzt, eine sehr unwgel-
mässige Zersetzung erleidet, während es sich in einem geschlossenen
Apparat fast glatt auf molekular in phenolsulfosaures Kalium um-
lagert. In der That gelingt es, das phenylkohlensaure Natrium
quantitativ in Mononatriumsalicylat überzuführen, sobald
es in einer geschlossenen Röhre einige Stunden auf 120—130 0 C.
erhitzt wird. Nach der Operation ist in derselben kein
Druck vorhanden und man erhält das salicylsaure Salz fast
frei von Zersetzungsproducten. Mit Aether behandelt, lassen
sich nur ganz geringe Mengen Phenol aus dem Salz aus-
ziehen. Aus 15.6 gr, um nur einen Beleg für die quantitative Ausbeute
anzuführen, wurden 13.6 gr reine Salicylsaure gewonnen, während die
theoretische Menge 13.45 gr betragen würde.
Die Vermuthung von Baumann hatte sich also bestätigt, denn
es ist kein Zweifel, dass bei der Kolbe' sehen Synthese sich primär
das phenylkohlensaure Natrium bildet, und die Thatsache, dass die
Absorption des Kohlensäureanhydrids im Anfang der Operation bei niederer
Temperatur ausserordentlich rasch erfolgte, erklärt sich jetzt sehr einfach.
Dieses ist die Periode der Bildung des phenylkohlcBsauren Natriums,
jedoch wird das Phenolnatrium auch nur theilweise in dieses Salz um-
gesetzt. Die vollständige Umsetzung tritt beim Verlauf der Kolbe 'sehen
Reaction, wie sie jetzt durchgeführt wird, überhaupt nicht ein. Steigert
sich die Temperatur auf t30<> C, so findet die molekulare Umsetzung des
Carbonats in das Monosalicylat statt, ohne Abspaltung von Phenol. Die
137
Aunahme von Heutschel, nar,h welcher das pbenylkohlensaure Natrium
ein Molekül Phenolnatrium bedürfe, um überhaupt in salicylsaure Salze
sich umzusetzen, ist durch die glatte Uebei-führung des Carbonats beim
einfachen Erhitzen widerlegt, und es ist mehr wie wahrscheinlich, dass
auch bei der Kolbe' sehen Synthese zunächst das Mononatriumsalicylat sicli
bildet. Die Bildung des Dinatriumsalzes der Salicylsaure muss vielmehr
durch
die Einwirknnfr des JMoiioiiHtriiiiu.salicylats auf Plieiioliiafriuni,
die ei^st bei höherer Temi)eratur, also in der letzten Periode des Proccsses
eintritt, bedingt sein. Um diese Vermuthung experimentell zu stützen,
wurden in einer Retorte 48 gr von einem Gemisch, welches aus gleichen
Molekülen Phenolnatrium und Mononatriumsalicylat bestand, ein Wasser-
stoflFstrom längere Zeit auf 180— 190^0. erhitzt; es destillirten dabei
15.2 gr Phenol ab, und zurück blieb ein Kuchen von Dinatriumsalicylat,
aus welchem, nachdem er in ^Yasser gelöst war, durch Salzsäure 23.2 gr
Salicylsaure gefällt wurden. Die Umsetzung hatte sich also nach der
Gleichung abgespielt:
CeHi^^ 0 0 Xa "^ UcHsONa = CeHsOH + t'elli^, ^ ^ y^
MoDonatrium- J'h«'olnatriuni Phenol üinatriumsalicylat.
salicylat
denn nach dieser hätten 10.3 gr Phenol und 24 gr Salicylsaure entstehen
müssen.
Mit dieser bemerkenswerthen Undagerung ist nun in der That die
letzte Reaction bei dem Kolbe'schen Pi-ocess klargestellt.
Es ist also kein Zweifel, dass derselbe so geleitet werden kann, dass
folgende Reactionen nach einander eintreten:
I. CeHsONa + C Og = ^^^"j^p C 0
^^^?^^ Phenylnatrium-
natnum J^^o^^^
I, CoHsü/iu ,, TT OH
"• NaO*"^~^''"*COONa
Phenylnatrium- Mononatrium-
carbonat salicylat
III. CaH«^^^, jj.^ + C«H50Na = CsHsOH + C'«H«^ Jj^ ^..^
Mononatrium- ^*'«""*"**™™ "'^"^'^ Dinatriumsalicylat.
salicylat
So befriedigend die gewonnenen wissenschaftlichen Resultate auch
waren, so konnten dieselben nur für die Praxis eine Bedeutung gewinnen,
wenn es gelang, die Darstellung des reinen phenylkohlensauren Natriums
138
in kürzerer Zeit zu ermöglichen, denn nur dann war das Problem gelöst:
aus einem Molekül Phenolnatrium glatt auf vermittelst Kohlensäureanhydrids
ein Molekül Salicylsäure im Grossen darzustellen. Dieses Salz bildet sich
nun in folgender einfacher und im Grossen ausführbarer Weise:
Man bringt das absolut trockene — denn jeder Wassergehalt
schadet — Phenolnatrium in einen Autoklaven und pumi^t etwas mehr
als die zur Bildung des pheuylkohlensauren Natriums nöthige Menge
Kohlensäureanhydrid ein*). SchHesst man dann den Autoklaven und
schüttelt die Masse öfter um, so ist nach ganz kurzer Zeit das Phenol-
natrium in das Carbonat umgewandelt. Da sich aber bei dieser raschen
Absorption der Kohlensäure die Masse so stark erhitzt, dass auch schon
secundäre Umlagerungen vor sich gehen, ohne dass alles Phenoluatrium
sich umgesetzt hat, so muss man den Apparat, um dieses zu vermeiden,
abkühlen. Es ist dann nur noch nöthig, den geschlossenen Autoklaven
einige Stunden auf 120—130 0 C. zu erhitzen, um das phenylkohlensaure
Natrium in das Mononatriumsalicylat umzuwandeln. Wie quantitativ der
Process sich abspielt, mögen folgende Ausbeutewerthe beweisen: 116 gr
Phenolnatrium absorbirten statt 41 gr Kohlensäureanhydrid 42 gi* und aus
199 gr Phonolnatrium wurden statt 232 gr 228 gr Salicylsäure gewonnen.
Der Ausführung dieses Processes, bei welchem nur die Hälfte von Natron-
hydrat und Phenol gebraucht wird, um dieselbe Menge von Salicylsäure
darzustellen, wie durch die Kolbe'sche Synthese, steht also nichts mehr
im Wege.
Da die Verwendung der Luftpumpe zu complicirt ist, so führe ich die
Reaction in kleinem Massstabe in meinem Laboratorium in der Art aus,
dass ich in eine schmiedeeiserne Birne, die 100 Atmosphären Druck aus-
halten kann, das Phenolnatrium bringe, rasch die nöthige Menge von fester
Kohlensäure**) zuschütte und dann den Apparat hermetisch abschliesse.
Die weitere Manipulation ergiebt sich aus den obigen Daten.
Es ist mir eine sehr angenehme Pflicht, meinem bisherigen Assistenten,
Herrn R. B. Seifert, für seine wesentliche Hülfe hiermit meinen besten
Dank auszusprechen, denn die experimentelle Durchführung der Unter-
suchung musste ich hauptsächlich in seine Hände legen.
*) Anraerkung. Die Menge Kohlensäureanhydrid lässt sich sehr leicht bestimmen,
sobald man die Capacität des Pumpenstiefels kennt und das Schwungrad der Pumpe mit
einem Tourzähler versehen ist.
**) Nachdem das flüssige Kohlensäureanhydrid Handelsartikel geworden ist, kann
man mit diesem Stoif im festen Aggregatszustand jetzt auch leicht operiren.
139
Neue Beleuchtungsmethode.
Von Friedr. Siemens, Dresden.
Mit Tafel IV.
Die Beleuchtuiigsfrage ist in neuerer Zeit eine sehr brennende ge-
worden und scheint es in noch immer höherem Grade werden zu wollen
und zwar in dem Masse, als Verbesserungen gemacht werden, welche
wiederum nur dazu beitragen , das Bedürfniss nach grösserer Zweckmässig-
keit noch femer zu steigern.
Die Erfordernisse, welche an eine praktische Beleuchtung gestellt
werden, haben sich mit der Zeit ausserordentlich vermehrt, ohne dass man
bis jetzt übersehen kann, wohin und wie weit uns dieses allgemeine Strebpn
treiben wird.
Vom lichtbedürftigen Publikum wird allgemein, ausser der starken
Lichteffecte , welche jedoch ohne zu grossen Kostenaufwand zu unterhalten
und herzustellen sind, um acceptabel zu sein, auch eine möglichst einfache
Behandlung der Beleuchtungsapparate als nothwendigstes Erfordemiss be-
trachtet. Daher werden auch immer die einfachsten und directesten Formen
der Beleuchtung den difficileren Apparaten vorgezogen, auch dann noch,
wenn letztere in Bezug auf Lichteffecte und Unterhaltungskosten wesentlich
grössere Vortheile bieten.
In der neuesten Zeit genügen die oben genannten drei Bedingungen
aber keineswegs mehr, denn man ist auch anspruchsvoll geworden in Bezug
auf gute reine Luft und angenehme Temperatur in den erleuchteten Räumen,
worauf man früher wenig oder gar kein Gewicht legte. Man war zufrieden,
wenn nur das nothwendigste Lichtbedürfniss in möglichst einfacher Weise
erfüllt wurde.
Abgesehen von dem elektrischen Licht sind die Regenerativ -Gas-
brenner, welche als combinirte Ventilations- und Beleuchtungsapparate be-
trachtet werden können, dem Bedürfniss nach kühlerer und besserer Luft
entsprungen, welche durch die bisherigen BeleuchtungseinrichtuÄgen, na-
mentlich bei festlicher Beleuchtung, gar zu sehr verdorben wird, um sich
gemüthlich oder wohl darin fühlen zu können,
Ausser der Luftverbesserung giebt es aber noch ein anderes Haupt-
erfordemiss, das ein guter Beleuchtungsapparat erfüllen sollte, welches
Fenttchrift der l»i» in Dresden, lH8ö.
__140
wohl schon oft angestrebt wurde, aber bisher in der Hauptsache noch
ganz unerfüllt geblieben ist. Ich meine die Darstellung einer intensiven
Lichtquelle, die neben der vollständigen Erfüllung aller oben specificirteu
Erfordernisse dem Auge nicht direct sichtbar ist. Dadurch, dass die
Lichtquellen, welche neuerdings den ökonomischen Bedingungen entsprecbend,
immer intensiver hergestellt werden und daher naturgemäss das Auge mehr
blenden, wird es auch zur unabweisbaren Noth wendigkeit, diese Licht-
quellen selbst dem Auge möglichst zu entziehen, ohne desshalb viel sonst
disponibles Licht für die Benutzung opfern zu müssen. Ich habe gefunden,
dass bei den Arbeiten auf meinen Glashüttenwerken, welche vor allen
Dingen ein gutes Licht erfordern, es für die Genauigkeit dieser Arbeiten
von vorzüglicher Wirkung ist, wenn der Arbeiter nicht durch die directe
Einwirkung der intensiven Lichtquelle auf sein Auge mehr oder weniger
geblendet wurde. Man erlangt sogar eine viel bessere Leistung, mit al)-
solut geringerer Beleuchtung, sobald die irritirende Einwirkung des directen
Lichtes, wie dies bei den bisherigen Beleuchtungsweisen immer der Fall
war, abgestellt wird. Die besten Beispiele hiei-für liefert die Natur selbst.
Wenn einem die Sonne in die Augen scheint, kann man eine Weile
hinterher absolut nichts sehen, wenn auch das vorhandene Licht noch so
vollkommen ist. Man sieht genauer, weim die Sonne eine Weile hinter
Wolken vei'schwindet , obgleich das disponible Lichtqimntum viel geringer
geworden ist. Sogar in der Dämmerung, wenn die Sonne schon ganz ver-
schwunden ist, kann man unter gewissen Umständen genauer sehen, als
wie am Tage liei mehrfach stärkerer Beleuchtung, Bei Anwendung des
unverdeckten oder ungemilderten elektrischen Bogenlichtes sieht man viel
ungenauer, als wenn die Intensität des disponiblen Lichtes durch eine
Milchglaskugel um mehr als die Hälfte reducirt wird.
Noch sehr viel hesser würde man demnach sehen können, wenn es
gelänge, die Lichtquelle ganz dem directen Blicke zu entziehen, ohne des-
halb das verbreitete Licht wesentlich verringern zu müssen.
Letzteres ist nun mein Standpunkt, welchen ich vermittelst meines
neuen Regenerativ-Gasbeleuchtungs-Apparates mit automatischer Zuführung
von vorgewärmter Breunluft zu verwirklichen beabsichtige.
Die Construction dieses neuen Beleuchtungsapparates ist, wie auf der
Zeichnung in einem Aufriss Fig. l und einem Grundriss Fig. 2 dargestellt,
folgende :
Vier Hauben a. b. c. d. aus Blech oder einem anderen geeigneten
Materiale sind, wie Fig. l im Durchschnitt zeigt, derart übereinander ge-
stellt, dass sich zwischen je zwei Hauben hinreichend Zwischenraum be-
lindet für den Durchüuss der Verbrennungsproducte resp. der Brennluft,
wie die Pfeile darstellen. Die oberste Haube (d) ist oben mit einer Esse
(e) versehen, während die Haube (c) nach unten zu kürzer gehalten ist,
damit um deren unteren Rand die zu l)eiden Seiten der Haube gebildeten
freien Zwischenräume mit einander communiciren. Die Haube (b) trägt
141
oben in der Spitze einen nach unten zu gerichteten Stutzen (r), während
die Haube (a) nach unten und oben zu offen gehalten ist für den Durch-
fluss der Bi*ennluft. (Siehe Pfeile.)
Die unterste oder innerste Haube dient auf ihrer inneren Seite als
Reflector und ungefähr im Brennpunkt desselben sind eine oder mehrere
gewöhnliche Oasflammen (Schnittbrenner) angebi-acht.
Die Verbrennungsproducte der Gasflamroen entweichen durch den
Stutzen (r) in den durch die Haube (b) und (c) gebildeten Zwischenraum,
durchstreifen denselben von oben nach unten, um durch den von den
Hauben (e) und (d) gebildeten Zwischenraum wieder nach oben und von da
durch die Esse (e) zu entweichen. Sobald nun die Hauben durch die Ein-
wirkung der Verbrennungsproducte der Flammen hinreichend erwäi'mt
sind, namentlich die Haube (b). so wird auch der freie lufterfüllte Raum
zwischen den Hauben (a) und (b) so viel angewärmt sein, dass die darin
befindliche Luft, durch diese Erwärmung leichter geworden, automatisch
in die Hölie treibt und dadurch den oberen Theil des inneren, durch die
Haube (a) gebildeten kegelförmigen Raumes, in welchem die Gasflamme
brennt, mit erhitzter Luft erfüllt.
Die Flamme oder die Flammen brennen demzufolge in einer Atmo-
sphäre von erhitzter Luft, werden also mit erhitzter Brennluft gespeist,
deren Temperatur in einem Masse zunimmt, welche der Temperatur-
zunahme der Beleuchtungsflamme und der Haul)en entspricht. Da die heisse
Brennluft automatisch, wie beschrieben, zuströmt und den inneren, durch
die Haube (a) gebildeten, die Flammen enthaltenden Raum in dem Masse
nachfüllt, wie die heisse Brennluft verzehrt wii-d und in Verbrennungs-
producte verwandelt, durch den Stutzen (r) und die Passagen zwischen
den Hauben nach der Esse (e) entweicht, so ist es wohl hinreichend ver-
ständlich, dass dieser Beleuchtungsapparat permanent mit hocherhitzter
Brenuluft gespeist wird, ohne dazu irgend welcher besonderer Hilfsmittel
zu bedürfen. Die Flammen brennen ganz frei, sind, da auch kein Glas-
verschluss erforderlich ist, von unterhalb vollkommen zugänglich und das
erzeugte Licht wird schattenlos, theilweise direct, aber grösstentheils durch
die als Reflector dienende Haubenfläche gesammelt, vollständig nach unten
geworfen. Selbstverständlich kann das erzeiigte Licht je nach der Form
des Reflectors beliebig concentrirt oder je nach Bedürfniss mehr zerstreut
werden. Um in gewissen Fällen eine noch grössere Zerstreuung des
Lichtes zu bewirken, sowie um die Wärmeausstrahlung nach unten, welche
mitunter lästig wird, zu verringern, briuge ich (s. Fig. 3) unter dem
Apparat und den Flammen einen eigenthümlich geformten Glasköiper an.
Die stumpfe nach oben gerichtete Spitze schweift parabelformig nach unten
zu dei^artig aus, dass die darauf fallenden Lichtstrahlen entweder nur
gebrochen, oder, wie die punktirten Linien zeigen, seitwärts reflectirt
werden.
142
Soll nur das Licht gebrochen und die Durchstrahlung der Wärme
verringert werden, so wende ich gewöhnliches Glas an, wenn aber das
Licht mehr zerstreut werden soll, nimmt Milchglas diese Stelle ein, welche^i
je na^h Erforderniss mehr oder weniger deckend und daher liclitreflectirend
hergestellt werden kann.
Zum sicheren Aufhängen des Glaskörpers dient ein weitmaschiges
Drahtnetz, welches unten einen Metallrand hält, auf welchem und dem
Netz selbst das Glas derartig ruht, dass dasselbe zerbrechen kann, ohne
dass die Scherben herunter fallen können. Störungen verursacht der Glas-
körper also wenig oder gar nicht, weil er den freien Zugang zu den
Flammen nicht hindert und auch keinen integrirenden Theil des Appa-
rates bildet.
Da es fiir die Entwickelung der Lichtintensität der Flammen nur auf
den Auftrieb der heissen Luft ankommt, so kann man auch den Hauben
fast jede beliebige äussere Form geben , welche dem Reflector entspricht
und demnach für die gewünschte Lichtvertheilung geeignet erscheint.
Das Licht des Beleuchtungs- Apparates, wie hier beschrieben, kann
nur von oben kommen, aber das demselben zu Grunde liegende Con-
structionsprinzip lässt auch Variationen zu, weshalb es auch möglich ist,
den Luftanwärmeapparat nicht um den Reflector herum, sondern daneben
zu stellen. Man hat eben nur nöthig, die durch den Stutzen (r) ent-
weichenden Verbrennungsproducte ausschliessUch nach einer Seite und dann
abwärts zu fiihren, wie Fig. 4 und 6 in zwei Aufrissen und Fig. 5 und 7
in zwei Grundrissen darstellen. Die Verbrennungsproducte müssen, nach-
dem die Kanäle (a. a.) durchlaufen, eventuell wieder nach oben in eine
Esse (e) geführt werden, während die heisse Brennluft durch zwei neben
dem für die Verbrennungsproducte bestimmten Abzug (a) angebrachte
verticale Kanäle (b. b.) automatisch, wie sub Fig. 1 beschrieben, in den
Reflector (R) eingeführt wird. In diesem Falle braucht der Reflector nur
so tief zu sein, wie die Höhe der Flamme selbst beträgt, weil der Auftrieb
der heissen Luft vermittelst der heissen Passagen (b. b.) innerhalb des seit-
wärts stehenden Ständers (S) bewirkt wird; auch unterliegt es hier keinem
Hinderniss, die Haube oder den Reflector (R) aus Glas zu machen und
daher das erzeugte Licht auch nach allen Richtungen, sogar nach oben zu
streuen. Diesen zweiten Apparat habe ich nur deswegen beschrieben, um
zu zeigen, dass ich bei der Ausführungsweise dieser Brenner in der be-
liebigen Lichtvertheilung nicht beschränkt bin; aber ich lege das Haupt-
gewicht auf den zuerst beschriebenen Apparat, weil derselbe das Licht in
der bescluiebenen Weise zur Geltung bringt, wie ich es für den praktischen
Gebrauch als besonders vortheilhaft betrachte.
Da das Licht selbst (d. h. die Lichtquelle) beim Apparat Fig. 1 tief
im oberen Theil des Reflectors oder der Haube (a) steckt, so ist dasselbe
von der Seite gar nicht sichtbar. Erst wenn man sich unter dem Brenner
aufstellt, um in die Hölic zu schauen, sieht man direct in das Licht.
143
Da nun in der gewöhnlichen Praxis Niemand unter den Apparat treten
wird, um nach oben zu schauen, so sielit man für gewöhnlich das Licht
selbst gar nicht, man hat aber fast die volle Nutzniessung desselben. Der
sub Fig. l beschriebene Apparat entspricht also allen Bedingungen, welche
ich mir Eingangs gestellt habe, vollständig. Es sind dies folgende:
I; Der Apparat ist nicht sehr theuer in der Anschaffung, wenigstens
viel billiger als wie das elektrische Licht und auch billiger wie
meine alten Uegenerativbrenner.
2) Die Ookonomio von (tas ist sehr bedeutend, indem das zur Be-
nutzung gebrachte Licht bei gleichem (iasverbrauch sogar meine
alten Regenerativbrenner und daher sämmtliche übrigen Gas-
beleuchtungsapparate weit übertrifft.
IJ) Die Handhabung ist eine ausserordentlich einfache, in dieser Be-
ziehung vollkommen gleich den gewöhnlichen Schnittbrennern,
darum auch hierin sämmtliche andere Beleuchtungsapparate über-
treffend.
4) Reparaturen und Störungen können selbstverständlich der grossen
Einfachheit halber kaum stattfinden. Während einer mehrmonat-
lichen ausgedehnten Benutzung auf meinen Glashütten ist ein der-
artiger P'all noch gar nicht vorgekommen, während sämmtliche
übrigen benutzten Beleuchtungsapparate mannigfache Sorgfalt er-
forderten. Glasköi-per oder sonstige Zuthaten, welche Ersatz
erfordern, sind gar nicht vorhanden.
5) Die Verbrennung des Gases ist eine sehr vollkommene und daher
eine wesentliche Verschlechterung der Luft in den zu erleuchtenden
Räumen weniger zu besorgen, wie bei jedem anderen Beleuchtungs-
apparate. Da ausserdem die abgehenden Verbrennungsproducte in
Folge der Luftvorwärmung beinahe vollständig abgekühlt entweichen,
so liegt auch keine Schwierigkeit vor, diese Producte zu sammeln
und abzuführen , wie bei meinen alten Regenerativbrennern bereits
im grossen Masse durchgeführt wurde. Der Apparat kann also
ausser zur Beleuchtung auch noch zur Ventilation dienen, und zwar
erlangt man letzteren Vortheil in einer besseren Weise, wie es die
meisten speciell dafür construirten Ventilationsapparate gestatten
und nebenher noch ganz umsonst, ein Vortheil, der kaum hoch
genug angeschlagen werden kann.
{'}) Die letzte Bedingung, welche dieser Apparat erfüllt, ist das von
mir neu aufgestellte Erfordeniiss der Lichtvertheilung und Aus-
nutzung desselben, ohne gezwungen zu sein, die Lichtquelle selber
ansehen zu müssen.
Dieses Erfordeniiss ist zwar noch nicht als allgemeines Bedürfniss an-
erkannt, wird jedoch, wenn in der Praxis erat erprobt, als solches sehr
bald geschätzt werden. Das grösste Hindemiss der Anerkennung der
letzten Bedingung wird die neuerdings sehr verbreitete Neigung sein, mit
144
der Intensität des directen Lichtes der Lichtquelle Luxus zu treiben, oder
vielmehr, Effecte zu erzielen. Es wird schon Mancher als einen grossen
Uebelstand empfunden haben, dass bei Anlässen festlicher Beleuchtung,
sowie auch bei Schau- und Ausstellungen aller Art, bei Gesellschaften und
anderen Gelegenheiten die Intensität der Lichtquellen sich dem Auge sehr
unangenehm bemerkbar machte, dass man trotz der grossen Lichtfülle nur
undeutlich sehen konnte, indem man mehr oder weniger geblendet ward.
Man hat zwar, wie icli schon Eingangs bemerkte, allerlei Hilfsmittel,
wie Milchglasschaalen , Kugeln oder Glocken oder wohl gar Vorhänge an-
gewendet, um die directe Einwirkung des Lichtes auf das Auge zu ver-
ringern. Damit hat man zwar auch die gewünschten Resultate annäheiTid
erzielt, aber immer nur auf Kosten des zur Verwendung gelangenden
Lichtes. Wie icli auch schon ei*wähnte, geht durch das Milchglas circa die
Hälfte des erzeugten Lichtes verloren und ganz vollkommen wird der be-
absichtigte Zweck, die Augen zu schützen, trotzdem nicht erfüllt.
Noch sehr viel wichtiger und nützlicher wirkt die Vermeidung der
directen Einwirkung der Lichtquelle auf das Auge in solchen Fällen, wo
Arbeiten ausgeführt werden sollen, welche genaue Sehkraft erfordern, also
fast in allen Fabriken, Werkstätten, Ateliers und Geschäftsräumen ver-
schiedenster Art. Hier kommt es nicht damuf an, mit der Lichtquelle
Luxus zu treiben oder Effect zu erhaschen, sondern es fragt sich nur,
vermittelst welcher Beleuchtungsart mau am zuverlässigsten, am einfachsten
und mit den geringsten Kosten ein recht brauchbares, dem Auge wohl-
thätiges Licht erzeugt, und von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, wird
man zugeben müssen, dass Bedingung 6 nicht nur ein Erfordemiss, sondern
eine wirkliche Nothwendigkeit ist. Der Apparat entspricht demnach allen
an ihn vernünftiger Weise zu stellenden Bedingungen, weshalb ich euie
rasche Einführung zunächst in allen solchen Fällen erwarte, wo man
weniger auf die äussere Form oder auf Effecthaschei'ei ausgeht, sondern wo
es vorzugsweise auf das Lichtbedürfniss selbst ankommt.
Die Zeit wird natürlich das ihrige dazu beitragen, den Apparat auch
für Luxusbeleuchtungen jeglicher Art anwendbar zu machen. Die Con-
struction ist ja variationsfähig, wie beispielsweise unter Fig. 4—7 darge-
stellt, so dass kein Grund vorliegt, warum nicht jede beliebige Beleuch-
tungsaii damit hergestellt werden kann. Allerdings gebe ich gerne zu, dass
für manche Zwecke auch andere Beleuchtungsappiu*ate, so namentlich auch
meine alten Regenerativbrenner permanenten Vorzug verdienen, namentlich
in solchen Fällen, wo das Licht mehr nach der Seite oder nach oben
gerichtet werden, oder gar nur auf einen seitUch liegenden Punkt concentrirt
werden soll.
Specielle Beleuchtungszwecke und besondere Verhältnisse giebt es so
viele, dass man keine einzige Beleuchtungsform als die Allgemeine be-
zeichnen kann, darum wird auch jede bekannte Beleuchtungsart ihren
legitimen Anwendungskreis finden; für mein neues Beleuchtungsverfahren
145
beanspruche ich nur das demselben wirklich zukommende Gebiet, welches
meiner Ansicht nach allerdings recht umfangreich zu werden verspricht, und
zwar deshalb, weil es die fiii* den gewöhnlichen Gebrauch zu stellenden
Bedingungen ausnahmslos erfüllt.
Ich erlaube mir zum Schluss noch besonders hervorzuheben, dass die
sub 6 gestellte Bedingung auch sehr wohl von anderen Beleuchtungsarten
ei-fuUt werden kann, wenn auch nicht in so einfacher und natürlicher
Weise. Das Bedürfniss nach dieser Bedingung ist überhaupt erst durch
die neuerdings erzeugten intensiveren Lichtquellen, welche, direct ange-
sehen, das Auge blenden, entstanden; deshalb ist die allgemeine Aufmerk-
samkeit wegen Zeitmangel noch nicht genügend auf diesen Umstand gelenkt
worden, denn sonst würde man gewiss das elektrische Bogenlicht schon in
ähnlicher Weise beliandelt haben. In der That ist dies annähernd schon
geschehen, indem man Bogenlichter in grosser Höhe angebracht hat und
das Licht vermittelst eines Reflectors nach unterwärts concentrirte. Man
hat auf diese Weise ganze Städte oder Stadttheile mit einem Licht be-
leuchten wollen. Ich bin auch vollständig der Meinung, dass das geht,
nur muss man die Concentration des Lichtes in anderer Weise vornehmen,
als wie es geschehen ist. Bei diesen Versuchen wurde das Licht viel zu
sehr zerstreut und gmg deshalb zu viel davon seitlich verloren; auch die
Schattenbildung, welche nur durch einen vergrössei-ten Reflector zu ver-
ringern ist, trat zu stark auf.
Auf die Höhe , in welcher die Lichtquelle aufgestellt ist, kommt es in
diesem Falle in Bezug auf die erlangte Lichtfülle fast gar nicht an, sondern
nur darauf, wie gross der Umfang des zu erleuchtenden Kreises werden
soll, was sich ja durch die Form des zu wählenden Reflectors genau be-
stimmen lässt.
Hierbei muss noch in Betracht gezogen werden, dass für die praktische
Beleuchtung das von oben fallende Licht unter fast allen Umständen allen
anderen Lichtveitheilungsweisen vorzuziehen ist, wie ja auch die Natur,
welche nur ein Licht kennt, dies am vollkommensten liefert. Die Natur
besitzt allerdings einen ungeheuer grossen und daher besonders praktischen
Reflector, dies sind die Wolken und der Dunstkreis. Den Naturreflector
nachzuahmen, wenn auch auf andere, den besonderen Umständen ent-
sprechende Weise, ist die Aufgabe, welche ich mir gestellt und durch
das bescliriebene Beleuchtungsverfahren um einen guten Schritt vorwärts
gebracht zu haben glaube.
10
X
X
F.
J47j. - \
Zur Theorie der Wärmeleitung in festen Körpern.
Von Prof. Dr. Axel Hamack, Dresden.
Die Arbeiten, welche Fourier in den Jahren 1807—1822 über die
Wärme veröflFentlichte, waren in doppelter Beziehung grundlegend. Denn
erstlich gelang es ihm, für die früheren Untersuchungen von Lambert und
Biot über Wärmevertheilung den umfassenden mathematischen Ausdruck in
Foim einer partiellen Differentialgleichung aufzustellen, sodann vermochte
er zum erstenmal allgemeine Methoden zur Integration solcher Gleichungen
anzugeben, Methoden, welche schon einige Jahrzehnte vorher bei dem
Problem der schwingenden Saiten von Euler und Daniel Bernoulli eifrig
erstrebt, aber nicht vollständig erkannt waren. Die Grundgleichungen, von
denen Fourier und zum Theil auch schon Biot ausgingen, bestehen noch
gegenwärtig in voller Geltung, wiewohl ihnen die nunmehr aufgegebene An-
schauung der Wärme als eines imponderabelen Fluidums zu Grunde lag.
In der That basirte die Herleitung der Differentialgleichung auch nur auf
den physikalisch erwiesenen Thatsachen der spezifischen Wärme eines
Körpers und eines der Temperaturdifferenz proportionalen Wärmeaustausches
zwischen zwei Körpern von ungleicher Temperatur. Die allgemeinen Me-
thoden aber, welche Fourier zur Integration angab, mussten, wenn sie
auch im wesentlichen das richtige trafen, doch sehr bald l>erechtigtcn Ein-
wendungen begegnen , in dem Masse , als man erkannte, dass er den Be-
griff der willkürlichen Funktion zu eng gefasst und dem entsprechend die
Voraussetzungen für die Gültigkeit seines Verfahrens nicht genugsam prä-
cisirt hatte. Poisson's grosses Werk über die Wärmetheorie (1835) ver-
vollkommnete zwar auch in diesen Punkten vielfach die mathematische Dai*-
stellung, eine vollständige Erledigung war aber auch hier noch nicht ge-
geben. Dieser Mangel wurde um so fühlbarer, als die Probleme der Po-
tentialtheorie, Elektrostatik und Hydrodynamik auf ganz gleichartige
Differentialgleichungen führten, und den exakten Beweisen der Integration
wandten sich darum die Arbeiten von Gauss, Dirichlet und Riemann zu.
Trotzdem sind diese Bemühungen noch gegenwärtig, zumal in der Potential-
theorie, nicht abgeschlossen. Einen weiteren kleinen Beitrag hierzu sollen
diese Blätter liefern, in denen icli im Anschluss an Riemann's Vorlesungen
FniwUrift dtr hin in Ihesttttn, IHHö. 1(|*
U8
über partielle Differentialgleichungen (herausgegeben von Hattendorff) die
einfachsten Probleme der Wärmebewegung behandele.
Wer den vierten Abschnitt jener Schrift studirt, kann nicht in Zweifel
darüber sein, dass die Beweise, zumal in den §§ 52 und 59 nicht nur keine
direkte und allgemeine Methode zur Bildung der gesuchten Integralfuuktioii
liefern, sondern auch berechtigte Bedenken über die Gültigkeit und Ein-
deutigkeit der gefundenen Lösungen bestehen lassen, und sich nur unter
genaueren Angaben der Voraussetzungen als richtig erweisen.
Mit Rücksicht auf den hier gebotenen Raum führe ich die Betrachtungen,
deren wesentlich neuer Inhalt nur in der Methode beruht, mit welcher aus
der Differentialgleichung und den Grenzbedingungen die Integralfunktion
hergeleitet wird, bloss für einen Theil der Probleme aus und beschränke
mich bei den anderen auf eine Angabe der Resultate.
§ l.
Der von zwei panillelen Ebenen bej^reuzte KOrper.
Es sei ein Körper gegeben, der nur von zwei parallelen Ebenen x = o
und x = l begrenzt ist. Die Temperatur u desselben soll in den zu den
Begrenzungsebenen parallelen Quei'schnitten constant, also bei jedem Wertlic
der Zeit t eine stetige Funktion von x allein sein. Desgleichen sollen auch
2 und ^2 innerhalb des Körpers stetige Funktionen der beiden Variabelen
X und t sein,*)
Wenn nun der Temperaturzustand u = f (x) zur Anfangszeit t = i),
sowie die Temperaturen u = </)(t) und u = i/j(t) in den beiden begren-
zenden Ebenen x = 0 und x = 1 gegeben sind, so soll gezeigt werden,
dass der Wärmezustand im Innern des Körpers vollkommen bestimmt ist
und als Funktion von t und x dargestellt werden kann.
Zur Vereinfachung der Untersuchung nehme ich dabei an, dass die
Grenzfunktionen f(x), r/)(t), iij(i) durchaus endlich und stetig sind. Die
blosse Voraussetzung ihrer Integrirbarkeit würde allerdings für das folgende
auch genügen, doch gestaltet sich die Diskussion dann nicht so einfach:
es erfordert dann auch die Annahme, dass die Funktionen unendlich
werden können, eine besondere Berücksichtigung.
Zur Abkürzung der Formeln dient es, die Längeneinheit so zu wählen,
dass die Dicke 1 des Körpers gleich r/ wird. Nach der Fourier'schen
Fundamentalgleichung handelt es sich nun um die Integration der partiellen
Differentialgleichung :
-iv du 9 d*u
unter Berücksichtigung der gegebenen Grenzbedingungen.
Eine im übrigen willkürliche Funktion u der beiden Variabelen x und t,
welche bei jedem von 0 verschiedenen, positiven Werth von t nicht nur
*) Aus typographischen Rücksichten hahen im Folgenden auch dio partiellen Ab-
leitungen überall das gewöhnliche Diiferentiationszoichen erhalten.
149
selbst stetig ist, sondern auch eine stetige erste Ableitung nach x besitzt,
kann im Innern des Intervalles von x = 0 bis x = /r stets durch eine
Fourier'sche- Reihe von der Form:
2) u(t|X) = ^ Rksinkx
k=l
dargestellt werden, wobei die noch zu bestimmenden, von t allein abhängigen
Coefficienten ak der Gleichung genügen:
TT
2 r
3) **^^ ^^ n j U(t>x) S"^ txdx.
0
Die Reihe selbst hat an den Grenzen x = 0 und x = ii stets den Werth
null, während die Grenzfunktionen q>{i) und i//(t) von 0 verschieden ge-
geben sein können. Sie stellt also die Funktion nur für das Innere des
(xebietes dar.
Da wir annehmen, dass die Differentialgleichung l) bei beliebiger An-
näherung an die Grenzen erfüllt ist, so ist
n n
4) / j*- sin kx dx = a* / , " sin kxdx.
0 0
Umgekehrt folgt aus dem Bestehen dieser Gleichung bei allen ganzzahligen
Weichen von k auch die Differentialgleichung 1).
Führt man die rechte Seite durch theilweise Integration aus, so er-
hält man
n
^^Va^ siw kx I — Va^ j ^ cos kx d
0
Hier verschwindet der erste Term, wenn die Funktion , bei Annäherung
an die Grenzen, wenigstens bei jedem von null verschiedenen Werth von t,
endlich bleibt; das zweite Integral ergiebt den Werth:
— ka^lucoskxl — k*a^ /u sin kx dx.
^ 0
Geht nun die Funktion u für x = 0 und x = /r ste.tig in die Funktionen
(f(i) und ih{\) über, so wird dieser Ausdruck gleich
n
5) — ka» [(—l)^?/^(t) — r/)(t)] — k«a«yu sin kxdx.
0
Nun ist zu untei-suchen, unter welchen Bedingungen sich die Reihen-
folge der Integration und der Differentiation nach dem Parameter t im
ersten Integrale der Gleichung 4) vertauschen lässt. Da wir bereits an-
genommen haben, dass innerhalb des Intervalles von x = 0 bis x = tt
150
die Funktion j" eine stetige Funktion der beiden Variabelen x und t seiu
soll, so ist
n — 1] n — Ti\
6) / ^ sin kxdx = - I \x sin kx dx,
wenn 6 und /^ beliebig kleine, positive Grössen bezeichnen. Convergü-en
dieselben nach null, so geht die linke Seite in das Integral
71
y^^ Sin kxdx
0
über, wie auf Grund der Differentialgleichung 1) und derselben Eutwickelung,
welche zur Aufstellung der Formel 5) geführt hat, hervorgeht. Demnach
muss die rechte Seite der Gleichung 6) die Eigenschaft haben, dass
( n
lim A.j^ sin kx dx und lim j. / u sin kx dx
0 n— n
für £ =: 0 und /; = 0 verschwinden; dazu ist erforderlich und aus-
reichend, dass die Integrale
c n
7) / T-^ sin kx dx und / ~ sin kx dx
0 Tt — ri
die Eigenschaft haben, dass sie lediglich durch Wahl der Grossen « und i;
bei allen Werthen von t innerhalb eines Intervalles von t bis t -|- l\i kleiner
als eine beliebig kleine Grösse d gemacht werden können. Denn es ist
l-J\ sin kx dx = lim/?i^^^-^\-"^^-") sin kx dx
0 0
für At = 0, und
t-f At
mithin
t+ At
"i* + ^^ x) — ]i U, x) 1 /'du , .
At ' " ^ Aty cir "^'
t
8) j'^y u sin kx dx = lim ^^f^in kx dx^^-" dt
0 t
t + At €
= ^^''-tJ cltyj;^ sin kxdx.
t 0
Ist also das innere Integi-al des letzten Ausdruckes bei allen Werthen
von t im Intervall von t bis t-j-At durch Wahl von € kleiner als cJ, so
ist die Forderung erfüllt. Dieselbe Bedingung gilt für die obere Grenze.
Beachtet man nun wiederum die der Formel 5) analogen Relationen,
welche für die Integrale 1) aus der Gleichung 4) hervorgehen, so erkennt
man, dass die gewünschten Bedingungen bei jedem Werth von t erfüllt
151
.sind, falls die Funktion u die Eigenschaft hat, dass sie gl eich massig
stetig in die Grenzfunktionen (f{t) und iff(i) übergeht, d. h. dass bei allen
Werthen von t der nämliche Werth von x ausreichend ist, um die Un-
gleichungen :
[u(t,x) — f/)(t)]<d, [u(t,>7-x) — V^(t)]<d
zu erfüllen.*) Ist dieses der Fall, so verwandelt sich die Gleichung 4) auf
Grund des Ausdruckes 5) in die lineare Differentialgleichung:
9) "^j"" + k« a« ak = - I ka» [(- 1 )" rp (t) - ^p (t)]
und hieraus folgt:
t
10) ak = -^k«^e [yi(-l)M^(t)-^;)(t/Je dt+tvj,
0
wobei Ck eine von t und x unabhängige Constante bedeutet.
Für t = 0 soll u (t,x) in den Werth f(x) übergehen, also muss
n n
ü^ z=z '^ J u(t,x) sin kx dx in den Werth — / f (x) sin kx dx
0 0
übergehen, wenn wir wieder annehmen, dass der üebergang von u (t, x) in
f (x) ein gleichmässig stetiger ist. Hieraus folgt, wenn man in der Formel 10)
t gleich null werden lässt:
71
i i) — - k «* Ck = ? /'f(xi sin kx dx .
TT 7t iJ
0
Mithin ist die Funktion u (t, x), wenn sie überhaupt existirt, d. h. wenn die
eingeführten Bedingungen alle mit einander verträglich sind, eine ganz be-
stimmte, und darstellbar durch die Reihe:
k»30 t
12) u(t,x) = I a« ^V sin kxy [(-- I) t/^z) + y (z)] e dz
k=l 0
+ ~ y,^ sin kx / 1 (z) sin kz dz .
k==i 0
Man kann diese Formel durch bekannte Daratellungen von -^ und -^—
vermittelst Sinusi-eihen so ergänzen, dass sie für x = 0 und x = tt die
*) In dein allgemeinen Falle, wo man nur die Integrirbarkeit von </> (t) und «/^(t)
voraussetzt, hat man die Forderung eines „im allgemeinen gleichmässigen*^ Ueberganges
zu stellen, d. h. nach Ausschluss von Stellen durch Intervalle, deren Summe beliebig
klein ist, sollen sich bei jedem Werth von cf die obigen Ungleichungen erfallen lassen.
Man hat dann zu zeigen: erstens dass diese Forderung ausreichend ist, imi aus der
Differentialgleichung 9) die Gleichung 10) zu gewinnen, zweitens dass sie von der durch
die Gleichung 12) dargestellten Funktion wirklich erfüllt wird.
152
Werthe (f (t) und ip (t) annimmt. Sodann bemerkt man, dass die Willkür-
lichkeit des Nullpunktes der Temperatur sich dadurch ausdrückt, dass bei
Veränderung der Funktionen f(x), y(t), (/*(t) um eine additive Constante
auch die Funktion u die nämliche Aenderung erfährt.
§2.
Uiitersneliniig: der erhaltenen Funktion.
Von den in der Gleichung 12) enthaltenen Reihen hat man nachzu-
weisen, erstens dass sie überhaupt convergiren und stetige Funktionen der
Variabelen t und x definiren, zweitens dass diese Funktionen den Grenz-
bedingungen Genüge leisten, drittens dass auch die Differentialquotienten
j^, ^-2 innerhalb des Intervalles stetige Funktionen sind, und dass
^sin kx an den Grenzen x = 0 und x = /^ verschwindet.*)
I. Zuerst bemerke man den Satz:
k = oo .. . ^ n k = oo
1) ^® sm kx / f(z) sin kz dz = / dz|f(z)^ e sin kx sin kz .
k=l 0 0 ' k=l
Da nämlich bei jedem Werth von t, der von null verschieden ist,
y, e sin kx sin kz
k = l
eine überall endliche und stetige Funktion der beiden Variabelen x und z
ist, so ist auch
/ dz I f (z) ^ e sin kx sin kz j
0 k=l
eine stetige Funktion von x; dieselbe besitzt auch eine stetige erste Ab-
leitung. Die linke Seite der Gleichung l) ist aber nichts anderes als die
Darstellung dieser Funktion durch eine Fourier'sche Reihe.
Ersetzt man sodann in der anderen Summe der Gleichung 12) t-— z
durch die Variabele y, so erhält sie die Form
*) In Bezug auf diese Untersuchung muss ich noch des Aufsatzes von Herrn
Schlaf li im 72. Bande des Crelle'schen Joumales erwähnen, der für die in diesem Para-
graph enthaltenen Ausführungen zum Theil massgebend gewesen ist. Im übrigen er-
scheint mir die in jener Abhandlung durchgeführte Methode zur Integration der partiellen
Differentialgleichung, welche absichtlich die Anwendung der Reüie und des Doppel-
integrales von Fourier vermeidet, trotz ihrer Präcision nicht zweckmässig zu sein. Es
spricht sich dieses schon in dem Umstand aus, dass zur Bildung der Integralformeu
zuerst immer besondere Voraussetzungen über die Grenzfunktionen eingeführt werden,
die sich nachträglich als überflüssig erweisen.
153
,r^ y.r k-1 -I — k■«y
2) 2^ k sin kxy [(- 1) ,/,(t_y)4-r/)it-y)J e dy .
k = l 0
Die Reihen
^^ -k'it'y ^^" k^l -k^ry
> k sin kx c und >^ ( — 1) k sin kx e
k=l k«l
convergiren für y = 0 nicht mehr, aber sie definiren stetige Funktionen
von y, die für y = 0 in den Weiih null übergehen. Unter den Relationen,
welche sich aus der Transformation der Theta- Funktionen ergeben, hat
Jacobi (Ges. Werke B. 1. pag. 264) die Gleichung bewiesen:
3) 2^e ^«'y ='^[^+^2^ ^«0-)]-
n =- — Qo n — 1
Differentiirt man dieselbe nach x, so folgt:
4) -Äy?^' (2n^ + x) e ^-'y ~~ ^-^^o "nsin(nx).
n== — oc n^^l
Setzt man hier statt x den Werth x— yr, so wird sin (nx) gleich
(— \y sm (nx),
»= + « ({2ü-l)n+xy " = «_„,„,
5) /Jy,2ii^^-^)^+^)^ ^"'y ■ 2^^ n(-irsin(nx\
n = — Qo n« 1
Aus diesen Gleichungen folgt, dass die beiden Reihen
— n-«-y _y-_n2„«y n — 1
^, e n sm nx und ^ e n(— 1) sm nx
n = l 11 = 1
bei jedem endlichen positiven Werth von y stetige Funktionen von x mit
stetigen Ableitungen sind, und diese Funktionen convergiren bei jedem
Werth von x, auch bei dem Werth x = 0, für y = 0 nach null. Hieraus
ergiebt sich, mittelst desselben Schlusses wie vorhin, die Berechtigung der
Vertauschung von Summation und Integration in dem Ausdruck 2) und
sonach erhält die Gleichung t2) die Form:
t54
k =
kUt'z
6) u(t,x) = —|a«y \iff{i—z)^e k(— 1)^ sin kxj (b
6 k = l
t \c = OD
+ -„ctyj lf^(t — z)^e ksinkxjdz
0 k==i
TT k = OO
-f- ^ / I ^(^') ^ ^ sin kx sin k z j dz .
II. Für t = 0 convergireu die beiden ei*sten Glieder nach null; mithin
ist zu beweisen, dass für t = 0
7t k = QO , ^ ^
7) lim ^ I If (z) > e sin kx sin kzl dz = f (x)
0 k = l
wird, und zwar dass dieser Uebergang ein gleichmässig stetiger ist. Der
Satz ist einleuchtend, sobald die Reihe
2 VI —''«■* r
> e sin kx / f(z) sin kz dz
k = 1 0
auch noch für t = 0 convergirt; denn man erhält alsdann die Dai*stellung
der Funktion f(x) vermittelst einer Fourier'schen Reihe. Es kommt aber
darauf an, den Satz zu beweisen, auch wenn diese Darstellbarkeit von f (x)
nicht vorausgesetzt wird, die ja bekanntlich durch die Stetigkeit der Funktion
f(x) noch nicht gegeben ist.
Man schreibe
2 sin k X sin kz = cos k (x — z) — cos k (x + z)
^ e [cos k (X - z) — cos k (x + z)] = ^ ^ p ^ [^ e * «' ^
k =^ 1 n =-^ — 00
,1 = + cc_ [21171 + (x + z)]-
11 = — ac
80 ist der Ausdruck
^ +<^ _[2ii7r-f (X— z)]- +«^ _[2n7f ^-(x-fz)]--
0 — oc — QO
zu uutei'suchen, und zu zeigen, dass derselbe unabhängig von x, lediglich
durch Wahl eines kleinen Werthes von t, dem Werth f(x) beliebig nahe
kommt.
155
Die Glieder, in welchen n = 0 ist, hebe man zunächst heraus und
betrachte
^^„^Jf(.)dz[e ^«^t -, 4„n-].
2r^
0
Wird X von 0 und /i verschieden vorausgesetzt, d. h. bedeutet es
irgend einen mittleren Werth, so betrachte man im ersten Integml das
Intervall von
z^x — 6bi8Z = X + t.
Der übrige Betrag des Integrales, sowie das ganze zweite Integml, kann
unabhängig von x, lediglich durch Wahl einer oberen Grenze für t, l>e-
liebig klein gemacht werden. Nun wird durch die Substitution ^ ~ = y
X + * (x z)» 4- * j
X — * — i
2«rt
und ist f (x) eine stetige Funktion von x, so ist lediglich durch Wahl von t
f(x-2«rty) = f(x) + «d),
wobei d eine beliebig kleine Grösse bedeutet; also ist das vorstehende
Intcgi*al gleich
"" 2«Yt ^ 2 « rt
Der ei-ste Term convergirt nach f (x), der zweite mit d nach null.
Es ist nun leicht nachzuweisen, dass die übrigen Glieder des Aus-
druckes 8) unabhängig von x lediglich durch Wahl einer oberen Grenze
von t beliebig klein gemacht werden können, so dass ich die weitere Aus-
führung dieses Beweises hier unterlassen darf.
Da bei jedem endlichen Werthe von t die dritte Summe in der
Gleichung 6) für x = 0 und x = ^r nach null convergirt, so ist zu
zeigen, dass
^ ^^-"^ v^ "
— l ft''J\irii-z)^e "k(— 1)^sinkx]dz
0 k = l
! ^^^ k«rr/
9 / >ry — "^ " ^
4" ^ «^ / [<jp (t — z) > e k sin kx] dz
156
für X = 0 iiacli dem VVertli fp(t) und für x = >i nach dem Wertli ip{t)
convergirt, und zwar wiederum gleichmässig, d. h. so, dass man bei allen
Werthen von t die Variabele x so nahe an 0 resp. .r bestimmen kann,
dass jener Werth sich von (jp(t) resp. ip(t) beliebig wenig unterscheidet.
Aus den Gleichungen
9) ^e ksinkx = /J-J ^ i2nn + x)e ^-^
u = 1 n = — oo
" n!^ _ k» «' z " ^ * - ((2"-^)" + -^)'
10) ^e (-l)''ksiukx=^^:^^ä2;((2»-l)'T+x)e. 4«'z
n = l n=^ — 30
greife man, wenn x beliebig klein werden soll, wiederum die Glieder n = 0
heraus und betrachte
1') S^yV(t-z)e-'"^^J. und .^Jfit-^^^^'h-
0 0
Setzt man im zweiten Integral ,, '_ = v, r -? = — <!}'» so wird das-
selbe gleich:
'nj <p[t- 4„ye ""dy.
2
X
2«rt
um nun zu zeigen, dass dieses Integral für x = 0 gleichmässig stetig
in den Werth cp{i) übergeht, bezeichne man mit d eme beliebig kleine,
aber feste Grösse und zerlege das Integral in die Theile:
X X
2« n iTwT ^
Das erste Integral kann durch Wahl von x beliebig klein gemacht werden,
vom anderen kann man leicht erkennen, dass es für x = 0 gleichmässig in
den Werth <jp (t — 0) = q> (t) übergeht.
Desgleichen verwandelt sich das ei-ste Integral 11) durch die Sub-
stitution
TT— X 71 — X 1 1
in
L/'.»('-'i-:|'F'oy
r
n — X
2«rt
157
und bekommt ebenso für x = ;i den Grenzwerth i/K*-"" 0) = i''(t). Dass
nun die übrigen Terrae, welche aus den Reihen 9) und 10) hervorgehen,
wiedeinim den Grenzwerth null liefeni, will ich hier nicht weiter aus-
führen, da der Nachweis keine besonderen Schwierigkeiten bietet.
III. Schliesslich ist noch zu zeigen, dass die Diflferentialquotient^n
V , j^,, den geforderten Bedingungen der Stetigkeit im ganzen inncrn
liaum bei allen Weichen von t genügen, luid dass , an den Grenzen
X = 0 und X = ;r die Eigenschaft hat, dass lim I j^ sin kxj = 0 wird. Die
Funktion , muss sich wiederum durch eine Fourier'sche Reihe im Intervall
(Ix
von 0 bis >i darstellen hissen, und setzt man
dx ~ l)ü+-bkCOskx,
so muss
0
n n
bk = / , " COS kx dx = Tu cos kxl 4- / u sin kx dx
0 . " 0
sein. Demnach ist zu beweisen, dass die Reihe:
*2J ||"= l r'/'(t)-7^(t)]+ ^ 2^~ "''''*^' kx/f(z) sin kz dz
k _- 1 0
k QO t
+ ^2^^^ kx [(("(t)i:-1)»' — (/^(t)) 4- k^a^y [(— r^ ii/MZ)
kl 0
— k-«-it — z)l
+ y>(z)Je dzj
convergent ist. Convergirt dieselbe, so erhält man aus ihr durch
gliedweise Integration zwischen den Grenzen 0 und x in der That, bis
auf eine von x unabhängige Grösse, die ursprüngliche Reihe für u(t,x).
Da die Convergenz der ersten Summe auf der rechten Seite bei jedem
positiven, von null verschiedenen Werth von t unmittelbar einleuchtet, so
bedarf es nur einer näheren Untersuchung der zweiten Summe. Hier zer-
lege man das Integral von 0 bis t in die Theile von 0 bis t — £ und t — 6
bis t, wobei £ beliebig klein und so gewählt ist, dass die Schwankungen
der stetigen Funktion ( — l)*'^^ i/^(z) + 9)(z) innerhalb des Intervalles von
t — 6 bis t kleiner bleiben als eine beliebig kleine Grösse d. Es ist alsdann
158
* _k»«''t — z) — k»«»e
,/[(-1)''-' V"(z) + y(z)]e dz==[(- l)i-it/,(t) + y(t)]^;^?
t — i
Demnach bekommt die letzte Summe der Gleichung 12) den Werth:
12 5
— ^^[(- 1)*'^^ "^ (t) + <r (^J] coskxe
''kl
k-oo t— €
+ ~^cos(kx)k2«2y [(— 1.)*^-^ J"(z) + ff(z)]e dz
k-l 0
kl
Die beiden ersten Summen convergiren bei allen Wertlien von x, wenn a
eine bestimmte, im übrigen beliebig kleine, positive Grösse ist. In der
\^' f^- f
dritten Summe ist e jedenfalls nicht grösser als 1 , ferner ist für
0<x<;r
^coskx = — 2 + - ^ '
k - 1 " 2 sin ^
k = oo
also ^ cos kx dem Betrage nach nicht grösser als — ; folglich ist die
kl sin j,
dritte Summe dem Betrage nach nicht grösser als
71 . X
sinij-
und kann durch Wahl von d von vornherein beliebig klein gemacht werden.
Das Produkt dieses Ausdruckes mit sin nx bekommt für x = 0 den Grenz-
werth Jn, woraus hervorgeht, dass die Forderung lim 1 ,- sin (nx)j = 0
für x = 0 oder x = .t in der That bei jedem endlichen Werth von n
erfüllt ist.
Die Stetigkeit der zweiten Ableitung ^j . wird in derselben Weise er-
kannt, und damit ist die Gültigkeit der gewonnenen Formeln vollständig
erwiesen.
159
§ 3.
Der doreb eioe einzife Ebene beiT^Dzfe uneiidlicbe Raniu.
Der unendliche Raum sei nur durch die Ebene x = 0 begrenzt. Für
die Querschnitte senkrecht zur x Axe ist die Temperaturvertheilung zur 2^it
t = 0 als Funktion f(x) gegeben; desgleichen ist die Temperatur fp{t) in
der begrenzenden Ebene während des ganzen Verlaufes ])ekannt. Diese
Funktionen nehmen wir wiederum der Einfachheit wegen als stetige an;
f (x) soll überdies zwischen den Grenzen 0 und oc absolut integrirbar sein.
Wir wollen nun beweisen, dass sich immer ein und nur ein Integral der
partiellen Differentialgleichung finden lässt, welches diesen Grenzbedingungen
genügt, wenn wir von der Funktion u(t, x) noch voraussetzen, dass sie
nebst ihrer ersten und zweiten Ableitung nach x im Innern des ganzen
Raumes stetig ist, dass sie zwischen den Grenzen 0 und cc al)solut integrirbar
ist, und dass u und , für x = oc vei-schwinden. Eine Funktion von
' dx
dieser Beschaffenheit muss dargestellt wei-den können durch das zweifache
Fourier'sche Integral:
1) u(t, x) = ^ / d(i sin qx / u(t, >.} sin q/. d/..
0 0
Das innere Integral ist eine Funktion von t, welche folgende Eigenschaften
zu erfüllen hat. Bezeichnen wir es mit F(t), so ist
QO ao OC
2) F'(t) = j^Ju(t,/.) sin qAdA=y'Jjsin qX AI = «*/f/' sin qA d/..
0 0 0
Indem hier wieder die Vertauschung in der Reihenfolge der Integration
lind Differentiation vollzogen wird, tritt wie früher die Forderung eines
gleichmässig stetigen Ueberganges in die Grenzwerthe auf. Das letzte
Integral ergiebt nun durch theilweise Integration:
QO
«^ Tdi S"^Q^] — ^'^Q [u cos qAJ — «-q* /u sin qA dl,
0 ^0
Ist also j-^ = 0 fiir A = oc , u =^ f/) (t) für A = 0 und u = 0 für
A = oc, so wird
3) F' (t) = tt« q tp (t) — «* q« F (t)
und das vollständige Integral dieser linearen Gleichung ist:
4) F (t) = e \(<^q J (f (A) e d A + C] .
o
160
Die Constante C ist noch eine Funktion x (q) ^o^ Q 5 ^Iso ist
t
(/)(X)(
0 0
5) u(t,x) = -J dqsinqxe ^a^qj (f(k)e clA + x(q)J,
Nun soll für t = 0, u(0, x) = f(x) sein; ist dieser Uebergang ein
gleiclunässig stetiger, so folgt aus der Gleichung
QC
F (t, q) = / u (t, k) sin q A d l
0
6) F(0,q) = x(q) =y f(>0 Sin qk (U
0
und mithin ist
7) u(t,x) = ^ «*/ qdq sin qx / f/)U)e d/
0 0
QO QO
-f- "^ / dq sin qx e / f(A) sin qA dA.
0 0
In den beiden zweifachen Integralen lässt sich bei jedem endlichen
Werth von x die Reihenfolge der Integrationen vertauschen; also wird
t QO
2 r /» —a'ii'it — k)
8) u(t,x) = —a^l (p{l)dl I q sin qx e dq
0 0
QO QO
«-qU
2 /* / — *
+ - I f (A)dA J sin qx sin qA c dq .
0 0
Es ist aber
0
und durch Diflferentation nach x folgt hieraus:
QO Y* ^
e q sin qx dq = j^3 xe *"''t -,
I e sin qx sin qA dq = -A-yr je ^"^^ — e ^ "' ^ I .
0
femer ist:
1G1
Man erhält sonach statt der (ilei(jliung 8)
! _ x' 3
9) U (t, X) = 2 ^^^fip (/) e 4V-' (t - ;.) (t _ ;^^ 2 a ;.
0
+ ^-,- /*f(A) fe ^«'t — e ^«'t IdA
0
Setzt man noch im ersten Integral
2a>/(t — ;i) "^ y* '4«(t — Aj'5 ^y
und bildet man das zweite zwischen den Grenzen X = — ^ bis A = 4~^»
indem man bei negativen Wcrthen von l die Definition f (— h = — f (/j
einfuhrt, so wird
10) u(t,x) = ^2J'.^(t_^.^^.^) r'dy + ^lj'f(x-2«yrt) e~\ly.
X QO
2«n
Die geforderten Eigenschaften lassen sich nun sämmtlich nachweisen.
Icli übergehe die Beweise für die gleichraässige Convergeuz der Werthe von
u(t,x) an der Grenze x = 0 nach y(t), und an der Grenze t = 0 nach
f(x), da dieses aus der Formel 10) mit Leichtigkeit folgt.
Für x = ac convergirt u (t, x) nach null ; denn es ist das erste Integral
der Gleichung 10) dem Betrage nach kleiner «als der Maximal werth von
rpi^t) multiplicirt mit
X
2«rt
und dies wird mit beliebig wachsenden Werthen von x beliebig klein. Dass
auch das andere Integral null wird, erkennt man am einfachsten aus der
Gleichung 9) vermittelst des zweiten Mittelwerthsatzes. Denn von dem
Theile
CT. _^ ^x -f ;ii^
y f(/.)e ^"'^ dA
ü
sieht man unmittelbar, dass er dem Betrage nach nicht grösser als
_ ^' ?
e i«'^y'fa)dA
0
ist, wenn man mit ij denjenigen Werth zwischen 0 und ^ bezeichnet, für
welchen das vorstehende Integral dem Betrage nach am j^rössten wird. Im
anderen Theile betrachte man die Abschnitte
11
162
0 (o
Die Grösse r-j sei so gewählt, dass
y abs[f (/)](! A<(J
ist; dann ist aiicli l)ei allen Werthen von x
oc __ (X - ;.)-
Ol
denn der zweite Faktor in diesem Integral ist positiv und höchstens gleich l.
I):\s andere Integiul aber wird, wenn wir x grösser als h annehmen, nach
dem zweiten Mittelwertlisatz gleicli
5-^-e *«^'~ /'f(/.)d/
2 « r^ t/
und convergirt daher bei beliebig wachsenden Werthen von x nach null.
Für die erste Ableitung nacli x erhält man aus der Gleichung 9):
0
t y2 ß
A^mf^rO^^ 4«^(t-Aj(t^A) 2aA
0
0
Auch liier erfordert nur das Glied
<^ __ (x — ^■)-
J{{l){x—):)e ^«'* dA
0
die besondere Darlegung, dass es für x = -x) verschwindet; denn bei den
anderen Tennen gelit dies unmittelbar aus dem Umstände hervor, dass die
Exponentialfimktion mit negativem Exponenten von höherer Ordnung ver-
schwindet als jede algebraische Potenz. Das voi*steliende Integral zerlege
man nun wiederum in die Theile von 0 bis vj und cß l)is oc, wobei ot so
tixirt ist, dass
y'abs[f(/)]dA<(y
163
ist. Der ^rösste Betrag, welchen der Faktor (x — /) e *" * annehmen
_ 1
kann, wälirend / das *?anze Intervall durchläuft, ist «|^2te ^. Mithin
wird
;? _(x — ;.)» _ 1
'f(;.)(x — /je ^«'* d;.<Ja>/2te ^,
/
und
/
f(A)(x — /je ^«'* dA
0
wird, wenn x l)eliehif; viel gn'isser als oi angenommen ist, gleich
(x~r'i)e ^«'' yV(;.)dA;
dieser Ausdruck convergirt nach null, wenn x unendlich wird.
Durch weitere Differentiation erhält man die zweite Ahleitung j^.,,
welche ebenfalls eine stetige Funktion im ganzen inneren Raum ist.
Wir haben für das Verhalten im Unendlichen die Voraussetzung ein-
geführt, dass u(t,x) und ," für x = cc vei-schwinden. Es fragt sich, ob
man nicht bei den gegebenen ürenzbedingungen eine andere Lösung der
Aufgabe erhält, wenn man von der Funktion u(t,x) nur verlangt, dass sie
nebst ihrer ersten Ableitung für x = oc endlich bleibt? Dieses ist aber
nicht der Fall. Denn ist U eine andere Funktion, welche diesen neuen
Bedingungen genügt, so ist die Differenz of = IJ — u eine im Innern des
betrachteten Raumes, nebst ihren ei*sten und zweiten Ableitungen nach x,
stetige Funktion, welche nebst ihrer eisten Ableitung auch für x = x:
endlich bleibt und welche ferner die Eigenschaften hat, dass
I) ^ = «2 J*^*;;, 2) cß = 0 für X = 0, 3j cß = 0 für t = 0
ist. Es kann gezeigt werden, dass diese Funktion constant gleich null ist.
Das gelingt vermittelst eines Verfahrens, welches von Heine (T)ieorie der
Kugelfunktionen, 2. Auff., Bd. 2) im Anschluss an Dirichlet angegeben
worden ist. Es ist, wenn wir mit z einen beliebig grossen Werth bezeichnen:
z t z
j i\xJoj\'lAt= IJ oj»dx,
0 0 0
/d./„f^.ix=/.u|„-4_./',u[(j:)'|^,
0 0 0 " 0 "
11*
164
also:
i/».d,=„./dt[»i4-../d.[(-^)l.
0 0 0 "
Lässt mau nun z unendlich werden, so bleibt der Voraussetzung nach
0 "
sicherlich endlich; also muss
0 0 "
endlich bleiben. Dies ist aber nur dann möglich , wenn für x = :x; die
Funktion lo null wird; denn anderen Falles würde das erste Integral un-
endlich, während das zweite endlich bleibt. Dann ist aber
i/».dx = -„./d,[(^)']^
0 0 "
und da die linke Seite positiv, die rechte negativ ist, so muss w im all-
gemeinen und wegen der Stetigkeit durchaus null sein.
Die Lösung des Problemes in der Form 9) oder 10), nicht in der
Form 7), giebt aber noch zu einer anderen Bemerkung Anlass. Diese
Gleichungen liefern ein Integral der partiellen Diflferentialgleichung , ohne
dass man von der Funktion f(x) die absolute Integrirbarkeit zwischen
0 und 'x zu fordern braucht, wenn nur das Integral von
f(x — 2ayrt)e dy
zwischen den Grenzen — oc und -|- -x, einen bestimmten Werth repräsentirt.
Dies tritt z. B. dann immer ein, wenn f (x) eine durchweg stetige
Funktion ist, die auch für x = :jc endlich bleibt. In diesem Falle giebt
es immer nur eine Lösung der gestellten Aufgabe, welche in der ange-
gebenen Form ausgedrückt ist.
Auch hier gilt die bereits oben gemachte Bemerkung über die Will-
kürlichkeit des Nullpunktes der Temperatui*.
Würde die Funktion f (x) im unendlichen selbst unendlich, so kann
die Formel 10) zwar auch noch einen bestimmten Werth behalten und
eine Lösung der Differentialgleichung liefern, doch wüi^de der Beweis der
Eindeutigkeit neue Untersuchungen erfordern.
_165
§4.
Die Kngrel.
Mit Einführung von Polarcoordinaten r, ^, ?/^ für das Innere und die
Ol)ei'fläche einer Kugel erhält die Differentialgleichung für den Temperatur-
zustand die Form:
y. du j fd'u , 2 du I ^1_ d-u , 1 d^i . _cotg_^ du]
^^ dt ~ ^^ Idr"^ ^~ r dV "+* r^ sin« .'> d i/»* "*" r* d^^ ' r* dH '
Bei einer homogen mit Masse erfüllten Yollkugel vom Radius R sind
die Grenzbedingungen gegeben:
a) u = f (r, *, i/;) für t = 0
und entweder
b) \x = (p (^, ifj, t) für r = R ,
d. h. die Temperatur an der Oberfäche, oder wenn die Temperatur des
Gases, mit welcher die Kugel in Berührung steht, bekannt ist:
^•) J-J + h[u-f/)(^,V%t)l = 0 für r = R;
h bedeutet die Constante der Wärmeleitung an der Oberfläche.
Da die Lösung dieser Aufgabe in Heine's Theorie der Kugelfunktionen
genau behandelt ist, obwohl dort, was nicht noth wendig ist, die Ent-
wickelbarkeit der Funktion tp nach Kugelfunktionen vorausgesetzt, und
überdies von vornherein angenommen wird , dass auch die zweiten Ab-
leitungen der gesuchten Funktion im Innern der Kugel durch Kugel-
funktionen darstellbar sind, so kann ich mich darauf beschränken, anzu-
geben, wie man auch hier nach der nämlichen allgemeinen Methode zur
Bildung der Funktion gelangt, von welcher man dann durch eine nach-
trägliche Untersuchung zu zeigen hat, dass sie allen geforderten Be-
dingungen genügt.
Die gesuchte Funktion muss, da sie stetige erste Ableitungen nach
r, ^, cp im Innern der Kugel besitzen soll, bei jedem Werth von r kleiner
als R, durch eine nach Kugelfunktionen fortschreitende Reihe daratellbar
sein. Wir setzen denmach:
2) u(t,r,^,i/;) = 2Xn,
wobei
Xn = ^^i^y u F«^' (cos y)da
ist. Die Integration erstreckt sich bei jedem Werth von r < R über die
Oberfläche der zugehörigen Kugel; da ist das Oberflächenelement derselben;
/; und 10 sind die Variabelen der Integration, welche an Stelle von d- und
rff treten, und
cos y = cos ^ cos 1/ 4" sin c^ sin rj cos {co — i//) .
I6t)
Die Grössen Xu sind uuu Funktionen von r, i*^, i/^ und t. Welche Be-
dingungen müssen dieselben erfüllen, damit die Funktion u die Differential-
gleichung 1) befriedigt?
Multiplicirt man die Differentialgleichung I), indem man sich dieselbe
in i; und ij geschrieben denkt, mit P^°^ (cos y), was auch küraer mit !*<">
bezeichnet werden soll, und integrirt alsdann beide Seiten über die Ober-
fläche einer Kugel mit dem Radius r, so wird die linke Seite gleich:
Die rechte Seite ergiebt, abgesehen von dem Factor «^,
Das zweite Integral liisst sich umformen ; es ist d a = sin i^ d /; d cj ,
und wendet man auf die einzelnen Glieder das Verfahren der theilweisen
Integration au, so findet man, dass dieses Integral den Werth bekommt:
/• ftl-pn) 1 , d-^P(n) , . dP(°)l ,
/ U I , , — ., - H r-r» f- cotß /, , -i d (J .
Gemäss der partiellen Differentialgleichung, welcher die Kugelfunktion
I>(n) genügt, ist der in der Klammer enthaltene Ausdruck gleich
— n(n4-l)Pf»)
und sonach erhält man für den Ausdruck 5)
Zusammen mit der Gleichung 4) folgt also aus der ursprünglichen
Differentialgleichung für die Grössen Xn die partielle Differentialgleichung:
n\ tlXu o fd^'Xn , 2 dXu n (ii -fl) ,. 1
*^ dt ~ " l dr-' ■+" r dr ~ HP ~" H'
Es sind also die Grössen X« Kugelfunktionen n**' Ordnung der
Variabelen ^ und i/', welche ausserdem von den Parametern r und t so
abhängen, dass sie dieser partiellen Differentialgleichung genügen.
Wie man diese Gleichung zu behandeln hat, ist bekannt. Man zer-
lege die Funktion Xu in zwei Summanden:
o) Xn = Yu -|- Zu .
Der Theil Yq soll von t unabhängig sein und die Gleichung
ftv d-Yn , 2 dYn n(n + n ^
»J dV~ "+■ 7 dr ?^" Xu = 0
GC
befriedigen. Im Innern der Kugel soll r = ^ Y» eine nebst ihren ersten
0
Ableitungen stetige Funktion von r sein, und fiir r = R soll sie entweder
der Bedingung b) oder der Bedingung c) genügen.
167
Der Thüil Zn »oll die Diflereutiulgleichuiig
'•' ?."=«'ß'^+r7"-"";.^">^.l
oo
erfüllen ; w = ^ Zu soll iiiuerlialb der Kugel eine nebst ihren ei*sten Ab-
0
leitungen stetige Funktion von r s>ein, welche lilr r = 11 bei allen Werthen
von t entweder die Bedingung w ^-: 0 oder . . + h w ^^ o ertiillt , und
welche lür t = o in die Funktion 1 (r, .>, i'») übergeht.
Die Bestimmung von Yu ist einfach. Denn es folgt aus der (ileichung {))
das allgemeine Integral
Y„^Cur" + C'„r-^»r 0^
wobei die Grössen C„ und C'u, von r unabhängig, Kugelfunktionen der
Variabelen 0- und ih sind. Da r eine stetige Funktion von r auch für
r = 0 sein soll, so ist C'n = o , also
00
r=.^VC. und t\=''\t' i/'^""''^*^-
0
Wenn nun die Funktion r für r = R gleichmiissig stetig in den Werth
ff (i% il', t) übergeht, so ist
also
0
oder wenn man summirt:
I « ,. _ *^ ^ ^^'' ^ ^'> /* 'f ^'^' '"• ^ ' ^^ "^ I
^^^ An J (R-'-2rR cosy + ll-)'^"
Dass dieses Integral in der That den geforderten (irenzbedingungen ge-
nügt, ist nach dem von Poisson angegebenen Verfahren zu beweisen.
Liegt die Bedingung c) vor, so erhält man aus der Gleichung für
r = R:
ist, so wird
[/rl-a.]=^;;^ C„R"
168
13) Cu (ii + liR) R^-^ = ^5, (2n+ 1) JfpV<^^do
und schliesslich ist wiederum der Beweis für den Grenzübergang zu liefern.
Die Bestimmung von Zu aber, die sich durch die Substitution Zn = - Vn
etwas vereinfachen lässt, erfordert die Einführung von Cylinderfunktioneii
und ist von Poisson, Riemami und Heine in den genannten Werken er-
ledigt worden.
169
Rückblick auf die Entdeckung des Elektro-
magnetismus und der Inductionselektricität.
Von A. Toepler.
(Aus einem Vortrage in der Aula des Kg), rolytechuikums zur Geburtsfeier Ör. Majestät
des Königs Albert am 23. April 1885*)
Was aus dem vorigen Jahrhundert an Kenntnissen von der Elektricität
zu uns herübergekommen war, beschränkte sich auf die Erscheinungen der
sogen. Elektrostatik.
Man kannte die Anziehungs- und Abstossungskräfte der ruhenden
Elektricität, man kannte auch die wichtigsten Wirkungen ihrer plötzlichen
Entladung.
Die Elektricitätslehre stand zu anderen Wissenszweigen wenig, zur
Technik fast gar nicht in Beziehung.
Ein gewaltiger Fortschritt war es, als an der Schwelle unseres Jahr-
hunderts Galvani und Volta den nach ersterem benamiten galvanischen
Strom entdeckten, als man in der Volta 'sehen Säule das Mittel fand,
Elektricität zwar mit kleiner Spannung, aber in ungeheurer Menge in
unausgesetztem Fliessen zu erhalten.
Sehr bald beobachtete man die chemischen, die Wärme- und Licht-
wirkungen, welche der Strom in seiner Bahn hervomift. Wenn es zunächst
die chemischen Wirkungen waren, welche man mit grösstem Eifer ver-
folgte, so kann dies nicht befremden. Der Anfang des Jahrhunderts war
ja die Zeit, in welcher die Chemie als junge, vielverheissende Wissenschaft
alle Geister beschäftigte, die Zeit, in welcher der grosse Dal ton 'sehe
Gedanke der chemischen Atomlehre zur Reife gedieh!
♦) Anmerkung. Das Stiftungsjalir der (Jesellschaft Isis fällt in die für die Ge-
schichte der Elektricität so interessante Zeit unmittelbar nach der Entdeckung des
Elektromagnetismus und der Inductionselektricität. Ein halbes Jahrhundert hat seitdem
die Früchte dieser Entdeckungen gezeitigt; es hat uns den elektrischen Telegraphen, die
dynamoelektrische Maschine, das Telephon und die elektrische Kraftübertragung ge-
schenkt.- Die Redaction hat es daher für angemessen erachtet, die obige, vom Verfasser
bereitwilligst zur Verfügung gestellte kurze Rückschau zugleich als Erinnerung an
Faraday, welchem die neuere Physik so mächtige Impulse verdankt, in diese Schrift
aufzunehmen. D. Red.
Fattckrift der üü in Dreadm, 1885.
170
So kam es, dass, als Davy im Jahre 1807 mittelst der zei-setzeiiden
Kraft des Stromes die Alkalimetalle entdeckte, dieser grosse Erfolg die
Yolta'sclie Eiitdeckmig selbst in Schatten zu stellen schien, und dass bis
zum Jahre 1820 andere wichtige Wirkungen der strömenden Elektricität
entweder gar nicht oder nur wenig studirt wurden.
In diesem Jahre nimmt die Erforschung der Elektricität eine ganz
neue, ungeahnte Wendung. Im Juli dieses Jahres macht Christ Oersted,
Universitäts-Professor in Kopenhagen und später Director des Polytechnikums
daseH)st, in einer kurzen lateinischen Abliandlung: „Experimenta circa
effectum conHictus electrici üi acum magneticam ", seinen Fachgenosseu dio
Mittheilung, dass er eine leicht zu beobachtende Beziehung zwischen
P^lektricität und Magnetismus entdeckt habe.
In dieser Abhandlung beschreibt der Verftisser seine heutzuüige Jeder-
mann bekannten Fundamentalversuche über die Ablenkung der Magnet-
nadel durch den galvanischen Strom. Er zeigt, dass die Stärke der ab-
lenkenden Kraft von der Stromstärke und von der Entfernung zwischen dem
Stromleiter und der Magnetnadel abhängt, und dass diese Kraft durch un-
magnetische Substanzen ungehindert hindurchwirkt.
Der ersten Abhandlung folgt alsbald eine zweite, in welcher er zeigt,
dass bei passender Einrichtung des P^xperimentes auch umgekehrt der Strom
durch den Magneten abgelenkt werden kann.
Die erste Abhandlung hatte Oersted unverzüglich an die namhaftestcu
Physiker und gelehrten (Jese Ilse haften gesandt. Er war sich der grossen
Tragweite seiner Entdeckung vollkommen bewusst, war nun doch mit einem
Male festgestellt, dass der elektrische Strom nicht nur in seiner Bahn
sondern auch ausserhalb dei-selbeu, dass er in die Ferne wirkt. Die Ent-
deckung verliert auch Nichts von ihrer Ursprünglichkeit durch den Um-
stand, dass man schon hinge vor Oersted ehien Zusammenhang zwischen
Elektricität und Magnetismus vermutliet hatte. Was Oersted entdeckte,
hatte Niemand vernnithet.
So unvermittelt das Dasein der neuen Kraft, des Elektromagnetismus,
den (i(;lehrten vor Augen trat, so überraschend zeigte sich ihre Wirkungs-
weise. Hatte man es l)is dahin nur mit Naturkräften zu thun gehabt, welche
anziehend oder al)stossend, also (wie die (iravitation) in dii-ecter Ver-
bindungslinie von Körper zu Körper wirken, so musste man glauben, in der
elektromagnetisclien Kraft (^ne Ausnahme zu erkennen. P^s zeigte sich,
dass der Magnetpol vom Stromleiter weder angezogen noch abgestossen,
sondern mit Bezug auf die Verbindungslinie querüber getrieben wird. Man
nannte die Kraft eine transverse.
Nichts schien so deutlich für die abnorme Beschafl'enheit der neuen
Kraft zu sprechen, als die merkwürdigen Experimente, welche im Jahre
1821 ein Assistent an der Iloyal Institution in Ix)ndon, Namens Faraday,
veröffentlichte. Dei-selbe zeigte, dass unter geeigneten Umständen ein Strom-
leiter um einen Magnetpol, oder umgekehrt ein Magnetpol um einen
171
Stromleiter, wie von einem iiuisichthnreu Wirbel eifjisst, fort und fort im
Kreise wandert.
Allein — fast unmittelbar nach dem Bekanntwerden der üersted'schen
Experimente hatte Andre Ampere, Professor an der polytechnischen
Schule zu Paris, eine andere, kaum minder wichtige Entdeckung gemacht.
Er hatte entdeckt, dass auch zwischen zwei elektrischen Strömen eine
Wirkung besteht, und zwar eine anziehende oder abstossende, je nach der
Richtung der Ströme und der Lage der Stromleiter. Dem geistvollen
Analytiker gelang es auch bald, ein mathematisches Gesetz dieser Wirkung
zu ei*sinnen, und zugleich eine ganz neue Anschauung \om Wesen des
Magnetismus zu entwickeln.
Er lehrt, das Wirksame im Magneten sei kreisende Elektricität in
seinen Molekülen. Im Lichte dieser Lehre löste sich die geheimnissvolle
W^echselwirkung zwischen Magnetismus und strömender Elektricität in ein
Aggregat von Attractionen und Repulsionen auf. Der metaphysische Grund-
satz, dass die eigentlichen Naturkräfte nur anziehende oder abstossende
seien, war wieder zur Geltung gebi-acht.
Nachdem durch Oersted und Ampere die fundamentalen Be-
ziehungen aufgedeckt waren, vollzog sich die weitere Erforschung des
Elektromagnetismus mit rapider Geschwindigkeit. Arago magnetisirt
Stahlnadeln in vom Strom durchtiossenen Schraubendrähten, Sturgeon
stellt bald danach mit weichem Eisen Elektromagnete von nie dagewesener
Tragkraft her. Poggendorff und Schweigger ertinden dius Galvano-
meter, welches alsbald in der Hand Nobili's zu einem Instrumente wird,
mit welchem die allerscJiwächsten elektrischen Ströme erkannt und gemessen
werden können. Höchst wichtige Anwendungen folgen auf dem Fusse.
Rewaflnet mit dem neuen Instrumente entdeckt Seebeck der Aeltere
die Thermoelektricität, prüft und bestätigt im Jahre 1820 Simon Ohm,
damals Gynunisiallehrer in Köln, das berühmte Gesetz, welches seinen
Namen trägt, jenes Gesetz, durch welches endlich für das Vei^tändniss
der Elektricitätsbewegung im galvanischen Strom die langentbehrte, sichere,
mathematische (Jrundlage geschaffen war.
Daneben tauchen aber auch neue, ganz räthselhafte Ei'scheiimngen
auf, welche die Physiker jener Zeit geradezu in Verlegenheit setzen mussten.
1824 beobachtete Arago, dass eine Scheibe aus Kupfer oder anderem
unmagnetischem Metall, welche unter einem horizontal aufgehängten Magnet-
stabe rotiile, diesen gewissermassen mitzog, so dass er selbst in Drehung
kam, selbst dann, wenn zwischen beiden eine indifferente Scheidewand
vorhanden war. Ein sonst durchaus unmfignetisirbarer Stoff, wie Kupfer,
schien also durch blosse Bewegung in der Nähe eines Magneten selbst
magnetisch zu werden.
Fast mehr noch mag ein Experiment überrascht haben, welches Barlow
an der Militärakademie in Woolwich anstellte. Eine rasch rotirende Bombe
nahm, ohne dass ein Magnet in der Nähe gewesen wäre, gewisse mag-
172
netische Eigenschaften an, welche im Ruhezustande wieder verschwanden.
Man stand den neuen Thatsachen, an deren Erklärung selbst der Scharf-
sinn eines Poisson, eines Ampere scheiterte, völlig rathlos gegenüber.
Niemand scheint daran gedacht zu haben, dass hinter diesem räthselhaften
Rotationsmagnetismus ein ganzes grosses Feld von noch unentdeckten Er-
scheinungen verborgen liege. Nur einer ahnte es, und dieser eine war
Faraday.
Michael Faraday, Sohn eines armen Hufschraiedegesellen, 1791 in
einem Vororte liOndons geboren und unter kümmerlichen Verhältnissen auf-
gewachsen, kam im 13. Lebensjahre zu einem Buchbinder in die Lehre.
Hier las er eifrig in den seinen Händen anvertrauten Büchern. Einige
populäre Schinften über Chemie und Physik weckten in dem lernbegierigen
Jüngling den mächtigen Hang zur Naturlehre. In freien Stunden hörte er
öffentliche Vorlesungen, auch experimentirte er fleissig, soweit es die be-
schränkten Mittel erlaubten. Gegen Ende seiner Lehrzeit hatte er das
Glück, von einem wohlwollenden und einflussreichen Kunden des Buch-
binderladens in die Royal Institution zu den Vorlesungen Davy's, welcher
damals auf dem Gipfel seines Ruhmes stand, mitgenommen zu werden.
Als zwanzigjähriger Buchbindergeselle hatte Faraday, getrieben von glü-
hender Begeisterung für die Wissenschaft, den Muth, sich an Davy mit
der inständigen Bitte zu wenden, dass derselbe ihm behülflich sein möchte,
das Handwerk mit dem Beruf eines Naturforschers zu vertauschen. Der
schriftlichen Bitte fügte er ein sauber ausgearbeitetes Heft der Davy 'sehen
Vorlesungen bei.
Davy erkannte sofort, dass er es mit einem* jungen Manne von un-
gewöhnlicher Begabung, mit einem Beispiel bewundernswerther Selbst-
erziehung zu thun habe. Er stellte ihn 1812 als Gehülfen an seinem
Laboratorium an, nahm ihn auch bald darauf als Amanuensis auf eine
Reise nach Frankreich und Italien mit. 1816 schrieb Faraday seine
erste Abhandlung, welcher in vier Decennien mehr als hundert andere
folgen sollten. Schon 1824 wurde er Mitglied der Royal Society, der
höchsten gelehrten Körperschaft in England, und bald darauf Director des
Laboratoriums und Professor an der Royal Institution*), an welcher er
bis zum Ende seines Lebens wirkte.
Um das Jahr 1830 finden wir Faraday auf der Höhe seiner schöpfe-
rischen Thätigkeit. Schon früher scheint sich ihm, sei es durch Arago's
Experimente, sei es durch gewisse Versuche von Ampere, die Vermuthung
*) Diese Royal Institution ist eine Ajistalt eigen thtimlicher Art. Sie ist, wie so
manche wissenschaftliche Einrichtung Englands, kein Staatsinstitut. Sie gehört vielmehr
einer Privatgesellschaft. Die Bezeichnung Königlich führt sie zu Ehren König Georgs III.,
welcher zu ihren Begründern zählt. Die Anstalt hat den Zweck, den Mitgliedern der
Gesellschaft die neuesten Ergebnisse der Naturwissenschaften rasch zugänglich zu machen
und durch ])Opuläre Vorlesungen die Ausbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse zu
befördern. Sie ist mit wissenschafthcheu Hülfsmitteln reichlich versehen.
173
aufgedrängt zu haben, dass es möglich sein müsse, mit Magneten Elektricität
zu entwickeln, dass es im Gegensatze zu den elektromagnetischen auch
magnetoelektrische Erscheinungen gebe. Seinem scharfen Beobachtungs-
sinne gelang es, die Fährte zu finden, auf welcher diese Erscheinungen
zu suchen waren. Rasch drang er auf der betretenen Bahn vor und ruhte
nicht eher, als bis er die reife Frucht eines ei*schöpfenden Studiums in
zwei grossen Abhandlungen niederlegen konnte, welche er zu Ende des
Jahres 1831 und zu Anfang 1832 in der Royal Society vorlas.
Der Eindruck dieser Abhandlungen auf die Fachgenossen muss ein
fast unbeschreiblicher gewesen sein, üewöhnlich ist es der Lauf der
Dinge, dass das Material, aus welchem sich neue Gebiete der naturwissen-
schaftlichen Erkenntniss autbauen, allmählich durch die Arbeit Vieler zu-
sammengetragen wird. Hier ereignete sich der seltene Fall, dass so zu
sagen ein ganzes Capitel Experimentalphysik, mit einer überreichen Fülle
neuer Thatsachen, wie aus einem Guss dastand, geschaffen durch die Hand
eines Einzelnen.
Im ersten Abschnitte seiner Abhandlungen erzählt Faraday in der
ihm eigenen, schlichten und doch so anschaulichen Art und Weise, wie er
sich anfangs vergeblich bemüht habe, für die bekannte Vertheilungswirkung
der ruhenden Elektricität eine analoge Wirkung der strömenden zu finden.
Er erzählt, dass er zwei isoUrte Drähte dicht neben einander zu Spiralen
gewunden, dass er durch den einen, den Hauptdraht, den Strom einer
Vol tauschen Kette geschickt habe, während der andere, der Nebendraht,
mit einem Galvanometer verbunden war. Nicht entmuthigt durch das
anfängliche Ausbleiben der erwarteten Wirkung, wiederholt er den Versuch
mit möglichst starken galvanischen Strömen. Da endlich zeigt ihm das
Zucken der Galvanometernadel, dass den Nebendraht jedesmal eine
Strömungswelle durcheilt, wenn der galvanische Strom im Hauptdrahte
beginnt oder aufliört. Er nennt den Act der Strombildung im Neben-
draht Induction, die Ströme selbst inducirte oder Inductionsströme, im
Gegensatz zum inducirenden Strome im Hauptdrahte.
Nun richtet Faraday das Experiment so ein, dass der Nebendraht hin
und her bewegt werden kann; es zeigt sich, dass in demselben auch dann
Ströme inducirt werden, wenn man seine Entfernung vom galvanischen
Strom im Hauptdraht plötzlich vergrössert oder verkleinert. Selbstverständ-
lich lässt Faraday es sich angelegen sein, die Regeln fiir die Richtung
der neuen Ströme festzustellen.
Damit noch nicht zufrieden, stellt er sich die Frage: Wie, wenn
während des Inductionsactes im Nebendraht ein anderer Strom bereits
vorhanden ist? Das Experiment giebt zur Antwort, dass dieser Umstand
die Entstehung der Inductionsströme keineswegs ausschliesst.
Hat Faraday damit die grundlegenden Thatsachen für die Induction
von Strömen durch Ströme, für die sogenannte Voltainduction fest-
174
gestellt, so wendet er sich nun der magnetoelektrischen Induction,
oder wie er sich ausdrückt, der Eutwickelung von Elektricität durch
Magnetismus zu.
Er steckt in die Höhlung einer Drahtspirale einen Kern aus weichem
Eisen, den er alsdann in der mannigfaltigsten Weise plötzlich magnetisirt
und entmagnetisirt. In allen Fällen erhält er die erwarteten Inductioiis-
ströme; er erhält Funken, physiologische und später auch chemische Wir-
kungen der Inductionselektricität.
Nun gelingt es ihm auch leicht, Ströme durch Einführung von Stahl-
Magneten in geschlossene Drahtspiralen, ja sogar durch Bewegung ein-
facher Drähte im Kraftbereiche eines Magneten zu induciren.
Schliesslich löst Faraday, im Besitze der neuen Erfahrungen, das
Räthsel des Arago' sehen Rotationsmagnetismus. Er beweist, dass der
aufgehängte Magnet in der unter ihm rotirenden Scheibe Inductionsströme
erzeugt, welche, rückwärts auf den Magneten wirkend, diesen in Bewegung
setzen müssen. Die den (iegenstand betreffenden Experimente sind höchst
einfach und doch von bewundernswerther Feinheit der Erfindung.
Die zweite Abhandlung, welche der ersten unmittelbar folgt, ist
durch ihren wissenschaftlichen üehalt von nicht minderem Interesse.
Faraday zeigt darin, wie durch den Magnetismus des Erdkörpers
elektrische Ströme inducirt werden. Er orientirt Schraubendrähte nach
der Richtung der Inclinationsnadel und wendet sie, mit oder ohne Eisen-
kern, plötzlich um, er lässt Drahtrechtecke schwingen und findet wiederum
in allen Fällen die erwarteten Ströme. Dann vei*setzt er metiiUeue Kreis-
scheiben in rasche Drehung und findet, dass durch den P^rdmagnetismus
Inductionselektricität von der Mitte zum Rande getrieben wird oder um-
gekehrt, je nach dem Drehungssinne und der ürientirung der Rotations-
axe zum magnetischen Aequator. Mit diesen Thatsachen waren die Er-
scheinungen an Barlow's rotireuder Doml)e als einfache Folge der Erd-
induction erkannt. Es war a})er auch, was bei weitem wichtiger ist,
die Grundlage geschaffen für die spätere Erforschung des Erdmagnetismus
durch seine Inductionswirkungen.
Ein besonderes Studium widmet Faraday der Frage, inwiefern die
Inductionsströme von der Substanz des Leitei-s abhängen, in welchem die
Induction sUittfindet. Ein sinnreiches Compensationsverfahren führt ihn
zu der Entdeckung, dass die elektromotorische Kraft der Induction von
der Leitersubstanz nicht beeinilusst wird.
Während Faraday seine zahlreichen und höchst mannigfaltigen
Beobachtungen beschreibt, suclit er zugleich nach einem Erklärungsprincip
für dieselben. Ein solches bietet sich ihm schliesslich in Gestalt eines
höchst eigenthümlichen Anschauungsbildes, von welchem noch die Rede
sein wird.
Man hätte glauben sollen, dass nach so gründlicher Untersuchung
wesentlich neue Entdeckungen auf dem Gebiete nicht mehr zu machen
175
seien. Allein Farad ay fand doch noch eine Lücke auszufüllen. Schon
in der ersten Abhandlung hatte er die Vermuthnng ausgesprochen, dass
ein galvanischer Strom nicht nur auf einen Nebenleiter, sondern ebensowohl
auch auf die eigene Bahn inducireud wirken könne. Eine zufällige Be-
obachtung von Jenkin veranlasste ihn, den Gegenstand wieder aufzunehmen,
und so kam der letzte Abschnitt seiner Entdeckungen, „die Induction eines
elektrischen Stromes auf sich selbst", im Jahre 1835 an die Oeffentlichkeit.
In dieser Abhandlung wird nachgewiesen, dass in der That ein
galvanischer Strom in den Momenten, in denen er zu fliessen beginnt oder
aufhört, in seiner Leitung je einen Inductionsstrom erzeugt. Die grossen
experimentellen Schwierigkeiten, welche bei dieser Untersuchung vorliegen,
überwindet Farad ay mit gewohnter Meisterschaft. Er weist die Existenz
auch dieser neuen Ströme, die er Extraströme nennt, durch ihre chemischen,
magnetischen und Wärmewirkungen nach. ¥jY untersucht die Umstände,
welche auf ihre Stärke von Einfluss sind , und vergisst auch nicht zu
zeigen, wie man sich für gewisse Zwecke inductionslose Stromleiter ver-
schaffen kann.
Nach diesen kurzen Andeutungen über den Inhalt der Farad ay' sehen
Abhandlungen wird man das grosse Aufsehen begreiflich linden, welches
sie hervorriefen. Um al)er Michael Faraday als Forscher ganz zu wür-
digen, muss man in Erwägung ziehen, dass er in eben demselben Zeit-
räume von 1831 bis 35 das Haupt- und Grundgesetz der Elektrolyse, sein
Gesetz der elektrochemischen Aequivalente entdeckte, und dass es dem-
selben Manne vorbehalten war, in dem nächsten Decennium noch zwei
ungemein wichtige Entdeckungen zu machen, die des Diamagnetismus und
der Wirkung des elektrischen Stromes auf das polaiisirte Licht.
„Kaum jemals**, so ruft Helm hol tz bewundernd aus, „hat ein einziger
Mensch eine so gi-osse Reihe wissenschaftlicher Entdeckungen von folgen-
schwerster Bedeutung gemaclit, wie Faraday.***) Wir können hinzufügen,
dass unter diesen Entdeckungen die bedeutendste die der Inductions-
elektricität war. Auf ihrem Gebiete liat Faraday, insofern es sich um
die Eruirung der fundamentalen Thatsachen handelt, seinen Nachfolgern
kaum etwas Nennenswerthes zu thun übrig gelassen.
Gleichwohl war der Wissenschaft nunmehr ein grosses Arbeitsfeld
eröffnet. Es galt nicht nur, die Beziehungen der neuen Thatsachen nach
allen Richtungen quantitativ zu präcisireii, iiir die Inductionsströme Mass
und Zahl zu Schäften, es galt vor Allem, eine mathematische Theorie auf-
zustellen, welche die Induction und die verwandten Ei*scheinungen gemein-
sam umfasst, es galt dann später, die Inductionselektricität vom allgemeinen,
mechanischen Standpunkte, vom Standpunkte des Princips der Erhaltun«^
der Kraft zu verstehen.
*) Vergl Helmlioltz's Vorrede zu der relxTsetzuiiu: der (redonksclirift „Faraday
und seine Entdeckungen'' von J. Tyndall.
176_
Mit Stolz könneil wir darauf hinweisen, dass diese schwierige und
gewiss nicht minder ruhmvolle Geistesarbeit Vorzugspreise von Männern
deutschen Namens gethan wurde, von Männern wie Lenz, Frz. Neu -
mann, Weber und Helmholtz.
Faraday war nicht der Mann für abstracte Untei-suchungen, dazu
fehlte ihm die mathematische Ausbildung. Er hatte ein hoch entwickeltes
Raumvorstellungsvermögen. Er erzählt, dass er in jüngeren Jahren Tay-
lor's Buch über Perspective studirt habe. Dieses Wenige genügte ihm,
um sich in den verwickelten räumlichen Beziehungen, welche bei vielen
seiner Beobachtungen in Betracht kamen, mit nie fehlender Sicherheit zu-
recht zu finden. Das Rüstzeug seiner Forschung war das Experiment.
Er war auch stets bemüht, die physikalischen Begriffe fern zu halten
von aller theoretischen Willkür, von Allem, was nicht treuer und unmittel-
barer Ausdruck der Thatsachen ist.
Aber, — wenn auch kein Zweifel sein kann, dass Farad ay's Art zu
forschen eine vorwiegend empirische war, wenn er uns auch Deductionen
in mathematischer Formel- und Zeichensprache nicht hinterlassen hat,
so hat er doch gerade durch seine Untersuchungen über Inductions-
elekricität bewiesen, dass ihm die Kraft des mathematischen Gedankens
gegeben war. Es wurde schon früher erwähnt, dass B'araday sich zur
Erklärung der Inductionserscheinungen eines eigenthümlichen Anschauungs-
bildes bedient habe. Dasselbe besteht in Folgendem :
Der Verlauf der magnetischen Kräfte, welche in der Umgebung eines
Magneten oder eines galvanisches Stromes geweckt werden, lässt sich
durch ein Curvensystem , das System der sogenannten Kraftlinien dar-
stellen. Das Liniensystem zeigt sich bekanntlich dem Auge, wenn man
feines Eisenpulver dem Spiel der magnetischen Kräfte aussetzt. Diese
Kraftlinien nun sind es, welche Faraday bei seinen Untersuchungen stets
vor Augen geschwebt liaben. p]r sieht sie im Geiste beim Entstehen und
Verschwinden des Magnetismus im Räume dahineilen, er verfolgt ihre Lage
und Gruppirung bei allen Experimenten und findet, dass die Entstehung
der Inductionsströme in irgend einem Leiter von dessen örtlichen Be-
ziehungen zum Kraftliniensystem abhängt. Der Leiter, den er, um sich ver-
ständlich zu machen, mit einer bewegten Messerklinge vergleicht, muss
Kraftlinien durchschneiden, wenn Induction stattfinden soll.
B'araday hält diese Veranschaulichung für so wichtig, dass er in
späteren Jahren noch einmal ausführlich darauf zurückkommt. Er definirt
gleichsam die elektromotorische Kraft der Induction durch den Satz: dass
im Leiter eine Wirkung summirt wird, welche stets gemessen ist durch die
Anzahl der durchschnittenen Kraftlinien.
Es ist gewdss merkwürdig, dass diese Auffassung der Inductions-
erscheinungen das Schicksal gehabt hat, lange Zeit fast ganz unbeachtet
zu bleiben. Erst neuerdings, da Faraday nicht mehr unter den Lebenden
177
weilt, ist ihr die volle Bedeutung einer mathematischen Conception zu-
erkannt worden. Der Mathematiker Maxwell hat nachgewiesen, dass der
Faraday'sche KraftUniensatz , in die Foimen der Analysis gekleidet,
vollständig geeignet ist, als (irundlage einer mathematischen Tlieorie der
Inductionsphänomene zu dienen.
Nach Alledem muss man wohl der Meinung von He Im hol tz bei-
pHichten, dass Faraday's Geistesentwiekelung ein ungewöhnliches Interesse
hat auch für manche Fragen der Psychologie und Erziehungslehre. Vor
Allem ist die Lebensgeschichte dieses Mannes ein glänzendes Beispiel
lür die Macht des Willens. Er, der als Kind nur den allergewöhnlichsten
Schulunterricht empfimgen, der erst in reiferen Jahren mit Bildungsmitteln
ernstlich in Berührung kam, er, der in Allem und Jedem Autodidakt war,
macht durch eisernen Fleiss, durch sti-enge Ordnung, durch gewissenhafte
Fliege der ihm innewohnenden Talente, den Traum seiner Jugend, ein
Naturforscher zu werden, zur Wahrheit, indem er sich emporschwingt in
die Ileihe der grüssten wissenschaftlichen Entdecker I Was hätte ihm seine
wunderbare Begabung genützt, hätte er sie nicht unterstützt durch eine
eben so bewundeniswerthe Thatkraft.
Farad ay lebte gänzlich zurückgezogen, nur seinen Arbeiten. Zu-
frieden mit den massigen Einkünften seiner Stellung, war er weit ent-
fernt, seine P^utdeckungen zu seinem Vortheil auszuimtzen. Der Trieb zum
wissenschaftlichen Forschen war so mächtig in ihm, dass er sich nicht
einmal Zeit nahm, sich ernstlich mit der Construction von Inductions-
maschinen zu befassen. Er selbst sagt in seiner zweiten Abhandlung:
„Ich habe mehr Verlangen danach gehabt, neue Thatsachen und
Beziehungen der Magnetinduction zu entdecken, als die Kraft der schon
ermittelten zu erhöhen, in der Ueberzeugung, dass das Letztere seine volle
Entwickelung späterhin finden wird".
Und so sehen wir ihn denn auch mit neidloser Freude die von Anderen
gemachten Anwendungen seiner Inductionselektricität begrüssen.
Eben so wenig wie nach Gelderwerb, trug Faraday Verlangen nach
einer glänzenden Stellung vor der Welt. Die Auszeichnungen und An-
erkennungen, welche auf den anspruchslosen Gelehrten förmlich herab-
regneten, die Eniennungen zum Mitgliede fast aller Akademien Europas,
zum Doctor verschiedener Universitäten, änderten Nichts an seinem be-
scheidenen Wesen. Als ihm der höchste wissenschaftliche Elirenposten
seines Landes, der Präsidentenstuhl der Royal Society angetragen wurde,
schlug er denselben behaiTÜch aus. Auf das dringende Zureden eines
Freundes giebt er zur Antwort, er müsse einfach Michael Faraday
bleiben.
P'araday starb im Jahre 1867, in demselben Jahre, in welchem durch
die Erfindung der dynamoelektrischen Maschine die Magnetelektricität ein
Gegenstand von grösstem praktischen Interesse wurde.
12
Mb
Weun man heutigen Tages die Folgen überblickt, welche die Ent-
deckungen des Elektromagnetismus und der Inductionselektricität seit
50 Jahren gehabt haben, so wird man diese Folgen zumeist in der Er-
weiterung der physikalischen Erkenntniss und in den technischen Nutz-
anwendungen finden. Man wird aber auch nicht verkennen, dass diese
Entdeckungen eine Folge gehabt haben, welche weit hinausreicht über das
Wissenschaftsgebiet, dem dieselben angehören.
Die Thatsache, dass es die richtig geleitete Beobachtungskunst von
Männern mit vorzüglicher praktischer Begabung war, welche wie im Fluge
der Wissenschaft ein neues Gebiet, der Technik eine neue Bahn geschafien,
hat sehr wesentlich dazu beigetragen, nicht nur den Sinn für die Experi-
mentalphysik, sondern für die experimentelle Forschung überhaupt, anzu-
regen und zu fördern. Sie war eine ernste Mahnung, neben dem abstracten
Wissen nicht das praktische Können zu vergessen. Sie hat auch mittelbar
dazu beigetragen, dass diejenigen Wissenschaften, welche ihre Dienste den
praktischen Bedürfnissen des Menschengeschlechtes widmen , diejenigen
Wissenschaften, deren Pflege vorzugsweise den technischen Hochschulen
obliegt, in ihrer Bedeutung fiir die Völkerkultur mehr und mehr anerkannt
worden sind.
Freuen wir uns, dass in dieser Richtung heutzutage Deutschland mit
seinen Hochschulen, seinen wissenschaftlichen und praktischen Instituten
und Lehranstalten anderen Staaten vorangeht.
Lassen Sie es uns heute ganz und voll empfinden, dass namentlich im
Königreiche Sachsen wie die Wissenschaft so die Kunst und Technik blüht
und gedeiht, unter dem Scepter unseres weisen und allgeliebten Königs!
Druck vou E. Blochmann A Sohn in Dresden.
Berichtigungen,
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3
1
iiiziisDeni
der
Naturwissensehaftliehen Gesellschaft
leii
in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redaetlons-Comitö.
Jahrgang 1886.
Januar bin Juni.
Mit 3 Taleln.
ll
Dresden.
In Commission von WarnatZ &. Lehmann, Kgl. Sachs. Hofbuchhänaier.
1886.
□ 1886. P
M
J. ^ frirJ
Kedaotioxxs-Oomitö fQp 1886.
Torsltzendeir s Geh, Hafrath Prof. Dr. H. B. Geinitz.
Mitglieder: Freiherr T>. von Bied ermana, Profi Br. 0. Drude, Prof. Dr
A. Hariiack, Bergingenieur A. Purgoid, Prof. Dr. E. Ulbricht, Prof! Dr
B. Vetter und Br. J. Y. I> eicbm üller, als verantwortlicher Redacteur
Inlialt.
Mitglieder-Terzelcluiiss S. Jfl.
I. Sitzixrii^sberichte.
Kekrologr: Frz. Trgt. Osmar Tlicime f S. 3.
I« SecMou für ZoolAfri«» s; o -bt ^
Hngen S. 9. - Reibisch TM. *^^*f e, -E-: Duftapparate bei Schmetter-
ThTerwelt der Rivfera di PoJp^Vo\?';^t^^'' ^v "• " »«^hneidor, 0.: Die
S.10;äberr«cÄm^WoZ?"®i5^*f' ^- ",-.— Vetter, B.: W. B. Carpeater t
Vorlagen S. n ^^*'' "" ^^»mutlileichen ans Sibirien S. 11 ; Literatur-
msse uer wviera di Ponente S i «"""^V*^*"' "•= ^-"^ Ve^etationsverMIt-
Weber, A.: Referat über H SrT.f',.ir ^.***^™e, 0.: PUzmodeUe S. 12. -
m. Seetion «r Mlneraloirfe '«„^ V? ' ^'»'ogie der Wassergewäclise S. 13.
Muvialbilduugen im Zittauer Ö.'L,!^*"^®?'® »• 14. - Danzig, E.: Die
ÄP'^"*'"*; ^°" Roehüt/s if9%S%^'^g^ S. 18. - Deiclimüller, J.:
ÄfL*"u'^^S R"*Wiegeuden rf'oJ^Tff^** ^^^ H.Credner, Die Stego-
wS^iff • "■=.l'atl»o1ogiedo:^V^^^"*'"^'^l'e° Grundes. 5. th. S.15.-
krjstaUinischer Schiefer S.oj "«'^^ Gesteine S. 18; Xatur und Dentimg
die WinkeTan'Ä"'««» *»«« K m?«. J^iterati.r S. 21. - Geinitz^
Krakatau S ^. „T'^^'r"."^'-« S. i6?'"4f*?*«*nschen Museums S. 14; über
über P flröt^- mT ^ '«»"atur S i« ^^*?'-*' "ber lt. D. M. Verbeek,
-fdulafvom &fcr/'VA-«*ätten^H^^ ^^: T Purgold, A.: Referat
lieber DreikÄr c^'"«*? Cölcsti," V?« f «^^"'^ V^ '""' über Hintze.
"",*«» S. 21. _ V. Biedermann. D.:
nit^ -Lagunen von Venedig S. 23;
,iri„^ 'i • ^•■- ^'e"e Erwerbungen der
< > 1 1 ^Sischen Museums S, 23; Vor-
3ci;«rr«*'ne, W.: Ueber ungarische
»»zekeir^ -"»"onzeschmuck S.21; Vorlagen
V « « -' •■•• 'oriagen ^ o,— -dinl.^V»« der Elbe beiDresden S.23^-
V. Seetion tür PJiv.it ^ , * ?^- * **"e stele etnische S. 23. -
auf dem Gebiete ,1 5" *• *'''®'n*e S 2^
"»a nbererdnmg„etist-]b?^«'»«t*s S.23. - Neubert, G.:
" ^ -•»eobachtungen in Sachsen S. 26.
SiM
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
Heraufigegeben
von dem Redactions-Comite.
Jahrgang 1886.
(Mit 3 Tafeln und 6 Holsschnitien.)
Dresden.
In Commission von Yanatl k Leknau, Königl. Sachs. Hofbnchhindler.
1887.
Inhalt des Jahrganges 18S6.
Mtti^edmentieliiüss 8. III.
I. Sitzungsberichte«
Hekr^lor: Frz. Trgt. Oimar Thflme t 9- 8.
L Seettoii für Zoolngie S. 9 n. 45. — Ebert, R.: üeber Leben nnd Tod 8. 45;
die BefcbrAnknng der menseblichen Willensfreiheit und die Berechtigang und
Bedeutung der Strafe und Verantwortlichkeit 8. 45. — Haaie, £.: Doftapparate
bei Schmetterlingen S. 9; Vorfahren der Ineecten 8. 45. — Reibiech, Th.:
Vorlagen 8. 11. — Schneider, 0.: Die Thierwelt der BiTiera di Ponente
8. 11. ^ Vetter, B.: W. B. Carpenter t 8. 10; über TocAea PhaseoU,
Mammntfaleichen aus Sibirien S. 11; Arbeiten über die (^ehimepiphyte S. 45;
litt erator- Vorlagen S. 11.
II. Seetfon fOr Botanik S. 12 n. 46. — Drnde, O.: E. Boissier f 8. 12; die Flora
▼on Radebarg bei Dresden, Inschriften an Bftnmen 8. 12; die natürliche syste-
xnatiscbe Anordnung der Blüthenpflanzen S. 46; die gegenwärtigen Hülfsmittel
der botanischen Mikroskopie 8 48; und E. Friedrich: Ueber Pinw mon-
tana 8. 12. — Engelhardt, H.: Litteratur-Besprechang S. 18. — Oeinitz, H. B.:
Geologische Bemerkungen über die Gegend von Radeburg 8. 12. — Kosmahl, F.:
Vorlagen 8. 12. — Reiche, K.: Ueber floristisch interessante Bürger Sachsttis
8. 46; Litteratur-Besprechnng 8. 18 u. 47. — Schneider, 0.: Die Vegetationt-
▼erh<nisse der Riviera di Ponente S. 12. — Thüme, 0.: Pilzmodelle von Do-
nath 8. 12. — Weber, A.: Referat über H. Schenk, Biologie der Wasser-
gewächse 8. 18. — Vorlagen 8. 46.
III. Seetlon fttr Mineralogie und Geologie 8. 14 u. 48. -^ Dan zig, E.: Die Diluvial-
bildungen im Zittauer Quadergebirge 8. 18. — Deichmüller, J.: üeber Ge-
steine von RochÜtz 8. 15; Referat über H. Credner, Die Stegocephalen aus
dem Rothliegenden des Plauehschen Grundes. 5. Th. 8. 15. — Engelhardt, H.:
Pathologie der Gesteine 8. 18; Natur und Deutung krystallinischer Schiefer 8. 21;
neue Litteratur 8. 21. — Geinitz, H. B.: Neue Erwerbungen des K. minera-
logischen Museums 8. 14; über die Winkel an Dreikantnem 8. 16; Granat -
kiystalle von der Dominsel in Breslau und Gloggnitzer Forellenstein 8. 48;
Referat über R. D. M. Verbeek, Erakatau 8. 20; Litteratur-Besprechung 8. 18,
19, 48u. 49. — Heger, R.: Erystallmodelle von Mohn 8.48. —Purgold, A.:
Ueber Rothgiltigerz und Silberglanz 8. 49; Mineraleinschlüsse im Granulit Ton
Waldheim 8 50; Referat über P. Groth, Minerallagerstätten im Dauphin^ S. 16,
über Hintze, Adular vom Gotthardt und Cölestin von Lüneburg S. 19, über
E. Geinitz, Seen, Torfmoore und Flossläufe Mecklenburgs 8. 49. — Theile, F.:
Ueber Dreikantner 8. 18. — Zsohau, E.: Neue Mineralfunde aus dem Plauen-
sehen Grunde 8. 49.
rV. Seetlon für priUilstoiisebe Forsebnngen 8. 21 u. 51. ^ ▼. Bänsch, W.: Ueber
Sühnkreuze' 8. 52; über den Ragower Silberfund 8.52. --▼. Biedermann. D.:
Die Ausgrabungen Battaglinis in den Lagunen von Venedig 8. 28; Bronze-
funde von Postolberg in Böhmen und vom Tatzberg bei Dresden 8. 52; neue
Litteratur S 21 u. 22. — Deichmüller, J.: Ueber die Generalversanunlung
der Niederlausitzer Ges. f. Anthropologie und Urgeschichte zu Cottbus 8. 51;
Über einen Bronze • Hohlkeit von Pirna 8. 52. — Döring, H.: Ueber einen
Serpentinhammer Ton Mobendorf bei Freiberg 8. 51. — Funcke, H.: Prähist.
Funde bei Erweiterung des Carolasees bei Dresden 8. 51. — Geinitz, H. B.:
Neue Erwerbungen der prähistorischen Abtheilung des E. mineralogischen Mu-
seums 8. 28 ; über Steinkreuze 8. 51 ; Vorlagen und Litteratur-Besprechung 8. 28
u. 51. — Osborne, W.: Ueber ungarische Bronze- und Kupferwaffen und ait-
italische^ Bronzeschmuck 8. 21 ; Prähistorisches von Sylt und ans Siebenbtlrgen
8. 52; Vorlagen S. 28 n. 52. — Raspe, F.: Ueber einen Bronze- Hohlheit t aus
der Elbe bei Dresden 8. 28. — Senoner, A.: Ueber G. Gozzadini, Di due
Stele etrusche 8. 28. — Staues, W.: Vorlagen 8. 22. — Wiechel, H.: Ueber
die Generalversammlung der deutsch, anthropolog. Ges. in Stettin 8. 51.
IV
T. Seetfon fOr Fhjgik und Chemie S. 28 u. 52. — Hagen, £.: Die neueren elek-
trischen Bogenlampen fOr Parallelschaltung S. 52. ^ Möhlan, R.: Nene I^*
findungen auf dem Gehtete der lUrberei und des Zen^moks S. 23. — Neu-
hert, G.: üeher Thermometer und üher erdmagnetische Beohachtungen in
Sachsen S. 25.
TL SectioB für Mathematik S. 25 u. 54. — Burmester, H.: Ueher Geradführung
und Proportionalit&t am Indicator 8. 25. — Frftnkel, W.: üeher das Mo-
menten-Planimeter von Am s 1er S. 54. — Harnack, A.: üeher unendliche
Punktmengen S. 25. — Rohn, G.: Die Wienerischen Modelle fiOr Ramn-
cuTTcn S. 25; üher LinienfliM^hen 4. Ordnung und Modelle dieser Flächen
S. 54, — Witting, A.: üeher Gonfigurationen 8. 54,
TU. HaeptrorsammluiireB S. 26 n. 55. — Verftndemngen im Mitgliederhestande
8. Bl n. 60. — RechnungsahschluBS für J 885 8. 26, 27 u. 33. — Voranschlag
Ar 1886 8. 26 u. U. ^ Freiwillige Beitrag« sur Gesellschaftskasae 8. 62. -
Termehrnng der Bihliothek 8. 85^ 55 n. 66. — Beschluss üher die Benutzung
der Bihliothek 8. 57 u. 59, die Aufstellung einer neaen Bihliotheksordnung
8. 59. — Wahl eines 1. Bihliothekars S. 27. -~ Beamte der GeseUsehaft für
1887 8. 64. — Engelhardt, H.: üeher Tertiftrpflanxen aus Schlesien 8. 26;
die Transpiration der Pflajuen 8. 2B; Machruf an Osmar Thüme 8. 27; neue
Idttorator 8. 26. — (xeinitz, H. B.: üeher Argyrodit und Germanium 8. 26;
Gesteine aus Westafrika 8.- 28; Wanderversammlun^en gelehrter Gesellschaften
1886 8. 28; üher 8teinkreaze 8. 55 ^ Üher amerikanische Tertiärversteinerungen
8. 57; üher Erdftlle hei Gera 8. 60; Nekrolog von E. von Otto S. 27; Litterator-
Besprechung 8. 26, 27, 80, 81, 57-59. — Purgold, A.: Das naturgesehicht-
Uche Museum in Brüssel 8. 29. — Reiche, K.: Die Flora von Leipzig 8.55. —
Schneider, C: Die Riviera di Ponente 8. 27. «~ Siemens, F.: Die Dissoda-
tion der Verhrennungsprodukte und ihre Bedeutung für die Pyrotechnik S. 26. —
Steche, F.: Üeher Steinkreuze S. 56; üher den »Taufstem* hei ObercrinitE
8. 56.
Exeordonen SL 26 u. 60. — Besuch der F. Siemens'achen Glashütte in Dresden
8. 26. ^- Excursion nach dem Gorlschetein hei Eönigsteift S. 60.
II. Abhandlungren.
L Siemens, Fr.: Dia Dissociation der Yerhrennungsprodukte und ihre Bedeutung
für die Pyrotechnik* mit Tafel I und U, 8. 8.
n. Geinitz, F. £.: üeher einige Lausitzer Porphyre und Grünsteine, sowie den
Basalt aus dem Stohpener Schlosshrunnen S. 18.
m. Keuhert, G.: Die Temperatur des Erdhodena in Dresden, mit Tafel m, S. 21.
IV. Danaig, £.: Bemerkui^ea üher das DUuyium innerhalh des Zittauer Quader-
gebirffes 8. 8a
V. Drude, O.: Edmond Doissicr und seine ,,Flora orientalis' 8. 33.
VI. Hofmann, H,: üeher Selenschw^felkiystalle 8. ia
YU. Reiche, K.: Die Flora von Leipzig 8. 43.
YIIL Purgold, Ä«: Einige regelmässige Verwachsungen des Rothgiltenerzea, mit
3 Holzschnitten, 8. 53.
IX, Danzig, E.: Weitere Mittheilung^n üher die Granite und Gneisse der Ohezlausitz
und des ajigrenzenden Böhmens 8. 57.
X.. Drude, 0.: Die natürliche systematische Anordnung der Blüthenpflanzen S. 75.
XI. Haase« £ : Die Vorfahren der Insecten, mit 8 Holzschnitten, 8. 85.
XII. Deiehmüller, J.; Die Meteoriten des Königlichen Mineralogischen Museums
in Dresden 8* 92.
JHe Autoren aiiMl aUeln verantwortUch für den InhaU ihrer Ab'
handZungen.
Die* Autoren erhalten Ton den AbbaAdlongen 60, Ton den Sitzungs-
berichten anf besonderen Wunsch 25 8eparatabzfige gratis, eine grössere
Zahl gegen Erstattung der Heistellungskoeten.
Sitzungsberichte
der
naturwissenöchaftliclieii Gesellschaft
xezs
in Dresden.
1886.
Verzeichniss der Mitglieder
der G-esellschaft
lei:
DRESDEN
Im Juni 1886.
(Berichtigungen bittet man an den Secretür der Gesellschaft, z.Z. Dr. J.Y. Deichmfliler
in Dresden, zu richten.)
-K^^.
SBESSEN.
Druck von E. Blochmann & Sohn.
188«.
in
I. Wirkliche HitgUeder.
A. In Dresden: Jahr der
1. Abendroth, Ghit. William, Dr. phil., Prof., Gonrector an der Kreuz-
Bchule 1877
2. Amthor, C. E. A., Dr. phil., Oberlehrer an der Kreuzschale . . . 1877
3. Baldauf^ G. Louis, Bürgerschullehrer 1872
4. Baumeyer, G. G. Herrn., privat. Apotheker 1852
5. Baiimgarten, O. Louis, Dr. phil., Prof. am Neustadter K. Gymnasium 1879
6. BeiNMr, G. Ernst, Prof., Oberlehrer am Annen-Realgymnasium . . . 1863
7. Beyer, Benj., Privatus 1885
8. Beyer, Th. Washington, Maschinenfabrikant 1871
9. V. Biedermann, Detlev Willibald, Frhr., Eentier 1871
10. Blasohka, Budolf, Olasmodelleur 1880
11. Bley, J. W. Garl, Apotheker und Droguist 1862
12. Bioohmann, H. W. Glemens, Buchdruckereibesitzer 1869
13. Bodemer, Jac. Georg, Bentier 1866
14. V. Böse, G. Moritz, Dr. phil., Ghemiker 1868
15. Bothe, F. Aib., Dr. phil., Prof. am Neustadter Realgymnasium . . 1859
16. Brüokmann, Jul. Andr., Dr. med., Medicinalrath 1870
17. Brüokner, Sam. Gst, Institutslehrer 1867
18. Buok, Anton, Gonsistoriabrath, Hof-Gaplan und Präses des kath. geistl.
Gonsistoriums 1871
19. V. Burgk, Arth., Frhr., K, Kammerherr, Gommendator des Johanniter-
ordens 1886
20. Burmester, L. E. Hans, Dr. phil., Prof. am K. Polytechnikum . . 1875
21. Calberla, G. Moritz, Privatus 1846
22. Caro, Ldw. F. H., Dr. phü., K. Hofapotheker 1873
23. Carua, Alb. Gst., Dr. med., Hofrath 1856
24. Chalybaeus, G. Hob., Prem.-Lieuten. a. D., Secretar im K. Standes-
amt HI 1881
25. ChriBtUeb, Garl, privat. Apotheker 1877
26. ClatUM, G. W., Iiwtitats- und Gewerbeschul-Director 1869
27. Cohn, Theod., Dr. med., Privatus . 1879
28. Deiohmüller, Job. V., Dr. phil., Directorial-Assistent am K. minera-
logischen Museum 1874
29. Deitl, F., Kanzlei-Secretar bei der österr.-ungar. Gesandtschaft . . 1885
30. Döring, Herm., Bezirksschullehrer 1885
31. Breohsler, Herm. Adolf, Dr. phil., Hofrath, Director des K. physik.-
mathem. Salons 1854
32. Drude, Ose., Dr. phil., Prof. am K. Pol3rtechnikum und Director des
K. botan. Gartens 1879
33. Ebert, Gst. Bob., Dr. phU., Oberlehrer am Vitzthum'schen Gymnasium 1863
34. Ebert, Otto, Lehrer am Taubstummen-Institut 1885
35. V. Engelhardt, Bas., Kais. Buss. KoUegien-Secretär a. D 1884
36. Engelhardt, Frz. Louis, Buchhalter in der Stadtgärtnerei .... 1882
37. Engelhardt, Herm., Oberlehrer am Neustädter Bealgymnasium . . 1865
38. Engelmann, Alb. Alex., Bergdirector, Gonsul von Ghile 1870
1*
IV
Jahr da
39. Erler, Otto, Landwirth 1884
40. Fessler, Jul., Particulier 1862
41. Fischer, C. E., Porzellanmaler 1852
.42. Piflcher, F. Hugo Rob., Prof. am K. Polytechnikum 1879
43. Flamant, A., Maler 1875
44. Pränkel, Wilh., Dr. phil., Baurath, Prof. am K. Polytechnikum . . 1866
45. Freyberg, Joh. Ad., Lehramts-Cand., Assistent am K. Polytechnikum 1882
46. Friedrich, Chr. 0. G., Apotheker 1884
47. Friedrich, Edm., Dr. med 1865
48. FritBSChe, Ldw. Ose, Münzwardein 1868
49. Funcke, Hugo Alfr., Dr. phil., Oberlehrer an der Kreuzschule . . 1879
50. Gtonpe, Theod. H., Schriftsteller 1882
51. Ganssauge, W. 0., Kaufinann 1879
52. Cteinita, Hanns Bruno, Dr. phil., Geh. Hofrath, Prof. am K. Poly-
technikum und Director des K. mineralog. Museums .... 1838
53. GeisBler, Ew. Alb., Dr. phil., Chemiker 1877
54. Qilderdale, John Smith, Eev., englischer Geistlicher 1872
55. Grübler, Mart., Dr. phil., Privatdocent am K. Polytechnikum . . 1886
56. Günther, C. Bernh., Bankier 1861
57. Günther, B.ud. Biedermann, Dr. med., Geh. Medicinalrath, Medicinal-
Beferent im K. Minist, des Innern, dirig. Oberarzt am Carolahause 1873
58. Guthmann, Louis, Fabrikbesitzer 1884
59. Hftnel, Georg F., Dr. med., Augenarzt 1877
60. Ha«en, Ernst, Dr. phil., Prof. am K. Polytechnikum 1877
61. Hammer, Arth., Bürgerschullehrer 1885
62. HantEBch, C. A., Weinhändler ^ 1860
63. HantBSch, Eud. Georg, Weinhändler 1862
64. Hamack, C. Gst. Axel, Dr. phil., Prof. am K. Polytechnikum . . 1877
65. Hartig, C. Ernst, Dr. phil., Regierungsrath, Prof. am K. Polytechnikum 1866
66. HauBchüd, Cl. Th., Kentier 1883
67. Haymann, Alfr. Th., Kaufinann 1875
68. Heger, G^t. Eich., Dr. phiL, Prof. am K. Polytechnikum, Oberlehrer
am Wettiner Gymnasium 1868
69. Helm, G. Ferd., Dr. phil., Oberlehrer am Annen-Bealgymnasium . . 1874
70. Hempel, Walth. Matthias, Dr. phil., Prof. am K. Polytechnikum . 1874
71. Heyde, C. Gst. Th., Mechaniker 1883
72. Hirt, F. Eob., Fabrikbesitzer 1886
73. Hofinann, Alex. Emil, Dr. phil., Medicinal-Assessor, ord. Mitglied
des Landes-Medicinal-Coüegiums 1866
74. Hoftnann, Gst. Bruno, Apotheker 1858
75. Hoftnann, Herm., Dr. phil., Lehramts-Cand., Assistent am K. Poly-
technikum 1885
76. Hofineister, F. A. Victor, Dr. phiL, Prof., Lehrer der Chemie an
der K. Thierarzneischule 1867
77. Hottenroth, A. Edm. Wold., Lispector beim städtischen Vor-
messungs-Amte 1862
78. Tlling, Feodor, privat. Apotheker 1882
79. Jacoby, Jul.. Kaufinann 1882
80. Jftger, F. Ed., Commissionsrath 1868
81. Jani, F. Herm., Particulier 1871
82. Jenoke, J. Fr., Hofrath, Director der K. Taubstummenanstalt . . 1843
83. JentBch, Joh. Aug., Bezirksschullehrer 1885
84. Kahl, E. Gst., Dr. phü., Major z. D 1862
85. Kayser-Langerhanns, Agnes, Sanitätsraths Wwe 1883
86. Kell, C. Herm., Geh. Finanzrath 1871
87. Kell, £ich., Dr. phil., Oberlehrer am Annen-Realgymnasium . . . 1873
88. Kelling, C. F. Emil, Civil-Ingenieur 1879
89. Kirsch, Frz. Wilh. Theod., Custos am K. zoolog. Museum .... 1856
V
Jahr d«r
Attfaalime.
90. Klein, Herrn., Dr. phil., Prof. am Yitztbum'schen Gymnasium . . 1863
91. Elenoke, Jul. W. Herrn., Dr. med 1882
92. Klette, Alphons, Rentier 1883
93. Köhler, Alex., Verlagsbuchhändler 1884
94. Kopeke, Glauss, Geh. Finanarath 1877
95. Kohl, Otto, Obergärtner in der Stadtgärtnerei 1872
96. Kramsta, Eich., Privatus 1868
97- Krause, G. F., K. Garten-Director 1848
98. Krohn, Alex. A. W., Particulier 1879
99. Krone, Herm., Photograph, Privatdocent am K. Polytechnikum . . 1852
100. Kühnscherf; C. F. Emil, Fabrikant 1866
101. KuntBe, F. Alb. Arth., Bankier 1880
102. y. Langsdorfi; 0., Oekonomierath 1885
103. Laue, Adolph, KammermuBikus 1885
104. V. Ledebur, Hans Em., Frhr., Landwirth 1885
105. Lehmann, Jul., Dr. phil., Professor a. D 1852
106. Leuner, Osk., Instituts-Mechaniker am K. Polytechnikum .... 1885
107. Lewiold, J. Leonidas, Regiei-ungsrath, Prof. am K. Polytechnikum 1875
108. Lodny, Job., Organist und Bürgerschullehrer ........ 1881
109. Meissner, Linus, BürgerschuUehrer 1872
110. Heyer, Ad. Bernh., Dr. med., Hofrath, Director des K. zoolog. und
anthrop.-ethnogr. Museums 1875
111. Möhlau, Kich., Dr. phil., Prof. am K. Polytechnikum 1881
112. Mohr, 0. Chr., Baurath, Prof. am K. Polytechnikum 1875
113. Müller, Bruno, Baumeister 1884
114. MüUer, Hugo, Dr. jur., Herzogl. Sachs. Geh. Eath 1870
115. MüUer, Eud. Louis, Dr. med 1877
116. Naoke, Em. Herrn., Civil-Ingenieur 1876
117. Neubert, Gst. Ad., Prof. beim K. 8. Cadetten-Corps 1867
118. Niedner, Chrtn. F. Frz., Dr. med., Medicinalrath, Stadt-Bezirksarzt 1873
119. Nowotny, Frz. Seraph Wenzl, Ober-Finanzrath, Mitglied der
General-Direction der K. 8. Staatsbahnen 1870
120. Oettel, Felix, Dr. phil., Assistent am K. Polytechnikum .... 1883
121. Opelt, Eob. Tb., Ober-Finanzrath, Mitglied der General-Direction
der K. S. Staatsbahnen 1879
122. Osbome, W., Rentier 1876
123. Pabst, Camillo, privat, Apotheker 1884
124. Peuckert, F. A., Institutslehrer 1873
125. V. Fisohke, Nicolai, Kais. Russ. Oberst a. D 1865
126. Pötsohke, Jul., Techniker 1882
127. PoBCharsky, G. W. K, Prinzl. Hofgärtner 1852
128. Pröll, W. Rud., Dr. phil., geprüfter Civil-Ingenieur 1878
129. Putsoher, J. W. H., Privatus 1872
130. Babenhorst, 0. G. Ldw., privat. Apotheker 1881
131. Raspe, Friedr., Dr. j)hil., Chemiker 1880
132. Reiche, Carl, Dr. phil., Assistent am K. Polytechnikum .... 1886
133. Reiche, F. A. Ferd., Privatus 1863
134. Reinioke, Ghelf. F., em. Seminar-Oberlehrer 1839
135. Ritter, Frz. A. Em., Dr. med 1883
136. Rittershaus, Herm. Trajan, Prof. am K. Polytechnikum .... 1875
137. Römer, G«t. Ldw., Conservator am K. zoolog. Museum 1856
138. Römisch, Osw. Erb., Oberrechnungskammer-Präsident a. D. . . . 1882
139. Rohn, C, Dr. phil., Prof. am K. Polytechnikum 1885
140. Russ, Auffustus Ph., K. Hawai'scher Consul 1881
141. Salbach, Beruh. A., Baurath, Prem.-Lieuten. a. D 1872
142. SchaflBuer, G. Herfort, Particulier 1866
143. Sohickert, V. Hugo W., Privatus 1868
144. Schiller, Carl G., Privatus 1872
VI
Jahr dar
Anftaahme.
145. Schlutter, F. E., Privatgelehrter 1870
146. Schmidt, Moritz W., K. Wasserbau-Director 1873
147. Schmitt, Rud. W., Dr. phil., Hofrath, Prof. am K. Polytechnikum . 1870
148. Schmorl, E., privat. Kaufmann 1863
149. Schneider, Ose, Dr. phil.^ Oberiehrer am Annen-Realgymnasium . 1863
150. Schramm, C. Trgt., em. Cantor und Oberiehrer 1843
151. Schulze, Jul. F., privat. Apotheker 1882
152. Schiinke, Th. Huldreich, Dr. phil., Seminai^Oberiehrer 1877
153. Schurig, Rob. Ew., Seminar-Oberiehrer 1877
154. Seeli«, Eduard, Dr. phil., Assistent am K. Polytechnikum .... 1886
155. Seidel, C. F., Maler und Zeichnenlehrer 1860
156. Seidemann, Gst., Maler 1864
157. V. Seydlita, F., Privatus 1876
158. Siemens, Fr. A., Civil-Ing enieur und Fabrikbesitzer 1872
159. Siemers, Auguste, Fräulem 1872
160. Siemers, Florentine A. A., Tonkünstlers Wwe. 1872
161. Sperber, C. Jul., Geh. Regierungsrath 1885
162. Spinner, Ad. L. Joh., Zahnarzt 1875
163. Steinhoff, Oaes. F. W., Rittergutsbesitzer 1884
164. Stöhr, Hans Ad., Redacteur der Dresdner Nachrichten 1874
165. Stötzer, Emil A., Bürgerschullehrer 1866
166. Streit, Guido W., Verlagsbuchhändler 1881
167. Struve, Ost. Ad., Dr. phil., Stadtrath und Fabrikant künstlicher
Mineralwässer 1843
168. Stübel, Moritz Alphons, Dr. phil., Geolog 1856
169. Sussdorf, J. GfrcL, Hofrath, Prof., Apotheker an der K. Thier-
arzneischule 1858
170. Töpler, A., Dr. phil.. Geh. Hofrath, Prof. am K. Polytechnikum . 1877
171. Uhle, C. Louis, Rittergutsbesitzer 1882
172. Ulbricht, R., Dr. phü., Professor a. D 1884
173. Ulbrioht, Rieh., Dr. phil., Telegraphen-Oberinspector 1885
174. Vetter, Benj., Dr. phil., Prof. am K. Polytechnikum 1874
175. Vetters, C. W. E., Bürgerschul-Oberlehrer 1865
176. V. Vieth, Job., Dr. phil., Oberlehrer am Neustädter K Gymnasium 1884
177. Vogel, J. Carl E., Fabrikbesitzer 1881
178. Vollbom, Astulf Rigdag, Generalmajor z. D., Genie-Director und
Director des topogr. Bureaus im K. Generabtabe a. D. ... 1867
179. Vorlander, Herm., Rentier 1872
180. WaokwitE, J. C. H., Baumeister 1878
181. Wamats, Heinr. G. F., K. Hofbuchhandler 1873
182. Weber, Fr. Aug., Instituts-Oberlehrer 1865
183. Weibezahl, G. Ose., Kaufmann 1879
184. Weissbach, J. C. Rob., Architect, Baurath, Prof. am K. Poly-
technikum 1877
185. Weissflog, Eugen, privat. Kaufinann 1874
186. Welemensky, Jac, Dr. med 1882
187. Wieohel, Hugo, Betriebs-Ingenieur an den K. S. Staatsbahnen . . 1880
188. Wilkens, C. F. Gff.,.Dr. phiL, Procurist und Dii-ector der Steingut-
fabrik von ViUeroy und Boch 1876
189. Wilkinson, James, Privatus 1886
190. V. WitBleben, Baron 1881
191. Wobst, C. Aug., Oberlehrer am Annen-Realgymnasium 1868
192. V. Zahn, Rob., Yerlagsbuchhändler 1884
193. Zeuner, Gst. Ant., Dr. phil.. Geh. Rath, Prof., Director des
K. Polytechnikums (vergl. auch S. IX) 1874
194. Zsohaii, E. Fchgtt., Prof., Lehrer der Naturwissenschaften . . . 1849
195. Zsohuppe, F. A., Vermessungs-Ingenieur 1879
VII
Jfthr der
Auftuthiiw.
B. Ausserhalb Dresden:
196. y. Boxberg, Georg, Relinsdbrf in der Lausitz 1883
197. y. Garlowits, Majoratsherr auf Schloss Kukuksstein bei Liebstadt . 1885
198. Deokert, F. C. Emil, Dr. phil., in Loschwitz 1877
199. Degenkolb, Bittergutsbesitzer auf Rottwemdorf bei Pirna . . . 1870
200. Donath, Rinaldo, Besitzer der „Neuen Welt" in Tolkewitz . . . .1876
201. Heuer, Ernst, Fabrikant in Cotta bei Dresden 1879
202. Keseelmeyer, Carl, in Altrincham, Gheshire 1863
203. Koemahl, F. A., Oberförster in Markersbach bei Hellendorf . . . 1882
204. Neuhaus, Ose. Alb., Chaussee-Inspector in Niederfehra bei Meissen 1883
205. Nigolewaky, A. Moritz, Inhaber einer Vorbereitungs -Anstatt für
höhere Lehranstalten in Plauen bei Dresden 1861
206. Pohl, Ant.. Maler in Blasewits 1886
207. Purgold, A., Berg-Ingenieur in Bla^ewitz 1880
208. Bau, Herrn., Lieutenant der Bes. und Gutsbesitzer in der Lössnitz 1875
209. Beiblsoh, Hartwig F., Conservator in Plauen bei Dresden . . . 1866
210. Beiblsoh, Th. F., Instituts-Director in Plauen bei Dresden . . . 1851
211. Biohter, Herrn. J., Pianist in Badebeul 1882
212. Bohrwerder, Fei. Jul. Beinh., Betriebs-Ingenieur in Potschappel . 1875
213. Sohmidt, Paul, Maler in Blasewitz 1885
214. Sohreiter, Br., Berg-Director in Berg^esshübel 1883
215. Thümer, Ant. JuL, Instituts-Director in Blasewitz 1872
216. Treutier, Gst., Dr. med. in Blasewitz 1882
217. Welse, Dr. med., Oberstabsarzt in Blasewitz 1886
218. Zipfel, E. Aug., Bürgerschullehrer in Striesen 1876
n. EhreninltKlleder. ji^ d«
™ Auftaabme.
1. Aga^siB, Alexander, Dr. phil., Gurator des Museums of compar. Zoology
in Cambridge, Mass. . 1877
2. Barry, Sir Bedmond, Kanzler der Universität in Melbourne . . . 1867
3. V. Beust, IViedr. Const., Frhr., K. K. Ministerialrath und Inspector
der Bergwerke in Torbole, Tirol 1852
4. Blyth, Edwanl, Director des zoolog. Museums der Asiatic Soc. in Calcutta 1862
5. V. Boxberg, Ida, Bittergut Zschoma bei Radeburg 1877
6. CaruB, Jul. Vict., Dr. phil., Prof. an der Universität in Leipzig . . 1869
7. Cattley, Edward, Mrs., in Boumemouth, England 1864
8. Daubröe, Aug., Membre de Tlnstitut, Directeur de FEcole des mines
in Paris 1867
9. V. Dechen, E. Heinr., Dr. phil., wirklicher Geheimer Eath und
Oberberghauptmann a. D., Exe, in Bonn 1863
10. Dohm, Carl Aug., Dr., Präsident des entomolog. Vereins in Stettin 1845
11. Buflos, Adolph, Dr. phil,, Prof., K. Pr. Geh. Kegierungsrath a. D.
in Annaberg 1866
12. von Ettingshausen, Const., Frhr., Dr. phil., Eegierungsrath, Prof.
an der Universität in Graz 1852
13. Flügel, Fei., Dr. phil., in Leipzig 1855
14. Fraas, Ose, Dr., Studienrath und Professor in Stuttgart 1867
15. Fritsohe, F. W., Professor und Bergrath a. D. in Freiberg . . . 1868
16. GkJIe, J. G., Dr., Professor in Breslau 1866
17. V. Gii^bel, Carl Wilhelm, Dr., Oberbergdirector und Prof. an der
Universität in München 1860
18. Hagen, Herm. Aug., Dr., Prof. am Museum of compar. Zoology in
Cambridge, Mass 1866
19. Hall, James, Professor in Albany, N.-Y 1873
VIII
- Jahr d«
AufiiahiDe.
20. y. Hauer, Franz, Dr^hil., K. K. Hofrath und Intendant des K K.
Hofmuseums in Wien 1857
21. Haughton, Eev. Samuel, Prof. am Trinity College in Dublin . . . 1862
22. Höbert, Edm., Prof. an der Sorbonne in Paris 1867
23. Heine, F., Oberamtmann auf S. Burkhard bei Halberstadt .... 1865
24. Jones, T. Rupert, Professor a. D. in Chelsea, London 1878
25. Judeioh, Job. Frdr., Dr. phil., Geh. Oberforstrath in Tharandt . . 1854
26. Eenngott, A.. Dr., Prof. am Polytechnikum in Zürich 1868
27. V. KöUiker, A., Dr., Prof. an der Universität in Würzburg . . . 1866
28. Laube, Gst., Dr. phil., Prof. an der K. K. Deutschen Universität in Prag 1870
29. Leuokart, Rudolph, Dr., Geh. Hofirath und Prof. an der Universität
in Leipzig 1869
30. Lovön, Sven, Dr., Prof. an der Universität in Stockholm .... 1869
31. Marooii, Jules, in Cambridge, Mass 1866
32. Marsh, Othn. Charles, Prof. am Yale tJollege in New-Haven, Conn. 1881
33. Heneghini, Jos., Prof. an der Universität in Pisa 1861
34. V. Mercklin, C. K, Dr., Geh. Rath und Professor in Petersburg . 1868
35. Höhl, Heinr., Dr., Professor in Kassel 1875
36. ▼. Hüller, Ferd., Frhr., Dr. phiL, Director des botanischen Gartens
in Melbourne 1849
37. Hnlsant, A., Professor und Archivar der Akademie der Wissensch. in Lyon 1855
38. ▼. NostitE-WallwitE, Herm., Minister des Innern und des K. Hauses,
Exe, in Dresden 1869
39. Omboni, Giovanni, Prof. an der Universität in Padua 1868
40. Perroud, B. S., Dr. med., m^dicin des höpitaux in Lyon .... 1861
41. V. Quenstedt, Fr. Aug., Dr., Geh. Hofrath imd Professor in Tübingen 1868
42. Beinhard, Herm., Dr. med., K. S. Geh. Medicinalrath und Präsident
des Landes-Medicinal-Collegiums in Dresden 1869
43. V. Benard, Carl, Dr., Kais. Russ. wirkl. Geheimrath, Exe, Präsident
der Kais. Naturforscher-Gesellschaft in Moskau 18^
44. Boemer, Ferd., Dr., Geh. Bergrath und Prof. an der Universität in Breslau 1868
45. Bossberg, C. Mor., Regierungsrath a. D. in Dresden (Mitstifter
der Isis) 1886
46. Bütimeyer, Ludw., Dr., Professor in Basel 1869
47. V. Schenk, Aug., Dr. nhil.. Geh. Hofrath, Prof. an der Universität
und Director des botaiiischen Gartens in Leipzig 1869
48. V. Schierbrandt, Wolf Curt, K. NiederL General -Lieutenant a. D.,
Exe, in Dresden 1854
49. Sohubarth, K. Pr. Generahnajor a. D. in Görlitz 1868
50. Sohübeler, F. C, Dr., Prof., Director des botan. Gartens in Christiania 1871
51. Serlo, Oberberghauptmann in Berlin 1870
52. da Silva, Mig. Ant., Prof. a. d. Ecole centrale in Rio de Janeiro 1868
53. Steenstrupv Job. Japet., Dr., Staatsrath, Professor a. D. in Kopen-
hagen 1846
54. Studer, B., Dr., Professor a. D. und Mitglied der geologischen Gom-
mission in Bern 1869
55. Stur, Dion., Oberbergrath und Director der K. IL geolog. Reichs-
anstalt in Wien 1885
56. Theile, Friedr., Dr. med. in Lockwitz (Mitstifter der Isis) . . 1885
57. Triana, Josö, in Paris 1868
58. Tsohermak, Gst., Dr., Hofrath, Professor in Wien 1869
59. Verbeek, R. D. M., Dr. phil., Director der K. Niederländ. geolog. Unter-
suchung von Sumatra und Java in Buitenzorg 1885
60. Virchow, Rudolph, Dr. med., Geh. Medicinalrath und Prof. an der
Universität m Berlin 1871
61. Vogt, Carl, Prof. an der Akademie in Genf 1868
62. Willkomm, H. M., Dr. phil., Kais. Russ. Staatsrath, Prof. an der
K. K. Deutschen Universität in Prag 1866
IX
Jahr der
Auftiahme.
63. V. Zepharovioh, Vict. L., Dr. phil., Hofrath und Prof. an der K. K.
Deutschen Universität in *rag 1868
64. Zeuner, Gst. Ant, Dr. phil., Geh. Jäath, Prof., Director des K. Poly-
technikums in Dreraen 1874
65. Ziohy, Jok, Graf, auf Üj-Szöny im Komomer Comitat 1861
66. Zichy, Kar.. Graf, auf Guffer im Presshurger Comitat 1861
67. de Zigno, AchiUes, Frhr., in Padua , 1860
m. Correspondlrende Hltglieder.
1. AberlOy Carl, Dr., K. K. Regierungsrath und Professor a. D. in Wien 1876
2. Aoourti, Professor in Triest 1861
3. Althammer, Dr., in Arco 1861
4. d'Anoona» Dr., Prof. am naturhistorischen Museum in Florenz . . 1863
5. Ardissone, Frz., Dr. phil., Prof. an der höher. Ackerhauschule in Mailand 1880
6. Artsti A., Vermessungs-Ingenieur in Plauen i. Y 1883
7. Asoherson, Paul, Dr. phil., Prof. an der Universität in Berlin . . 1870
8. Bachxnann, Ewald, Dr. phil., Oherlehrer in Plauen i. V 1883
9. Baessler, G. Herrn., Anstaltsinspeotor in Nossen 1866
10. Baily, W. H., Palaeontolog am Geological 8urvey of Ireland, in Dublin 1861
11. Baldamus, £., emer. Pfarrer in Koburg 1846
12. Baldaii^ K, Bergdirector in Ladowitz bei Dux 1878
13 Baltzer, A,, Dr. phil., Professor in Zürich 1883
14. Baatelaer, A., Dr., in Charleroi 1868
15. Beoh, E., Dr. med., Hofrath, Gerichtsarzt, Arzt am Ki*ankenhaus in Pirna 1846
16. V. Betts in Verona 1863
17. BibUolhok, KgL, in Berlin 1882
18. Blanford, Wilüam T., Esqu.^ in London 1862
19. Bombicoi, Louis, Professor in Bologna 1869
20. BoniBEi, Paul, Dr., Professor in Modena 1878
21. Bruflina, Sniridion, Professor in Agram 1870
22. Bureau, Ea., Dr., Pro£ am naturhwtorischen Museum in Paris . . 1868
23. Caneetrmi, G., Professor in Padua 1860
24. Caratens, C. Dietr., Ingenieur in Berlin 1874
25. Castelli, Ad., Bergverwalter in Grosspriesen bei Aussig 1877
26. Credner, Henn., Dr. phil., Oberbergratn, Prof. an der Universität und
Director der geolog. Landesuntersuch. von Sachsen, in Leipzig 1869
27. Danai«, Emil, Bealschul-Oberlehrer in Bochlitz 1883
28. Dathe, Ernst, Dr. phil., K. Pr. Landesgeolog in Berlin 1880
29. Densa, Frz., Professor und Director der Sternwarte in Moncalieri . 1869
30. Dittniarsch, A., Bergschul-Director in Zwickau 1870
31. DöU, Ed., Dr., Gber-Realschul-Director in Wien 1864
32. Dsiedussycki, Wladimir, Graf, in Lemberg 1852
33. Blsel, Roh., Privatus in Gera .• • • ^^'^
34. Engelhardt, Mor. Am. M., Baurath und Betriebs-Oberingenieur a. d.
K. S. Staatsbahnen in Chemnitz 1862
35. Ferguson, William, F. L. S., in Golombo auf Ceylon 1871
36. FiBOher, Aug., Kaufmann in Pösneck 1868
37. Fisoher, J. G., Dr. phü., Borgfelde bei Hamburg 1855
38^Flolir, Gg. Conr., Amtsrichter in Burgstadt 1879
39. French, 0., Esq., Propagator am botanischen Garten in Melbourne . 1877
40. Frenkel, Theod., Eealschul-Oberlehrer in Pirna 1883
41. Frensel, A., Dr. phil., Hüttenchemiker und Bergschullehrer in Freiberg 1872
42. Friederich, A., Dr. med., Sanitatsrath in Wernigerode 1881
43. Friedrich, Ose, Dr. phil., Conrector am Gymnasium in Zittau . . 1872
Jahr dar
Attfiialim6.
44. Fritsoh, Ant. Joh., Dr. med., Prof. an der K. Böhm. üniTersität und
Direcior des Böhm. National-Museums in Prag 1867
45. Gaudry, Alb., Dr., Prof. am naturhist Museum in Paris .... 1868
46. Gtoheeb, Adelb., Apotheker in Geisa, Sachsen- Weimar ..... 1877
47. Geinitz, Frz. Eug., Dr. phil., Prof. an der Universität in Rostock . 1877
48. Gemdt, Leonh., Dr. phil., Bealschul-Oberlehrer in Zwickau . . . 1880
49. Gtorsprioh, Pfarrer zu Johnsbach in Steiermark 1846
50. Gonnermann, Max, Apotheker in Neustadt bei Koburg 1865
51. Groth, Paul, Dr. phil., Prof. an der Universität in München . . . 1865
52. Härter, C, Ingenieur in Mexico 1881
53. Handtke, Bob., Dr., Prof. am Landes-Proseminar in St. Polten, Oesterreich 1859
54. Hans, Wilh., Stempeldmcker in Herrnhut 1868
55. Härtung, H., Bergmeister in Lobenstein 1867
56. Hefelmann, Bud., Dr. phil., Assistent an der K. Preuss. technischen
Hochschule in Charlottenburg 1884
57. Heim, Alb., Dr. phil., Professor m Zürich 1872
58. Heine, Perd., Bittergutspachter auf £mersleben bei Halberstadt . . 1853
59. Herb, Salinendirector in Traunstein 1862
60. Herbrig, Herm. Aug., Qewerberath, Dampf kessel-Insnector in Zwickau 1870
61. Herrmann, Wilh., Dr. theol. et phil., Professor in Marburg . . . 1862
62. Heym, C. Ferd., emer. Lehrer der Mathematik in Leipzig .... 1846
63. Hibsoh, Emanuel, Prof. a. d. höh. Ackerbauschule i. Liebwerd b. Tetschen 1885
64. Hilgard, W. Eug., Prof. an der Universität in Sacramento, Califomien 1869
65. Hilgendori; F., Dr., Gustos am K. zoologischen Museum in Berlin . 1871
66. Hirzel, Heinr., Dr. phil., ausserordentl. Professor der Chemie in Leipzig 1862
67. Hübner, Adolf, Hüttenmeister in Halsbrücke bei Freiberg .... 1871
68. Hüll, Ed., Prof., Director der ^eolog. Landesuntersuchung in Dublin 1870
69. Israöl, A., Schulrath, Seminardirector in Zschopau 1868
70. Issel, Arth., Dr., Prof. an der Universität in Genua 1874
71. JentzBCh, Alfr., Dr. phil., Privatdocent a. d. Universität in Königsberg 1871
72. Just, Leop., Dr., Professor für Agriculturchemie und Botanik in Carlsruhe 1874
73. Kesselmeyer, Wilhelm, in Manchester 1863
74. Kinne, B., Apotheker in Hermhut 1854
75. Klein, J. Herm., Herausgeber der „Gaea", in Köln a. Bh 1865
76. Köhler, Erst., Dr. phil., Seminar-Oberlehrer in Schneeberg .... 1858
77. König von Warthausen, C. Wilh. Bich., Frhr., Kammerherr, auf
Warthausen bei Biberach, Württemberg 1855
78. Kötteritfloh, Theod., früher Bealschul-Oberlehrer in Freiberg . . . 1868
79. Komhuber, Dr., Prof. am Polytechnikum in Wien 1857
80. V. Krau88, Christ. Ferd. Fr., Dr., Oberstudienrath und Professor in
Stuttgart 1861
81. Krebs, Wilh., Cand. der NaturwissenschaJften in Hamburg .... 1885
82. Kreisoher, C. Ghst., Bergrath und Professor in Freiberg 1852
83. Kühn, £., Dr., Schulrath, Bezirksschulinspector in Leipzig .... 1865
84. Kyber, Arthur, Chemiker in Biga 1870
85. Lansi, Matthaeus, Dr. med. in Bom 1880
86. de Lapparent, Alb., Professor in Paris 1868
87. Lefevre, Theodor, Dr. in Brüssel 1876
88. Le Jolis, Auff., Dr. phil., Präs. d. natorwiss. Gesellschait in Cherbourg 1866
89. Liebe, Theod., Dr. phil., Prof. am Gymnasium und Landesgeolog für
Ostthüringen, in Gera 1862
90. Lüttke, Johannes, Pharmaceut in Kottbus . . . . . . 1884
91. Mann, J., Inspector am K. K. Hof-Naturalien-Cabinet in Wien . . 1836
92. Mayer, C. CQiarles, Dr., Prof. an der Universität in Zürich . . . 1869
93. Mehnert, Ernst, Seminar-Oberlehrer in Pirna 1882
94. Mensel, Carl, Berginspector in Zwickau 1869
95. ▼. Möller, Valerian, Staatsrath, Director der Kais. Bergreviere am
Kaukasus, in Tiflis 1869
Jahr dmr
96. Mösohler, H., Kaufinaiui in Herrnhut 1B54
97. de MortUlet, Gabr., Prof. am anthropolog. Institat in Paris . . . 1867
98. Naaohold, Heinr., Dr. phil., Fabrikbesitzer in Aussig 1866
99. Naumann, Herrn., Bealschul-Oberlehrer in Bautzen 1884
100. Nenmann, E., Mecbanikus in Freiberg 1866
101. Winnl, A. P., Graf, Dr. phil. in Venediff 1868
102. Nitflohe, Heinr., Dr. phil., Prof. an der Forst-Akademie in Tharandt 1884
103. Nobbe, Friedr., Dr. phil., Prof. an der Forst-Akademie in Tharandt 1864
104. NoYik, Ottomar, Dr. phiL, Prof. an der K. Böhm. Universität in Prag 1882
105. Oberländer, Ober-Landbaumeister in Greiz 1870
106. y Orflla, Dr., Subdirector del Hospital Givile und Vicedirector del
Collegio in Mahon 1866
107. Otto, Ed., Bedacteur der „Hamburger Garten- und Blumenzeitung'^
in Hamburg 1854
106. Pabst, Moritz, Dr. phil., Prof. an der Bealsohnle in Chemnitz . . 1866
109. Pabat, Wilh., Dr. phil., Lehrer am landwirth. Institut zu Marg^
grabowa^ Ostpreussen 1881
110. Pardo, Jos., in Gaströn 1863
111. Peohtner, A., in Görlitz 1871
112. Peok, Beinhard, Dr., Gustos des Museums der naturforadienden
Gesellschaft in Görlitz ' 1868
113. Podersolli, Jos., Prof. d. P^ik u. Philosophie in Boveredo . . 1863
114. Pereira, Josö, Dr., a Bego Filho in Bio de Janeiro 1871
115. Petennann, A., Dr., Director in Gembloux 1868
116. Pignone, F. J., Pharmaceut in Genua 1880
117. Pigorini, L., Dr., Prof., Director des prähistor.-ethnogr. Museums
in Bom 1876
118. Prasse, Ernst Alfr., Betriebsingenieur in Leipzig 1866
119. V. Regel, Ed., wirkl. Kais. Buss. Staatsrath, £bic., Director des bo-
tanischen Gkurtens in Petersburg 1854
120. Behmann, Antoni, Dr., Mitglied der Universität Krakau .... 1869
121. Beidemeister, C., Dr. phil., zweiter technischer Dirigent in der ehem.
Fabrik Hermania in Schönebeck a. d. Elbe 1884
122. Booh, H. K., Oberförster in Gorisch bei Biesa 1855
123. Böber, G., emer. Lehrer in Löhma bei Sehleiz 1852
124. Bostook, M., Lehrer in Dretschen bei Seitschen 1872
125. Büokert, Carl, Salinendirector in Salzungen 1866
126. Bunge, Wilh., K. Pr. Geh. Bergrath in Dortmund 1868
127. Sandberger, Fridolin, Dr., Geh. Hofrath, Prof. an der Universitftt
in Wurzburg 1862
128. Y. Schlieben, H. L., Oberstlieutenant und Director der Garnison-
Verwaltung in Albertstadt bei Dresden 1862
129. Sohmidt, J. Ernst, Seminar-Oberlehrer in Bautzen 1866
130. Sohmidt, Bob., Dr. phil. in Jena 1857
131. Schnorr, Veit Hanns, Dr. phil., Bealschul-Oberlehrer in Zwickau . 1867
132. Sohubring, Gst., Mathematiker in Erfurt . 1875
133. SohuBter, Ose, Oberstlieutenant in Zwickau 1869
134. Soptt, Dr. phil., Director der Meteorological Office in London . . 1862
135. Seidel L, 0. M., Seminar-Oberlehrer in Zschopau 1883
136. Seidel IL, Heinr. Bemh., Seminar-Oberlehrer in Zschopau . . . 1872
137. Y. SeidlitB, Georg, Dr. phil. in Köni^iberg, Ostpreussen .... 1868
138. Senft, Perd., Dr.. Geh. Hofrath und Professor a. D. in Eisenach . 1866
139. Senoner, Ad., Bibliothekar der K. K. geolog. Beichsanstalt in Wien 1855
140. Sieber, Geoi^, Bittergutspachter in Grossgrabe bei K^enz . . . 1879
141. Siegmnnd, Wilh., Pnvatus in Beichenberg in Böhmen 1868
142. Smyth, B. Brough, in Melbourne 1874
143. Sonnts^, F., Apotheker in Wüsfcewaltersdorf bei Schweidnitz, Schlesien 1869
144. Spiegel, M., Besitzer eines artistischen Instituts in Breslau . . . 1870
XII
Jahr der
Aufnahme.
145. Stäche t Guido, Dr. pbil., K. K. Oberbergrath , Vicedirector der
K. K. geolog. Beichsanstalt in Wien 1877
46. StsiiSB, Walth., Fharmaceut in Tbun, Schweiz 1885
47. Stelsner, Alfr., Dr. pbil., Bergrath, Prof. an der Bergakademie in
Preiberff 1865
i. Sterzel, Jon. Traug., Dr. pbil., Lehrer an der I. höheren Mädchen-
schule in Chemnitz 1876
49. StOBSioh, Ad., Professor in Triest 1860
50. Y. Szontag, Niklas, Edler, Dr. in Talva fured, Ungarn 1873
51. Temple» Rud., Assecuranz-Inspector in Pesth 1869
52. Tieljen, Friedr., Dr., Prof. an der Universität in Berlin .... 1868
53. TodarOy Aug., Dr., Senator und Director des botanischen Gartens
in Palermo 1876
54. Tölsner, 0. A., Consul in Bahia 1862
55. Ulrich, Dr. pbil., Staats-Geolo^ in Melbourne 1876
56. UmlaufT, Carl, K. K. Kreisgerichtsrath in Prossnitz, Mähren . . 1868
57. Vater, Heinr., Dr. phiL, Mitarbeiter a. d. geolog. Landesnntersuch.
von Sachsen', Privatdocent am K. Polytechnikum in Dresden 1882
58. Vetters» K., Dr. phil., Lehrer a. d. höh. Gewerbeschule in Chemnitz 1884
59. Voigt, Beruh., Steuerrath in Zwickau 1867
60. V. Vukotiiiovich, L. F., in Agram 1860
61. Waagen, C, Dr. phil., Prof. am Deutschen Polytechnikum in Prag 1877
62. Walser, Dr. med. in Schwabhausen in Oberbayem 1868
63. Walther, H. V., Dr., Apotheker in Aussig 1859
64. Wartmann, Dr. med., Professor in St. Gallen 1861
65. Weber, W., Kaufmann in Hamburg . 1857
66. Websky, Mart., Dr. phil., Geh. Oberbergrath, Prof. an der Universität
üi Berlin 1868
67. Weinland, Dav. Friedr., Dr, in Baden-Baden 1861
68. Weise, Aug., Factor in Ebersbach, Sachs. Ober-Lausitz .... 1881
69. Wenzel, G^. Alb., Hofgärtner in Pilkiitz 1871
70. Wiessner, Jul., Dr., Professor in Wien 1868
71. Winkler, T. C, Custos am Teyler-Museum in Harlem 1875
72. Wohlfahrt, Jul. Osk., pract. Arzt in Freiberg 1868
73. Wolff, F. A., Seminar-Oberlehrer in Pirna 1883
74. Wucherer, Dr. med. in Bahia, Brasilien 1860
75. Wünsche, F. Otto, Dr. phiL, Gymnasial-Oberlehrer in Zwickau . . 1869
76. ZetBSChe, C, Dr. phil., Professor in Berlin 1876
77. Zinunermann, F. F., akademischer Maler in Salzburg 1864
78. Zimmermann, Ose. £. R., Dr. phil., Eealschul-Oberlehrer in Chemnitz 1880
Sitzungsberichte
der
natur^vissensehaftliehen Gesellschaft
in Dresden.
1886.
ISTekrolog.
Schön ist die in unserer „lais" gebräuchliche Sitte, den verstorbenen
Mitgliedern ein Lebewohl nachzurufen; zur schweren Trauer aber wird
sie^ wenn es gilt, einem ihrer Vorzüglichsten und Treuesten Worte der
Erinnerung zu weihen. Dies aber war in des Wortes vollster Bedeutung
unser aller Freund:
Franz Traugott Osmar Thüme.
Als das älteste von neun aus der Ehe des Malers und Lackirers
Friedrich Edmund Thüme mit Karoline Clementine geb. Sachsse
hervorgegangenen Kindern war er am 13; November 1838 zu Dresden ge-
boren. Unter der Fürsorge liebender Eltern wuchs er heran und besuchte
bis zu seinem 14. Jahre eine Volksschule. Aufmerksamkeit und Fleiss,
zwei Tugenden, die er sich bis zu seinem Ende beharrlich bewahrt, hatten
ihn zum Liebling seines Lehrers gemacht, und als es galt, sich einem
Lebensberufe zu widmen, da empfahl dieser, der seine guten geistigen An-
lagen erkannt und einen tiefen Blick in sein Gemüth geworfen hatte, dem
um das Wohl seines Sohnes besorgten Vater, er solle ihn doch Lehrer
werden lassen. Dieser Vorschlag war ganz aus der Seele unseres Thüme
gesprochen. Ostern 1852 trat er in die mit dem Freiherrlich von
Fletcher'schen Seminar verbundene Vorbereitungsanstalt, wendete sich aber
zwei Jahre später dem Königl. Seminar in Friedrichstadt zu und nachdem
er daselbst im Jahre 1858 die Schulamtscandidatenprüfdng bestanden,
ward ihm von der obersten Schulbehörde die Hilfslehrerstelle zu Seusslitz
bei Grossenhain angewiesen.
Die damaligen Schulverhältnisse lagen ganz anders als die heutigen.
Der junge Hilfslehrer war nicht ein freier Mann, sondern abhängig von
dem Hauptlehrer, der ihm neben freier Wohnung und Kost jährlich noch
60 Thlr. zu verabreichen hatte. Einer von Jugend auf an bescheidene
Verhältnisse gewöhnten Natur, wie sie unser Thüme besass, war dies
völlig genug, vermochte er dabei sogar noch etwas zu sparen und wusste
der angehende Volksschullehrer jener Zeit ja, dass er Besseres nicht zu
erwarten habe. Die Dorfschule entbehrte die weitgehende Gliederung, die
sie jetzt besitzt; sie hatte nur wenige, oft nur 2 Klassen, in deren jeder
mehrere Jahrgänge gleichzeitig Tereinigt waren und gleichzeitig in Ter-
schiedenen Zweigen von dem Lehrer unterrichtet werden mussten, was
eine geistige und körperliche Anstrengung erforderte, die nur der zu er-
messen vermag, der unter gleichen Verhältnissen zu wirken gehabt hat.
Unserem Thüme kam dabei sein ruhiges und heiteres Temperament, seine
Liebe zum Berufe und sein pädagogisches Geschick sehr zu Statten; er
überwand alle sich ihm entgegenstellenden Schwierigkeiten. Nur als sein
Hauptlehrer Thoman an einem Beinbruch schwer darniederlag und ihm
nun auch dessen Thätigkeit mit übertragen wurde, so dass ihm über
200 Kinder anvertraut waren, da ward es für seine kräftige Natur zu viel
und ein Jahre hindurch sich fortfristendes Halsleiden überfiel ihn. Trotz
desselben verlor er den Muth nicht; er arbeitete eifrig weiter.
Die schöne Lage von Seusslitz und die Naturschönheiten der Umgegend
erfüllten seine Seele mit unauslöschbaren Eindrücken, wie sie die Natur
nur zu geben vermag; diese ward ihm ein Spiegel seines eigenen Ichs.
Und jemehr er sie liebgewann, desto mehr erschloss sie sich ihm und ver-
anlasste ihn, sich auch in ihre Einzelheiten zu vertiefen. Die Natur-
wissenschaften sind von jeher die schwächste Seite der Seminarfe gewesen
und ist es deshalb nicht zu verwundem, wenn beim Studium derselben
selbst die Besten, die aus ihnen hervorgegangen, mit ausserordentlichen
Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, die dem nicht bekannt sind, den ein
gütiges Geschick zu den Füssen tüchtiger Forscher sitzen liess, die seine
Thätigkeit leiteten, ihn ermunterten und hoben. Sie blieben auch unserem
Freunde nicht erspart. Dass er trotzdem die Flügel nicht erlahmen liess,
sich vielmehr immer tiefer in die ihn packende Wissenschaft eindrang und
alle sich ihm entgegenstellenden Hindernisse überwand, das hat er einmal
seiner Zähigkeit, die ihn nicht leicht von dem Angefangenen weichen liess,
dann aber zum grossen Theile dem damaligen Ortsarzte Herberger zu
danken, welcher, ein tüchtiger Kenner und liebevoller Freund der Pflanzen-
welt, sich seiner annahm und ihn in der von ihm angenommenen Rich-
tung mehr und mehr bestärkte. In Briefen an seine Eltern aus damaliger
Zeit spricht er mit Vorliebe von seinen botanischen Ausflügen und seinem
mehr und mehr wachsenden Herbarium.
So glückliche Stunden ihm nun auch das Landleben gebracht hatte,
so hatte es ihm doch zugleich gezeigt, dass er hier nidit das werden
könnte, was er sich zum Ziele gestedct. Der Mangel an Hilfsmitteln, die
beschränkte Anregung erweckten in ihm die Sehnsucht nach seiner Hei-
math und so hielt er denn nach gut bestandener Wahlfahigkeitsprfifung,
trotzdem sein CoUator Klauss Alles that, um die junge Kraft, die sich
der Einwohner Zuneigung und ihrer Schüler Liebe errungen, auf längere
Zeit an Seusslitz zu fesseln, um Anstellung an einer der Dresdener Volks-
schulen au. Es gelang ihm, im Jahre 1860 Hilfslehrer an der 2. Bürger-
schule zu werden. Nachdem er znm ständigen Lehrer aufgerückt war,
▼ermählte er sich im Jahre 1863 mit Emilie geh. Voigt aus Dresden.
Dieser Ehe, welche ein ganz naher Anverwandter als eine „herzinnige"
bezeichnet, entsprossen vier Kinder, Ton denen nur zwei , ein Knabe Hans
und ein Mädchen Elisabeth, am Leben blieben, von welchen der erstere
des Vaters Neigung zu den Naturwissenschaften geerbt, welche ihn zum
Studium der Median trieb, dem er noch obliegt. Leider war die glück-
liche Ehe nur eine kurze. An einem schweren Kehlkopfleiden verschied
seine Gemahlin am 1. Januar 1870. In Anna Jäkel, der Tochter seines
Schuldirectors, dessen Name in der sächsischen Lehrerwelt durch die im
Vereine mit anderen Dresdener Directoren herausgegebenen Lese- und Lehr-
bücher den besten Klang hat, fand er vollen Ersatz für die so früh Da-
hingeschiedene. Ihre herrlichen Eigenschaften sowohl des Geistes, als vor
Allem auch des Gemüths waren so recht geeignet, ihm sein Haus zum
Paradiese umzuwandeln, an dem er mit allen Fasern seines Herzens hing,
wie die ihm Näherstehenden recht wohl wussten, obgleich er als von einem
Selbstverständlichen nie viel davon sprach. In dieser am 20. Juli 1872
geschlossenen zweiten Ehe ward ihm nur sein nunmehr 13 Jahre alter
Sohn Beinhold geboren.
Im Jahre 1874 erhielt Osmar Thüme einen ehrenvollen Ruf an die
Handelslehranstalt der Dresdener Kaufmannschaft. Nach bestandenem
inneren Kampfe — denn er verliess ja eine Stellung, die ihm ein ruhiges
Alter und bei vorzeitigem Tode seinen Hinterlassenen eine staatliche
Pension sicherte — folgte er demselben, vorzüglich getrieben von seiner
immermehr wachsenden liebe zu den Naturwissenschaften, die ihn veran-
lasste, das Pfund, das er sich erworben, nicht in sich zu vergraben,
sondern wuchern zu lassen, dabei wohl auf ein höheres Alter rechnend.
Wie in seinen früheren Stellungen, zeichnete er sich auch in dieser durch
Treue und Eifer in seinem Berufe, durch Klarheit und Anschaulichkeit in
seinem Unterrichte, durch Anspruchslosigkeit, Wahrhaftigkeit und „Leben
im Ganzen^' im Umgang mit seinen Collegen, durch Freundlichkeit und
selbstlose Hingabe in dem mit seinen Schülern aus.
Selbstgenügsamkeit, der ärgste Feind alles Strebens, fand bei ihm
keine Stätte. Bastlos strebte er nach Erweiterung seiner Kenntnisse,
nach Vertiefung seiner Naturanschauung. Darum dürfen wir uns nicht
wundem, wenn wir ihn als regelmässigen Begleiter Beichenbachs auf
seinen alljährlich wiederkehrenden Excursionen durch die Umgegend von
Dresden erblicken, ihn an den von diesem mehrere Jahre hindurch Lehrern
und Lehrerinnen unentgeltlich ertheilten botanischen Cursen theilnehmen
und ihn im Verkehr mit auswärtigen Freunden der scientia amabilis treten
sehen. Selbstverständlich war es, dass ein solcher Mann unserer Gesell-
schaft, die sich zur Aufgabe gestellt, unser Vaterland naturwissenschaftlich
zu erforschen und für Erweitening und Verbreitung allgemein natur-
wissenschaftlicher Kenntnisse zu sorgen, nicht fem bleiben konnte. Am
2
6
28. November t867 wurde er in die Isis aufgenommen und nachdem er
sich in dieselbe eingelebt, hielt er es für seine Pflicht, die Verhandlungen
derselben selbstthätig zu fördern. Anfangs beschränkte er sich darauf,
seltenere Pflanzen, die er auf seinen Ausflügen gefunden oder von Anderen
zugesendet bekommen, vorzulegen und zu besprechen, dabei immer die
grösste Freude über neu entdeckte Standorte bekundend. So fahrt er,
ganz im Sinne Reichenbachs, des bedeutenden Floristen und Systematikers,
längere Zeit fort; dann aber, als er gesehen, dass seine Bestrebungen
Anklang finden, erweitert er seine Thätigkeit, bringt Referate über neu
erschienene Werke von Bedeutung und über Pflanzenausstellungen, über
eigene Beobachtungen an der Entwickelung von Frühlingspflanzen und er-
hebt sich weiterhin dazu, treflfliche Vorträge zu halten, die jederzeit gern
gehört wurden. Rabenhorst, der ausgezeichnete Gryptogamenkenner, der
wohl am meisten dahin gewirkt, dass die Gryptogamenkunde auch weiteren
Kreisen zugänglich werde, hat auch auf ihn Einfluss ausgeübt; ein Zeichen
davon war die Vorführung und Empfehlung der von Amoldi heraus-
gegebenen naturgetreuen Nachbildungen von Pilzen, für welche Pflanzen-
abtheilung er bis an sein Ende eine besondere Vorliebe zeigte. Auf sdnen
Reisen begleiteten ihn stets eine Flora und die botanische Mappe und
freudig leuchtete sein Auge, wenn er eine ihm vorher unbekannte Pflanze
sah, wohl auch pflückte er schöne Blüthen, um der daheim weilenden
Gattin einen Blumengruss zu senden. Jahre lang hat er sich der Be-
obachtung der Pflanzen im botanischen Garten hingegeben; dieser war
ihm lieb geworden und so ist zu begreifen, dass, als die Nachricht sich
verbreitete, dass derselbe aufhören solle, er sofort eine Petition um Er-
haltung desselben entwarf und die Isis veranlasste, in Gemeinschaft mit
den übrigen hiesigen naturwissenschaftlichen und Gartenbaugesellschaften
für den Weiterbestand desselben einzutreten. Sie hatte den gewünschten
Erfolg und ist dieser in erster Linie unserem verewigten Thüme zu
danken.
Auch der zoologischen Section widmete er seine Kraft, wenn auch
nicht in demselben Grade, wie der botanischen. Besonders anziehend
waren seine Berichte über unseren zoologischen Garten, in dem er wie
daheim war.
Dass auf solche tüchtige Kraft bei Beamtenwahlen der Blick der Ge-
sellschaft sich öfter wendete, war wohl nur zu natürlich. So stand er
der botanischen Section im Jahre 1872 als zweiter Vorsitzender, in den
zwei darauf folgenden Jahren als erster, und im nächsten wieder als
zweiter vor; in dem Jahre 1882 bekleidete er in der zoologischen die
eines zweiten, von da bis 1885 die des ersten Schriftführers. Ganz be-
sonders verdient aber hervorgehoben zu werden, dass er das verant-
wortungsvolle und zeitraubende Amt eines ersten Bibliothekars in der
langen Zeit von 1872—1886 zur steten Zufriedenheit und in uneigen-
nützigster Weise verwaltete. Um zu ermessen, welch hoher Werth dieser
um uns 80 verdienten Thätigkeit beizulegen sei, muss man bedenken, dass
unser verewigtes Mitglied nicht an Zeitüberfluss litt, da er neben seinem
schweren, die beste Kraft des Mannes in Anspruch nehmenden Berafe noch
Privatstunden zu ertheilen, fiir den , J)resdner Anzeiger" unter der Chiffre
0. Th. zahlreiche Berichte über den zoologischen Garten und die heimische
Pflanzenwelt, welche allgemein gern gelesen wurden und mannig&ch zu
edler Naturbeobachtung anregten, in Vielen die Naturliebe förderten und
stets eine getreue Copie seines ganzen Wesens waren, neben denen über
unsere Sitzungen zu liefern hatte, auch in gewissenhaftester Weise eine
Anzahl in seine Familie aufgenommene Pensionäre überwachte und dabei
noch die viel Gorrespondenz und sonstige Arbeit erfordernde „Zeitschrift
für Pilzfreunde" (Dresden und Bodenbach. Verlag von Alexander Köhler)
herausgab, nachdem er in Gemeinschaft mit seinem Gollegen Gebauer die
„Heimathskunde von Dresden, zum Gebrauche für Schulen und für Freunde
der Heimath" (Dresden. Verlag von Meinhold und Söhne. Dazu ein Heft
mit 53 lithographischen Figuren, einem Plane von Dresden und einer
Karte der Umgegend.) hatte erscheinen lassen, von kleineren Aufsätzen in
verschiedenen Blättern nicht zu reden.
So steht er vor uns als ein Muster des Fieisses und der Selbst-
verleugnung, und so hofiEten wir ihn noch viele Jahre den Unseren nennen
zu können. Doch es sollte anders kommen. Ein Körperleiden, das ihn
schon vor längeren Jahren schwer befallen, das aber durch einen zwei-
maligen Besuch des Bades von Wildungen verdrängt zu sein schien, trat
aufs Neue allmählich wieder auf. Er trug es, ohne je zu murren und
Andere mit seinen Klagen zu behelligen; nur im engsten Freundeskreise
deutete er dann und wann auf dasselbe hin, dabei mehr von den secun-
dären Erscheinungen, wie von heftigen Blutwallungen und Schlaflosigkeit,
sprechend. Als er anfing, sich des Bieres gänzlich zu enthalten und
„Osiris'^ zu meiden, bemerkten nur sehr Wenige, dass mit ihm eine grosse
Veränderung vor sich ging; sein Haupt trug er immer geneigter, seine
Schritte wurden schlaffer. So musste er mir auf meine theilnehmende
Frage nur wenige Wochen vor Ostern, als ich ihn zum letzten Male sah,
erwidern: „Es geht mir nicht gutl^' Kurze Zeit darauf, nachdem der
Lehrcursus vollendet war — seine übergrosse Gewissenhaftigkeit liess ihn
nicht Urlaub nehmen — reiste er zum dritten Male nach Wildungen in
der Hoffnung, zum Ende der Ferien mit frischen Kräften in seinem Be-
rufe weiter wirken zu können. Dass er keine Vorstellung von der Grösse
seines Uebels gehabt, geht daraus hervor, dass er in der ersten Zeit
seines Aufenthaltes daselbst der femweilenden Gattin ein Gedicht an Stelle
eines Briefes zusendete und noch einen Artikel für die vom Sächsischen
Pestalozzivereine herausgegebenen „Jugendblätter^' niederschrieb. Eine
Operation, die ein Arzt mit ihm vorzunehmen sich gedrungen fühlte und
vor der ihn von jeher sein treuer, langjähriger Hausarzt und Freund als
vor dem Anfang seines Endes gewarnt hatte, liess seine Kräfte allmählich
2*
8
yerfallen. Er sandte einen Brief, ans abgerissenen Sätzen bestehend, in
die Heimath. Obgleich er der Gattin seinen Zustand verschwieg, so
krampfte doch derselben das Herz znsammen und in ihr rief es laut und
lauter: Ich muss zu ihml Wie ein Lichtschein fuhr es über sein Gesicht,
als er sie, die überaus Geliebte, neben sich stehen sah, und Ruhe kehrte
wieder in ihm ein, da er sich in ihrer Pflege wusste. Doch das scharf-
sehende Auge der Tief besorgten erkannte bald, dass es nicht besser werde,
und als sich sogar zeitweiliges Irrereden bei offenen Augen und Athmungs-
beschwerden einstellten, beschwor sie die Aerzte um offene Aussprache.
Diese riethen zum Warten, wohl weil sie wussten, dass seine Tage gezahlt
seien; nur einer liess ihr sagen, dass sie es wagen könne, mit ihm abzureisen,
aber, sobald sich bei der Fahrt zum Bahnhofe Ohnmächten einstellen sollten,
schleunigst wieder zurückkehren müsse. Ich will Ihnen die Fahrt nach
Dresden nicht schildern, es sei genug, wenn ich sage : Es war eine schwere,
sehr schwere. Um Mitternacht langte man hier an. Jetzt mochte unser
unvergesslicher Freund wohl fühlen, dass sein Ende nahe. Als am andern
Morgen sein geliebter, noch unversorgter Reinhold an sein Bett trat, da
überflog sein sonst so freundliches Gesicht ein düsterer Zug und mit
schwacher Stimme sprach er zu ihm: „Folge immer Deiner guten Mutter!*'
Es gab für ihn keine Hilfe mehr; seine Kräfte nahmen zusehends ab und
endlich verschied er sanft am 10. Mai Nachts in der zwölften Stunde.
Am 13. Mai, da seine lieblingssection Sitzung hielt, ward er zur letzten
Ruhe bestattet^ begleitet von vielen der Unserigen.
Was er, der allezeit Strebende, allezeit Gebende, unserer Isis war,
wissen nur wir allein. Senden wir ihm unseren Dank in die Ewigkeit nach!
Bewahren wir ihm, dem lieben, dem guten Freunde ein immerdar leuch-
tendes Andenken I
H. Engelhardt
I. Section für Zoologie.
Erste Sitzung: am 7. Januar 1886^ Vorsitzender: ProfeBsor Dr.
B. Vetter.
Dr. Erich Haase hält einen Vortrag üher:
Duftapparate bei Schmetterlingen.
Derselbe sucht vor Allem die verschiedenen Arten von Gerüchen,
welche von Schmetterlingen ausgehen können, physiologisch zu dassi-
ficiren und theilt sie in solche ein, welche beiden Geschlechtern gemeinsam
sind, und in solche, welche sich nur bei einem derselben finden. Die Gerüche
der ersten Kategorie zerfallen, abgesehen von zufallig adhärenten, von be-
stimmtem Aufenthaltsort herzuleitenden, wie dem Moschusgeruch von Spannern,
welche tagsüber an hohlen Weiden ausruhten, 1) in der Art eigenthüm-
liche, durch die bestimmten ätherischen Gele der Nahrungspflanze von der
Raupe überlieferte; 2) in widerliche „Schreckgerüche'' zum Schutz gegen
Feinde, wie sie zuerst von Fr. Müller bei den Maracuj4faltem beschrieben
wurden, wo sie bei den Weibchen durch Hervorpressen sogenannter
Stinkkölbchen noch momentan verstärkt werden können.
Zu den Gerüchen, welche einem Geschlechte eigenthümlich sind, ge-
hört der Lockduit der brünstigen Weibchen, sowie der Reizduft der wer-
benden Männchen. Ersterer dringt aus der Hinterleibsöffnung hervor und
lockt die Männchen, besonders von Bombyciden oder Spinnern, oft aus
grosser Feme an. Umgekehrt können Männchen, denen die Fühler, der
Sitz der Geruchsorgane, abgesdmitten werden, das in nächster Nähe be-
findliche Weibchen nicht spüren, wie Haus er 's treffliche Beooachtungen
erwiesen. In Beziehung zu der mehr oder minder vollkommenen anatomischen
Ausbildung der männlichen Geruchsorgane und ihrer Schutzvorrichtungen,
sowie der gegenseitigen Annäherungsbefähigung beider Geschlechter steht,
worauf Vortragender 1885 zuerst hinwies, die Ausbildung des Schienen-
spoms der Vorderbeine, der bei den Männchen desto entwickelter ist, je
schwerfalliger die Weibchen sind, und doch wieder bei sehr vollkonmiener
Ausbildung der Fühler unbenutzbar wird und verkümmert, sich aber bei
beiden Gesehlechtem (so bei Noctuen oder Eulen) findet, sobald beide
gleich flugtüchtig sind und zu gleicher Zeit fliegen. Unter den Tagfaltern,
deren Sinnesthätigkeit mehr in das grosse Auge verlegt ist als in den
10
Geruchssinn, findet er sich als morphologisch besonders wichtiges Organ
nur noch bei Papilioniden und Hesperiden.
Der Reizduft des männlichen Schmetterlings ist nur bei solchen Arten
nachgewiesen, bei welchen auch die Weibchen flugtüchtig sind und zu-
gleich mit den Männchen fliegen. Von deutschen Schmetterlingen ist er
besonders deutlich an dem kleinen Kohlweissling zu bemerken, wo &c in
besonderen Schuppen, den „Duftschuppen", liegt, welche über die ganze
Oberfläche der Flügel zerstreut sind. Auch bei den Schwärmern ist er sehr
deutlich und wird von zwei Taschen hinter der Brust ausgeströmt, welche
am Boden mit Duftschuppen besetzt sind, die ihr ätherisches Secret auf
lange, in der Erregung ausstrahlende Haarbüschel entleeren. Der Geruch
des Ligusterschwärmers erinnert an Moschus, der des Todtenkopfes an
Gemüse. Am deutlichsten ist dieser Duftapparat an den Männchen eines
kleinen Spinners (Hepialus hectus) ausgebildet und dort von Prof. Bertkau
in Bonn genauer untersucht worden.
Auch an den Mittelbeinen aller Ordensbänder ist ein starker Haar-
büschel nachweisbar.
Viel reicher und üppiger ist natürlich die Entwiokelung solcher Duft-
apparate bei den tropischen Schmetterlingen, wo sie eingeschlagen im
Innensaum der Hinterflügel (OmUhqptera^ Papüio), als Büschel in Falten
der Flügel versteckt (AmatJmsia^ Mycaiesis), als Näpfchen oder tiefe
Taschen in den Hinterflügeln (Danais) ^ auf den Rippen der Vorderflügel
(Diane, Coktenis) und an anderen Orten liegen. Im Allgemeinen bestehen
sie aus kurzen Düfl;schuppen, die meist geschützt sind, und darüber
liegenden Haarpinseln, die zur grösseren Verflüchtigung des sie benetzen-
den ätherischen Oels der Schuppen dienen, doch fehlen letztere oft. Bei
Heteroceren liegen die Duftapparate meist in Bauchtaschen (Sphingiden)
oder in den Beinen, stets versteckbar; bei PcUuia macrops lassen sie sich
aus dem Umschlage des Vorderrandes der Hinterflügel bis zur Grösse einer
Nuss auszupfen.
Diese Duftapparate sind, als aus der Umbildung gewöhnlicher Flügel-
schuppen hervorgegangen, nicht durch das Princip der geschlechtlichen
Zuchtwahl das Darwin einst so eifrig verfocht, das aber hier unanwend-
bar ist, weil die Weibchen überhaupt keine Wahl unter den Männdien
treffen, sondern durch das Gesetz der bestimmt gerichteten natürlichen
Vervollkommnung vorhandener Functionen unter stets gleich bleibenden,
durch gegebene Beziehungen zur Aussenwelt geregelten Verhältnissen zu
erklären.
Die besprochenen Arten mit präparirten Duftapparaten werden vom
Vortragenden vorgezeigt und der Bau der letzteren durch Zeichnungen
erläutert. —
Der Vorsitzende giebt sodann einen kurzen Nekrolog über den eng-
lischen Zoologen und Physiologen W. B. Carpenter.
n
Zweite Sitzunf am 4. Hftrz 1886. Vorsitzender: Professor Dr.
B. Vetter.
Oberlehrer Dr. 0. Schneider spricht über die Thierwelt der
Riviera diPonente. Nach einleitenden Worten über die orographischen
and klimatologischen Verhältnisse dieses Gebietes verweilt der Vortragende
besonders bei dem Vorkommen und der Lebensweise der dortigen Vögel,
Reptilien, Fische, Insecten, Scorpione und anderer Arachniden und der
Gonchylien.
In der Debatte kommen besonders die angeblichen Selbstmorde von
gepeinigten Scorpionen und die Folgen des Scorpionstiches zur Sprache.
Institutsdirector Th. Reibisch legt einige Gehäuse von hiesigen und
corsicanischen Phryganiden vor, die man früher als ValvcUa aremfera
bezeichnet hatte.
Der Vorsitzende verliest eine Mittheilung über das Vorkommen eines
neuen Kartoffelfeindes, der Tachea Fhaseoli Passerini, einer Erdlaus, die
neuerdings bei Nördlingen beobachtet wurde. — Ferner macht er auf-
merksam auf den in „Nature^' Vol. 32, S. 228 erschienenen Bericht von
A. E. V. Nordenskjöld über eine Beschreibung und Abbildung des
sibirischen Mammuth aus dem Jahre 1722, und erörtert die Frage, unter
welchen Umständen die Mammuthleichen in das Eis eingebettet worden
sein könnten.
Dritte Sitzung am 6« Mai 1886. Vorsitzender: Professor Dr.
B. Vetter.
Der Vorsitzende bespricht einige neuere Arbeiten über Lebens-
weise und Schmarotzer der Apiden und zwar zunächst den letzten
Beitrag von Hermann Müller „Zur Lebensgeschichte der Dasypoda
hirtipes^\ dann mehrere Abhandlungen von Ed. Hoff er (aus „Die Hum-
meln Steyermarks*' und „Kosmos^S Jahrg. 1884 — 1885), sodann die Ar-
beiten A. Schneider's und R. Leuckart's über Sphcierularia bombi und
erinnert endlich an eine Beobachtung Gh. Darwin 's über die „Brumm-
plätze^^ männlicher Hummeln (in „Cresammelte kleinere Schriften Dar-
win's", herausgegeben von Ernst Krause).
Institutsdirector Th. Reibisch legt Missbildungen von Schalen bei
UfUo und Anodonta vor und sucht ihre Entstehung zu erklären.
Der Vorsitzende legt vor und bespricht: W. Preyer, „Ueber Muskel-
ruhe und Gedankenlesen^' und „Die Erklärung des Gedankenlesens'*,
Leipzig 1886.
12
II. Section für Botanik.
Erste Sitzunf^ am 14. Januar 1^86. Vorsitzender: Prof. Dr.
0. Drude.
Nach einem, dem Andenken des am 25. September 1885 Terstorbenen
Botanikers Edmond Boissier, des bekannten Verfassers der „Flora
Orientalis" gewidmeten Nachrufe (s. Abhandl. V, S. 33) schildert der Vor-
sitzende die Flora von Radeburg bei Dresden, unter Vorlage einer
reichen, durch Vermittelung des Herrn Oberlehrer Wolf zusammen-
gestellten Sammlung von Pflanzen der dortigen Gegend. Diese Flora wird
charakterisirt durch eine grosse Anzahl nordwestlicher Pflanzen, welche
hier ihre südöstliche Grenze finden (Erica Tetrdlix, Rhynchospora etc.).
An den Vortrag knüpft Geh. Hofrath Dr. Geinitz einen geologischen
Vergleich der Gegend von Radeburg mit der Lüneburger Haide, beide
Producte diluvialer Gletscher.
Handelsschullehrer 0. Thüme legt Pilzmodelle von Donath in
Tolkewitz vor, die sich durch grosse Naturtreue auszeichnen.
Prof. Dr. 0. Drude giebt Mittheilungen über Pifms mantana und
deren Vorkommen in der Nähe des Töpfers bei Zittau, und zwar in der
Erzgebirgsrasse, welche sich auch bei Reitzenhain findet; dazu erwähnt
noch Dr. med. E. Friedrich das Vorkommen von Pintts montana am
Hochmoor von Böhmisch-Zinnwald.
Zweite Sitzung: am 11. Hftrz 1886. Vorsitzender: Prof. Dr.
0. Drude.
Oberförster F. Eosmahl bringt zur Ansicht einen interessanten
Einschnitt in eine alte Buche, sowie eine Pilzbildung von einer Fichte.
Prof. Dr. 0. Drude schliesst hieran Erklärungen über Inschriften an
Bäumen, speciell über deren Vernarbungen.
Oberlehrer Dr. 0. Schneider giebt alsdann eine Schilderung der
Vegetationsverhältnisse der Riviera di Ponente. Zahlreiche
vom Vortragenden dort gesammelte Pflanzen sowie Photographien der
landschaftlichen Scenerie werden vorgelegt.
13
Dritte Sitzung am 13. Hai 1886« Vorsitzender: Oberlehrer A. Weber.
Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit einem Nachrufe für das heute
beerdigte, um unsere Gesellschaft treu verdiente Mitglied Osmar Thüme.
Die Anwesenden erheben sich zum Zeichen ehrenden Andenkens von ihren
Plätzen.
Hierauf berichtet der Vorsitzende über: Dr. H. Schenck, Die Biologie
der Wassergewächse. Bonn 1886.
Der Verfasser führt in seinem Buche den Nachweis, wie die For-
mationen der submersen und schvrimmenden Pflanzen ihrem eigenartigen
Medium, dem Wasser, in ihrem Habitus und ihrer Entwickelungsweise an-
gepasst sind. Er hat sich dabei zumeist beschränkt auf die einheimischen
mitteleuropäischen Vertreter, weil deren Biologie am vollständigsten unter-
sucht ist. Von den Algen sieht er gänzlich ab. Wer die Wasserpflanzen
eingehend studiren will, muss noth wendig auf Schenck's Buch zurück-
kommen, denn der Verfasser hat neben seinen eigenen Untersuchungen
auch sämmtUche bis jetzt in Büchern und Zeitschriften veröfientlicbten
Beobachtungen Anderer berücksichtigt und zusammengestellt. Die einzelnen
Kapitel des Werkes, welche die Lebensweise, Gestaltung und Variation, die
Ueberwinterung der Wassergewächse, das Verhältniss der vegetativen
Vermehrung zur Fructification, die Blüthengestaltung und Befruchtungs-
vorgänge, die Fruchtbildung und Samen Verbreitung, die Keimung und das
Verbreitungsgebiet der Hydrophyten betreffen, werden vom Referenten ein-
gehend besprochen und durch zahlreiche Vorlagen aus dem Herbarium
des Königl. Polytechnikums illustrirt.
Oberlehrer H. Engelhardt referirt eingehend über Dr. D. Brandis,
Der Wald des äusseren nordwestlichen Himalaya. (VerhandL d. natur-hist.
Ver. d. preuss. Rheinlande u. Westphalens. 1885. 1. Hft. S. 153—180.)
Ein drittes Referat, gegeben von Dr. G. Reiche, verbreitet sich über
„Die Flora der egyptisch-arabischen Wüste" von Dr. Georg Volkens
(Ber. d. K. Preuss. Ak. d. Wiss., 1886.)
14
III. Section fdr Mineralogie und Gleologie.
Erste Sitzung am 21. Januar 188«. Vorsitzenider : Bergingenieur
A. Purgold.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz giebt ausführlichen Bericht über die sehr
beträchtlichen Bereicherungen, welche die Sammlungen des K. Mineralo-
gischen Museums in den Jahren 1884, 1885 und auch schon im laufenden
Jahre durch Ankauf, Tausch und Schenkungen erfahren haben. Es wuchs
in der angegebenen Zeit die Sammlung der Meteoriten um 8 Meteor-
steine, 10 Stück verschiedene Meteoreisen und ] Fundeisen; die minera-
logische Sammlung um 248 Stück; die geologische Sammlung um
2149 Gebirgsarten und Versteinerungen. Namentlich unter den letzteren be-
finden sich zahlreiche classische Exemplare, welche (wie z. B. die Saurier-
fährten aus den Zwickauer Steinkohlen, der erste Milchzahn von El^has
primigenms von Prohlis, viele Steinkohlenpflanzen aus den angekauften
Schumann'schen Sammlungen) der Bearbeitung durch den Vortragenden
selbst oder durch andere namhafte Fachmänner als Originale vorlagen,
oder welche (wie unter Anderem die Wurzbacher Schiefer von Lobenstein,
die Thierfahrten von Grothenleite bei Gössnitz) zur sicheren Bestimmung
des bisher streitigen geologischen Alters ihrer Fundschichten dienen
konnten. — Eine durch Tausch erworbene vorzügliche und sehr reiche
Sammlung roher und präparirter Nummuliten wird zur Besichtigung in
Umlauf gesetzt.
Die Neuerwerbungen der prähistorischen Sammlung sind in vorstehen-
den Angaben nicht mitgezählt, sondern werden gehörigen Ortes besondere
Erwähnung finden.
Dem bedeutenden Zuwachs entsprechend befindet sich auch die
wissenschaftliche Benutzung genannter Sammlung durch viele Fächleute
und ihr allgemeiner Besuch durch das grosse Publikum in erfreulicher
Zunahme, indem sie im Jahre 1884 von 23 633, im Jahre 1885 von
24 861 Personen besichtigt wurde.
15
Dr. Deichmüller legt eine Reibe von Gesteinen vor, die Oberlehrer
£. Dan zig in der Umgegend von Bochlitz gesammelt und mit erläatern-
den Bemerkungen eingesandt hat. Unter diesen befinden sich mehrere
ausgezeichnete Stücke einer Porphyrbreccie vom rechten Gehänge des
Frelsbachthales NW. von Rochlitz, zwischen Köttwitzsch und Poppitz, die,
abgesehen von der die porphyrische Grundmasse häufig ganz zurück-
drängenden Menge von Einschlüssen, der zahlreichen Granulitfrag-
mente halber Erwähnung verdienen. Die in den Breoden am häufigsten
vertretene Varietät des Granulits ist eine aus abwechselnden, äusserst
feinen Lamellen von Quarz und Feldspath gebildete, mitunter in Augen-
granulit übergehende, wie sie auf Section Bochlitz oberirdisch nur äusserst
selten vorkommt. Daneben begegnet man Fragmenten von Glimmer-
granulit, Granit, Phyllit, Muskowitschiefem etc. — Am rechten Ghemnitz-
ufer gangförmig den Granulit durchsetzender Granit ist an einer Stelle
als editer Turmalingranit ausgebildet. Der immer' nur in Fragmenten
auftretende Turmalin ist theils durch die Gesteinsmasse zerstreut, theils
bildet er mit Quarz feinkörnige, gestreckte, wolkige Partien in derselben.
Neben dem gewöhnUchen schwarzen Turmalin kommt als Seltenheit in
diesem Granit auch grünlichgelber als primärer Gemengtheil vor. — Vom
rechten Steilufer des Erlbachs, südöstlich von Rochlitz, liegen Graphit-
schiefer vor, die im dortigen Cordieritgneiss 1—2 dm mächtige
Lager, sowie dünne, aus ÜEtst reinem Graphitpulver bestehende Schmitze
bilden.
Derselbe bespricht femer:
H. Credner, Die Stegocephaleu aus dem Rothliegenden des Plauenschen
Grundes bei Dresden. V. Theil. (Zeitschr. Deutsch, geolog. Ges. 1885.
S. 694.)*)
Als neu für die Niederhässlicher Stegocephalenfauna beschreibt der
Verfasser zunächst ein Exemplar von Melanerpetm pülcherrimumy das so-
wohl im Skelettbau, als in den Grössenverhältnissen mit dem von
A. Fritsch aus dem Kalke des Rothliegenden von Braunau abgebildeten
übereinstimmt und dessen gute Erhaltung es ermöglicht, die von A. Fritsch
für Melanerpetan aufgestellte Diagnose zu ergänzen. Als wesentliche
Unterscheidungsmerkmale von verwandten Formen kommen für diese
Gattung das starke Zurückspringen des Himschädels hinter die fiügelartig
erweiterten Supratemporalia, das Auftreten eines scfauppenförmigen Schalt-
knochens zwischen Squamosum und Postorbitale und die langgestielte
mittlere Thoracalplatte in Betracht. Branchiosaurus unterscheidet sich
leicht durch den kurzen, breiten, fast halbkreisförmigen Schädel, grosse,
runde, nach vorn gerückte Augenhöhlen, abgerundet fUttfseitige, mittlere
Kehlbrustplatte, Pdosaurus durch die abweichende Gestaltung der Ele-
*) Vergl. Sitzber. Isis 1881, S. 39; 1882, 8. 9 und 71; 1883, S. 77.
16
mente des Brustgürtels. Während bei Melanerpetan die ndttlere Thoracal-
platte fächerförmig, am Vorderrande tief eingeschlitzt, nach hinten lang-
gestielt ist, ist sie bei Pelosaurus abgerundet rhombisch, ganzrandig, un-
gestielt; das bei ersterer Gattung schwachgekriimmte , stabförmige
Coracoideum (Glayicula Credn.) ist bei letzterer löffeiförmig, auch feUt
ihr der erwähnte Schaltknochen zwischen Squamosum und Postorbitale. —
In einem dem Wirbelbau von Archegosaurus gewidmeten Abschnitte
werden die Resultate der Untersuchungen Gaudr;'s, Fritsch's u. A. über
diesen Gegenstand zusammengestellt; H. v. Meyer's Ansicht vom embryo-
nalen Bau der Rumpfwirbel ist durch diese Untersuchungen bestätigt
worden. Unter dem Namen Sparctgmites arciger wird ein ähnlich gebautes
Wirbelsäulenfragment aus dem Kalke von Niederhässlich beschrieben,
welches sich vom Archegosaurus durch niedrige, halbkreisförmige Dom-
fortsätze unterscheidet. — Die von Geinitz und Deichmüller*) als Hylo-
plesion FritscM beschriebene seltene Art wird hier mit der Gattung
Hyhnomus Dawson vereinigt, da sich der Verfasser von der Selbstständig-
keit von A. Fritsch's Hyhplesion nicht überzeugen konnte. —
Geh. Hofrath Dr. Geinitz kommt auf die seiner Zeit von Dr. T heile
aufgestellte Behauptung zurück, dass die Neigungswinkel der durch
Gletscher Wirkungen gebildeten Dreikantner 120^ zu betragen pflegen,
und widerlegt dieselbe unter Berufung auf eine von Prof. Harnack
angestellte mathematische Untersuchung, wonach jene Winkelgrösse von
120 ^ sich nur unter den besonderen Bedingungen herausbilden könne,
dass die aufeinanderwirkenden Geschiebe von genau gleicher Form, Grösse
und Widerstandskraft seien, und dass in der That zahlreiche von ihm
vorgenommene Messungen von 120 ^ abweichende Winkel ergeben
haben. —
Zum Schluss bespricht Ingenieur A. Purgold die von Prof.
P. Groth in der Königl. Bayrischen Akademie vorgetragene Abhandlung
über die Minerallagerstätten im Dauphine, welche Letzterer im
Jahre 1882 von Grenoble aus besuchte. Nach allgemeiner topographischer
Schilderung der Gegend, welche vorwaltend der archäischen Formation
zugehört, werden nun der Reihe nach geschildert 1) die Fundstätten
um Vizille: Von einem früheren Bergbau auf Eisenspath oberhalb des
Dorfes St. Pierre du Mesage ist ein Stollen noch zugänglich, in welchem
mit dem krystallisirten Eisenspath auch Pyrit vorkommt, dessen
Krystallform durch ein sehr flaches Pentagondodekaeder (650) =ooO|
sich auszeichnet, welches neben dem gewöhnlichen (201) = oo02
auftritt. Reste von Bournonit und Fahlerz kommen auch noch vor. —
2) Mine des Ghalanches bei Allemont, steil und hoch über Allemont
gelten, 1770 — 1830 Gegenstand lebhaften Bergbaues auf Silber. Die
*) Mittheil. a. d. K. mineral.-geol. u. prähiat. Mus. Dresden. 5. Hfb. 1882.
17
überwiegende Gangart ist Kalkspath; wo der Gang von der Schichtung
parallelen Lagergängen durchschnitten wird, füllt er sich mit mehr oder
weniger Silber-haltigem rothen Letten an. Die hauptsächlichsten Erze sind
Fahlerz, AUemontit, Pyrargyrit, Kupferkies, Arsenkies und deren Zersetzungs-
producte. Am Fusse des Berges kleine, kurze Gänge mit Axinit und
Epidot. — 3) Mine de la Gardette bei Bourg d'Oisans, ehemaliger
Bergbau auf einem goldführenden Quarzgang. Die Goldgewinnung lohnt
sich schon lange nicht mehr, wohl aber wird zeitweise auf dem Quarz-
gang weiter gearbeitet, um der in seinen Drusen vorkommenden Berg-
kr 7 st alle willen, für welche die allgemeine Herkunft von Bourg d'Oisans
gilt, und die auch noch auf anderen ähnlichen Quarzgängen der
Nachbarschaft sich finden. — Weiter nach Süden wird eine vorwaltend aus
Amphibol-haltigem Gneiss und Schiefer bestehende jüngere Abtheilung der
archäischen Formation herrschend und in dieser, wahrscheinlich aus der
Zersetzung der Amphibolgesteine hervorgegangen, sind 4) die Axinit-
und Epidotlagerstätten enthalten. Die Cime du Gornillon,
Fundstelle der dunkler grünen Epidote, deren Ende durch das Klino-
pinakoid (010) = oo jp oo charakterisirt wird, am Flanc du Gornillon
hingegen der helleren gelbgrünen Epidote, durch die Pyramide (Tll)
= P begrenzt. Mit den Epidoten findet sich auch Axinit, dessen
Hauptvorkommen sich weiter nach SO. bei Vernis befindet, zusammen
mit Quarz, Orthoklas und Prehnit. Bei laBalme d'Auris, am steilen
Ufer 'der Romanche, wurde 1781 von Saussure der Axinit entdeckt. Hier
finden sich mit ihm zusammen auch grosse basische Tafeln von Kalk-
spath, ganz ähnlich denen aus dem Maderaner Thal. 5) Die Anatas-
lagerstätten befinden sich vorzugsweise in den gneissartigen Gesteinen
der erwähnten jüngeren Abtheilung der archäischen Formation. Die
nördlichsten derselben sind am Rocher du Grand Ferrand und bei
der Cascade de la Villette in der Nähe von Vaujany, wo die Anatase
blau durchscheinend und durch die Pyramiden (111) •=& P und (101)
= P cx> charakterisirt sind. — Femer Anatas mit Sphen und Brookit
vom Mont-de-Lans und von der Tete de Tonra. Die ausgiebigste
und bekannteste Fundstelle aber ist zu St. Christophe bei le Puys,
am steilen Gehänge des Veneonthales. Hier ist der Anatas charakterisirt
neben anderen Flächen (P.oP.JP.^Pö) durch die steile Deuteropyramide
(301) s 3 P oo und durch das Zusammenvorkommen mit Albit, Quarz,
Chlorit, Titanit, Brookit und Turnerit. Letzerer wurde 1823 durch
Levy hier entdeckt.
_ 18
Zweite Sitzanf: am 18. ÜSn 188«. Vorsitzender: BcrgingeDieur
A. Purgold.
Der Vorsitzende bespricht zunächst zwei Eingänge: Eine neue Ab-
handlung des Dr. Theile in Lockwitz über die Dreikantner in Nr. 97
des Organs des Gebirgsvereins für die Sächs.-Böhm. Schweiz, die vorzugs-
weise den unregelmässigen Dreikantnem .gewidmet ist, unter Anderem
aber auch die briefliche Aufforderung des Prof. Dr. Jentzsch in Königs-
berg enthält, „die Fundorte der Dreikantner in eine Karte einzutragen,
die geologische Stellung dieser Orte durch Profile genau anzugeben, auch
womöglich die sich wechselseitig gestaltenden Geschiebe in situ aufzufinden,
endlich an besonders ergiebigen Fundstellen die prooentualen Verhältnisse
der hauptsächlichsten Gesteine, aus denen die Geschiebe bestehen, zahlen-
mässig festzustellen". (Vergl. auch F. Theile: Die Eiszeit mit besonderer
Beziehung auf die Gegend von Dresden. Dresden, 1886. 8^) — Die
zweite Einsendung, von Oberlehrer E. Dan zig in Bochlitz, betrifft
die Diluvialbildungen im Zittauer Quadergebirge. (S. Ab-
handl. IV, S. 30.)
Geh. Hofrath Dr. Geinitz bespricht folgende Schriften:
A. Langenhan, Die Versteinerungen des Lias am grossen Seeberge
bei Gotha. Breslau 1883. 4<^. Mit geognostiscnem Profile und
4 Tafeln Abbildungen von Versteinerungen, woran sich noch eine
Abhandlung über Foraminiferen aus dem Lias des grossen Seebergs
bei Gotha, mit 3 Tafeln Abbildungen, anschliesst.
Adolf Körnich, Geologische Skizze der westlichen Alpen. Vortrag,
gehalten am 16. April 1885 im Vereine far Naturkunde Isis in
Meissen. Meissen 1885. 8^.
F. E. Geinitz- Rostock, Die Mecklenburgischen Höhenrücken (ße-
Schiebestreifen) und ihre Beziehunffen zur Eiszeit. Stuttgart 1886.
8^. Mit 2 üebersichtskärtchen und 2 Profilen.
F. E. Geinitz- Bostock, Geologische Notizen aus der Lünebuiger
Halde. (Jahresh. d. naturw. Ver. f. d. Fürstenthum Lüneburg,
1885--86.)
Darauf hält Oberlehrer H. Engelhardt den Hauptvortrag über
Pathologie der Gesteine, worunter derselbe die durch Metamorphose
und Verwitterung hervorgebrachten chemischen und mechanischen Um-
änderungen versteht. An die Wirkungen der böhmischen Erdbrände an-
knüpfend, gelangt der Vortragende zur Gesteinsmetamorphose durch
eruptive Felsarten, von da zur Wirksamkeit reinen und kohlensauren
Wassers, und schliesslich zur Dolomisation.
In der sich anschliessenden Discussion macht Dr. F. Raspe darauf
aufmerksam, dass im kohlensauren Wasser die Talkerde des Dolomits
viel leichter als die Kalkerde löslich sei, mithin durch Auslaugung dieser
letzteren mittelst kohlensauren WacAers die Anreicherung der Talkerde
schwerlich erfolgt sein könne, sondern ein anderes Lösungsmittel der
Kalkerde dabei thätig gewesen sein müsse. — Geh. Hofrath Dr. Geinitz
fuhrt an, dass zweierlei Dolomite zu unterscheiden seien, ursprüngliche
deutlich geschichtete, mit meist geringerem, aber sehr wechselndem
Magnesiagehalt, und durch spätere Dolomisation entstandene, wie z. B.
die Rauchwacken des Thüringer Zechsteines. — Ingenieur A. Purgold,
auf das im Vortrag angeführte Beispiel des Fassathales eingehend,
weist darauf hin, vrie dieses an geologischen Räthseln, namentlich der
Metamorphose und Gontactbildungen, ohnehin reiche Gebiet deren Lösung
durch seine topographische Bescha£fenheit, die sehr viele wichtige Punkte
fast unzugänglich macht, noch wesentlich erschwert.
Zum Schluss bespricht der Vorsitzende zwei neuere Arbeiten von
Dr. Hintze in Bonn: Ueber Adular aus dem Gotthardtgebirge in einer
an diesem neuen Zwillingsverwachsung desselben Gesetzes, welches in
Isis-Abhandl. 1881, S. 33 am Orthoklas (Mikroklin) von Striegau und
Baveno angeführt ist, und über Gölestin von Lüneburg, an welchem
durch sehr zahlreiche und genaue Messungen Dr. Hintze das Vorherrschen
von Vicinalflächen nachwies, aus denen durch mühsame Auswahl der
wahrscheinlichsten erst das Axenverhältniss dieses Cölestins berechnet
werden konnte. Dem fügt Vortragender noch einige Worte über Vicinal-
flächen im Allgemeinen hinzu.
Dritt« Sitzmif am l^« Hai 1886. Vorsitzender: Oberlehrer H. Engel-
hardt.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz gedenkt der erst vor wenigen Wochen
geschlossenen Ausstellung des VI. Deutschen Geographentages zu Dresden'"),
in welcher auch die geologische Abtheilung insbesondere durch die
schätzbaren Vorlagen von Dr. Alphons St übel*'*') so grosses Inter-
esse erregt hat, und spricht sein Bedauern aus, dass es nicht mög-
lich gewesen ist, dieser Ausstellung gleichzeitig zwei andere ausgezeich-
nete Arbeiten hinzuzufügen, welche unser Ehrenmitglied Dr. R. D. M.
Verbeek in ßuitenzorg, Java, Chef-Ingenieur des dortigen Bergwesens, in
neuester Zeit für die Bibliothek der Gesellschaft Isis eingesandt hat.
Beide hier zur Vorlage und eingehenden Besprechung gelangenden Werke
sind:
B». D. M. Verbeek, Topographische und geologische Beschreibung von
Sumatras Westküste. Batavia 1883. 4». 674 S. Mit Atlas in FoUo
und 1 Heft in 8^ mit zahlreichen Profilen und Karten.
*) Vergl. Führer durch die Geographische Ausstellung im Königl. Poly-
technikum, geö&et vom 19. bis 30. April 1886.
**) Vergl. W. Beiss und A. Stübel, Reisen in Südamerika. Skizzen aus
Ecuador, dem VI. Deutschen Geographentage gewidmet von Alphons Stübel.
Illnstrirter Catalog ausgestellter Bilder. Berlin 1886. Fol.
20
K. D. M. Verbeek, Krakatau. 2 Theile in 8». Batavia 1885 und
1886. Mit Karten und 43 Zeichnungen und einem prachtvollen
Album Yon 25 Blättern.
Die Krakataugruppe in der Sundastrasse besteht aus 4 vulkanischen
Inseln, Krakatau oder Rakata, Verlaten-eiland, Long-eiland und Poolsche
Hoed, welche nur Theile eines einzigen Hauptvulkans sind, dessen fast
kreisrunder Krater 7 km Durchmesser hat. Die Insel Krakatau bietet
jetzt nur noch 15 332 qkm. Flächenraum und erreicht an ihrem Gipfel
nach Verbeeks Messung 832 m Höhe. Der Hauptausbr^ch des Krakatau
begann Sonntags Morgens am 20. Mai 1883, wo die Bewohner von Ba-
tavia, Buitenzorg u. s. w. durch wüstes Geräusch und kanonenartige
Detonationen erschreckt wurden; eine erhöhte Thätigkeit trat vom 26. bis
28. August 1883 ein, welche durch Erdbeben, Aschenregen und andere
Folgen der grossartigen Eruption bezeichnet war. Der Verfasser schildert
den Krakatau vor dem Monat Mai 1883, die Eruption im Mai 1883 und
die Thätigkeit des Vulcans bis zum 26. August; er schildert die Eruption
vom 26. bis 28. August 1883 und die nachfolgenden Erscheinungen; er
untersucht die Ursachen für diese Eruption und scbliesst daran Be-
trachtungen über vulkanische Eruptionen überhaupt und über die Er-
scheinungen, welche jene Eruption von 1883 begleiteten, wie Erdbeben,
Auswürflinge, deren Bestandtheilen auch Oberbergrath Winkler in
Freiberg sorgsame Untersuchungen gewidmet hat, die magnetischen und
meteorologischen Erscheinungen, Bewegungen der Luft und des Meeres.
18 Cubikkilometer werden als Minimum für die von dem Krakatau
ausgeworfenen Massen angenommen; die ausgeworfenen Producte sind
meist schlackiger oder glasiger Natur; bimssteinartige Aschen, welche bei
dem Ausbruche gegen 10 000 m Höhe erreicht haben mögen , sind
namentlich nach West hin sehr weit verbreitet worden.
Man erinnert sich, dass Viele geneigt waren, die eigenthümlichen
Dämmerungserscheinungen gegen Ende des Jahres 1883 und Anfang 1884
mit den Eruptionen des Krakatau im Mai und August 1883 in Ver-
bindung zu bringen*). Diese Ansicht wird von Dr. Verbeek in keiner
Weise bestätigt.
Diese Mittheilungen erregten bei den Anwesenden um so grössere
Theilnahme, als sie auch durch Vorlage einer grösseren Anzahl
auserwählter Gesteine des Krakatau und anderer Vulkane Javas er-
läutert werden konnten, welche Dr. R. D. M. Verbeek erst wenige Tage
vorher unserem Königl. mineralogischen Museum wohlwollend zuge-
sandt hatte, wo sie in dem Saale Fa, Schrank 13, aufgestellt worden
sind und nun zu Jedermanns Ansicht o£fen liegen.
*) Vergl. einen Vortrag von Prof. G. A. Neubert in den Sitzungsber.
und Abh. der Ges. Isis 1884, p. 83.
2t
Diesem Vortrage werden schliesslich noch biographische Notizen über
den Verfasser dieser stattlichen Werke, Herrn RogierDiederikMarius
Verbeek, Chef-Ingenieur des Bergwesens in Java, hinzugefügt, welcher
in mehrfacher Beziehung unserem Sachsen und zuletzt als Ehrenmitglied
auch unserem speciellen Kreise der Isis sehr nahe getreten ist. —
Oberlehrer H. Engelhardt legt das Werk von Dr. J. Velenovsk]^:
Die Gymnospermen der böhmischen Kreideformation. Prag 1885, 4^ vor
und hält sodann einen Vortrag über die Natur und Deutung der
krystallinischen Schiefer.
IV. Section für praehistorische Forschungen.
Erste Sitzung am 18. Februar 188«. Vorsitzender: Freiherr
D. von Biedermann.
Der Vorsitzende lenkt die Aufmerksamkeit auf die neuesten Schriften
von Dr. A. B. Meyer: Gurina im Gailthal. Dresden 1885. 4«; das
Gräberfeld von Hallstadt. Dresden 1885. 4» und Vögel von Neu-
Guinea. I. Budapest 1885. 8^, welche von dem Verfasser der Gesell-
schaftsbibliothek als Geschenk überreicht worden sind.
Herr W. Osborne hält einen Vortrag über:
Ungarische Bronze- und Kupferwaffen und altitalischen
Bronzeschmuck.
Anknüpfend an eine Sammlung ungarischer Bronze- und Kupferwaffen, die
Vortragender unlängst in Böhmen erworben und die zur Vorlage gelangt,
spricht derselbe zuerst über die exceptionelle Stellung, die Ungarn in der
Bronze- und Kupferirage einnimmt, und weist auf die grosse Mannigfaltig-
keit und die charakteristischen Formen der ungarischen Bronze- und
Kupferwaffen hin. Durch den internationalen Anthropologencongress in
Pesth und den Reichthum des dortigen Nationalmuseums sind die Prä-
historiker auf die speciell ungarischen Formen aufmerksam geworden.
Eine Reihe von Publicationen über diesen Gegenstand ist die Folge ge-
wesen, so z. B. von Undset, Pulsky u. a. m. — Während in den
italienischen Museen, z. B. in Este, Bologna, sich die Mannigfaltigkeit der
Formen hauptsächlich in Schmuckgegenständen, Fibeln, Gefassen etc.
äussert, zeichnet sich das Pesther Museum besonders durch Formenreichthum
seiner Bronze- und Kupferwaffen aus, als Gelte, Aexte, Schwerter. Als
interessanten Umstand hebt Vortragender hervor, dass nach den Unter-
suchungen Sophus MüUer^s in seiner Abhandlung über den Ursprung und
die Entwickelung der europäischen Bronzecultur die ungarischen Formen
eine grosse Verwandtschaft mit sibirischen haben. Das Verbreitungsgebiet
der charakteristischen ungarischen Formen reicht über Ungarn hinaus,
3
22
indem man auch in den angrenzenden Ländern, als Galizien, Mähren,
Niederösterreich, Steiermark, stellenweise gleiche Fprmen findet. Ueber
die Verbreitung dieser Formen nach Osten und Süden hin kann man
gegenwärtig noch nicht urtheilen, da diese Gebiete, besonders die Balkan-
länder, in prähistorischer Beziehung noch so gut wie ein terra incognita
sind. Nur Bosnien hat man angefangen in den Bereich der Unter-
suchungen hineinzuziehen, seitdem es unter österreichischer Verwaltung
steht. Beweis dessen sind die diversen Publicationen in den Mittheilungen
der Wiener Anthropologischen Gesellschaft.
Auf die Bronzefrage näher eingehend berichtet Vortragender über
die Ansichten, die neuerer Zeit darüber herrschen, und führt die Mei-
nungen Virchow's und Sophus MüUer's über diesen Punkt an. Damach
scheinen die einfacheren Formen der BronzewaflFen auf verschiedenen
Wegen aus Asien nach Europa importirt worden zu sein, haben sich da
aber vielfach modificirt. Auf die Kupferfrage übergehend theilt Vor-
tragender die Argumente mit, die von den Vertheidigern und von den
Gegnern einer Kupferzeit ins Feld geführt werden, und kommt zu dem
Resultate, dass es höchst wahrscheinlich sei, dass in manchen Gegenden,
besonders wo gediegenes Kupfer in grösserer Menge vorkomme, wie z. B. in
Ungarn, auf Gypem, in Nordamerika, in der That eine Kupferzeit
bestanden habe.
Es kommen nun eine Anzahl ungarischer Bronze- und Kupferwaffen
zur Vorlage, worunter einige charakteristische Hohlcelte mit halbmond-
förmigem Ausschnitt an der Dille, kupferne Flachcelte (Meissel) und ein
interessanter, ziemlich schwerer Kupferhammer, der besonders durch die
wulstartigen Leisten um das Scbafbloch herum und die an der Unterseite
neben dem Schaftloche eingeschlagenen runden Punzen auffiel.
Im zweiten Theile seines Vortrages bespricht Vortragender altitalische
Bronzeschmuckgegenstände, deren er eine grössere Anzahl vorlegt. Die-
selben bestehen in einer Reihe von Fibeln, worunter hauptsächlich
sogenannte Bogen-, Schlangen- und Kahnfibeln, ferner in verschiedenen
roh modellirten Tbierfiguren und der Miniaturimitation eines Geltes mit
Schaftung. Bei letzterem wird besonders auf den geschwungenen Schaft
aufmerksam gemacht , eine Form , die sich sowohl auf einem getriebenen
Gürtelbleche von Watsch, als auch auf einem römischen Grabsteine, auf
dem ein mit einem Gelte bewaffneter Barbar dargestellt ist, vorfindet.
Letzterer Grabstein ist in Lindenschmit's Werk abgebildet. ■—
Der Vorsitzende bringt Abbildungen sibirischer Funde der Eisenzeit
zur Ansicht, welche sich in der Deutschen illustrirten Zeitung, Jahrg. 1886,
Nr. 26 befinden.
Pharmaceut W. Stauss legt eine Sammlung von Steingeräthen aus
Seeland und Jütland vor, welche sich durch besonders feine Ausführung
auszeichnen.
23
Zweit« 8itznn|[: am 15. April 188«. Vorsitzender: Freiherr D. von
Biedermann.
Per Vorsitzende theilt eine von Dr. A. Senoner in Wien eingesandte
Besprechung des Werkes yon G. Gozzadini: Di due stele etrusche
(B. Accad. dei lincei. Borna 1884—85.) mit, in welchem die in der Nekro-
polis von Felsina, dem heutigen Bologna, vorgenommenen Ausgrabungen
präromanischer Grabstätten, nam^tlich zwei durch ihre Schönheit sich
auszeichnende „Stele**, beschrieben werden.
Derselbe verliest femer einen Bericht in Nr. 96 des Dresdner An-
zeigers, 1886, über N. Battaglini's Ausgrabungen in den Lagunen
von Venedig bei Torcello und St. Adriano, bei welchen ca. 140 Centner
Knochen von Bos pritnigemus, Cervus ElapkuSy Sus Scrofa u. a. neben
Feuerstein- und Homgeräthen, Eohlenüberresten, Gefilssscherben und meh-
reren Menschenschädeln gefunden wurden. Auch Reste von Pfahlbauten
glaubt N. Battaglini entdeckt zu haben. Prof. Dr. L. Pigorini in Rom
ist der Ansicht, dass diese Funde nicht prähistorischen, sondern römischen
Ursprungs seien, wie sie sich im Brackwasser der Deltamündungen sehr
häufig vorfänden.
Geh. Hofrath Dr. Ge,initz bespricht die Erwerbungen der prä-
historischen Abtheilung des hiesigen Königl. mineralogisch-geologischen
Museums seit dem Jahre 1883 und legt von neueren Schriften
V. Gross, Les Protohdväes. Berlin'l883. 4»,
T. Kanda, Notes on ancient Stone implements of Japan. Tokio
1884. 40 und
A. Rauher, Urgeschichte des Menschen. 2. Bd. Leipzig 1884. 8<>,
sowie eine Reihe Bronzecelte verschiedener Form vor, angeordnet nach
G. de Mortiliet, Classification et Chronologie des haches en bronze.
Toulouse 1880.
Durch Herrn W. Osborne gelangt eine Anzahl Bronzecelte aus
Deutschlaild und Italien, letztere charakteristisch durch den Ausschnitt
am oberen Ende, durch Dr. Fr. Raspe ein Hohicelt aus Bronze zur Vor-
lage, der im Flussbett der Elbe unterhalb Blasewitz, in der Nähe des
Albrechtsschlosses, gefunden wurde, deutlich Spuren der Abrollung zeigt
und noch grüngefärbte Reste des ursprünglichen Holzstieles enthält.
V. Section für Physik und Chemie.
Erste 8itziui|[r am 11. Februar 188«. Vorsitzender: Prof. Dr.
R. Ulbricht.
Prof. Dr. R. Möhlau hält einen durch Experimente und Vorlagen
erläuterten Vortrag über neue Erfindungen auf dem Gebiete der
Färberei und des Zeugdrucks.
3*
24
Redner gedenkt zunächst der beim Auffärben von Geweben gemachten
Beobachtung, dass solche, welche dem Lichte und der Luft ausgesetzt ge-
wesen sind, weit besser die Farbstoffe aufnehmen, als solche, bei denen
dies nicht der Fall war. Diese Erscheinung beruht auf dem Umstände,
dass unter dem gleichzeitigen Einflüsse des Lichtes und des Sauerstoffes
der Luft die vegetabilische Faser, die Cellulose, in eine neue Substanz
verwandelt wird, welcher man den Namen Oxycellulose beigelegt hat,
und welche im Gegensatze zur Cellulose eine grosse Affinität zu Farb-
stoffen besitzt. Diese Veränderung erfahrt die Cellulose durch oxydirende
Agentien überhaupt, insbesondere durch die Oxyde des Chlors. Daher
zieht Papier, welches behufs Bleichung stets mit Chlorkalk behandelt ist^
Anilinfarbstoffe aus ihren Lösungen an und mn so mehr, je stärker es
gebleicht ist. Vortragender zeigt ein schwachgebleichtes Papier vor,
welches mit einer wässerigen Lösung von Chlorsäure beschrieben worden
und dann getrocknet war. Beim Trocknen zersetzt sich die Chlorsäure
unter gleichzeitiger Bildung von Oxycellulose. Wurde nun das so vor-
bereitete Papier in eine heisse wässerige Lösung von Methylenblau gebracht,
so zog die Oxycellulose den Farbstoff stärker an und die vorher farblose
Schrift erschien nun dunkelblau auf hellblauem Grunde.
Auf diese Affinität der Oxycellulose zu Farbstoffen überhaupt führt
Vortragender theilweise auch die interessante Erscheinung zurück, dass die
neuen Azofarbstoffe Kongoroth, Benzopurpurin, Chrysomin, Azo-
blau die ungeheizte Baumwolle dauernd anzufärben vermögen. Vortragen-
der betrachtet die Echtheit der Färbung in zweiter Linie bedingt durch
die atomistische Structur derjenigen Substanz, von welcher sich diese
Farbstoffe herleiten, und begründet dies experimentell, indem er nachweist,
dass die Baumwolle mit Benzidin eine chemische Verbindung eingeht und
indem er auf der so mit Benzidin „gebeizten" Baumwolle synthetisch
Kongoroth erzeugt.
Hierauf verbreitet sich Sprecher über die Herstellung farbiger
Muster auf indigoblauem Grunde und bemerkt, dass man jetzt auch
alizarinrothe Muster auf solchem Grunde herzustellen vermöge und damit
eine ebenso echte, wie schöne Farbenzusammenstellung erzielt habe. Eigene
Versuche lehrten, dass es nicht gelingt, Küpenreservage mit Fixirung der
Thonerde, welche bekanntlich die Basis für das Alizarinroth bildet, zu ver-
einigen; der gewünschte Erfolg wird jedoch erreicht, wenn man die Aetz-
methode anwendet und dem Farbpapp die Thonerdesalze hinzufugt. Das
rothe Muster wird dann durch Manipulationen hervorgerufen, welche dem
Alizarinfärber hinlänglich bekannt sind.
Die auf diese Weise hergestellten Gewebe sind einseitig mit rothen
Mustern versehen, aber beiderseitig blau gefärbt. Wie nun gelingt es,
einseitig indigoblau und alizarinrothe Muster hervorzubringen? Zur
Beantwortung dieser Frage beschreibt Vortragender auf Grund eigener An-
schauung das höchst sinnreiche, von den Herren Schlieper und Baum
25
in Elberfeld entdeckte und in deren Etablissement gebräuchliche Verfahren
und erläutert dasselbe an der Hand einer Reihe von Musterproben, welche
die einzelnen Fabrikatiousstadien wiedergeben.
Sodann legt Redner der Versamndung noch einige neue, für Druck-
zwecke bestimmte Farbstoffe: Alizarinblau, Victoriablau und Druck-
blau vor und schliesst seinen Vortrag mit der Bemerkung, es sei eine
Freude, zu beobachten, wie Färberei und Zeugdruck, weit davon entfernt,
in kritiklosen Empirismus zu verfallen , gleich jedem anderen Gebiete
chemischer Gewerbthätigkeit und mit grossem Erfolge bestrebt sei, sich
die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung zu Nutze zu machen.
Zweite Sitzung am 10« Juni 1886. Vorsitzender: Prof. Dr.
R. Ulbricht.
Prof. G. Neubert spricht über: 1) ein neues Minimum- und
Maximum-Thermometer von Kapeller jun. in Wien, 2) das Jenaer
Glas für Normal-Thermometer, 3) die Nachtfröste und das
feuchte Thermometer, sowie 4) über erdmagnetische Beobach-
tungen im Königreich Sachsen.
AusführUchere Mittheilungen über letzteren Gegenstand wird Vor-
tragender im zweiten Hefte dieser Sitzungsberichte geben.
VI. Section fllr Mathematik.
Erst€ Sitzung: am 4. Februar 188«. Vorsitzender: Prof. Dr. A.
Harnack.
Prof. Dr. A. Harnack spricht über unendliche Punkt-
mengen.
Prof. Dr. C. Rohn demonstrirt die Wien er' sehen Modelle für
Raumcurven.
Zweite Sitzung am 1. April 188«. Vorsitzender: Prof. Dr. A.
Harnack.
Prof. Dr. H. Burmester spricht über Geradführung und Pro-
portionalität am Indicator.
26
VII. Hauptversammlungen.
Erste Sltzuniir am 2S. Janaar 1886. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Dr. Geinitz.
Fabrikbesitzer Fried r. Siemens behandelt in eingehendem Vortrage
das Thema: „Die Dissociation der Verbrennungsproducte und
ihre Bedeutung für die Pyrotechnik" (s. Abhandl. I, S. 3) und ver-
theilt eine grosse Zahl der von ihm über diesen Gegenstand veröffentlichten
Schriften, sowie Photographien eines nach dem Princip des Heizverfahrens
mit freier Flammenentfaltung construirten Glasschmelzofens.
Einer Einladung des Vortragenden folgend , wohnten in dessen
Dresdener Glashütte am 30. Januar 1886 zahlreiche Mitglieder den Ver-
suchen mit einem zu diesem Zwecke erbauten kleinen Schmelzofen bei, an
welche sich eine Besichtigung der ausgedehnten Fabrikanlagen anschloss.
Zweite Sitzung am 25. Februar 1886. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Dr. Geinitz.
Oberlehrer Dr. G. Helm, als Vorsitzender des Verwaltungsrathes der
Isis, legt den Kassenabschluss vom Jahre 1885 (s. Anlage Ä. S. 33) und
den Voranschlag für 1886 (s. Anlage B. S. 34) vor. Zu Rechnungs-
revisoren werden die Herren 0. Erler und W. Putscher gewählt. Der
Voranschlag wird einstimmig angenommen.
Der Vorsitzende bespricht:
E. Gope, On the strticture of (he Brain and Äuditory Äpparatus of
a Teromorphous Beptüe of the Permian Epoch (Amer. Philos. Soc
1885. p. 234) und
Koken, Ueber Gehirn und Gehör foBsiler Crocodiliden (Sitzber. Ges.
naturforsch. Freunde Berlin. 19. Januar 1886. S. 2),
und giebt Mittheilungen über den Argyrodit und das darin enthaltene
neue Element Germanium.
Oberlehrer H. Engelhardt spricht über tertiäre Pflanzen von
Grünberg in Schlesien und referirt über die neu erschienenen Annaleo
des Kais. Ho&nuseums in Wien.
•27
Dritte Sitzan|[: am 25. HSrz 188«. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Dr. Geinitz.
Die Rechnungsrevigoren haben den Kassenabschhiss vom Jahre 1885
für richtig befanden und wird dem Kassirer Decharge ertheilt.
Oberlehrer Dr. 0. Schneider spricht über die Riviera di Ponente.
Im Anschhiss an seine früheren Vorträge über die Thier- und Pflanzen-
welt dieser Gegend lenkt Vortragender hier die Aufmerksamkeit auf die
landschaftlichen Schönheiten derselben, schildert die Bewohner, ihre
Sprache, Sitten, Lebensweise und Gewerbe, und behandelt eingehend die
klimatologischen Verhältnisse, welche diesem Küstenstrich den grossen Ruf
als Kurort verschafit haben. Vortragender legt verschiedene Schriften
über diese Gegend, ferner Photographien und Aquarellen der Pflanzen-
welt, sowie dort angefertigte Holzmosaikarbeiten vor.
Vierte Sitzung am S7. Hai 1886. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Dr. Geinitz.
An verschiedene allgemeine Mittheilungen schliesst Oberlehrer
H. Engelhardt einen Nachruf auf das um die Gesellschaft sehr verdiente
Mitglied Osmar Thüme (s. S. 3).
Der Vorsitzende knüpft hieran einen Nekrolog des schon am
26. December 1863 verstorbenen Ehrenmitgliedes der Isis, Herrn Ernst
von Otto, früheren Rittergutsbesitzers auf Possendorf, an (vergl. Sitzber.
d. Isis 1864, p. 8), welcher von dessen Schwiegersohne, Hofrath Dr. A.
Drechsler auf Veranlassung des Oberbergdirector Dr. Gümbel in München
neuerdings wieder zusammengestellt worden ist. Dr. Geinitz fugt diesen
Notizen noch folgende Bemerkungen hinzu: Der Verstorbene hatte schon
bei Lebzeiten einen grossen Theil seiner sorgsam bearbeiteten Versteine-
rungen des Quadersandsteins dem Königl. Mineralog. Museum in Dresden
verehrt; nach seinem Tode ist seine Hauptsammlung der Versteinerungen
aus dem Quadergebirge durch Kauf an das K. K. Hofmineraliencabinet in
Wien übergegangen ; seine reiche Mineraliensammlung und die zoologischen
Sammlungen sind aus dem Nachlasse seines Sohnes, des Rechtsanwalts
Dr. Richard von Otto, durch dessen Wittwe hochherzig dem Königl.
Polytechnikum in Dresden überwiesen worden.
Hierauf schreitet man zur Wahl eines neuen ersten Bibliothekars.
Anwesend sind laut Präsenzliste 28 Mitglieder. Auf Vorschlag des Herrn
Dr. Helm, als Vorsitzenden des Verwaltungsrathes, wird Dr. Hermann
Louis Hofmann, Assistent für Mineralogie und Geologie am Königl.
Polytechnikum, einstimmig gewählt, welcher die Wahl annimmt.
Unter Vorlage der schönen und inhaltsreichen Festschrift des Vereins
für Naturkunde zu Cassel, 1886, lenkt der Vorsitzende die Aufmerksam-
keit zugleich auch darauf, dass die Kosten der Herstellung dieser Fest-
schrift von drei hohen Behörden, Sr. Excellenz dem Herrn Gultusminister,
28
den CommuDalständen des Regierungsbezirkes Cassel und dem Magistrat
der Haupt- und Residenzstadt Cassel bestritten worden sind. —
Der -Vorsitzende zeigt ferner eine Anzahl Gesteine aus Westafrika
vor, die ihm durch Capitain Rudolph Rabenhorst, der sie an Ort
und Stelle gesammelt bat, freundlichst übergeben worden sind:
Ein Basalt oder augitische Lava von Bimbia, Kamerun,
ein weisslicher, fester, quarzreicher Sandstein, eb.,
aus einem Profile von Benito, Westafrika, dicht an dem französischen
Posten, von oben nach unten: humöse, sandige Erde als oberste Seliicht,
ockergelben, lateritartigen, sandigen Lehm,
gelblich-braune, sandige Schieferthone und Sandschiefer,
licbtgrauen, feinkörnigen Sandstein, zum Theil mit schwärzlichem
Schiefertbon wechselnd und nach unten übergehend in schwärzlichen
Brandschiefer, hier und da mit braunem Thoneisenstein, oft von Bohr-
muscbeln benagt, zum Theil bedeckt mit aufsitzenden lebenden Meeres-
thieren, wie Baianus , SpirorUs. Serpula und Ostrea, Die zuletzt an-
stehenden reineren Brandscbiefer , welche ungleichförmig zu den oberen
Schichten lagern, enthalten zahllose Estherien und Cyprideen. Die hier
vorkommende Estheria nähert sich am meisten der E. Mangaliensis Jones
und der E. mitiuta yar. Brodieana Jones*) und- deutet vielleicht darauf
hin, dass man in diesen Brandschiefern mit rhä tischen Schichten zu
thun hat. Die Thatsache, dass in den Brandschiefem des Kohlenwerkes
Gyphergat, Stormberg in Südafrika, durch die darin aufgefundene Thiim-
feldia odontopteroides Morris sp. (Th, crassinervis Gein.)**) die rhätische
Formation bereits in Südafrika nachgewiesen worden ist, kann dieser An-
sicht nur günstig sein. Ob sie auch bei Benito kohlenfiihrend ist, wie am
Stormberge, kann nur durch weitere Nachforschungen ermittelt werden.
Dies lohnt sich um so mehr der Mühe, als Herr R. Rabenhorst ein Stück
vorzügliche Schwarzkohle gleichzeitig mit überlassen hat, das sich als Ge-
rolle bei Benito mit vorgefunden hat. —
Hierauf folgt ein eingehender Vortrag des Oberlehrer H. Engel-
hardt über die Transpiration der Pflanzen.
Fflnfte Sitzuiiff am 2i. Jani 1886. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Dr. Geinitz.
Der Vorsitzende macht Mittheilungen über die im Jahre 1886 statt-
findenden Wanderversammlungen gelehrter Gesellschaften des In- und
Auslandes.
"') T. Rup. Jones, a Monograph of the Fossil Estheriae. London 1862.
**) Ausgezeichnete Exemplare dieser Pflanze hat unser Königl. Mineralog.
Museum Herrn Thaddaeus Schrader, 1883, zu verdanken, welcher sie selbst dort
gesanmielt hat.
29
Bergingenieur A. Purgold berichtet über einen Besuch, den er zu
Ende vorigen Monats im naturgeschichtlichen Museum zu Brüssel unter-
nommen hat.
Beim Eintritt in die Hausflur fällt ein im Hofe aufgestelltes Glashaus
in die Augen, in welchem sich neben zwei riesigen vollständigen Skeletten
von Iguanodonten (J, Bemissartensis und /. Manteüi) die Skelette von
noch zwei Sauriern (OoniophoUs simus, ungefähr 2 m lang, und
Bemissartui Fagesii j etwa 1 m lang), ferner die fossilen Reste von zwei
Schildkröten (Chitrocephalus Dumonti und Peltochelis Duchastellii)^
sowie endlich Platte und Gegenplatte eines kleinen Lurches (Hylaeoha-
trachus Croyii) befinden. An der Photographie des Skelettes von Iguanodoti
Bemissartensis, welche herumgereicht wurde, konnten dessen Maasse an-
nähernd bestimmt werden: Höhe vom Fussboden bis unter die Kinnlade
des halbaafrechten Thieres 4,60 m; ganzes Thier von Nase bis Schwanz-
spitze Um. Diese seltenen und wohlerhaltenen Thiere stammen aus der
Wealdenformation des westlichen Belgiens, wo sie gelegentlich der
Steinkohlengewinnung zu Bernissart, zwischen Mons und Toumay, nahe
der französischen Grenze bei Conde, entdeckt wurden. An der Hinter-
wand des Glashauses sind zwei geologische Durchschnitte des Fundpunktes
aufgehängt, welche zeigen, dass hier die Schichten der productiven Stein-
kohlenformation in bedeutender Mächtigkeit vom Wälderthon überdeckt
werden, dass ausserdem sich hier zwischen die kohlenfiihrenden Schichten
ein ehemaliges Flussbett (vielleicht der heutigen Scheide) tief einschneidet,
das ebenfalls von der Wealdenformation erfüllt ist. In diesem alten Fluss-
bett, tief unter Tage, wurden die angeführten Thierreste ausgegraben.
Ihre äusserst kunstreiche und mühsame Wiederzusammensetzung ist dem
Gonservator des Museums, Herrn de Pauw, zu verdanken, welcher auch
die Wiederherstellung der vielen anderen hier befindlichen Skelette
besorgte.
In einem der nächsten Säle zu ebener Erde ist der erstaunliche
Reichthum an Resten grosser Wirbelthiere ausgestellt, der sich beim Bau
der neuen Befestigungen von Antwerpen gefunden hat. Darunter
zeichnen sich aus mehrere vollständige Gebisse und grosse Knochen von
Ooßyrhyna trigonadon, Knochen und Gerippe von Balaenotus insignis und
von Mecaptera affinis, ferner ein yoUständiges kolossales Skelett von
Elephds primigeniuSy zu dem das daneben gestellte Skelett eines grossen
Elephas indicus einen einleuchtenden Maassstab liefert; endlich das voll-
ständige Skelett eines Riesenhirsches nebst vielen weniger vollständigen
Resten von Elephas antiquuSy Ehinoceros tichorhinus, Sippopotamus major ^
Bison ewropaeus, Bos primigemus^ Biber, Murmelthier, Saiga-Antilope,
Elennthier, Renthier, Wapiti u. s. w., sämmtlich von Antwerpen. Endlich
von Erquelines ein ganzes Skelett vom Champsosawrus Lamoinei und
von Pachyrhynchus Gosselet% und aus dem Senon von Mons das 9 bis
10 m lange Skelett von Hainosaurus Bemardi.
30^
Darauf sind es die ausserordentlich reichen und sehr schön auf-
gestellten Sammlungen aus der älteren und jüngeren Steinzeit Belgiens,
welche die Aufmerksamkeit fesseln. Merkwürdig ist, dass aus der älteren
Steinzeit (Mammuthzeit) die Steingeräthe, welche sich in den Höhlen des
Maasthaies fanden, eine vollkommenere Bearbeitung als diejenigen zeigen,
welche ungefähr zur nämlichen Zeit in der Gegend von Mons, z. B. bei
Mesvin angefertigt wurden, wie überhaupt der Charakter der bei Mons
sich findenden Steinwerkzeuge mehr auf die damaligen Bewohner der
Becken von Paris und von London hinweist, während die des Maasgebietes
durch Material und Bearbeitung den Werkzeugen der Champagne und des
Perigord gleichen. — Aus dem Maasgebiet sind nicht weniger als
14 Fundorte (Höhlen und Grabstätten) vertreten, welche einen unglaub-
lichen Beichthum von Thierresten bargen, zugleich mit menschlichen Ge-
beinen und mit Steingeräthen und Thierknochen von Menschenhand
bearbeitet, auch einzelnen rohen Thonscherben.
In einer der Höhlen von Goyet wurden in der untersten Sinter-
schicht die Knochen von nicht weniger als 200 Bären, vermischt mit
Hyänen- und Hirschknochen, gefunden, in einer höheren Schicht zusammen
mit Menschenknochen und Steinwerkzeugen Knochen von 12 Mammuthen,
8 Rhinoceros, 57 Bären, 57 Pferden, 24 Hyänen, 35 Benthieren, 8 Auer-
ochsen, 2 Löwen, mehrerer Steinböcke, Gemsen, Hirsche und Wildschweine.
ImTrou deSureau neben ähnlichen Knochenresten ein Haufen von
Fischgräten, Wasserratten-, Frosch- und Vogelknochen, unter letzteren
nicht weniger als 575 Schneehühner! Dass zur Renthierzeit die Menschen
auch schon für Schmuck sorgten, beweist eine grosse Zahl durchbohrter
tertiärer Turritellen, die vermuthlich zu einem Halsband angeschnürt und
ohne Zweifel aus der Gegend von Bheims stammend, sich ebenfalls in jener
Höhle von Goyet fanden; ferner in der Höhle von Chaleux zu
Schmuck zerschlagene Stückchen rothen Flussspathes aus dem Devonischen
Kalkstein von Fumay oder Givet in Südbelgien zusammen mit durch-
bohrten Fuchszähnen und an 30000 Feuersteinmessern; im Trou de
Magrite zu rothem Pulver zerriebener Eisenglanz u. s. w. — Inmitten
all dieser Höhlenfunde, die ein vollständiges Bild von den Fortschritten
der Arbeit in der Steinzeit des Maasthaies darbieten, sind endlich
aufgestellt die vollständigen Skelette von 1 Felis spelaea^ 3 er-
wachsenen, 1 jungen Ursus spelaeus und sogar von 2 ungeborenen
Höhlenbärchen. —
Geh. Hofrath Dr. G ei n i t z bespricht hierauf eingehend das treflfliche, vor
Kurzem abgeschlossene Werk von Dr. Alfred Stelzner: „Beiträge zur
Geologie und Paläontologie der Argentinischen Republik", Cassel und
Berlin, 1876—1885, mit Beiträgen von Dr. Em. Kayser, H. B. Geiüitz
und Dr. C. Gottsche; berichtet dann über die Fortsetzung der hoch-
wichtigen Untersuchungen des Bergrath A. Stelzner über die Bildung der
Erzgänge unter Bezugnahme auf dessen neueste Abhandlung: „lieber den
3J^_
ZinDgebalt und über die chemische Zusammensetzung der schwarzen
Zinkblende von Freiberg", von Dr. A. W. Stelzner und Dr. A. Schertel.
Freiberg 1886» und legt schliesslich noch zwei neue, auf die geologischen
Verhältnisse von Sachsen bezugnehmende Schriften von Georg Bruder
in Prag vor:
lieber die Jura-Ablagerungen an der Granit- imd Quadersandstein-
grenze in Böhmen und Sachsen, Frag 1886 (Lotes, YII. Bd.), und:
Nene Beitrage zur Kenntniss der Jura-Ablagerungen im nördlichen
Böhmen, II. Wien 1886. (Sitzber. d. Kais. Ak. XCIII. Bd.)
Veränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 7. Januar 1886 starb zu London Prof. John Morris. Geboren
am 19. Februar 1810 in der Dämmerungszeit der Geologie Englands, be-
schäftigte er sich schon in der Jugend mit der Untersuchung der fossilen
Organismen seines Vaterlandes, als deren erste Frucht 1830 seine
^ySyfioptical Table of British Organic Remains^^ erschien. 1845 veröflFent-
lichte er den ,^C(Ualogue of British FossiW^, dessen zweite Auflage 1854
folgte und dessen dritte jetzt zum Andenken an ihn vorbereitet Mrird.
1854—1877 hatte er die Professur für Geologie am üniversity College
inne. unserer Gesellschaft gehörte der Verewigte seit 1867 als Ehren-
mitglied an.
Am 31. Januar 1886 verschied in Dresden das frühere langjährige
Mitglied, der Betriebssecretär a. D. Gottfried Boscher.
Im Alter von 78 Jahren verstarb zu Linz am 23. April der Kaiserl.
Rath Franz Carl Ehrlich, Mitglied des Verwaltungsrathes und eme-
ritirter Gustos des Museums Franzisko - Carolinum , correspondirendes
Mitglied der Isis seit 1872.
Am 10. Mai 1886 starb in Dresden Franz Osmar Thüme, Lehrer
an der öffentlichen Handelslehranstalt der Dresdener Kaufmannschaft, seit
1867 Mitglied der Isis, um welche er sich durch seine aufopfernde
Tbätigkeit als langjähriger erster Bibliothekar grosse Verdienste erworben
hat. Ueber sein Leben vergl. den Nekrolog S. 3 dieses Heftes.
Der Reihe der Ehrenmitglieder der Isis, welcher derselbe seit 1846
angehört hatte, wurde am 1. Juni 1886 Geheimer Hofrath Professor Dr.
Julius Adolph Stöckhardt in Tharandt durch den Tod entrissen.
Geboren zu Röhrsdorf bei Meissen im Jahre 1809 als Sohn des dortigen
Pastors, wandte sich Stöckhardt nach seinen Schuljahren dem Studium
der Pharmacie und Chemie zu, war eine Zeit lang im Struve'schen Labo-
ratorium in Dresden beschäftigt, wirkte dann mehrere Jahre als Lehrer
an dem hiesigen ßlochmann'schen Institute, hierauf 8 Jahre lang an der
Königl. Gewerbeschule in Chemnitz, bis er am 1. October 1847 an die
Tharandter Forstakademie als Professor der landwirthschaftlichen Chemie
32
berufen wurde. In dieser Stellung, die er bis wenige Jahre vor seinem
Tode inne hatte, hat sich Stöckhardt durch unermüdliche Wirksamkeit in
Wort und Schrift um die Verbesserung des Ackerbaues und der Land-
wirthschaft überhaupt in hohem Grade verdient gemacht.
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
am28. Januar 1886.
Maler Anton Pohl in Blase witz,
Privatus James Wilkinson in Dresden,
Fabrikbesitzer Rob. Hirt in Dresden,
Privatdocent Dr. Mart. Grübler in Dresden,
Freiherr Arth. von Burgk in Dresden,
Assistent am Königl. Polytechnikum Dr. Karl
Reiche in Dresden,
Assistent am Königl. Polytechnikum Dr. Ed. Seelig
in Dresden,
Oberstabsarzt Dr. Weise in Blase witz.
am25.Februarl886.
am 25. März 1886.
Neu ernannte Fjhrenmitglieder:
Regierungsrath a. D. C. Mor. Rossberg in Dresden, am 25. Februar
1886, als Mitstifter der Isis.
Aus der Reihe der wirklichen Mitglieder in die der correspon-
direnden ist übergetreten:
Pharmaceut Walth. Stauss in Thun in der Schweiz.
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34
Voranschlag
fDr das Jahr 1886 nach Beschlags des Yerwaltaiiii^srathes vom S4. Februar
and der HaaptTersammlunf vom 35. Febraar 1886.
Gehalte ......
Inserate
Lokalspesen ....
Buchbinderarbeiten . .
Bücher und Zeitschriften
Sitzungsberichte . . .
Insgemein
Mk.
623
70
130
136
964
1125
75
Suninia Mk. 3123
35
An die Bibliothek der Gtesellsohaft Isis gingen in den
Monaten Januar bis Juni 1886 an (beschenken ein:
Aa 2. Abhandl. , herausgeg. v. naturw. Verein in Bremen. IX. Bd. 3. Hft.
Bremen 86. 8.
Aa 5. Jahresber. d. naturhist. Gesellsch. zu Nürnberg. 1885. Nürnberg 86. 8.
Aa 9. Kobelt, Reiseerinnerungen aus Algerien u. Tunis. V. d. Senkenb.
natf. Oes. herausgeg. Frankfurt a. M. 86. 8.
Aa 9a. Bericht über die Senkenberg'sche naturf. Ges. 1885. Frank-
furt a. M. 86. 8.
Aa 11. Anzeiger d. K. K. Akad. d. Wissensch. in Wien. Jhrg. 1885, Nr. 25—27;
Jhrg. 1886, Nr. 1—10.
Aa 14. Archiv d. Vereins der Freunde d. Naturg. in Mecklenburg. 39. Jhrg.
Güstrow 85. 8.
Aa 18. Bericht, XXVEEL, d. naturh. V. in Augsburg. Augsburg 85. 8.
Aa 23. Bericht über die Thätigkeit d. St. Gallischen naturw, Ges. 1883/84.
St Gallen 85. 8.
Aa 26. Bericht, XXTV., der oberhess. Ges. f. Natur- u. Heilkunde.
Giessen 86. 8.
Aa 30. Bericht der wetterauischen Ges. f. d. ges. Naturkunde zu Hanau.
1883/85. Hanau 85. 8.
Aa 34. Korrespondenzbl. des Naturfoisch. Ver. zu Riga. 28. Bd. Riga 85. 8.
Aa 41. Gaea, Zeitschr. f. Natur u. Leben. Jhrg. 22. Hft 1—6. Köhi 86. 8.
Aa 43. Jahresbücher d. Nassauischen Vereins f. Naturkunde. Jhrg. 38.
Wiesbaden 85. 8.
Aa 48. Jahresber., 70., d. naturf. Ges. in Emden. 1884/85. Emden 86. 8.
Aa 54. Jahresber., 50. u. 51., d. Mannheimer Vereins f. Naturk. 1883/84.
Mannheim 85. 8.
Aa 55. Bericht, XIII., des naturh. Vereins in Passau f. 1883/85. Passau 86. 8.
Aa 60. Jahreshefte d. Vereins f. vaterlandische Naturkunde in Württem-
berg. 42. Jhrg. Stuttgart 86. 8.
Aa 62. Leopoldina. XXL Bd. Nr. 21—24. XXIL Bd. Nr. 1—8.
Aa 64. Magazin, neues lausitzisches. 61. Bd. 2. Heft Görlitz 85. 8.
Aa 69. Mittheilungen aus dem Osterlande. Neue Folge. III. Bd. Alten-
burg 86. 8.
Aa 71. Mittheilungen d. Ges. f. Salzburger Landesk. 25. Vereinsjahr. Salz-
burg 85. 8.
Aa 72. Mittheilungen d. natw. Ver. für Steiermark. .Thrg. 84. Graz 85. 8,
36
Aa 80. Schriften der naturw. Gesellsch. in Danzig. N. F. VI. Bd. 3. Hfl.
Danzig 86. 4.
Aa 82. Schriften d. Vereine zur Verbreitung naturw. Kenntn. in Wien.
25. Bd. 84/85. Wien 85. 8.
Aa 83. Sitzungsber. und Abhandlungen d. naturw. Qes. Isis in Dresden.
Jhrg. 1885. Dresden 85. 8.
Aa 85. Sitzungsberichte des phys.-med. Ges. zu Würzburg. Jhrg. 1885.
Würzburg 85. 8.
Aa 87. Verhandlungen des naturf. Ver. in Brunn. Bd. XXIII. Heft 1, 2, 85. 8.
Aa 87. Bericht der meteorol. Commission des natf. Ver. in Brunn über das
Jahr 1883. Brunn 85. 8.
Aa 93. Verhandlungen d. nathist. V. der preuss. Eheinlande, Westphalens und
Beg.-B. Osnabrück. 42. Jhrg. 2. Hälfte. Bonn 85. 8.
Aa 101. Annais of the New -York Acad. of. sciences. Vol. HI. N. 7, 8.
New-York 85. 8.
Aa 106. Memoirs of the Boston society of nat. history. Vol. III. Nr. 11.
Boston 85. 4.
Aa 109. Becord, the Canadian, of science. Vol. II. N. 1, 2. Montreal 86. 8.
Aa 111. Froceedings of the Boston society of natural history. Bd. XXII.
Part 4. Bd. XXIII. Part 1. Boston 84/85. 8.
Aa 134a. Bulletin de la soci^tö imp. des natural, de Moscou. Annäe 84. Nr. 4.
Moscou 85. 8.
Aa 134b. Nouveaux m^moires de la soci^t^ imp. des natural, de Moscou. T. XV.
Liv. 1—3. Moscou 84/85. 4.
Aa 138. Mämoires de Tacad. des sciences et belles-lettres de Dijon. III. Ser.
Tome 8. Dijon 85. 8.
Aa 148. Atti d. Societl^ dei Naturalisti di Modena. Memoire. Ser. UI. Bd. IV.
Ann. 19. Modena 85. 8.
Aa 149. Atti de Tacad. Gioenia d. sc. naturali in Gatania. Ser. III. T. 18.
Catania 85. 4.
Aa 170. Froceedings of the American Academy. N. S. Vol. XIII. P. I.
Boston 85. 8.
Aa 173. Jahresber.) 16. , u. Abhandlungen d. natf. V. in Magdeburg. Magde-
burg 85. 8.
Aa 179. Jahresber. d. V. f. Naturk. zu Zwickau. 1885. Zwickau 86. 8.
Aa 187. Mittheilungen d. deutsch. Ges. für Nat.- u. Völkerkunde Ostasiens.
34. HefL BerUn 86. 4.
Aa 193. Atti de la Societk Veneto-Trentina d. Sc. naturali res. in Padova.
Bd. IX. Pasc 2. Padova 86. 8.
Aa 202. Berichte über die Verhandlungen der K. S. Ges. d. Wiss. zu Leipzig.
Math.-phys. Gl. III. 1885. Leipzig 86. 8.
Aa 208. Boletin de la Acad. Nac. de Giencias en Cordoba. T. VIII. Entr. 2, 3.
Buenos'Ayres 86. 8.
Aa 209. Atti d. Soc. Toscana de Scienze natur. Proc. verbali. Vol. V.
Nov. 85. Jan. 86. März 86. Memorie. Vol. VII.
Aa 212. Sitzungsber. d. phys.-med. Soc. in Erlangen. Hffc. 16, 17. Erlangen 85. 8.
Aa 213. Jahresber., XV., des V. f. Naturk. in Oesterreich ob d. E. zu Linz. Linz 85. 8.
37
Aa 216. Jahrbuch d. süd-ung. natw. Oesellsch. in Temesvar. IX. Bd. 3. u.
4. Hfl. Temesvar 85. 8.
Aa 217. Archives du MusÄe Teyler. Ser. II. Vol. II. P. 3. Harlem 85. 8.
Aa 217. Fondation Teyler. Gatalogue de la biblioth^ue. I., II. liv. 85. 8.
Aa 221. Bulletin de 1. soc. d'agriculture, sc. et arts d. 1. Sarthe. ü. Ser.
22. T. 2. Fase. Le Mans 86. 8.
Aa 222. Proceedings of the Canad. inst. III. Ser. III. Vol. 3. Fase.
Toronto 86. 8.
Aa 224. Travaux de la soc. d. naturalistes ä Tuniv. de Charkow. T. 19.
Charkow 85. 8.
Aa 226. Atti d. R. Acad. dei Lincei. Rendiconti. Ser. IV. Vol. I. Fase. 26,
27, 28. Vol. IL Fase. 1—11. Roma 85/86. 4.
Aa 2.30. Anales d. 1. soc cientifica Argentina. Tome 20. Entr. 1 — 6; Tome 21.
Kntr. 1, 2. Buenos-Ayres 86. 8.
Aa 239. Proceedings of the royal soc. Nr. 239—241. London 86. 8.
Aa 240. Science oKserver. VoL IV. Nr. 12. 86.
Aa 242. Festschr. d..Ver. f. Naturk. in Cassel. 86. 8.
Aa 243. Tromse Museums Aarshefter VUL Tromso 85. 8.
Aa 243. Tromse Museums Aarsbereting for 1884. Tromse 85. 8.
Aa 244. Proceedings and l^ransact. of the nat. bist. soc. of Glasgow. N. S.
VoL I. P. II; Index for 1851—83. Glasgow 85. 8.
Aa 248. Bulletin de la soc. Vaud. d. sc. nat. 3. Ser. VoL XXI. Nr. 93.
Lausanne 86. 8.
Aa 252. Sociöt^ Linnöenne du Nord de la France. Nr. 123—138.
Aa 254. Mitth. d. natf. Ges. in Bern aus d. J. 1885. Heft 2. Bern 85. 8.
Aa 257. Archives N^rland. d. sciences exactes et nat. Tome XX. Liv. 4.
Haarlem 85. 8.
Aa 258. Transactions of the New- York Acad. of Sciences. Vol. III. 1883—84;
VoL V. Nr. 1. New-York 85. 8.
Aa 268. Science. Published weekly at Cambridge. Nr. 149—174. Cambridge 86. 8.
Aa 269. Sitzungsber. d. kgl. böhm. Ges. d. Wiss. in Prag. Jahrg. 82—84.
Prag 82/84. 8.
Aa 270. Jahresber. d. kgL böhm. Ges. d. Wiss. Juni 82. Juni 83. Juli 84.
JuU 85. Prag 82/85. 8.
Aa 270a. Geschichte d. kgL böhm. Ges. d. Wiss. Von J. Kalousek. 1., 2. Hft
Prag 84/85. 8.
Aa 270b. Die kgL böhm. Ges. d. Wiss. von 1784/1884. Verzeichnis d. Mitgl.
Prag 84. 8.
Aa 270b. Generabegister d. Schrifken d. kgL böhm. Ges. d. Wiss. 1784/1884.
Prag 84. 8.
Aa 271. Abhandlungen d. math.-natw. Klasse d. kgl. böhm. Ges. d. Wiss.
1883/84. VI. F. 12. Bd. Prag 85. 4.
Aa 271. Bericht über die mathem.-natw. Publicationen d. kgL böhm. G. d. W.
Heft 1 u. 2. Prag 84/85. 8.
Aa 272. Geschaftsber. d. Ges. d. Mus. d. Kgr. Böhmen. 1885. Prag 86. 8.
Aa 275. Natura, Maandschrift for Naturwetenschapen. 3. Jahrg. Lief. 10.
Gent 85. 8.
Aa 276. Jahrbuch d. Hamburg, wissensch. Anstalten. II. Jahrg. Hamburg 85. 8.
4
38
Aa 278. Circulars, John HopkinB Univ. Vol. IV. Nr. 34-42; Vol. V.
Nr. 43--49. Baltimore 85. 4.
Aa 279. Jahresber. d. VorsteherBchaft d.« natnrh. Museums in Lübeck £ 18B4.
Lübeck 1885. 4.
Aa 280. Annalen des k. k. naturh. Hofmuseums. Bd. I. Nr. 1. Wien 86. 8.
Aa 281. Ninni, A. P. e P. A. Saccardo. Comment. d. Fauna, Flora e Gea
del Veneto. Anno I. Venedig 69. 8.
Ab 78. Senoner, Genni Bibliographien 85. 8.
Ba 14. Bulletin of the Mus. of comparat. zool. Bd. XIL Nr. 3, 4. Cam-
bridge 86. 8.
Ba 22. Beport; 14., of the Board of Dir. of the zool. Soc. of Philadelphia.
Philadelphia 86. 8.
Ba 25. John Hopkins Univ., Baltim«: Studies from the biological labor.
Vol. III. Nr. 2—6. Baltim. 85/86. 8.
Sopra i chirotteri veneti. 1861. 8.
Sopra la lepre bianca delle alpi veneti.
Gli anacantini del mare adriatico.
Sopra alcune varietä del Tropidonotus natrix.
Suir Aphya phalerica.
Forme inedite o poco note di Bosicanti Veneti.
Breve nota intomo al Marasso nel Veneto.
Beplica alla nota del Comm. £. de Betta.
Sulla mortalita dei Oamberc.
Sopra la causa che impedisce il libero esercizio della ....
Sopra una forma di Tonno nuova per l'Adriatico.
Oss. Bulla mute del Larus melanocephalus.
Nuova specie di Gobius.
Indice degli Aracnidi veneti del . . .
Catalogo degli uccelli del Veneto.
Contribuzione per lo studio degli Ortotteri Veneti.
Catalogo dei Ghiezzi etc.
Appendice alla nota sugli Anacantini etc.
Catalogo degli Araneidi Trevigiani.
Cenno critico sopra il recentissimo Scritto del Comm.
de Betta etc.
Saggio dei Prodotti acquatici etc.
Ortotteri Veneti.
Enumerazione dei pesci della lagime etc.
Synopsis iconographiae faunae ital. etc.
Sui pesci, che prolificano nella laguna di Venezia.
La pesca nella provincia di Treviso.
Notizie intomo agli animal vertebr. etc.
Effetti della puntura di ano scorpione etc.
Materiali per la Fauna Veneta.
Mat. per una Fauna Veneta.
irop. Ges. in Wien. Bd, XV. Heft 2. 86.
Meyer, A. B., u. Finsch, O. Vögel v. Neu-Guinea. I. Paradiscidae.
Pest 85. 8.
Bb
55.
Ninni,
A. P.
Bb
56.
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Bd
1.
Mitth.
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46.
Meyer
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39_
Bf 55. Liebe, Th. Die Uebelthäter in der Vogelwelt. HaUe 85. 8.
Bf 55. „ „ OrnithoL Skizzen. VIII. Unsere Taucher. Halle 85. 8.
Bf 55. „ „ Veränderlichkeit im Nestbau der einzelnen Vogelarten.
HaUe 85. 8.
Bf 55. „ „ Columba oenas. Die Hohltaube in der Gefangenschaft.
Halle 85. 8.
Bf 57. Zeitschr. d. omithol. Vereins. V. Nr. 1—4, 6. Stettin 86. 8.
Bg 25. Ninni, A. P. Sopra le ranae fuscae del Veneto. Venedig 85. 8.
Bi 4. Proc. Verb. d. soc. royale Malacolog. de Belgique. Aug. bis Dec. 1885.
BruxeUes 85. 8.
Bi 84. Bourguignat, J. R. Lettres malacol. h Mr. Brusina d' Agram et
Kobelt d. Frankf. Paria 82. 8.
Bi 85. Ninni, A.P. Modelli delli amesi. Venedig 81. 8.
Bk 9. Entomol. Zeitachr., deutsch. Jahrg. 85. 1. 2.
Bk 12. Entomol. Tidskrift. Arg. 6. Haft 1—4. Stockholm 85. 8.
Bk 13. Annales de la soc. entom. de Belgique. 29. Bd. 2. Theil.
BruxeUes 85. 8.
BI 25. Cambridge, V. P. Scientific Results of the 2. Yark and Mission:
Araneidea. Calcutta 85. 4.
Ca 14. Bericht, IX., des bot. Ver. in Landshut über die Vereinsj. 1881 — 85.
Landshut 86. 8.
Ca 16. Bull. d. 1. soc. r. de botan. de Belg. T. 24. Fase. 2. BruxeUes 86. 8.
Ca 17b. Lmischia. V. Jahrg. 10— »12, Sondershausen 85. 8.
Ca 18. Revue de botan. T. 3. Nr. 41—45. Auch 85. 8.
Cb 39. Geheeb, A. Ein Blick in die Flora des Doorefjelds.
Cb 39. Geheeb, A. Vier Tage auf Smölen u. Aedö. Sep.-Abdr. 1886. 8.
Cd 91. Schaffranek. The Flora of Paltaka and Vincinity. Paltaka 85. 4.
Cd 92. Woolls, W. The plants of New-South- Wales. Sidney 85. 8.
Da 3. Bolletino d. R. Comm. Geol. dltalia. 1885. Nr. 7—12. 1886. Nr. 1. 2.
Roma 85/86. 8.
Da 4. Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. 35. Bd. 4.Hft.; 36. Bd. l.Hft. 86. 8.
Da 7. Journal of the R. geol. Soc. of Ireland. N. S. Vol. VI. P.3. Dublin 86. 8.
Da 8. Memoirs of the geol. Survey of Lidia. Vol. XXI. P. 3. 4. Cal-
cutta 85. 8.
Da 9. Memoirs of the geol. Survey of India. Palaeont. Indica. Ser. IV.
VoL L; Ser. X. Vol. HL: Ser. XIH. Vol. I. V.; Ser. XV. L HL
Calcutta 85. 4.
Da 11. Records of the geoL survey of India. Vol. XVIII. P. 4; Vol. XIX.
P. I. n. Calcutta 85. 8.
Da 16. Verhandlungen der k. k. Reichsanst. Jhrg. 85. Nr. 8—18; .Thrg. 86.
Nr. 1. Wien 86. 8.
Da 17. Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. Bd. 37. Heft 3, 4. Berlin 86. 8.
Da 20. Transactions of the Manchester geol. soc. Vol. 18. P. 12—19.
Manchester 86. 8.
Da 21. Reports of the Mining Registrars. The Gk)ld Fields of Victoria.
Sept. 1885. December 1885. Melbourne 86. 4.
Da 22. Annales d. 1. soc. geol. de Belgique. T. XII. Liegh 85. 8.
4* *
40
Da 23. Nachrichten des geol. Comitöa in Petersburg. T. IV. Nr. 8—10.
Petersburg 85. 8.
Db 49. Websky, M. lieber Constr. flacher ZonenbÖgen bei Gebrauch d.
stereogr. Kugelproj. Wien 86. 8.
Db 76. Dathe, E. Kersantit in Culm v, Wüstewaltersdorf in Schlesien.
Berlin 85. 8.
Db. 81. Williams, A. Mineral Resources of the Un. St. Washington 84/85.
De 104. Stelzner, A. Beiträge z. Geol. u. Pal. d. Argent. Rep. I. Geol.
Theil. Cassel u. Berlin 85. 4.
De 120a. Report IV., Annual, of the TT. St. geol. Survey. By J. W. Powell.
Washington 84. 4.
De 120b. Bullet, of the United States geol. Survey. . Nr. 7—14. 84/85.
De 136. Jentzsch, A. Beiträge zum Ausbau d. Glacialh3rp. etc. Berlin 85. 8.
De 146. Credner, Herrn. Geol. Specialk. d. Kgr. Sachsen. BL 13. 30. 41. 57.
124. 135. 144. 146. 151. 152. 154—156. Nebst Erläuterungen.
Leipzig 85/86. 8.
De 168. Gümbel, W. v. TJebers. über d, geol. Verh. des Beg.-Bz. Oberbayem.
München 85. 8.
De 169. Dathe, E. lieber geol. Aufo. an der Westseite der Hohen Eule.
Berlin 85. 8.
De 170. Pagot, V. Deser. petrogr. des roches des terrains crist. du Mont Blanc.
Genevfe 86. 8.
De 171. Carthaus, E. Mitth. über d. Triasf im nordöstl. Westph. Würzburg 86. 8.
De 173. Geinitz, F. E. Die Bildung der „KantengeröUe". Rostock 86. 8.
De 174. Verbeek, R. D. M. u. Fenema. Neue Geol. Entdeckungen auf Java.
Sep.-Abdr. d. Neuen Jahrb. f. Min. etc., Beil. Bd. 11.
De 175. Verbeek, R. D. M. Over de Tijdsbepaling der grootste expl.
V. Krakatau. Amsterdam 84. 8.
De 176. „ „ Kort Verslag ov. d. Uitb. v. Krakatau.
Batavia 84. 8,
De 177. „ „ Tertiärform. v. Sumatra. Cassel 83. 4.
De 178. „ „ Over de Dikte der tertiaire Afzettingen op
Java. Amsterdam 83. 4.
De 179. „ „ Geol. Aanteekeningen ov. d. Eilanden v. d.
N.-J. Archipel Amsterdam 81. 4.
De 180. „ „ Krakatau. I. u. II. Theil. Dazu ein Album.
Batavia 85. 8.
De 181. „ „ Topogr. en geol. Besch. v. Sumatras Westküste.
Nebst Atlas u. Profilen. Batavia 83. 8.
De 182. „ „ Barometr. Hoogte Tafel van Nederlandsch Indie.
De 182a. „ „ Ueber Pyroxen-Andesite des Niederl. Ind.
Archipels. 85. 8.
De las. Muschketow. Turkestan. Petersburg 86, 4.
De 184. Theile, Fr. Geschliflfene Geschiebe (Dreikanter), ihre Normaltypen
u. ihre Entstehung. Dresden 85. 4.
De 185. Körnig, A. Geol. Skizze d. westl. Alpen. Meissen 85. 8.
Dd 19. Fritsch, Dr. A. Fauna der Gaskohle u. d. Kalkst, d. Permform.
Böhmens. Bd. II. H. 2. 85. 4.
Dd 110.
Dd 121.
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Dd HO. NovÄk, O. Nouveau CruBtacd Phyllocaride de r^tage F— f 2 en
Bohfeme. Prag 85. 8.
Noväk, O. Studien an Hypostonien böhin. Trilobiteu. N. UI. Prag 85. 8.
Perthes, M. Boucher de. De la machoire hum. de Moulin-Quignou.
Paris 61. 8.
American journ. of Matheraatics. Bd. VII. Nr. 1—4; Bd. VIII. Nr. 1, 2.
' Baltimore 85/86. 4.
Bolletino meteorol. VoLV. Nr. 8—12; Vol. VI. 1.2. Moncalieri 85/86. 4.
Aunalen d. phys. Centralobs. Jahrg. 84. Theil 1, 2. Petersburg 85. 8.
Meteorol. Beobacht. in Meissen. 85.
Diagramme d. mag. u. meteor. Beob. zu Klagenf. Witt. j. 84.
Klagenfurt 85. 4.
Meteorol. Zeitschrift. III. Jahrg. Nr. 1 — 6.
TeiTemotoB de Andalucfa. Informe d. 1. comission etc. Madrid 85. 8.
Loomis, E. Coutributions to Meteorol. New-Haven, Conn. 85. 4.
American chemical Journal. Vol. VI. Nr. 6; Vol. VII. Nr. 1 — 6;
Vol. VIII. Nr. 1. 2. Baltimore 85. 8.
£d 61. Liebig, J. Die org. Chemie in ihrer Anwendung auf Agric. u.
Physiol. Braunschweig 40. 8.
£d 62. Rochleder. Anleitung z. Analyse v. Pflanzen u. Pflanzentheilen.
Würzburg 58. 8.
Fa 2. Boll. d. Boc. geogr. ital. Ser. II. Vol. X. Fase. 12; Vol. XI.
Fase. 1—3. Roma 85. 8.
Jalu-esbericht, 21., d. Ver. f. Erdkunde zu Dresden. Dresden 85. 8.
Notizblatt d. Ver. f. Erdkunde in Dannstadt. IV. Folge, 6. Heft.
' Darmstadt 85. 8.
Mittheilungen d. Ver. f. Erdkunde zu Halle. 1885. Halle a. S. 85. 8.
Revista d. J. bqc. geogr. argent. Tome IV. Cuad. 33 — 39. Bueuos-
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V. Müller^ F. Proceedings of the annual Meeting of the geograph. Soc.
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Fa 27. Mittheilungen d. Centralcomm. f. wissenschaftl. Landesk. v. Deutschi.
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G 54. Bullettino d. paletn. ital. S. II. T. I. Nr. 11. 12; T. U.
Nr. 1—4. Roma 85. 8.
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Fa
6.
Fa
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Fa
16.
Fa
22.
Fa
25.
Fa
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42
G 75. Neues Archiv f. sächs. Gesch. u. Alterthumskunde. VII. Bd.
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Ja
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Ja
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Ja
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Ja
68.
Abhandlungen
der
natuF^vissenschaftliehen Gesellschaft
in Dresden.
1886.
I. Die Dissoeiatlon der Yerbrenrnrngsprodaete und
ihre Bedentang ffir die PyroteelmUL
Von Friedr. Siemens in Dresden.
(Mit Tafel I und IL)
Man nimmt gewöhnlich an, dass praktische Erfolge auf technischem
Gebiete, welche auf einer wissenschaftlichen Grundlage basiren, aus der
vorher entwickelten und bereits erlangten wissenschaftlichen Erkenntniss
hervorgegangen sind; oder kurz gesagt, dass die Wissenschaft der Praxis
die Wege bahnt. So richtig dieser Satz im Allgemeinen ist, so giebt es
doch auch umgekehrte Fälle, und dahin gehört die wissenschaftliche Er-
örterung, welche ich Ihnen heute vorzutragen die Ehre habe.
Zur Zeit, als ich zuerst damit vorging, die Heizkammem meiner
Regenerativgasöfen derart umzuändern, dass nur die strahlende Wärme
der Flamme innerhalb der Kammer zur Wirkung gelangte, hatte ich
durchaus nicht die Absicht, wissenschaftliche Probleme zu lösen. Ich
baute nur weiter auf gewisse Erfahrungsgrundsätze, welche mir gelehrt
hatten, dass die Berührung der Flamme einen höchst nachtheiligen Ein-
fluss auf das Ofenmaterial und das eingebrachte Gut ausübt und dass auch
die Leistung eine geringere wurde, sobald die Flamme keinen gehörigen
Spielraum zu ihrer Entwickelung fand. Die Sache hatte für mich nur
Interesse vom Standpunkte des Fabrikanten, der bestrebt ist, den Betrieb
zü vervollkommnen, das Ausbringen zu erhöhen und den erzeugten Ar-
tikel nicht nur billiger, sondern auch besser herzustellen. Die wirklich
erlangten Vortheile waren vollkommen übereinstimmend mit meinen Be-
strebungen. Dadurch, dass ich vermied, dass die Flamme in ihrem ersten
oder activen Yerbrennungsstadium irgend einen Theil der inneren Ofen-
kammerwände oder das eingebrachte Gut berührte, erhielt ich eine wesent-
.lich erhöhte Temperatur in der Ofenkammer und gleichzeitig trotz der
höheren Temperatur eine ausserordentliche Verlängerung der Haltbarkeit
des Ofens, verbunden mit einer Zunahme der Quantität und einer wesent-
lichen Verbesserung der Qualität der erzeugten Waaren.
Erst nachdem ich mich von den Vortheilen des neuen Heizverfahrens
für den Betrieb meiner Dresdener Glashütte hinreichend überzeugt hatte,
entschloss ich mich, eine neue Glashütte anzulegen, um das Verfahren in
möglichster Vollkommenheit zur Geltung zu bringen, was in einem alten,
räumlich beschränkten Werke, wie meine hiesige Glasfabrik, nicht so leicht
zu ermöglichen ist. Die österreichische Regierung ging zu der Zeit gerade
damit um, einen Zoll auf gewöhnliche Glaswaaren zu legen, und da ich
bedeutende Quantitäten Glaswaaren nach Oesterreich exportirte, fand ich
es für vortheilhaft, diese neue Hütte in Böhmen anzulegen. So begann
ich denn im Jahre 1878 den Bau meiner neuen Hütte in Neusattel-
On, h%8 tu Dietdm, 1886. — Abta. 1.
Elboge-n bei Karlsbad. Die erste grosse Glasschmelzwanne mit
runder Ofenkammer von etwa 10 m innerem Durchmesser, vollständig
nach dem neuen Verfahren der ausschliesslichen Benutzung der strahlenden
Wärme der Flamme in der Ofenkammer selbst, dagegen der Ausnutzung
der noch in den Verbrennungsproducten enthaltenen Wärme in den Re-
generatoren des Ofens durch directe B.erührung mit den darin befindlichen
Ziegelmassen wurde im Frühjahr 1879 in Betrieb gesetzt. Der Erfolg war
so befriedigend, dass ich noch in demselben Jahre eine zweite Wannd in
Betrieb setzte, der fast jährlich ein neuer Ofen folgte, so dass ich jetzt
auf meiner böhmischen Hütte allein vier grosse continuirlich schmel-
zende und arbeitende Glaswannenöfen für Flaschen, eine solche für Tafel-
glas und einen grossen Hafenofen für gemischte Waare im Betrieb habe.
Meine Elbogener Hütte beschäftigt jetzt allein über 1000 Arbeiter.
Seit jener Zeit habeich die Dresdener und Döhlener Glashütten
auf Grundlage des neuen Heizverfahrens vollständig umgeändert und sehr
erweitert, auch alle Nebenöfen, wie Kühl-, Temper-, Brenn- und Glüh-
öfen, und auch die Kesselfeuerungen darnach eingerichtet. Die Press-
hartglasfabrikation ist erst durch die Anwärmöfen nach meinem Heiz-
verfahren möglich und lohnend geworden. Auch auf anderen Fabriken für
Glas sowohl, wie für andere Zwecke, sind nach meinem Verfahren con-
struirte Oefen mit gleichgünstigem Erfolge ausgeführt; namentlich auf den
Landore Siemens Steelworks in South Wales, wo das Verfahren
mit durchschlagendem Erfolge zur Anwendung gekommen ist. Ich muss
hier davon absehen, mein neues Heizverfahren eingehend zu beschreiben
und verweise daher auf meinen Vortrag im Sächsischen Ingenieurverein in
Leipzig. Für diejenigen Herren, welche sich genauer zu informiren
wünschen, steht die betreflfende Nummer des hier in vielen Exemplaren
vorliegenden Vereins- Journals „Der Civilingenieur"^) zur Verfügung.
Bezüglich der theoretischen Auseinandersetzung, womit ich versucht
habe, die praktisch erlangten Resultate zu erklären, hebe ich hervor, dass
ich eine allgemein acceptirte Verbrennungstheorie angenommen habe, wo-
nach die Flamme ein chemisch oder physikalisch sehr aufgeregtes Gas-
gemisch darstellt. Die einzelnen Gasatome befinden sich in heftiger
Bewegung, wahrscheinlich sich gegenseitig umkreisend und zwar mit blitz-
artiger Geschwindigkeit. Wenn nun mit einem derartig aufgeregten
Gasgemisch, dessen Atome in der heftigsten Bewegung begriffen sind, feste
Körper oder Flächen in directe Berührung gebracht werden, so müssen
diese Flächen eine stark beruhigende Wirkung auf die sich in Bewegung
befindlichen Gasmoleküle ausüben. ,Die Flächen wirken durch Adhäsion
und Attraction auf die Gasatome ein, folglich kann die Verbrennung,
welche durch die Bewegung der Atome bedingt ist, nicht gehörig statt-
finden. Die Flächen selbst müssen bedeutend leiden, weil die in heftigster
Bewegung befindlichen Gaspartikelchen blitzartig dagegen schlagen, oder
anders ausgedrückt: die kinetische Energie dieser anschlagenden
Moleküle wird in Arbeit umgesetzt, welche durch die Zerstörung der
Oberflächen ihren Ausdruck findet. Die grosse Wärmeausstrahlungs-
fähigkeit der Flamme in ihrem Verbrennungsstadium erklärt sich hin-
länglich durch die Anwesenheit freier, aus den Kohlenwasserstoffgasen
dissociirten , d. h. ausgeschiedenen Kohlenstofftheilchen , welche als feste
Körper auftreten, schliesslich die Temperatur der Flamme annelxmen und
') Bd. XXX. 1884. Hft. 8.
gleich kleinen Glühlichtern sowohl licht wie Wärme ausstrahlen. Diese
ausgeschiedenen Kohlentheilchen können nur so lange bestehen, als die
Verbrennung noch nicht vollendet ist. Dieselben verbrennen in der
Hauptsache zu Kohlensäure, bilden also ein klares Gas , welches gleich
den übrigen klaren Verbrennungsproducten trotz hoher Hitze nur geringe
Leuchtkraft besitzt und deshalb auch wenig Wärme ausstrahlt, denn Licht
und Wärme folgen denselben Gesetzen. Der Flamme kann daher in
ihrem zweiten Stadium die Wärme nur durch directe Berührung entzogen
werden.
Es sei noch bemerkt, dass eine Flamme Licht und Wärme in einem
günstigeren Verhältnisse ausstrahlt als feste Körper, und zwar aus dem
urunde, weil die unendlich kleinen leuchtenden Kohlentheilchen in der
Flamme so weit von einander entfernt sind , dass* alle Theilchen nach
' allen Richtungen hin ausstrahlen , ohne sich gegenseitig zu decken. Die
Flamme strahlt demnach auch von innen heraus, muss also in Bezug auf
Licht und Wärmeausstrahlung nach ihrem Inhalt nnd nicht, wie feste
Körper, nur nach der Oberfläche bemessen werden. Daher ist es auch
hinlänglich erklärlich, warum grosse Flammenkörper so ausserordentlich
viel Wärme ausstrahlen, wodurch man in die Lage kommt, die Heizung
einer grossen Ofenkammer ausschliesslich nur auf die Wärmestrahlung
zu basiren.
Erst im Jahre 1883, nachdem ich das Londoner Ingenieurgeschäft
meines verstorbenen Bruders Wilhelm, unter dem Namen Sir William
Siemens bekannt, übernahm, entschloss ich mich, das neue Heizverfahren
durch Patente zu, schützen und mit der Publication desselben vorzugehen.
Der Grund, warum ich das Verfahren über 6 Jahre in erfolgreicher Be-
nutzung hatte, ohne dasselbe bekannt zu machen oder durch Patent-
entnahme zu sichern, lag hauptsächlich darin , dass ich meinen Weg
zu wirksamem Schutze des Verfahrens durch Patente nicht klar sehen
konnte.
Genau genommen, stellen diese Oefen keine neue Construction dar,
sondern verkörpern vielmehr ein wissenschaftliches Princip, welches in
verschiedenen Formen durchfuhrbar ist: es ist daher besonders schwierig,
die Patentansprüche so zu formuliren, dass dieselben Alles decken, ohne zu
viel zu beanspruchen. Ehe aber die bestimmten Ausführungsformen , bei
denen das Princip zur Geltung kommen kann, nicht genau feststanden,
war eine praktisch gesicherte Patentirung nicht wohl durchführbar; die
Erfahrung lehrte auch, dass die spätere Patententnahme auf viele Schwie-
rigkeiten stiess, die soga^ jetzt noch nicht alle behoben sind. Nur durch
Entnahme mehrerer Patente konnte ich mir das Princip wenigstens
einigermaassen sichern, ohne jedoch in der Lage zu sein, gegen alle Contra-
ventionen, welche jetzt massenhaft versucht werden, einschreiten zu können.
Es war auch nötlug, dass ich mit der Patententnahme und Veröffentlichung
unverzüglich vorging, denn die vielen erfolgreichen Ausfuhrungen hatten
natürlich die Aunnerksamkeit zahlreicher Fabrikanten und Techniker auf
mein Heizverfahren gelenkt. Daher kommt die oftmals geäusserte Auffassung,
das Verfahren sei nicht neu , weil hohe Gewölbe oder andere einzelne
Eigenthümlichkeiten meiner neuen Oefen schon früher, d. h. vor der
Patententnahme , Anwendung gefunden hätten.) (Ich kann dem nur ent-
gegnen, dass z. B. das hohe Gewölbe allein meine Erfindung durchaus
nicht bildet, sondern nur eines der Mittel ist, um die Flamme derart zu
fuhren, wie ich beschrieben habe.
6^
Es sind durchaus nicht die grossen Ofenkammern, die ich anstrebe,
wie irrthümlicher Weise behauptet wird, sondern die besondere Art der
Flammenfuhrung, welche eine Erweiterung der Räumlichkeit erheischt.
Auf den vorliegenden Zeichnungen eines alten Siemens-Martinofens
mit eingedrücktem sattelartigen Gewölbe und eines nach meinem Heiz-
yerfahren mit freier Flammenentfaltung construirten Heerd- Stahl-
schmelzofens mit erhöhtem Gewölbe lassen ohne Weiteres den wesent-
lichen Unterschied in der Flammen führ ung und der dadurch bedingten
Gestalt der Öfenkammer klar erkennen.
Ich würde es als einen argen Fehler betrachten, wenn die Kammer
grösser angelegt wird, als zur richtigen Flammenführung absolut erforder-
lich ist. Eine dies Maass übersteigende, daher unnöthige Erweiterung der
Ofenkammer würde« nicht nur ohne Vortheil sein, sondern eine ganz
wesentliche Einbusse an Wärmeintensität, daher Verlust an Brennmaterial
und andere Nachtheile bedingen. Es ist merkwürdig, wie gerade die-
jenigen, welche mein Verfahren am wenigsten kennen, die Neuheit des-
selben anfechten, während Andere wiederum auf Grund der von mir
versuchten theoretischen Erklärungen das ganze Ofensystem als rein
wissenschaftliche Conjectur verwerfen, ohne auf die vielen in der Praxis
erfolgreichen Ausführungen irgend welche Rücksicht zu nehmen. Mir ist
um (£e Richtigkeit meiner Verbrennungstheorie erst in zweiter Linie
zu thun; ich habe zunächst und in der Hauptsache led^lich die praktische
Ausführung und den technischen Erfolg im Auge gehabt; erst aus der
Beobachtung der praktisch erlangten Resultate habe ich meine theoretischen
Anschauungen entwickelt. Auf diese nachträglich gegebenen theoretischen
Anschauungen hin das ganze Heizverfahren zu verwerfen, scheint mir doch
mehr wie oberflächlich.
Der Haupteinwurf gegen mein Heizverfahren wird auf Grund des
Gesetzes der Dissociation der Gase bei hohen Hitzegraden erhoben; be-
sonders zeichnet sich darin der Ingenieur und Gorrespondent von
technischen Journalen, Fritz Lürmann, aus. Auf Grund des
Dissociationsgesetzes verwirft er nicht nur mein neues Verfahren, mit
strahlender Wärme zu arbeiten, sondern auch das Regenerativofensystem
überhaupt als höchst thöricht. Lürmann behauptet, dass es Unsinn
sei, die Temperatur eines Ofens über ein gewisses Maximum hinajis-
treiben zu wollen, weil dafür gesorgt wäre^ dass die Bäume nicht in den
Himmel wachsen, denn sobald die Temperaturgrenze erreicht würde, bei
welcher die Dissociation der Verbrennungsproducte eintritt, sei eine
weitere Steigerung der Temperatur einfach unmöglich. Dem kann ich
zunächst entgegensetzen, dass es mir bisher immer möglich war, die
Temperatur so weit zu steigern , dass ich dafür keine anderen Grenzen
finde, als die Widerstandsfäniekeit der zum Oienbau verwendeten Mate-
rialien gegen Hitze. Darum nahe ich mit den verschiedensten geeignet
scheinenden Materialien experimentirt, aber bis jetzt noch nichts besseres
gefunden, als reine Kieselerde. Dass ich letztere mit Leichtigkeit schmelze,
kann ich an einem kleinen mit Leuchtgas betriebenen Versuchsofen zeigen
und ich würde mich freuen, die heute hier anwesenden Herren insgesammt
zu einem Versuch auf meiner Fabrik in der Freiberger Strasse Nr. 43
zu einer noch zu bestimmenden Zeit wiederzusehen.
Um den aus der Dissociation der Verbrennungsproducte gegen mein
Ofensystem hergeleiteten Vorwurf auf gleichem Gebiete begegnen zu
.könDen, habe ich diese Frage eingehend studirt und bin dabei zu über-
raschenden Schlüssen gekommen.
Zunächst suchte ich die von verschiedenen Gelehrten festgestellten
Bedingungen der Dissociation in eine einheitliche Form und namentlich
mit den Resultaten meines Ofensystems in Harmonie zu bringen. Es ist
mir dies aber nur sehr unvollkommen gelungen; ich bin sogar zu der
Ueberzeugung gelangt, dass ein grosser Theil der sogenannten Dissodations-
erscheinungen auf andere Ursachen, als ausschliessliche Einwirkung der
Hitze zurückzuführen ist.
Ich habe bereits nachgewiesen, dass die Verbrennung brennbarer Gase
unmittelbar an Flächen oder in Berührung mit festen Körpern gar nicht
oder doch nur sehr unvollkommen stattfindet und dass die Flamine vor
allen Dingen freien Raum für ihre Entwickelung bedarf. Auf dieselbe
Einwirkung der Flächen lassen sich manche sogenannte Dissociations-
erscheinungen zurückführen. Da gute Verbrennung nur im freien Raum
stattfinden kann, so sollte man auch Dissodationserscheinungen nur im
freien Räume beobachten, um absolut sicher zu sein, dass keine Flächen-
einwirkung mit im Spiele ist. Ich anerkenne die Schwierigkeiten der-
artiger Versuche vollkommen, halte dieselben jedoch nicht für unüber-
windlich. Ich werde nun die Versuche verschiedener Gelehrten, sänmitlich
Autoritäten ersten Ranges, beschreiben und die erhaltenen Resultate
meinem Heizverfahren entsprechend auf andere Weise erklären; ich be-
merke jedoch ausdrücklich, dass ich nicht beabsichtige, den verdienstvollen
Arbeiten dieser Gelehrten irgend welchen Abbruch zu thun, sondern nur
zeigen will, wie man dieselben Erscheinungen auch auf andere Weise, als
es bis letzt geschehen, erklären kann. Ich bin überzeugt, dass meine An-
sicht die rechte ist, weil sie sich mit den thatsächlichen Verhältnissen
meines neuen Heiz- und Verbrennungsverfahrens in vollkommener Ueber-
einstimmung befindet.
Deville, der Vater der Dissociation der Gase, beschreibt zahlreiche
Versuche, auf welche im Detail einzugehen, hier viel zu weit fuhren würde,
ich behalte mir daher einfachere und klarer vorliegende Versuche anderer
Gelehrten vor und bemerke nur, dass Deville zu seinen Experimenten
Gefasse und Röhren von besonderem Material gebraucht, ohne welche die
erlangten Resultate nicht erzielt werden können. Um gewisse Resultate
zu eriialten, braucht er nothwendig poröse Röhrchen oderGefässe, welche
mit besonderem Material angefüllt sind. Auf diese Weise erreicht De-
ville sogar Dissociations - Erscheinungen auffallig verschiedener Art. In
einem Apparat gelingt es ihm, Kohlensäure in Koblenoxydgas und Sauer-
stoff zu zersetzen, in einem anderen Apparate zersetzt er dagegen Koblen-
oxydgas in Kohlensäure und Koble. Sicherlich können diese beiden sehr
von einander abweichenden Resultate nicht durch dasselbe Agens, die
Hitze, erlangt sein, sondern die mit zu Hülfe genommenen Flächen und
Materialien müssen doch nothwendig eine Hauptrolle dabei gespielt haben.
Zudem sagt Deville ausdrücklich, dass er diese Materialien zur Erzielung
Suter Resultate bedarf; er scheint deshalb auch gar nicht anzunehmen,
ass es die Einwirkung der Hitze allein ist, welche die Dissociation her-
vorbringt.
Gleichsam um meine Ansicht zu bestätigen, haben neuerdings zwei
russische Gelehrte, die Herren Menschutkin und Kronowalow, noch
gefunden, dass die Dissociations-Erscheinungen durch Einbringen von
8
Körpern mit rauhen Oberflächen, wie Sand, Asbest oder gerauhte Glas-
stücKe in die dazu benutzten Gefasse sehr gefordert würden. Mehr
brauchte ich allerdings nicht, um die Richtigkeit meiner Annahme bestätigt
zu finden. Victor Meyer hat viele eingehende Versuche bezüglidi
Dissociation der Gase, sowie anderer chemischer Verbindungen angestellt
und kann darum in diesem Fache wohl als eine erste Autorität gelten.
Seine Experimente bedurften aber wie die aller übrigen Gelehrten be-
sonderer Apparate, Gefasse und Materialien, so dass Flächen Wirkungen
nicht ausgeschlossen waren; es ist daher unmöglich genau bestimmbar,
welchen Einfluss die Temperatur und welchen die Körper und ihre Ober-
flächen auf die erhaltenen Dissodationsresultate ausgeübt haben. Meiner
Ueberzeugung nach waren beide Factoren ziemlich gleichmässig wirk-
sam. Bei einem der Meye raschen Versuche muss allerdings eine andere
ErkErung gesucht werden.
Meyer erhält Dissociation des Wasserdampfes, indem er flüssiges
Platin in W^asser laufen lässt. Es ist dies eine der wirklichen Dissociations-
Erscheinungen , bei welcher eine die Verbrennung hindernde Flächen -
Wirkung nicht in Frage kommt; aber hier kann sehr wohl eine rein
chemische Wirkung in Betracht kommen. Die Wirkung des Platins auf
Wasserstoff ist bekanntlich eigenthümlicher Art. Die Fläche des Platins
verdichtet den Wasserstoff, warum kann man denn nicht auch annehmen,
dass diese indirecte Wirkung des Platins auf Wasserstoff nicht auch mit-
betheiligt an der Zersetzung des Wasserdampfes ist? Wenn die Hitze des
geschmolzenen Platins die alleinige Ursache der Dissociation ist, so müsste
flüssiges Glas oder jede andere hocherhitzte Substanz in Wasser gegossen
doch die gleiche Wirkung ausüben; dies ist aber bekanntlich nicht der
Fall. Meyer hat auch Dissociation der Kohlensäure erhalten, indem er
dieselbe durch ein hocherhitztes Platinrohr leitete, allerdings, wie er sagt,
nur Spuren von Dissociation; warum aber können diese Spuren nicht
auch durch die directe Einwirkung der hocherhitzten Platinflächen auf
den Sauerstoff der Kohlensäure entstanden sein?
Die wichtigsten und werthvoUsten Untersuchungen bezüglich der
Dissociationstemperatur hat unzweifelhaft Bunsen durchgeführt; aber ob-
gleich er diese Temperatur ganz meinen Erfahrungen entsprechend viel höher
findet, als andere Gelehrte, so kann ich doch den von ihm erhaltenen
Resultaten nicht zustimmen, werde vielmehr versuchen nachzuweisen, dass
die Temperatur, bei welcher Dissociation stattfindet, noch höher
liegen muss.
Bunsen beweist Dissociation durch Einwirkung der Hitze auf
folgende Weise: Er füllt ein enges Rohr mit einer ezplosibeln Mischung
von Kohlenoxyd und Sauerstoff, entzündet die Mischung und findet, dass
an der Explosion nur Va des Gasgemisches betheiligt ist; die übrigen ^/s
blieben unverbrannt. Die Temperatur des Gasgemisches war durch die
Explosion auf ca. 3000 ^ G. gestiegen und Bunsen nimmt an, dass dies
die Dissociationsgrenze ist, über welche hinaus keine weitere Verbrennung
erfolgen kann. Er beweist dies dadurch, dass, wenn das theilweise ex-
plodirte Gasgemisch durch Ableitung un^ Ausstrahlung hinreichend
abgekühlt wurde, eine zweite Explosion erfolgen konnte, nach welcher die
Temperatur wiederum die Dissociationsgrenze erreichte, so dass nach
wiederum erfolgter Abkühlung sogar eine dritte Explosion möglich ward.
9_
Bunsen hat jedenfalls mit der grössten Sorgfalt beobachtet und die
erhaltenen Resultate sind unumstösslich , nur der Erklärungsweise dieser
thatsächlichen Erscheinungen muss ich widersprechen. Meiner Ansicht
nach wurde die Dissociationsgrenze überhaupt nicht erreicht und es war
auch nicht die Abkühlung, welche wiederholte Explosionen ermöglichte;
die Ursache der unvollkommenen Explosionen lag vielmehr in dem Hin-
derniss, welches die Seitenwände des Rohres der vollkommenen Verbren-
nung des Gemisches von Kohlenoxyd und Sauerstoff entgegensetzten.
Sobald nach der in der Mitte des Rohres erfolgten Explosion die
unverbrannten Gase an den Rohrwänden sich mit den Verbrennungs-
producten durch Diffusion hinreichend gemischt hatten, konnte eine zweite
Explosion im Rohrmittel erfolgen, ebenso eine dritte nach erneut voll-
zogener Diffusion.
Bunsela nimmt an, dass die Vollkommenheit der Explosionen durch
den entwickelten Temperaturgrad begrenzt wird und die Thatsache der
zweiten und dritten Explosion nur durch die inzwischen eriolgte Ab-
kühlung des Gemenges ermöglicht sei ; dem entgegen schreibe ich die Un-
vollkommenheit der Explosionen der Flächenwirkung der Rohrw&nde auf
die Brenngase zu, also unvollkommener Verbrennung, und erkläre die Ur-
sache der MögUchkeit der zweiten und dritten Explosion aus der inzwischen
durch Diffusion erfolgten erneuten Mischung der Gasarten.
Es liegt mir sehr fern, für alle die interessanten Dissociations-
Erscheinungen besondere Erklärungen geben zu wollen; ich überlasse dies
der Wissenschaft, nur muss ich darauf bestehen, dass in vielen Fällen
für Dissodation , oder was man so nennt, eine andere ErMärung,
als aus der Temperaturhöhe allein, gesucht werden muss. Die Ein-
wirkung der rauhen, porösen oder glatten Flächen auf wirkliche
Dissociation bedarf noch der weiteren Aufklärung, doch ist es sicher, dass
ein grosser Theil sogenannter Dissociations-Erscheinungen nichts anderes
ist als unvollkommene Verbrennung, verursacht durch die jede Ver-
brennung hindernde Einwirkung von Flächen in der Weise, wie ich be-
schrieben habe.
Meinen Erfahrungen nach kann eine wirkliche Dissociation der
gewöhnlichen Verbrennungsproducte im freien Räume nur bei noch höherer
Temperatur stattfinden, als bei unseren jetzigen Mitteln, begrenzt durch
die Widerstandsfähigkeit der anwendbaren Ofenbaumaterialien, zu erreichen
möglich ist; folglich erscheint es durchaus unnöthig, bei Ofenanlagen auf
die möglicher Weise eintretende Dissociation überhaupt irgend welches
Gewicht zu legen, sobald man nur darauf Rücksicht nimmt, dass die
Verbrennung im freien Räume unbehindert durch feste Körper oder deren
Oberfächen stattfinden kann. Derartige Dissociationon, welche hervor-
gerufen sind durch Einwirkung der Flächen , sowie die dritte Art
sogenannter Dissociation, welche eigentlich nichts weiter ist als unvoll-
kommene Verbrennung, ebenfalls durch Flächeneinwirkung veranlasst,
können durch Anwendung meines Heizverfahrens mit freier Flammen-
entfaltung vollständig vermieden werden. Sobald die directe Einwirkung
der Flächen aufhört, so hört natürlich auch die durch die Flächen ver-
anlasste Dissociations- Erscheinung auf. Daraus geht hervor, dass man,
um die Nachtheile der Dissociations-Erscheinungen jeder Art zu vermeiden,
alle Feuerungen mit einer Brennkammer versehen sollte, worin die Flamme
unbehindert von Flächen vollständig verbrennen kann; dagegen die ge-
bildeten Verbrennungsproducte direct auf die zu erhitzenden Körper, deren
Oberflächen oder das Heizgut aufschlagen, bezw. damit in Berührung
kommen lässt.
Schliesslich erlaube ich mir noch, auf die Nutzanwendung meines
Heizverfahrens mit freier Flammentfaltung auf die alle Dresdener sAr
bewegende Frage der Bauchverhinderung aufmerksam zu machen. Es er-
giebt sich aus dem Vorgetragenen, dass die Lösung der Kauchfrage sehr
eng mit den von mir entwickelten Verbrennungsgrundsätzen, sowie mit
der Erklärung zu den sogenannten Dissociations-Erscheinungen zusammen-
hängt, wonach vieles, was bisher als Dissociation der Oase angesehen
wurde, nichts anderes ist als unvollkommene Verbrennung, veranlasst
durch die eigenthümliche Einwirkung der mit der Flamme in Berührung
tretenden Flachen auf dieselbe.
Der Rauch entsteht, wie auch allgemein richtig angenommen, durch
unvollkommene Verbrennung. Anstatt nun darnach zu streben, die
Operation der Verbrennung von vom herein möglichst vollkommen zu ge-
stalten, hat man sich meistens darauf beschränkt, den bereits entwickelten
Bauch durch besondere Einrichtungen, wie Lufteinführungen und der-
gleichen Anhängsel, erst nachträglich zu verzehren. Dieser indirecte Weg
der Rauch verzehrung ist nicht nur complicirt, sondern auch meist recht
unwirksam, aber namentlich unökonomisdi, und hat dahin geführt, dass
die sogenannten Rauchverzehrungsapparate vom Publikum ganz richtig als
Kohlerverzehrungseinrichtungen bezeichnet wurden. Praktisch erfolgreich
ist es allein, den Rauch gar nicht erst zu bilden, und das erlangt man
durch geeignete Verbrennung im freien Räume, weil dann die Flamme
durch keine die Verbrennung hindernden Flächen in ihrer naturgemässen
Entwickelung gestört wird, wie man dies z. B. bei jeder Beleuchtungs-
flamme, ob Gas oder Petroleum, leicht beobachten kann.
Allerdings kommt noch ein anderer Factor in Betracht, ohne dessen
Berücksichtigung auch die allervollkommenste Verbrennung nicht genügen
kann, den Rauch zu vermeiden, nämlich die gleichmässige Zuführung des
Brennmaterials. In letzterer Beziehung ist nun die Gasfeuerung der
directen Kohlenfeuerung unbedingt überlegen, aber es lässt sich doch sehr
viel thun und es stehen viele Mittel zu Gebote, um eine mehr oder
weniger gleichmässige Aufgabe der festen Brennstoffe zu ermöglichen.
Man braucht eigentlich nur die Aufmerksamkeit ernstlich auf diesen
Gegenstand zu lenken, um auch in der Lage zu sein, dem Uebelstande
erfolgreich abzuhelfen. Abgesehen von mechanischen Kohlenzuführungsappa-
raten, giebt es auch automatische Kohlenzufuhrunsen und Schüttroste ohne
Mechanismen, vermittelst welcher die Kohle von selbst in dem Maasse nach-
fällt, wie sie verbrennt. Auch kann auf dem gewöhnlichen Wege der Kohlen-
aufgabe sehr viel geschehen, um eine gleichmässige Zuführung des Brenn-
materials zu erzielen. Es ist nur nöthig, die Heizer gehörig anzuweisen und
denselben klar zu machen, dass Rauch unter keinen Umständen erzeugt
werden darf. Der fest ausgesprochene Wille thut dann schon sehr viel,
und zwar ohne dass man nöthig hat, sich selbst um die Details der Operation
der Feuerungsaufgabe zu bekümmern. Es würde mich hier zu weit führen,
alle diese mannichfachen Mittel der Kohlenzuführung näher zu beschreiben,
zumal die verschiedenartigen Kohlensorten und leuerungszwecke auch
veränderte Einrichtungen und Verfahren erheischen. Indem ich hier nur
im Allgemeinen die eigentlichen Ursachen der Rauchbildung und die
11
Bedingungen der Vermeidung von Rauch andeute, verweise ich ausdrück-
lich auf meinen Bericht an das Königlich Sächsische Ministerium über
die Smoke abatement exhibition in London vom Jahre 1883.
Eine gleiche Ausstellung erscheint mir gerade für Dresden besonders
angebracht, nicht nur, weil in Dresden die Rauchfrage am aller-
brennendsten ist in Folge der hei uns verwendbaren , stark russbildenden
Kohlensorten, sondern weil gerade hier auf meinen Glashütten und
anderen Anlagen der Beweis geliefert ist, dass trotz der dafür ungünstigen
Kohlensorten Rauchbildung eanz wohl vermi^len werden k^nn, und zwar
in Verbindung mit einer bedeutenden Erspamiss von Brenn- und anderen
Materialien , wie ich in meinem Vortrage ausführlich auseinander-
gesetzt habe.
Der in Zeichnung vorliegende direct befeuerte Dampfkessel ist ein
Beispiel der Anwendung meines Heizverfahrens mit freier Flammen-
entfaltung. Der Kessel ist in den Flammrohren mit Ghamotteringen ver-
sehen, die ein Anschlagen der sichtbaren Flamme an die Kesselwände und
damit Rauchbildung verhindern.
Ich möchte nun besonders auf die Art der Befeuerung, bezw. das
Aufgeben des frischen, festen Brennmaterials auf den Rost hinweisen.
Besonderes Gewicht ist dabei neben Regelmässigkeit der Brennmaterial-
Zuführung auf folgende Umstände zu legen, vor dem Aufgeben des
frischen Brennmaterials ist der der Feuertnür zunächst liegende vordere
Theil des Rostes von glühendem Heizstoff durch Hinterschieben desselben
auf dem Roste vollkommen frei zu machen. Das Aufgeben erfolgt
auf dem freigemachten Roste, so däss die Luft aniangüch das un-
verbranntc Material durchzieht , welches übrigens ein Mittel zu ihrer
guten Vertheilung bildet, um die aus dem frischen Brennmaterial durch
Wärmestrahlung sich entwickelnden Gase über der hintergescbobenen
flühenden Heizstoffschicht vollkommen, also rauchlos zu verbrennen,
line geschlossene Platte an Stelle des Rostes zum Zwecke der Vergasung
des neu zugefuhrten Brennstoffes zu verwenden, ist nicht zweckentsprechend,
sondern gerade durch die gute Lufbvertheilung, welche der noch nicht
entzündete Brennstoff bewirkt, und die dadurch ermöglichte gute
Mischung, bezw. Verbrennung der sich entwickelnden Gase mit der
frischen Brennluft über dem glühenden Heizstoff auf dem Rosthinter-
theile, erreicht man eine vollkommen rauchfreie Verbrennung. Die Gas-
entvrickelung aus dem frischen Brennmateriale ist bekanntlich am
stürmischsten unmittelbar nach dem Auflegen, also in der Periode, in
welcher die Luft das noch nicht brennende Material durchzieht, daher
mit vollem Sauerstoffgehalte, in erreichbar grösster Menge und bester
Vertheilung zu dem entwickelten Gasgemisch tritt. Beginnt die Ver-
brennung des frischen Brennstoffes auf dem Roste, so wfrd ein Theil
dieser Luft hierzu verwendet, während ein anderer Theil noch mit vollem
Sauerstoffgehalte in den Brennraum kommt, um dort zur Verbrennung
der inzwischen in geringerer Menge entwickelten Gase zu dienen. Auf
diese Weise findet ein guter Ausgleich der Luftzufuhr statt, entsprechend
der durch die beschriebene Beschickungsweise bedingten eigenartigen
Entwickelung des Verbrennungsprocesses. Wieviel Rostfläche für das
jedesmalige Aufgeben des frischen Brennstoffes frei zu machen, wieviel
des letzteren auf ein Mal aufzugeben ist u. s. f., ist erfahrungsmässig
durch Versuche festzustellen und hängt wesentlich vom Brennstoffe, der
12
verlangten Leistung und den örtlichen Verhältnissen der betreffenden
Feuerungsanlage ab.
Ich würde mich freuen, wenn es mir gelänge, die öffentliche Auf-
merksamkeit bezüglich dieser Fragen in eine praktische und zugleich ein-
heitliche Richtung gelenkt zu haben, denn nur dann erscheint es möglich,
dass das allgemeine Streben von endlichem £rfolg begleitet wird, während
die Kräfte sich sonst nutzlos gegen einander autreiben würden, trotz der
zum Frühjahr einzuführenden strengen Bestimmungen der Stadtverwaltung
gegen die Rauchbelästigung.
13
n. Ue1)er einige Lansitzer Porpliyre und Giilnsteine,
sowie den Basalt ans dem Stolpener Scblossbronnen.
Von F. E. QeinitB in Rostock.
Herr E. Dan zig in Rochlitz hatte die Güte, mir einige von ihm
gesammelte Porphyre und Grünsteine zu senden, welche gangförmig im
Granit der Gegend von Löbau auftreten. Die mikroskopische Untersuchung
der Gesteine bildet eine Ergänzung der Arbeit von E. Dan zig: Ueber
das archäische Gebiet nördlich vom Zittauer und Jeschken- Gebirge
(Isis 1884).
Die Notizen über das Auftreten der Gesteine stammen von Herrn
Danzig.
L Porphyre.
1. Quarzporphyr südwestlich von Gersdorf. „Gänge in zwei Granit-
kuppen; an der westlich gelegenen Kuppe ein 4 m mächtiger, östlich
streichender Gang; an der östlichen (Butterhügel) nur der einseitige Granit-
contact zu beobachten, Streichen ungefähr SO, Fallen ca. 90^ Beide
Vorkommnisse gehören ein und demselben, im Ganzen ostsüdöstlich (also
wie der nur wenig südlich davon zu Tage tretende grosse Quarzgang
Schluckenau-Spitzcunnersdorf) streichenden Gange an. Ohne nähere Be-
schreibung wird das Gestein von Gotta und Jockely erwähnt, ersterer
rechnet es zu seinen porphyrischen Granitgängen.^^
Es ist ein lichtgelbhches Gestein von felsitischer Grundmasse, in der
bis 2 mm grosse Quarzkrvstalle, weniger Feldspäthe und dunkle Glimmer-
flecken in yerschiedener Menge porphyrisch ausgeschieden sind.
U. d. M. erscheinen die Feldspathkrystalle (Orthoklas und Plagioklas)
meist völlig getrübt, die Quarze enthalten Einschlüsse von Flüssigkeit und
von Grundmasse. Zersetzte Erzkömer treten hinzu.
Die kleinkörnige Grundmasse besteht aus Feldspath, Quarz und beiden
Glimmern, mit einzelnen Erzkörnchen.
Das Vorkommniss vom Butterhügel unterscheidet sich von dem west-
lichen Aufschluss nur durch etwas grösserkömige Grundmasse und reich-
lichere Muscovittafeln, bei spärlicheren porphyrischen Elementen.
2. Quarzporphyr mit sphärolithischer Grundmasse, in
Blöcken zwischen CTottmarsdorf und Obercunnersdorf bei Löbau
auftretend. In einer lichtröthlichen Grundmasse hegen porphyrische
Krystalle von Quarz und Feldspath, ausserdem treten zahlreiche drusen-
artige Aggregationen von Biotit auf, die oft noch von stark glänzenden
Muscovitechuppen umsäumt sind.
049. Jttit in Dr*9d4H, 1886. - Abh. S^ 5«
14
Die porphyrischen Quarzkrystalle fuhren Flüssigkeitseinschlüsse, die
Feldspäthe sind völlig in Kaolin und Glimmer umgewandelt.
Die Grundmasse zeigt ganz prachtvolle Sphärolithenstructur, Quarz
und Feldspath radial und in Schriftfeldspath gruppirt. Auch hier laufen
üher die Sphärolithen grössere Biotit- und Muscovitspiesse und einzelne Feld-
spathleisten hinweg. Zwischen den Sphärolithen hegt noch krystallinisch
kömiges Gemenge von Quarz, Feldspath und Glimmer. Kleine Granaten
scheinen auch vorzukommen.
3. Der von Dan zig S. 154, 5. erwähnte Porphyr ist ein Horn-
blendereicher Quarzporphyr. Die Grundmasse ist mittelkörnig, sie
besteht aus Feldspathkörnern mit wenigen zwischengeklemmten Quarz-
körnchen, dazwischen zahlreichen Glimmerschuppen und Hornblende-Kry-
stallen. Porphyrisch sind getrübte Orthoklas- und Plagioklaskrystalle,
wenig Quarze (zum Theil in deutlichen Krystallen, von GHmmerschuppen
umgrenzt) und aych grosse Hornblendekrystalle ausgeschieden, gegen welche
Biotit zurücktritt Die Hornblende ist oft von Epidotkörnchen durchsetzt.
Endlich treten noch unbestimmbare, stark lichtbrechende farblose
Körner auf.
4. Felsitporphyr von Hennersdorf bei Rumburg.
Das von Dan zig 1. c. S. 154, 2 beschriebene Gestein zeigt u. d. M.
neben den kleinporphyrischen Krystallen von Quarz , Orthoklas und
Plagioklas einige schöne Feldspath-Quarz-Sphärolithen in der deutlich
körnigen, aus Quarz, Feldspath, Muscovit und ganz zurücktretendem
Biotit bestehenden Grundmasse.
5. Der dem vorigen äusserlich sehr ähnliche Felsitporphyr von
Schönbüchel bei Schönlinde (Danzig, S. 154,6) zeigt u. d. M. in der
kleinkrystallinischen Grundmasse neben spärlichen porphyrischen Krystallen
vereinzelte Sphärolithe, dagegen zahlreiche spiessförmige Nadeln von den-
selben Feldspathskeletten , wie der Porphyr von Rumburg. Die Grund-
masse besteht aus Quarz, Feldspath, lichtem und dunklem Glimmer, dazn
Eisenoxydhydratflocken und Apatitnadeln.
6. Felsitporphyr von Rumburg.
Der von Danzig (Arch. Geb. S. 154, 4) aus der Gegend von Ram-
burg beschriebene Quarzporphyr fuhrt scharfe, grosse Krystalle von
Quarz , fleisdbrothe Ortholdaskrystalle und kleine Biotittafeln in der hell
fleischfarbenen felsitischen Grundmasse. Das Gestein gleicht dem Quarz-
porphyr von Oberhelmsdorf bei Stolpen (Isis 1882. S. 106).
7. Das grünlichgraue kryptokrystalline Gestein von Rumburg (Danzig
1. c. S. 154, 3) ist ein ausgezeichneter Sphärolithporphyr.
U. d. M. gewahrt man eine Menge wohlausgebildeter Sphärolithe,
deren Zwischenräume durch ein kleinkrystallines Gemenge von Quarz und
Feldspath ausgefüllt sind; über und durch die Sphärolithe setzen zahlreiche
Nadeln von Feldspath und von Biotit.
Die Sphärolithen bestehen der Hauptsache nach ans Feldspath, doch
können auch Quarzfasem dazwischen treten. Die Feldspäthe, welche
ausserdem kleinporphyrisch durch die Gesammtmasse des Gesteins ver-
theilt sind, haben vielfach eine skelettartige Ausbildung ihrer Leisten, der-
art, dass Querschnitte aus den Endpartien solcher Skelette als rechteckige
Rahmen erscheinen, welche im Innern Gesteinsgrundmasse führen. Der
Biotit bildet breite Blätter und lange säulenartige Querschnitte. Einzelne
Brauneisenerzkörnchen sind noch vorhanden.
15
8. Sphärolithischer Felsitfels, in LeBesteinen beim alten Schiess-
haus in Rumbarg auftretend. Schneeweiss mit grünlichem Hauch, dicht
felsitisch, von feinen Quarzschnüren durchzogen und in kleine scharieckige
Stücke zerfallend; Jockely hält es für Ganggranit.
U. d. M. sehr ähnlich dem vorigen, in den Sphärolithen Quarz
häufiger nachweisbar, krystalliuische Zwischenmasse reichlicher und etwas
gröber krystallinisch ; auch Muscovit vorhanden. —
Felsitporphyre von Georgewitz bei Löbau.
„Bildet an beiden Ufern des Löbauer Wassers bei und unterhalb Ge-
orgewitz, theilweise auch oberhalb dieses Ortes, zwischen der Oelmühle
und Körbigsdorf, eine Anzahl von Gängen im Granit, deren einzelne viele
Meter mächtig sind. Am rechten Ufer, bei Georgewitz selbst, ist eine
vertical stehende Gangmasse von etwa 2 m Mächtigkeit in eigenthümlich
gebogene, der Granitgrenze parallel laufende Schalen abgesondert. Plat-
tung und Flaserung dieses apfelgrünen, hornsteinartigen Porphyrs sind
parallel der Grenze. Ein Uebergang in den Granit ist nirgends zu be-
obachten.*'
9. Unterhalb Georgewitz kommt ein mikrogranitischer Porphyr vor,
einem feinkörnigen, lichten Granit ähnelnd, mit kleinen, spärlichen por-
phyrischen Feldspäthen und mehreren etwa 1 mm grossen Granatrhomben-
dodekaedern.
U. d. M. erscheint ein krystallines Gemenge von trübem Feld spat h,
meist in Leisten, Biotit, in Schuppen und Fasern, und Quarz, mit
einzelnen kaolinisirten porphyrischen Feldspathkrystallen , meist dem
OUgoklas angehörig. Der Quarz fuhrt Flüssigkeitseinschlüsse. Neben
Biotit findet sich auch zuweilen Masco vit; der Glimmer ist sehr reichlich
vorhanden. Oft ordnet sich der Feldspath und Glimmer roh radial an.
Einzelne kleine Granatkörner sind in dem Gemenge vertheilt.
10. Ein anderer Gang in Georgewitz zeigt einen dichten, hälleflint-
ähnlichen, schwärzlichgrauen oder auch lichtblaugrauen Homstein-Porphyr
mit ziemlich reichlichen kleinen Feldspatheinsprenglingen und parallel
dem Granitcontact eine Flaserung. Er hat viel AehnUchkeit mit dem
dunklen Flaserporphyr vom Burgstall bei Wechselburg (Erläut. zu Sect.
Rochlitz, S. 25).
U. d. M. erscheinen in der feinkrystallinischen, streifig gefleckten
Grundmasse porphyrischö Krystalle von ziemlich frischen Plagioklasen
(Labrador und Oligoklas) und etwas zersetztem und Epidotkörnchen aus-
scheidendem Biotit, parallel der streifigen Anordnung eingelagert. Die
Grundmasse erscheint als ein feinkörniges Aggregat von Quarz und Feld-
spath mit kleinen, theils innig vertheilten, theils streifenweise angehäuften
grünen Schuppen, die als Biotit bestimmt werden müssen.*) Magneteisen-
körner und scharfe, grössere Apatitkrystalle liegen eingesprengt. Fluidal-
structur ist nicht zu beobachten; eanz selten ist eine roh radiale Gruppirung
von Glimmer und Feldspath vorhanden.
11. Unterhalb Georgewitz tritt ein bläulicher dichter Porphyr auf,
mit vielen Pyritkörnchen, die Kluftflächen sind dick mit Eisenoxydhydrat
überzogen. Derselbe erweist sich n. d. M. als stark zersetzt. Viele trübe,
völlig in Kaolin und Glimmer umgewandelte Feldspathleisten nebst zahl-
losen grossen und winzigen Pyritkrystallen sind die grösseren Gemengtheile,
*) In anderen Präparaten ißt der Glimmer ziemlich ausgebleicht, und die
porphyrischen Glimmertafehi zeigen stemformige Mikrolithen.
. 16
zu denen ein Aggregat von ausgebleichten Glimmerscbuppen, trüben Feld-
spathen und Quarzkörnern tritt; in der Gesteinsmasse liegen ausserdem
zahlreiche kleine, runde, Yon Kalkspath und Quarz erfüllte Mandeln.
Epidotkörnchen sind auch häufig. Die Pyritkrystalle sind vielleicht aus
Magnetit entstanden, durch Einwirkung yon Schwefelwasserstoff auf das
Ganggestein.
12. Der dichte, homsteinartige, muschelig brechende und fettglänzende,
kantendurchscheinende, apfelgrüne Flaser- oder Plattenporphyr von Ge-
orgewitz zeigt wenig kleine Ausscheidungen von Feldspäthen und
Glimmer. Er ist dünnplattig abgesondert durch abwechselnde trübe oder
an Ausscheidungen reichere Lagen.
U. d. M. markiren sich diese Streifen in fluidalartiger Structur, aller-
dings nicht so deutlich, wie in dem Fluidalporphyr vom BurgstaU. Die
Grundmasse ist ein feinkrystallinisches, von Glimmerschuppen durchflochtenes
Aggregat von Quarz und Feldspath. Einzelne grosse Apatite treten neben
den wenigen trüben, porphyrischen Feldspäthen hervor. Zuweilen haben
sich die Biotittafeln zu grösseren drusenartigen Gruppen aggr^rt.
Magnetit- und Pyritkömer fehlen nicht. Endlich sind noch winzige, eigen-
thiimliche, gelbliche, doppeltbrechende Krystallkömer zu nennen, deren Na-
tur mir räthselhaft geblieben ist.
Am GranitconU^t ist o^t eine Mikrobreccie entwickelt.
13. Ein in Lesestücken auf einer bewaldeten Anhöhe westlich von
Georgswalde in Böhmen (nördlich von Bumburg) auftretender bläulich-
grauer Felsitporphyr mit dichter Grundmasse und wenigen grünlich-
trüben Feldspatheinsprenglingen zeigt u. d. M. trübe Feldspathkrystalle,
mit Epidotkörnchen m der kleinkörnigen Grundmasse. Diese besteht aus
Feldspath und Quarz mit Glimmer und Hornblende, selten mit rohen
Sphärolithen. —
Die obigen Beschreibungen ergeben grosse Aehnlichkeiten , zum Theil
üebereinstimmung, mit den Felsitporphyren der Umgegend von Stolpen
(vergl. Isis 1882, S. 103—110). Es liegen hier offenbar zusammen-
hängende Gangbildungen vor.
n. Orünsteine.
1. Doleritischer Olivindiabas, Westseite des Taubenberges
bei Taubenheim, s. ö. v. Schirgiswalde.
Mächtiger, in zwei Brüchen abgebauter Gang, polyedrisch abgesondert,
bei Verwitterung sphäroidisch schalig.
Frisches doleritisches Gestein mit Labradorleisten, Augit, Glimmer und
Serpentinflecken. o
U. d. M. ähnlich dem schwedischen Asby-Diabas, krystallinisches Ge-
menge ziemlich gleichgrosser Elemente. Ziemlich frischer Labrador,
röthüchgelber Augit, zum Theil etwas in Chlorit angegangen, dabei mit
basischer SpaltbarKeit neben der prismatischen; Magnetitkiystalle; an
den Aunten oft Biotitkry stalle; ausserdem viele Pseudomorphosen von
grünen Nadeln und Fasern (von Actinolith?) mit kleinen Erzkömern, nach
Olivin. Die grüne Substanz zum Theil schon den Feldspath angreifend.
In ihr zuweilen Quarzkömchen. Apatit fehlt nicht.
Bei Verwitterung tritt deutliche Uralitisirung ein; grössere Drusen
von Kalkspath und Quarz erscheinen.
17
Die Feldspäthe bleibea noch frisch, ebenso das Magneteisen und der
Apatit. Dagegen sind die Augite bis auf kleine Reste verschwunden und
in lichtgrünes Homblendefaserwerk übergegangen, welches auch zwischen
die Feldspäthe vordringt. Die Biotite sind stark ausgebleicht und zum
Tbeil zerfasert. Die OUvinpseudomorphosen sind noch zu erkennen.
2. Doleritischer Olivin-Diabas von Steinigtwolmsdorf.
Dasselbe frische Gestein wie Nr. 1. Neben dem Augit auch einige
grosse Erystalle primärer Hornblende, aber gegen den Biotit zurücK-
tretend; viel Apatitprismen. Olivin mit Erzkörnchen und in lichtgrüne
Fasern umgewandelt, zurücktretend.
3. Diabasaphanit im Granitcontact. SW.- Seite des Tauben-
berges.
Grauschwarzes, dichtes Gestein mit winzigen, grünen Flecken.
U. d. M. aus Augitkörnchen und Magnetit (zum Theil in Gitter-
gruppen) mit farbloser Glasgrundmasse bestehend, zurücktretende deut-
liche Feldspathkörnchen und Leisten. Porphyrisch viele lichtgrüne Flecken,
aus Aggregaten und breiteren Individuen von Hornblende bestehend, mit
Epidotkörnchen, grossen Pyritkrystallen und farbloser Zwischenmasse.
4. Zersetzter Diabas. Pass, Böhmen (Nordabhang des östl. Zittauer
Quadergebirges*).
Mittelkörniges, schweres Gestein, mit grünlichgrauen, trüben Plagio-
klasen und schwärzlichgrüner, dichter Grundmasse; zum Theil flaserigmit
grossen Uraliten und scheinbar in Uralitschiefer übergehend.
U. d. M. krystallinisches Gemenge von stark getrübtem Labrador
mit grossen (titanhaltigen) Magnetitkrystallen und sehr lichten, grossen
Augiten, die auf Sprüngen in Ghlorit umgewandelt sind, der sich von da
aus weiter in das Gestein, zwischen die Feldspäthe oder zu grösseren
Flecken verbreitet. Apatit fehlt nicht. Hornblende oder Glimmer nicht
mehr zu constatiren, Olivin oder seine Pseudomorphosen fehlen dem
Gemenge.
5. Diorit, Bahneinschnitt bei Gross-Schweidnitz, südl. Löbau.
Gegen 20 m mächtiger Gang im Granit. Sehr schön sphäroidisch-
schalig abgesondert.
Ziemlich grosskörniges Gemenge von Homblendesäulen, wenig Biotit
und weissem, opakem Feldspath.
U. d. M. grosse, schöne Hornblendekrystalle, oft verzwillingt,
vielfach von aussen und längs Sprüngen umgewandelt, ausgebleicht und in
feinfilziges, hellgrünes Faseraggregat übergehend; zum Theil schon völlig
Sseudomorphosirt, meist noch mit grossen, frischen Resten. Wenig
iotit, der zum Theil auch ausgebleicht und mit Epidotkörnchen.
Grosse Feldspathleisten, meist dem Oligoklas zugehörig, stark kaolinisirt.
Sehr wenig primärer Quarz, reichlich Apatit, Titaneisen mit Leu-
koxen. Etwas Epidot und Ealkspath.
*) jfAm. Nordabhange des östlichen Theiles des Zittauer Quadergebirges
schiebt sich zwischen den Quader im Süden und Gneiss im Norden eine nach
West vorgestreckte Zunge der Schieferformation des Jeschkengebirges ein, die
sich von Pankratz über Pass bis Spittelgrond erstreckt. Die Gesteine sind
Phyllite, Grünschiefer (local Kalkdiabasschiefer) und kömiger Grünstein. Arch.
Geb. S. 149.«
18
6. Glimmerdiorit, östl. bei Alt-Georgswalde, Böhmen.
Gänge im Granit bildend.
Kleinkörniges, lichtgrünes Gemenge Yon Hornblende, Glimmer und
weissem Feldspath.
Ut d. M. krystallinisches Gemenge yon fast ganz getrübtem Plagio-
klas, schönen Hornblendekrystallen, die nur wenig von der vorher ge-
nannten Umwandlung aufweisen, stark ausgebleichten, von Epidotkömchei
durchspickten Bio tittafeln; dazu tritt Apatit^ Magnetit, secundärer Quarz,
Epidot und reichlich Kalkspath.
7. Diorit, Gang im Granit am linken Ufer des Löbauer Wassers,
unterhalb Löbau, in der Nähe der Oelmühle.
Ausgezeichnet schalige Absonderung bei der Verwitterung.
Aehnlich dem vorigen, noch feinerkörnig, mit einzelnen Quarzmandeln
und grösseren, schmutziggrünen Flecken.
U. d. M. von derselben, nur kleinerkömigen Beschaffenheit. Die
Hornblendekrystalle recht frisch, Biotit mehr zurücktretend. Eigenthümlich
sind porphyrische lichtgrüne Flecke, bestehend aus hellgrünen Fasern,
vielleicht umgewandelte porphyrische Hornblendekrystalle darstellend.
8. Zersetzter Diorit in Lesestücken, nordwestlich von Rumburg,
licht grüngräues. Gestein von feinem Korn, aus faseriger Hornblende
und grünlichem Feldspath bestehend, mit Drusen von Epidot.
U. d. M. starke Vervritterungsspuren. Trüber Plagioklas, faserige,
helle Hornblende, viele Hornblendefasern und -schuppen mit Epidot; Titan-
eisen mit Leukoxen; Apatit.
9. In mehreren schmalen, oft kaum noch Vs ^^ mächtigen Gängen,
die wiederholt anschwellend, sich gabelnd und endlich auskeilend
den Granit in dem Bahneinschnitt von Grossschweidnitz bei
Löbau durchsetzen:
Ein kryptokrystallinisches , grünlichschwarzes Gestein, mit kleinen
Pyriteinsprenglingen, ist als dichter Proterobas zu bezeichnen.
Es ist ein kleinkrystallinisches Gemenge von frischen, nur fleckenweise
getrübten Labrador leisten und -körnern, lichten Augit kömern und
-Säulen, stark dichroitischen Hornblende- und Biotitkrystallen in
gleicher Anzahl mit dem Augit, Magnetit mit Apatit, hinzutretenden
Sorphyrischen lichtgrünen Flecken, die aus Aktinolith und ausgebleichten
rlinmierkrystallen zusammengesetzt erscheinen, in denen öfters kleine
Epidotkörnchen liegen. Die hellgrüngelben Augite sind meist eigenthüm-
lich zerhackte Krystalle, in ihnen liegen gern winzige Erzkörner. Auch
Quarzkörner betheiligen sich an dem krystallinischen Grundgemenge
in zurücktretender Masse. Kalkspath und Chlorit durchziehen das Gestein
in geringer Menge.
10. Ein anderer dichter Aphanit am dortigen Granitcontact, mit kleinen,
grünen Ein^renglingen ist ein Diorit.
Bei schwacher Vergrösserung erscheint ein kleinkrystallines Gemenge
von Hornblendekörnern und Feldspath, mit einzelnen porphyrischen, trüben
Plagioklasen und lichtgrünen Pseudomorphosen.
Neben den vorherrschenden kurzen Hornblendekrystallen ist der frische
Plagioklas das Hauptgemenge; Biotit, Quarz, Magnetit und Pyrit, sowie
Apatit treten weiter auf. Die grünen Flecke zeigen oft Feldspathreste, in
denen lichte Glimmer- und Chloritfasem, sowie Epidot eingedrungen sind.
19
11. Quarzführender Glimmerdioritporphyrit von Zoblitz
(nach Dolgowitz zu, in losen Blöcken getroffen).
In feinkrystallinischer, licht grünlichgrauer Grundmasse liegen zahl-
reiche grosse Krystalle Ton weissen, gestreiften Feldspäthen, Biotittafeln,
grosse Homblendeprismen , zum Theil in Durchkreuzungszwillingen und
vereinzelte Quarzkrystalle. In den Feldspäthen liegen oft kleine Glimmer-
schuppen.
Glocker bezeichnet das Gestein als Grünsteinporphyr, nach Cotta
schliesst es bei Bosenheim, unweit Zoblitz, Granitfragmente ein. Ein mit
unserem Vorkommen übereinstimmendes Gestein beschreibt Woitschach
(Granitgebirge Yon Königshain u. s. f. 1881. S. 143.) yon den Kämpfen-
bergen bei Königshain als Quarz-Glimmer-Diorit-Porphyr. Cotta erwähnt
dasselbe Gestein noch yon Rosenhain und Wendisch-Paulsdorf im Contact
mit Granit.
Unter dem Mikroskop treten die porphyrischen Krystalle folgender-
maassen auf. Die Feld spät he sind theils sehr frisch, theils völlig kaoli-
nisirt, so dass man verschiedene Mischungsglieder annehmen möchte.
Die frischen erweisen sich wegen ihrer geringen Auslöschungsschiefe als
Oligoklas. Sie sind neben der Zwillingsstreifung durch prächtige Zonen-
structur ausgezeichnet, wie man sie in jüngeren Gesteinen häufiger findet.
Die seltenen Quarzkrystalle haben Einschlüsse von Flüssigkeit und Ge-
steinsgrundmasse. Die Biotite sind oft von Apatiten durchspickt. Die
Hornblendekrystalleenthalten zum Theil schöne Flüssigkeitseinschlüsse
und sind oft nach cc P oc verzwillingt; ihi-e Contouren sind meist recht
scharf ausgeprägt.
Die Grunamasse ist ein deutlich krystallinisches Gemenge derselben
Mineralien. Vorwiegend sind die Feldspäthe, in Kömern und Krystall-
leisten, frisch oder getrübt. Sehr auffällig ist bei ihnen der zonale Bau
in der Art, dass eine schmale, äussere, scbarf abgesetzte, oft sehr frische
Schale den inneren, anders polarisirenden , oft scheinbar aus Grundmasse
bestehenden Kern einschliesst. Zwischen diesen Plagioklasen sind Glimmer-
und Homblendekrystalle und -schuppen oder Nadeln in grosser Menge
vertheilt. Quarz, Apatit, Magnetit treten sehr zurück.
Sehr wenig Epidotkörner liegen in Hornblende und Glimmer-
krystallen.
12. Glimmerdioritporphyrit von Zoblitz,
als Granitporphyr scnon lange bekannt, nach Danzig eine Massen-
ausscheidung im Granit bildend.
In der sehr feinen, ^nlichschwarzen Grundmasse liegen viele frische
Krystalle schön verzwilungter Feldspäthe, ferner Biotittafeln und Horn-
blendesäulen.
U. d. M. erkennen wir bis auf einige geringfügige, auf der vor-
geschrittenen Umwandlung beruhende Unterschiede dasselbe Gesteinsgefüge,
wie beim vorigen Die grossen Feldspäthe (Oligoklas, zum Theil Labrador)
sind zonal struirt, meist etwas angegriffen; zuweilen von schmalen Gängen
durchzogen, die von Quarz, Labrador und einer chloritischen Masse er-
füllt sind. Die porphyrischen Glimmer sind oft ausgebleicht, die Horn-
. blenden in schuppige Aggregate umgewandelt. Die Grundmasse ist
kleinkrystallinisch , aus trüben Feldspathkörnern mit durchsetzenden
Glimmer- und Hornblendeschuppen bestehend ; letztere gruppiren sich auch
gern an die porphyrischeu Feldspäthe; wenig Quarz und Magnetit.
20
Ein Grenzstück zwischen diesem Porphyrit und Granit zeigt keinen
petrographischen Uebergang, sondern ist ein typisches, breccienartiges
Aggregat Ton Quarzen, Plagioklasen, Glimmern und Hornblende, zum Theil
in verwittertem Auftreten. Nach dem petrographischen Befund kann so-
mit der Porphyrit nicht als Ausscheidung des Granites bezeichnet werden.
IIL Basalt von Stolpen.
Meinen Angaben über den Basalt von Stolpen (Isis 1882, S. 113 bis
118) habe ich noch das Resultat der Untersuchungen anzufügen, die ich
an den Proben aus dem Schlossbrunnen anstellte. Herr Obersteiger
Eulitz, welcher die Förderarbeiten*) aus dem Brunnen leitete, hatte die
Güte, mir aus dem 82 m tiefen Brunnenschacht Proben aus je 5 zu 5 m
Tiefe zu schlagen und zu übermitteln.
Das Resultat der mikroskopischen Untersuchung aller dieser Proben
war folgendes : In sämmtlichen Tiefen zeigt der Basalt bis auf ganz unter-
geordnete Differenzen dieselbe Beschaffenheit der Mineralzusammensetzung
und der Structur. Alle Stücke zeigten dieselben Befunde, wie die rings
von der Basaltkuppe seiner Zeit losgeschlagenen Splitter; es ist ein
Nephelinitoid- und Glas - führender, mikroporphyrischer
Felds pathbasalt. Weder Leucit noch Mellilith sind vorhanden. Es ist
unnöthig, jeden Schliff gesondert zu beschreiben, die a. a. 0. S. 116 f.
gegebene Darstellung passt auf jedes der neuen Präparate. Nur gering-
fugige Unterschiede, wie Vorwiegen der isotropen farblosen Basis in den
einen , dagegen des Nephelinitoids , in den anderen Proben , reichlichere
Augitaugen, grössere porphyrische Ausscheidungen, etwas weitere Serpen-
tinisirung der Olivine u. a. wären zu vermerken.
*) Ueber diese Arbeiten und das Brunnenprofil gab Dr. Theile eine
Notiz in dem Blatte „Ueber Berg und Thal", Dresden, 1§84. Num. 76, S. 238.
21
in. Die Temperatur des Erdbodens in Dresden.
Von G. A« Neubert, Prof. am K. S. Kadettencorps.
(Mit Tafel m.)
Mit dem 1. Januar 1873 begannen in Dresden, sowie an den meisten
meteorologischen Stationen Sachsens auf Anregung des damaligen Leiters
des sächsischen Beobachtungssystems, Geh. Hofrath Prof. Dr. Brüh ns in
Leipzig, Messungen der Temperatur der oberen Erdschichten oder des
Erdbodens und wurden hierauf während 10 Jahren ohne Unterbrechung
fortgesetzt. Da die Beobachtungen nun ihren Abschluss erreicht haben,
sind in dem Folgenden die Ergebnisse aus denselben zusammengestellt.
Obgleich die ersten derartigen Beobachtungen, welche Ton Mariotte in
den 28 m tiefen Kellern der Pariser Sternwarte in der Zeit von 1670 bis
1672 angestellt wurden , grosses Aufsehen erregten , weil sich aus ihnen
ergab, dass in grosser Tiefe unter der ErdobeiiBäche die Temperatur un-
Teränderlich bleibt, blieben doch die Versuche ziemlich vereinzelt. Für
Sachsen waren ausser den Beobachtungen von Prof. Reich in Freiberg
„über die Zunahme der Temperatur bei zunehmender Tiefe unter der
Erdoberfläche^' aus den Jahren 1830 bis 1832 nur noch die Beobachtungen
Lohrmann's bekannt, welche derselbe iVt Jahr hindurch (Juni 1836 bis
December 1837) hier in Dresden, für die Tiefen von 2 und 8 Ellen unter
der Erdoberfläche, anstellte. Die Resultate aus denselben finden sich in
den „Mittheilungen des statistischen Vereins für das Königreich Sachsen",
11. laeferung 1839, aufgezeichnet.
Da sich für die neueren Beobachtungen kein geeigneter Raum in der
Nähe der meteorologischen Station (Forststrasse 25) auffinden liess,
wurden dieselben durch die freundliche Vermittelung des Herrn Krause,
Directors der Königl. Gärten, in dem Garten des japanischen Palais aus-
geführt.
Die Thermometer fanden ihre Aufstellung an der NW-Seite des so-
genannten Berges in einer Höhe, welche nicht mehr vom Grundwasser
oder hohem Eibwasserstande erreicht wird. Die benutzte Fläche liegt in
110 m Seehöhe.
Der Boden, in welchem die Thermometer Aufstellung fanden, besteht
aus Kies und Sand und gehört einem früheren Festungswalle an. Die stets
mit Rasen bedeckte Oberfläche wurde durch die umgebenden Sträucher
und Bäume den grössten Theil des Tages, besonders aber wälirend des
höchsten Sonnenstandes, vor der directen Bestrahlung geschützt.
&M. laiB m Dr99den, 1886. - Abb. 8.
22
Die Thermometer waren in die Fugen walzenförmiger Holzklötzchen
eingelegt und wurden nach der Saussure'schen Methode in hölzerne
Röhren, welche je Va ^ ^^^ einander entfernt bis zu den Tiefen von
O.l m bis 3.0 m in die Erde versenkt waren, eingelassen. Vermittelst
dauernd an denselben befestigter Drähte wurden sie zu den Ablesungen
emporgezogen. Um sie gegen Temperatureinflüsse während des Ablesens
zu schützen, waren die Tbermometergefasse mit schlechten Wärmeleitern,
Talg oder pulverisirtem Gyps, umgeben. Die Röhren selbst aber wurden
durch Wergpfropfen und Metalldeckel gegen die Aussentemperatur ab-
geschlossen.
Alljährlich wurden die Instrumente einer Prüfung unterworfen. Die
in den ersten Jahren di^rch Erhöhung des Nullpunktes der Thermometer
entstandenen Abweichungen sind, als den verflossenen Zeiträumen pro-
portional, in Rechnung gezogen worden.
Um dem Einwände zu begegnen, dass bei dieser Aufstellung die
Thermometer zwar die Temperatur der Holzröhren, nicht aber die des
Erdbodens anzeigen, wurde eine längere Versuchsreihe mit 3 Thermometern,
von denen das erste frei im Boden, das zweite in eine Zinkröhre und das
dritte in eine Holzröhre eingelassen war, ausgeführt. Sämmtliche Instru-
mente waren bis zu 30 cm, als der Tiefe, bis zu welcher sich noch die
täglichen Veränderungen geltend machen, in Sandboden versenkt. Das in
freier Erde trug zum Schutze des Gefasses eine kurze Metallhülle. Die
Ablesungen fanden stets Mittags statt und ergaben folgende Monats-
mittel:
Thermometer in
freier Erde
Zink
Holz
Januar
3.01 «C
2.85^
3.00^0
Februar
3.16
2.97
• 3.10
März
4.48
4.24
4.36
April
Mai
6.06
5.87
6.10
11.43
11.80
11.15
Juni
12.70
12.61
12.60
Obgleich sich das in der Holzröhre befindliche Thermometer in seinen
Angaben immer etwas verspätigte und< daher einem schwer empfindlichen
Thermometer zu vergleichen war, stimmen doch die Schwankungen gut
überein. Aus 10 Sätzen zu je 10 Beobachtungen ergaben sich als Mittel-
werthe der Schwankungen für das Thermometer
in freier Erde = 2.5 °,
„ der Zinkröhre = 2.6 °,
„ der Holzröhre = 2.4 ^
Die Holzröhren hielten nicht die vollen 10 Jahre aus und mussten
daher, als sie nach 7 Jahren zu faulen begannen, 1880 mit Zinkröhren
ausgewittert werden. Die Beeinflussung kann dem Obigen zufolge als ge-
ring erachtet werden und wird für die grösseren Tiefen ganz unbeachtet
bleiben können.
Ein Vergleich der zehnjährigen Mittelwerthe mit denen aus den ersten
5 Jahren ergiebt einen fast durchgängigen Rückgang der Wärme.
Bemerkenswerth ist, dass sich dieselbe Thatsache auch in der mittleren
Lufttemperatur zeigt. Die Mitteltemperatur aus den Jahren von 1870 bis
jetzt steht durchgängig tiefer als das 35jährige Gesammtmittel.
23
Die Bodenwärme der letzten 5 Jahre hat abgenommen für
die Tiefe von 3
J1 M «1 ^
11
m um 0.64^
» 1, 0.39
1.6 „
1.0 „
0.49
0.40
die Tiefe von 0.76 m um 0.46^
0.6 „ „ 0.62
0.26 „ „ 0.21
0.10 „ „-0.22
11
11
Die Nebeneinanderstellutig der Temperaturcurven beider Zeiträume
zeigt sehr deutlich, dass die drei Sommermonate der letzten 5 Jahre eine
auffallend niedrige Temperatur hatten, und dass der ganze Januar, die
letzte Hälfte des März und die erste des April, sowie die Zeit vom 22. Sep-
tember bis 22. October zu kalt waren. Da aber die Veränderungen der
Lufttemperatur theils durch Leitung, theils durch Girculation in den Erd-
boden übertragen und mit zunehmender Tiefe immer unmerklicher werden,
so treten nur die Abweichungen längerer Zeiträume hervor, während die
positiven Abweichungen, welche nur kürzere Zeit anhielten, sich nur in
den Veränderungen der obersten Schichten wieder abspiegeln, in Bezug
auf die Zeit des Eintritts aber verschieben und endlich bis zur Unkennt-
lichkeit mit zunehmender Tiefe verflachen.
Die folgenden Werthe, welche Mitteltemperaturen aus den 10 Jahren
1873 — 1882 sind, finden durch die Ueberschriften ihre Erläuterung und
in der beifolgenden Tafel lU mit den Temperaturcurven eine Veran-
sohaulichung.
Jährlicher Gang der Wärme*)
in den Tiefen von:
1873—
8S
Tag
3.0 m
2.0 m
1.5 m
1.0m
0.76 m
0.6 m
0.26 m
0.1m
Luft
O
C
Cf
C
C
o>
o>
C»
(?
Januar . .
. . 1.
8.8
6.9
5.4
3.8
2.9
22
li3
0.8
1.6
8.
8.6
6.4
iß
3.4
2.6
2.0
1.1
0.7
-1.6
15.
8i}
6.1
4.7
3jj
2£
1.9
1.1
0.6
-0.1
22.
7.9
5.8
4.4
3.1
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1.8
1.1
0.7
-0.4
Februar . .
. . 1.
7J$
5.4
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2.6
2.0
U
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0.0
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2.1
is
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März. . . .
. . 1,
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23
2.4
2.7
2.6
2.9
2.6
8.
6.6
4.9
4.0
3.8
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6.7
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22
2.4
2.8
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6.6
5.2
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3.6
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. . 1.
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5.6
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6.8
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Mai
. . 1.
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8.6
8.9
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84J
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7.8
8.0
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9.1
9.6
10.2
10.1
9.9
9.7
15.
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10.6
10.9
11.0
10.7
22.
8.4
8.9
9.6
lOjJ
10.9
11.7
12JJ
12.6
13.4
*) Die jnittlere W&rme der Luft ist durch zeichnende Darstellung aus den fünf-
tägigen Wftrmemitteln dieses Zeitraames gewonnen worden, ,
24
1873—
88
Tag
3.0 m
2.0 m
1.6 m
1.0 m
0.76 m
03 m
0.25 m
0.1 m
Luft
C
C
C
C«
C»
C
C
C
o>
Juni ....
. . 1,
8.9
9.7
10.6
11.9
123
133
14.1
143
153
8.
9ü
10.8
11.6
13.0
133
143
153
15.2
163
15.
9.7
11.1
12.8
133
14.4
15.0
153
153
16.0
22.
10.1
11.6
12.9
Ua
15.0
16.1
163
17.7
18.0
JuU
. . 1.
10.6
12jj
13.7
15 Ja
16.0
163
17.7
183
17.7
8,
10.9
12.7
14.1
15.7
16.4
173
173
173
18i}
15.
11.3
13.2
14.6
16.0
16.4
173
17.7
18.1
18.4
22.
M.7
13.6
14.9
16.2
163
173
17.4
16.7
183
August . . .
. . 1.
12.0
13.9
iba
16.4
163
17.7
173
17.7
183
8.
12.J
14.1
15.3
163
16.7
173
17.4
17.4
183
15.
12.6
14.1
16.4
16.1
163
17jj
17.4
17.4
17.7
22.
12.7
Uä
15.4
16.0
16.4
163
16.7
163
17.4
September .
. . 1.
12.8
14.2
15.1
15.7
15.7
153
153
153
163
8.
1S.9
14.1
14.9
15.4
153
153
15.4
143
153
15.
12.9
14.0
14.6
143
143
143
14.7
14.2
143
22.
12.9
13.8
14.2
143
14.1
133
133
123
133
October . .
. . 1.
12.8
13.4
13.4
Via
123
12.7
12.1
11.7
113
8.
12.7
13.0
13.0
123
12iJ
113
11.2
103
103
15.
12.6
12.6
12.4
113
113
103
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9ü
103
22.
12.8
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103
10.4
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73
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November .
. . 1.
11.9
11.4
10.7
93
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73
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63
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11.6
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8.1
73
63
53
5.4
33
15.
11.2
10.1
9.0
7.6
6.7
53
43
4.2
43
22.
10.8
9.4
8.8
6.7
53
53
43
33
33
December .
. . 1.
10.4
8.7
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23
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Sa
7.1
53
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4.7
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23
13
13
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5.7
43
33
33
23
13
03
31.
8.7
6.8
53
3.7
3.0
23
13
13
03
Mittlere Monatstemperaturen
fiir die Tiefen von:
1873—82
33 m
2.0 m
13 m
l3m
0.76 m
03 m
036 m
0.1 m
Luft
C
o>
C
C
C
G>
C»
C»
C
Januar . . .
83
6.1
4.7
33
23
13
13
03
—03
Februar . .
7.1
53
33
23
23
1.7
13
1.1
03
März ....
6.7
5.1
43
3.7
3.4
33
33
3.4
33
April
Mai
63
63
63
6.7
73
73
73
7.7
83
, 8.1
83
9.1
93
10.4
113
113
113
113
Juni ....
9.7
113
123
133
14.4
153
153
163
163
Juli
. 113
13.1
143
153
163
173
17.7
173
183
August . . .
, 12.4
14.1
153
16.1
16.4
173
173
163
173
September .
123
133
14.4
14.7
143
143
14.1
13.7
133
October. . .
12.4
123
123
113
11.1
103
9.7
9.1
9.1
November .
113
10.1
93
73
6.7
53
43
43
33
December. .
. 93
73
6.4
43
43
33
23
1.7
03
Jahr ....
9.70
9.46
9.36
930
9.08
9.12
831
831
8.63
25
Um die linien des Wärmeganges auszugleichen, oder um den nor-
malen Gang der Wärme für einzelne Bodenschichten und der Luft zu er-
halten, sind aus den mittleren Monatstemperaturen die Gonstanten der
BessePschen Formel nach der Methode der kleinsten Quadrate berechnet
worden. Darnach ergeben die folgenden Ausdrücke, in denen
T = die Temperatur in C%
n = einen beliebigen, vom 15. Januar an gezählten Tag
bedeutet,
(der Monat zu 30 Tagen gerechnet und einem Winkel Ton 30® gleichgesetzt),
den Gang der Wärme für die Tiefe von
3 m: Tn = 9.70^—1.66 cos n— 2.67 sin n
2 m: Tn = 9.46^—3.66 cos n— 3.08 sin n
1 m: Tn = 9.20<>— 6.43 cos n— 2.46 sin n + 0.23 cos 2n + O.17 sin 2n
0.6 m: Tn = 9.12^—7.86 cos n— 1.67 sin n + 0.36 cos 2n -|- 0.I8 sin 2n
Luft: Tn = 8.68^—9.36 cos n— 0.61 sin n + 0-43 cos 2n -j- 0.60 sin 2n
Wie das Folgende zeigt, entspricht der Verlauf der Wärme, für die
Tiefe von 3 m, fast genau der nach obigem Ausdruck berechneten nor-
malen Wärmecurve, während, wie auch ein flüchtiger Blick auf die Zeich-
nung lehrt, die Abweichungen für die oberen Schichten grösser werden.
3 m Tiefe:
0.6 m Tiefe:
Beobachtet
Berechnet
unterschied
Beobachtet
Berechnet
unterschied
G>
Cf
C
Cf
C
C
Januar . . .
Sj20
8.15
-
-0.06
1.84
1.62
+OÄä
Februar
7.09
7.03
-
-0.06
1.70
1.76
—0.06
März . .
6.74
6.62
-
-0.12
3.48
3.63
—0.16
April .
Mai . .
6.94
7.04
—0.10
Im
7.10
+0.41
8.14
8.18
—0.04
10.97
11J57
—050
Juni . .
9.68
9.72
— 0.04
15J36
15.07 .
+0.19
Juli . .
11.29
lliJT
+0.02
+0.04
17.31
17.33
— 0lO2
August
12.43
12.39
16.96
17.10
—0.14
September .
12.83
12.80
+0.03
14j»9
14.47
+0.12
October . . .
12.43
12.38
+0.06
10.60
10.43
+0.17
November . .
11.20
n-n
—0.04
5.96
6.80
—0.36
Decembei
• •
9.64
9.70
-
-0.16
3ü9
3.18
+0.11
Aus den mittleren Monatstemperaturen ist zu erkennen, dass in der
Zeit von November bis Ende März die tieferen Schichten wärmer sind
als die oberen, und dass sich dagegen für die Zeit von April bis October
das Verhältniss umkehrt.
Die Wendezeiten, d. h. die Zeiten, in denen alle Schichten eine nahezu
Sleiche Temperatur besitzen, fallen auf Anfang April und Endo October;
emzufolge müssen, wie sich auch leicht aus aem „jährlichen Gange der
Wärme" erkennen lässt, die äussersten Wärmegrade in den verschieden
gelegenen Schichten zu verschiedenen Zeiten eintreten. Das Folgende giebt
die darauf bezüglichen, direct aus den Beobachtungen gezogenen 10jährigen
Mittelwerthe :
26
Zeit des durohsohmtfliGhen Eintrittes der höchsten,
mittleren und niedrigsten Temperaturen.
Tiefe
Höchste Wime
Mittlere
WÄrme
Niedrigste W&rme
Mittlere
WSrme
Schwan-
kung
m
Tag
C
Tag
C
C»
3.0
15. Sept.
12.9
U.Dec.
22. März
6.6
15. Juni
6.3
2.0
22. Aug.
14.2
23. Nov.
t. März
4.7
28. Mai
9.6
1.6
22. Aug.
15.4
12. Not.
22. Febr.
3.7
19. Mai
11.7
1.0
1. Aug.
16.4
2. Nov.
8. Febr.
2.6
9. Mai
13.9
0.76
1. Aug.
16.8
29. Oct. .
8. Febr.
1.8
" 5. Mai
15.0
0.6
1. Aug.
17.7
24. Oct.
8. Febr.
1.8
3. Mai
t6.4
0.26
1. Aug.
17.9
22. Oct.
1, Febr.
0.6
23. April
17.S
0.1
15. JuH
18.4
19. Oct.
l.Febr.
0.O
19. April
18.4
Luft
17. Juli
18.6
21. Oct.
8. Jan. -
-u
23. April
20.1
Da die Ablesungen der Thermometer nur all^ 7 Tage stattfanden,
so können die im Vorstehenden angegebenen Zeiten noch nicht als die
vrirklichen Eintrittszeiten gelten, denn die betreffenden Wärmezustände
können auch in der Zeit zwischen je zwei Ablesungen eingetreten sein.
Die wirklichen Eintrittszeiten lassen sich näherungsweise durch sorg-
faltige Zeichnung auf bekannte Weise ermitteln. Genauer jedoch und am
bequemsten durch das von Quetelet bei Berechnung der Brüsseler Be-
obachtungen angewendete analytische Verffüüren*) , nadi welchem die
Mitteltemperaturen dreier^benachbarter Monate oder dreier Beobachtungen,
innerhalb welcher das Extrem zu liegen kommt, als die gleich weit von
einander abstehenden Ordinaten, und die zugehörigen Zeiten als die Ab-
scissen eines parabolischen Bogens betrachtet werden. Die daraus zu be-
rechnenden Scheitelcoordinaten geben die Grösse und Eintrittszeit des
Extrems. Während die Rechnung keine Aenderung des Werthes der oben
angeführten Temperaturen ergiebt, ergeben sich als:
In der Tiefe
Eintrittszeiten der
von
höchsten W&nne
niedrigsten W&rme
3 m
14.
Sept. Mittags
25. März
Morgens
2 m
25.
Aug.
Morgens
28. Febr.
Morgens
1.5 m
19.
Aug.
Nachts
22. Febr.
Morgens
1 m
2.
Aug.
Morgens
9. Febr.
Morgens
0.6 m
27.
Juli
Mittags
3. Febr.
Nachts
*) Lehrbuch der Meteorologie von E. E. Schmid, S. 174.
27
Die äussersten Wärmegrade, welche überhaupt in jeder Bodenschicht
während der tO Jahre beobachtet wurden, sind
Tiefe
Absolntea Minimum
m
C
Cf
. 3.0
8. Septbr. 75
13.7
22. März 81
5.7
2.0
31. August 75
15.4
28. Februar 81
4.0
tj»
22. August 75
16.7
22. Februar 81
2.8
1.0
22. August 75
17.8
15. Februar 82
U
0.76
15. Juli 74
18.8
31. Januar 8t
0.9
0.6
15. Juli 74
19.8
31. Januar 81
—0.1
0.26
15. Juli 73
20.6
8. Februar 76
-0.6
0.1
8. Juli 74
2\a
22. Januar 81
-2.8
Luft
18. August 75
34.7
7. Decbr. 75
-25.6
Dem Vorstehenden zufolge ist der Frost nur einmal bis zur Tiefe von
0.5 m eingedrungen. Wenn nun trotzdem dae Wasser in den noch tiefer
gelegenen Röhren der hiesigen Wasserleitung, in nahezu gleicher Bodenart
stellenweise öfters gefriert, so dürfte die Ursache Yorwiegend in den bis
an die Oberfläche reichenden Metalltheilen , als Hydranten etc. zu suchen
sein, welche, weil sie in steter Berührung mit der Aussenlufk sind, be-
sonders bei mangelnd&m Schnee in kurzer Zeit, als gute Wärmeleiter, die
kältere Aussentemperatur annehmen und nach den tiefer gelegenen
Schichten zu leiten vermögen.
Mittlere Jahrestemperaturen
für die Tiefen von:
Jahr
3.0 m
2.0 m
1.5 m
1.0 m
0.75 m
0.6 m
0.25 m
0.1m
Luft
Co
C*
C«
C°
C«
C«
C«
C»
C«
1873
10.01
9.88
9.82
9.76
9.82
9.75
9.47
8.72
9.15
1874
10.07
9.89
9.71
9.56
9.49
9.46
9.07
8.34
8.70
1875
9.91
9.62
9.56
9.31
9.17
9.20
8.90
8.47
7.72
1876
9.91
9.47
9.44
9.26
9.09
9.42
9.03
8.57
8.62
1877
9.96
9.40
9.48
9.10
8.96
9.33
8.85
8.40
8.89
1878
9.83
9.65
9.62
9.59
8.63
9.57
9.03
8.65
9.34
1879
9.53
9.06
8.75
8.91
8.91
8.64
8.12
8.08
7.67
1880
9.48
9.16
9.02
9j2b
9.41
8.74
8.58
9.00
9.22
1881
9.06
9.06
8.94
8.45
8.40
8iao
8.19
8.67
7.75
1882
9i23
9.40
Qm
8.78
9.04
8.91
8.83
9.20
9.33
Mittel
9.70
9.46
9.36
9i30
9.08
9.12
8.81
8.61
8.63
Schwankung
1.01
0.83
1.07
1.31
1.42
1.56
1.35
1.12
1.67
Die nahezu stetige Abnahme der Temperatur, wie sie sich in den
mittleren Jahrestemperaturen för die verschiedenen Tiefen von unten nach
oben gehend zeigt, erleidet auffallender Weise eine Unterbrechung für die
Tiefe von 0.75 m. Der Grund dafür liegt jedenfalls nur in dem ein-
dringenden atmosphärischen Wasser. Von Anfang an zeigte sich nach an-
haltendem Regen- oder Thauwetter Wasser in der Holzröhre. Da dasselbe
nicht in der nächsthöheren, und selten in den tieferen benachbarten
6
28
Röhren auftrat, ist zu schliessen, dass ein unterirdischer, vom Wasser
selbst gebetteter Lauf dasselbe nach der Röhre leitete, in welche es von
unten eindrang. Alle Mittel, dies ohne Beeinflussung der Resultate zu be-
seitigen, blieben erfolglos.
Sowohl die mittleren, als auch die absoluten Extreme lassen bald er-
kennen, dass die Schwankungen der Temperatur mit zunehmender Tiefe
abnehmen, und dass schliessUch eine Tiefe vorhanden sein muss, in welcher
die Schwankungen so gering werden, dass sie durch unsere Thermometer
nicht mehr zu erkennen sind. Der Theorie von Poisson zufolge'*') nehmen
die Schwankungen in einer geometrischen Progression ab, wenn die zu-
gehörigen Tiefen in einer arithmetischen Reihe zunehmen. Um darnach
die Tiefe zu ermitteln, in welcher die jährlichen Schwankungen nur noch
0.01^ betragen, also kaum bemerkbar sind, ergeben sich, da die Schwan-
kungen in
1 m Tiefe = 13.9 ^
2 m „ = 9.6 0,
3 m „ = 6.3 ®
betragen, als Anfangsglied a der geometrischen Progression 13.9 ®, End-
flied z = O.Ol ^ und -als Exponent e = 0.683, folglich als gesuchte
lefe oder Anzahl der Glieder n
^^logz-Jo^ 1
log e
Mithin betragen die Schwankungen der Temperatur nur noch
0.01 ° in der Tiefe von 20 m,
0.10 0 „ „ „ „ 14 m.
Die täglichen Schwankungen hören in einer viel geringeren Tiefe auf
bemerkbar zu sein, oder weniger als O.Ol ^ zu betragen. Nach der oben
angeführten Theorie verhalten sich die Tiefen zu einander , _wie die Qua-
dratwurzeln aus den Zeiträumen, also wie y366"Tageii zu /FTag oder wie
19 : 1. Die täglichen Temperaturschwankungen machen sich demnach nur
noch bis zu ca. 1 m Tiefe bemerkbar.
Die Verschiebung der Eintrittszeiten der äussersten Wärmegrade lässt
leicht erkennen, dass zur Fortpflanzung der Wärme nach der Tiefe zu eine
gewisse Zeit nothwendig ist. Die Fortpflanzung des Maximums bis zu 1 m
Tiefe gebraucht 14 Tage, die des Mmimums 30 Tage Zeit. Diese auf-
fallende Verschiedenheit erklärt sich durch die verschiedene Beschaffenheit
des Erdbodens in den entsprechenden Zeiten. Das Maximum tritt zu
einer Zeit ein, in welcher der Boden gelockert ist und leicht vom Wasser
durchdrungen wird, während die Bewegung des Minimums in die Zeit
fällt, in welcher der Boden gefroren oder auch mit Schnee bedeckt ist.
Dasselbe gilt auch für oue Fortpflanzung der mittleren Jahres-
temperaturen.
Unter Berücksichtigung der eben berechneten Eintrittszeiten beträgt
die Fortpflanzungsgeschwindigkeit für die Strecken von
0—1 m 1—2 m 2-3 m
für das Maximum 16 Tage 23 Tage 20 Tage
„ „ Minimum 31 „
„ „1. Mittel 16 „
19
>»
25
19
)»
18
21
)9
18
*) Lehrbuch der Meteorologie von E. E. Schmid.
29
Durchschnittlich gebraucht also die Wärme, um bis zur Tiefe von
1 m zu gelangen, 18*/« Tag,
1—2 „ „ „ 20V« „
2-3 „ „ „ 20V4 „
woraus sich als Mittel für die Leitungsfabigkeit des Bodens oder der Fort-
pflanzungsgeschwindigkeit der Wärme 1 m in 20 Tagen ergiebt.
Während des Jsuires 1873 liess der Vorstand der chemischen Central-
stelle, Herr Hofrath Dr. Fleck, gleichfalls Messungen der Bodentemperatur
für die Tiefen Yon 2 — 6 m im hiesigen Königl. ootanischen Garten aus-
führen'*'), denen, um die Abhänngkeit der Temperatur von Nebenumständen
zu zeigen, die nachstehenden Werthe zum Vergleiche entnommen sind:
Mittlere Bodentemperatur
in 2 m Tiefe:
1873
Palais-Garten
Bo tan. Garten
Neustadt
Januar . . .
6.8 »C
6.9 »C
Februar , ,
5.6
5.3
März . , .
5.1
5.3
April . . .
Mai . . .
6.9
10.2
8.8
10.1
Juni . . .
11.1
13.3
Juli . .
13.6
16.3
August
14.6
18.1
September
14.3
17.4
October .
13.0
14.8
November
10.9
11.1
December
8.6 •
8.0
Jahr . . .
10.0
11.4
Die Ablesungen wurden an beiden Orten zur selben Tageszeit vor-
genommen. Die Versuchsstation im Botanischen Garten lag aber völlig
frei und war von Morgens bis Abends den Sonnenstrahlen ausgesetzt,
während die Station in der Neustadt an meist schattiger, wenig beleuch-
teter Stelle lag. Dort standen die Thermometer in lockerem, humusreichen,
hier in festem, kiesigen, sandigen Boden. Diese Verschiedenheit veran-
lasste nicht nur die Abweichungen in den Monatsmitteln, sondern auch
in der Fortpflanzungsgeschwindigkeit, denn während die Wärme sich in
dem sandigen Boden in 20 Tagen 1 m fortpflanzte, legte sie in dem lockeren
Boden des Botanischen Gartens bereits in 14 Tagen dieselbe Strecke
zurück.
*) Dritter Jahresbericht der chemischen Centralstelle för Dresden. Dresden,
Zahn's Verlag. 1874.
6*
30
lY. Bemerkungen über das DiluYlnm innerhalb des
Zittaner Quadergebirges.
Von E. DanEig in Eochlitz.
Es ist schon seit längerer Zeit bekannt, dass an der Südseite des
Zittauer Gebirges auf böhmischem Boden (Pankratz, Gabel, Böhm.-Leipa)
diluviale, Feuersteine führende Ablagerungen auftreten, die A. Fritsch
und 0. Friedrich (letzterer in den beiden Abhandlungen: Geognostische
Beschreibung der Südlausitz u. s. w., Zittau 1871 — und: Die Glacial-
periode mit besonderer Rücksicht auf die südliche Lausitz u. s. w., Zittau
1875) beschrieben haben. H. Credner hat sodann (Ber. naturforsch. Ges.
Leipzig 1875 — und Zeitschr. Deutsch, geolog. Ges. 1875) diese Gebilde
längs des Südabhangs der südlausitzer Gebirge im PolzenÜiale bis Tetschen
untersucht und ihr Vorkommen dadurch erklärt, dass das diluviale Meer
(oder nach der modernen Ansicht der nordeuropäische Gletscher) das
Plateau der sächsischen Schweiz überschritten und eine böhmische Bucht
gebildet habe, eine Erklärung, die nach den damals vorliegenden Be-
obachtungen als einzig zulässige erschien. Ich glaube annehmen zu dürfen,
dass ein Theil dieser Massen, insbesondere die der Pankratzer Gegend,
vom diluvialen movens direct über das Zittauer Gebirge transportirt
worden ist. Beweise dafür scheinen durch folgende Erwägungen geliefert
zu werden:
1) Die Höhe des Passes bei Pankratz, der das Zittauer Gebirge
(Trögelberg) und Jeschken - Gebirge scheidet, beträgt 420 m. Nordöstlich
von ihm, also nördlich vom Gebirgswalle, kommen aber bei Ober-Neun-
dorf (NO. von Kratzau) geschichtete, mehrere Meter mächtige, Feuersteine
fuhrende Kiese und Sande vor, in einer Höhe, die nicht wesentlich unter
der des erwähnten Pankratzer Gebirgseinschnittes bleibt (400 m). Es
konnte also wohl auch über letzteren hinweg der Transport nordischen
Materiales erfolgen, und gerade südlich der höchsten Stelle des Passes,
kaum eine halbe Stunde davon entfernt, liegen die mächtigen Diluvial-
massen von Pankratz I
2) Auf dem ca. 460 — 530 m hohen Quadermergelplateau vou
Lückendorf (Sachsen) habe ich schon seit Jahren nordische Geschiebe an-
getroffen, die stellenweise geradezu eine „Steinbestreuung^^ (z. B. südlich
der Windmühle, 475 m) bilden. Nordische Granite und Quarzite, Feuersteine
und Kieselschiefer finden sich zusammen mit Jeschkenschiefern. Letztere mögen
theils vom eigentlichen, ca. zwei Meilen südöstlich davon gelegenen Jeschken-
gebirge stammen, zum Theil zeigen dieselben aber auch eine recht auf-
Gu, Jna in DrtadsH, 1886. - Abh. 4.
31
fällige Aehnlichkeit mit gewissen Schiefern, die- am Nordabhange des
Zittaaer Gebirges zwischen Quader und Gneiss liegen und einer nach Westen
vorgestreckten Zunge der Schieferformation des Jeschkens anzugehören
scheinen. Entscheidend für meine Auffassung ist aber, dass auch Lausitzer
Granitgneisse, wie sie ganz gleich am Nordfusse des Gebirges bei
Spittelgrund u. s. w., nordöstlich von Lückendorf, anstehen, mit den oben er-
wähnten Fremdlingen zusammen vorkommen (520 m). — Nordische Geschiebe
erwähnt Friedrich auch in seiner zweiten Schrift vom Südfusse des
Hochwalds zwischen Krombach und Hermsdorf (böhmisch), wo ich sie
später ebenfalls ziemlich reichlich getroffen habe.*) Nach einer Mittheilung
dieses Autors hat derselbe Feuersteine schon früher beim Lückendorfer
Forsthause (490 m) gefunden. — Diese Angaben lassen vermuthen,
dass der mehrerwähnte Pankratzer Pass nicht oie einzige Stelle gewesen
ist, an der nordisches Diluvium das östliche Zittauer Quadergebirge
überschritt.
Das Vorkommen von nordischen Geschieben in dem nach Norden
!;eöffheten Oybinthal, über das ich früher kurz berichtet habe (Abh. der
sis 1883), ist weniger auffällig, die Höhe, in der man sie antrifft — bis
nahe an 450 m — immerhin nicht gewöhnlich.
Ein sehr merkwürdiges Phänomen der Diluvialzeit bietet der Hoch-
wald. Die obere Hälfte desselben besteht bekanntlich aus Phonolith, die
untere aus Quadersandstein. Der nördliche Abhang ist unterhalb der
Phonolith-Sandsteingrenze mit einer Unmasse von oberflächlich lose herum-
liegenden Phonolithblöcken aller Grössen bedeckt, die man früher einfach
durch Yerrollungen u. s. w. erklären konnte. Tiefere Nachgrabungen
zum Zwecke der Gewinnung dieser Blöcke haben aber gezeigt, dass die-
selben nicht blos in bedeutender, bis jetzt noch gar nicht bekannter
Mächtigkeit lose auf einander geschüttet sind, sondern local auch in einem
sandigen, mit kleinen Klingsteinbröckchen gemengten Lehme durchaus
ungeordnet eingebettet liegen.'*'*) Selten sieht man in diesem horizon-
tale Platten, gewöhnlich sind dieselben mehr oder weniger gegen die
Horizontale geneigt, stehen wohl auch bisweilen geradezu senla*echt auf
der schmalen Fläche. An eine spätere Einschwemmung des Lehmes (der
durch spärliche Muskowitblättchen seine Abstammung aus dem weiter oben
zu Tage tretenden feinkörnigen Sandstein verräth) ist hiemach nicht zu
denken. Die Blöcke selbst sind an ihrer Oberfläche so beschaffen, wie die
längst aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissenen, der Ver-
witterung ausgesetzten im eigentlichen Phonolithgebiet des Hochwaldes.
Sie haben in der Hauptsache schon zu der Zeit, als sie vom Lehm eingehüllt
wurden, dasselbe Aussehen wie heute besessen. Nur die kleineren, einige
Gentimeter oder wenig mehr als 1 dm im Durchmesser haltenden^ scheiben-
förmigen GeröUe zeigen mitunter eine auffallendere Rundung. Viele der
Blöcke, grosse wie kleine, sind mit zahllosen, nach allen Richtungen ver-
laufenden Kritzen bedeckt, sie müssen also gegen einander bewegt worden
sein. Dass diese Blockanhäufung als Ablagerung eines localen, vom Hoch-
wald herabkommenden Gletschers gedeutet werden könnte, ist vielleicht
nicht geradezu unmöglich, namentlich auch, wenn man die bedeutende,
*) In Krombach selbst fand ich in diesem Frühjahre Feuersteine bis zu
490 m.
**) Bisweilen trifft man mit ihnen vergesellschaftet Blöcke eines stark
eisenschüssigen, festen Sandsteins.
32
an der jetzt aufgeschlossenen Localität*) sicher nicht unter 20 m be-
tragende Mächtigkeit derselben und den Mangel jeder Schichtung beachtet,
wenngleich die Regellosigkeit der Kritzen und die Rundung der kleineren
Stücke dagegen zu spredien scheinen. Aber vielleicht kann man auch an
durch plötzliches, sich öfters wiederholendes Abschmelzen bedeutender Eis-
massen entstandene grosse Wasserfluthen denken, die, auf dem steilen
Hange herabschiessend, die lose herumliegenden Gesteinsmassen im Laufe
der Zeit immer weiter nach unten schoben und in den erwähnten Lehm
einhüllten. Diese Erklärung scheint mir wahrscheinlicher zu sein; ich ver-
mag wenigstens nicht, eine bessere an ihre Stelle zu setzen. Noch weiter
abwärts (ca. 450 m, nahe an Oybin) sind im Lehm Feuersteine gefunden
worden.
Der Hochwald mit seiner Umgebung (Oybin, Lückendorf u. s. w.)
bietet uns also ein interessantes Zeugniss für das Auftreten des Diluviums
innerhalb des Zittauer Gebirges.**)
*) Ca. 500 m hoch geleffen.
**) Alle Höhen sind nach der Aeqiüdistanten-Elarte von Sachsen (1 : 25000)
gegeben.
33
Y. Edmond Bolssler, und seine ^^Flora orientalls'^
Von Prof. Dr. O. Drude.
Am 25. September 1885 starb zu Valleyres nahe Genf der berühmte
Florist und Systematiker, die unbestritten erste Autorität in der Flora des
Orients, Edmond Boissier.
Sein Leben war ein Muster von Fleiss und Arbeitsamkeit, sein
Charakter ein Muster von Edelsinn; ohne einen eigenen Berufszweig ge-
wählt zu haben, diente er in der ganzen Blüthezeit seiner Jahre und bis
zum letzten Athemzuge der Scientia amabilis mit seiner Kraft, Zeit und
Vermögen, indem er gleich gross als Reisender und Schriftsteller war;
fast ausschliesslich wandte er seine eigene Productionskraft der Flora der
Mittelmeerländer und des Orients zu und hat in derselben, was hohe An-
erkennung verdient, nicht nur als passionirter Reisender, Forscher in
unbekannten Vegetationsgebieten und Pflanzensammler ein reiches Material
werthvoUster Art zusammengebracht, sondern er hat dasselbe in zusammen-
fassenden Werken der Wissenschaft erschlossen und dauernd zu eigen ge-
geben. Und obwohl er nie ehrgeizig gewesen ist, so hat er doch gerade
durch diese selbstlose Hingabe an ein grosses und mühevolles Werk
einen dauernden Ruhm in der phytographischen und geographischen Floristik
sich erworben.
Geboren am 25. Mai 1810 und erzogen auf dem väterlichen Landgute
in Valleyres, unterrichtet von einem strengen Geistlichen, der mit ihm nur
lateinisch zu sprechen pflegte, eingetreten als Student in die Genfer
Academie, wo damals aer ältere de Candolle Professor der Natur-
geschichte war, nahm seine eigene Richtung bald den Lauf, den er schon
als Knabe in Wanderlust und Fflanzenliebe bethätigt hatte: botanische
Reisen zu wissenschaftlichem Zweck zu machen und ihre Resultate wissen-
schaftlich zu verarbeiten. Seine erste grössere Reise 1837—1838 nach
dem alten Königreich Granada erschloss die damals noch sehr wenig
bekannte südspanische Flora und zumal die hochinteressante Gebirgsflora
der Sierra Nevada; das zweibändige Werk: Voyage hotanique dans le
midi de FEspagne ist in seinem zweiten Bande die Basis der pflanzen-
geographischen Kenntniss dieser reichen Länder. Die grosse orientalische
Reise 1842 — 1846 nach der Balkanhalbinsel, Kleinasien, Syrien und
Aegypten unternahm er mit seiner jungen Gemahlin, die er bei Wid-
mungen neu entdeckter Pflanzen (der aus den Gesteinsspalten steiler Fels-
abhänge in dichtem, blaublumigen Rasen hervor^riessenden Omphalodes
Ludliae und der mit Scilla verwandten Liliacee Uhionodaxa Lucilicte) als
seine unermüdliche und furchtlose Genossin auf langer und beschwerucher
at$.l8tt tnDrndm, 1886. - Abh. 5.
34
Reise, seine wirksamste Stütze bei der Entdeckung und Einsammlung der
Pflanzen jenes Florengebietes bezeichnete. Schon während dieser grossen
Reise erschienen als deren erste Früchte die y,D%agnases PlatUarum arten-
talium novarum*'^ in kleinen Octavheften von ca. 100 — 150 Seiten, nicht
allein seine eigenen neuen Sammlungen, sondern auch besonders die
ungemein interessanten Kotschy's behandelnd; in dem Schlussjahre
seiner grossen Reise (1846) erschien schon das 7. Heft dieser Diagnoses
in Leipzig. Dann im Jahre 1849 befand er sich auf einer neuen Reise,
dieses Mal nach Algier, und auf der Rückkehr von da nach Europa ver-
lor er in Südspanien seine treue Gemahlin und Reisegefährtin durch den
Tod. — Nach längerer Unterbrechung seiner grossen Reisen, während
welcher Zeit er sich besonders dem monographischen Studium der
Euphorbien und der Zurüstung zu seiner grossen Flora orientalis widmete,
welche 1867 in ihrem ersten Fünftel erscluen, machte er noch in höherem
Alter erneute Reisen nach Italien, Spanien, Portugal und noch im Jahre
1881 nach den Balearen. Nachdem im Jahre 1884 der Schlussband der
Flora des Orients erschienen war, wollte er an die Herausgabe von
Supplementen zu derselben gehen ; aber nur die Hälfte des ersten zu voll-
enden war ihm noch vergönnt und die Botanik muss von seinem Schwieger-
sohn W. Barbey die Herausgabe und Fortsetzung dieser werthvollen Er-
gänzungen hoffen.
Alphons de Gandolle, sein berühmter Genosse in Genf, hat Boissier^s
Leben in der von ihm gewohnten anziehenden und feinen Weise geschildert*);
seinen Anfuhrungen sind auch hier die persönlichen Daten entlehnt.
Bei dem Interesse des Gegenstandes soll nun hier auf das erst kurz
vor dem Tode Boissier's vollendete Hauptwerk: „Flora orientalis sive
Enumeratio plantarum in Oriente a Graecia et Aegypto ad Indiae fines
hucusque observatarum" eingegangen werden. Die angewendete systematische
Anordnung ist die P. de GandoUe's. Ueber die geographische Begrenzung
des behandelten Gebietes spricht sich die Einleitung (Vol. I, p. II — IV)
aus: „Mein (Boissier's) Zwed: war, den botanisirenden Beisenden des Orients
und denen, welche die dort gesammelten Pflanzen bestinmien und classi-
ficiren wollen, einen nützlichen und praktischen Führer zu verschaffen,
meine Flora so einzurichten, dass sie als Ausfüllung der Lücke zwischen
den schon veröffentlichten Floren der angrenzenden Länder die gesammte
orientalische Pflanzenwelt in sich vereinigt und die Untersuchungen über
das Areal und die Vertheilungsweise der Species erleichtert; endlich wollte
ich soviel als' möglich in einem Werke Länder zusammenbringen, welche
in ihrer Vegetation auch wirklich mehr oder weniger stark ausgesprochene
Beziehungen zu einander haben. Diese Bedingungen haben mich dazu
geführt, in meinem Arbeitsfelde folgende Länder zusammenzufassen:
1) Griechenland mit den zugehörigen Inseln des Adriatischen und
Jonischen Meeres, und den von der Balkankette und von Dalmatien im
Norden begrenzten Antheil der europäischen Türkei.
*) Edmond Boissier. — I. Notice biographique par M. Alph. de CandoUe.
II. Paroles adressöes aux parents et amis d'Edmond
Boissier le 28 Sept. par M. A. Vautier.
Genäve, Imprim. Charles Schuchardt, 1885.
35
2) Die Krim, die transkaukasischen Provinzen mit beiden Ketten des
Kaukasus.
3) Aegypten bis zu den ersten' Nilkatarakten, das nördliche Arabien
bis zum nördlichen Wendekreise im Süden.
4) Kleinasien, Armenien, Syrien, Mesopotamien.
5^ Persien, Afghanistan, Belutschistan»
6) Das. südliche Turkestan bis zum 45. 6r. n. Br., der den Aralsee
fast genau halbirt."
Der Verfasser hatte geschwankt, ob es in der Balkanhalbinsel nicht
vortheilhaft sei, die Grenzen noch auf den damaligen Bestand der euro-
päischen Türkei auszudehnen und sie mit der Donau zusammenfallen zu
lassen; aber einestheils fehlte es ihm an MaterisJ aus dem heutigen
Fürstenthum Bulgarien, und andererseits glaubte er mit Recht, dass diese
Länder einstens einen natürlichen Antheil einer Flora vom ganzen unteren
Donaubecken bilden würden.
Seine für Turkestan angenommenen Grenzen hält Boissier für die
willkürlichsten; denn die Flora dieser wüsten Ebenen hat die grossesten
Beziehungen einerseits mit der des uralischen Sibiriens und der Songarei,
andererseits mit den ostpersischen Steppen; es konnte hier also weder
vom geographischen, noch vom floristischen Standpunkte aus eine natür-
liche Grenze gewählt werden, und so griff der Verfasser zu der damaligen
ungefähren Südgrenze des asiatischen Busslands.
Ich selbst kann von meinem, in den „Fiorenreichen der Erde^^*)
eingenommenen Standpunkte aus mich dieser Gebietsabsteckung als fast
ganz in den Rahmen der östlichen Hälfte des Florenreiches „Mittelmeer-
länder und Orient** fatiend nur anschliessen. Nur das südliche Turkestan,
südlich vom 45.^ n. Br. bis zu den Gebirgsscheiden zwischen Iran und
Turan ist von mir zu dem innerasiatischen Florenreich gezogen, dessen
grosse Verwandtschaft mit dem orientalischen Florenreich aber bekannt
und von Engler**) ausdrücklich hervorgehoben ist. Sie ist so bedeutend,
dass man beide genannten Florenreiche mit einander vereinigen und nur
als getrennte Gebiete behandeln dürfte, wenn nicht die tibetanisch-
mongolischen Wüstensteppen viel zu viel an eigenem Charakter besässen;
es ist daher die Deutung gerechtfertigt, dass das centrale Asien einen
eigenen primären Entwickelungsstock für die gegenwärtige Vegetation dar-
stellt, von dem sehr zahbreiche Glieder nach Südwesten über die Hoch-
flächen und Steppen des Orients und weiter westwärts vorgedrungen sind.
Boissier unterscheidet dann als „Regionen'* seines Areals die
durch besondere gemeinsame Charaktere ausgezeichneten hauptsächlichen
Florengebiete. Von diesen ist die „mitteleuropäische Region" ein Aus-
läufer der Flora der nordwestlich angrenzenden Länder (siehe die Ausläufer
des „nördlichen Florenreichs** auf Taf. I in den „Florenreichen** 1. c).
Boissier rechnet ausdrücklich die oberen Thäler und inneren Hochflächen
der europäischen Türkei dazu, wo man zahlreiche. Arten der mittel^
europäischen Flora gemischt mit einigen mediterranen Typen findet,
welche letzteren um so häufiger werden, je näher man dem Aleere rückt;
ebenso gehört dahin die nördliche Gebirgskette des Kaukasus und die
nördlichen Küsten Kleinasiens am Schwarzen Meere zwischen Konstan-
tinopel und Sinope, weil auch dort die Formen gemässigter Klimate über
*) Geogr. Mittheilungen 1884, Ergänzunffshefb Nr. 74, Tafel 3.
**) Entwickelungsgeschichte der Florengebiete, Bd. I. 1880.
36
die südlichen vorherrschen in Folge des von den russischen Ebenen
herüberkommenden winterlichen Nordwindes. — Die zweite ist die „mediter-
rane Begion'^, ausgezeichnet durch das Vorherrschen der immergrünen
Bäume und Gebüsche, die bekanntlich in noch grösserer Ausdehnung den
Süden des westlichen Europa's beherrscht. Im Orient nimmt sie das
Littorale und die untere Zone Griechenlands, der europäischen Türkei, die
West- und Südküsten Eleinasiens und ebenso Syriens mit Palästina ein,
dazu noch die Südküste der Krim, in allen den zuletzt genannten Ländern
nur einen ziemlich schmalen Saum bildend. Man ist jetzt zumeist gewohnt
(und ich selbst habe dasselbe Verfahren in den „Florenreichen" ein-
geschlagen), auch die kleinasiatische Nordküste am Schwarzen Meere der
Mediterranregion zuzurechnen; jedenfalls bildet sie eine jener Uebergangs-
regionen, welche mit demselben Rechte zwei verschiedenen (Gebieten an-
gehören können, deren Repräsentanten sich in ihnen mischen. — Die
dritte Region Boissier's ist die eigentliche „Region des Orients" (Region
Orientale proprement dite), für die von ihm bearbeitete Flora der hervor-
ragendste, an endemischen Pflanzen reichste, im allgemeinen phy-
siognomischen Charakter am meisten ausgezeichnete Theil. Diese Region
fällt fast ganz mit dem Ländergebiet zusammen, welches ich in den
„Florenreichen" als das dritte des mittelländisch-orientalen Florenreichs
unter dem Namen „Südwest-Asien" unterschieden habe. Im Princip aber
wollte Boissier diese Region noch viel weiter ausgedehnt wissen, nämlich
in dem Sinne von Grisebach's Steppengebiet*) weit über die Grenzen seiner
Flora Orientalis hinaus auf die Steppen von Südost-Russland, auf die son-
garische und Kirghisensteppe, die Hochflächen Centralasiens mit Tibet,
den westlichen Himalaya und das nördliche Pendschab, während es auch
an innigen Beziehungen zwischen ihr und den Plateaus in Spanien und
Algier nicht fehlt. Ich habe es in den „Florenreichen" für bedenklich
gefunden, eine derartige Ländermasse mit höchst verschiedenartiger
Vegetation an die innig mit dem mediterranen Küstengebiet zusammen-
hängenden Orientländer anzuhängen und habe daher die Steppen und
Hochflächen von Centralasien als eigenes, „innerasiatisches Florenreich"
abgetrennt, von dem jedoch die grösste und innigste Verwandtschaft unter
allen anderen mit eben dem Orientgebiet der Flora Orientalis unzweifel-
haft feststeht und durch die Uebergan^ssignaturen auf meinen Karten
deutlichen Ausdruck gefunden hat. — Drei Unterabtheilungen unterscheidet
Boissier in seiner orientalischen Region: die der Plateaus, die aralo-
kaspische und die mesopotamische , welche gut durch ihren Vegetations-
charakter ausgezeichnet sind. Die erste besitzt noch die grösste Zahl an
Bäumen (Pistacia mtUica, Juniperus excelsa^ Fraxinus^ PltUanus, Populus),
während die eigentlichen Wälder erst an den Rändern des Plateaus (in
der mediterranen Region) mit Cedern, Tannen, Eichen beginnen; dagegen
sind die Plateaus reich an endemischen Halbsträuchem und Stauden, viele
sehr ai*tenreich, besonders aus den Gattungen Asiragdlus^ Onobrychis,
Gentaurea^ Gotmnia, Onosma, Verbascum, Salvia, Dianthus und SUene,
Die aralo-kaspische Unterabtheilung ist baumlos (ausser in den Oasen)
und besonders reich an annuellen Pflanzen neben den Stauden; Salsolaoeen
mit Beaumwria^ Tamarix, HaloxtfUm, NUraria, bedecken die Salzsteppen.
Die mesopotamische Unterabtheilung leitet von den Hochflächen und
Steppen zu der Region der Dattel über und zeigt ihre weiten Flächen zu
*) Vegetation der Erde, Bd. I.
37
Beginn des heissen Sommers bedeckt mit grossen Cruciferen, Umbelliferen,
Compositen (Cynareen), von Bäumen nur Paptdus euphratica^ ScUiXy
Tamarix entlang den Wasserläufen. — Die vierte und letzte Region
Boissier's endlich ist die eben angedeutete „Dattelregion'S welche im Be-
reich der Flora orientalis nur ein kleines Stück, die nordöstliche Ecke,
des ffrossen durch Phoenix dadylifera ausgezeichneten Länderbezirks von
Nordafrika und Arabien bildet. —
Ein ungeheuerer Pflanzenreichthum ist in diesen lindern ausgebreitet,
und besonders interessant ist die grosse Zahl endemischer Formen. Zwar
lässt sich dieselbe jetzt noch nicht sicher beurtheilen , da die spätere ge-
nauei'e Durchforschung der angrenzenden Länder, besonders Tarkestans
und des westlichen Tibets, allmählich eine Reihe von Arten, welche jetzt
auf das Gebiet der Flora orientalis beschränkt erscheinen, als auch über
deren Grenzen hinaus verbreitet zeigen wird. Aber erstaunlich viele Arten
sind einstweilen aus dem Gentrum der Flora orientalis, aus den persisch-
armenischen Hochländern u. s. w., allein bekannt und werden wohl auch
ebenso in den Mittelmeerländern wie in Gentralasien fehlen. In Boissier's
Flora orientalis sind die auch ausserhalb seines Gebietes vorkommenden
Arten mit Zusätzen über ihre weitere Verbreitung unter der Bemerkung
„Area geographica" versehen, und hiernach habe ich Zählungen der
endemischen und der weiter verbreiteten Arten vornehmen können. Sehr
häufig ist die grössere Hälfte, ja zwei Drittel und noch mehr der Arten
in den einzelnen Gattungen Boissier nur aus dem Gebiete seiner Flora
bekannt geworden; nur selten sind die Gattungen, deren Arten gar nichts
besonderes aufzuweisen haben , und formenreiche Gattungen . des
mediterran-orientalischen Florenreichs sind das niemals. In den folgenden
statistischen Zusammenzählungen ist die Zahl der nach Boissier's Flora
in deren Gebiet endemischen Arten in Klammer mit Hinzufügung von (e)
angegeben.
Die beiden artenreichsten Gruppen der Flora sind die gewöhnlich als
Einzelordnungen (oder Familien) genannten, nach meiner Meinung als
Sippen vom Klassenrange zu betrachtenden Gruppen der Leguminostie mit
1726 Arten (e 1143), und der Compositen mit 1507 Arten (e 1054). Die
dritte Stelle nehmen die BrtMsicaceae (oder Grudferen) mit 749 Arten
(e 577), die vierte die Salviaceae (oder Labiaten) mit 630 Arten (e 495)
ein, dann folgen die IHantha^ae (Süeneae -j- Älsineae) mit zusammen
597 Arten (e 448), dann die Scrophuta/riaceae mit 454 Arten (e 329), und
dann erst die zahlreichst vertretene monokotyle Ordnung der Gräser mit
420 Arten (e 159); drei Ordnungen haben noch fast 400 Arten, nämlich
die Liliaceae mit 370 (e 255), Äpictoeae (oder Umbelliferen) mit 364
(e 262) und Borcmneae mit ebenfalls 364 (e 248) Arten. Das sind die
artenreichsten 10 Ordnungen, und ihnen schliessen sich noch folgende mit
über Hundert hinausgehenden Zahlen an: Rvhiaceae 182 Arten (e 126),
Campanulaceae 183 Arten (e 142), PUmbagineae 121 Arten (e 96),
Bosaceae 244 Arten (e 130), Euphorhiaceae 144 Arten (e 84), Banun-
culaceae 269 Arten (e 160), Salsolaceae 208 Arten (e 87), Polygonaceae
109 Arten (e 56), und von Monokotylen: Cyperaceae 168 Arten (e 15),
Iridinecie 110 Arten (e 71); auch ist der verhältnissmässige Beichthum
noch von den Dipsaceae mit 94 Arten (e 64) und von den Orchideae mit
78 Arten (e 16) bemerkenswerth.
Wie man sieht, hält sich das Verhältniss der endemischen zu den
weiter verbreiteten Arten in der Mehrzahl der Ordnungen auf '/s zu Vs)
38^
sinkt aber z. B. bei Gräsern, Salsolaceen und Polygoneen auf oder weit
unter »/a i und ist bei den Orchideen, besonders aber bei Cyperaceen mit
Vii zu ^o/ii sehr ungünstig für endemische Formen im Gebiete Boissier's.
Die 10 genannten artenreichsten Ordnungen aber bieten mit 7181 Arten
zusammen einen Reichthum an Arten, der allein schon etwa das Dop-
pelte von der Gesammtmence der Blüthenpflanzenflora in Deutschland mit
Einschluss der deutschen Alpen beträgt.
Unter den Compositen sind hervorragend an Zahl die Gattungen
AchiUea (61 Arten, e 43), Anthemis (93 A., e 81), Pyrethrum (50 A., e 44),
Senecio (72 A , e 44), noch mehr die schöne und fast endemische Gattung
der Gynareen Cousinia (136 A., e 132) neben Cirsium (74 A., e 57),
dann auch natürlich Centaurea (183 A., e 147); unter den Cichoriaceen
Scoreonera (67 A., e 56) und Hieracium (50 A., e 28). Campantda hat
125 Arten (e 105), Ganvolvulus 66 Arten (e 49), unter den Boragineen
ist Ofwstna mit 56 Arten (e 51) die grösste Gattung; unter denScrophu-
lariaceen Verbascum mit 123 Arten (e 107), dann Veranica (87 Arten,
e 56), Scrophtdaria (78 A., e 66) und Linaria (51 A., e 38); unter den
Salviaceen (Labiaten) zeichnet sich Salvia selbst mit 107 Arten (e 91),
Nepeta (87 A., e 78), Stachys (84 A., e 72) und Teucrium (42 A., e 34)
aus, während die Plumbagineen fast ganz aus den Gattungen Acanthdtimon
(74 Arten, e 741) und Statice (36 A.. e 19) bestehen.
Unter den Leguminosen sind durch Artenreichthum ausgezeichnet
Trigonella (69 A., e 54), besonders Trifolium (115 A., e 53) und die
grosseste aller Gattungen Astragalus mit allein 757 Arten
(e 6941), zu denen in neuerer Zeit schon wieder neue Arten durch weitere
Reisen hinzugefugt sind ; auch Hedysarum mit 38 Arten (e 34) ist nicht
unbedeutend, noch ausgezeichneter Onobrychis (69 A., e 64). [Die
Caesalpiniaceen haben nur 6, die Mimosaceen nur 16 Arten.]
Von den Rosaceen ist nur PotentiUa mit 69 Arten (e 39) hervor-
ragend; von den Corniculaten schmücken 53 Sedum- (e 32) mit 21 Um-
büicuS' (e 15) und 36 Saxifraoa-Arien (e 21) die Bergfelsen.
Von den Apiaceen (Umbelliferen) sind Bupleurum (45 A., e 33),
ferner Prangos, Ferula^ Ferulago, Peucedanum und Heradeum mit un-
gefähr um 30 liegender Artenzahl allein als grössere Gattungen
zu nennen.
Die Rutaceen setzen sich fast ganz aus Arten von Haplophyllufn
(50 A., e 45; ausserdem nur 1 Dictamnus und 3 Ruta ohne Endemismen)
'zusammen; von den Euphorbiaceen ist zu nennen nur Euphorbia selbst
mit 131 Arten (e 81), von den Caryophyllinen : Salsola (31 A., e 14) und
Atriplex (27 A., eil) als die einzigen bedeutenderen Salsolaoeengattungen,
aber von den Sileneen Dianthus (89 A., e 73), Gypsophila (56 A., e 53)
und SUene (205 Arten 1 e 1581), von den Alsineen Alsine (37 A., e 27),
Arenaria (39 A., e 35) und Cerastium (44 A., e 23).
Unter den übrigen choripetalen Dikotylen zeichnen sich noch folgende
Gattungen durch ihren Artenreichthum aus: bei den Ranunculaceen
JRanunculus selbst 110 Arten (e 69) und Delphinium mit 58 Arten;
38 Arten von Papaver (e 31); von den Brassicaceen (Cruciferen) Erysi-
mum (61 Arten, e 54), Alyssum (64 A., e 50), Aethionema (40 A., e 38)
und ausserdem die unter 30 Arten herabgehenden Gattungen MctUhiola,
Arabis, SisymbriuMf Hesperis, Draba, Thlaspi^ L^ndium und Isatis. Von
den Resedaceen sind 27 Bes^da-y von den Gapparideen 18 Cleome- Arten
bemerkenswerth, von den Gistaceen 20 Helianthemum (e 4); die Violaceen
^39
bestehen nur ans 46 Arten Viola (e 30). Von Tamarisdneen ist Tamarix
mit 38 Arten (e 27) die grosseste Gattung, von den Hypericaceen (ausser
4 Triadenien) nur Hypericum selbst mit 75 Arten (e 62 1), von den Lina-
ceen lÄnum mit 37 Arten (e 22), von den Geraniaceen Geranium (34 A.,
e 11) und Erodium (31 A., e 19).
Endlich sind unter den echt apetalen Gruppen der Dikotylen
bemerkenswerth: unter den Polygonaceen die Gattung Polygonum selbst
(45 A., e 20) und Rumex (32 A., e 12), keine Urticaceen-Gattung, wohl
aber vielleicht unter den Cupuliferen Quercus (22 A., e 14), während die
übrigen Gattungen Castanea^ Fagus^ Corylus^ Caninus und Ostrya mit
zusammen nur 8 Arten keine endemische davon aufweisen. —
Die Monokotylen haben viel weniger grosse Gattungen aufzuweisen,
und solche von grösserem Reichthum an Endemismen nur aus der Gruppe
der Coronarien, nämlich: Crocus mit 44 Arten (e 37), Iris mit 51 Arten
(e 29), (hlchicum mit 29 Arten (e 25), FritiOaria mit 33 Arten (e 27),
TUlipa und Ornühogtüum mit zusammen 50 Arten (e 32), AUium mit
allein 139 Arten 1 (e 1091) und Muscari mit 38 Arten (e 30). — Von
Juncaceen und Cyperaceen sind zwar Juncus (26 A., e 3), Cyperus (34 A.,
e 2) und Carex (93 A., e 9) wie immer gross, aber arm an eigenthüm-
lichen Formen, und von den zahlreichen Grasgattungen ist keine einzige
besonders ausgezeichnet, am ehesten noch Foa (29 A., e 12), Bromus
(36 A., e 15) und Agrcpyrum (23 A., e 9).
Die Coniferen sind mit 10 Finus- (e — ), 2 Cedma-^ 2 Ftcea- (e 1)
und 6 Ähies-kxißn (e 4) vertreten, ausserdem in den Gupressaceen mit
1 BioUij Cupressus sempervirens selbst und 10 Juniperus-Axten (e 4), von
Tazaceen nur Taxus baccata.
Diese gedrängte Zusammenstellung der Ordnungen und Gattungen ist
aus Auszügen und Zählungen entstanden, welche meine Gemahlin für
meine statistischen Vergleiche bei dem Studium der „Florenreiche^^ ent-
worfen hat; bei der Miihe und Zeit, die dieselben beanbpruchen, ist viel-
leicht Manchem mit dieser auszugsweisen Mittheilung gedient, welche die
formenreichsten Sippen der Vielen nicht zugänglichen Flora orientalis
statistisch und systematisch zusammenfasst.
Mag die Flora orientalis auch in Zukunft eine Bearbeitung finden,
welche sich an das jetzt geschaffene Fundament würdig anschliesst und
zunächst die im Herbarium Boissier vorhandenen Ergänzungen und
Nachträge der wissenschaftlichen Welt zugänglich macht.
40
VI. Ueber Selenschwefellnystalle.
Yon Dr. Herrn. Hoftnann.
Scfamilzt man Se und S zusammen und löst die Schmelze in CS2, so
krvstallisirt Selenschwefel aus und zwar in den monoklinen Formen des
Selen, so lange auf 1 Se nur 4 oder weniger Theile S kommen. Werden
dagegen 1 Theil Se und 5 S zusammengeschmolzen, so scheiden sich aus
der Lösung in CSs Krystalle aus, die dem rhombischen System zugehören.
Sie zeigen genau die Winkelverhältnisse des rhombischen Schwefels und
zwar stellen die Formen des Se S5 die beim rhombischen S so häufige
Combination von P . -J P.OP.P 00 dar. Am stärksten entwickelt sind,
wie bei rhombischem Schwefel, P und OP. Die interessante Thatsache, dass
bei der Krystallisation einer Verbindung von S mit Se die Selenschwefel-
krystalle die monoklinen Formen des Selen aufweisen, so lange Schwefel
in geringer Menge (bis 4 S auf 1 Se) vorhanden ist, während dagegen die
Formen des rhombischen Schwefels auftreten, sobald 5 S auf 1 Se kommen,
giebt einen neuen Beleg dafür, dass Verbindungen von krystallisations-
filhigen Elementen je nach dem üeberwiegen des einen oder des anderen
Elementes in den Formen des einen oder anderen Elementes auftreten.
Auch Sehr auf giebt im N. Jahrb. f. Mineral., 1886, eine Mittheilung
über das erwähnte eigenthümliche Verhalten von Se und S. Die mir vor-
liegenden 8 Krystalle von Se Ss zeigen sämmtlich genau das gleiche un-
regelmässige Aussehen in Folge verschiedener Gentraldistanz gleichartiger
Flächen. Die Krystalle machen in Folge ihrer Verzerrung zunächst den
Eindruck monokliner Formen. Von den Flächen der Pyramide F sind
zwei Flächen vorn, die ich bezeichnen will als vom oben links und vom
unten rechts, sehr stark und völlig gleich entwickelt, wobei natürlich die
Flächen vorn oben rechts und vom unten links zurücktreten. Die am
hinteren Ende der a-Achse gelegenen Pyramidenflächen entsprechen ihren
vorderen Parallelflächen, doch sind an diesem Achsenende die Grössen-
unterschiede der Flächen geringer als vorn. Ganz entsprechende Ab-
normitäten zeigen die Flächen von | P; für die Flächen des Brachydomas
unterliegt die verschieden starke Ausbildung für die 8 Krystalle keiner
üebereinstimmung.
an. Isis in Dnsden, J886. — Abh. 6.
DrMdea.
Druck TOD B. Blochmann und Sohu.
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Jb7uuull^€L Isis ÜL DresdeiL 1886,
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Fr.Siemens' Stahlschiuelz-Of en.
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Ahhandl. d. Isis in Dresden. 188G.
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Tl. Section fUr MathematUt S. 25. — Burmester, H.: Gcradfiiliruiig uml
l*ruportioualitiit am ludicator S. 25. — Harnack, A.: Ueber unendliche
PuiiKtmwigen S. 25. — Rohu, ('.: Die Wienerischen Modelle ftir Kaum-
curveu S. 25.
VII. Haoptrersaiiiiiiliingfen S. 26. — Ilechnungsabsohluss för 18a5 S. 26, 27
und 33. — Voranschlag für 1886 S. 26 und 34. — Venneluning der Bib-
liothek S. 35. — Wahl eines 1. Bibliothekars S. 27. — Veränderungen im
Mitgliederbestände S. 31. — Kngelhardt, H.: Teber Tertiärüflanzen aus
Schlesien S. 26; die Transpiration der Pflanzen S. 28; Nachruf auf
Osrnar Thürae S. 27; neue LitÄiatur S. 26. — Geinitz, H. B.: Ueber
Arg\Todit und Germanium S. 26; Gesteine aus W^estafrika S. 28; die
Wanderrorsanimlungen gelehrter Gesellschaften 1886 S. 28; Nekrolog von
E. von Otto S.27; neue Literatur S.26, 27, 30 und 31. — Purgold, A.:
Das naturgeschichtlicho Museum in Brüssel 8. 29. — Schneider, ().: Die
Kiviera di Ponente S. 27. — Siemens, F.: Die Dissociation der Ver-
bremiungsproducte und ihre Bedeutunj? fftr die Pyroteclmik S. 26. — Be-
such iler r . Siemens^'schcn Glashütte in Dresden S. 26.
n. Abhandlungen.
I. Siemens, Fr.: Die Dissociation der Verbrennun^producte und ihre Be-
deutung für die Pyrotechnik, mit Tafel I und 11 S. 3.
U, Geinitz, F. E.; Ueber einige Lausitzer Porphyi'e und Grünsteine, sowie
den Basalt aus dem Stolpener Schioasbrunnen S. 13.
III. Nenbert, G. A.: Die Temi^eratur des Erdbodens in Dresden, mit Taf. III
S. 21.
IV. Danzig, E.: Bemerkungen über das Diluvium innerhalb des Zittaucr
Quadergebirges S. 30.
V. Drude, 0.: Edmond Boissier, und seine ,,Flora orientalis** S. 33.
VI. Hofmann, H.: Teber Selenschwefelkry stalle S. 40.
Die Aufaven sind allem revauhrortlivh f(lv den Inhalt ihrer
A bhwn lila ngen.
Die Autoreu erhalten von den A 1> h a u d 1 u n g e n 50, von den Sitzungs-
berichten auf besonderen Wunsch 25 Separatabzüge gratis, eine giössere
Zahl gegen Erstattiuig der Herstellungskosten.
Sitzungskalender für 1886.
Juli. 1. Botanik. 29. Hauptversammlung.
August. 26. Hauptversammlung.
.September. 30. Hauptversammlung.
Oetol»er. 7. Prähist. Forschungen. 14. Zoologie. 21. Botanik. — Mathematik.
28. Hauptversammlung.
NOTember. 4. Mineralogie und Geologie. 11. Physik und Chemie. 18. Prähist.
Forschungen. 25. Hauptversammlung.
Deeember. 2. Mathematik. — Zoologie. 9. Botanik. 16. Hauptversamm-
lung.
Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs-
berichte der «Isis», welche dm-ch die Burdach^sche Hofbucli-
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgemler
Weise festgestellt worden:
Denkschriften. Dresden 1860. 8 1 M. 5o Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1861. 8 1 M. 20 PK
Sitzungsberichte. Jahrgang 1863. 8 1 M. 80 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865. 8. pro Jahr^an^ . 1 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. 8. April-December . . . . 2 M. 50 Pt'.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868. 8. pro Jahrgang* . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1869, 1871 u. 1872. 8. prt) Jahrgang 3 M. 5() pf,
Sitzungsberichte. Jalirgang 1870. 8. April-December . . * . . 3 M. — pf.
Sitzungsberichte, Jahrgang 1873—1878. 8. pro Jahrgang- . . .4M. — Pf.
Dr. Oscar Schneider: Naturwissensch. Beiträge zur Keniitniss
der Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln , . 6 M. — pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. 8 . . . 5 M. — Pf
Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. 8, Juli-December , . . . 3 M. — pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1881—1884. 8.
pro Jahrgang 5 M. — pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jalirgang 1885. 8. . . . 2 3f . 50 Pf
Festschrift. Dresden 1885. 8. 178 S. 4 Tafeln . . . . 3 M. -- pf'
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1886. 8. Januar
bis Juni, 94 S. 3 Tafeln 2 M. 50 l»f
Mitgliedern der «Isis» wird ein Rabatt von 25 Proc. gewährt.
Alle Zusendungen für die Gesellschaft «Isis», sowie auch
Wünsche bezügUch der Abgabe und Versendung der «Sitzungs-
berichte der Isis)) werden von dem ersten Secretär der Gesell-
schaft, d. Z. Dr. Deichmüller, Schillerstrasse 16, entgegengenommen.
1^^ Die regelmässige Abgabe der Sitzungsberichte an aus-
wärtige Mitglieder sowie an auswärtige Vereine erfolgt in der Regel
entweder gegen Austausch mit anderen Scliriften oder einen jähr-
lichen Beitrag von 3 Mark zur Vereinskasse, ^vorüber
in den Sitzungsberichten quittirt wird.
Königl. Sachs. Hofbuchhandlung von Hermann Burdach
(Wamatz & Lehmann)
Oresden, Schloss-Stra.söe Nr. IQ
empfiehlt sich
zar §tSQrgujig wissenscha/tllcher ,Winiar bti bÜliisttn (PMsen und piompUster
Lltfeiang,
r
Drtiden, Prüfte voa E. Diocliminn nnd Sohm.
g
ü
E
äh
iclite id
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
in Dresden.
Herausgegoben
von dem Redactions-Comite.
Jahrgang 1886.
J n 1 1 bis Oeceint»er.
(Mit 6 Holzschnitten.)
Dresden.
In Commission von WarnatE & Lehmann, Königl. Säclis. Hofbuchhändler.
1887.
Redactiorxs-Comitö für 1886.
TorsWender: Geh. Hofrath Prof. Dr. H. B. Geinitz.
„ „^ „ ., T\ «-on Biedermann, Prof. Dr. O.Drude, Prof. Dr.
f r;t:V/BerS«^;üI- A^>ur^old, Prof. Dr. R. Ulbricht. Prof. Dr.
B Vetter und Dr. J. V. üeicHmtlller als verantwortlicher Redacteur.
Sitznngskalender für 1887.
Januar. 13. Mineralogie und Geologe. 20. Physik una Chemie. 27.* Haupt-
Versammlung.
Februar. 3. Mathematik. 10. Prahist. Forschungen. 17. Zoologie mit Bo-
tanik. 24. Hauptversammlung.
März. S.Botanik. 10. Mineralogie und Geologie. 17. Physik und Chemie
24. Prähißt. Forschungen. 31.* Hauptversammlung.
April. 14. Mathematik. 21. Zoologie. 28.* Hauptversammlung.
Mai. 5. Botanik. 12. Mineralog-ie und Geologie. 26. Hauptversamm-
lung (oder Excursion am 21. Mai).
Juni. 9. Mathematik. 16. PHysik und Chemie. 23. Prähist. Forschungen.
30. Hauptversammlung-.
Juli. 28. Hauptversammlung*.
Angust. 25. Hauptversammlung.
September. 29.* Hauptversammlung.
October. 6. Zoologie. 13. Botanik. 20. Mineralogie und Geologie. — Ma-
thematik. 27.* Hauptversammlung.
Kovember. 3. Physik und Chemie. 10. Prähist. Forschungen. 17. Zoo-
logie. 24. Hauptversam mlu.ng.
Dccember. 1. Mathematik. — M:ineralogie und Geologie. 8. Botanik mit
Zoologie. 15.* Hauptversanamlung.
Linie zu grösseren Torträgtn ^g^-^^^'^^^^^^n^^öga- Abende sind in erster
46
1. Section für Zoologie.
Tierte Sitzung am U. October 1886. Vorsitzender: Prof. Dr.
B. Vetter.
Dr. K. Ebert spricht über Leben und Tod nach der gleichnamigen
Schrift von Prof. A. Weismann, unter besonderem Hinweis auf die Er-
klärung des Todes als einer für die Erhaltung der Art nützlichen, er-
worbenen Eigenschaft der vielzelligen Thiere.
Der Vorsitzende berichtet über die Arbeiten von Ehlers, Stieda,
Leydig, Rabl-Rückhard, Ahlborn, welche successive zur genaueren
Kenntniss der Gehirnepiphyse beitrugen, bis endlich H. de Oraaf und
Baldwin Spencer gleichzeitig nachwiesen, dass sie das Budiment eines
dritten (parietalen) Auges der Wirbelthiere ist, das bei Hatteria und der
Blindschleiche noch in ziemlich vollständiger Erhaltung angetroffen wird.
Das grosse Foramen parietale der Stegocephalen und vieler alter
Beptilienformen beherbergte jedenfalls ein ansehnliches Sclieitelauge.
Fünfte Sltznng am 3. December 1886. Vorsitzender: Prof. Dr.
B. Vetter.
Dr. Erich Haase spricht über die Vorfahren der Insecten
(s. Abhandl. XI, S. 85), mit Erläuterungen durch zahlreiche Vorlagen
und Abbildungen.
Dr. R. Ebert spricht über die Beschränkung der menschlichen
Willensfreiheit und über die Berechtigung und die Bedeutung
der Strafe und Verantwortlichkeit auch bei Annahme einer
unbedingten Determinirtheit des Willens. An der Discussion hierüber
betheiligen sich Prof Dr. Vetter, Dr. Reiche, Dr. Klencke und Herr
von Biedermann.
46
IL Section für Botanik.
Tlerte (ausserordentliche) Sitzung am 1. Joll 1886 im Ealthause
des botanischen Gartens. Yorsitzender : Professor Dr. 0. Drude.
Der Vorsitzende entwickelt in ^ anderthalbstündigem Vortrage seine
Ansichten über die natürliche systematische Anordnung der
Blüthenpflanzen, wie dieselben ausführlich in dem jetzt erscheinenden
3. Bande von Schenk's Handbuch der Botanik (in Trewendt's „Encydopädie
der Naturwissenschaften") dargelegt und bis auf die einzelnen Ordnungen
und Unterordnungen hinab ausgeführt sind (s. AbhandL X, S. 75).
Fünfte Sitzung am 21. October 1886. Vorsitzender: Oberlehrer
A. Weber.
Dr. K. Reiche übernimmt allein den von ihm und Prof. Drude
gemeinsam angekündigten Vortrag über floristisch interessante
Bürger Sachsens, welche, vermehrt durch Beigaben der Herren Wobst
und Stötzer der Gesellschaft in getrockneten Exemplaren vorgelegt werden.
Um nämlich den gegenwärtigen Bestand der Flora von Dresden auch nach
seltener besuchten Gegenden hin kennen zu lernen, wurde im vergangenen
Sommer (1886) von den Genannten eine grössere Anzahl von Excursionen
unternommen. Wenn diese auch nicht zur Auffindung bisher im Gebiete
unbekannter Formen führten, so konnte doch durch dieselben das Vor-
handensein einer Anzahl interessanter und seltener Gewächse auf ihren seit
lange bekannten Standorten bestätigt werden; mögen sie durch ein
maassvolles Einsammeln seitens der zahlreichen Fflanzenliebhaber vor
Ausrottung bewahrt bleiben!
Auf Excursionen um Meissen wurden beobachtet : Thlaspi perfoliatum,
Inula hirta^ Hypochoeris macutata^ Verbascum blattaria^ ClenuUis recta,
Symphytum tuberosum, PotetUüla rupestris^ P. cinerea^ Euphrasia lutea;
Weinböhla, Friedewald: Carex teretiuscula^ G. caespitosa^ C. stricta; Iris
sibirica; Oberau, Ziegen busch: Cirsium canum^ C, canum X oleraceum^
Inula salicina^ Serratula tinctoria^ Sorbus torminalis^ Melitiis Melissa-
phyUum, Femer in Loschwitz und Wachwitz: Silene nemoralis.
Am grossen Zschimstein und Umgebung massenhaft Digitalis pur-
pur ea-, Lycopodium annoUnum.
47
Bei Pillnitz: Lactuca viniinea, Ändropogon ischaemum.
In der Hai de: Utricülaria vulgaris^ U. minor, Vaccinium uUginosum,
F. oxycoceos^ Ehynchospora alba, Eriophomm vaginatum, dar ex erice-
tarum, Vieia eassübica.
Bei Pirna: Scabiosa silvatica.
Bei Lausa: lUecebrum vertidllatufn, Badiola Unoides , Lycopodium
immdalum.
Von den genannten Oewächsen sind eine grosse Zahl durch aus-
gedehnte Gebiete Deutschlands^ wenn auch in wechselnder Häufigkeit
verbreitet; einige aber stellen auf ihren sächsischen, resp. Dre^ener Stand-
orten weit vorgeschobene Posten dar, sind also nicht nur dem Sammler,
sondern mehr noch dem Pflanzengeographen interessant.
So gehören Euphrasia lutea, Älyssum calycinum und Imda hirta
jener Pannonischen Association Löws*) an, welche in der Mark, in
Böhmen und Thüringen sich findet, in Sachsen aber nur in wenigen
Vertretern die sonnigen Gehänge des Elbthales besiedelt Einer anderen
von Drude**) nachgewiesenen östlichen PflAuzengemeinde gehören von
den aufgeführten Arten an: Ändropogon ischaemum, Melittis Melisso-
phyüum, Symphytum tuberosum,
Digitalis purpurea zeigt in Westeuropa ein zusammenhängendes
Verbreitungsgebiet, wird im Osten selten und erreicht nicht mehr Bussland;
ihr reichliches Vorkommen in der sächsischen Schweiz ist daher be«
merkenswerth.
Lactuca viminea und Silene nemoralis erreichen in unserem Gebiete
die Nordgrenze ihrer Verbreitung; sie werden in Süd-Europa häufiger.
In Scabiosa süvatica haben wir einen Bürger unserer Flora zu
verzeichnen, der in den süddeutschen Gebirgswäldern weit verbreitet ist,
nach Norden zu aber immer seltener wird.
Die Verbreitungsverhältnisse der letztgenannten Arten werden durch
vom Vortragenden zu diesem Zwecke verfertigte Karten veranschaulicht
Aus der „Flora advena" des Gebietes werden Diplotaxis muralis,
2). tenuifolia, Oenothera muricata, Stenactis anuna, Rudbeckia laciniata
erwähnt —
Hierauf trägt Dr. K Reiche ein Referat vor über: F. Hellwig,
Der Ursprung der Ackerunkräuter und die Buderalflora Deutschlands, aus
Engler's botanischen Jahrbüchern, Bd. VII.
*) Low. Perioden and Wege ehemaliger Pflanzenwandernngen im nordd.
Tiefland. Linnaea.
*•) Drude. Zusammensetzang und Yertheilong öbÜ. Pflan«engeno88en«ohaften
in der Umgegend von Dresden 1885. FestBobrifb der hie.
48
Sechste Sitzung am 9. December 1886. Yorsitzender: Prof. Dr.
0. Drude.
Der Vorsitzende trägt über die gegenwärtigen Hülfsmittel der
botanischen Mikroskopie vor und bespricht, unter Vorzeigung der
zugehörigen Instrumente und Oeräthschaften aus dem botanischen Labora-
torium des Polytechnikums, den von Abbe construirten grossen Beleuch-
tungsapparat in der Ausführung von der optischen Werkstätte R. Winkel's
(Oöttingen), das Mikrospectral-Ocnlar, den mikroskopischen Polarisations-
apparat, und die Tinctions-Technik der anatomischen Präparate, für welche
man eine bequeme Zusammenstellung in Dr. Grübler's (Leipzig) Sammlung
der gebräuchlichen Färbemittel nach Strasburger findet.
III. Section für Mineralogie und Geologie.
vierte Sitzung am 4, NoTember 1886. Vorsitzender: Berginge-
nieur A. Purgold.
Prof. Dr. R. Heger legt eine Anzahl Krystallmodelle vor, welche
unter Leitung von Prof. Dr. E. Geinitz vom Sammlungsdiener Mohn
in Rostock aus Glasplatten mit farbigen Kanten und Axen zusammen-
gesetzt, zu Zwecken des Unterrichts sehr geeignet erscheinen.
Geh. Hojfrath Dr. Geinitz legt einige ihm von Geh. Bergrath Prof.
Roemer zugesandte grosse Granatkrystalle vor, welche vor Kurzem auf
der Dominsel in Breslau massenhaft aufgefunden worden sind, wohin sie
mit hoher Wahrscheinlichkeit während der Diluvialzeit aus Schweden
durch Eis transportirt sein mochten.
Derselbe zeigt femer Proben des Gloggnitzer Porellensteins, eines
Graqulits, welche die Administration des „Semmering - Almanach" in Wien,
Oberdöbling, für die Sammlungen öffentlicher Unterrichtsanstalten und Mu-
seen zum Kauf anbietet. Die für den Preis von 2 M. 60 Pf. erhaltenen
Proben bestehen aus 3 ganz unansehnlichen kleinen Bruchstücken, welche
keiner Sammlung zur Zierde gereichen können. Der Vortragende bemerkt
hierbei, dass Professor Hubert in seiner neuesten Abhandlung „Obser-
vations sur les groupes s6dimentaires ies plus anciens du nord-ouest
de la France"*) hervorhebt, dass er zahlreiche deutliche Gänge von
Granulit in den Thonschiefem von Granville, Cherbourg u. s. w.
beobachtet habe, was mit den neueren Ansichten über Granulit nicht
•) Compt. rend. de TAc. des Sciences, t. CHI, 26. juillet 1886.
49
wohl im Einklänge steht — Er legt femer eine Arbeit von
L. Bombicci, sul giadmento e sulle forme cristalline della Datolite della
Serra dei Zanchetfci, Bologna, 1886, sowie ron Edward J. Dana, on the
BrooMt from Magnet Cove, Arkansas, (Am. JoumaL Vol. XXXn, 1886)
vor, und einen Katalog der Meteoritensammlung des Peabody Museums
von Yale College, Newhaven, Gönn., welcher 147 verschiedene Arten von
Meteoriten nachweist, während d^e Sammlung von Meteoriten im Dresdner
Museum nur 83 Arten enthält (s. AbhandL XII, S. 92).
Er lenkt weiter die Aufinerksamkeit auf das gehaltvolle „Mineralo-
gical Magazine and Journal of the Mineralogical Sodety^^, London, 8^,
von welchem bereits der 7. Band zu erscheinen begonnen hat, und em-
pfiehlt für mineralogische Bestimmungen sehr warm die „Mineralogischen
und petrograplusciien Tabellen^^ von Franz Toula, Prag und Leipzig,
1886, 8«.
Yon neuen geologischen Abhandlungen werden besprochen:
Das Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg,
40. Jahr, I. Abth. 1886, mit Abhandlungen von F. £. Geinitz- Rostock, F. E.
Koch, Fr. Noetling u. A.;
On the Fresh- Water Invertebrates of the North American Jurassic, by Ch. A.
White, Washington 1886 (Bull, of the ü. St. Geol. Survej, No. 29);
S. Niki t in, über die Beziehungen zwischen der russischen und der west-
europäischen Juraformation (N. Jahrb. f. Min. 1886, Bd. 11);
Prof Dr. Mayer-Eymar: Zur Geologie Egyptens. Zürich 1886. 8;
E. Oaug, Extrait de TAnnuaire g^ologique universel, T. IL 2. pari
Paris 1886;
S. fi. Scudder, The Cockroach of the Fast, London 1886, 8^ und das im
LI. Bande der Nova Acta d. K. Leop. Car. D. Academie 1886 erschienene Pracht-
werk von Dr. Joh. Georg Bornemann: Die Versteinerungen des Cambrischen
Schichten Systems der Insel Sardinien mit 38 Quarttafeln Abbildungen sehr eigen-
thflmlicher organischer Reste.
Prof. E. F. Zschau setzt mehrere neue Mineralfunde aus dem
Plauenschen Grunde bei Dresden in Umlauf und erläutert deren Vorkom-
men: eigenthümlich ausgebildete Kalkspathe, namentlich einen prisma-
tischen Krystall, an beiden Polen in genauer Orientirung aber mit geringe-
rem Durchmesser fortgewachsen; Molybdänglanz als Einschluss im Syenit;
pseudomoiphe Eiystalle nachAnalcim, der unter Bewahrung seiner Form
202 = 112 in eine rothbraune talkige und thonige weiche Masse yer-
wandelt, äusserlich manchem Granat sehr ähnlich geworden ist; endlich
einige wohlerhaltene Steinkeme von Opis bicamis.
Der Vorsitzende legt schöne Exemplare regelmässiger Yerwach-
sungen Ton Bothgiltigerz (s. Abhandl. YUI, S. 53) und eines Zwilüngs-
krystalles von Silberglanz vor und bespricht zum Schluss die Schrift
von E. Oeinitz in Rostock: Seen, Torfinoore und Flussläufe Mecklen-
50
burgs, Güstrow 1886. — Durch die geologische Untersuchung des Landes,
sowie durch äusserst zahlreiche und feine Beobachtungen der Unterschiede
in der Gestaltung der Oberfläche, gelangt Verf. zum Schluss, dass die als
Seen, Teiche, Sümpfe, Torfmoore, Kessel und Solle auftretenden
Abstufungen der Bodendepressionen in Mecklenburg und den entsprechend
ansgebildeten Gegenden Pommerns, West- und Ostpreussens wenn nicht
ausschliesslich, so hauptsächlich durch Eversion, d. h. Vertikalwirkung
der abfallenden Gletscher- Wasser zu Ende der Glacialperiode , im Gegen-
satz zur horizontal wirkenden Erosion, gebildet sind. Auch für die Ent-
stehung der im Quadersandsteingebiet des Elbthales so charakteristischen
Schluchten und Felspfeiler der sächsischen Schweiz nimmt Verf. die
Eversion durch Gletscher-Wasser in Anspruch. Berichterstatter stellt deren
gelegentliche Mitwirkung zwar nicht in Abrede, möchte aber in Hinsicht
auf die an vielen Orten Böhmens (z. B. Tyssa, Adersbach, Weckelsdoif,
Gross- und Kleinskai bei Tumau) in ganz gleicher Weise sich wieder-
holenden Felsbildungen der nämlichen Quadersandsteinformation, wo bisher
von Gletschern nichts bekannt geworden, die vomehmlichsten Ursachen in
der von Austrocknungsspalten vorgezeichneten und durchs lockere Gefüge
des Sandsteins erleichterten Erosion durch Atmosphärilien und durch
Bäche und Flüsse suchen.
Berichtigung und Ergänzung.
In der neunten Hauptversammlung der Isis am 26. November 1885
besprach ich die Mineraleinschlüsse im Granulit des Bahnhofs
von Wald heim (Sitzber. Isis 1885, S. 68). Aus dem mir soeben zuge-
kommenen Bericht über die 33. Versammlung der deutschen geolog.
Ges. zu Darmstadt, Sitzung v. 29. Septbr. 1886 (Zeitschr. deutsch, geolog.
Ges. XXXVILL, S. 704) ersehe ich, dass Herr A. Sauer jene Mineralein-
schlüsse ebenfalls untersuchte und die grossen grauen Bjystalle, welche
ich für mehr oder weniger zersetzten Andalusit, allerdings von unge-
wöhnlicher Ausbildung, hielt, diesem Mineral zwar auch ähnlich fand, aber
durch seine chemische Zusammensetzung (Talkerde— Natron -Silicat neben
dem Thonerde - Silicat in den frischen, Talkerde-Silicat und Wasser neben
dem Thonerde-Silicat in den weichen Krystallen) doch wesentiidi von ihm
abweichend, demnach jeden der beiden Erhaltungs- Zustände als neue Mi-
neralspedes aufstellte und die frischen Erystalle Prismatin, die zersetzten
Eryptotil benannte.
Beide Zusammensetzungen erscheinen sehr einfach als minder und mehr
vorgeschrittene Zersetzungen vom Staurolith abzuleiten, mit dem ohne
Weiteres auch die Erystallform stimmt und welcher daher als Urzustand
dieser Einschlüsse anzusehen ist.
51
Da ich keine Gelegenheit zur chemifichen Analyse hatte und meine
Besthmnung nur nach äusserlichen Kennzeichen vornahm, so bitte
ich meine Angaben nach Vorstehendem zu berichtigen.
Auch die von mir bereits erwähnten Turmaline analysirte Herr
Sauer und fand darin den bemerkenswerthen Gehalt von 0,41 Procent
Zinnoxyd.
Die aus der Zersetzung der grösseren Granaten hervorgegangenen
Neubildungen, welche ich als Chlorit und Anthophyllit bestimmte,
hält Herr Sauer für Biotit und Hornblende, in der That ein geringer
Unterschied. A. Purgold.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Dritte Sitzung am 7. October 1886. Vorsitzender: Freiherr
D. von Biedermann.
GeL Hofrath Dr. Geinitz bespricht die neueste Schrift von Jap.
Steenstrup über die Kjekken-Meddinger, Kopenhagen 1886.
Ingenieur H. Wiechel berichtet über die mit Excursionen und Aus-
grabungen verbundene diesjährige Generalversammlung der Deutschen
anthropologischen Gesellschaft in Stettin,
Dr. J. Deichmüller über die Generalversammlung der Nieder-
Lausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte am
16. Juni d. J. zu Cottbus und die damit vereinigte reiche Ausstellung
prähistorischer Funde aus der Nieder-Lausitz.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz lenkt die Aufinerksamkeit auf die alten
Steinkreuze, welche sich häufig in der Nähe von Ortschaften und an
Strassen finden, und fordert auf, ihm Nachrichten über derartige Kreuze
zukommen zu lassen.
Dr. H. Funcke legt mehrere bei der Ausschachtung zur Erweiterung
des Carola-Sees im Grossen Garten bei Dresden gefundene prähistorische
Gegenstände vor, u. A. einen in der Tiefe von ca. 2 m ausgegrabenen
Steinhanmier, sowie grössere und kleinere Gefösse und ein Webstuhlgewicht,
welche fünf Brandgräbem mit Steinsetzung entnommen sind. Durch die
Freundlichkeit des Herrn Gartendirector Bonchö ist dieser Fund in den
Besitz der hiesigen K. prähistorischen Sammlung gelangt.
Ein von Lehrer H. Döring vorgelegter Serpentinhammer, auf
einem Felde bei Mobendorf bei Freiberg ausgeackert, giebt zu der
52
Bemerkung YeraiüassuBg, dass bei der Beurtheilung derartiger Funde sehr
vorsichtig verfahren werden müsse, da noch heute solche Hämmer ange-
fertigt und den Bauern verkauft würden, die sie als Schutz gßgen Hagel-
schlag auf ihre Felder werfen.
Vierte Sitzung am 18. November 1886, Vorsitzender: Freiherr
D. von Biedermann.
Herr W. Osborne berichtet unter Vorlage zahlreicher Photographien
über die archäologischen Eigebnisse seiner diesjährigen Sommerausilüge
nach Sylt imd Siebenbürgen. Er schildert in anziehender Weise seinen
Aufenthalt auf jener Insel, beschreibt die dort vorkommenden Gräber und
sonstigen Funde, gedenkt auch des in Keitum angelegten Museums; die
prähistorischen Verhältnisse von Siebenbürgen hat Vortragender sehr unaus-
giebig gefunden, da dort noch mit wenig Sachkenntniss vorgegangen wird
und die Errichtung eines Museums aus Materialmangel bisher unter-
blieben ist
Buchhändler W. von Bänsch giebt nachträglich noch einige
Notizen über Sühnkreuze in der Nieder-Lausitz und berichtigt die vielfach
übertriebenen Nachrichten über den Ragower Silberfund.
Der Vorsitzende legt aus der Sammlung des Herrn K. Reichenbach
in Plauen b. Dresden verschiedene Bronzegegenstände von Postelberg
in Böhmen, sowie einen im Jahre 1877 am Tatzberge in Dresden auf-
gedeckten reichen Bronzefiind vor, bestehend in Flügelkelten, Arm- und
Beinspangen, Fibeln, Schwertresten u. a. m. Jjotztere zum Theile absichtlich
zerbrochene Gegenstände machen es höchst wahrscheinlich, dass dieselben
zum Einschmelzen bestimmt gewesen seien.
Dr. J. Deichmüller bringt aus der K prähistorischen Sammlung
einen bei Pirna gefundenen bronzenen Hohlkelt zur Ansicht
V. Section für Physik und Chemie.
Dritte Sitzung am 11. Norember 1886. Vorsitzender: Pro£ Dr.
B. Ulbricht
Prof. Dr. E. Hagen hält einen Vortrag über die neueren elek-
trischen Bogenlampen für Parallelschaltung.
Während in der Öastechnik gegenwärtig mehr und mehr das Bestreben
hervortritt, möglichst lichtstarke Gaslampen zu construiren, geht das Streben
53
der Elektrotechniker umgekehrt dahin, der Gasbeleuchtung durch Verwendung
lichtschwacher Bogenlichtlampen Concuirenz zu machen.
Der Natur der Sache nach ist es allerdings unmöglich, auch nur
annähernd eine so weitgehende Theilung des elektrischen Bogenlichtes zu
erzielen, als dies bei Anwendung von Gas- oder von elektrischen Glüh-
lampen thunlich ist, immerhin aber besitzen wir jetzt in den für geringe
Strom- und dementsprechend geringe Lichtstärke construirten Bogenlicht-
lampen von Pieper, Siemens & Halske, Schamweber u. s. w. Lichtquellen,
welche ein vortrefflich ruhiges, gleichmässiges und nicht gar zu intensives
Licht (200—800 N.-K.) liefern.
Der Vortheil der Anwendung gerade derartiger Bogenlichtlampen beruht
einerseits in der Möglichkeit, feine Farbennuancen zu imterscheiden, die
sich bei jeder anderen künstlichen Beleuchtungsart der Wahrnehmung des
Auges entziehen, und andererseits darin, dass es in Folge des niedrigen
Oberbaues dieser Lampen möglich ist, sie auch in verhältoissmässig niedrigen
Räumen zu verwenden. Dazu kommt noch die weit grössere Billigkeit des
Bogenlichtes (700— 1000 Normalkerzen licht beim Bogenlicht pro 1 mechan.
Pferdekraft gegen ca. 150 N.-K. beim Glühlicht).
Die früher construirten, sog. Einzellichtlampen reguliren bekanntlich
sämmtlich auf constante Stromstärke unter Benutzung der Yeränder-
lichkeit des Widerstandes des Lichtbogens je nach dessen Länge, während
die Theilung des elektrischen Bogenlichtes ausschliesslich dadurch ermöglicht
wurde, dass man Lampen construirte, die auf constanten^Widerstand des
Lichtbogens reguliren. Die Lösung dieser Aufgabe dadurch, dass man den
elektrischen Begulirmechanismus alsNebenschluss zum Lichtbogen anbrachte,
verdanken wir v. Hefiier-Alteneck.
Es ist dies ein bei allen Theilungslichtem immer und immer wieder-
kehrendes Regulirungs-Princip.
Die Oonstruction der neueren- für geringe Stromstärken (Lichtstärke
proportional der Stromstärke) bestimmten Lampen ist im Vergleiche zu
den früher gebauten und für stärkere Ströme verwendeten Lampen sehr
wesentlich vereinfacht insofern, als ihr Regulirungsmechanismus lediglich
eine Aneinandemäherung der Kohlen in dem Maasse, wie sie abbrennen,
bewirkt, derart, dass der Widerstand des Lichtbogens eine bestimmte
obere Grenze nicht überschreitet, Während z. B. bei den Differentiallampen
durch einen zweiten Elektromagneten oder ein zweites Solenoid auch eine
untere Grenze des Widerstandes des Lichtbogens festgesetzt ist. Demgemäss
sind die neueren Lampen lediglich als Nebenschlusslampen zu bezeichnen.
Will man diese sämmtlich in Parallelschaltung verwenden, so empfiehlt
es sich in jedem eine Lampe enthaltenden Zweige einen Zusatzwiderstand
von solcher Grösse hinzuzuschalten, dass man dadurch Maschinen 20 bis
54
25 Yolt mehr Spannung verwenden kann, als eigentlich zum regulären
Punctioniren der Lampe selbst erforderlich wäre.
Allerdings schliesst dies einen Yerlust an elektrischer Energie in
diesen Zusatzwiderständen und einen demgemäss geringeren Nutzeffect in
sich ein, dafür aber gewinnt man wesentlich an Constanz des Lichtes der
Lampen und erreicht es, dass das Hinzu- oder das Ausschalten der
einzelnen Lampen für die anderen, in demselben Stromkreise brennenden I
sich nicht störend bemerkbar macht — '
Der Vortrag wird begleitet von anschaulichen Experimenten an Bogen-
lichüampen und an anderen Apparaten. — An denselben schliesst sich die Be-
sichtigung der in den schönen Bäumen des elektrotechnischen Laboratoriums
befindlichen Maschinen, Apparaten, s. w., welche Vortragender der Gesellschaft
vorführt 1
VI. Section für Mathematik.
Dritte Sltoing am 21. October 1886. Vorsitzender: Prof. Dr.
A. Harnack.
Prof. Dr. C. Rohn spricht über Linienflächen 4. Ordnung und
demonstrirt die von ihm construirte Serie von Modellen dieser Flächen.
Vierte Sitzung am 2. Becember 1886. Vorsitzender: Prof. Dr.
A. Harnack.
Dr. A. Witting spricht über Configurationen.
Prof. Dr. C. Rohn erläutert noch zwei weitere Modelle von Linien-
flächen 4. Ordnung.
Baurath Prof. Dr. W. Fränkel zeigt und bespricht auf Wimsch der An-
wesenden das Momenten-Planimeter von Amsler.
55
Vn. Hauptversammlungen.
Sechste Sitzung am 39. JaU 1886. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Dr. Geinitz.
Nach Erledigang verschiedener geschäftlicher Angelegenheiten gedenkt
dei? Vorsitzende noch mehrerer jüngst verstorbener Mitglieder.
Siebente Sitzung am 30. September 1886. Vorsitzender: Geh. Hofrath
Dr. Geinitz.
Das vom Verfasser, Prof. Em. Hibsch in Liebwerd, als Geschenk
überreichte Werk: Geologie für Land- und Forstwirthe, Tetschen 1885, 8*,
wird mit Dank entgegengenommen.
Dr. K. Reiche hält einen eingehenden Vortrag über die Flora von
Leipzig (s. AbhandL VII, 8. 43).
Achte Sitzung am 28. October 1886. Vorsitzender: (iteh. Hofrath
Dr. Geinitz.
Eine von dem Vorsitzenden in der Sitzong am 7. October gegebene
Anregung führt zu einer weiteren Besprechung über die Eirichtung von
Steinkreuzen, wie man dieselben an Wogen und Dörfern mehrfach vor-
findet. Soweit dies das Königreich Sachsen betrifft, ist eine eingehende Arbeit
darüber im 10. Hefte des K Sachs. Vereins zur Erforschung und Erhaltung
vaterländischer Alterthümer, 1857, von Dr. Bösigk: über Mordkreuze,
veröffentlicht worden, wonach diese Kreuze im Allgemeinen, mit wenigen
Ausnahmen, Gedenk- und Merkzeichen für ein begangenes Verbrechen sind,
dessen Strafe nicht in ihrem ganzen Umfange vollzogen werden konnte
oder durfte; daher auch der Name Sühnkreuz dafür.
An die von Dr. Bösigk hier beschriebenen, 42 derartigen Kreuze
schliessen sich noch andere an, deren in der Zeitschrift „Ueber Beig imd
Thal^', 1881, No. 6 und No. 9 gedacht wird, ein steinernes Kreuz bei
Gottleuba, bei Klotzscha, welches südlich von dem Schenkhübel an der
Königsbrücker Strasse zwischen den Wegsteinen 2,^ und 2,5 steht und
zur Erinnerung eines treuen Knappen der Dohna'schen Dynastenfamilie,
Jonas Daniel, um das Jahr 1402 errichtet worden ist; zwei Steinkreuze
6fl^_
an dem grossen Zschimsteine vom Jahre 1549 und v. J. 1653 sollen an
den plötzlichen Tod eines Försters bei dem Fällen einer Eiche und die Er-
mordung eines Jägers erinnern.
Der an der Sitzung theilnehmende Prot Dr. Steche, der bei
seinen Alterthumsforschungen in Sachsen auch solchen Kreuzen seine
Aufmerksamkeit geschenkt hat, führt noch eine grosse Beihe anderer,
besonders im Vogtlande befindlicher Standorte in Sachsen an. Nach ihm
gehören die ältesten erhaltenen derselben wohl dem 14. Jahrhundert an,
während in dem benachbarten Zeulenroda noch 1860 wegen eines jähen
Todes, und bei Gross -Waltersdorf um 1871 wegen Erschlagung eines
Landmannes Steinkreuze gesetzt worden sind. Nach allen seinen Beobach-
tungen sind derartige Kreuze theils als Zeichen der Gerichtsbarkeit, theils
als Erinnerungszeichen für zufälligen Tod imd unvorsichtige Tödtung, für
Mord und Sühne des Mordes, seltener wohl auch als Weichbüder auf-
zufassen, für welche sie, nach brieflichen Mittheilungen von Fräulein Ida
von Boxberg, Professor a. D. von lingethal auf Kmelen vorzugsweise in
Anspruch nehmen möchte.
Dass sie nur religiöse Zeichen seien, ohne einem weltlichen Zwecke
gedient zu haben, welche Ansicht Pastor Ziller in Sacka in einem
vorliegenden Briefe an Fräulein von Boxberg geltend macht, ist nicht
anzunehmen.
Eine gediegene Abhandlung von Dr. Zestermann in dem Programm
der Thomasschule in Leipzig, 1867, verbreitet sich eingehend über das
Kreuz vor Christo und schildert 1) das Kreuz als heiliges Zeichen,
der antiken Völker in Aegypten, Vorder- und Mittelasien und Mitteleuropa,
2) das Kreuz als Strafwerkzeug bei den Völkern der alten Welt, wobei
die verschiedenen Namen und Gestalten der Kreuze genauer beschrieben
werden: das vierarmige oder lateinische Kreuz, das dreiarmige oder ägyp-
tische und Antonius-Kreuz, und das liegende oder Andreas-Kreuz.
Mit den in Sachsen gewonnenen Erfahrungen über Steinkreuze oder
Kreuzsteine stimmen die anderwärts gemachten Beobachtungen und
daraus gezogenen Schlüsse sehr genau überein, wie eine Abhandlung von
Dr. Back in Altenburg: „Von Kreuzsteinen; insbesondere in Herzogl.
S. Altenburg'schen und in nachbarlichen Gauen",*) und eine Mittheilung über
Steinkreuze und Aehnliches in Beiträgen zur Schlesischen Alterthumskunde
Breslau, 1875, S. 245 ♦♦) beurkunden. —
Prof Dr. Steche lenkt das Interesse auf den sogenannten „Tauf stein''
bei Obercrinitz in der Amtshauptmannschaft Zwickau, der der Sage
nach bei der Taufe der Söhne eines Slavenfürsten, deren einer später die
^) Fliegende Blätter. Eulturgeschichüiche Zeichnungen von Dr. Back in
AltenDurg.
**) Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift. 23. Bericht. Bd. II. Hfl;.2. Breslau 1875.
_57
Umgegend als Chrißtenapostel bekehrte, als Taufetein gedient hat*), dessen
schalenartige Vertieftingen aber nach Dr. F. Theile nur Producte der
Ausschleifang durch GeröUe, Strudellöcher sind. Prof. Dr. Steche, welcher
an der Bedeutung des Steines als Denkmal aus heidnischer Vorzeit festhält,
richtet an die Gesellschaft die Bitte, den Stein vor der ihm jetzt durch
Zerschlagen drohenden Vernichtung durch Ankauf zu bewahren.
Der Vorsitzende wird hierauf ermächtigt, durch Vermittelung des
Pastor Schürer in Obercrinitz geeignete Schritte zur Erhaltung des
interessanten Steines zu thun.
Neunte Sitzung am 86. November 1886. Vorsitzender: Gdi. Hofrath
Dr. Geinitz.
Pastor Schürer in Obercrinitz theilt mit, dass der dortige „Taufstein"
nicht verkäuflich sei, der Besitzer aber die Zusicherung ertheilt habe, den
Stein vor Vernichtung zu schützen.
Auf Antrag des Oberlehrer Dr. G. Helm fasst die Gesellschaft nach*
stehenden, die Benutzung der Bibliothek betreffenden Beschlussi:
„Der Zutritt zur Bibliothek ist nur dem ersten Bibliothekar
und dem Bibliothekscustos gestattet, anderen Mitgliedern nur mit
Genehmigung des ersten Bibliothekars, die für jeden einzelnen Fall
einzuholen ist." —
Das Ergebniss der hierauf statutengemäss vorgenommenen Wahl der
Beamten der Gesellschaft für das Jahr 1887 vergl. S. 64.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz legt noch einige neue amerikanische
Schriften vor und giebt darüber folgende Bemerkimgen: Die willkommene
Publication der Geological Survey of Alabama von Dr. Eugene A. Smith,
1886, 8®, mit einem vorläufigen Berichte über die Tertiäxversteinerungen
von Alabama und Mississippi von Tr. H. Aldrich und paläontologischen
Beiträgen von Dr. Otto Meyer hat mich zu einer neuen Prüfimg der aus
den Ansammlungen des Dr. Albert C. Koch 1847 von mir beschriebenen
tertiären Versteinerungen, welche seiner Zeit in der Nahe der Beste des
Zeuglodon cetoides Owen (Hydrarchos von Koch) gefunden worden sind,
veranlasst. Viele derselben sind noch unter meinen Händen, theils in
dem K. mineralogischen Museum, theUs in den Sammlungen des K
Polytechnikums.
Es ist damals mein Bestreben gewesen, durch Vergleichung der
dortigen Vorkommnisse mit europäischen das Alter der Gesteinsbildung
näher festzustellen, in welcher die zahlreichen TJeberreste jenes Biesen-
^) Deutsche Jagendblätter Nr. 3, Beilage 5 znr sftohs. Sohtdzeitnng 1872; „Glflok
auf' Bd. I. 1881.
58
Thieies entdeckt worden sind, welche zuerst als Hydrarchos*) und später
als Zeuglodon^) in verschiedenen Hauptstädten Europas, und so auch
in Dresden von dem Entdecker ausgestellt waren und eine gerechte Be-
wunderung erregten.
Ich habe die damals gezogenen Schlüsse über das untertertiäre
Alter der Zeugloden - Schichten und die Verwandtschaft der darin vor-
kommenden anderen Fossilien mit einer grösseren Anzahl europäischer
Arten nur von Neuem bestätigen können, insbesondere gilt dies für Nau-
tilus Älabamensis Morton, welcher von Nautilus Ziczac Sow. sp. und
Nautilus lingulatus v. Buch nicht verschieden erscheint
Das erste grosse Skelett des Zeuglodon in Alabama wurde von
Dr. A. C. Koch im Frülgahr 1845 entdeckt und als Hydrarchos
Harlani vorgeführt Dasselbe befindet sich noch jetzt, wenn auch in
einer veränderten, und zwar richtigeren Zusammensetzung in dem K.
anatonüsohen Museum in Berlin; das zweite mit dem richtigen Namen
von Koch als Zeuglodon cetoides oder Z. macrospondyloides Owen be-
zeichnete Haupt -Exemplar ist nach Amerika zurückgekehrt und durch
den grossen Brand in Chicago vernichtet worden.***) Ein ergänzter Schädel
und beide Unterkiefer, sowie Wirbel, Kippen, Zähne etc. von anderen
Exemplaren dieses Thieres sind unter anderen auch in die hiesigen Sanmi-
lungen gelangt
Koch war ein Pionier der Wissenschaft, der seiner Zeit in verschiedenen
Staaten Nordamerika's sehr viele interessante Yersteinerungen gesammelt
und sie in europäische Museen geführt hat, lange bevor dieselben durch
die jetzt so thätigen amerikanischen Paläontologen genauer beschrieben
worden sind. Mit besonderer Vorliebe hatte Dr. Albert Koch als alter
Sachse auch dem Dresdener mineralogischen Museum Vieles davon zu-
gewandt, was zum Theil noch immer einer weiteren genaueren Unter-
suchung harret. —
Nach wiederholter Vorlage des grossen von dem Diiector der United
States Geological Survey, J. W. Powell, 1882 veröffentlichten „Atlas to
accompany the Monograph on the Tertiary History of the Grand Canon
District, by Capt Clarence E. Dutton" mit seinen prachtvollen Ansichten
von Pelsengruppen, die auf das Lebhafteste an die Pelsbüdungen unserer
sächsisch-böhmischen Schweiz erinnern, lenkt der Vortragende die Auf-
*) Vgl. Garus, Geinitz, Günther und Reichenbach, Resultate geologischer,
anatomischer und zoologischer Untersuchungen über das unter dem Namen Hydrarchos
von Dr. A. C. Koch zuerst nach Europa gebrachte und in Dresden ausgestellte grosse
fossile Skelett. Dresden und Leipzig 1847. Fol.
**) C. G. Carus, das Kopfskelett des Zeuglodon Hydrarchos. Nov. Act. Ac.
Leop. Car. Nat. Cur. Vol. XXII. P. II. — Dr. Alb. Koch, das Skelett des Zeuglo-
don macrospondylus. (Haidinger, naturw. Abhandl. IV. 1. S. 58. Wien 1851.)
•♦•) Vgl. The Indianopolis Journal, 1871. Nov. 11, p. 2.)
59
merlrsamkeit noch auf zwei neue literarische Erscheinungen aus unseren
engeren Kreisen:
1) Hermann Gredner, Die Stegocephalen aus dem Bothli^genden
des Plauen'schen Grundes bei Dresden. VI. Theil. (Zeitschr. d. Deutsch,
geol. Ges. 1886), wo die Entwickelungsgeschichte des Branchiosaurus
amblystomus Credn. in einer vorzüglichen Weise dargethan wird, und
wo der Verfasser mit allem Rechte zugleich Veranlassung nimmt, das
Poramen parietale mit dem sogenannten dritten Auge der Amphibien
und Reptilien in Beziehung zu bringen.
2) Dr. J. V. Deichmtiller, Die Inseeten aus dem lithographischen
Schiefer im Dresdener Museum. (Als siebentes Heft der Mittheilungen
aus dem K mineralogisch -geologischen und prähistorischen Museum in
Dresden, Cassel, 1886, 4«. Mit 5 Tafeln Abbildungen.)
In der von dem Vortragenden in den Sitzungsberichten unserer Ge-
sellschaft Isis, 1881, Abh. VI. S. 51 u. £ angegebenen TJebersicht der Ver-
steinerungen des lithographischen Schiefers im Dresdener Museum, . deren
Anzahl 1680 Exemplare betrug, waren 337 Exemplare noch unbestimmter
Inseeten darin eingeschlossen. Die mehrjährige angestrengte Thätigkeit
unseres Directorial-Assistenten Dr. Deichmüller hat diese Lücke nun in
erfreulicher Weise ausgefüllt, worüber in einer späteren Sitzung noch
genauere Mittheilungen gegeben werden sollen.
Zehnte Sllzang am 16. Becember 1886. Vorsitzender: Geh. Hof-
rath Dr. Geinitz.
Auf Anregung von Prof Dr. 0. Drude beschliesst die Gesellschaft
die baldigste Aufstellung einer neuen Bibliotheksordnung durch den Ver-
waltungsrath, welchem Beschlüsse Prof. Dr. A. Harnack als Vorsitzender
des Verwaltungsrathes im Jahre 1887 baldigst zu entsprechen verspricht
Demselben wird daher, unter Bezugnahme auf den früheren Beschluss
der Hauptversammlung vom 25. November 1886 die Ermächtigung ertheilt,
schon vor Ablauf des Jahres 1886 jederzeit Zutritt zur Vereinsbibliothek
zu haben, was auch zur leichteren Orientirung unter Mitwirkung des
zweiten Bibliothekars bis zur definitiven Ordnung dieser Verhältnisse auf
den Letzteren mit übertragen wird.
Geh. Hofrath Dr. Geinitz giebt ein eingehendes Referat über die
neueste Abhandlung des Prof. H. A. Newton in Newhaven, Conn.: The
Meteorites, the Meteors and the Shooting Stars (an Address before the
American Association for the Advancement of scieuce at Bufialo, August
60
1886), in welcher dieser ausgezeichnete Fachmann den engen Zusammen-
hang aller dieser kosmischen Erscheinungen von Meteoriten, Meteoren und
Sternschnuppen von Neuem in überzeugendster Weise darthut.
Schliesslich berichtet der oben Genannte noch über die neuerdings
bei Gera im Fürstenthum Beuss entstandenen Erdfälle nach Untersuchungen
des Hofrath Prof. Dr. liebe in Gera, worüber die „Geraer Zeitung" vom
5., 10. und 11. December 1886 nähere Mittheilung giebt.
Excnrsion. Am 28. August 1886 führte Oberlehrer Dr. R. Ebert
eine grössere Anzahl Mitglieder nach dem Gorischstein bei Eönigstein, wo
namentlich die interessante säulenförmige Absonderung des oberen Quader-
sandsteins am Contact mit Basalt in Augenschein genommen wurde.
Terändenragen im Mitgliederbestande.
Gestorbene Mitglieder:
Am 16. Juli 1886 verschied in Dresden Weinhändler C. August
Hantzsch, seit dem Jahre 1860 wirkUches Mitglied der Isis. —
Am 13 August 1886 starb in Tegau bei Schleiz der emeritirte Lehrer
Joh. Gottl. Röber, correspondirendes Mitglied seit 1852. —
In Wiesbaden starb am 13 September 1886 der Kais. Russische
wirkl. Geheimrath Dr. C. Claudius von Renard, Präsident der Kais.
Gesellschaft der Naturforscher in Moskau , welcher der Isis seit dem
Jahre 1855 als Ehrenmitglied angehörte. —
Am 2. October 1886 verschied in Dresden nach schweren Leiden ein
seit 1852 sehr thätiges Mitglied der Isis, der Porzellanmaler Carl Ernst
Fischer. Geboren am 23. Februar 1818 in Dresden als Sohn eines Stuben-
malers besuchte er yom Jahre 1836 bis 1841 die hiesige Malerakademie
und wendete sich vom Jahre 1844 an der Porzellanmalerei zu, die er bis
1883 mit grossem Fleisse und bestem Erfolge betrieben hat.
Die verhältnissmässig geringe Zeit zur Erholung, die ihm sein eigent-
licher Erwerbszweig gestattete, war dem Studium der Natur gewidmet,
wobei ihm die Schärfe seiner Augen und die Sicherheit seiner künstlerischen
Hand sehr zu statten kamen. Hatte er in früheren Jahren die Pflanzenwelt
vorgezogen, die er in seinem Garten bis zuletzt noch sorgsam gepfl^
hat , sowie die Insectenkunde , so wurden doch später von ihm noch
manche andere Zweige der Naturwissenschaften betreten, wie dies die
folgenden Abhandlungen von ihm bezeugen:
61
1856. Die Fisclireste aas den Pl&nencliichten von Plauen, Strehleni Wein-
bOhla und Grosssedlitz. Mit Tafel.
1861. üeberThaubildung; die Urschieferformation des Eulengrundes beiPima.
1862. üeber das Gehörorgan der Sfisswasserfische und über den Saturn.
1862—1872 stattet er jährlich einen Bericht ab über die yon ihm während
des Jahres gemachten Himmelserscheinungen oder meteorologischen Beob-
achtungen.
1868 yerbreitet er sich Über die Gesteine des Lock witzer Grundes und
Kreischaer Thaies.
1864 über Ealkspathkrystalle von Tharand.
1865 über Mineralien yon Berggiesshübel.
1866 über yerschlackte Gesteine yon Geschütz.
1867 über Eunstgegenstände und Knochen von dort, über Papierelektricität
und über die Milchstrasse.
1869 und 1870 über die alte Heidenschanze bei Coschütz, deren mannich-
&chen Ueberreste von ihm unserem Königl. mineralogisch - geologischen und
prähistorischen Museum einverleibt worden sind.
1871 und 1872 über Schwerspath im Syenit des Plauenschen Grundes,
Über ümenreste von Strehlen und andere prähistorische Funde in der Umgegend
von Dresden.
1878 über die Sinneswerkzeuge der Insecten.
1874 bis 1878 über eine prähistorische Einderklapper von Grossenhain, ein
Steinwerkzeug bei Losch witz, neue Ausgrabungen bei Geschütz, von denen
sich noch viele in seiner Hinterlassenschaft befinden, und andere Heidenwälle,
Feuerstationen etc. in der Umgegend von Dresden.
Ein von ihm bei Geschütz aufgefundenes Skelett einer eigenthümlichen
Art von Bos ist durch Kauf an das zoologische Museum der landwirthschafb-
lichen Hochschule in Berlin übergegangen.
Noch im Jahre 1882 hat er die Bauart prähistorischer Burgwälle im
Eibthale und verschiedene andere prähistorische Fundgruben eifrigst verfolgt.
unser Königl. mineralogisches Museum verdankt Herrn C. E. Fischer
eine sehr reiche Sammlung Versteinerungen aus dem unteren Pläner von
Plauen, deren von ihm mit aller liebe und Sorgfalt ausgefiihi-te Zeichnungen
in dem Eibthalgebirge von H. B. Qeinitz aufgenommen worden sind,
üeberhaupt ist der grösste Theil der auf 113 Quarttafeln dieses Werkes
befindlichen bildlichen Darstellungen von ihm gezeichnet worden. Ausserdem
verdanken wir ihm auch die vorzüglichen Zeichnungen zu der Schrift von
Geinitz: Carbonformation und Dyas in Nebraska, 1866.
In seinem Nachlasse endlich befindet sich noch ein nach den Photo-
graphien von Warren de la Rue von ihm sehr solid und geschickt ange-
fertigter Mondglobus von grösserem Durchmesser, zu dessen Vollendung der
Verstorbene viele freie Stunden in den Jahren 1864 bis 1875 verwendet
hat. Wir vereinigen uns mit dem Wunsche der Hinterlassenen, dass dieser
stattliche Globus an einen Ort gelangen möge, wo man seinen Werth
gehörig zu schätzen weiss und wo er am meisten zur Belehrung des
Publikums beitragen kann.
2*
62
C. E. Eischer verheiraüiete sich 1847 mit Caroline Starke, aus welcher
Ehe ihm zwei noch lebende Töchter und ein Sohn entsprossten, welche
den seit 1883 kranken verehrten Vater bis zu seinen letzten sehr schweren
Wochen treulichst gepflegt haben.
Welch' ein hohes Interesse der Verstorbene für die Bestrebungen
unserer Isis gehabt hat, bezeugt wohl am besten, dass er an der Feier
ihres 50jährigen Bestehens am 14. Mai 1885 in keinem Falle fehlen wollte
und sich von dem Krankenlager aus mühsam in den Sitzungssaal der
hochansehnlichen Versammlung hat geleiten lassen. Ehre seinem An-
denken! —
Einen schweren, für lange Zeit unersetzlichen Verlust erlitt die
Wissenschaft durch den am 27. November 1886 in Berlin erfolgten Tod
des Dr. Martin Websky, Geh. Bergrath und Professor der Mineralogie
an der Berliner Universität, Mitglied der Akademie der Wissenschaften
und zweiter Director des K. mineralogischen Museums. Martin Websky
war 1824 zu Wüstegiersdorf in Schlesien geboren und gehörte unserer
Gesellschaft als correspondirendes Mitglied seit 1868 an.
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Buchhändler William von Baensch in Dresden, am 29. Juli 1886.
Lieutenant a. D. Alfr. Vater, Vertreter der Mathildenhütte in Harzburg,
in Striesen, am 30. September 1886.
Rentier Jean Dav. Hartmann in Dresden, | «o /^ . , ^««n
ö_: i.j i. -n T? • T> L ' T\ A > am 28. October 1886.
Pnvatdocent Dr. Erwin Papperitz m Dresden, j
Karl Leopold Geinitz in Dresden, am 25. November 1886.
Hülfslehrer Eäseberg in Dresden,
Assistent Dr. Alex. Witting in Dresden
Hülfslehrer Käseberg in Dresden, \ ,« ^^ , ^o«^
* . . . xx AI _ ^...- . T^._j-. > am 16. December 1886.
Aus der Reihe der correspondirenden Mitglieder in die der wirk-
lichen ist übergetreten:
Privatdocent Dr. Heinrich Vater in Dresden.
Neu ernannte correspondirende Mitglieder:
Dr. H. Gonwentz, Director des Westpreüss. Provinziai - Museums in
Danzig, am 29. Juli 1886.
63
Freiwillige Beitrige zur Oesellsehaftolcasse
zahlten: Oberlehrer Dr. Bachmann, Plauen i.V., 3Mk.; Prof. Dr. Baltzer^
Bern, 6 Mk.; EgI. Bibliothek, Berlin, 3 Mk.; Ingenieur Carstens,
Berlin, 3 Mk.; Oberlehrer Dan zig, Eoehlit«, 3 Mk. 20 Pf.; K. K. Kath
Ehrlich, Linz, 3 Mk. 1 Pf; Privatus Eisel, Gera, 3 Mk.; Oberlehrer
Prenkel, Pirna, 3 Mk.; Sanitätsrath Dr. Priederich, Wernigerode, 3 Mk.;
Bergmeister Härtung, Lobenstein, 5 Mk.; Prof Hibsch, Liebwerd, 3Mk.;
Oberlehrer Dr. Köhler, Schneeberg, 6 Mk.; Oberlehrer Mehnert, Purna,
3 Mk.; Oberlehrer Naumann, Bautzen, 3 Mk.; Prof Dr. Kitsche,
Tharandt, 3 Mk.; Betriebsingenieur Prasse, Leipzig, 3 Mk.; Dr. Reide-
meister, Schönebeck, 3 Mk., Oberlehrer Seidel I, Zschopau, 3 Mk.;
Oberlehrer Seidel II, Zschopau, 6 Mk. ; Bittergutspachter Sieber, Gross-
grabe, 7 Mk. 30 Pf; Civilingenieur u. Fabrikbesitzer Siemens, Dresden,
200 Mk.; Apotheker Sonntag, Wüstewaltersdorf, 3 Mk.; Oberlehrer
Dr. Sterzel, Chemnitz, 3 Mk.; Conservator Weise, Ebersbach, 3 Mk.;
Dr. med. Wohlfahrt, Preiberg, 3Mk.; Oberlehrer Wol ff, Pirna, 3 M. 10 Pf.;
Oberlehrer Dr. Wünsche, Zwickau, 3 Mk. — In Summa: 293 M. 6lPt
H. Warnatz.
64
Beamte der Isis im Jahre 1887:
Vorstand.
Erster Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude.
Zweiter Vorsitzender: Prof. Dr. A. Harnack.
Eassirer: Hofbucbhändler H. Warn atz.
Direetoriain.
Erster Vorsitzender : Prof. Dr. 0. Drude.
Zweiter Vorsitzender: Prof. Dr. A. Harnack.
Als Sectionsvorstände : Geh. Hofrath Prof. Dr. H. B. Geinitz,
Rentier W. Osborne,
Prof. Dr. C. Rohn,
Prof. Dr. R. Ulbricht,
Prof Dr. B. Vetter und
Oberlehrer A. Wobst
Erster Secretär: Dr. J. V. Deichmüller.
Zweiter Secretär: Oberlehrer K. Vetters.
Verwaltangsrath.
Vorsitzender: Prof. Dr. A. Harnack.
1. Apotheker H. Baumeyer.
2. Commissionsrath E. Jäger.
3. Maler A. Fl am an t
4. Fabrikant E. Kühnscherf.
5. Civilingenieur und Fabrikbesitzer Fr. Siemens.
6. Geheimrath und Director Prof. Dr. G. Zeuner.
Kassirer: Hofbuchhändler H. Warn atz.
Erster Bibliothekar: Assistent Dr. H. Hof mann.
Zweiter Bibliothekar (interim.): Prof. Dr. B. Vetter.
Secretär: Oberlehrer K. Vetters.
Sections- Beamte.
I. Section für Zoologie.
Vorstand: Prof. Dr. B. Vetter.
Stellvertreter: Instituts-Director Th. Reibisch.
Protokollant: Oberlehrer Dr. R Ebert
Stellvertreter: Taubstunmienlehrer 0. Ebert
65
II. Section fQr Botanik.
Vorstand: Oberlehrer A. Wobst.
Stellvertreter: Prof. Dr. 0. Drude.
Protokollant: Institutslehrer F. A. Peuckert.
Stellvertreter: Assistent Dr. K. Reiche.
III. Section fQr Mineralogie und Geologie.
Vorstand: Geh. Hofrath Prof. Dr. H. B. Qeinitz.
Stellvertreter: Ingenieur A. Purgold.
Protokollant: Lehrer A. Zipfel.
Stellvertreter: Lehrer L. Meissner.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Vorstand: Rentier W. Osborne.
Stellvertreter: Freiherr D. von Biedermann.
Protokollant: Oberlehrer Dr. H. A. Funcke.
Stellvertreter: Lehrer H. Döring.
V. Section für Physik und Chennle.
Vorstand: Prot Dr. R. Ulbricht
Stellvertreter: Prof. Dr. E. Hagen.
Protokollant: Assistent Dr. E. Seelig.
Stellvertreter: Assistent J. Frey b erg.
VI. Section für Mathennatik.
Vorstand: Prof. Dr. C. Rohn.
Stellvertreter: Prof. Dr. L. Burmester.
Protokollant: Assistent J. Frey borg.
Stellvertreter: Privatdocent Dr. E. Papperitz.
Bedactions- Comit^.
Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Secretärs.
66
An die Bibliothek der Gesellschaft Isis gingen
in den Monaten Juli bis December 1886 an
Geschenken ein:
9a. Bericht über die Senckenb. naturf. (res. in Frankfurt a. M. 1886.
Anzeiger der Wiener Acad. d. Wiss. 1886. No. 11—24.
Arch. d. Ver. d. Freunde d. Naturg. in Mecklenburg. 29. Jahrg. 1875. 8.
Correspondenz-Blatt d. naturf. Ver. in Biga. 29. Biga 86. 8.
Gaea. 22. Jahrg. 7—12. Heft.
Jahrb. d. nass. Ver. f. Natork. 89. Jahrg.
63. Jahresber. d. schles. Ges. f. vaterl. Gnltur. Nebst Ergftnzongsheft.
Jahrb. d. Ges. f. Natur- u. Heilkunde in Dresden. 1885/86.
7. Jahresber. d. Annaberg-Buchholzer Ver. f. NatorL
Leopoldina. XXII. Bd. No. 9—20.
Neues Lausitzsches Magazin. 62. Bd. I. Heft.
Mittb. d. naturf. Ver. von Neu-Vorpommem und Bügen. 17. Jahrg.
Mitth. aus dem Ver. d. Naturfreunde in Beichenberg. 16. u. 17. Jahrg.
Mitth. d. naturf. Ver. für Steiermark. Jahrg. 1885.
Festscbr. d. Humboldt-V. in Ebersbach z. Feier s. 25 jähr. Besteh. 86. 8.
Schriften d. pbj8ik.-Okon. Ges. in Königsberg. 26. Jahrg.
Schriften d. Ver. zur Verbreitung naturw. Kenntnisse in Wien. 26. Bd.
Sitzungsber. d. naturf. Ges. Isis in Dresden. 1886. Jan. bis Juni.
Lenk, H. Nephelinit u. Dolerit in der „Langen BhOn.'^ S. A. 86.8.
Verb. d. naturf. Ver. in Basel. 8. Theil. 1. Heft.
Verh. d. naturh. Ver. in Heidelberg. N. F. HI. Bd. 6. Heft. !
Festschrift zum 500jähr. Bestehen d. Bup.-Garol. vom naturh. Ver. zu |
Heidelberg dargebracht. 1886. '
Verh. d. naturh. Ver. d. preuss. Bheinl. 48. Jahrg. (5. F. 3. Jahrg.) 1. Hälfte. \
VierteUahresber. d. naturf. Ges. in Zürich. 80. Jahrg., 31. Jahrg. 1. 2. i
Ganadian rec. of sc. Vol. II. No. 3, 4. |
Bull, of the Calif. acad. of sc. No. 4. S.-Francisco 86. 8. i
Proc. of the acad. of nat. sc. of Philad. 1885. P. IH; 1886. P. I, U. \
Annual rep. of the boards. of reg. of the Smiths, inst, for 1884.
Bull, de la soc. imp. des nat. de Moscou. 1885. No. 2. 1886. No. 1.
Nouy. m^m. de la soc. imp. des nat. de Moscou. T. 15. livr. 4.
Anales dal museo nac. de Buenos-Ayres. 14. Bd.
Atti della soc. ital. di sc. nat. Vol. 28. fasc. l — 4.
Proceed. of the American acad. etc. N. S. Vol. XIII. P. 2.
Ber. d. naturw.-med. Ver. in Innsbruck. XV. Jahrg.
Peabodj acad. of sc. 18. annual rep. — Mem. VoL n.
Bull, of the Buffalo soc. of nat sc. Vol V. No. 1.
Schriften d. naturw. Ver. für Schleswig-Holstein. VI. 2,
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9a
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11.
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14.
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Aa 240.
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242.
Aa
243.
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Aa
248.
Aa
251.
67
Ball, della soc. Yeneto-Trentiiia di sc. nat. T. III. No. 4.
Jahrb. d. ungar. Karpathenver. 13. Jahrg.
Boll. della soc. adriat. di sc. nat. in Trieste. 9. Bd. No. 1, 2.
Ber. über d. Yerbandl. d. K. S. Ges. d. Wiss. in Leipzig. Math.-
phys. Cl. 1886. I— IV; Sitzungsber. 12. Jahrg.
Boll. de la acad. nac. d. c. T. VIII. £. 4. Cordoba 86. 8.
Atti della soc. Tose, di sc. nat. Vol. V. 2./3., 4./7. 1886.
Arcbives da müs^e Teyler. S. ü. Vol. IL P. 4.
Fondation Teyler. Catalogue de la bibl. 8., 4. Lief.
Ball, de la soc. d'agric. etc. de la Sarthe. II. S. 22. T. 3. Fase.
Proc. of the Canadian instit. 3. S. Vol. 8. Heft 4. Vol. 4. Heft 1.
Atti della R acad. dei Lincei. Kendiconti. 4. Ser. II. VoL Sitzungsber.
1—14. 2. Sem. 1—8
Atti della R. acad. del Lincei. Memorie. 3.S. 18., 19. Vol. 4. S. 2. Vol.
Anales de la soc. cient. arg. Buenos-Ayres. T. 21. H. 3—6. T. 22. H. 1 — 3.
XII. Jahresber. d. Qewerbeschule zu Bistritz i. Siebenb.
Proc. of the royal soc. No. 242—245.
Science observer. Vol. V. No. 1. Boston 86. -8.
Bericht, 82. u. 33., d. Ver. f. Naturk. zu Kassel.
TromsO Museums Aarsberetning for 1885.
„ „ Aarshefter. IX.
Bull, de la soc. vaudoise etc. 3. Ser. 22. Vol. No. 94.
Den Norsko Nordhavs - Exped. 1876 — 78. XV. ZooL Crustac. IL
Christiania 86. 4.
Aa 253. M^m. de la soc. des sc. phys. etc. de Bordeaux. 3. S. U. T. 1. Heft.
,, „ 1. App. du T. 11: Bapp. sur les orages de 1883, par M. Lespiault.
n n "* -"-PP» » n »i v >i n » n löo4, „ „ „
Aa 254. Iditth. d. naturf. Ges. in Bern. 1885. UI. Heft.
Aa 256. Schriften der neuruss. Ges. in Odessa. Bd. X. H. 2., Bd. XI. H. 1.
Aa 257. Archiv, n^erl. des sc. ex. et nat. T. 20. Lief. 5. T. 21. Lief. 1.
Aa 268. Transactions of the New-York acad. of sc. Vol. V. No. 2—6.
Aa 261. Mitth. d. Thurg. naturf. Ges. 7. Heft.
Aa 266. Sitzungsber. d. Ges. z. Bef. d. ges. Naturw. zu Marburg. Jahrg. 84/85.
Aa 277. 8. Jahresheft d« naturw. Ver. zu Trencsen.
Aa 278. John Hopkins univ. circ. Vol. V. .No. 50 — 53.
Aa 279. Jahresber. d. Vorst. d. naturh. Mus. in Lübeck für 1885.
Aa 280. Annalen d. E. K. naturh. Hofmuseums. Bd. L No. 2 — 4.
Aa 282. Monatl. Mitth. d. naturw. Ver. d. Begierungsbez. Frankf. a. 0. in. Bd. ;
IV. Bd. No. 2—5.
Aa 283. Proc. of the American philos. soc. No. 96—123.
„ „ 8 lists of surviving members. Begister of papers, pubL by. . . . — Laws
and regul. *
„ ,, Mem. of G. Word, Proc. of the dinner, oomm. of the 100. Anniv.
Aa 284. Naturk. Ttjdschrift voor NederL Indie. 45. T. 8. Ser. 3. Abth.
Aa 285. Journal of the Trenton nat h. soc. Vol I. No. 1.
Aa 286. Verh. d. wissensch. Ver. in Santjago. 3. HefL
Aa 287. Actes de la soc. helvöt. des sc. nat 68. sess. Gompte rendu 84/85.
Ab 78. Senoner, Cenni Bibliographici. 1886.
Ba 6. Gorrespondenzbl d« naturw. Ver. zu Begensburg. 89. Jahrg.
Ba 14. Bull, of the Mus. of comp. Zool. Vol. Xn. No. 5, 6; VoLXUI. No. L
Ba
17.
Ba
20.
Ba
24.
Ba
25.
Bd
1.
fif
57.
Bk
9.
Bk
193.
Bk
222.
Bk
224.
Bm
62.
Ca
10.
Ca
11.
Ca
16.
Ca
17b.
Ca
18.
Ca
19.
Ca
20.
Cd
93.
Cd
94.
Cd
95.
Cd
96.
Cd
97.
Cc
29.
Cf
27.
Cf
29.
Cf
30.
Cg
32.
Da
1.
Da
3.
Da
4.
Da
7.
Da
9.
Da
11.
Da
16.
Da
17.
Da
20.
Da
21.
Da
21.
Da
21.
Da
23.
Da
24.
Da
24.
68
Acta soc. pro flora et fanna fennica. II. Vol. 84/85.
Meddelanden af soc. pro fl. et fauna fennica. 12. 13. Heft.
Bull, de la soc. zool. de France. 10. Jahrg. No.4— 8. 11. Jahrg. No. 1 — 4.
John Hopkins univ.; biol. labr. Vol. III. No. 7. 8.
Miltheil. d. Anthropolog. Ges. in Wien. XV. Bd. 2., 8. Heft
Zeitschrift des omith. Ver. Stettin. Jahrg. 5. Heft 7. 10—12.
Entom. Zeitschr., deutsche. 29. Jahrg., 2. H.; 30. Jahrg., 1. Heft.
Bul. della soc. entom. ital. 1886. Jan. bis Sept.
Mitth. d. Schweiz, entomol. Ges. VoL VII. No. 5. 6.
Soc. entom. de France. S^ance du 23. juin 86.
Daday, E. MorphoL-physiol. Beitr. zur Kenntniss der Hexarthra poljp-
tera. Budapest 86. 4.
Acta horti petropolitani. T. IX, 2.
Bte. des mem. et des trav. pubL par la soc. bot. de Luxembouig.
No. XI, 1885/86.
Bull, de la soc. roy. de bot. de Belg. 25. Bd. 1. Heft.
Irmischia. Thür. bot Zeitschr. 1886. 1—4.
Eevue de bot. T. IV. No. 46—48.
Notarisia comment. phjcol. Anno I. No. 1. 2.
Ber. d. deutsch, bot Ges. III. Jahrg. 1. 8. 6. 7—11 u. „Generalvers.
in Strassburg." IV. Jahrg. 1—5. 7. 8. 11.
Eihhnann, 6. Beob. über periodische Erscheinungen des Pflanzenlebens
in Finnland. Helsingfors 86. 4.
Criö, L. Essai sur la y6g6t, de Farchipel Chausey. Caen. 77. 8.
„ „ Contrib. ä la flore cryptog. de la presquile de Banks.
Paris 81. 4.
Cri^, L. ;B^y. de la flore des Malouines (Falkland). Paris 78. 4.
„ „ Becherches sur les Pyrönomycetes des iles St Paul et
Amsterdam. Paris 79. 4.
Hazslinszky, F. Flora Muscorum Hungariae. Budapest 85. 8.
Geheeb, A. Bryolog. Fragm. S. A. aus „Flora" 1886. No. 22.
Jack, J. B. Die europ. Badula-Arten. S. A. 81. 8.
Jack, J. B. Monogr. der Lebermoosgatt. Physiotnm. S. A. 86. 8.
Criä, L. Sur le polymorphisme floral du Lychnis dioica. Paris 84. 4.
Abb. d. K. K. geol. Beichsanst Bd. XII. No. 1. 2. 3.
E. com. geoL dltalia. Vol. XVH. No. 3—8.
Jahrb. d. E. K geol. Beichsanstalt 36. Bd. 2.^ 3. Heft.
Journal of the royal geol. soc. of Ireland. Vol. XVII. F. 1.
(N. s. Vol. vn. P 1.)
Mem. of the geol. survey of India. Pal. Ind. Ser. X. VoL HL P. 7, 8.
Eec. of the geol. survey of India. VoL XIX. P. 3. 4.
Verh.*d. K. K, geol. Beichsanst VoL V. 8. 9.; VoL VI. 1. 5—12.
Zeitschr. d. deutschen geoL Ges. 38. Bd. 1—3. Heft.
Transact of the Manch. geoL soc. VoL 18. P. 20.; VoL 19. P. 1.
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M4m. du com. g^ol. de St. Petersbourg. VoL L No. 4.; VoL IL No. 3.
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Freiberg. Freiberg 86. 8.
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De 193. Liebe, K. und £. Zimmermann. Jüngere Erupt.-Gest im SW. Ost-
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u. Sachs. Prag 86. 8.
Dd 121. Bruder^ G. Neue Beitr. zur Eenntn. der Juraabi im nördl. Böhmen. 11. S. A.
Dd 122. Wildhahn, J. Die foss. Vogelknochen der Odessaer Steppenkalkstein-
brüche. Odessa 86. 4.
Dd 123. Ball, Y. Scientific res. of the sec. Yarkand mission. London 86. 4.
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Ea 88. American Journal of Math. Vol. VIII. No. 3. 4; Vol. IX. No. 1.
Ee 2. Bollettino mens. VI. 3—8. Moncaüeri 86. 4.
Ec 66. Meteorol. Zeitschr. 3. Jahrgang. 7^11.
Ee 69. Hegyfoky, E. Die meteorol. Verb, des Monats Mai 1886 in Ungarn.
Budapest 86. 4.
Ed 60. American ehem. Journal. Bd. YIII. No. 3—5.
Ed 63, Baspe, E. Frauenmilch u. künstl. Ernährung der Säuglinge. S. A. 86. 8.
Ed 64. Ghyzer, G. Les eaux min^rales de la Hongrie. S. A. Uihely 85. 8.
Ed 65. Läszlö, E. D. Ghem. und mech. Anal. ung. Thone. Budapest 86. 8.
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Fa 7. MItth. d. E. E. geogr. Ges. in Wien. 28. Bd.
Fa 9. 44. Ber. über das Museum Francisco-Carol.; nebst 38. Lief, der Beitr.
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Fa 21. Ver. f. hess. Gesch. u. Landeskunde. Zeitschr. dess. N. F. IX., Suppl.; XI.
Fa 25. Bull, of the American geogr. soa 1882, 6; 1883, 7; 1884, 5; 1886, 1.
Fb 125. John Hopkins univ.; bist, and politic. sc. 4. Ser. 6 — 10.
G 5. Mitth. d. Freiberger Alterthumsver. 22. Heft. 1885.
G 54. Bull, di Paletnol. Ital. Ser. ü. T. II. No. 5—10.
G 55. Verb. d. Berliner Ges. für Anthropologie etc. 16./!., 30./1., 20./2.,
27./2., 20./3., 17./4., 15./5. 1886.
G 71. Pamätky, archaeologick^ a Mistopisnä etc. Bd, XIII. Heft 4—6.
G 75. Neues Archiv für sächs. Geschichte u. Alterthumskunde. VII. Bd.3., 4. Heft.
G 90. L'homme. Journal illustr^. 8. Ann^. No. 1—7. 9—12.
G 106. Steenstrup, J. J. Ejökken-Möddinger. Eopenh. 86. 8.
70
G 107. Hermann, 0. Ungar. Landesaasstellang. Urgescb. Sparen in Geräthen
der Ungar, volksthüml. Fischerei. Budapest 85. 8.
Ha 9. Mitth. d. Okon. Ges. im E^nigr. Sachsen. 1885/86. Nebst Nachtrag 5
zum Katalog.
Landwirthsch. Versuchsstat. Bd. 33. H. 1 — 5.
Bericht über das Yeterinärwesen im KOnigr. Sachsen. 30. Jahrg.
Bull, de la stat. agr. k Gemblonx. No. 36. Gemblonx 1886.
American Journal of Philol. Vol. VH, 1. 2.
Morse, E. Ancient and modern methods of Arrow-release. Salem,
Mass. 85. 8.
Liste alphab. de la corresp. de Chr. Hujgens publ. par la soc. hoU.
des sc. ä Harlem. Harlem 86. 4.
Programm des Kgl. Polytechn. zu Dresden für 1886/87.
Heller, J. Katalog der Bibl! d. Kgl. nngar. naturw. Ges. Heft II.
85. Verslag v. h. naturk. Gen. Groningen over 1885. 8.
Naturae novit. 1886. No. 13, 14.
Ha
20.
Ha
26.
Hb
75.
la
64.
la
69.
Ib
62.
Ic
63.
Ic
73.
Ic
80.
Id
60.
Für die Bibliothek der Gesellschaft Isis wurden
im Jahre 1886 an Büchern und Zeitschriften
angekauft:
Aa 9. Abb., herausgeg. v. d. Senckenberg'schen naturf. Ges. 14. Bd. I. Heft.
Frankfurt a. M. 86. 4.
Aa 98. Zeitschr. für die ges. Naturw. Bd. 58. H. 5. 6; Bd. 59. H. 1—3.
Aa 102. Annais and mag. of nat. bist. No. 97 — 107.
Aa 107. Nature. 844—892.
Ba 10. Zeitschr. für wissensch. Zoologie. 43. Bd. 1—4; 44. Bd. 1 — 3.
Ba 21. Zool. Anzeiger. 213—239.
Ba 23. Zool. Jahresb. für 1885. Herausgeg. v. d. Zool. Stat. in Neapel
la Abth. Berlin 86. 8.
Bb 54. Bronn, Classen des Thierreichs. 6. Bd. 3. Abth. 50.— 56. Lief.
Ca 2. Hedwigia. 25. Bd. 1—5.
Ca 8. Jahrb. für wissensch. Botanik. Bd. 16. H. 4; Bd. 17. 1—3.
Ca 8. Bot. Zeitschr, östr. 26. Jahrg. 1—12.
Ca 9. Botanische Zeitung. 44. Jahrg. 1—33. 35—49.
Ee 2. Journal of microsc. science. N. S. 99 — 106.
Fa 5. Jahrb. des Schweizer Alpenclub. XXI. Jahrg.
„ „ Beilagen zum Jahrb., 21. Bd.
f, „ Bepertoriiim u. Ortsreg. für die Jahrg. I— XX.
G 1. Anzeiger für Schweizer Alterth. 1886. 1—4.
G 91. Antiqua. 1886. 1—12.
Ha 1. Archiv für Pharm. 1886, 1—22. Gesammt-Beg. für 1858—73.
Dr. H. Hofmann,
z. Z. L Bibliothekar d. Ges.
Abhandlungen
der
naturwissenschaftliclien Gesellschaft
in Dresden.
1886.
43
TU. Die Flora von Leipzig.
Von Dr. K, Beiohe.
Die meisten der sächsischen Floristen haben sich darauf beschränkt,
Pflanzencataloge der von ihnen durchforschten Gegenden zu geben', unter
Hinzttfogung des Grades der Häufigkeit, in welcher die einzehien Formen
sich finden. Eine solche Arbeit kann aber, so verdienstlich sie auch immer
ist, doch nur Mittel zum Zweck sein. Eine Localflora, und ist sie auch
noch so reich, ist nicht sowohl an sich interessant, sondern vielmehr durch
ihre Beziehungen zu den Floren grösserer Gebiete, und eben die Klar-
legung dieser Beziehungen, sowie des besonderen Ausdrucks, welchen sie
imter den klimatischen und geognostischen Einflüssen des Gebietes gewinnen,
— das ist jener Zweck, zu dessen Erreichung die Pflanzencataloge die un-
imigängliche Grundlage abgeben. In einem solchen Gatalog stehen die ein-
zehien Arten wie die Buchstaben im Alphabet, gleichwerthig neben einander;
dagegen in einer auf pflanzengeographischer Basis gegebenen Darstellung
heben sich einzelne Gruppen charakteristischer Gtewächse heraus, welche
durch die Uebereinstimmung ihrer Hauptverbreitungsgebiete und ihrer Vege-
tationslinien gekennzeichnet, einen Einblick in die Entwickelung jener Flora
gewähren.
Von diesen Gesichtspunkten aus haben Grisebach, Focke, Low, Uechtritz
u. a. die Vegetation grösserer Theile Deutschlands behandelt. Sachsen imd
Thüringen gehören nicht zu denselben, obwohl sie durch ihre centrale Lage
im Innern Deutschlands sehr geeignet dazu wären. Sie sind zu den pflanzen-
reichsten Strichen Deutschlands zu rechnen, und dieser Beichthum der Flora
wird durch die grosse Anzahl von Arten bedingt, deren Vegetations-
linien das sächsisch-thüringische Gebiet schneiden. Ein maimichfaltig zu-
sammengesetzter geologischer Untergrund, sowie die reiche Abwechselung
schattiger und sonniger, trockener und feuchter Standorte, — durch das
im Vergleich zu den nordwestlich, nördlich und nordöstlich angrenzenden
Gegenden sehr gegliederte Gtebiet hervorgerufen — alles dies schafft die Lebens-
bedingungen für eine artenreiche Flora. Freilich sind noch viele Vorarbeiten
im Einzelnen nöthig, ehe an ein zusammenfassendes pflanzenphysiognomisches .
und pflanzengeographisches Gemälde jener Gegenden gedacht werden kann.
Um so mehr Berechtigung hat dann aber auch die floristische Behandlung
eines kleineren , jenem grösseren als Theil zugehörigen Gebietes, weil sie
gewissermassen einen Baustein am ganzen VtTerke darstellt.
Ich wähle die Flora von Leipzig, um sie im angedeuteten Sinne zu
zergliedern. Zuerst mag uns die allgemeine Physiognomie der dortigen
Flora beschäftigen, alsdann wollen wir, soweit möglich, ihre Herkunft und
Entwickelung untidrsuchen. Im ersteren Falle werden wir uns mit den
G$$. Itia in Dr$9dsM, 18BQ. — Abh. 7. 3*
44
häufigeren und ansehnlicheren Gewächsen zu beschäftigen haben, im letzteren
aber auch den botanischen Seltenheiten unsere Au&ierksamkeit schenken
müssen.
Unser Gebiet — seine Grösse möge durch einen Radius von ca. 12 km
vom Stadtcentrum aus bestimmt werden — stellt, zumal in seinen nörd-
lichen und östlichen Theilen, eine vollkommene Ebene dar. Denn einmal
haben die Gletscher in der Glacialperiode wie mit ungeheurem Hobel das
Land geebnet, und dann haben die horizontal erfolgenden Absätze aus den
zahlreich vorhandenen Wasserläufen an der Modellirung der Ebene weiter
gearbeitet. Felsgestein tritt nur bei Kleinzschocher zu Tage ; es ist die zur
nordsächsischen G^birgsfalte gehörige Grauwacke; die nächsten Pelsbildungen
sind erst im MuldenÜial bei Grimma, also jenseits der Südgrenze . des Ge-
bietes anzutreffen. Indess ist doch das Land nicht ohne alle Höhenzüge;
nach Nordosten, nach Taucha zu umsäumen flache Kuppen den Horizont ;
sie sind nach Form imd Structur als Rückzugsmoränen des Inlandeises zu
betrachten; ebenfalls eine Diluvialbüdung ist der im Nordwest sich er-,
hebende Sandberg ; sein nördliches Ende, der Bienitz, wird uns noch aus-
führlich beschäftigen. Wie nach dem Vorstehenden zu erwarten, setzen
zwei Bodenarten die Oberfläche des Gebietes zusammen; die eine besteht
aus den Alluvionen der Elster, Pleisse und Parthe, sowie deren Canäle
und Altwässer, und wird als Aulehm bezeichnet ; die andere ist diluvialen
Ursprungs und wird aus Geschiebelehm, Sauden und Löss zusammengesetzt
Er ist wegen seiner Fruchtbarkeit ein guter Ackerboden; die Flussauen
dagegen sind meist bewaldet oder stellen ausgedehnte Wiesengründe dar;
zum Zweck der Entwerfung eines Vegetationsbüdes kommen daher die letz-
teren mehr in Betracht als der von Culturpflanzen besetzte erstere.
Was nun zunächst die Wälder betrifPt, so sind sie, wenigstens in den
Flussauen, nur aus Laubholz zusammengesetzt Yor allen anderen Bäumen
dominirt die Eiche, oftmals in gewaltigen Stämmen mit breiten Kronen
entwickelt; doch tritt sie nicht in reinen Beständen auf, sondern ist mit
Hainbuchen (Carpinus)^ Spitzahorn, Ulmen und einzelnen Buchen ver-
gesellschaftet. Charakteristisch ist das Unterholz, welches sich in dieser
Zusammensetzung innerhalb Sachsens nur um Leipzig und Meissen ent-
wickelt findet, insofern nämlich neben den in der Ebene allgemein ver-
breiteten Acer campestre, Gorylus, Crataegus sich Ligustrum vulgare und
Gornus alba in grösseren Mengen finden. Beide letztgenannte Sträucher
sind durch ihre weissen Blüthenstände ein Schmuck zahlreicher Wald-
ränder. Seltener sind wilde Apfel-, Birn- und Mispelbüsche; vereinzelt
kommen auch Johannisbeersträucher (unstreitig wild) vor. Zahlreiche Weiden-
Arten stellen sich zumal in der Nähe der Wasserläufe ein.
Zwischen den Stämmen der Bäume und Sträucher spriesst nun eine
bunte Flora von Kräutern empor; verfolgen wir ihre Entwickelung vom
Frühling bis zum Herbst Kaum ist der Boden aufgethaut, so heben sich
die grünen Spitzen der massenhaft vorhandenen Let^comm-Blätter empor;
ihnen folgt alsbald das zarte Grün des Ällium ursinum, sowie das kräftigere
Blattwerk des Ärum maculatum; zumal die breiten Ällium-BlMeT geben
dem Walde ein überaus freundliches Ansehen. Wenn anderorts aus der
Schicht halbvermoderten Laubes, welche den Boden bedeckt, kaum ein
Hähnchen hervorspriesst, prangt der Boden der Leipziger Auenwälder schon
in frischem Grim. Ihm verleihen im März und April die weissen Schnee-
45
glöckchen, darauf die blaurotben oder gelblich weissen Blüthentrauben der
Carydaiis cava, Lathyrus vemus, Pultnonaria, Oagea, Ficaria, Adoxa
sowie Anemonen und Primeln angenehme Abwechselung; alle diese Ge-
wächse überragt das schwankende Oehälm des Milium ejfpusum. Im Mai
erschliessen Convedlaria, Polygonatum muUifiarum, Paris, Euphorbia dulcis,
Cardamine impatiens und die seltenere C. silvatica ihre Kronen; der Aron-
stab entfaltet aaine grünlichen Scheiden; Viola hirta, canina^ silvatica,
an Waldrändern auch die sehr seltene F. persicifolia kommen zur Blüthe,
den Charakter der Vegetation aber bestimmend ist Allium ursinum mit
MilUonen von weissen Blüthenstemen*) ; es kann für die Leipziger Auen-
wälder als getreuestes Wahrzeichen gelten. Wilde Tulpen sind nicht gerade
selten, kommen aber wenig zur Blüttie. Der Juni bringt Äegopodium poda-
graria, Qeum urbanum, ÄUium scorodoprasum, AUiaria, Veronica
chamaedrys, V. morUana und Carex silvatica, muricata, remota zur Ent-
wickelung. Im Juli kommen Lappa major, Dipsacus püosus und Silvester,
Circaea lutetiana, AngeUca, Hypericum hirsutum hinzu, alle aber nur an
Waldrändern und lichten Stellen. Denn im Laufe des Sommers hat sich
ein so dichtes Laubdach entfaltet, dass an manchen Stellen selbst am Mittag
nur ein grtines Dämmerlicht herrscht Dann ist der Waldboden überhaupt
nicht mehr von blühenden Pflanzen besetzt ; Allium ursinum reift daselbst
seine Kapseln und hier und da schauen die korallenrothen Beeren des
Arum hervor.
Etwas anders gestaltet sich das VegetationsbUd, wo Lachen und Alt-
wässer im Boden sich finden. Zu den vorstehend genannten Gewächsen
tritt jetzt noch (Jarduus crispus hinzu, welche ofibnals untermischt mit
Chaerophyllum bulbosum imd Lappa officincdis zu wahren Dickichten
zusammenschliesst — Da der Laubwald stets gemischten Bestand aufweist,
so giebt er im Herbst beim Eintritt der Laubverfärbung ein wechselvoUes,
farbenprächtiges Bild; so kommt es, dass die Leipziger Auenwälder im
Frühling und Herbst ihre grösste Annehmlichkeit entfalten, während sie
im Hochsommer einförmig genannt werden müssen.
Weil die Auenwälder dem XJeberschwenmiungsgebiet der Elster und
Pleisse angehören — und thatsächlich oft auf weite Strecken überfluthet
werden — so können Nadelbäume auf solchem Boden nicht wohl gedeihen,
da Fichte und Kiefer zwar feuchten Untergrund nicht unter allen Um-
ständen meiden, aber doch gegen ungleichmässige Befeuchtimg empfindlich
sind. Einzelne Fichtenpflanzungen von geringer Grösse und noch geringerer
Schönheit sind übrigens an geeigneten Orten vorhanden. — Grössere Nadel-
wälder finden sich demgemäss in den trockneren und höher gelegenen
Diluvial-Districten, zumid an der Südgrenze des Gebietes, wo sie mit den
ausgedehnten Waldflächen der Hubertusbuiger und Wurzener Gegend in
Zusammenhang stehen; so das üniveisitätsholz bei liebertwolkwitz. Der
Botaniker findet (oder fand) hier mehrere Formen, die im Vorgebirge und
Gebirge verbreitet sind, in der Leipziger Ebene aber uns etwas fremdartig
anmuüien: Daphne, Orobus montanus, Hepatica; als Seltenheit ist Pirola
umbetkUa zu nennen, welche mit andern P»ro2a-Arten sich daselbst finden
soll. Ein Theil dieser Standorte steht mit den zahlreicheren in den ge-
*) Kommt im übrigen Sachsen und Thüringen nur sehr zeistrent vor ; innerhalb
Sachsens : Meissen — Rabenaner Grund — Zwickau ^ Rochsburg.
46
birgigeren Gegenden Sachsens unstreitig durch das Muldenthal in Beziehung^
in welchem sogar Spiraea aruncus, Sambucus racemosa, Thalictrum aqui-
iegifolium und Chrysosplenium ojppasüifoUum bis Grimma, z. Th. bis Würzen
herabgehen. TJebrigens finden solche der Ebene sonst fehlende Formen
in den moosigen, stets kühlen Nadelwäldern die geeignetsten Existenz-
bedingungen. — In der Nähe von Zwenkau dehnt sich die Harth aus,
ebenfalls ein grosser, wenn auch nicht ausschliesslicher JÜbdelholzbestand
(Teucrium scorodonia, MeliUis, Anihericum UUago). Der Südrand eines
kleinen, gegenwärtig botanisch uninteressanten Nadelwaldes bei lindenthal
(an der sächsisch-preussischen Greoze) ist dicht mit Sarothamnus besetzt,
einer Pflanze, die um Leipzig selten, sonst im niederen Theile Sachsens
auf Anhöhen und Felsen ziemlich verbreitet, strichweise gemein ist
Die Wiesen, deren Vegetation wir nunmehr in Betracht ziehen, können
wir kürzer behandeln. Sie tragen, wie das in der Umgebung der Gross-
stadt nicht anders der Fall sein kann, das Gepräge eines Kunstproductes.
Drainage und Düngung haben die ursprüngliche Flora z. Th. zurückgedrängt,
doch sind immerhin noch einige die Leipziger Vegetation kennzeichnende
Arten vorhanden. Yor allem das stattliche Peiicedanum officindle, dessen
zierliches Blattwerk schon im Mai einen wesentlichen Schmuck zahlreiche
Auenwiesen bildet; dann Süaus pratensis^ der in ganz Sachsen nicht so
häufig gefunden wird als um Leipzig und mit seinen bleichgelben Dolden
local den Vegetationscharakter bestimmt; ferner Viola pratensis in vielen
Formen und Kreuzungen mit anderen Veilchen, Serratula tinctoria, Picris
hieracioides und auf sumpfigem Boden Senecio aquaticus; auch Qaiium
boreale ist auf manchen Wiesen recht häufig. Diese eben aufgezählten
Arten dürfen als die Charakterpflanzen der Leipziger Wiesen bezeichnet
werden, wie Leucoium, Ärum und Allium ursinum als die des Waldes.
Von einer Aufzählung der die Wiesen zusammensetzenden Gräser kann
hier abgesehen werden, da besonders charakteristische Arten sich im Gebiet
nicht finden. — Dort, wo die Flüsse die Aue durchschneiden, findet sich
an den Böschungen hier imd da A^ter saUgnus in meterhohen Büschen;
er ist in Sachsen um Leipzig am häufigsten. Durch die im Frühling und
Herbst sehr angeschwollenen Flüsse werden der Flora auch zwei echte
Gebirgspflanzen zugeführt: Thlaspi alpestre habe ich im Rosenthal und
bei Eilenburg gefunden; dort tritt es massenhaft auf mit Arabis HaUeri,
welche im Mai mit ihren zahllosen weissen Blüthen die Physiognomie der
Flora bestimmt. — Die zahlreichen früher vorhandenen Sumpfwiesen
boten Orchis laxiflora (~ palustris) dem Botaniker als willkommene Beute;
jetzt scheint diese schöne Orchidee sehr selten geworden, wenn nicht ganz
ausgestorben zu sein; das Gleiche dürfte von Lysimachia thyrsiflora und
Banunculus lingua gelten, wenigstens für die nähere Umgebung der
Stadt Abgesehen von den grösseren später zu behandelnden Sumpfflächen
am Bienitz sind gegenwärtig noch namhaftere Sümpfe in der Richtung
nach Würzen bei Polenz und Ammeishain anzutreffen; Aspidium Thelyp-
teris, Teucrium scordium, Drosera rotundifolia, Bhynchospora alba, Spar-
ganium naianSf Banunculus reptans, Oenanthe fistuhsa, Potamogeton
pusilhis, Utricularia vulgaris, Carex stellulaia, C rostrata dürften die
jetzige Flora charakterisiren.
In noch höherem Grade als die Sumpf vegetation ist die der Gewässer
eingeengt worden. Leipzig hatte früher eine der interessantesten Wasser-
47
floren, weldie der von Moritzbuig-Laosa katun nachgestanden haben würde;
jetzt ist sie sehr vermindert Da, wo gegenwärtig das neue Gewandhaus
sich erhebt, lagen früher ausgedehnte Teiche, welche auf jeder Karte des
Kriegssdiauplatzes von 1813 nodi zu sehen sind; sie sind bis auf den
stark verkleinerten Teich in Schimmels Gut verschwunden, die letzten
Lachen in diesem Sommer (1886) zugeschüttet worden. Femer waren die
G^enden am Flossplatz, der Brandvorwerkstrasse, zwischen Gonnewitz
und Probstfaaida, zwischen lindenau und Fl^witz, bei lindenthal durch
grosse Teiche ausgezeichnet In früheren Jahrhunderten war die Gegend
des Zusammenflusses von Elster und Parthe ein tiefer Sumpf, das heutige
Bosenthal eine morastige Bossweide. Die grossen Wasserflächen, sowie die
ausgedehnten Laubwälder bedingten und bedingen noch heute einen ent-
schiedenen B^nüberschuss gegenüber naheliegenden Stationen*); ein
etwaiger Einfluss auf die Temperaturverhältnisse würde in den phänolo-
gischen Beobachtungen zu Tage treten; sie sollen hier wegen Mangels an
hinreichendem statistischen Material unerörtert bleiben. — Die langsam
fliessenden, bei niedrigem Wasserstand scheinbar stagnirenden Flüsse bieten
günstige Wohnorte für Wasserpflanzen. Als deren häufigste, nunmehr aber
ädierlidi ganz verschwundene ist Trapa natans zu bezeichnen, ein
Gewächs, welches innerhalb Deutschlands im mittleren Eibgebiet verbreitet
und daselbst schon während der Oligocänzeit*'*') heimisch gewesen ist.
Bemeikenswerth ist das Auftreten des südeuropäischen, wohl aus dem bo-
tanischen Garten versdüeppten Lemna arrhiaa. Die Gattung Potamogetonwsi
reichlich, Matine, CeratcphyUum, Myrwphyllum und Batrachium voll-
zählig vertreten (d. h. in allen innerhalb Sachsens vorkommenden Arten).
Ohara war durch mehrere Formen repräsentirt, Hippuris gehört dem west-
lichen Grenzgebiete an. Die jetzt noch vorhandene Wasserflora weist etwa
folgende Spedes in grösserer Menge auf. Nuphar ziert mit seinen gelben
Blttthen die zahlreichen Wasseranne in den Auenwäldern, oft mit Sium
laHfoUum und OenanÜie aqtAoiica vergesellschaftet; Oicuta virosa und
gewaltige Stauden von Bumex aquaücus, oft mit Leersia orygoides vereint,
umsäumen hier und da die Ufer; Hydrocharis ist eine häufige, HoUonia
eine etwas seltenere Zierde flacher Teiche und Gräben; MyriophylUim
spicatum (viel seltener M. veriiciüatum)^ sowie die seltsam gestaltete Lemna
trisulca überziehen kleine Wasserspiegel An manchen Orten hat sich ein
wahrer Dsohungelwald aus Ärundo, Typha, Sdrpm lacustris angesiedelt,
welchen Iris, Sagütaria, Sutamus, Nasturtium amphibium und JBarbarea
sirieta, sowie zahlreiche Epüobien und Bielgräser (besonders Carex vesicaria
und C. acuta) umsäumen. Veronica scuteUata ist eine häufige Bewohnerin
von* Gräben; Veronica longifolia tritt seltener auf. Lythrum Hyssopifolia
soll gleichfalls daselbst neuerdings gesammelt worden sein. Yon Potamo-
geton-ÄTti&a sind naians, crispus, lucens die häufigsten; von selteneren
sind mir nur compressus und obtusifolius zu Gesicht gekommen, wiewohl
weit mehrer angegeben werden. Helodea canadensis hat die günstigen
Wohnplätze reichlich besiedelt und sicherlich auch ihrerseits zur Yemich-
tung der heimischen Wasserflora beigetragen. Denn indem dieser nord-
*) 0. Birkner, über die NiedenchlagyerhUtnisse des Königreichs Sacheen. 1886
S. 8. Anmerk.
**) Beck, Das Oligoc&n von Mittweida mit besonderer Berücksichtigung seiner
Flora. Zeitschrift der deutsch, geolog. Gesellschaft. 1882.
^ 48
amerikanische Eindringling seichte Mass- und Teichnfer vom Orand bis zum
Wasserspiegel mit dem dichten Gewirr seiner zahllosen Stengel erftillt,
verdrängt er alle anderen weniger stark wuchernden Wasseipflaiusen.
Werfen wir nun noch einen Blick auf das cultivirte Land. Der oft-
mals ausserordentUch fruchtbare Boden macht Umfangreichen Weizenbau
erklärlich; Roggen ist ebenfalls viel vorhanden , wtit weniger Hafer und
Gerste. Buchweizen und Lupine sind nur selten angepflanzt Von Adcer-
Unkräutern mögen genannt sein Veronica triphyllus und Qagea arvensis,
welche nicht bis ins Yoigebiige hinangehen; local erscheinen Centuneulus,
Delphinium consoUda und Lepidium campestre. Gelegentlich beobachtet,
aber wohl nicht wirklich einheimisch sind Calendula arvensis, Chrys€u^
themum segetum, Specidaria specuium, Scandix pecten, Mdampyrum
arvense. Im Uebrigen herrscht auch um Leipzig die bunte Gesdlschaft
von Kornblumen, Mohn und Bade.
Die Schuttflora setzt sich, wenn wir von den durch ganz Sadisen ver-
breiteten Arten absehen, aus folgenden Formen zusammen: Hordeum
murinum, Ämaranius retroflexus, A. hlUum ; Chenopodium murale, apuU--
folium, vulvaria, hyhridum ; Parietaria officinalis (selten) ; Senebiera cor<h
nopus, Änthriscus vulgaris. Sie werden sämmtlich im Yoigebirge selten
und fehlen im Erzgebirge gänzlich.
So haben wir die Leipziger Vegetation in ihren Hauptzügen kennen ge-
lernt; allerdings die floristisda wichtigste Gegend, der Bienitz, wurde bisher
dabei unbeachtet gelassen und wird alsbald eingehendere Würdigung finden.
Jetzt aber wollen wir das Verhältniss der Leipziger Vloia zu der von
ganz Sachsen auf Grund des statistischen Materials untersuchen.
Lassen wir die Vegetation des an unser Gebiet im Westen sidi an«-
schliessenden salzhaltigen Bodens, die weit im Norden gelegene Dübener
Halde und die südwärts sich erstreckende Gegend von Gnmma ausser
Betracht ; und schliessen wir bei Begrenzung der sächsischen Mora die zu
Thüringen gehörenden Striche um Gera, Greiz, Weissenfeis aus, so dürften
von allen in Sachsen vorkommenden Genera sich 84^/o, von allen Spedes
aber 74 ^/q um Leipzig finden. Besonders reichlich sind (oder waren) ver-
treten die Bietgräser, Binsen, Najadeen, was nach der oben gegebenen
Schilderung des Bodens nicht wundem dürfte ; vollständig vorhanden (d. h.
in aUen in Sachsen vorkommenden Arten) sind die Salicineen; gut ent-
wickelt sind femer die Euphorbiaceen (JE. paluster nur im Gebiet), Dipsaceai,
Labiaten, Violaceen. Arm ist die Mora an Ericaceen ; mindestens sind die
betreffenden Arten (mit Ausnahme von CJaUuna vulgaris) nicht in grosserer
Häufigkeit zu finden. Die Gmciferen sind (mit Ausnahme von Arabis
Gerardi, Barharea striata und gelegentlich eingeschleppten Formen) auf die
allgemeiner verbreiteten Arten beschränkt; die kleine Familie der Empetreen
hat keinen Vertreter im Gebiet
Eine besondere Eigenthümlichkeit der Leipziger Flora besteht in dem
Eeichthom an Bastarden, welcher durch die bedeutende Lddividuenzahl
der zur Hybridisation neigenden Arten bedingt wird; Kuntze zählt 91
derselben auf; die Weiden, Cirsien, Violaceen, Anemonen, Geum-Arten,
auch einige Hieracien sind vorwiegend betheiligt Von Arten, die sich sonst
in Sachsen an manchen Orten in grösserer Menge finden, fehlen hier Pinr
49
guieula vulgaris, Lunaria rediviva and OmUhogalum umbeüatum. Sachen
wir nonmehr Namen und Heikonft*) deijenigen Fonnen kennen zu lernen,
welche insofern zu den interessantesten Gliedern der Leipziger Flora ge-
hören, als sie in Sachsen nur aus ihr bekannt sind; es sind folgende:
Juncus atratus, Äüium acutangulum, Euphorbia palustris, Pulmonaria
asurea, Scutellaria hastifolia, Asperula tinctoria, Scahiosa sua*
reolens, Campanula bononiensis, Pulicaria dysenterica, Senecio
paludosus, S. aquaticus, S, erucifolius, Cirsium bulbosum, Thrincia
hirta, Podospermum lacinicUum, Inula germanica, Thalictrum flavum,
Pulsatilla vulgaris, Arabis Oerardi, Viola persicifolia, Cnidium veno-
sum, Peucedanum offieinale, Laserpitium latifolium, Sagina apeUüa,
Alsine viscosa, Tdragonohbus süiquosus. Das Hauptverbreitungsgebiet
der gesperrt gedruckten Arten liegt im Süden und Südwesten Europas.
Für folgende, ebenfalls für Leipzig charakteristische Arten befindet es sich
im Osten Europas : Sonchus paluster, Malva rotundifolia, Tofieldia caly^
eulata, Viola uUginosa^ Ostericum palustre. Dem Norden Europas gehört
Carex ajpicatoSdbk. an; sie findet sich bei Potsdam und Spandau inPreussen
und erreicht bei Leipzig ihren südlichsten Standort Fassen wir auch
diejenigen Oewächse ins Auge, die ausserhalb des Leipziger Gtebietes in
grösserer oder geringerer Häufigkeit vorkommen, so wird die Zahl der dem
Süden, Südwesten und Südosten Europas angehörigen Formen noch viel
grösser. Die genannten Fflanzragemeinden treten an einer Stelle des Ge-
bietes mit einander auf und bedingen dort eine ebenso reiche als intern
essante Flora; zugleich gestattet der geologische Aufbau der betreffenden
G^nd, uns ein ziemlich klares Bild von der Entwickelungsgeschichte jener
Vegetation zu entwerfen ; diese Gegend aber ist der jedem Floristen hin-
länglich bekannte Bienitz. Die Flora seiner selbst und seiner Umgebungen
ist von Petennann zum Gegenstand einer kleinen Monographie'*^) gemacht
worden, welche nach einer topographischra Beschreibung des Gebietes ein
Yerzeichniss seiner Flora enthält Der Bienitz stellt den nördlichen Theil
einer ziemlich genau von Norden nach Süden verlaufenden, 8000 m langen
Bodenwelle dar**'^), deren Basis stellenweise kaum 400 m breit ist ; sie ist
in der Nähe von Bückmarsdorf gelegen und wird von der Leipzig-Merse-
buiger Landstrasse durchschnitten. Der Bücken besteht aus Geschiebesand,
seine Basis aus Geschiebelehm; seine höchste Erhebung steigt 30 m über
letztere empor. Trotz dieser geringen Höhe erscheint die Bodenwelle in*
folge der durchaus ebenen Umgebung als ein langgestreckter, hoher Wall,
zumal, wenn man ihn vom flachen Schwemmlande der Elster bei Dölzig
aus betrachtet Nur nordische Materialien bauen ihn auf. Ueber die Mäch-
tigkeit der betreffenden Schichten giebt ein Profil am Gasthaus zum Sand-
berg Aufschluss. Es werden dort 5,2 m Decksand von 10,2 m Geschiebe-
lehm unterlagert, welcher seinerseits auf diluvialem Elsterschotter aufliegt.
Der Bienitz selbst nun ist in seinem östlichen Flügel mit Nadelholz
bepflanzt ; der nach S und SW gerichtete Abhang ist mit Laubholz bestanden,
in welchem Eichengebüsch, local von hochstämmigen Birken überragt, die
Hauptrolle spielt Der Südrand besteht aus kurzgrasigen, sandigen Hügeln.
*) oonf. Gerndt, Gliedernng der deutBchen Flora. Zwickau 1876—77.
**S W. L. Petermann, Flora des Bienitz und seiner Umgebungen. Leipzig 1841.
***) Eriantenmgen zur geolog. Specialkarte des Kgr. Sachsen. Section Markran-
st&di Blatt 10, S. 28 ff.
50 _
Botanisch am werthTolIsten sind diese letzteren, der Südwestabhang (da-
selbst früher Intda hvrta und LaserpUium laUfolium; jetzt sicher ausgerottet),
sowie die sich nördlich und westlich anschliessenden Wiesen ; ihre Gharakter-
pilanzen sind auf weite Strecken die prächtigen TroUius europcieus und
Spiraea ßipendula. Die selteneren Orchideen, Gltidiolus päluster, Iris
sibirica waren früher metx hier vertreten als jetzt; auch einzelne Salz-
pflanzen treten auf, reichlich Tetragotwlobus, sehr sporadisch Samolus
Valerandi und Trighchin maritinms. Versudien wir jetzt, ein Bild von
der Entwickelungsgeschichte dieser interessanten Hora zu entwerfen.
Würden wir kartographisch die Thüringer Standorte von Änthericum sp.,
Inüla hirta, L germanica, La^etpitium latifoliüm, PidsatiUa vulgaris,
Thesium intermedium, GenUana crudata, Veronioa spicata, Peucedanum
cervaria, Pulmonaria agurea, Orchis milüdtis, PotenÜUa alba aufzeidmeo,
so würde dies Verbreitungsgebiet in den Leipziger Fimd^tten einen von
Weissenfeis*) sich nach NO hinziehenden Anhkngsel aufweisen; dieser aber
entspricht in seiner Richtung dem präglacialen Lauf der Saale**). Dies
ehemalige Bett der Saale lag höher ^s die heutige Elsteraue; seine
Schotter sind an den Muschelkalkstücken mit Terebratula deutlich nach-
weisbar. Durch die von diesen Schottern austretenden, mit Kalk belad^ien
Sickerwässer ist der Aulehm (das Alluvium) in Wiesenmergel umgewandelt
worden. Infolge seiner geringen Durchlässigkeit für Wasser führte er eine
Vertorfung der Vegetationsdecke und damit reichliche Moöräblagerung
herbei.
Auf diesem kalkreichen Boden haben sich die in Thüringen auf
Muschelkalk vorkommenden Pflanzen erhalten; es sind der Natur der
Sache nach genau die Bewohner der Berge des Saalthals, die zum Theil
sich hier wiederfinden. Die Rolle, welche jetzt die Elbe für die Vegetation
des mittleren Sachsens spielt, indem sie ihr Bürger der böhmischen Blora
zuführt, dieselbe Rolle spielte damals die Sarie für die westlich von
Leipzig gelegenen Gegenden. Denn die Abhänge von Mussthälem sind
beliebte Wanderstrassen für Pflanzen, auch wenn deren Wohnorte nidit
dem Ueberschwemmungsgebiete des Gewässers angehören. Freilich dürften
aber die aus Thüringen eingewanderten Formen nicht alle günstige Vege-
tationsbedingungen gefunden haben; so ist zwar noch in der Gegenwart
die zahlreiche Berge des Saalthals zierende Qenüana cruciata und Pew-
cedanum cervaria auf den Wiesen westlich vom Bienitz vorhanden, aber
die erstere kommt kaum noch zur Blüthe. Viele Arten der Saalthalflora
sind überhaupt durch ihre Bevorzugung felsiger Standorte von der Leipziger
Gegend ausgeschlossen gewesen, oder doch längst verschwunden. Indess,
günstig für die Erhaltung mancher Formen wirkten die trockenen Ab-
hänge am Bienitz, die aus feinem, kalkreichem Diluvialsande sich auf-
bauen; hier fanden z. B. Inula hirta, Pulsatüla vulgaris^ Pulmonaria
azurea, Thesium intermedium günstige Wohnplätze. Von den 17 Ge-
wächsen, welche Low***) als Charakterpflanzen seiner pannonischen Association
aufstellt, gehören jenen Saalthalpflanzen zwei an, nämlich die genannten
Thesium- und Jnwia-Arten. Ihre Fundorte sind demnach als weit vor-
*) conf. Starke, Botan. Wegweiser Ar WeissenfelB. Weissenfek 1886.
**) Erlftutemugen etc. S. 20.
•••) Low, Perioden und Wege ehemaliger Pflanasen-Wanderungen im nordd. Tief-
lande. Linnaea 42, 8. 596.
^1
geschobene Posten jenes auf der ^,Elbterras8e" (zwischen dem Thüringer
Walde und Harz) liegenden Verbreitungsgebiete anzusehen.
Im Gegensatz zu den eben behandelten G^ewächsen, welche mit Vor-
liebe troclrene, sonnige Standorte aufsuchen, wählen eine Anzahl anderer
ebenfalls für die Leipziger Flora charakteristisdier Arten feuchte Wiesen
und Gebüsche, wie sie um den Bienitz herum häufig sich finden. Es sind
Scutellaria hastifoUa, Pulicaria dysenterica, Senecio ctqtmticus, Cirsium
hulbosum, Onidium venosum, Peucedatium officinale, Viola persicifolia,
ThüUctrum flavum, Tetragonohbus süiqtwsus, Juncus airalus. Diese alle
sind im Gebiet der unteren Saale und der Eibgegend bei Magdeburg*)
häufig, werden saalaufwärts inuner seltener und treten im westlichen
Thüringen nur veranzelt oder gar nicht mehr auf. So haben wir auf den
Hügeln des Bienitz Sendboten aus der Vegetation der mittleren und
oberen, auf den Wiesen um den Bienitz herum solche aus der Flora der
unteren Saale. Letztere finden sich in der gesammten, zwischen Halle
und Leipzig sich hinziehenden Elsteraue, und ihre Einwanderung in die-
selbe braucht nicht in eine ferne Vergangenheit zurtickverlegt zu werden.
Es ist eine jedem sächsischen Floristen bekannte Thatsache, dass sich
einige Arten im Gebiet nur in der Eibgegend und um Leipzig finden.
Ausser den oben genannten Inula hirta imd Thesium intermedium gehören
hierzu Veronica spicata, Phyteuma orbiculare, Crepis foetida, Cr, prae-
morsUj Picris hieracioides, Geranium sanguineum, Qentiana cruclata,
Chrysanthemum eorymhosum, Peucedanum cervaria, Prunella grandi-
flora, Äsperula glauca, Melampyrum cristatum, PotenHUa alba,
Dipsacus pilosus^ Anthericum ramosum, Ä. lüiago, Sie finden sich
sämmtlich in Thüringen, unter den 68 Pflanzen der sonnigen Höhen des
Eibthals, in welchen Drude**) eine aus Böhmen eingewanderte südöstliche
Pflanzengenossenschaft erblickt , finden sich die im vorstehenden Verzeich-
niss gesperrt gedruckten Arten, — ausser zahlreichen anderen, deren An-
führung für die Zwecke vorliegender Abhandlung unnöthig war. Uebrigens
würde die Zahl der für die Leipziger und Elbthal-Flora gemeinschaftlichen
Formen noch grösser sein, wenn es um Leipzig sonnige, felsige Standorte
gäbe. Es erklärt sich also die theilweise üebereinstimmung beider Floren
aus den engen Beziehungen der Vegetation Böhmens und Thüringens,
welche beide Low***) als Verbreitungsgebiete südöstlicher Pflanzengenossen-
schaften bezeichnet. Aber nicht nur die Aelmlichkeiten, sondern auch die
Abweichungen der Pflanzendecken von Böhmen und Thüringen sprechen
sich in der Vegetation von Leipzig und dem Eibthal aus; um Leipzig
fehlen Symphytwm tuberosum und Cirsium canum, welche Thüringenf)
fremd sind; dagegen kommt im Elbthal Peucedanum officinale nicht vor,
welches in Böhmenff) nicht wächst.
Eine Eigenthümlidikeit der Flora des Bienitz besteht femer darin,
dass sie manche Arten enthält, die sonst vorwiegend im Gebirge vor-
*) L. Schneider, Gefässpflanzen des Florengebiets von Magdeburg, Bemburg
und Zerbst. Berlin 1877.
**) Drude, Die Vertheilung und ZuBammensetzung östlicher Pflanzengenossen-
scbafben in der Umgebung von Dreaden. Festschrift der „Isis** zu Dresden. 1885.
••♦) Low, 1. c. S. 622.
t) Vogel, Flora von Thüringen. 1876.
tt) Celakovskj, Prodromus der Flora von Böhmen. 1867.
52
kommen: Cr^is succisefoUay Centaurea phrygia (frühefr!), Hernnmum
monarchis und Orchis mascula, Ca/rex spicata dürfte wegen ihres Vor-
kommens auf diluvialem, aus nordischem Materiale stammenden Sande als
Belict einer Diluvialflora zu betrachten sein, eine Annahme, welche in den
heutigen Yerbreitungsverhältnissen dieser Art {resp. Varietät) eine Stutze
findet (siehe oben S. 49).
Schliesslich noch einige Worte über die Bürger der Leipziger Flora,
welche erst innerhalb der letzten Jahrzehnte in sie eingedrungen sind.
Der Hehdea canadensis wurde bereits gedacht; sie ist seit 1862
beobachtet Erigeron canadensis, QaUnsoga parviflära und Impatiens
parviflora sind hier und da, zumal das erstere, reichlich vorhanden.
Chrysanthemum suaveolens scheint erst in den letzten Jahren häufiger
geworden; in Kuntzes Mora (1867) ist sia noch nicht aufgeführt An
einer Stelle ist ülex europctetAs zahlreich angepflanzt L^idium Draba hat
auf seinem Siegeszug durch Sachsen auch Leipzig errdcht Zwischen
dem Thüringer und Berliner Bahnhof finden sich Sisymbrimm pannanicum,
Saivia verticUkUa, Atriplex roseum.
53
YIII. Einige regelmitosige Yerwaehsnngen des
Bothgiltenerzes.
Von A. FnrgoldL
Beim hellen wie beim dunkeln Rothgiltenerze (Proustit und Pyrargyrit)
gehören regelmässige Verwachsungen, Zwillingsbildungen, parallel einer
Fläche des ersten oder zweiten stumpferen Rhomboöders, bez. — 1 R =i= 0lT2
oder |R = 1014 zu den gewöhnlichen Vorkommnissen, wobei dann die
Hauptaxen der Individuen die Winkel von angenähert 49 <> 20' oder 26®
mit einander bilden. Seltener aber sind Verwachsungen mit gemein-
schaftlicher S[auptaxe, mit parallelen Hauptaxen, oder wo diese
unter Winkeln von etwa 9b^ und 85® zu einander geneigt sind, daher
denn Belegstücke für die letzteren drei Zwillingsgesetze eine Beschreibung
verdienen.
Proustit von Kurprinz bei Freiberg.
z = — |R = 0112;
1= |R3 =1234;
n=oQP2=1120.
ZwiUing nach OP = 0001.
Auf derbem, etwas drusigem Proustit, der mit Pyrit und Braunspath
verwachsen, sitzen niedrige Ki^rstallköpfe, die von den Flächen eines Rhom-
boeders und eines Skalenoöders gebildet werden. Die Rbomboederflächen
sind breit, glatt und glänzend, und indem sie die kürzeren Polkanten des
Skalenoöders gerade abstumpfen, werden sie seitlich von parallelen Kanten
begrenzt, nach unten aber durch eine starke horizontale Riefung, die auf
ein steileres Rhomboeder gleicher Stellung deutet; die Skalenoöderflächen
sind parallel den Combinationskanten mit dem Rhomboöder gestreift. Diese
Art der Combination, wie die physikalische Beschaffenheit der Flächen ge-
statten auch ohne Messung sie als dem ersten stumpferen Rhomboöder
— ^R = (0112) und dem Skalenoöder |R3 =b:(i*^) angehörig zu er-
achten, welche beide Formen ja am Proustit ganz gewöhnlich sind, so dass
nächst dem Skalenoeder R3 «= (1231), mit dem es horizontale Combina-
tionskanten bUdet, das Skalenoeder ^ R 3 = (12^) wohl zu den häufigsten
Q0$. I§ii üt Dr$9äin, 1886, — Abh. 8.
54
Skalenoedern der Species gehört Seitenflächen sind nicht sichtbar, der
hexagonale Umfang der Krystalle lässt aber das Deuteroprisma oo P2 =
(IfiSÖ) als Grenzgestalt annehmen. — Auf oder nahe dem Mittelpunkte jedes
dieser Kiystalle von 7 bis 8 mm Durchmesser ist ein etwa nur halb
so grosser Krystall angesetzt, der dieselben Flächen wie sein träger zeigt,
nur dass das Bhomboeder gegen das Skalenoeder ein wenig mehr zurüde-
tritt. Bemerkenswerth ist nun, dass jeder dieser au&itzenden kleineren
Krystalle gegen den grösseren genau in solcher Weise orientirt ist, dass
seine Rhomboederflächen über den Skalenoödeikanten dieses, seine Skalen-
oederkanten über den Rhomboederflächen dieses liegen, d. h. beide Krystall-
individuen erscheinen um 180® gegen einander verdreht und stellen mit-
hin eine Zwillingsverwachsung nach dem basischen Pinakoid 0 P ä= 0001
mit gemeinschafflicher Hauptaxe dar. Die Figur giebt die horizontale
Projection; in J. Dana, System of Minerölogy ist ein Zwilling nach dem
nämlichen Gesetze, aber von prismatischer Ausbildung abgebildet, an dem
die halbzählig auftretenden Flächen des Protoprisma oo ß = lOTO , die am
vorliegenden Exemplare leider unsichtbar bleiben, gegen einander ver-
setzt sind. —
Pyrargyrit von Joachimsthal.
k
n = ocP2 = 1120
ocR
k=^ ^ = x(1010)
r = — |R = 0lT4 ?
X = — 4R = 0441 ?
Drilling mit parallelen Hauptaxen.
Ein Krystall, 25 Millimeter lang, 13x7 Millimeter dick, wird von den
Flächen des neunseitigen Prisma [n = ^ P 2 = ißO und k = ^-? = x (lOTO)l
gebildet; imten ist er abgebrochen, oben aber durch eine einspringende
dreikantige Ecke begrenzt. Da deren Kanten parallel sind den zugehörigen
Combinationskanten mit dem Deuteroprisma n, so sind die einspringenden
Flächen r als einem Bhomboeder angehörig bezeichnet; die Combination&-
kanten selber sind schwach und undeutlich parallel abgestumpft Diese
kleinen Abstumpfungsflächen nun bilden an der ihnen zu je zweien an-
liegenden Prismenkante mit einander selber keine Kante, sondern liegen
in einer Ebene und müssen demnach paarweis einer Fläche des nämlichen
Rhomboeders r angehören, zu dem auch die bezügliche einspringende
Fläche gehört. Die drei Flächen der einspringenden Ecke sind sonach
nicht zu einem einzigen Rhomboeder, sondern zu dreierlei, aber unteo: ein-
ander gleichen Rhomboedem zu rechnen, an deren jedem je zwei Flächen
^5
in Folge der übennäasigen Ausdehnung der dritten (der hier einspringenden)
verkümmerten. Der Kiystali selber ist mithin ein Drilling, eine regel-
mässige Verwachsung aus drei Individuen, die bei parallelen Hauptaxen
paarweis eine Mäche des Deuteroprisma oc P 2 = (IßÖ) gemeinschaftlich
haben. Mit Hülfe eines Wachsabdruckes wurde die Neigung an den ein-
springenden Sjmten := 156^ gemessen, so dass in Betracht der für genaue
Messung äusserst ungünstigen Ausbildung die Flächen r dem Bhomboeder
J^R zugerechnet worden dürfen, für welches bei Hauptaxe c =0,7880
der reinen Antimonsilberblende (Pyrarygrit) die Kante = 157® 51', bei
Hauptaxe c = 0,8033 der reinen Arseniksilberblende (Proustit) die
Kante === 157® 26', im Mittel also, welches hier vorauszusetzen ist, die
Kante = 157® 39' sich findet Wegen der Orientirung der sogleich zu
besprechenden Streifung auf den Flächen des Deuteroprisma ist auffallender
Weise aber dieses Bhomboeder als gegen das Qiundrhomboeder B = (1010)
um 60® gedreht, mithin = — ^ B == (0lT4) bestimmt, welches am Bothgilten-
erz sonst noch nicht bekannt ist, wohl aber sein positives Gegenrhomboeder
i^B = tlOT4) als zweites stumpferes. In der Zeichnung sind die Bhom-
boederflächen absichtlich ein wenig stdler als der Wirklichkeit entspricht,
dargestellt, um den Verlauf der einspringenden Kanten deutlicher zu
machen. Jede der sechs Mächen n des Deuteroprisma trägt eine dreifache
Streifiing ; zu oberst die beim Bothgiltenerz ganz gewöhnliche, welche mit
der Prismenkante den Winkel von 65® 32' bildet (gemessen 65® 15'), und
der Combinationskante des Grundrhomboeders B = (lOTl) gleich läuft
Die zweite Streifung geht parallel den Prismenkanten, und da sie auf der
Seite der vom halbflächig auftretenden Protoprisma k = <>^ B :==: (1010)
nicht abgestumpften Kanten des Deuteroprisma liegt, so dürfte sie der
anderen Hälfte dieses Protoprisma entsprechen. Die dritte Streifimg endlich
deutet durch ihre Bichtung, welche der vom Bhomboeder B = (1011)
herrührenden entgegengesetzt ist, auf ein negatives Bhomboeder; ihr
Winkel mit der Prismenkante wurde s= 29® gemessen, welcher genau
genug, da weder Kanl;e noch Streifung ganz scharf und gerade verlaufen,
das Bhomboeder — 4B = (ofii) anzeigt, dessen Combinationskante mit
jener Prismenkante nach der Bedmui^ den Winkel von 28® 47' ein-
schliesst. Auch dieses Bhomboeder ist am Bothgilten selbständig noch nicht
bekannt, wohl aber das aus ihm abgeleitete Skalenoeder — 4 B f .= (1561);
nichts destoweniger gewinnt die von ihm bedingte Streifiing dadurch einiges
Interesse, dass sie den Verlauf der ZwiUingsgrenze zu bezeichnen scheint,
als welche eine den Streifen parallele tiefere Furchung über eine der
Flächen n des Deuteroprisma anzusehen sein dürfte, unterhalb welcher
diese Fläche ganz glatt ist Längs der vertikalen Prismenkanten ist von
der Zwillingsgrenze nichts zu bemerken; von den drei Flächen k des
Protoprisma ist die eine glatt und eben, die zweite durch starke Streifung
altemirender Zickzackflächen, namentlich längs der Yertikalkanten , sehr
gestört ; die dritte, überhaupt schwächer entwickelt, erreicht das obere Ende
des Krystalles gar nicht, sondern ist mit der dort befindlichen Kante des
Deuteroprisma durch eine steüe Dreiecksfläche verbunden, welche nicht
genauer bestimmt werden konnte, aber möglicher Weise dem Bhomboeder
— 4B = Otil angehört Die drei einspringenden Flächen der Bhombo-
eder — iB = 0114 zeigen eine zarte, ihren gegenseitigen Combinations-
kanten parallele Streifung. —
56
Pyrargyrit von Himmelsfurst bei Freiberg.
n=ooP2={112b);
^ h= R3 =(1231);
l = iR3=(1134);
c= OB =0001.
Eine kleine Erystallgrappe von 12 mm Höhe offenbart sich sofort
als regelmässige Yerwachsung aus vier Individuen, indem ein mittleres
aufrechtes von drei anderen, die gleiche Winkel von je 60 • mit einander
einschliessen, durchdrungen wird. Die prismatische Ausbildung der Indi-
viduen durch Vorherrschen des Deuteroprisma n = ocP2= (112S)) be-
bestimmt den Charakter und erleichtert die Erkennung. Das Deuteroprisma
wird begrenzt durch die verh<nissmässig grosse basische Flache
c s= 0 R = 0001, die in Folge sehr vieler kleiner parallel gestellter Rhom-
boederflächen drusig erscheint; zwischen dieser und dem Prisma liegen
zwei flache Abstumpfungen, die grössere untere dem gewöhnlichsten Skalen-
oeder h = R3 =: (12^1), die obere dem ebenfalls häufigen Skaleuoeder
1 = -^R s:= (12i5!l) mit horizontalen CJombinationskanten zugehörig. Die
den Prismenkanten parallele Hauptaxe der seitlichen Erystalle macht mit
der mittleren Hauptaxe den an einem Wachsabdruck bestimmten Winkel
von 85® bez. 180* — 85® =* 95®, woraus hervorgeht, dass die dem mitt-
leren und jedem seitlichen Erystall gemeinschaftliche Fläche, eine Fläche
des Grundrhomboeders R = (1011) ist Denn für Hauptaxe c = 0,7880
des Grundrhomboöders berechnet sich deren Winkel ^mit der Rhomboeder-
fläche = 47® 41'; also Winkel zwischen den Hauptaxen zweier hemi*
tropisch verwachsener Rhomboeder == 96® 22', bez. 84® 38'. Die Ge-
meinschaft einer Rhomboöderfläche bringt mit sich, dass zwei am näm-
lichen Durchmesser liegende Prismenkanten der seitlichen Individuen auf
eine Prismenkante des Mittelkrystalles zu liegen kommen, dass also zwei
Prismenflächen jedes Seitenkrystalles mit ihren schmalen Seiten senkrecht
steheii. Das vorliegende Exemplar zeigt nun die eigenthümliche Aus^
bildung, dass diese je zwei senkrecht gestellten Prismenflächen etwa doppelt
so breit als die übrigen vier siud, wie ja auch die Zeichnung wiedergiebt
67
IX. Weitere Mitthellnngeii fiber die Granite und Gnelsso
der Oberlansitz und des angrenzenden BOhmens.'*')
Von IB. Daiudtf in Rochlitz.
Litteratur.
T. Cotta, Srläat. za den Sectionen VI, VII und dem rechte der Elbe liegenden Theil
der S. X der älteren geognostiBclien Karte von Sachsen.
G. Rose, Bemerk, über die Beschaffenheit und LagemngBYerh<nisse der Gesteine
im Riesen- nnd Iser^birge, Manatsber. Berliner Akad. 1856.
— üeber den den Granitit des Riesengebirges im Nordwesten begrenzenden Gneiss,
Ztsch. Deutsch, geol. Ges. 1857.
Glocker, Geognostische Beschreibung der preuss. Oberlausitz, Görlitz 1857.
Jok61y, Der nordwestliche Theil des Riesengebirges und das Gebirge von Rum bürg
und Hainspach in Böhmen, Jahrb. E. E. geol. Reichsanstalt, Wien 1859.
Roth, Erläuterungen zur geognostischen £tfte Tom niedersohlesischen Gebirge,
Berlin 1867.
G. Laube, Ueber das Auftreten von Protogingesteinen im nördlichen Böhmen, Yerh.
K. E. geol. Reichsanstalt, Dec. 1884.
Auf einen von mir noch nicht begangenen Theil der westlichen
Lausitz bezieht sich:
E. Geinitz, die geologische Beschaffenheit der Umgebung von Stolpen in Sachsen,
Abh. d. Isis in Dresden, 1882.
Vorbemerkungen,
In meiner ersten Airbeit über diesen Cregenstand war ich zu Ansichten
gelangt, welche von denen früher und gleichzeitig auf demselben Oebiet
thätig gewesener Forscher — v. Cotta's, Rose's, Joköly's, Laube's —
wesentlich abwichen. Hierdurch sah ich mich veranlasst, nicht nur die
mir schon bekannten Gegenden von Neuem zu beg:ehen, sondern auch
meine Excursionen namentlich nach Norden und Westen weiter aus-
zudehnen. Hierbei fand ich, dass man im eigentlichen Lausitzgebiete
zweierlei Gneisse von etwas verschiedenem Alter zu unterscheiden haben
wird, einmal dem Granit (Lausitz- und Rumburg-Granit) gleichalterige,
zu denen die meisten der von mir a. a. 0. beschriebenen sammt Joköly's
und Laube's Protogingesteinen gehören, andererseits etwas ältere der (Jegend
um Weissenberg und Radeberg, ganz abgesehen von den im Osten an der
Grenze des Iser-Granitits auftretenden, schuppigen Biotitgneissen, denen
man schon früher eine Sonderstellung eingeräumt hat (Abschnitt V). Ich
glaube femer, für die biotitreichen Bestandmassen des Lausitzgranits eine
*) Fortsetzung der Abhandlung: „Ueber das archäische Gebiet nördlich vom
Zittauer- und Jescläen- Gebirge," Abh. d. Isis in Dresden, 1884, Abh. VII, S. 141 — 156,
Tafel II (hier citirt durch: A. G.).
G0t. hU in Dr§tdm, 1886. — Abh. 9. 4
58
Erklänmg gefdnden zu haben, die im Stande ist, den von ihnen dar-
gebotenen Erscheinungen im Grossen und Ganzen gerecht zu werden.
Ausserdem schenkte ich den gramtischen Gängen im Granit Aufmerksamkeit
(Abschnitt IV). Indem ich nun hierüber ausführlicher berichte, werde ich
zugleich meine Stellung zu den Arbeiten der genannten Geologen kurz
darlegen. —
L Ueber die dem Lausitz- (und Eumburg-) Granit gleichalterigen
Gneisse.
Mineralogisch sind diese Gneisse dadurch charakterisirt, dass sie neben
Biotit einen meist hellgrünlich gefärbten, dem Talk ähnlichen, aber von
diesem durch grössere Härte und Schmelzbarkeit v. d. L. unterschiedenen,
daher dem Sericit nahe stehenden oder mit ihm identischen Glimmer
führen, der meist die Gneissstructur bedingt und wohl in keinem Vor-
kommniss fehlt, das noch sicher hierher gerechnet werden kann. Sein
Auftreten zunächst in feinen Schüppchen, sodann in Lagen und Hasem,
zeigt den üebergang des granitischen Gesteins in das gneissartige an.
Biotit, an der Grenze gegen Granit noch vorwaltend, ist zum TheU iq
schuppigen Aggregaten, seltener in Masern, vielfach nur in regellos ein-
gestreuten Blättern vorhanden, während dann die Gneissflaser vom Sericit
gebildet wird. Als solche typische, zweiglixnmerige Gneisse können z. B.
die oberhalb Ketten bei Grottau i. B., im Seidenberger Grunde , in Görlitz
am rechten Neisseufer und anderwärts anstehende gelten. Bei weiterer
Entwickelung der Gneissstructur wird der Biotit seltener oder verschwindet
oft ganz.*) SUberweisser Muscovit tritt nur accessorisch hier und da auf.
Feldspath — - meist Orthoklas — und Quarz sind oft noch als deutlich
kömiges, granitisches Gemenge vorhanden, in welchem der Gneisscharakter
durch parallele, schuppige oder flaserige Glimmer- Aggregate hervoigebracht
wird. Sehr häufig büdet sich hieraus eine feinkörnige, grusige Grundmasse;
indem sich in dieser dünne, parallele Glimmerlagen einstellen, entstehen
streifige und schieferige Gneisse (local im Neissethale unterhalb Hirschfelde
aus Eumburg- Granit, im Seidenberger Grunde aus Lausitz -Granit, auch
gehören hierher die A. G., S. 146 und 150 erwähnten schieferartigen
Gneisse von Weisskirchen), während porphyrische Gesteine resultiren, wenn
in der feinkörnigen Grundmasse grössere Individuen von Feldspath imd
Quarz regellos eingesprengt liegen (Nieder-Wittig, zw. Kratzau und Neun-
dorf). In parallelen Linsen und Lamellen kommen beide Mineralien, von
denen dann wohl der Quarz den Feldspath umflasert, namentlich in den
Gneissen aus Rumbuig-Granit vor, wie in den an grossen, verrundeten
Krystallen oder Linsen von Feldspath reichen Varietäten von Berzdorf,
Minkwitz (Jok61y's Knotengneiss), Priedlanz, Dörfel (Augengneiss) im Fried-
ländischen, in dünnschieferigen Varietäten von Amsdorf bei Friedland, im
Neissethal unterhalb Hirschfelde, in den fast ebenschieferigen, lenticularen
Partien des Ober-Kratzauer Sericitgneisses, welche den Schiefereinlagerungen
eingebettet sind, u. s. w. Meist freilich sind diese mehr individualisirten
*) Beispiele hierfür aus der südlichen Gneisszone: Sericit-Gneiss von Ober-
Eratzan, Ober-Weisskirchen, Wittig; aus dem Gebiet des vorwaltenden Granits:
gewisse Varietäten der Gneisse ans dem Neissethale unterhalb Hirschfelde, von
^Orfel bei Friedland, von Engelsdorf n. s. w.
59
Formen beider Mineralien nur in dem erwähnten feinkörnigen, grasigen
Aggregat ausgeschieden. Quarz bildet ausserdem grössere rundliche Aus-
scheidungen, die im Sericitgneiss von Ober-Kratzau über Kopfgrösse
erreichen. Er ist dann stets klar oder nur schwach milchig getrübt und
gewöhnlich bläulich gefärbt.
Mehrfach zeigen unsere Gneisse Neigung zur Komverdichtung. Am
rechten Neisseufer oberhalb Ketten entwickelt sich in einem auch in
anderer Beziehung interessanten Profil (S. 61) aus dem gewöhnlichen
zweiglimmerigen Oneisse lagenweise ein dichtes Oestein, in dem man unter
der Lupe nur noch porphyrisch eingestreute Biotitblätter und einzelne
Quarzkömchen erkennt. In Görlitz geht am rechten Neisseufer der lang^
flaserige, zweiglimmerige, aus Lausitz-Granit sich herausbildende Gneiss lo€»l
in ein dichtes, undeutlich schieferiges, meist durch dicke Piasem oder
Strähnen eines schmutziggrünen Glimmers dunkel gefärbtes Gestein über,
das anscheinend wenig mächtige Lagen zusammensetzt, mitunter aber auch
in kleineren, Ausscheidimgen ähnlichen Partien auftritt*) Bei der Ver-
witterung nimmt dieser Gneiss einen mehr phyUitartigen Habitus an, wie
z. B. oberhalb des Yiaducts. Aehnliches beobachtet man noch mehrfach
in der Görlitzer Gegend, femer bei Löbau, in Badeberg (felsitische und
gneissartige Schlieren im Granit) u. s. w. VergL auch Abschnitt VI. (Gneiss von
Laugengrand). Ueber die früher erwähnten feinkörnigen bis dichten Gneisse
von Wittig XL a. 0. s. Abschnitt IL
Eine etwas abweichende Beschaffenheit zeigen die Gneisse an
der Westseite des Iser-Granitits in der Linie Mühlscheibe - Olbers-
dorf. Sericit scheint zu fehlen. Biotit ist in der feinkörnig-grusigen
Grundmasse in kleinen Blättchen vertheilt und setzt ausserdem gestreckte,
schuppige Aggregate zusammen. Muscovit kommt häufiger vor wie sonst
Quarz bildet seltener solide Kömer, sondern tritt gewöhnlich in linearen,
aus kleinen Körnchen bestehenden Zusammenhäufungen auf. Auch wenn
der Parallelismus der Biotit- Aggregate verschwindet, unterscheidet der
grusige Charakter der Grundmasse das Gestein immer noch von eigentlichen
Graniten. Ob ihm eine Sonderstellung einzuräumen sein möchte, wie den
Gneissen von Raspenau (V), bleibe dahingestellt
Sehe ich von den letztgenannten Gesteinen und zunächst noch von
den feinkörnigen Gneissen um Wittig, Kratzau und Georgenthal (sogenannten
Schiefereinschlüssen) ab, so betrachte ich auch jetzt noch als hierher ge-
hörig die Gneisse, (üe ich schon früher als dem Lausitz-Granit gleichalterig
angesprochen habe (A. G., S. 142—47), eine XJeberzeugung, in der ich
durch den Besuch anderer Aufschlüsse nur noch bestärkt worden bin.
Ich führe nun die Gneiss-Vorkommnisse im Gebiet des vorwaltenden
Granits an und hebe die Localitäten mit besonders deutlichen Uebergängen
zwischen Granit und Gneiss durch gesperrten Druck hervor, bemerke aber,
dass auch zwischen den Gesteinen der südlichen Gneisszone und den
benachbarten Graniten eine nicht weniger innige Verknüpfung herrscht:
Umgegend von Schluckenau (vergl. auch Jok61y a. a. 0.), Hainewalde
bei Zittau (Thal- und Bahneinschnitt), Thal des Löbauer Wassers unmittelbar
*) Diese Lagen senden mitunter auffallend stumpi endigende AussttQpungen
in den Gneiss, ^eselbe Erscheinung, die man an den nrobkömigen Gabbro um-
flasemden dichten Hornblendeschiefem von Böhrigen bei Kosswein wahrnimmt.
60
bei Löbau, BahneiBSchiiitt von Gross-Schweidnitz, südwestlich von Weidia
bei Weissen berg und unmittelbar südlich von dieser Stadt, Neissethal
unterhalb Hirschfelde, insbesondere das rechte Gehänge, Kuppe östlich
von Königshain bei Hirschfelde, viele Orte um Ostritz (z. B. Altstadt,
Eeutnitz, Nieda, westlich von Trattlau), femer Engelsdorf (Windmühle)
und Wiese, rechtes Neisseufer in Görlitz (die Hauptflaserung wird hier
mitunter von einer zweiten quer durchsetzt), Seiden berger Grund*)
südöstlich von Seidenberg, zwischen Priedlanz und Berzdorf am
rechten Ufer der Wittig, bei Minkwitz und am oberen Ende von Dörfel
am linken und zwischen Dörfel und Friedland am rechten Ufer
desselben Flusses, östlich von welchem Gneiss überhaupt vorwaltet (G. Böse,
Ztschr. Deutsch, geol. Ges. 1857, Roth a. a. 0.) und Granit nur in einzelnen
Partien auftritt, die als Stöcke oder Gänge gedeutet worden sind.
Drei Forscher sind es, die diesem Gneisse ein höheres Alter als
dem Granit zuerkennen wollten: v. Cotta, G. Rose und Jok61y. Ersterer
wurde zu dieser Ansicht veranlasst durch gewisse Beobachtungen an
Gneissen im westlichen und nördlichen Theile des Lausitzer Granit-
territoriums (s. Abschn. HI). Die Verschiedenheit jener Gesteine von
den hier beschriebenen scheint ihm aber entgangen zu sein. G. Rose
spricht sich zuerst (1856) ganz entschieden für die Gneissnatur der Lausitzer
Granite aus, trennt aber später (1857) Gneiss und Granit zufolge einer am
Bemskensteine bei Hirschberg i. Schi, gemachten Wahrnehmung, wo Granit
gangförmig im dünnflaserigen Gneiss auftreten soll Diese LocaJdtät habe ich
ihrer grossen Entfernung von meinem Beobachtungsgebiete halber noch nicht
aufsuchen können. Wenn aber Rose weiterhin sagt, dass an der Wittig der
Gneiss südlich von Wüstung scharf gegen den dortigen Granit grenze, so möchte
ich bemerken, dass sich hier und da wohl kartographisch beide Gesteine in
jener Gegend sondern lassen, dass aber nichtsdestoweniger auch dort an
allen Ausschlüssen ihre Zusammengehörigkeit sich deutlich ausspricht
Jok61y schliesst sich G. Rose aü. Er hält demnach die im Granitterritorium
auftretenden Gneisse von Schluckenau u. s. w. für Einschlüsse — was sie
nach meinen Beobachtungen sicher nicht sind — und die Granite des
Gneissgebietes um Wittig und Hohenwald für Gänge. Es giebt aber keinen
AufscUuss, der letztere Annahme rechtfertigte. Vielmehr kann man im
anstehenden Gestein in Wittig vielfach schon im Handstück die unver-
kennbarsten üebergänge zwischen Granit und oft dünnschieferigem Gneiss
beobachten. Auf Grund von Lesestücken jedoch zwei in jedem Falle ausser-
*) In der unteren Partie des Grandes steht Granit an, ein inniges, mittelkörniges
Gemenge von farblosem oder blauem Quarz, bläulichem Orthoklas und Biotit mit
accesBorischem SchwefeikLes. Weiter oberhalb treten flaserige bis schieferige, zwei-
glimmerige Gneisse auf. Wo diese mit Granit in Berührung kommen, sind die üeber-
gänge deutlich schon im Handstück nachweisbar. Glocker spricht a. a. O. von
Gneisspartien, die im Granit des grossen Katzensteines eingeschlossen seien, doch
besteht diese Felsmasse überhaupt fast nur aus Gneiss. Von einer scharfen Grenze
ist nirgends etwas zu sehen. £benso habe ich Glocker's Angabe, dass hier das
Gestein (nach ihm Granit) säulenförmig abgesondert sei, nicht bestätigt gefunden.
Man kann nur yon sehr steil einfallenden Platten oder Bänken sprechen. — ^ Die
wellig verlaufende Flaserung und Schichtung verhindert, wie auch sonst vielfach bei den
Gneissen im Granitgebiet eine genauere Bestimmung des Streichens. Das Fallen ist
hier, bei LObau und anderwärts immer sehr steil bis saiger. — Nicht überflüssig ist es,
auf die petro^raphische Identität dieser Gneisse mit denen von Ketten in der südlichen
Gneisszone hmzuweisen.
61
ordentlich nahe verwandte Oesteine, von denen Jok61y selbst sagt, dass
sie schwer zu trennen seien, auseinander zu halten, dünkt mir für
jenes Gebiet unmöglich. Wie sehr dort die Unterscheidung von Gneiss und
Granit auf subjectivem Ermessen beruht, ergiebt sich z. B. daraus, dass
granitische Gesteine von Grafenstein und Weisskirchen auf der älteren
geognostischen Karte des Königreiches Sachsen als Granit, von Joköly als
Gneiss dargestellt worden sind.*) Dass auch EL Credner zu einer der
meinigen ähnlichen Auffassung gelangt ist, darauf habe ich früher (Sitzber.
Isis, 1885, S. 36) hingewiesen.
üeber Schiefer im Gneiss und Granit
Am wichtigsten sind die im Gneiss auftretenden Schiefer, da sich
deren Verbandsverhältnisse deutlicher überschauen lassen.
Zuerst ist an die A. G., S. 150, zweiter Absatz, erwähnten schieferigen
Gesteine oberhalb des „Böhmischen Reiters" (jetzt „Grünes Thal") in
Weisskirchen zu erinnern, die im Aufschluss eine Mächtigkeit von circa
10 m besitzen. Der Yerband mit den normalen Gneissen ist ein so inniger,
dass man diese Gtesteine selbst nur als sericitreichen, äusserst dünnschieferigen
Gneiss bezeichnen möchte. Ein schönes Profil ist auch am rechten Neisse-
Dfer oberhalb Ketten erschlossen : Zuunterst deutlich kömiges Homblende-
gestein, bis zur Sohle des Bruches gegen 5 m mächtig (A. G., S. 147, 1),
von Prof. Dr. Geinitz in Rostock auf Grund einer gütigst aus-
geführten mikroskopischen Analyse als „ausgezeichnet flaseriger Hornblende-
schiefer" bezeichnet**) Dem hangenden Gnefes sind ganz confonn mehrere,
nur wenige Decimeter starke sericitische Schieferlagen und ein dichter
Homblendeschiefer von geringer Mächtigkeit eingeschaltet. Die ersteren
führen Linsen u. s. w. eines feinkörnigen Quarz-Feldspathgemenges. Aehnliche
Schiefer mit Gneisslagen und Quarzknauem trifPb man noch mehrfach weiter
flussaufwärts. Wo sich ihr Verlauf bis zum Ende übersehen lässt, ninmit
man stets ein Ausspitzen, nie eine stumpfe Endigung, wahr. Man kann
sie also wohl nicht ohne Weiteres als Einschlüsse auffassen, sie nehmen
vielmehr eine ähnliche Stellung ein, wie die Sericitschiefer im Sericitgneiss
von Döbeln i. S. Die Schiefer im Gneiss am rechten Gehänge des Neisse-
thales unterhalb Hirschfelde gleichen denen von Ketten.
Im Rumburg-Granit und in dem von ihm untrennbaren Gneisse des
Hainewalder Bahndurchschnitts treten einige, bis 1 m mächtige Schiefer-
lagen auf
Dass durch Verdichtung des Gneisses schieferartige Massen bei Görlitz
entstehen, wurde bereits erwähnt AuchMer Schiefer von Nieda (Sitzber.
Isis, 1885, S. 37) scheint als ein verdichteter Gneiss zu deuten. Da,
*) Dagegen ist der den Gneiss der Eratzauer Gegend im Südosten und die
kristallinischen Schiefer des Jeschkengebirges im Nordosten begrenzende, zwei-
gbmmerige Granit von Machendorf ein selbständiges Gestein nnd nicht ohne Weiteres
mit dem Lausitzgranit zu vereinigen, wie es in Roth, a. a. 0., SS. 61, geschehen ist,
vielmehr steht er dem Isergranitit näher, den er in einer 4 Meilen langen, schmalen
Zone von Tannwald his Machendorf begleitet (G. Rose, 1856, Jokely a. a. 0.). Indem
am letztgenannten Orte der Granit die tür den Isergranitit charakteristischen grossen
rothen Orthoklase bisweilen porphyrisch aufiiimmt und andererseits der Granitit
primftren Muscovit accessorisch führt, findet ein üebergang zwischen beiden Ge-
steinen statt.
**} Derselbe Herr bestimmte auch Gesteine aus dünnen Zwischenlagern im Gneiss
des liiüren Flussufers als „Homblendeschiefer mit chloritisohen Zersetzungsproducten".
62
wo er in der Umgebung von Quarzlinsen zersetzt ist, gleicht er den
A. G., S. 144, beschriebenen Schiefern von Jonsdorf. — Die Schiefer von
Ober-Berzdorf (Sitzber. Isis, 1885, S. 37) haben phyllitischen Habitus,
lieber die Ober-Kratzauer Schiefer s. S. 63.
Schärfer abgegrenzt gegen das Nebengestein sind die Schiefer ini
Granit selbst.
Oberhalb der Bretmühle in Priedlanz, am Amsdorfer Wasser, kommt im Rnm-
burg- Granit eine mächtige Masse eines feinkörnigen, entweder als Ausscheidung
oder als Gang anzusehenden granitischen Gesteins vor (s. Abschn. lY.). Zum grösseren
Theile in diesem, zum Theile aber auch im normalen Granit steckt eine % bis 1 m
mächtige, senkrechte Lage oder S(ihoUe eines dichten, dickschieferigen Gesteins in
der Richtung Nord-Süd so, dass sie am Südende beiderseits Yom grobkörnigen Granit,
am Nordende einerseits vom kleinkörnigen, auf der anderen Seite in der unteren
Partie von diesem, in der oberen vom grobkörnigen begrenzt wird. Der kleinkörnige
Granit sendet eine Apophyse unter sehr flachem Winkel in den Schiefer hinein. Eine
sichere Deutung ist für dieses Vorkommen schwierig zu geben, zumal die mittlere
Partie der Scholle und des Nebengesteins durch Abbau Yerschwunden ist. — In
Nieder -Wittig enthält der granitische Gneiss eine gegen 1 m mächtige, senkrechte
Iiage eines zersetzten PhylUts mit granitischen Lagen und Linsen.
Die Homblendegesteine im Gneiss von Dörfel (A. G., S. 143) sind nach mikro-
skopischer Untersuchung von £. Geinitz flornblendegneiss. Es treten dort am
Eunnersdorfer Weganschnitte vier Lager auf: zwei davon, die liegendsten, im Gneiss
nahe der Granitgrenze und zwei sich spitzwinkelig vereinigende im Granit. Das
liegendere der letzteren, mit Quarzknauern, ist ein chloritschieferartiges Gestein, das
aber möglicherweise aus einem Homblendeschiefer hervorgegangen ist, wie auch der
Homblendegneiss ohloritiBch wird.*)
Ob die früher von mir als Homblendeschiefer angesehenen Gesteine von Seiten-
dorf (S. 143) diesen Namen wirklich verdienen, oder ob sie wie v. Cotta meint,
Grflnstein-Lagergänge darstellen, bleibe dalun gestellt. E. Geinitz bezeichnet sie als
„zersetzten*? Dioritschiefer^^' Ein ähnliches zersetztes dickschieferiges Gestein tritt
beim Görlitzer Schützenhaus im Granit auf: die im Ganzen quer gegen die steile
Grenze verlaufende Schieferung geht derselben an den Rändern parallel, indem sie
an der liegenden Grenze herauf, an der hangenden herabgezogen ist. Am linken
Neisseufer unterhalb des Viaducts ist im Gi-anit ein horizontales Lager eines ver-
witterten schieferigen Gesteins mit grossen , weissen Quarzlinsen auf einige Meter
Verfolgbar, dessen Schichtung der Grenze conform ist. Vergl. Woitschach, das
Granitgebirge von Königshain in der Oberlausitz etc., Abb. naturf. Ges. Görlitz, 1881.
IL lieber die feinkörnigen Gneisse von Ober-Kratzau und Wittig.
— Bemerkungen zu Jokely's und Laube's Ansichten über die
unter I. beschriebenen Gneisse.
JokÄly und Laube halten die bisher besprochenen Gneisse für eruptiv.
Der erstere stützt seine Ansicht namentlich auf das Vorkommen von
grösseren Partien feüakömiger Gesteine im Gneiss von Kratzau und Wittig,
die er als Einschlüsse von Phyllit und Grauwacke anspricht. Ich habe
früher beide, die im Wesentlichen übereinstimmen, für feinkörnige Gneisse
erklärt und halte daran noch fest, nachdem ich jene Localitäten wiederholt
besucht habe. Am rechten Gehänge des Gersbaches in Eratzau charak-
terisirt sich das Gestein bisweilen noch recht deutlich als ein zwei-
glimmeriger, in einer feinkörnigen Grundmasse Schüppchen von Seridt
und lineare BiotitrAggregate führender Gneiss. So geht auch an derselben
Thalseite 200 m ösüich von der Kirche ein dünnschieferiger, sericitischer
*) Berichtigung zu A. G., S. 148, Z. 13 v. o. : Nur der Ghloritschiefer fällt
NO., die beiden liegenden Lager aber wie der (hieiss selbst &Uen N.
68
Oneiss in feinkörniges, glimmerarmes Oestein über, das dem Qneiss von
der Stadt- Walke gleicht, nur noch mehr granitisch ist Für das Wittiger
Vorkonunen sind Uebergänge in deutlich kömige, sericitische Gneisse
nachweisbar am Wege nach der Feldsiederei, sowie östlich von Nieder-
Wittig am linken Oehänge des Feldbaches in zahlreichen, frischen Blöcken,
unter d^nen ein ganz dichtes, dunkles, fast massiges Gestein vertreten ist,
dessen Zusammenhang mit dem Gneiss nur noch durch dünne Biotit-
streifen angedeutet wird.
Was den Verband zwischen den feinkörnigen und gewöhnlichen
Gneissen anlangt, so ist der Gontact in Wittig jetzt nur am Wege nach
der Feldsiederei entblösst Die Grenze ist allerdings deutlich, in der Nähe
derselben nimmt aber der granitische Gneiss unverkennbar kleinkörniges
Gefüge an. Dass in Ober-Kratzau an der linken Thalseite die feinkörnigen
Gesteine concordant vom Sericitgneiss überlagert werden, habe ich A. G., 8. 150
(wo für „Schiefer^' Z. 3 v. u., wie im Nachtrag bemerkt, „feinkörniger
Gneiss" zu lesen ist) hervorgehoben. Allerdings entspridit das rechte
Gehänge nicht ganz dem linken: die liegenden Partien des letzteren
Gesteins treten zwar, über den Bach weg streichend, an der rechten Seite
wieder auf, dagegen fehlt hier die Fortsetzung des hangenden Theües,
etwa von der Stelle an, wo die Strasse den Bach überbrückt, indem die
yerlängerte Streichrichtung der linksseitigen, feiokömigen Gneisse auf den
Sericitgneiss trif^ Dieser Umstand könnte noch am ehesten herbeigezogen
werden, wenn man den feinkörnigen Gneiss als Einschlüsse deuten wollte,
obgleich er sich vielleicht auch durch eine Verwerfung erklären würde,
welche die hangenden Sericitgneisse auf der rechten Seite in ein tieferes
Niveau gerückt hätte. Ein wirklich gangartiges Auftreten der letzteren,
das allein entscheidend sein könnte, habe ich nirgends angetroffen. Jok6l7
giebt allerdings ein Profil von der Strauchmühle zwischen Kratzau und
Wittig, in welchem Gneiss und Granit die „Grauwaekenschiefer^^ in mehreren
Gängen durchsetzen, trotz mehrfachen Nachsuchens habe ich aber hiervon
keine Spur mehr entdecken können: man sieht jetzt dort nur anstehend
den gewöhnlichen Wittiger granitischen oder flaserigen Gneiss und findet
dichtes Gestein blos in einzdnen losen Blöcken.
G. Laube beruft sich besonders auf die im Sericitgneiss von Ober-
Eratzau vorkommenden Schiefer*), die er als Einschlüsse ansieht Der con-
cordante Verband beider Gesteine spricht allerdings nicht gerade dafür (A. G.,
S. 147 und 151).**) Bisweilen lassen sich nur wenige Centimeter dicke
Schichten mehrere Meter weit in der Fallrichtung des Gneisses verfolgen
*) Ich habe diese Schiefer als zersetzte Hom blendeschiefer bezeichnet, weil die
weiter nach Hoheneck zn rorkommenden Einlagerungen von frischem Homblende-
geatein mehrfach jenen ganz ähnliche Partien enthsJten. Eines der S. 148, Z. 2
erw&hnten Zwischenlager besteht ans Homblendeschiefer, der von einer jenen Schichten
durchaus gleichenden, zersetzten Schale umhüllt wird. Letztere, wie auch das frische
Gestein, ffthren bisweilen zahlreiche, kleine, weisse Nädelchen in wirrer Anordnung.
Das m&chtigste Amphibolitlager umschliesst einige Linsen eines granitischen, an
lichtem Glimmer reichen Gneisses.
**) Die A G., S. 147 erw&hnte, 2 m dicke Gneisslinse ans dem Bruch gegenüber
der Walke wird doch nicht ToUst&ndig vom Schiefer umhüllt. An ihrem unteren,
ausgezogenen Ende treten die Schieferlagen zwar nahe an einander, ohne sich aber
za berühren, wfthrend eine nur scheinbure Verbindung derselben am oberen Ende
durch eine Quarz-Schiefer-Braccie herrorgebraoht wird.
64
und legen sich mit ihren dünn ausgezogenen Enden in die Flasenmg des
Oneisses hinein. Kleinere Discordanzen trifft man mitunter an der Qr^ize
von Schiefer und Gneiss namentlich dort, wo sich Quarz zwischen
beiden einstellt. Sie sind aber kaum ursprünglich, sondern wohl eine
Folge des Gebirgsdruckes, der im Gontact von so heterogenem Material,
wie es die festen, zähen Gneisse und die milden Schiefer darstellen, un-
bedeutendere Störungen hervorbringen konnte. Stumpfe Endigung, quer
gegen die Schichtung im Gneiss steckende Fragmente u. dergl. wurden
von mir nie wahrgenommen. Schieferflitter, die von Laube unter dem
Mikroskop im Gneisse beobachtet wurden, sieht man auch makroskopisch.
Ich habe dieselben für Anhäufungen dunkler Glimmerblättchen ge-
halten.
Früher hatte ich für die bis jetzt betrachteten Gneisse und conse-
quenter Weise dann auch für die Lausitz- und Kimiburg- Granite eine
sedimentäre Entstehung behauptet. Zu dieser Auffassung war ich in dem
Glauben gelangt, hier ähnliche Verhältnisse getroffen zu haben, wie sie im
sächsischen Granulitgebirge so schön entwickelt sind, Verhältnisse, die dazu
geführt hatten, das Granulitsystem in bestimmter Weise der sedimentären
Formationsreihe zuzuweisen (vergl. Dathe, Erläut. zu Sect. Geringswalde,
S. 14). Lazwischen haben mich sowohl die I^ktüre von J. Lehmann's
Untersuchungen über die Entstehung der altkrystalliDischen Schiefergesteine,
vie auch eigene Beobachtungen im Granulitgebiet gelehrt, dass concordante
Lagerung und anscheinende petrographische Uebergänge zwischen massigen
und geschichteten Gebirgsgliedem, sowie die Schichtstructur selbst (bei
kryst. Schiefern) noch nicht einen sedimentären Ursprung beweisen. Meine
gegen Jok61y und Laube gerichteten Bemerkungen sind daher nicht so
zu verstehen, als wollte ich die Eruptivität der Lausitzer Granite und
Gneisse überhaupt üi Abrede stellen — manches in der Structur weist
vielmehr darauf hin, dass die Gneisse als mechanisch veränderte oder
ursprünghch schieferig erstarrte Granite anzusehen sein dürften — ich
wollte nur darauf auflnerksam machen, dass die von beiden Geologen für
ihre Ansicht beigebrachten Gründe in rein geognostischer Beziehung nicht
entscheidend sind. Es scheint überhaupt nicht, als würden sich in jenen
G^enden durchgreifende Lagerung, unzweifelhafte Einschlüsse u. s. w.
mit Evidenz nachweisen lassen,"') es dürfte gerade dort die Annahme einer
eruptiven Entstehung Schwierigkeiten vorfinden. Ich rechne zu diesen z. B.
ausser dem Auftreten der dünnschieferigen Gneisse in Weisskirchen und
der seridtischen Schiefer bei Ketten, die concordanten Einlagerungen von
Homblendeschiefer, die man doch nicht sofort als dioritische Lagergänge
ansprechen kann, femer die schon Mher betonte Aehnlichkeit gewisser,
dem Jeschkensystem zugehörender Schiefer oberhalb Engelsberg mit den
Weisskirchener Gesteinen, sowie auch die Fixirung der Gndss-Schiefer-Grenze
um Frauenberg auf Grund von Lesestücken, mit denen man dort es fiast
nur zu thun hat^ schwer hält.
*) In Roth a. a. 0. S. 41 werden allerdings Graniigänge aus der Gkaawaoke
von Görlitz erw&hnt Es ist höchst auffäUend, dass Woitschach, der 1. c. auf
Gmnd einiger um Görlitz angestellten Beobachtungen den Lausitzgranit entschieden
der „Urschieferformation*^ zuweist, davon gar nichts berichtet, obwohl er jenes Werk
kennen musste. Mir wurde dasselbe erst zugänglich, als ich die Ezcorsionen ftr
dieses Jahr abgeschlossen hatte.
66
III. üeber die feinkörnigen, bez. dichten Gneisse von Weissenberg*)
bei Löbau und Wolmsdorf bei Eadeberg. — Ausscheidungen und
Einschlüsse im Lausitz-Granit.
Das oberflächliche Verbreitungsgebiet des Weissenberger Oneisses
wird ungefihr von einer Linie begrenzt, die, im Osten bei Wasser-Kretscham
beginnend, fast auf eine Meile in westlicher bis westnordwestlicher Sichtung
unmittelbar stldlich von Weissenberg und Weicha vorbei nach einem
flachen Hügel etwas nördUch von Nechem verläuft, hier nach Nordost
umbiegt und gegen ^4 Meilen weit zwischen Gröditz und Eortnitz hin-
durch, nördlich von Wuischke vorüber, in das Thal von Gebeizig nördlich
von Weissenberg leitet Vorzüglich ist das Gestein an beiden felsigen
Ufern des Löbauer Wassers zwischen Wasser-Kretsoham und Gröditz
entblösst Oestlich der Linie Gebeizig- Wasser-Eretscham und nördlich von
Gebelzig ist es unter Diluvium verborgen, während im Süden und Nord-
westen der angegebenen Grenzlinie Granit hervortritt
Die Grundmasse des sehr feinkörnigen bis dichten, grünlichgrauen
bis schwärzlichen Gneisses bUdet ein felsitisches Feldspath-Quarz-Gemenge
von spUtterigem Bruch. Glimmer scheint vorwiegend durch Biotit vertreten
zu sein ; ist dieser mitunter in deutUchen Blättchen zahlreich eingesprengt,
so setzt er auch anscheinend in feiner Vertheilung parallele, dünne, dunkle
Lagen und die oft sehr zahlreichen Knoten zusammen, die bei paralleler
Anordnung bisweilen allein noch die Schichtung des Gesteins erkennen
lassen. Daneben ist auch lichter Glimmer vorhanden. Ein häufiger
accessorischer Gemengtheil ist Schwefelkies. Qaarz tritt local in kleinen
Körnchen in grosser Menge auf (Weissenberg, Gebelzig); der Gneiss erhält
dann partienweise eine weisse oder hellgrünliche Farbe und wird äusserlich
einem Quarzit ähnlieb. Diese Modification ist nicht unwichtig, weU sie
nicht blos in Wolmsdorf wiederkehrt, sondern auch den centrsden Partien
gewisser Ausscheidungen im Granit (S. 68) vollständig gleicht Bisweilen
wird das Gefüge kleinkörnig-granitisch, z. B. bei Wuischke.
In ausgezeichneten, weit fortsetzenden, ca. 5 cm dicken und der hier
deutlichen Schichtung parallel verlaufenden Platten wird der Gneiss z. B.
am rechten Gehänge kurz unterhalb Weissenberg vorgefimden, während
sonst die Schichtung im Grossen weniger deutlich markirt ist, auch nicht
selten durch zwei sich stumpfwinke% schneidende Systeme von Queiy
klüften geschnitten wird, die namentlich bei der Yerwitterung das Gestein
in paralleiepipedische Stücke sondern. Durchaus massiges Gefüge, verbunden
mit kleinpolyedrischer Zerklüftung besitzt das dichte Gestein am rechten
Gehänge in Gebelzig, während es an der linken Thalseite durch Ver-
witterung etwi^ schieferig und mandien Grauwackenschiefem nicht un-
ähnlich erscheint (Daher haben wohl v. Gotta und Glocker das Gebeiziger
Vorkommen als Grauwacke gedeutet)**)
•) Vergl. V. Cotta, Erläuterungen zu Sect. VI.
*'^) Das FaJlen der Schichten ist durchweg sehr steil, in der Richtung aber
wechselnd.
V. Cotta giebt an: Ich beobachtete z. B.:
Ort: Fallen: Ort: Streichen: FaUen:
Bei Weissenberg N. 85^-90° R. Ufer oberh. Weissenberg NO. NW. 80—90^
„ Gröditz 0. 75<» Westl. Hang in W. WNW. saiger
„ Nechem N. 80° Etwas unterh. W. NW. NO. 80-90«
66
Beich an Enauern und Lagen von Quarz ist der Oneiss unmittelbar
an der Grenze gegen den hier zunächst gneissartig ausgebildeten Granit
südlich von Weissenberg. Bei Wuischke und in der schieferigen Modi-
fication von Gebeizig föhrt er Schmitzen und Linsen von feiSakömigem
Granit Am rechten Steilgehänge oberhalb Gröditz trifft man in ihm rund-
liche Quarzausscheidungen, begleitet von Biotit, Muscovit und EeldspaÜi^
sowie wenige Gentimeter dicke, grobkömig-granitische Gänge mit st^geliger
Structur. Ein ebensolcher Gang von sehr wechselnder, im Maximum gegen
1 dm betragender Mächtigkeit durchsetzt fast horizontal die steilen Gneiss-
schichten zwischen Weissenberg und Wasser-Kretscham.
Der Verband des Gneisses mit dem Granit ist nur an einer Stelle
deutlich aufgeschlossen, nämlich an einem kleinen Hügel nördlich von
Nechem.*) Der südliche Puss desselben besteht aus Granit, der den
Gneiss entweder durchsetzt oder grössere Partien desselben umschliesst,
letzteres ist mit Bücksicht auf das wechsekide Streichen des Gneisses
wahrscheinlicher. In halber Höhe des Hügels wird eine solche Gneiss-
partie haarscharf von einem % ^ mächtigen Granitgange durchschnitten,
der selbst wieder Einschlüsse des Nebengesteins enthält und zahl-
reiche feine Adern in letzteres hineinsendet. Das Gbnggestein gleicht
dem gewöhnlichen Lausitz*Granit, nur wird es an den Bändern mitunter
grobkörnig. XJeberhaupt wechselt hier die Eomgrösse des Granits mehrfieu^h,
auch zeigt derselbe Andeutungen von flaseriger Ausbildung. Kleinere
granitiscbe Schmitzen, aus Orthoklas, Plagioklas, Quarz und wenigen grossen
Biotit- und Muscovitblättern bestehend, finden sich mehrfach im Gneiss
dieser Localität. Obwohl bisweilen der Schichtung des Gneisses concordant
eingeschaltet, manifestiren sie sich doch durch nicht selten quer gegen die
Grenzen gerichtete Stellung ihrer Individuen als Gangbildungen, zu denen
auch kleine, lenticulare Lagen von etwas flaserigem Granit, die ich früher
in einem westlich von diesem Hügel gelegenen Anbruche im feinkörnigen
Gneiss parallel dessen Streichen antraf, zu rechnen sind.
V. Cotta theilt in den Erläut zu Sect X ein Profil mit, nach welchem
feinkörniger Gneiss am Wege von Amsdorf nach Wolmsdorf bei Badeberg
schollenartig in den Granit hineinragt Bei dem — übrigens missglückten —
Versuch, diese Stelle wieder aufzufinden, entdeckte ich einen Aufischluss
am östlichen Ende von Wolmsdorf, der nicht weniger deutlich die Be-
ziehungen jener Gesteine zu erkennen gestattet Der Gneiss gleicht in der
Hauptsache dem von Weissenberg, die Knötchen fehlen aber und die
Biotit-Individuen sind grösser, wie überhaupt die Korn Verdichtung nicht soweit
vorgeschritten ist und daher die Yerwandtschaft mit dem Granit nodi
stärker hervortritt Die Gneissstructur, nur durch reihenweise angeordnete,
nicht zusammenhängende Biotitblättchen hervorgebracht, verschwindet oft
schon unter der Lupe. Die von Weissenberg erwähnten lichten, quarz-
reichen Partien des Gesteins finden sich auch hier.
Dieser Gneiss wird von einem gegen 1 m mächtigen Granitgange
durchsetzt; derselbe verläuft zwar naJ^e parallel der Schichtung, ist absr
*) Vennuthlich ist dies die Stelle, von der y. Cotta a. a. 0. sagt: ,,Bei Nechem
sieht man in einem Strassengraben einen mehrfachen Wechsel von Granit nnd Gneiss,
zwischen den Oneissschichten liegen mehrere scharf begrenzte Granitmassen, wahr-
scheinlich gewaltsam eingedrängt.'* — Auch nahe der Ostgrenze des Gneisses bei
Wasser-Kretscham treten in ihm Granite auf.
67
durchaus scharf begrenzt und führt unzweifelhafte Einschlüsse des Neben-
gesteins. Das mittelkömige Oanggestein ist Yom gewöhnlichen Lausitz-
Granit nur durch reichlicheren Gehalt an Muscovit unterschieden. Zahl-
reiche kleinere Gänge, Enauem und Adern von grobkörnig - stengeligeni
Granite durchschwärmen ausserdem den Gneiss. Sie bestehen aus bläulichem
Orthoklas, weissem Plagioklas, Quarz, grossblätterigem Biotit und Muscovit,
sowie schwarzem Turmalin.
Sind hiemach die Weissenberger und Wolmsdorfer Gneisse älter als
der Granit, so kann man sie doch nicht als Einschlüsse eines unabhängig
von der Granitbildung entstandenen Gesteins auffassen. Dagegen spricht
schon, dass sie selbst mehrfach einen kleinkörnigen Granit darstellen, sowie,
dass die Grenze zwischen Granit und Gneiss nicht immer eine so scharfe
ist So geht z. B. der Granit oberhalb Kadeberg an der Böder in ein
kleinkörniges, oft schon durch parallele Stellung der Biotitblätter gneiss-
ähnliches Gestein über. Am rechten Ufer beobachtete ich einige 1 — 2 dm
lange, beiderseits zugespitzte Gneisslinsen in diesem kleinkörnigen Granit,
hervoigebracht durch einen, den Umrissen der Gebilde entsprechend
gebogenen concentrißchen Verlauf der Biotitreihen. Diese Umstände, wie
andere bdd mitzutheUende, lassen mich in den in Bede stehenden Gneissen
ein primäres Erstarrungsproduct des Lausitz-Granits oder Einschlüsse eines
solchen sehen. Hieraus würden sich auch die graniüschen Gänge u. s. w.
innerhalb des Weissenberger Gneisses, in ziemlicher Entfemimg vom Granit
(Gröditz, Wuischke) leicht erklären, ohne dass man sie für Ii^ectionen des
letzteren zu halten hätte.*)
Ueber Ausscheidungen und Einschlüsse im Lausitz-Granit*^)
Kurz erwähnt seien zunächst die gegen den nonnalen Granit panz nnbestimmt
abge^enzten Partien von porphyrartiger 8tractar, die in einer kleinkOinigen , aber
denthch differenzirt erscheinenden granitiscfaen Grundmasse grössere Erystalle von
sehr häufig plagioklastischem Feldspath und Quarzkömer, letztere mitunter ?on Biotit
umsäumt, enthalten. Man trifil sie z. B. in der LObauer Gegend häufig.
Sie sind zugleich mit dem Hauptgestein fest geworden, ebenso wie die durch
Veränderlichkeit des Kornes' hervorgebrachten, in grösseren Massen aufbretenden klein-
körnigen Ausbildungen des Rumburg-Granits (A. G., S. 142) oder die porphjrische
Varietät mit felsitischer Grundmasse von Schönbüchel (S. 143). Gleiches gilt von
theils grobkörnigen, theils kleinkörnigen und glimmerarmen Partien von kleineren
Dimensionen im Granit verschiedener Orte. Besondere Erwähnung verdient por-
phyrischer Rumburg-Granit südhch von Königshain bei Hischfelde: in einer
kleinkörnigen, meist nur weissen Glimmer führenden Grundmasse liegen zahlreiche
verrundete, weisse Feldspathkry stalle bis zur Grösse eines Hühner* Eies, durchzogen
von 1—2 mm dicken Quarzadem. Wie dieser, so bilden wohl auch die kleinkörnigen
Gesteine um Schönau bei Schluckenau, Sohland und Schirgiswalde mit polyedrisoner
Zerklüftung nur „Massenausscheidungen*. — Quarz kommt in gegen zolllangen,
ellipsoidischen Individuen z. B. in den Graniten am Löbauer Wasser und bei Schirgis-
walde sehr häufig eingesprengt vor, auch tritt er vielfach anderwärts in laust- bis
koufgrossen Klumpen auf. Er ist derb , gewöhnlich wasserklar oder nur schwach
milchig getrübt, mitunter rissig und ist wohl gleichzeitig mit der Verfestigung des
Gesteins oder nur wenig später entstanden.
*) Ob die A. G., S. 144, erwähnten dichten Gesteine von St. Georgenthal i. B.
auch hierher gehören oder mehr denen von Witt ig zu vergleichen sind, lAsst sich
wegen ihres verwitterten Zustandes und des Mangels an Aufschlüssen nicht ent-
scheiden.
**) Vergl. auch E. Geinitz a. a. 0., v. Cotta, S. X., und dessen „Geologische.
Fragen''.
68
Das Folgende bezieht sich auf Ausscheidungen im engeren Sinne, aof
Gebilde, die eher als das Hauptgestein fest wurden.
Hier interessiren uns besonders ellipsoidische oder sphäroidiscbe Ck>n-
cretionen, welche von einer stets vorhandenen äusseren, den Uebergang in
das normale Gestein vermittelnden Zone eines kleinkörnigen, biotitreidien
Granits und einem glimmerleeren, lichter gefärbten feinkörnigen bis felsitisch
dichten, häufig Schwefelkies führenden, in den randlichen Theil verfliessenden
Kern l^stehen, dessen Substanz identisch ist mit den oben erwähnten liebten
quarzitähnlichen Partien in den Gneissen von Wolmsdorf und Weissenbeig.
Die peripherische Zone enthält häufig wieder rundliche, mittelkömig-
granitische, von glimmerfreiem Bande umgebene, augenartige Partien, die
vom Nebengestein isolirt erscheinen, während Letzteres auch oft in schmalen
Gängen die Ausscheidung durchsetzt Nicht selten wird der innerste Theil
der letzteren durch derben Quarz gebildet, der aber nicht als zuerst
verfestigter Kern angesehen werden kann, sondern seines oft nachweisbaren
Zusammenhanges mit dem Nebengesteine zufolge jüngeren Ursprungs und
den erwähnten Gängen in gewissem Sinne gleichwerthig ist Charakteristisch
für diese Bestandmassen des Granits ist eine direct oder durch Zerschlagen
hervortretende Zerklüftung in klein-polyedrische , scharfkantige, keilförmige
Stücke. Nicht selten zeigen sie infolge secundärer umstände eine von ihrer
nonnalen rundlichen abweichende, gestreckte, breiigedrückte, auch wohl
gewundene Form.
Fehlt der glimmerarme Kern, so hat man einfache biotitreicbe Aus-
scheidungen. Erwähnenswerth sind noch bisweilen vorkommende Aus-
scheidungen von rundlich-viereckiger Form, die aus einem den Hauptfheil
des Geblides ausmachenden kleinkörnigen, - biotitreichen Kern und zwei
denselben concentrisch umschliessenden schmalen Zonen, einer inneren,
biotitfreien, und einer äusseren, biotitreichen, bestehen. Die einfacheren
biotitreichen Massen besitzen öfters eckige und kantige Conturen. Trotzdem
würde man sie wohl noch nicht als Einschlüsse bezeichnen, wenn sich
nicht an ihnen oft eine durch Parallelstellung der Biotitblätter und einen
Wechsel von glinmier-ärmeren und -reicheren Lagen hervorgerufene Gneiss-
structur bemerklich machte. In Bezug auf die Zusamlmensetzung besteht
kein Unterschied zwischen diesen „Gneissen" und den kleinkörnigen
Graniten, wie auch die Ausbildung der parallelschuppigen Structur aus
der gemein-granitischen sich häufig in einem und demselben „Einschluss"
beobachten lässt. Es sei femer bemerkt, dass in den oben beschriebenen
regelmässigen Ausscheidungen die biotitreicbe Hülle nicht selten schon
Andeutungen einer Schichtung parallel zur Gontur des Gebildes erkennen
lässt, und endlich, dass in manchen Fällen die Gneisslagen an der Grenze
umbiegen und sich mit dem Granit verflössen. Nun kommen aber auch,
wenngleich seltener, gneissartige Bestandmassen vor, bei denen die Schichtung
schroff gegen die Grenze abstösst An einem solchen Einschlüsse,
dessen Gestein ganz dem Wolmsdoifer Gneisse glich (bei Neusaiza, gegen
6 Meilen von Wolmsdorf entfernt, gefunden), verlief die Schichtung, längs deren
das Gestein in dünne Platten spaltete, gegen die auf 3 Dedmeter zu ver-
folgende Granitgrenze rechtwinkelig ohne eine Spur einer Umbiegung. Müssen
derartige Vorkommnisse nach den üblichen Kriterien als Einschlüsse gelten,
so ergeben doch sowohl die völlige Uebereinstimmung ihrer Zusammen-
setzung mit der der erstbeschriebenen Ausscheidungen, sowie die Structur-
69
Übergänge, dass man sie nicht als Bruchstücke einer durch den Ausbruch
des Granits zertrümmerten hypothetischen Oneissdecke, sondern als Frag-
mente von ersten Erstarrungsproducten des Onuiits, als „endogene" Ein-
schlüsse anzusehen haben wird. Auf die petrographische Uebereinstimmung
derselben mit den feinkörnigen Gneissen von Radeberg hat schon y. Cotta
mit Recht Werth gelegt. Dass aber Details der letzteren und der
Gneisse von Weissenberg auch mit solchen typischer Ausscheidungen
(nämlich mit dem centralen, feinkörnigen Kerne derselben) identisch
sind , darauf ist oben hingewiesen. Die grösseren Gneissscbollen , die
kleineren Einschlüsse und die echten Ausscheidungen glaube ich so
als zusammengehörig betrachten zu dürfen.*)
IV.Ueber granitische Gangbildungen im Lausitz- undRumburg-Oxanit
Auf S. 67 wurden glimmerfreie oder nur spärlichen Muscovit fah-
rende feinkörnige, gegen das Hauptgestein ganz verschwommen begrenzte
Ausbildungsweisen des Granits erwähnt. Dieselben treten auch mitunter
als Umhüllungen der ellipsoidischen Ausscheidungen auf.*) Ihnen petro-
graphisch gleich erscheinen mehr gangartig auftretende, aber gegen die
Umgebung ebenfalls undeutlich begrenzte Partien, wie sie im Lausitz-Granit
mehrfach sich finden, z. B. südlich von Kubschütz bei Bautzen, am Tauben-
berg bei Taubenheim, in Cottmarsdorf (hier an der Granitgrenze mit grob-
kömigem Saalbande), bei Ostritz (mit klein-polyedrischer Zerklüftung), u. s. w.
Doch trifft man auch scharf begrenzte Gänge, deren Material von dem jener
höchstens durch eine noch weiter gehende Komverkleinerung unwesentlich
verschieden ist Südlich von Trattlau bei Ostritz z. B. wird der Granit von
vielen, einige Centimeter bis 1 Decimeter mächtigen Adern eines feinkörnigen
bis fast dichten f eldspath-Quarzgemenges mit spärlichen Biotitblättchen durch-
schwärmt Sie setzen eine ziemliche Strecke weit fort, verzweigen sich
dabei und wechseln sehr an Mächtigkeit Ist öfters die Grenze auffallend
bestimmt, so beobachtet man doch auch wieder Uebergänge. Eben solche
*) Die granitischen, vom Nebengestein ausgehenden Gänge in den Ausscheidungen
bez. Einschifissen sind oft gekrOseartig gewunden, verästeln sich und entsenden in
den gneissartigen Einschlüssen der Schichtung derselben parallel verlaufende kpo*
phjsen, zerreissen femer wohl das ganze Gebilde in Fragmente. Auch theilweise
Auflösungen der Einschlüsse haben stattgefunden : Auslappungen an den Rändern
derselben sind darauf zurückzuführen, sowie dünne Glimmersträhnen, die vom Ein-
schluss schweiff^rmig in das Nebengestein setzen, wohl Rette resorbirter Theile dar-
stellen.
Die beschriebenen Gebilde kommen fast überall im Lausitz-Giunit, aber nicht an
allen Stellen gleich häufig vor. Zahlreich und mannigfaltig fand ich sie z. B. in der
näheren und ferneren Umgebung der Orte Löbau, Neusalza, Schirgiswalde. Weiter
östlich werden sie seltener und einfacher, namentlich treten sie im Rnmburg-Gronit
sehr zurück.
Im Granititdes Isergebirges trifft man kleinkörnige Ausscheidungen (nach
Jok^lj Einschlüsse) mit porphyrisch eingesprengten Feldspathen und vonBiotit um-
säumten Quarzkümem, Analoga der oben beschriebenen porphyrischen Ausscheidungen
im Lausitz-Granit. Bei Machendorf fand ich im Granitit überdies einen sehr scharf
begrenzten Einschluss eines dem in den Lausitz-Graniten vorkommenden ganz gleichen,
schuppigen Biotit-Gneisses , durchsetzt von einer Apophyse des Nebengesteins. —
Kleinkörnige, biotitreiche Ausscheidungen einfacher Art sind auch im Granitit des
Eönigshainer Gebirges häufig.
**) Dasselbe beobachtete B. G^initz an Einschlüssen in der Gegend von Stolpen.
70
scharf begrenzte Gangbildungen nimmt man im Granit südlich von Görlitz
wahr. Man wird sie nicht als Vertreter eines jüngeren Eruptiv- Gesteins,
sondern nur als die zuletzt erstarrrten Theile des Lausitz-Granits anzusehen
haben. Am häufigsten sind diese gangartigen Schlieren im östlichen Ver-
breitungsbezirk des Rumburg-Granits, z. B. um Seitendorf (hierher gehören
die A. G., S. 153, 1 erwähnten Gänge) und Priedlanz bei Friedland.
So setzt ein solcher, mehrere Meter mächtiger Gang zwischen Priedlanz
und Berzdorf auf, dessen feinkörnige Grundmasse nach dem Contact zu
grössere Individuen von Biotit, Quarz und Feldspath aufnimmt, überhaupt
ein gröberes Korn erhält Eine noch ansehnlichere Masse steht oberhalb
der Priedlanzer Bretmtihle ah. Die mitunter felsitisch dichte Grundmasse
enthält porphyrisch eingesprengte, denen des Nebengesteins gleichende,
grosse Peldspathkrystalle.*) Im grobflaserigen Gneiss von Ober-Berzdorf
kommt ein bis V* ^ mächtiger Gang vor, welcher parallel der Maserung
des ersteren verläuft und innig mit ihm verwachsen ist, auch wohl grössere
Feldspathe an der Grenze aufnimmt Nahe dem oberen Ende des Auf-
schlusses grenzt er an eine im Granitgneiss steckende Schieferlage, die sich
seinen Conturen anschmiegt.**).
Von Cotta unterscheidet (Erläut zu SeCt. VI.) granitische, granulitische
(glimmerleere) und porphyrartige Granitgänge. Von diesen gehören nach
meinen Beobachtungen zu den oben beschriebenen Gängen die granitischen
und ein Theil der granulitischen, während ein anderer Theil der letzteren
und die porphyrartigen sich schon makroskopisch und geognostisch als von
jenen verschieden erweisen (A. G., S. 154, 2—6) und durch mikrosko-
piscfie Untersuchungen von E. Geinitz als Poi-phyre bestimmt wurden
(E. Geinitz, Ueber einige Lausitzer Porphyre und Grünsteine, Abh. Isis 1886).
Gänge von grosskömigem Gefüge sind viel seltener. Ausser den
schon aus den Gneissen von Weissenberg und Wobnsdorf erwähnten
wurden ähnliche in den Graniten von Schmölln bei Bischofswerda und
Waldecke bei Rumburg gefunden. Sie sind trotz der gegen die Grenze
queren Stellung der Feldspathe uiid Glimmerblätter mit dem Nebengestein
itmig verwachsen. Andeutungen derselben kamen an losen Granitblöcken
um Taubenheim und Schirgiswalde vor, bei letzterem Orte mit grossen
TurmalinkrystaUen. Sie können nur wenig jünger als der Haupt-Granit
sein und sind ein Aequivalent der feinkörnigen Gänge, worauf auch das
bisweilen an letzteren zu beobachtende grobkörnige Saalband hinweist.
Anhangsweise sei noch das Vorkommen von Drusen im Granitgneiss
von Görlitz erwähnt. Sie enthalten säulenförmige Quarze, rothe Orthoklase
mit geriefter und rissiger Oberfläche und kleine ? Albitkry stalle. Diese
Drusenmineralien sind nicht, wie die im Königshainer Granitit, primäre,
sondern sie kamen in vorgebildeten Spalten des Gesteins aus dem gra-
nitischen Magma entstammenden Lösungen zum Absatz.
*) Das Gestein dieser Gioige gleicht den im Rumburg-Granit vorkommenden Uein-
kOmigen MassenausBcheidnngen. Per Natur der Sache nach können im einzehien
Falle, z. B. in dem letztangeführten Zweifel bestehen, ob man es mit einer ap&teren
oder mit der des Hanptgesteins gleichzeitigen Bildung zu thun hat
**) Reich an feinkörnigen, denen des Lausitz-Granits ganz ähnlichen Gängen ist
der Königshainer Granitit, z. B. der des Todtensteins. Die Grenze, die sich
hier oft mehrere Meter weit verfolgen l&sst, ist aber eine noch schärfere. Werden
doch sogar die Feldspathe des Nebengesteins vom Gang mitunter durchschnitten.
— Hierher gehören auch die feinkörnigen Gänge im Is er- Granitit.
71
V. TJeber streifige Biotitgneisse an der Westseite des Iser-Granitits.
Im Gneiss nördlich vom Isergebirge kommt ein sich von Raspenau
bei Friedland bis Voigtsdorf bei Warmbrunn ungefähr nach ONO erstreckender,
vorzugsweise aus Glimmerschiefer gebildeter Streifen vor, der an seinem
westsüdwestlichen Ende an der hier westöstlich verlaufenden Grenze des
Granitits flach abstösst und die Raspenauer Kalklager umschliesst. (Vergl.
G. Rose, a. a. 0. 1856, Joköly und Laube, a. a. 0.) Um Raspenau und
liebwerda treten mit diesem, Biotit neben Muscovit enthaltenden Glimmer-
schiefer innig verknüpfte, streifige, entweder Biotit und Muscovit (Gipfel
des £ichberges nördlich von Liebwerda), oder fast nur Biotit (z. B. am
Kreuz südlich vom Raspenauer Kalkberg imd am Wege von da nadi den
Niehthäusem, sowie am nordöstlichen Fusse des Höllberges bei Karolinen-
thal) führende Gneisse mit oft ausgezeichneter Augenstructur auf, die Jok61y
von seinen Protogingneissen trennt und mit dem primitiven Gneiss des Erzge-
birges parallelisirt G. Rose und Laube halten diese Gesteine für metamorphisch.
Denen von Raspenau ganz gleiche Gneisse traf ich auch an der West-
seite des Granitits, der Grenze desselben nahezu parallel streichend, an.
1. Am linken Gehänge des Gersbaches in Ober-Neundorf, 10 km
südwestlich von Raspenau, stehen nördlich streichende und sehr steil nach
Ost fallende, im Liegenden feinkörnig -schuppige, dünnschieferige , in
hangenden deutlich kömige, streifige und durch Einsprengunge von ver-
rundeten Feldspathen Augenstructur erhaltende Biotitgneisse an. Auf ihre
grosse Aehnlichkeit mit den Raspenauer Gesteinen ist A. G., 8. 151,
hingewiesen, ebenso auf die Discordanz, welche zwischen ihnen einerseits,
und den Neundorf-Kratzauer, nördlich bis nordnordwestlich flach fallenden
sericitischen Gneissen andererseits besteht Sie erscheinen gewissermassen
zwischen die letzteren im Westen und den Granitit im Osten eingekeilt
2. Die krystallinischen Schiefer am Nordfusse des Jeschkengebirges
um Unter-Kratzau, Engelsberg und Machendorf zeigen im Allgemeinen
westliches bis nordwestliches Fallen von ziemlicher Steilheit Die hängenderen
Partien um Kratzau und EngelsbeiK bestehen vorzugsweise aus dunkleren,
häufig durch Kohlenstoff (Graphitoid) schwarz gefärbten, auch quarzitischen
PhylUten, während im Liegenden oberhalb Engelsberg sericitische Schiefer
auftreten, mitunter gewöhnlichen Muscovitschiefern nahekommend, aber
auch durch reichlichere Aufnahme von feinkörniger Feldspathsubstanz
dünnschieferigen Gneissen (vergl. S. 64) gleichend. Die grünlichgrauen,
dickschieferigen Gesteine um Hammei-stein sind wohl als dichte Gneisse
anzusehen (Joköly's Grauwacke). Im letzten Bahneinschnitt vor Machen-
dorf gehen die liegendsten Schichten mit westnordwestlichem Einfallen
in einen Gneiss über, der neben etwas grünlichgrauem Glimmer
vorzugsweise Biotit in dünnen Streifen, Feldspath in grösseren gerundeten,
von Biotit umflaserten und daher Augenstructur bedingenden Krystall^,
sowie Quarzkömer führt. Das Gestein gleicht im Wesentlichen dem von Obei^
Neundorf (6 km norduordwestlich davon), auf welches auch sein Streichen
verweist.*) Es büdet das directe Hangende des S. 61, Anm., erwähnten
zweiglimmerigen Granits, der hier ca. 1 km breit zwischen Schiefer und
Granitit auftritt
*) Es steht auch in nächster MUhe des Einschnitts am rechten Neisseufer, sowie
am Wege nach dem Bahnhofe an.
72
VI. Zusätze und Berichtigungen zu dem Aufsatze: Ueber das
archäische Gehiet etc. — Grünsteine.
Zu S. 141 — 148: ZusammenBetzung und Varietäten des Lausitz- und
Rumburg'Granits. Der eigentliche Lausitz-Granit lässt im ganz frischen Zustande
und bei rein-kOmiger Stmctur wohl immer zwei Feldspathe erkennen , klaren , ge-
wöhnlich etwas bläulichen und h&ufig von QuarzkrystaUen durchwachsenen Orthoklas
und weissen Plagioklas — nach E. Geinitz Oligoklas. — Der weisse Feldspath des
Rumburg-Granits weist auch auf ganz frischen Spaltfl&chen nur selten Zwillings-
streifung auf, solche zeigt aber namentlich der weisse Feldspath, welcher die ^^ossen
blauen Orthoklase umhüllt (Priedlanz).
Analysen des weissen Feldspaths ohne Zwillingsstreifung aus dem Bum-
burg-Granit von Hainewalde, ausgeführt im Laboratorium der K. S. höheren
Gewerbeschule zu Chemnitz:
Procente. Zahl der Bestimmungen. Mittel.
Sic,:
Al,0,+Ve,0.:
CaO:
K,0:
Na,0:
65,47—65,74
20,78-21,03
0,80 - 1,10
11,66-11,91
1,05— 1,16
6 (2 gaben 20,78)
4
8
65,61
20,86
0,98
11,76
1,11
Man sieht hieraus, dass der analysirte Feldspath ein natron- und kalk-
haltiger Kalifeldspath ist
Die mit einer mebr oder weniger milchigen Trübung verbundene blaue Farbe
der Quarze verschwindet beim Erhitzen nur m Folge der Bildung von Rissen : in
kleinen Splittern bleibt sie auch nach dem Glühen erhalten *)
Bemerkenswerth ist das von Jok^ly a. a 0. als Granitit bezeichnete, darcfa
rothen Orthoklas und gewOhnUch scharfe Sonderung der Gemengtheile aufiäUige
Gestein der Gegend westlich und nordwestb'ch von Schönlinde i. B. Die A. G., S. 143
erwähnte porphyrische Varietät gehört zu ihm, ebenso ein am rechten Gehänge in
Langengrund anstehender, schwärzlicher, undeutlicher Gneiss mit oft feinkörniger
bis felsitisch dichter Grundmasse. Blöcke am linken Gehänge besitzen bisweilen
eine dem gneissartigen Rumburg-Granit ähnliche Structur ; die grossen Orthoklase
werden dann auf unregelmässig verlaufenden Spalten von dicken Quarzadem und
Strähnen dichter Grundmasse durchsetzt. Ob diesem Granitit eine SondersteUung,
wie dem des Iser- und Eönigshainer Gebirges, gebührt, erscheint noch zweifelhaft —
8. 147 unter 2) und bez. SteUen von S. 149—150. Eine directe Verbindung der
Schiefer unterhalb des .Böhmischen Reiters* mit denen der Zimmer niann*schen Fabrik
und damit des Jeschkengebirges ist nicht nachweisbar. Jene entwickeln sich anschei-
nend aus dem Gneiss. —
S. 149, Z. 9 V. 0. Die „Diorite*' sind nach E. Geinitz Diabase, z. Th. oralitisirt.
Vergl. dessen S. 70 cit. Abhandlung, sowie unten S. 78 unter S.
S. 149—151. Lagerungsverhältnisse: S. 149, Anm. 2. Die sericitischen
Gneisse im Bekenhainer Thal fallen weiter oberhalb N und sind die westliche Fort-
setzung derselben Gesteine von Eratzau und Wittig.
S. 150, Z. 20—22 V. o. Der Gneiss oberhalb des .Böhm. Reiters* steht wohl
mit dem am linken Ufer oberhalb des Bahnhofs durchschnittenen in Verbindimg.
Die hangenden Schiefer können nicht als Fortsetzung der Eratzauer dichten Gneisse
(Schiefer) gelten, würden vielmehr nach ihrem Streichen (SOj im Liegenden der-
selben erscheinen.
Z. 27—82. Die Schiefer zwischen Gneiss und Quader sind nicht mit denen von
Weisskirchen und wohl auch nicht mit den kiystallinibchen Schiefem an. der Neisee
in ParaUele zu stellen. Ihr Habitus verweist auf jüngeres Alter.
Profil 8. Der Granitit-Grus i' ist mit diluv. Lehm ete. gemengt, rührt also nicht
von an Ort und Steile anstehendem Gestein her. Demnach ist S. 158, Z. 19 .Kratzau'
zu streichen.
S. 150 und 151. Gneisse von Kratzau und Neundorf . Das Fallen der feinkörnigen
wie der hangenden sericitischen Gneisse ist in Ober-Eratzau mehr N als NO, kurz vor
*) Vergl. Bosenbutoh, Mikroskopitohe Physlographle der maesigen Or steine, 2. Aufl., S. 21,
Z. 1 T. u.
73
Hoheneck sogar NNW, daher die für die Mächtigkeit der letzteren gegebene Zahl
von 1500 m -^ von der liegenden Grenze bis zum letzten AufschlusB in Nenndorf —
zn hoch. Uebrigens hat diese GrOssö keine Bedeutung, da die Gesteine nach Norden
zu bis Hohenwald fortsetzen. Die feinkörnigen Gneisse im Liegenden dürften gegen
200 m mächtig sein.
S. 151. Ober-Neundorf. Baspenau. Ueber die Gneisse dieser Orte siehe S. 71.
Das Fallen der Raspenauer Kalke wechselt sehr , schon in einem und demselben
Bruche lassen sich bedeutende Biegungen der Schichten beobachten. Im Durchschnitt
kann man N annehmen.
Zu den Notizen 8. 151 unten ist nachzutragen:
Dörfel N
Minkwitz (nördlich von Dörfel) . NW |
Zwischen Priedlanz und Berzdorf N — NW > Sehr steil.
Ober-Berzdorf ......... NW |
Das südwestl. Fallen des Gneisses im Neissethal ist nur local , am rechten Ufer
ftcheint es im Grossen imd Ganzen nördlich zu sein.
S. 152. Das südöstl. Fallen der Schiefer gegenüber Unter-Eratzau ist nur local,
das allgemeine ist auf der Linie Eratzau-Machendorf — wie oben (S. 71) gesagt —
westlich bis nordwestlich, die Discordanz gegen die feinkörnigen Gneisse in Ober-
Kratzau wird aber dadui'ch nicht geringer. Unterhalb Hammerstein, an der West-
seite des Yiaducts, geht das westl. Fallen in ein schon von Jok^ly aus jener Gegend
erwähntes südwestliches über.
Die Z. 13—19 v. u. ausgesprochene Ansicht von der Zusammengehörigkeit der
JesiChkenschiefer und der Gneisse muss ich, da die concordante Lagerung bei Kratzau
sich auf feinkörnige Gneisse bezieht, die nicht ohne Weiteres mit den Schiefem zu
vereinigen sind, auch der hakenförmige Verband nicht nachgewiesen werden kann,
zunächst aufgeben.
S. 154 unter 6). Das aphanitische Gestein ist trotz seines, einem kleinkörnigen
Grünstein ähnlichen Habitus vielleicht nur eine locale Modification des unmittelbar
angrenzenden Felsits , identisch dann mit dem unter 5) beschriebenen Porphyr.
£. Geinitz bezeichnet es auf Grund mikroskopischer Untersuchung als „dioritisches
oder homblendeporphyrisches Gestein mit vielen grossen Quarzeinschlüssen."
Derselbe Herr hat gütigst neuerlich einige von mir gesammelte Grönsteine
einer mikroskopischen Analyse unterworfen, deren Ergebnisse ich mittheile.
Sie bilden eine Ergänzung zu seiner früheren, hier mehrfach citirten Arbeit
1. Jonsdorf bei Zittau (A. G., S. 154). Zwei Proben werden als „zer-
setzter Diorit oder (?) üralitit^^, eine andere als ,,zersetztes flaseriges, ura-
litisirtes Gestein, (?) DiabastuJBP' bezeichnet
2. Grafenstein (A. G., S. 154): „Flaseriger, zersetzter Diorit; Epidot,
secundärer Quarz, zersetzter Plagioklas, Titaneisen.^^
3. Pass. (A. G., S. 155 und E. Geinitz I.e. S. 17, unter 4): „Breccien-
artiger, flaseriger ? XJralitit" Ebendaselbst findet sich in Lesestücken ein
„Phyllit mit massenhaften Butibjnikrolithen.^^
4. 1 km südlich von Beiersdorf bei Neusalza, am Südabhange des
Hainberges, wird ein grosser Bruch in einem schönen, grobkörnigen Grün-
stein betrieben, der als mächtiger Gang oder stockformig den Granit durch-
setzt. Die Einfahrt durchschneidet die fast saigere Grenze beider Gesteine,
an der der Grünstein kleinkörniger wie sonst, doch nicht aphanitisch ist
Dagegen wird der Granit unweit der Grenze von einigen schmalen Apha-
nit-Gängen durchzogen. Das Gestein des Bruches ist interessant durch
grosskrystallinische Ausscheidungen, die makroskopisch fast nur Feldspath
und wenig Biotit (letzterer auch in normalem Gestein) erkennen lassen und
mitunter Andeutimgen drusiger Structur besitzen. Calcit ist nicht selten
dem normalen Gestein eingesprengt. Die Absonderung ist gross-sphäxoidisch
bis wollsackformig. „Uralitisirter Diabas mit Quarzglimmerdiorit-Ausschei-
dungen, Calcit secundär."
74
5. Bruch 1200 m westlich vom vorigen, nahe Oppach: ,J)oleritischer
Olivin-Diabas mit Hornblende und Biotit, Feldspath z. Th. serpentinisirt."
6. Hügel östlich von Neusalza: „Olivin-Diabas."
7. Nechem, östlich von Bautzen: „Doleritischer Olivin-Diabas, wenig
Biotit.'^ — Absonderung unregelmässig rundlich-polyedrisch.
8. Bruch 1 km nördlich von Spremberg bei Neusalza : „Diabas, z. Th.
uralitisirt, ohne Olivin."
9. Lesestücke von Zeidler, westlich von Bumboi^ i. B., am Fusswege
nach Hermwalde. Sehr ähnlich dem von E. Geinitz 1. c. S. 18 unter 8)
beschriebenen Gestein. „Diorit mit Epidot, etwas Biotit und Quarz, Titan-
eisen. Hornblende in Krystallen."
76
X. Die natfirliche systematische Anordnang der Blfithen-
pflanzen.
Von Prof. Br. 0. Drute.
Seit dem classischen Werke A. L de Jussieu's, welches im J. 1789 unter
dem Titel ,,6enera Flantarom secundom ordines naturales disposita" die
natürliche Methode zum ersten Male in grossartig angelegten und mit tiefem
Wissen durchgeführten Ideen zur Darstellung brachte und damit eine neue
Aera für die botanische Systematik eröffiiete, ist unausgesetzt dasselbe
Thema das Endziel der wissenschaftlichen Arbeiten in dieser Bichtong,
unbekümmert um Darstellungen in praktischer Tendenz, welche mit der
Absicht, die Dispositions Übersicht über das Pflanzenreich zu erleichtem
und den Anfängern eine „Bestimmungsmethode" zu überliefern, durch ihre
ganz anderes, in die Vorhallen wahrer Wissenschaft hineinführenden Zwecke
lebensberechtigt sind. Die natürliche Methode von Jussieu, in welche dann
zu Anfang dieses Jahrhunderts die neue Darstellung eines anderen hoch-
berühmten französischen Botanikers sich mit ihren verbessernden Wirkungen
mischte, nämlich die von Fyrame de Candolle, hat dann besonders in
BarÜing (Göttingen), lindley (London), Endlicher (Wien), dem letzten Träger
des alten Botaniker -Namens Adrien de Jussieu, sowie durch Brongniart
und Decaisne (Paris), ausserdem durch A. Braun (Berlin), um von den jetzt
lebenden, auf diesem Gebiete thätigen Botanikern zu schweigen, ihre eifiigen
Jünger gefanden und zu ebenso viel besonderen Systemdarstellungen geftührt^
denen doch stets derselbe Grundgedanke der stufenweisen Suborduürung
auf vergleichender Prüfung aller Organe der Sexualbildung und Keimung,
weniger der vegetativ entwickelten Organe, zu Grunde lag. In aflen diesen
Systemdarstellungen tritt auch offen zu Tage, dass das Wissen weit über
die Möglichkeit einer entsprechenden Formdarstellung hinausgeht, da die
reihenweise Anordnung des Ganzen, die Trennung nach Principien, welche
doch selten ausnahme&ei und trotz dieser Ausnahmen tief in der Natur
begründet sind, eine vollendete Darstellungsweise mit Einschluss aller
gesammelten Erfahrungen der Forschung verhindern.
Von besonderer Wichtigkeit ist allemal die Prüfimg der Grundlagen,
welche zu den Hauptklassen, besser gesagt zu den besonderen Ent-
wickelungsstufen oder , Reichen" des Systems führen, und in denen die
phylogenetische Forschungsweise zum Ausdrucke gelangen soll, wie sie ja
auch bei den weiteren Eintheilungen in Klassen und Ordnungen (Familien)
der leitende Gesichtspunkt nach Möglichkeit bleiben soll. Als solche eigenen
,,Entwickelungsreiche" stehen seit Jahrzehnten die Gymnospermen, die
Monocotyledonen und die Dicotyledonen für die Blüthenpflanzen fest,
während die der Sporenpflanzen, die uns hier nichts angehen, sich mit ihrer
Qt9. I8^ m JktmUn, 1886. — Abh. 10. 5«
76
obersten Stufe (den Pteridophyten) an die Gymnospermen als niederste Blüthen-
stufe anzuschliessen haben. Vor einem Jahrhundert war man auf diese drd
Beichenoch nicht gekommen; die heutigen Klassen der Gymnospermen (Coni-
feren und Cycadeen) rangirten damals unter den Dicotyledonen, welche Jussieu
an die Spitze des Blütiienpflanzen - Systems gestellt hatte, während er die
Monocotyledonen hinter denselben und vor den Sporenpflanzen folgen Hess.
Als nun durch die Feststellung des Befruchtungsaktes aller dieser Gruppea,
durch genauere Kenntniss der Vorgänge bei der Pollenschlauch- und
Embryosackbildung der Blüthenpflanzen mit grosser Sicherheit erkannt
ifurde, dass Coniferen zusammen mit Gnetaceen und Cycadeen in der
morphologischen Entwickelung ihrer Blüthenorgane am tiefsten ständen und
zu den Pteridophyten hin eine deutliche morphologisch-ausgeprägte Ver-
wandtschaft zeigten, nahm man von da an für die phylogenetische
(„natürliche") ^Ordnung des Systems die genannten Orcüiungen aus ihrem
Verbände mit den Dicotyledonen heraus und stellte sie an den Schluss
der Blüthenpflanzen hinter die bisher dort stehenden Monocotyledonen;
dadurch war nun die Reihenfolge gleichsam von selbst entstanden:
Dicotyledonen, Monocotyledonen, Gymnospermen; (Sporen-
pflanzen: Archegoniaten).
Diese Keihenfolge, ohne jemals gründlich und vorurtheilsfrei geprüft
zu sein, hielt man für natürlich, weU man sich von früher her daran
gewöhnt hatte, die Monocotyledonen für eine niedere Entwickelungsstufe
anzusehen; dies hing schon mit den ein&chen Benennungen nach den
Keimblattzahlen zusanmien, wo man die Sporenpflanzen „Acotyledonen"
nannte und nun von da zu den Monocotyledonen und Dicotyledonen
ein steigendes Zahlengesetz zu finden vermeinte. Als durch paläontologisdie
Forschungen die Systematik Stütze erhielt, blieb dieselbe Anschauung
erhalten. Es heisst nämlich auch noch jetzt gewöhnlich, dass auf die Zeit,
in welcher die Farne prädominirten, die Periode des Vorherrschens der
Gymnospermen (Coniferen) gefolgt sei, dass dann die ersten Monocotylen
„als niedere Blüthenstufe" aufgetreten und zur grösseren Entfaltung gelangt
seien und zum Schluss die „hohen" Dicotylen erschienen, um als jüngste,
höchste Pflanzenklasse die Herrschaft zu übernehmen; man erinnert sich
dabei des Auftretens von Palmen noch im Tertiär an solchen Stellen, wo
jet^t nur dicotyle Bäume — wenn auch gemengt mit monocotylen Kräutern
— zu finden sind, und meint diesen in den physiologischen Leben»-
bedürfiiissen der monocotylen Bäume liegenden Wechsel mit ihrer geringeren
Lebens- und Anpassungsfähigkeit erklären zu können. — Diese Darstellung
könnte richtig sein, wenn folgende Stufenleiter der Organisation be-
wiesen wäre:
Pteridophyten -> Gymnospermen -> Monocotylen -> Dicotylen -*;
es ist aber nur die geologische Aufeinanderfolge derartig bewiesen und
es wird daher zwar Niemand folgende Stufenleiter ohne directe paläonto-
logische Stütze vertheidigen wollen:
Pteridophyten -> Gymnospermen -* Dicotylen -> Monocotylen;
aber es muss die Selbständigkeit der Mono- und Dicotylen betont werden,
welche sich in den mannigfaltigsten Zügen der Organisation beider Klassen
äussert. Es ist niemals gelungen, ein Zwischenglied au&ufinden, welches
die Fortentwickelung der Monocotylen zu Dicotylen ajxscbaulich machte
77
und damit den Dicotylen einen höheren Bang ertheilte, sondern es scheint
dass die Monocotylen seit ihrer Entstehung sich zu Monocotylen toU-
kommenerer Organisation fortentwickelt haben, und dass die vermuthliche
Abstammungsreihe, welche zugleich der Systemhöhe entsprechen soll, sich
in grösster Kürze etwa so gestaltet:
iPteridophyten-^unbekannte ausgestorbene Zwischenglieder -> Monocotylen -►
tPteridophyten--^ Gymnospermen -> einfache und höhere Dicotylen ->.
Demnach brauchen die Monocotylen nicht, weil sie die ältere Erlasse in
der Erdgeschichte darstellen, die niedere zu sein, sie haben im Gegentheil
den Yortheil des früheren Auftretens insofern für sich', weil sie in ihrer
längeren eigenartigen Entwickelung grössere Fortschritte in der Aus-
bildung ihrer angiospermen Charaktere haben machen können , als die-
Dicotylen. Denn, wenn eine pteridophytische Ordnung, z. B. die Bhizo-
carpeen, seit der jüngsten Tertiärperiode Umwandlungen der Art erlitten
hätte, dass sie den Angiospermen beigezählt werden müsste und einen
ganz neuen Stamm derselben bildete, so würde derselbe doch wegen der
Kürze seiner Entwickelung in der Blüthenorganisation weit hinter Pflanzen,
wie Gompositen, Papilionaceen, ümbelliferen zurückstehen müssen, da
letztere ihre Organisationshöhe nur in langen Zeiträumen durch dirergente
Weiterentwickelung erreicht haben.
Es ist also die yermuthete paläontologische Stütze der herrschenden
Meinung, dass die Monocotylen als niedriger entwickeltes Beich zwischen
die Gynmospermen und die Dicotylen zu stellen wären, nicht nur hin-
fällig, sondern aus der Paläontologie kann man geradezu die gegentheilige
Meinung mit grösserer Wahrscheinlichkeit herleiten. Auch sonst muss man
aus mehrerlei Gründen es für richtiger und der natürlichen Systematik
für angemessen halten, die Monocotylen an die Spitze des Systems zu.
stellen, die G3rmnospermen aber hinter den Dicotylen anzuschliessen. Der
hauptsächlichste Grund ist der, dass eigentlich nur die Dicotylen durch
die Gynmospermen yermittelt mit den höchsten Entwickelungsstufen der
Archegonien besitzenden Sporenpflanzen (nämlich mit den „Prothallogamen":
Bhizocarpeen, Lycopodiaceen, Equisetaceen, Famen) morphologisch zu-
sammenhängen, nicht aber die Monocotylen, welche ^bst den Proüiallo-
gamen ganz isolirt gegenüberstehen und von den einst verbindenden
Zwischengliedern niederer Oiganisation sich schon um eine Erdperiode
weiter entfernt, dieselben um so vollständiger ausgelöscht haben. Dagegen
sind von deiyenigen Dicotylen, welche mit einiger Wahrscheinlichkeit als
erste deutlich ausgeprägte Ordnungen in der Kreideperiode genannt werden
können, noch ähnliche oder verwandte Organismen jetzt erhalten, z. B.
Juglandeen, Cupuliferen, ürticaceen (Eicus etc.), und es ist also zur Er-
zielung einer natürlichen Beihenfolge geboten, Ordnungen dieses Charakters
an den Schluss der Angiospermen und in nächste Verbindung mit den
Gynmospermen zu bringen, zu denen sie thatsächlich mehr Beziehungen
zeigen, als alles was man aus den Monocotylen von Hinweis auf gjrmno-
spermen Ursprung abstrahiren kann. Die Monocotylen zeigen directe Be-
ziehungen nur zu den Dicotylen, die letzteren ausserdem aber noch directe
Anknüpfungen an die Gynmospermen, und daher entspricht allein die Beihen-
folge: Monocotyledoneae — Dicotyledoneae — Gynmospermae dieser Sachlage.
Nägeli hat in seiner „Mechan.-physiol. Theorie der Abstammungslehre"
(8.511) von seinem Standpunkte aus den monocotylen Embryo für eine höhere
78
AusbilduBgsstufe erklärt als den dicotylen, was derselben Auffiissang
entspricht — Verschiedene Autoren, besonders aber Strasburger, sind vom
embryologisch-entwickelungsgeschichüichen Standpunkte zu der Vermuthung
gekommen, dass der Zusammenhang der Monocotylen mit den blüthenlosen
Gewächsen nicht direct in Gymnospermen zu suchen sei, sondern in von
den Gymnospermen zunächst ausgegangenen Dicotylen, von welchen
letzteren sich die Monocotylen unter Verkünamerung und Verlorengehen
des einen Kotyledon abgezweigt hätten. Wäre diese Hypothese richtig,
80 würden die jetzigen Dicotylen von einer erneuten, der Ausbildung der
Monocotylen um etwa eine Erdperiodo folgenden Umbildung gymnospermer
Gewächse zu Angiospermen ihren Anlauf genommen haben, wenn nicht
Jener alte dicotyle Urstamm von der Paläontologie bisher nicht bemerkt
sich gleichförmig als solcher auch neben den von ihm abgezweigten Mo-
nocotylen forterhalten haben sollte.
Hinsichtlich ihrer Organisation und erdgeschichtlichen Entwickelung
sind daher Mono- und Dicotylen als Schwestergruppen zu betrachten,
welche unter einander noch sehr häufig durch morphologische Analogien
verbunden sind und insgesammt gemeinsame, scharfe Grenzen gegenüber
den jetzigen Gymnospermen besitzen, welche letzteren man direct oder
indirect (durch jetzt gänzlich ausgestorbene Verwandte von ähnlichem
gymnospermen TYpus) als das Uisprungsreich von Beiden zu betrachten
hat; von diesen beiden Schwestergruppen aber ist die kleinere die ältere,
die Monocotyledonen sind weiter vom niederen Ursprünge abgerückt
Entwickelungsgeschichtlich betrachtet baut man das System gewöhnlich
von unten auf, mit den Thallophyten beginnend und mit den Ai^ospermen
(also mit deren oberster Stufe, den Monocotylen) endend. Theoretisch
betrachtet ist dies der einzig richtige Weg; praktisch kann es auch zu-
weilen sein, den umgekehrten Gang der Betrachtung einzuschlagen, die
höchst entwickelten Organisationsstufen des Pflanzenreichs voran zu stellen
imd die stetig niederer werdenden folgen zu lassen. Dies letztere empfiehlt
sich da, wo man nicht das ganze System, sondern nur einzelne obere
Theile zusammenhängend betrachtet, und so soU auch hier, wo es sich
um die Blüthenpflanzen allein handelt, dieser Gang der Betrachtung von
oben nach unten eingeschlagen werden.
Damach eröffnen dann das Blüthenpflanzen-System die Monocotyle-
doneae, deren Anordnung nach 4 Divisionen (so mögen die grössten
Gruppen jedes einzelnen Entwickelungsreiches genannt werden) und deren
weitere Eintheilung in zusammen 12 Klassen mit im Ganzen 40 Ord-
nungen principiellen Schwierigkeiten in geringerem Maasse als bei den
Dicotylen unterliegt. Nachdem ich selbst die Anordnung dieser 40
monocotylen Ordnungen so weitgehend, als es mir möglich war, untersucht
und einen festen Plan darin airfgestellt hatte, fand ich zur grössten Be-
friedigung, dass dieser Plan mit det Anordnung in dem vortrefflichen
Werke von Maout & Decaisne,*) welches die Systemdarstellung Adrien's
de Jussieu zur Schau trägt, bis auf wenige Kleinigkeiten hinsichtlich der
Gesammtfolge der Ordnungen übereinstimmte und also darin gar nichts
Neues zu zeigen hatte; nur die Subordinirung in Divisionen und Klassen
enthält gewisse Abweichungen.
*) Ttait^ g^n^ral de Botanique, Paris 1876.
79
Eine weitergehende Betrachtung erfordern die nun folgenden Dicoty-
ledoneae, bei denen schon die grosse Zahl der Haupt- und Untergruppen,
nämlich 12 Divisionen mit 41 Klassen und 195 Ordnungen nach
meiner Zählung , die Uebersichtlichkeit erschwert Es handelt sich
dabei hauptsächlich um die Fragen, welche Ordnung (resp. Gruppe von
Ordnungen) an die Spitze des dicotylen Ordnungssystems (als die im
Sinne phylogenetischer Morphologie als höchst entwickelte zu betrachtende)
gestellt werden soll, in welcher Weise die Choripetalen (d. h. die mit
fr ei blätteriger CoroUe versehenen Ordnungen) gruppirt werden, und wie
man die Stellung der Apetalen (d. h. also der coroUenlosen Ordnungen)
einzurichten habe. An die Spitze der Dicotylen sind die Banunculaceen,
Leguminosen, Umbelliferen und Gompositen mit verschiedenem Becht
von verschiedenen Autoren gestellt worden, und unter Discussion der
Gründe muss ich mich für die Gompositen in dieser Stellung erklären.
Um auf die zwei anderen Fundamental -Fragen einzugehen, wird
zweckmässig eine Betrachtung des in 4 Hauptgruppen getheilten Dicotylen-
Systems von P. de CandoUe hier eingeflochten. In diesem uns sehr ver-
traut gewordenen System wurde zunächst auf das Yorhandensein eines
doppelten oder einfachen Perianths — aber mit dem Versuch einer
starren Consequenz — Rücksicht genommen; dann wurde zwar der
Charakter der gamopetalen oder choripetalen Corolle nicht zum zweiten
Eintheilungsprindp für die Blüthen mit doppeltem Perianth gewählt, doch
durch ein geschicktes Eintheilen nach der Staminalinsertion bewirkt^
dass in Wirklichkeit alle gamopetalen Ordnungen zusammenstanden und
also auch, wenn man wollte, als gemeinsame Gruppe bezeichnet werden
konnten. Diese vier grossen Haufen sind folgende:
1. Thalamifiorae oder Thalamanthae*) Kelchblätter und (choripetale)
Corolle, ebenso wie Staminen und Ovarien auf dem Torus eingefügt:
unter einander frei.
2. Caiyciflorae oder Galycanthae,*) Kelchblätter verwachsen (gamo-
sepal) ; der Torus den zusammenhängenden Grund des Kelches auskleidend.
Corolle (choripetal oder gamopetal) und Staminen zusammen perigynisch
auf dem Kelchrande eingefügt. Qermen ober- oder unterständig.
In dieser zweiten Abtheilung schliessen sich zunächst chori-
petale Ordnungen an die erste an, dann folgen diejenigen gamo-
petalen Ordnungen, welche entweder ein unterständiges Gerraen und
auf diesem die Corolle nebst den Staminen tragen (Gompositen und
Verwandtschaft), oder ein oberständiges Germen und Staminen
perigyn frei von der Corolle (Ericaceen). In dieser Zusammen-
stellimg liegen neben einigen Natürlichkeiten, besonders hinsichtlich
des Anschlusses von ümbelUferen an die Caprifoliaceen , manche
. Unnatürlicbkeiten; letztere haben bewirkt, dass auch die dem
de CandoUe'schen Systeme gegenwärtig folgenden Botaniker es
. dennoch vorziehen, in diese Calycifloren je nach chori- oder gamo-
petaler Corolle eine Haupttheilung hineinzulegen.
3. Corolliflorae. Kelchblätter verwachsen, aber (fast ausnahmslos) vom
Germenfrei. CoroUegamopetal. StamineninderCorolle eingefügt(epipetal!).
*) Die letztere Bezeichnungsweise ist in A. de Candolle*B „Anleitung zum Stadium
der Botanik", übersetzt von A. y. Bunge, 2. Aufl. 1844, gebraucht.
80 _
Dies ist die andere Hälfte der gamopetalen OrdnuDgen, in
welcher die Staminen immer epipetal und das Oermen immer ober-
ständig ist.
4. Manochlamydeae, Perianth einfach: Perigonbltithen; oder Perianth
fehlend. .
Diese Anordnung, welche, wie gesagt, die Durchführung natürlicher
Principien ziemlich gut mit praktischer Durchsichtigkeit und Einfachheit
verbindet, hat sich sehr viele IVeunde erworben, ist im Princip noch jüngst
von Bentham & Hooker in den „Genera plantarum" befolgt, wie sie früher
in Meisner^s „Plantarum vascularium genera" befolgt war und steckt in
der Mehrzahl der Florenwerke Deutschlands, Englands, Frankreichs, des
Orients , Russlands mit Sibirien , Nordamerikas und in den englischen
exotischen Floren Afrikas, Indiens, Australiens. Sie hat also gegenwärtig
die umfänglichste litteratur für sich.
Dennoch ist dies insofern mit einem ^wissen unrecht der Fall, als
die Ausführung des originalen Jussieu'schen Systems, in einer Reihe höchst
werthvoUer Werke weitergeführt, der natürlichen Methode weit mehr
entsprochen und sich von dem diagnostischen Bestimmungswesen des
linnö'schen Sexualsystems am weitesten auf wissenschaftlichem Wege
entfernt hat. Es bedarf nur des Hinweises auf solche Ordnungsgruppen,
welche, wie die Caryophyllinae mit den Sileneen etc., Faronychiaceen
und Salsolaceen etc., trotz ihrer natürlichen Verwandtschaft im Systeme
de Gandolle's an weit entlegenen Stellen vertheilt sind und dadurch die
Unausföhrbarkeit einer strengen Durchführung der genannten Eintheilungs-
prindpien zeigen.
Was die Anreihung der Choripetalen anbetrifft, so stehen dieselben
in de Gandolle's System in den beiden ersten Gruppen (Thalamifloren und
Galydfloren), die erste Gruppe allein bildend, aber in der zweiten mit
einem Theile der Gamopetden vereinigt Die Gamopetalen aber, welche
mit den Compositen an die Spitze der Dicotylen (aus Gründen ihrer am
weitesten von dem einfachen Ausgange einseitig fortentwickelten Blüthen-
Organisation) gestellt werden soUen, bleiben am besten zusammenhängend
unter sich, obgleich P. de CandoUe den Anschluss der choripetalen Calyci-
floren mit calycifloren Gamopetalen (nämlich seine Ordnungen Umbelliferae,
Araliaceae^ Gomaceae, Caprifoliaceae^ Rubiaceae^ Compositae) vollkommen
der Natur gemäss vollzogen hat. Es ist dennoch besser, eine Trennung
der Reihe zwischen Gomaceen und Gaprifoliaceen eintreten zu lassen, die
erste Hälfte mit freiblätteriger GoroUe an die übrigen so organisirten
Ordnungen anzuschliessen, und die Gamopetalen in drei Abtheilungen,
deren jede einzelne ihre besonderen Yerwandtschafts-Anschlüsse an die
Choripetalen besitzt und zeigt, unmittelbar aufeinander folgen zu lassen.
Die Choripetalen selbst zerfallen dann also in eine grosse Ordnungsgruppe
von „Calycifloren" mit nächstem Anschluss an die erste Abtheilung der
Gamopetalen, und in eine zweite grosse Gruppe von „Thalamifioren'\
Zwischen beiden hat man aber zumal seit dem Erscheinen von Hooker
ft Bentham's „Genera plantarum" eine sehr berechtigte Zwischengruppe,
die „Discifioren", eingeschaltet Dieselben besitzen eine hypogyne oder
auch mehr weniger perigyn (Rhamneen !) dem Fruchtknoten angewachsene
Scheibe, einen „Discus", dessen Rand selbst zur Insertion von CoroUe
und Andröceum dient, ohne dass der verwachsene Kelch selbst wie
81
sonst die Blumen- und Staubblätter trüge; der Kelch braucht überhaupt
mit diesem Discus gar nicht verwachsen zu sein und ist meistens auch nur
sehr kurz verwachsen, und weil also nicht er an seinem Rande die CoroUe und
das Andröceum trägt, so stehen diese Ordnungen mit oft breitdrüsiger
Scheibe um das Germen (wie Ruta^ Evonymus etc.) bei P. de Gandolle
unter den Thalamitloren , ohne hier ganz hinzugehören. Wenn es nun
auch zwischen ihnen und den letzteren Uebergänge giebt, so darf uns das
dennoch nicht abhalten, diese Insertionsart ^s Divisionscharakter in der
Gruppirung der Dicotylen zu verwenden.
Unmöglich ist es, alle Ordnungen, denen die Corolle fehlt, als eine
einzige „monochlamydeische" Abtheilung zusammenzufassen; es ist dies
unmöglich, weil der Mangel der Corolle sowohl typisch zu den Charakteren
des Urstammes jener betreffenden Ordnungen gehören, als auch in jüngerer
Zeit neu erworben und aus blumenkrontragender Organisation entsprungen
sein kann; die Monochlamydeen können also mehrfachen Ursprunges sein
und die moderne Systematik vermag mit ziemlicher Schärfe zu beweisen, dass
diese Möglichkeit auch real vorliegt und dass verschiedeneBeihen apetaler Sippen
sich von coroUen tragen den ableiten, andere Beihen dagegen von Haus aus
nur mit einfachem Kelch oder ganz ohne Blüthenhülle organisirt gewesen sind.
Die Gamopetalen zwar lassen beinahe nie ihren Charakter als Corollaten
fallen; Frctxinus excelsior ist eins der wenigen bekannteren Beispiele daftlr,
dass ein apetales Gewächs doch zu den Gamopetalen gehört. Dagegen haben
sowohl die Calycifioren als die Discifioren ihre corollenlosen Nebenreihen,
welche man zweckmässiger Weise in den Rang eigener Divisionen bringt, um
die Uebersichtlichkeit des Systems sowohl für Theorie als Praxis zu erhöhen;
und endlich schliessen sich an die Thalamifloren gewisse apetale Ordnungen
in fast allmählichem Uebergänge an, während dann erst zum Schluss eine
kleinere Zahl typisch coroUenloser und fast blüthenhüllloser Ordnungen folgt.
In Verfolgung dieser Principien ergeben sich 12 Divisionen, von denen die
letzten den gymnospermen Divisionen, über welche nichts neues anzugeben ist,
unmittelbar vorhergehen und verwandtschaftliche Beziehungen zu diesen zeigen.
Im Vortrage in der Section wurde diese neue Anordnung des natür-
lichen Phanerogamen- (Anthophyten-, oder Siphonogamen-) Systems an
divisionsweise in Gruppen zusammengestellten Topfgewächsen des bota-
nischen Gartens demonstrirt, welche zumeist der europäisch-sibirisch-nord-
amerikanischen Flora entlehnt die Aufeinanderfolge der bekanntesten Ord-
nungen*) zeigten. Es mag daher auch hier diese Beihenfolge mit Be-
rücksichtigung nur der in Mitteleuropa wild wachsenden Pflanzen Platz
finden.
I. Monocotyledoneao.
Division Ä. Petalanthae. (Blüthenhülle P 3-f-8 in beiden oder im innem Kreise
von coroUinischer Struktur.)
ünierdiyision a. Epigynae zygomorphae.
Klasse I. Gynandrae. — Ordn. 1. Orchidineae.
n n. Scitamineae. (In Mitteleuropa nicht vertreten.)
*^ Es ist in der Namensgebung der Ordnungen mit lindley u. A. das Princip befolgt,
die Endungen aceae oder ineae an eine Gattung derselben anzuhängen; Eigennamen
wie Palmae, Gramina, Compositae, Labiatae etc. sind daher nur zu den Ellassennamen
verwendet worden, was übrigens nur bei diesen einzelnen sehr g^t bekannten
Gruppen zu NamenR&nderungen geführt hat.
82
Unterdivision b. IsOchlomydeae homotropae.
Klasse III. Bromelioideae. (In Mitteleuropa nicht vertreten.)
„ IV. Coronariae. — Ordn. 2. .ÄjnaryUidineae.
„ 8. Iridineae.
„ 4. Liliaceae (ind. Colchicaceae.)
,, V. Dictyoneorae. — „ 5. Smilacineae^
Unterdivision c. Dicblamydeae antitropae.
Klasse VI. Enantioblastae. (In Mitteleuropa nicht vertreten.)
Divi8ion B. Glumiflorae,
Klasse VII. Cyperoideae.
,, Vm. Gramina.
,, IX. Juncoideae.
(BlüthenhüUe P8 + d oder PS oder PO kelchartig.)
— Ordn. 6. Cjperaceae.
— „ 7. Agrostidineae.
— „ 8. Juncaceae.
Ditnsian C. Diclines. (Blüthen diklin; Pd-f 3 oder PO, kelchartig.)
Klasse X. Palmae. (In Mitteleuropa nicht vertreten.)
„ XL Spadiciflorae. — Ordn. 9. Typhaceae.
„ 10. Araceae.
„ 11 Lenmaceae.
Division D. Macroblastae.
Klasse XII. Helobiae.
(Embryo grosskeimend, Samen ohne Endosperm.)
— Ordn. 12. N^jadineae.
„ 13. Alismaceae.
„ 14. Hydrocharidineae.
II. Dicotyledoneae.
Division A. Gamopetalae epigynae, (Corolle verwachsen, auf dem unterst&ndigen
l^ruchtknoten stehend.)
I. Compositae. — Ordn. 1. Lactucaceae.
2. Asteraceae.
Klasse
II. Aggregatae.
in. Caprifolia.
IV. Lobelioideae.
3. Ambrosiaceae.
4. Dipsaceae.
5. Vskierianaceae.
6. Loniceraceae.
7. Rubiaceae.
8. Campanulaceae.
9. Lobeliaceae.
Division B. Gamopetalae corolliflorae, (Unterständige GoroUe verwachsen;
5 [4,2] Staubblätter in Altemanz mit 5 Blumenblättern.)
Klasse V. Personatae. — Ordn. 10. Utriculariaceae.
„ 11. Orobanchaceae.
„ 12. Scrophulariaceae.
„ VI. Labiatae. — „ 18. Selagineae (Unterordn. Globularinae.)
„ 14. Verbenaceae.
„ 15. Salviaceae.
„ VII. Rotatae. — „ 16. Boragineae.
„ 17. Polemoniaceae.
„ 18. Convolvulaceae.
„ 19. Solanaceae.
„ VIII. Contortae. -— „ 20. G«ntianaceae.
„ 21. Asdepiadineae.
„ 22. Apocynaceae.
IX. Diandrae. — „ 23. Oleaceae.
(Anhang): „ 24. Plantagineae.
Division C, Gamopetalae antistemones. (Unterständige Corolle verwachsen,
5 Staubblätter gegenüber 5 Blumenblättern, oder 10 Staubblätter in 2 Kreisen.)
Klasse X. Primuloideae. — Ordn. 25. Plumbagineae.
,, 26. Primulaceae.
83
Klasse XL Stjracoideae. (In Mitteleuropa nicht vertreten.)
„ XII. Bicomes. — Ordn. 27. Ericaceae
„ 28. Pyrolaceae (einschl. Monotropa.)
Division D. Calvciflorae choripeialae. (Fruchtknoten unter- oder oberständig;
Corolle freibl&ttrig, mit den Staubblättern auf dem Rande des verwachsenen Kelches
stehend.)
Klasse Xill. ümbellatae. — Ordn. 29. Gomaceae.
„ 30. Araliaceae. ^
„ 31. Apiaceae.
XIV. Comiculatae. — „ 32. Ribesiaceae.
,, 38. Saxifragaceae.
,, 34. Grassulaceae.
XV. Senticosae. — ,, 35 Rosaceae.
„ 36. AmygdaJaceae.
XVI. Legnminosae. — „ 37. Phaseolaceae.
XVII. Onagrariae. — „ 88. Lythraceae.
„ 39. Jussieuaceae.
„ 40. Trapaceae.
XVIII. Opunüae. (In Mitteleuropa nicht vertreten.)
XrX. Peponiferae. — Ordn. 41. Cucurbitaceae.
Division E. Calyeiflorae apetaJae. (Der voiigen Division verwandte Ordnungen
mit unterdrückter Corolle.)
Klasse XX. Hygrobiae. — Ordn. 42. Haloragidineae.
„ XXI. Daphnoideae. — „ 48. Thymelaeaceae. j
,, 44. Elaeagnaceae. I
Division F, Disciflorae choripeialae. (Fruchtknoten oberständig, ausnahmsweise
im Discus unterständig; Corolle freibl&ttrig, mit den Staubblättern auf dem Rande ^
des Discus stehend.) i
Klasse XXII. Frangulae. — Ordn. 45. Uicineae.
„ 46. Gelastraceae.
„ 47. Rhamnaceae. |
„ 48. Vitideae. j
„ XXIII. Aesculi. — „ 49. Sapindaceae (Unterordn. Acerinae).
„ XXIV. Terebinthinae. — „ 50. Rutaceae. I
Division G, Disciflorae diclini-apetalae. (Der vorigen Division verwandte |
Ordnungen mit dikliner Geschlecht svertheilung und häufig unterdrückter Corolle.) i
Klasse XXV. Tricoccae. — Ordn. 51. Euphorbiaceae. i
„ 52. Empetraceae. I
y, 53. Callitrichaceae. |
Division IL Cyclospermae. (Samenknospen an centraler freier Placente, campy- i
lotrop; Samen mit gekrümmtem Embryo und Perisperm; Corolle freiblättrig ober-
ständig, in Ordnung 55-57 unterdrückt) 'j
Klasse XXYI. Caryophylli. — Ordn. 54. Dianthaceae (Sileneae -f* Alaineae.)
„ 55. Paronychiaceae.
„ 56. Sabolaceae (=» Chenopodiaceae).
,f 57. Amarantaceae.
Division L Chlamy doblastae, (Samenknospen anatrop; Samen vielfach mit Peri-
sperm ; Fruchtknoten unterständig und alsdann oft mit dem Perigon verwachsen, oder
oberständig; Corolle freiblättrig oder unterdrückt.)
Klasse XXVII. Hydropeltides. — Ordn. 58. Nymphaeaceae.
„ XXVIII. Hysterophyta. — „ 59. Aristolochiaceae.
„ 60. Loranthaceae.
,, 61. Santalaceaa
Division K. Thalamiflorae choripeialae. (Fruchtknoten oberst&ndig; Corolle
freiblättrig in Wirtein oder Spiralen, mit den Staubblättern auf dem Blüthenboden
selbst stehend.)
Klasse XXIX. Polygaloideae. — Ordn. 62. Polygalaceae.
84
Elasse XXX. Oruinales. — Ordn. 68. Linaceae.
„ 64. Oxalidineae.
„ 65. Geraniacefte.
„ 66. Balsaminaceae.
„ XXXL Columniferae. — „ 67. Tiliaceae.
„ 68. Malvaceae.
„ XXXII. öuttiferae — „ 69. Hypericaceae.
„ 70. Elatinaceae.
„ XXXIII. Ciatoideae. — „ 71. Resedaceae.
„ 72. Violaceae.
„ 78. Cifitaceae.
„ 74. TamariBcineae.
„ 75. Droaeraoeae.
„ XXXIV. Crudferae. — „ 76. Brassicaceae.
„ 77. Fumariaceae.
„ 78. Papaveraceae.
„ XXXV. Polycarpicae. — „ 79. Berbeiidineae.
,, 80. Rannnculaoeae.
Divinan L, Apetalae isomerae. (Fruchtknoten oberstftndiff; CoroUe fehlend;
Perigon in Wirtein, mit den Stauhbl&ttem in Altemanz oder Opposition.)
Klasse XXXVI. Trisepalae. (In Mitteleuropa nicht vertreten.)
„ XXXVIl. Ochreatae. — Ordn. 81. Polygonaceae.
„ XXXVIII. Urticoideae. — „ 82. ürticaceae.
„ 88. Cannabineae.
„ 84. Ulmaceae.
XXXIX, Piperoideae. —
(Anhang:) „ 85. Ceratophyllaceae.
Division M, Dimorphantae diclinea, (Gorolle fehlend. Kelch fehlend oder ein
unvollkommenes Perigon darstellend; Geschlechtsvertheilung diklin , BlQthen in
gedrängten Inflorescenzen.)
Klasse XL. Juliflorae. — Ordn. 86. Salicineae.
„ 87. Myricaceae.
„ XLI. Cupuliferae. — „ 88. Betulaceae.
„ 89. Corylaceae.
y, 90. Fagaceae.
III. Gymnospermae.
IHsinan Ä. Gmioideae. (In Mitteleuropa nicht vertreten.)
Diffinon B. Coniferae, (Einzelne Klasse mit gleichem Namen.)
Ordn. 1. Taxaceae.
„ 2. Gupressaceae.
„ 3. Araucariaceae.
Division C. Cycadineae, (In Mitteleuropa nicht vertreten.)
Es setzt sich darnach das System der mitteleuropäischen Phanero-
gamen-Flora zusammen aus 14 monocotylen Ordnungen (während 26
tropische und südliche Ordnungen fehlen), aus 90 dicotylen Ordnungen
(während 105 tropische und südliche fehlen), und aus 3 gymnospermen
Ordnungen (während 2 tropische und südliche fehlen), in Summa also
aus 107 Ordnungen von Blüthenpflanzen. Es fehlt, wie man aus dem
Yergleich der Zahlen sieht, im procentischen Yerhältniss die grösste
Zahl der Monocotyledonen , unter denen sich auch die Mehrzahl von
hervorragend tropischen Charakterordnungen befindet.
85
XI. Die Torfahren der Insecten.
Von Dr. Brich Bteaae.
Eine der Klassen des Thierreichs, T^elcbe ebenso durch ihren Reich-
thum an Farben und Formen als durch ihre zeitweilige Massenzahl und
den daraus der menschlichen Gulturwirthschaft entstandenen Schaden stets
die Aufmerksamkeit des beobachtenden Laien auf sich gezogen hat, die
Klasse der Insecten, ist bis vor Kurzem von der modernen Richtung
zoologischer Forschung verhältnissmässig wenig berührt worden. Waren
es früher die Hexapoden, welchen Männer wie Fabricius, Germar, Bur-
meister, Erichson vorzugsweise ihre schöpferische Arbeitskraft zuwandten,
so traten seit Darwin 's bahnbrechenden Theorien über die Umwandlung
der Arten die leichten Kinder der Luft unverdient in den Hintei^rund wissen-
schaftlichen Interesses, um schwerfalligen Fisch- und Froschgestalten Platz zu
machen, welche allein für die Morphologie von Werth zu sein schienen.
So bestand denn das Interesse an der Insectenkunde fast nur in einem
weniger productiven als ästhetisch receptiven Kreise zur Naturbeobachtung
oder zur Schauensfreude angeregter L^en, und Diesen allein ist es zu
danken, dass trotz der geringen Aufmunterung von Seiten der Forscher-
welt doch die Entomologie als solche wenigstens inhaltlich stets gef[5rdert
wurde. Der Grund nun, weshalb die moderne Morphologie diese ge-
waltigen in der descriptiven Entomologie aufgehäuften Mengen von Be-
obachtungen und kritischen unterschieden oft der feinsten Art bisher noch
wenig nutzbar verwerthete, liegt vor Allem darin, dass die Hunderttausende
von Arten, welche dem Kenner in ihren geringsten Abweichungen Fülle
von ArbeitsstofF liefern, dem weniger geübten Blick so unendlich öde und
gleichförmig gestaltet vorkommen, dass es gar nicht lohnend erscheint,
nach dem rothen Faden zu suchen, der sich für den denkenden Forscher
selbst durch das wirrste Formenlabyrinth ziehen muss.
Dazu kommt noch, dass ebenso, wie die Paläontologie nur wenig
Aufschlüsse und fast keine die jetzigen getrennten Stämme verbindenden
Schalttjrpen bringt, auch die Embryologie der Insecten lange nicht so
gewichtiges Material für den Aufbau eines entwickelungsgeschichtlichen
Systems liefert, als sie dies bei den Wirbelthieren vermag.
Erst in den letzten Jahren waren es vor Allem Brauer, Wood-
Mason, P. Mayer, Palm6n und Grassi, welche die Frage nach
der Genealogie der Insecten zu lösen sich bemühten. Um die Principien
dieser einzelnen Forscher kurz von einander zu unterscheiden und zu
charakterisiren, ging Brauer bei dem Suchen nach der Urform der
Tnsectenvorfahren von den Chilopoden, bei dem nach der Urform der
Insecten von der Campodea aus: Thesen, von welchen die erstere von
Oea. J9i» in Drtsdtn, 1896, — Abh. 11.
86
mir 1882 zurückgewiesen wurde, während die zweite, besonders durch
Lubbock, P.Mayer und Palm 6 n weiter ausgeführt, jetzt allgemeiiie
Anerkennung findet. Wood-Mason und nach ihm Qrassi sehen wie
Fr. Müller die Vorfahren der Insecten in Crustaceen, besonders der
Nauplius" oder Zoea-Form, während neuerdings die Untersuchungen des
Peripafus durch Balfour, Moseley, Gaffron und Kennel für
manche Forscher Material geliefert zu haben scheinen, um für einen
näheren Anschluss der Insectenvorfahren an die Würmer einzutreten.
Die Beobachtungen, welche uns gestatten, hypothetisch eine Skizze
des Urinsects zu entwerfen, gehören allen Gebieten der Wissenschaft an.
Vor Allem ist hier in's Auge zu fassen das aus der morphologischen
Vergleichung der verschiedenen Formen sich ergebende Allgemeinbild,
wobei stets an dem Gesetz festgehalten werden muss, dass die gliedreiche
undifPerenzirte Form als primär der verschiedenartig angepassten, kürzeren
vorangehen muss, falls nicht wie bei Schlangen, Myriapoden, Würmern,
die erstere wiederum als secundär ableitbar erscheint.
Weitere Aufschlüsse giebt uns die Paläontologie, mit deren Ergebnissen
die Morphologie, wenn sie auch nicht auf sie geradezu angewiesen ist,
sich doch nie in Widerspruch setzen darf, sowie die geographische Ver-
breitung der Gattungen. Besonders letztere wird einmal später im Stande
sein, uns über die Altersbeziehungen der Formen und ihre gegenseitigen
Verwandtschaftsverhältnisse Aufklärung zu verschaffen, und da bisher die
monophyletische, d. h. die von einem Stamm ausgehende, Entstehung der
Arten nicht beweiskräftig widerlegt wurde, haben wir so noch Grand,
Gattungen mit grossem Verbreitungsgebiet im Allgemeinen für älter zu
halten als solche mit relativ enger Beschränkung des Vorkommens.
In der Embryologie der Insecten ist es ein Moment, welches auch
bei den höheren Thieren so verdiente Beachtung findet, das Vorkommen
rudimentärerOrgane, welche im Laufe der Entwickelung erscheinen,
um in der nächsten Phase zu verschwinden, welches auf die Natur der
Insectenvorfahren ein klares licht geworfen hat So zeigte Eowalewsky
am Eolbenschwinunkäfer (Hydrophilus)^ Bütschlian der Biene, G r a b e r
an der Fangheuschrecke (Mantis)^ dass sich in frühen Stadien des Embryos
ausser den gewöhnlichen 3 noch ein 4. bis 5tes Beinpaar hinter diesen am
Abdomen anlegt, welches im weiteren Verlauf bald verschwindet. Dieses
überzählige Beinpaar erlaubt uns den Schluss, dass die VorÜEihren der
Insecten an den Hinterleibssegmenten, ebenso wie an denen des Thorax,
Extremitäten besessen haben müssen, einen Schluss, den schon die blosse
morphologische Vergleichung der Tracheaten verlangte. Aus letzterer
können wir uns des Genaueren das Urinsect noch construiren als zu-
sammengesetzt aus dem Kopf, mit einem Fühler, drei Eieferpaaren, aus
der dreigliederigen Brust mit den 6 Laufbeinen und einem mindestens
11 gliederigen Hinterleib.
Um zuerst die Vorfahren der Insecten, die wir kurz als „Vorinsect",
Archentomon, bezeichnen wollen, zu besprechen, so stehen dieselben
der noch in 3—5 Arten lebenden Gattung Scolopendrella Gerv. nahe,
welche über die ganze Erde verbreitet sein dürfte. Sie wurde von ß y d e r
zum Typus einer besonderen Tracheatenordnung, der Symphyla^ erhoben
und von Pa c k ar d geradezu als Insect angesprochen, während vorsichtigere
Forscher sie zu den Myriapoden stellen.
87
Fig. 1. ScolopendreÜa immaculata Newp.
a After
ant, Fühler
pj erstes Beinpaar
Sonst Bezeichnung wie in Fig. 2;.
ScolopendreÜa zeichnet sich aus durch vielgliederige Fühler, drei
Paar Kiefer, deren letztes wenig entwickelt ist, 12 Paar 5 gliederige, am
Ende zweikrallige Laufbeinpaare und ein Paar langer Schwanzanhänge, in
denen eine Spinndrüse liegt, deren Secret dem Thiere gestattet, sich von
seinem Standort an Fäden herunterzulassen. Die Fühler der ScolopendrelUi
finden sich wenig modificirt bei den Chilopoden, stark reducirt bei
den Diplopoden wieder, während die Mundtheile zwischen denen der
beiden grossen Ordnungen der Myriapoden die Mitte halten. Ein bei
ScolopendreÜa wie bei den Diplopoden hinter dem 3. Beinpaar unpaarig
vorkommender Schlitz, der in eine besondere starkwandige Drüse führt,
scheint der secundär nach vorn gerückten paarigen Geschlechtsöffuung
der Diplopoden zu entsprechen, während die von ScolopendreÜa, was ich
trotz der widersprechenden Behauptung Grassi's erkenne, wie bei den
Chilopoden in einem Genitalsegment vor dem After liegt.
Wie in der hohen Zahl der Beine und der allmählichen Entwickelung
derselben an die Myriapoden, erinnert Scolopendrella durch die Mund-
theile, die auch denen gewisser Elateridenlarven gleichen, die Doppel-
klauen an den Beinen sowie die Segmentzahl an die Insecten, besonders
die Thysanuren^ eine Abtheilung der Springschwänze. Und auch die bei
Insecten aufgestellte Zahl von 14 Segmenten lässt sieb nachweisen, denn
es tritt bei Scolopendrella zu den erwähnten 12 heintragenden noch ein
13. Segment hinzu, dessen Anhänge in eigenthümliche Tastapparate um-
gewandelt sind, während das Analsegment mit den Spinngriffeln, welche
den Schwanzfäden eines Thysanurs entsprechen, als 14. Segment an-
zusehen ist
Besonders interessant sind bei ScolopendreÜa zwei eigenthümliche
Arten von Bildungen an der Unterseite des Abdomens, deren eine wir
vorläufig als „Abdominalzapfen'' bezeichnen wollen.
88
Mg. 2. Leibesende von ScolopendreUa imnuicidata Newp. v. iint
'^^^ L.*^S§^V^ ^ti elftes, p,, zwölfte«
^^'^ j^^^^'^JvnOfm^^^^^Si un©ntwickelte8,p^-drei-
V^^S^i^IIJtdl^^ '^e^^^s umgebildetee
rTfl<7t7\ i - ^^^^^■'^Kh Beinpaar; |/Z. Coxai-
/^U^.^w drüsen; er. Hüftenan-
r^\£ hang; « Sinnesorgan;
\ \ app. EndanhlUige, von
\ \ dem AusfcLhrangegang
^ der Spinndrüsen , dL,
^ ...app durchbolirt. o Ostium
genitale.
50 X vergr. (n. Latzel).
Dieselben werden von einem kurzen am Ende in längere Borsten
auslaufenden -Anhang gebildet, der, bei Scol. immacülata Newp. besonders
entwickelt, innerhalb der gegliederten Laufbeine auf einem rundlichen
Plättchen sitzt Wie ich auf der Berliner Naturforscherversammlung
1886 nächwies, entsprechen diese Abdominalzäpfchen morphologisch ge-
wöhnlichen Endspornen (calcaria), wie sie bei den meisten Tracheaten
am Ende der einzelnen Beinglieder auftreten, und sind denselben An-
hängen an den beiden letzten Beinpaaren von Machilis homolog.
Damit fällt 1) der Vergleich der Abdominalzapfen mit rudimentären Lauf-
beinen, 2) die Behauptung Wo od-Ma so n's, dass die Beine der Myriapoden
denen der Insecten nicht homolog seien, hinweg, zumal ich solche Zapfen
ebenfalls an den letzten 2 Beinpaaren von echten Insecten (jBto^^id^t»^ nachwies.
Die anderen eigenthümUchen Bildungen am Unterleib von Scolopen-
dreUa sind am 2. bis 11. Segment nach aussen als S-förmige, innerhalb der
Abdominalzäpfchen gelegene Spalten deutlich, welche in eine taschen-
formige Drüse führen, die wir vorläufig als „Abdominaltasche^'
bezeichnen wollen. Diese Abdominaltaschen finden sich nun bei den meisten
Thysanuren wieder, wo sie ausgestülpt werden können, ein klebriges
Secret absondern und dem Thiere das Hinaufklettern an glatten Wänden
ermöglichen. Ihre bei Machilis sehr starke Muskulatur ist bei Scolopen-
dreUa noch unausgebildet und steigt mit dem Orade der Ausstülpbarkeit,
da sie selbst nur zurückziehend wirkt. Aehnliche Drüsen finden sich bei
Peripatus, bei gewissen Diplopoden (Craspedosoma , Lysiopetalum) und
endlich bei Ghilopoden, so h^i Lühohius an den letzten 4 bis 5, bei Henicops
den letzten 4, bei den abgeleiteten Scolopendriden und Geophiliden nur
am letzten beintragenden Segment.
Ihrer Lage nach stets auf die Hüften beschränkt, sind sie auch hier
als „Coxal drüsen" und somit die Abdominalzapfen als „Hüft-
spornen" zu bezeichnen. Daraus ergiebt sich, dass die Duplicaturen
der Unterseite des Hinterleibes von Machilis^ soweit sie paarig sind, als
rudimentäre Hüften aufzufassen sind, zumal ein kleiner Lappen ausserhalb
der Coxaldrüsen, der eine Verlängerung der Hüfte darstellt, wohl als
Rudiment ihrer Fortsetzung aufzufassen ist Weiter ergiebt sich daraus
die schon von Wood-Mason ausgesprochene Deutung der unpaaren
mittleren Platte als des Sternum sowie der Beweis, dass die beweglichen
,.BauchRnhänge" von Machilis nicht den Beinen der Myriapoden homolog,
89
sondern nur stark entwickelte Borsten sind. Sie sind anch gleich diesen
beweglich eingelenkt und die sie bewegende Muskulatur tritt nicht in sie
hinein^ was sie sonst bei einem Anhang stets thut, an dessen Bildung,
wie an der des Beines, das Mesoderm theilnimmt. Bei dem Zuckergast
{Lepismd) lässt sich die Beweglichkeit der einzelnen Rückenborsten unter
dem Mikroskop leicht beobachten.
So wäie erwiesen, dass die Yorinsecten den Symphylen nahe standen
und durch letztere zu den Myriapoden und aufsteigend zu den Thy-
sanuren führten.
Es wäre also noch die Urform der Insecten, das „Urinsect", Proten-
tomon, nach Brau er' s Hypothese ein der Campodea, einer Gattung der
Thysanuren ähnliches Thier, zu suchen.
Fig. 3. Campodea staphylinus Westw.
Bezeichnung wie in Fig. 1.
Der Weg, welchen Brauer einschlug, um die Richtigkeit seiner Ansicht
darzuthun, beruht zum grossen Theü auf den Ergebnissen derEntwickelungs-
geschichte. Wir haben, um es kurz auszudrücken, besonders drei Arten
von Insectenlarven : 1) freibewegliche, meist camivore, bunt gefärbte mit
gut ausgebildeten Sinnes- und Bewegungswerkzeugen, 2) raupenähniiche,
schwerfällige, 3) madenfbrmige ganz unbehülf liehe ohne Beinanhänge und
4) von diesen ^ableitbare sog. culiciforme, an besondere Yerhältnisse des
Wasserlebens angepasste. Dass nun Form 3 von 2 abzuleiten ist, ergiebt
sich schon aus dem Vergleich der Larven einer Familie, z, B. der Käfer,
wo die Engerlinge, die Larven der Lamellicomier, der Urform näher
stehen als die fusslosen Maden der Rüsselkäfer. Dass Form 2 von der
ersten abzuleiten ist, ergiebt sich aus der Entwickelung gewisser Blasen-
käfer (Yesicantia), so besonders der von Sitaris und dem Maiwurm (Melo'e)^
wo die Larve ursprünglich freibeweglich, „campodeid", ist und erst mit dem
Versinken in träge, parasitäre Lebensweise die „Baupenform^^ annimmt.
90
Zu denselben Besultaten wie Brauer kommt man auch, wenn man allein
die Anordnung der Luftlöcher, Stigmata, zu Hülfe nimmt, was zugleich
als Beweis für die grosse Wichtigkeit ihrer Anordnung für die Morpho-
logie dient.
Yon allen höheren Insecten besitzt keines in irgendeinem Stadium mehr als
10 Stigmenpaare, welche meist zu je 1 Paar an den2 letzten Brust- und den 8
ersten Hinterleibsringen sitzen. Diese Anordnung findet sich verbreitet
bei Insecten mit sog. unvollkommener Verwandlung, d. h. freilebender,
Nahrung aufiiehmender Puppe, welche längst allgemein als die ältesten
und der Urform am nächsten stehenden Insecten anerkannt und uns
schon aus dem Silur (Pälaeoblattina) erhalten sind. Ausserdem findet
sich diese „Holopneustie," wie es Palmön bezeichnet, noch bei
den Imagines vor Allem der Eäfer ausgesprochen mit der Modification,
dass mit der Zusammenziehung der Hinterleibsringe auch die letzten
Stigmenpaare abortiren müssen. Bei Käferlarven war eine solche An-
ordnung der Stigmata bisher blos von 3 Gattungen, darunter einer deutschen
(Elmis) nachgewiesen. Das bisher so selten aufgefundene metathoracale
Stigmenpaar lässt sich ausser bei den von Westwood untersuchten Lyciden-
Larven noch bei den Gattungen Drilus, Phengodes, Lampyris^ Telepharus
nachweisen, allerdings erst nach besonderer Fräparation.
Alle diese zuletzt erwähnten Käferlarven gehören zur Familie der
Malacodermen, welche überhaupt die niedrigste postembryonale Entwickelung
unter den Holometabolen (Insecten mit vollkommener Verwandlung) zeigt
In der zur Verpuppung reifen Larve von Lampyris müssen schon drei
verschiedene Stadien angenommen werden, welche mehr oder minder ent-
wickelt, innerhalb des vorhergehenden enthalten sind. So wirft die sich
verpuppende Larve ihre dicke, schwarze Chitinhaut ab, um sich als zarte
Puppe mit entwickelten, vom Leibe deutlich abstehenden Anhängen und
unvollkommener Beweglichkeit zwischen die Larve und die wieder frei
bewegliche, nahnmgsaufnehmende Image einzuschieben, welch letztere
dann noch die wichtigste Function, die der Arterhaltung, übernimmt.
Es gehen also selbst bei Lampyris noch immerhin so tief eingreifende
Umwandlungsprozesse vor sich, dass ein, wenn auch unvollkommenes,
ruhendes Puppenstadium nothwendig wird. So erklärt sich letzteres daraus,
dass einzelne ursprünglich genealogisch auf einander
folgendeEntwickelungsph äsen im La ufder individuellen
Entwickelung zusammengezogen und secundär in einander
eingeschachtelt wurden. Weiter erhellt noch aus der Holopneustie
der Lampyriden als Larve und Image, dass bei diesen Käfern das
Athmungssystem im Laufe der individuellen Entwickelung, wie bei den
Insecten mit unvollkommener Verwandlung, ein bleibendes ist So sind
sie nicht nur menognath, d. h. in beiden Ständen mit ähnlichen
Mundtheilen ausgerüstet, sondern auch menotrem*), während die
übrigen Käfer, soweit es bekannt, im Allgemeinen als Imagines die
ursprüngliche Holopneustie im Lauf postembryonaler Entwickelung erst
erwerben müssen. Damit wurd der Beweis noch einmal geliefert, dass
die campodeiformen Larven der Urform am nächsten stehen und dass
die raupen- etc. -artigen als secundär in den Lauf der Embryonalent-
*) Von fi^vw und T^^a, mit bleibenden Stigpnen.
91
Wickelung eingeschobene Formen , nicht als Wiederholungen der Urform,
anzusehen sind.
Um schliesslich noch kurz die morphologische Bedeutung der Mügel
zu erwähnen, so sind diese als Duplikaturen der Rückenplatten aufzufassen
und als solche wie bei den Jugendformen einer Heuschrecke nicht blos
bei Thysanuren {Machüis) deutUch nachzuweisen, sondern selbst an den
Zabnfortsätzen eines Lithobius zu erkennen. Aus der Anlage, die bei
diesen niederen Formen uns noch als Budiment entgegentritt, bildete
sich im Lauf der höheren Entwickelung, ähnlich vielleicht, wie Cloeon
es uns zeigt, jener hoch entwickelte, complicirte Flugapparat heraus, der
uns jetzt als integrirendes Merkmal des Insects erscheint und in der
Ordnung der Schmetterlinge die höchste Ausbildung und Farbenschönheit zeigt.
92
XIL Die rMeteorlten des KSnlgllehen Mineralogischen
Mosennis In Dresden.
Zusammengestellt auf Veranlassung des Directors, Dr. H. B. Geinitz,
Ton Dr« J. V. Deiohmüller.
Die im Jahre 1882 in den Sitzungsber. u. AbhandL der Ges. Isis in
Dresden, Abhandl. Vin, von A. Purgold veröffentlichte üebersicht der
Meteoriten des K. Mineralogischen Museums in Dresden fuhrt 22 Fälle von
Meteorsteinen und 34 Funde von Meteoreisen auf. Seit dieser Zeit ist die
Sammlung theils durch Kauf, theils durch Tausch mit dem British Mu-
seum in London und den Sammlungen von S. C. H. Baily in Cortlandt
on Hudson und C. U. Shepard üi Charleston um weitere 29 verschiedene
Funde vermehrt worden, unter denen namentlich grössere Exemplare der
Meteorsteine von Alfianello, Aussun, Girgenti, New-Concord und
Ställdalen und der Meteoreisen von Elmo, Fort Duncan, Glorieta
Mountain, Lenarto und Sierra de Ghaco hervorzuheben sind. Das
nachstehende, im Anfang Januar 1887 abgeschlossene Verzeichniss ent-
hält 35 verschiedene Falle von Meteorsteinen und 50 verschiedene Funde
von Meteoreisen.*)
L Meteorsteine.
lao-
fnde
Rill.
Eata-
logs-
Num-
Fallort.
Fall- oder
Fund-Zeit.
Gewicht in
Gramm.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
29
88
10
17
15. 16
14
12
89
27
28
30
18
Alfianello, Brescia, Italien
Aussun, Montr^jeau, Haute Garonne, Frank-
reich
Bishopyille, Süd-CaroUna, U. S. A.
Gabarras Co., Nord-Carolina, U. S. A
Gabezzo de Mayo, Murcia, Spanien
Cangas de Onis, Asturien, Spanien .
Ghantonnay, Yendöe, Frankreich . .
Ghäteau Benard, Loiret, Frankreich
Dhurmsala, Punjab, Ostindien . . .
Fekete bei MezG Madarasz, Siebenbürgen
Girgenti, Sicilien, Italien ....
Hartford, linn Co., Jowa, U. S. A.
16. IL 1883.
9.X1L1858.
25. m. 1843.
31. X. 1849.
18.?lfl.l870.
20.X1L1869.
5.vm.l812.
12. VI. 1841.
14.Vn.l860.
4, IX, 1852.
10. IL 1853.
25. n. 1847.
73^.
107,6.
2.
7,6.
0,4; 8,6; 107.
73,s.
14.
12,7.
200.
11,8.
86,7.
83,3.
*) Die mit (?) bezeichneten Funde sind zweifelhafte oder Pseudo-Meteoriten.
G§8. Isia M Dresdeth '^^. — Abh. 12.
93
13
U
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
11
9
8. 13
40
2.3.4
1
28
19
25
37
20
31
7
32
22. 24
26 !
33
5
41
34
35
36
21
He 8 sie, üpsala, Schweden
Eernonve, Clöguörec^ Bretagne, Frankreich
Enyahinya, Unghvär, Ungarn
Krawin bei Tabor, Böhmen
L'Aigle, rOrne, Normandie, Frankreich . .
Lasdanj beiLixna, Dünaburg, Witebsk,
Rttssland
Möcs bei Baro und Gjulatelke, Siebenbüi'gen
Mooresfort, Tipperarj, Irland
Mordyinovka, Pawlograd, Ekateiinoslaw,
Russland -.
New Concord, Ohio, U. S. A
Parnallee, Madara, Ostindien
Pine Bluff, Little Piney, Missouri, U. S. A.
Pultusk, Siele Nowy, Polen
I 1. I. 1869,
22. V. 1869.
' 9. VI. 1866.
3.VII1753.
26. IV. 1803.
12VII.1820.
3. U. 1882.
— .VUI. 1810.
19. V. 1826.
1. V. 1860.
128. II. 1857.
13. II. 1839.
ÖO. I. 1868.
(?) St. Ivan bei Oedenburg, Ungarn . . . .
Siena, S. Giovann d^Asso, Toskana, Italien .
Soko Banja, Alexinac, Serbien
St&lldalen, Schweden
Stannern, Iglau, M&hren
Tomhannock Greek, Rensselaer Co , New
York, ü. S. A.
Waconda, Mitchell Co, Kansas, U. S. A. .
West Liberty, Jowa Co., Jowa, U. S, A. .
Weston, Fairfield Co., Connecticut, ü. 8. A.
Wold Cottage, Yorkshire, England . . . .
10. V. 1857.
16. VL 1794
13. X. 1877.
28. VI. 1876.
fe2. V. 1808.
1863/64
-. -. 1872
12. IL 1875.
•l4.XII.1807.
13X11.1795.
136.
11,4.
32,8; 27,8.
3,8.
72,i; 80; 82,6.
312.
43; 156,8.
6,8.
216.
41.
66,6.
11,1.
10,6;15,8;19,9;
111,9; 352,5
4,7.
1 ; 53,6.
230,!v.
114.
400.
6,1.
M; 17,7.
3,8.
8,9.
13.4.
IL Meteoreisen.
Ui*
Kata-
fM^«
logB-
Siii-
Num-
■•r.
mer.
1
8b«. 30
2
52
3
25
4
28
5
13 a
6
32
7
62
8
43
9
8
10
42
11
51
12
21
13
22
14
55
15
48
16
40.40ab
17
61
18
60
Fall ort.
Fall- oder
Fund-Zeit.
Arva, Szlanicza, Magura, Ungarn . . .
Auburn, Macon Co., Alabama, U. S. A.
Bitbur^, Albacher Mühle, Niederrhein
Bohumilitz, Prachin, Böhmen ....
Braunau, Hauptmannsdorf, Böhmen
Burlington, Otsego Co., New York, U. S. A.
Carleton Tucson, Arizona, Mexiko . . .
Coahuila, Bolson de Mapini, Mexiko . .
(?) Collina di Brianza, Mailand, Italien
ConeyFork, Carthago, Smith Co, Tennes
see, U. S. A
Dalton, Whitfidld Co., Georgia, U. S. A.
Eisenberg, Sachsen -Altenburg. — Hanpt-
exemplar. UrsprÜngl. Gew. 1579 Gr. . .
Elbogen, Böhmen. (Verwünschte Burggraf.]
Elmo, Independance Co., Kansas, U. S. A.
Emmetaburg, Maryland, U. S. A. ...
Estherville, Emmet Co, Jowa, U. S. A.
Fort Dune an, Maverick Co , Texas, U. S. A.
Fort Pierre, Nebraska, U. S. A
!, 1840.
I 1867.
' 1802.
i! 1829.
14.VU.1847.
1819.
1850.
1868.
1769179.
1840.
1877.
1873.
181L
1884.
1854.
10. V. 1879.
1882.
1857.
Gewicht in
Gramm.
1004;96,8;135.
9,4
175.
37,1.
234,5.
15,i.
81,9.
162.
15.
140.
22,9.
1394.
13,8.
38,9.
1,9.
3,i;7,i;26,7;6.9.
340.
8,6.
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46
45
47
18
48
49
49
44
50
24
Fallort.
Fall- oder
Fnnd-Z^it.
Glorieta Mountain, Canoncito, Sta. Fe Co .
New Mexiko, U. 8. A.
Hainholz b. Paderborn, Westphalen. . . .
Imilac, Atakama, Bolivia
Ivanpah, San Bemardino Co., Califomien,
Iztlahuaca, Xiquipilco, Tolucathal, Mexiko.
Lenarto, S&roser Com., Ungarn.
Madoc, Ober-Kanada
Medwedewa, Jenissel, Sibirien
Mejillones, Atakama, Bolivia
Nenntmannadorf bei Pirna, Sachsen. —
Hauptexemplar. Ursprüngl. Gew. 12 500 Gr.
(?) NGodenitz, Sachsen -Altenburg . . . .
Obernkirohen bei Bückeburg, Preussen . .
Ovifac, Disko Eiland, GrOnland . . . .
Putnam Gount^, Georgia, U. S. A. . . .
Rittersgrün bei Schwarzenberg, Sachsen .
(?) Rokycan, Böhmen
Ruffs Mountain, Lexington Co., Süd-Caro-
lina, ü. S. A
Bussel Gulch, Gilpin Co., Colorado, U. S. A.
Salt River, Kentucky, ü. S. A
Sancha Estate, Smithsonian Eisen . .
(?) San Sacramento Lake, U. S. A. . . .
Santa Catarina, Moro di Biccio, Rio San
Francisco do Sul, Brasilien
Sarepta, Saratow, Rnssland
Seel&sgen, Brandenburg, Preussen . . . .
Sierra de Chaco, Atalcama, Bolivia . . .
Sierra di Deesa, Chili
Staunton, Aufpista Co., Yirginien, U. 8. A.
Tazewell, Claibome Co., Tennessee, U. S. A.
Tejupiltso, Tolucathal, Mexiko
Tocavita, Santa Rosa, Boyaca-Fluss, Neu-
Granada
Werchne Udinsk, Niro, Witim, Sibirien . .
Zacatecas, Mexiko
1884.
1856.
1827.
Gewicht in
Gramm.
125.
55.
13.
1879.
4,1.
1784.
175; 93,4.
1814.
34a
1854.
43,«.
1749.
198;79;76,&
1874.
5,1.
1872.
11575; 61,*
1867.
187,.; 4,4.
1868.
25a
1870.
614; 80a
1889.
27a
1847.
580.
1862.
21,7.
1850.
62.
1863.
18,4.
1850.
19a
1855.
SlA
—
72,T.
1875.
240.
1854.
89,T.
1847.
75.
1862.
87a
1865.
840.
1870.
128a
1858.
56.
1784.
285a
1810.
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1854.
54a
1792.
86.
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Dxaek tob Julius Beiohel, DsMden.
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Die Preise füi- die noch vorhandenen Jahi-gränge Jer ^iteuug.
berichte der „Isis«, welche durch die Burdachsche Hofbuch-
handlang in Dresden bezo£-en werden können, sind in folgender
Weise festgestellt worden :
• Denkschriften. Dresden 1860. S 1 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1861. 8. . . . 1 M. 20 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgimg 1863. 'S 1 M, 80 PL
Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865. 8. pro JtihTg^jig 1 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. 8. April-December ... 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868. 8. pro Jahrgang 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1869, 1871 u. 1872. 8. pro Jahrg. 3 M. 50 Pf,
Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. 8. April-December . . S M. — PI
Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 — 1878. 8. pro Jahrgang . 4M. — Pf
Dr. Oscar Schneider: Natur-wrissensch. Beiträge zur Kenn t-
niss der Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln 6 M. ^ Pf
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. 8 5 M — Pf
Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. 8. Juli-December . . . 0 M ~ Pf
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1881—1884
1886. 8. pro Jahrgang ! 5 M — Pf
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1885 8 2 M^n P-
Festschrift. Dresden 1885. 8. 178 S. 4 Tafeln . ' o jur' r2*
• * . '* ^' — Pf.
Mitgüedem der „Isis" wird ein Rabatt von 25 Proc '-ewihrt
Alle Zusenduyn für die Gesellschaft „Isis", sowL auch
«-Die regelmässige Abgabe der Sitzungsberichte an au.'
wältige Mitglieder, sowie an auswärtie-e Vereinf- t,-fni^ ■ i '"^«"='-
entweder gegen Austausch mit auderfn Sehr L, i^ "" ^^" ^"^"^
liehen Beitrag von 3 Mark Tnr Ve i ^'°^° ^^^'-
in den Sitzungsberichten (luittirt wird. ^^^'ns'^'asse, worüber
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Könlgl. Sachs. Hofbuohhandlung
zur Bosorwng wiwcn.chaflUrhcr Literatur bTi k,„.
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